Feuerblut

von Broesel
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Link OC (Own Character)
04.05.2017
23.05.2020
27
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23.05.2020 991
 
Ganon war tot. Es war kaum zu glauben, wie schnell sich die Nachricht verbreitet hatte. Gerade einmal eine Woche war seit der finalen Schlacht vergangen und schon hatten sich die Bewohner Hyrules auf den Weg zum Schloss gemacht. Als erstes waren die Shiekah erschienen und waren vor Prinzessin Zelda auf die Knie gefallen, um ihr ihre ewige Gefolgschaft zu versichern. Ihnen folgten die Gerudos, angeführt von Urbosa, der Zelda schluchzend um den Hals gefallen war. Die anderen Recken fanden sich ebenfalls im Schloss ein und wurden nicht weniger herzlich begrüßt.
In den kommenden Tagen läuteten im ganzen Land die Glocken. Die Prinzessin sei zurückgekehrt, sagten die Leute, um Hyrule wieder zu seinem alten Wohlstand zu verhelfen. Doch zunächst musste das Schloss wiederaufgebaut werden. Tagtäglich trudelten neue Handwerker ein und das Schlagen der Hämmer wurde zu einem nicht enden wollenden Konzert. Jeder hatte seine Aufgabe.
Und so auch ich.
Die Feenokarina war ein mächtiges Instrument, selbst um einiges mächtiger als es mein Säbel gewesen war, der in der letzten Schlacht in Ganons Atem geschmolzen war. Die Okarina beinhaltete die Macht der alten Zeit, einer Zeit, in der in Lieder Magie eingewoben worden war. Und diese Lieder, so hieß es, seien noch immer in ganz Hyrule verstreut. Begraben und vergessen in alten Tempeln, geschrieben auf Brunnenwänden und eingemeißelt in Grabplatten. Und mit der Feenokarina gespielt konnte ich jeder dieser Melodien ihre Magie entlocken.
Mit dem Lied der Befreiung konnte ich die Wächter, die noch immer Ganons giftigen Fluch in sich trugen, erlösen. Es war schwierig, an sie heranzutreten, da sie mich nun, da ich die blaue Energie nicht mehr in mir trug, als Feindin ansahen, doch es war nicht unmöglich. Ganons Kreaturen, die weiterhin vereinzelt Hyrule durchstreiften, machten mir ebenfalls keine Sorgen. Der Eisdrache, den es so sehr wie noch nie nach Ruhm gelüstete, hatte sich nur wenige Tage nach der Schlacht aufgemacht, um das ganze Land von Ganons Schergen zu befreien. Zuletzt sei er über dem Hylia-See gesichtet worden, hatte ich mir sagen lassen. Der Gewitterdrache war in seine Wüste zurückgekehrt, um dort ein ruhiges Leben zu führen, während der Feuerdrache im Krater des Todesberges verschwunden war. Der Wasserdrache hatte den Wasserweg in den Osten genommen, offenbar war sein Ziel der östliche Stausee, in dem Vah Ruta lange Zeit überdauert hatte. Bevor mich die Drachen jedoch verlassen hatten, hatte ein jeder von ihnen mir eine spezielle Melodie anvertraut.
„Spiele sie und wir werden kommen“, hatte mir der Wasserdrache versprochen.
Er hatte mir versichert, dass sie sie hören würden und ich glaubte ihm. Wenn jemand wusste, wie eine Melodie mit Magie aufgeladen werden konnte, dann war es der Wasserdrache. Es war beruhigend zu wissen, dass die Drachen nicht aus meinem Leben verschwunden waren. Solange ich die Okarina trug, würden sie mich immer wiederfinden. Und ich würde sie niemals ablegen.
Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen und ich tätschelte Coles Hals. Der Hengst schnaubte zufrieden und drehte den Kopf, um mir einen Blick aus seinen dunklen Augen zuzuwerfen. „Wir sollten bald nach Kakariko reisen“, teilte ich dem Pferd meine Gedanken mit. „Link hat im Schloss eine alte Schriftrolle gefunden, die besagt, dass in Kakariko eine Melodie geschrieben steht, die Sturm und Regen kontrollieren kann. Aber damit ist nicht das heutige Kakariko gemeint, das gleichnamige Dorf war früher am Fuße des Todeskraters. Ich bin mir sicher, wir finden in den Ruinen etwas, das uns einen Hinweis auf die Noten gibt. Wenn die Stadt um das Schloss herum wieder zu neuem Leben erwachen soll, müssen die Bauernhöfe im Umland wiederaufgebaut werden. Und was ist für einen fruchtbaren Boden besser als ein kontrollierter Regenguss? Aber zunächst haben wir ein anderes Ziel.“
Die Finger meiner rechten Hand glitten liebevoll über das glatte Holz der Okarina. Ein sanfter Nieselregen hatte eingesetzt und erfüllte die Luft mit einem frischen Duft. „Das Lied der Befreiung ist vielseitig einsetzbar“, erklärte ich meinem Hengst, der mit aufgestellten Ohren meiner Stimme lauschte, „und im Dorf der Zoras lebt jemand, der die Hilfe dieser Melodie gut gebrauchen kann, um sich von seiner Vergangenheit zu befreien. Ich rede von einer Zora namens Jenda, sie war eine der Wissenschaftlerinnen, die an den Experimenten beteiligt waren. Ich weiß, eigentlich sollte sie mir egal sein, doch sie scheint eine gute Frau gewesen zu sein. Und sie wurde lange genug für ihre Fehler bestraft. Bei der Gelegenheit könnten wir auch dem Wasserdrachen einen kurzen Besuch abstatten, was meinst du?“
Cole schnaubte und schüttelte die Mähne, sodass Wassertropfen in alle Richtungen spritzten. Wenn das mal keine Zustimmung war! „Und danach“, überlegte ich laut, „wohin reisen wir danach? Wahrscheinlich sollten wir zum Schloss zurückkehren, wir sollten Link nicht so lang allein lassen.“
Außerdem befand sich ebenfalls ein ganz spezieller Orni im Schloss…
Ich konnte mir ein nervöses Grinsen nicht ganz verkneifen und rutschte im Sattel herum, bis ich eine bequemere Position fand. Es gab genug zu tun, doch ich hatte alle Zeit der Welt. Jetzt würde ich erst einmal Jenda von ihrem Wahnsinn befreien, der durch den Wasserdrachen und ihre Schuldgefühle ausgelöst worden war. Und wenn Jenda ihren Verstand wiedererlangt hatte, konnte sie mir vielleicht dabei helfen, das Versprechen einzulösen, das ich meiner Mutter gegeben hatte. Ich war zwar nicht mehr Ryneia, aber dennoch blieb sie meine Mutter. Und ich würde sie finden.
Ich lächelte entschlossen, ließ die Hand von der Okarina gleiten und ergriff wieder Coles Zügel. Und der Hengst steigerte sein Tempo und trug mich sicher durch den Regen auf mein nächstes Ziel zu.

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Ich bedanke mich bei jedem von euch, der sich diese Geschichte durchgelesen hat. Ich hoffe sehr, dass euch das Lesen ebenso viel Spaß gemacht hat wie mir das Schreiben (auch wenn es hin und wieder sehr lange gedauert hat ^^). Ich bedanke mich außerdem für 9446 Zugriffe, 63 Favoriteneinträge und 14 Empfehlungen, aber ganz besonders für die tollen Reviews, die ihr hinterlassen habt.  
An dieser Stelle verabschiede ich mich von euch, aber vielleicht liest man sich ja nochmal wieder ;)
Eure Broesel <3
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