Die Piraten der Riptide

von Lady Snow
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
05.05.2017
01.11.2018
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Dieses Kapitel
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Kapitel 1

Annabeth holte extra tief Luft bevor ihre Zofe mit dem Verschnüren des Korsetts begann. Unauffällig natürlich. So würde sie später besser atmen können. Die junge Frau hasste es, wenn sie ihre Lungen in dieses schrecklich enge Mieder zwingen musste. Leider verlangte die Etikette ein makelloses Erscheinungsbild der Tochter des Gouverneurs. Vor allem, bei einem so außerordentlich wichtigen Anlass. Glücklicherweise, hatte sie in ihren 20 Jahren auf dieser Erde einige Kniffe gelernt, wie sie gewisse Vorschriften lockern und ihre Zimmermädchen austricksen konnte.

Geduldig hielt Annabeth also die Luft an, während Piper mit flinken Fingern die edlen Schnüre über ihrem Rücken spannte. Das Mädchen war nicht dumm. Es wusste genau, was seine Herrin für ein Spiel spielte, aber erstens, wagte sie es nicht ihr zu widersprechen und zweitens, konnte sie dieses beengte Gefühl eines Korsetts ebenfalls nicht ausstehen. Sie war heilfroh, dass ihre Dienstkleidung aus einfachem schwarzen Stoff mit weißer Spitze bestand.
Nach getaner Arbeit, zupfte Piper noch schnell ein paar Schleifen zu recht und nickte dann: „Ich bin fertig, Miss Chase. Nur noch die Schuhe und wir können uns auf den Weg machen.“ Geschickt hob Annabeth ihre Reifröcke und schlüpfte in das bereitstehende Paar Schuhe.

Ein letzter Blick in den Spiegel: Ihr blondes Haar war zu einer kunstvollen Frisur aufgesteckt, die Wangen gepudert, das neue rote Kleid fiel in sanften Wellen über die Reifröcke und die kleinen weißen Maschen bildeten einen wunderbaren Kontrast zu der schwarzen Spitze. Die schwarzen Sandalen mit den hellen Edelsteinen funkelten, wenn sie unter dem Kleid hervorblitzten und die Krönung bildete eine schlichte silberne Halskette mit einem verschnörkelten Anhänger.

Zufrieden lächelte Annabeth ihr liebstes Dienstmädchen an. Piper war erst seit zwei Monaten bei ihrer Familie angestellt, aber mit ihren 18 Jahren war sie schon sehr reif, eine gute Gesprächspartnerin und erledigte ihre Arbeit mit größter Sorgfalt.

„Gut gemacht Piper. Mein Vater wird zufrieden sein.“ Demütig machte Piper einen Knicks und errötete leicht. Die Zufriedenheit des Gouverneurs war das höchste Lob, das sie erhalten konnte. Gemeinsam machten sich die beiden Frauen auf den Weg in die Empfangshalle.
Während sie durch die Flure des stattlichen Herrenhauses wanderten, ließ Annabeth ihre Gedanken schweifen. Heute war ein großer Tag. Heute war der Tag, an dem sie ihren Bräutigam kennenlernen würde. Ein seltsames Gefühl, schon beim ersten Treffen mit jemandem zu wissen, dass man den Rest seines Lebens an dessen Seite verbringen wird. Ja, wirklich seltsam. Sie würde eine gute Ehefrau sein. Gehorsam, aber auch klug, hübsch anzusehen, aber auch elegant… Und für den Rest ihres Lebens gebunden.

Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie diese Hochzeit eigentlich nicht wollte. Auch wenn ihre Zukünftiger wirklich ein so angesehener Mann war, wie sie gehört hatte. Auch wenn ihr Vater ihr sehr ausführlich die Vorzüge dieser Hochzeit angepriesen hatte. Auch wenn ihr dieser Bund so vielversprechende Möglichkeiten eröffnete. Sie wusste, dass ihr Herz etwas Anderes wollte. Doch Annabeth Chase zog es vor auf ihren Kopf zu hören und der war einer Meinung mit ihrem Vater. Eine bessere Partie konnte sie gar nicht machen. Mit Commodore Jason Grace hatte sie das große Los gezogen.



Der Boden war, trotz der vor Feuchtigkeit morschen Bretter, sehr solide und äußerst unnachgiebig. Will schloss diese Erkenntnis aus dem Geräusch seiner brechenden Knochen, als er auf ihm aufschlug. Zwei Rippen mindesten, dachte er, während er verzweifelt versuchte einen Schrei zu unterdrücken. Diese Genugtuung würde er seinen Peinigern nicht geben. Ihr Lachen dröhnte in seinen Ohren und eine unge-heure Wut erfüllte ihn. Wut auf England, Wut auf den Adel, Wut auf seine elenden Soldaten. Feige Würmer, die in Gruppen auf einen einzelnen Mann losgehen. Der Stolz der britischen Krone - nichts als feige Würmer.

„Na, Piratenabschaum? Hast du endlich genug?“ Brutal riss einer der britischen Lieutenants den jungen Mann an seinen blonden Haaren nach oben. Will spuckte ihm ins Gesicht.

Angeekelt stieß der Soldat ihn weg und sofort gingen seine Kameraden wieder auf Will los.
Der wehrte sich nach Kräften, und konnte auch einige Treffer mit seinen Fäusten landen, aber gegen vier Mann hatte er allein keine Chance. Schlag um Schlag steckte er ein. Gerade als seine Sicht langsam unscharf wurde und er ahnte, dass er bald ohnmächtig werden würde, zerriss ein scharfer Befehl die Luft. Sofort nahmen die Soldaten Haltung an und Will sank schwer atmend auf die Knie. Jeder Muskel seines Körpers schmerzte. Seine ohnehin schon ramponierten Kleider waren zerrissen und blutverschmiert.

Ein Paar sorgfältig polierter Stiefel kam in sein Blickfeld. Will folgte den Schuhen über eine dunkelblaue Hose, einen ebenso blauen Mantel mit goldenen, gravierten Knöpfen und einem goldenen Jackett bis zum Gesicht des neuen Commodores der britischen Royal Navy. Jason Grace. Mit 25 Jahren der jüngste Commodore seiner Zeit und auch der Geachtetste. In nur 3 Jahren stieg er vom einfachen Soldaten zum Captain auf und nach nur 5 Dienstjahren wurde er zum Commodore, zum Ka-pitän zur See, ernannt. Eine Flotte von 11 Schiffen stand unter seinem Kommando, darunter auch der Stolz der britischen Royal Navy, die Argo.

Seit drei Monaten segelte er nun schon über den Atlantik und kaperte Piratenschiffe. Viele der Piraten ertranken, viele starben in den Schlachten und, zum Leidwesen der Briten, konnten auch viele trotz ihrer ramponierten Schiffe entkommen. In einigen seltenen Fällen konnten Gefangene genommen werden. Gefangene, die dann zurück nach England geschifft und dort vor ein Gericht gestellt wurden. Gefangene, wie der Pirat zu Füßen von Commodore Grace.

Im Moment musterte er den geschundenen Mann vor sich mit einem kalten Blick. Sein schäbiges Leinenhemd war voller Blut und Dreck. Die schwarze Hose und die braunen Stiefel hatten Löcher und Risse. Sein Gesicht war voller Striemen und eines seiner Augen war blau und geschwollen. Den Mantel mit den zahlreichen Pistolen und Dolchen hatte man ihm, schon bevor er in diese Zelle gesperrt wurde, abgenommen. Er hatte nichts mehr.

In einer anderen Situation hätte Jason Mitleid gezeigt. Aber das hier war ein Pirat. Ein ruchloser Verbrecher und ein Mörder, der wahrscheinlich schon mehr Leben auf dem Gewissen hatte, als er heute Schläge einstecken musste.

Trotzdem war Jason eine Führungsperson und musste mit gutem Beispiel vorangehen. Auch Gefangene mussten fair behandelt werden. Ansonsten begab man sich auf Piratenniveau hinab und das war eines der schlimmsten Verbrechen, die man gegenüber seinem Land begehen konnte. Also richtete Jason sich noch ein Stück weiter auf und sah seine Soldaten streng an: „Der Gefangene wird bis zu seiner Anhörung heute Nachmittag nicht mehr angerührt. Wir werden in zwei Stunden im Hafen von Port Royal ankommen. Bringt ihm Wasser und Brot. Er muss fähig sein selbst zu gehen und zu sprechen. Was weiter mit ihm geschieht, entscheidet der Gouverneur persönlich.“ Die Männer salutierten und hievten Will auf die Liege in seiner Zelle. Danach machten sie sich auf, um ihre Befehle auszuführen. Jason blieb noch einen Moment vor der verschlossenen Zellentür stehen.

Die Blicke von ihm und Will begegneten sich. Blau traf auf Blau. „Wenn du Verstand hast“, sagte Jason, „dann erzählst du dem Gericht heute, was es hören will. Dann, und nur dann, hast du vielleicht noch eine Chance dein armseliges Leben zu retten.“ Will schnaubte verächtlich: „Eher beende ich mein armseliges Leben durch meine eigene Hand, als dass ich euch gepuderten Maden auch nur ein Sterbenswörtchen erzähle.“

Verärgert wandte Jason sich ab und ging mit schnellen Schritten an Deck. Was für ein einfältiger Tölpel er doch manchmal war. Sein Gewissen drängte ihn dazu, wenigstens zu versuchen ein paar der Leben von Piraten und anderen Kriminellen in seinen Zellen zu retten. Aber letztendlich waren sie alle gleich. Schlugen seine Ratschläge aus, lachten darüber, verfluchten alles was ihm heilig war. Ganz am Anfang seiner Laufbahn in der Royal Navy hatte Jason noch daran geglaubt, in jedem Menschen eine gute Seite finden zu können. Inzwischen war er nicht mehr so naiv. Inzwischen wusste er, dass nicht jedes Leben es wert war, dass man darum trauerte. Manche verdienten den Tod.

Er kletterte durch eine Luke und fand sich an Deck der Argo, wieder.  Der Commodore stand inmitten seiner treuen Männer und beobachtete, wie sie geschäftig hin und her liefen, Taue aufrollten, Kisten durch die Gegend schleppten und ihre Aufgaben erfüllten. Der Himmel war strahlend blau und Jason glaubte die Konturen Englands hinter dem Dunst am Horizont erkennen zu können.

England. Sein zuhause. Ihr aller zuhause. Vorfreude auf das Wiedersehen mit Familien, Freunden oder Geliebten lag in der Luft.

Auch auf Jasons Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Heute würde er seine Braut kennenlernen. Der Gedanke, eine Unbekannte zu heiraten, war etwas befremdlich, aber seine Eltern hatten gewiss eine hervorragende Wahl für ihn getroffen. Es stand ihm nicht zu, sich gegen den Willen seines Vaters aufzulehnen. Er hatte es auch gar nicht vor. Er war Soldat. Er befolgte Befehle.

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Hallo :)
Tja, das hier wäre das erste Kapitel meiner Geschichte. Wie schon erwähnt, ich habe die Charaktere aus "Percy Jackson" und aus "Helden des Olymp" in das Universum von "Fluch der Karibik" gepackt.

Ich bin dankbar für jegliches Feedback, ich habe meine Geschichten noch nie jemanden lesen lassen und dachte mir "Hey, warum nutze ich nicht die Anonymität des Internets". Also habe ich eine Seite für Fanfiktions gesucht, diese gefunden und zittere jetzt vor Kritik :)

Ich verdiene hiermit natürlich kein Geld, sondern will nur meinen Schreibstil verbessern. Die Personen gehören mir auch nicht, nur ihre Darstellung und die Handlung dieser Geschichte gehören mir (war das richtig so?).

Bis bald, hoffe ich :)
GLG
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