Zusammenfassung zum derzeitigen Forschungsstand der Orkotrophologie

OneshotHumor / P6
07.05.2017
07.05.2017
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Obgleich die Orkforschung bislang ein ausgesprochenes Nischenfach ist, sind doch in den letzten Jahren vielfältige Erkenntnisse zur Lebensweise dieser Spezies gewonnen worden. Dazu trugen vor allem die Feldbeobachtungen in den Jahren 2001 bis 2003 und 2012 bis 2014 bei, die mit ihren spektakulären Filmaufnahmen erstmals eine direkte Beobachtung der Orks in ihren natürlichen Habitaten möglich machten.
Von den vielen Themen, mit denen sich die Orkforschung beschäftigt, wurde wohl bislang die Frage der Orkvermehrung am ausführlichsten diskutiert, da sich in dem während der Feldfoschungen entstandenen Filmmaterial deutliche Unterschiede zu den schriftlichen Aufzeichnungen J.R.R.Tolkiens aus den sechziger Jahren zeigten, welche bislang das Basiswerk der Orkforschung bildeten. Vor dem Hintergrund dieser oftmals sehr lebhaft geführten wissenschaftlichen Debatte traten andere Aspekte der Orkforschung stark in den Hintergrund, und erst seit Neuestem gewinnen Forschungsschwerpunkte wie die Orkotrophologie (Wissenschaft von der Orkernährung) wieder vermehrt an Aufmerksamkeit.
Wie komplex sich die Themen der Orkotrophologie teilweise gestalten, soll hier anhand eines kleinen Fallbeispieles erläutert werden.
Es geht dabei um die Frage, wovon sich große Orkpopulationen in ihren oft unwirtlichen Habitaten ernähren; konkret trifft das in diesem Beispiel auf die Population der Moria-Orks zu, welche 2001 erstmals auf Filmmaterial gebannt werden konnte.
In den Aufnahmen ist zu sehen, wie eine große Gruppe Orks neun Personen einer Wandergruppe umzingelt und bedroht. Die Übersichtsaufnahmen geben uns dabei einen guten Blick auf die Anzahl der Orks, welche der Autor auf etwa 200 Individuen schätzt.
Obwohl wir keine konkreten Informationen über die Gesamtgröße der Moria-Population haben, lässt sich hier sehr gut eine Mindestzahl von Orks für Moria abschätzen. Nimmt man die etwa 200 Orks als Gesamtheit der adulten Individuen zwischen 15 und 60 Jahren* an, so lässt sich aus Vergleichen mit demographischen Tabellen humaner, vorindustrieller Populationen eine mindestens doppelt so hohe Individuenzahl für die Gesamtpopulation annehmen. Dies wirft nun die Frage nach der Subsistenz einer solch großen Population auf, vor allem, wenn man das Habitat, in dem diese Orks leben, mit in die Betrachtung einbezieht.
Moria ist ein weitverzweigtes Höhlensystem im mittleren bis südlichen Teil des Nebelgebirges, mit teilweise immensen Ausdehnungen. Die Umgebung dieser Höhlen besteht überwiegend aus einer Hochgebirgslandschaft mit in höheren Lagen ganzjähriger Schneedecke. Westlich des Nebelgebirges ist die Landschaft durch karge, vorwiegend baumlose Vorgebirgslandschaften mit nur  geringer Einwohnerdichte gekennzeichnet. Auf der Ostseite des Gebirges dagegen schließen sich große Waldflächen an, welche relativ dicht besiedelt sind. Zahlreiche langanhaltende Konflikte zwischen der elbischen Bevölkerung jener Gebiete und den in Moria ansässigen Orks sind dokumentiert, weswegen diese Gegenden von letzteren nur bedingt aufgesucht werden.
Die ökologischen Voraussetzungen für die Ernährung einer großen Orkpopulation sind folglich ehr schlecht.
Wovon also leben die Moria-Orks? Wandergruppen, wie die auf den Filmaufnahmen beobachtete, dürften nur selten vorbeikommen, da Moria keine Hauptreiseroute ist; sie können also allenfalls eine Ergänzung des Speiseplanes darstellen.
Ackerbau, welcher die Grundlage der allermeisten sesshaften Völker bildet, erscheint für Orks ehr unwahrscheinlich, da weder Klima noch Böden eine ausreichende Ernte versprechen. Auch sind bislang keine Ackerflächen in der Umgebung Morias bekannt.
Eine wildbeuterische Ernährung wäre dagegen denkbar, aber sowohl die Größe der Orkpopulation als auch ihre Sesshaftigkeit** spricht stark dagegen. Tierhaltung (z.B. Ziegen) wäre prinzipiell möglich, aber auch da wäre eine gewissen Mobilität nötig, da die Herden sehr groß sein müssten und das fragile Ökosystem Hochgebirge zu stark schädigen würden. Auch das Einbeziehen von Raubzügen in die weitere Umgebung wird kaum für eine ausreichende Subsistenz sorgen.
Wie also kann sich eine derart große Ork-Population in Moria halten, wenn weder Jagen-Sammeln, noch Ackerbau oder Tierhaltung ausreichen?
Bisher gibt es in der Wissenschaft dazu vier Thesen, die hier Stichpunktartig dargelegt werden sollen:
a) Orks verbrauchen weniger Nahrung als menschliche Populationen ähnlicher Größe. Dies wäre möglich, wenn Orks wechselwarm wären. Angesichts des kühlen Gebirgsklimas und des Aktivitätslevels der Orks scheint dies jedoch ehr unwahrscheinlich.
b) Orks betreiben Photosynthese. Tatsächlich weisen besonders die Moria-Orks eine grüne Hautfarbe unterschiedlicher Schattierung auf, welche durchaus auf Chlorophylleinlagerungen in der Haut zurückgehen könnte. Die ausgesprochene Lichtscheu dieser Spezies spricht allerdings deutlich gegen die These.
c) Orks betreiben Chemosynthese. Als Beispiel kann vielleicht die Verstoffwechselung von Schwefel aufgeführt werden. Diese sehr interessante These könnte möglicherweise die Coexistenz der Moria-Orks mit dem Balrog und das Vorkommen besonders vieler Orks in vulkanischen Gebieten (Mordor) erklären.
d) In den Tiefen von Moria gibt es ein eigenständiges Ökosystem, welches stabil genug ist, um eine große Menge Orks zu ernähren. Vorstellbar wäre hier zum Beispiel das Wachstum ausgedehnter Pilzrasen, welche von den Orks abgeweidet werden.
Leider reichen die bisherigen Daten nicht aus, um diese Thesen auf eine wissenschaftliche Basis hin überprüfen zu können; man ist also momentan zumeist auf die wenigen vorhandenen schriftlichen und filmischen Dokumente und deren Vergleich mit Beobachtungen und Erkenntnissen aus Ethnologie, Biologie und themenverwandten Forschungsfeldern angewiesen.
Eine große Hoffnung liegt in der Auswertung der Filmaufnahmen aus dem Jahr 2012, deren detaillierte Bearbeitung derzeit noch aussteht.


* Der Einfachheit halber wird hier auf das menschliche Altersäquivalent zurückgegriffen, da über die tatsächlichen Lebensspannen von Orks bislang keine belastbaren Daten vorliegen.

** Der Ethnologie sind zwar sesshafte Jäger-Sammlergesellschaften bekannt, jedoch leben diese in einer sehr reichhaltigen Umgebung und beziehen Fischfang in ihre Ernährung mit ein, was für Orks bislang nicht belegt ist.