Liebe zur Freiheit

GeschichteFantasy / P16
Grimalkin OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
02.05.2017
10.08.2017
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Ein neues Kapitel ... viel Spaß ^^

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Der Wilde Wald hieß mich mit seinem tödlichen Zwielicht willkommen und als ich weit genug von der Grenze entfernt war, gönnte ich mir eine Pause. Ich brauchte dringend neue Kleidung, Nahrung und einen Plan. Das Logischste wäre gewesen, nach Arkadia zu gehen und Oberon zu fragen, wo sich sein Laufbursche aufhielt, doch mir stand nicht der Sinn nach Titania. Die besten Informationen fand man immer noch im Wilden Wald, vorausgesetzt man konnte den Preis dafür zahlen. In meinem Fall musste ich darauf hoffen dass es ihnen genug Angst machte, eine Klinge an den Hals gedrückt zu bekommen. Denn viele Gefälligkeiten konnte ich nicht einfordern. Egal, so oder so musste ich alles versuchen. Ich wollte wieder frei sein. Dafür musste man schon mal Opfer bringen oder sich die Hände schmutzig machen.
Ich stampfte durch das Dickicht, duckte mich unter Ästen hindurch und wich den dornigen Büschen aus. Seltsamerweise lag der Wilde Wald so still wie selten vor mir, was mich beunruhigte. Entweder waren alle Bewohner ausgestorben oder etwas großes, hungriges trieb sich hier herum. Da mein Schein noch nicht vollständig wieder da war, konnte ich nicht kämpfen. Egal was es war, ich musste rausfinden wo es war und dann so schnell wie möglich auf Abstand gehen. Also nahm ich die Fährte auf und duckte mich zwischen Büsche und Bäume. Geschützt durch die großen Blätter, beobachtete ich das gigantische Monster, das mit dem Hinterteil zu mir stand. Es hatte die kräftigen Flügel angezogen und weidete mit seinen spitzen Zähnen die Leiche eines Dunkerwichtels aus. Ich kniff die Augen zusammen und suchte in seiner Umgebung nach weiteren seiner Art, auch wenn es unwahrscheinlich war, dass sie ihr Futter teilten. Der Wyvern schaute kurz auf und sah mit seiner blutverschmierten Schnauze genau in meine Richtung. Jeder Anfänger wäre jetzt hektisch aufgesprungen und davongerannt, aber ich lebte quasi im Wilden Wald, war oft genug jagen gegangen und so schnell machte mir ein Monster keine Angst. Egal wie groß oder giftig es war.
Also blieb ich ruhig in meiner Position hocken und erwiderte den hungrigen Blick des Wyvern. Der Augenblick zog sich dahin, in dem es darauf wartete dass sein nächstes Opfer einen Laut von sich gab oder sich durch hektische Bewegungen verriet. Da ich ihm diesen Gefallen jedoch nicht tat, wandte es sich wieder ab und zerfleischte weiter den Körper des Dunkerwichtels. Geräuschlos brachte ich Abstand zwischen mir und dem Wyvern.

Als wieder Leben im Wald zu spüren war, wurde ich langsamer. Ich spürte die Augen der Waldbewohner  auf mir, hörte das Summen und roch diesen unverwechselbaren Duft, den nur der Wilde Wald besaß. Tief einatmend schloss ich kurz die Augen und fühlte mich ein Stück zu Hause. Die Hitze traf mich wie ein Schlag, ließ mich aufkeuchen und in die Knie gehen. Sie strömte durch meine Venen, vermischte sich mit meinem Blut und brachte meinen Herzschlag zum rasen. Obwohl es mich vollkommen unerwartet traf, war dieses Gefühl keineswegs unangenehm. Plötzlich wusste ich was mit mir geschah. Ich fixierte den Baum vor mir, schickte meine Sinne in die Erde und spürte das Pulsieren von Leben und lächelte. An dem Baum wuchsen Blumen, öffneten ihre Knospen und strahlten mich an. Überglücklich richtete ich mich auf und fasste neue Entschlossenheit, jetzt wo mein Schein wieder da war. Jetzt war ich bereit das wohl berüchtigtste Feenwesen in ganz Nimmernie zu finden und an Mab auszuliefern.
Als Erstes musste ich einer der Wenigen finden, die mir noch etwas schuldeten. Feen waren, sobald sie etwas schworen oder versprachen, unweigerlich daran gebunden und mussten die Schuld vollends begleichen. Außer man baute sich ein Schlupfloch, was zu Rachegelüsten des Vertragspartners führen konnte. Wir Feen waren nachtragend und konnten mit Eifersucht und dergleichen nicht besonders gut umgehen. Vielleicht lag es daran, dass wir keine Seelen besaßen und die damit verbundenen Emotionen, wie Reue oder ein Gewissen. Die waren hier im Nimmernie sowieso fehl am Platz. Hier galt die Macht dem Stärkeren und wer Schwäche zeigte wurde ausgemerzt.
Nach einer Tageswanderung erreichte ich mein Ziel, eine Baumgruppe hinter der eine kleine Gesellschaft von Gnomen lebte. Die kleinen Wesen wuselten durch ihre kleinen Hütten, redeten nicht viel und schenkten der Sommerfee hinter dem Baum keine Beachtung. Aus schmalen Augen suchte ich den richtigen Gnom. Er war nicht bei den Anderen, sondern hielt sich am Rand der Siedlung auf, außerhalb des Sichtfeldes der Gnome. Perfekt! Leise tastete ich mich zu ihm vor, der Schein tarnte mich und ließ mich unsichtbar werden. Kurz vor dem Gnom ließ ich die Tarnung fallen und trat direkt vor ihn. Erschrocken schaute er auf und ihm war anzusehen, dass er wusste wer ich war.
>>Wie geht es dir?<<, erkundigte er sich betont höflich.
>>Du schuldest mir was und ich werde diese Schuld jetzt einfordern.<<, kam ich direkt auf den Punkt.
Jegliche Farbe wich aus seinem Gesicht und er warf einen hilfesuchenden Blick zu der Siedlung. Keiner bemerkte uns auch nur ansatzweise. >>Ich kann jetzt nicht.<<, redete er sich raus. >>Wir versuchen uns zu erweitern und müssen viel arbeiten. Du weißt ja wie der Wald ist.<<
Unbeeindruckt zuckte ich mit den Schultern. >>Wenn du mir gibst was ich will, wird es auch nicht lange dauern.<<
>>Komm später wieder.<<, bat er und machte einen Schritt zurück.
Da mir die Zeit fehlte um noch zu warten, packte ich ihn und drückte ihn gegen den Baum, damit wir auf Augenhöhe waren. Um weitere Ausreden zu umgehen, hielt ich mein Messer knapp vor seinem Hals. >>Ich brauche die Gefälligkeit jetzt.<<
Der Gnom schluckte und starrte mich ängstlich an. >>N-na g-gut.<<, stotterte er. >>W-was willst du?<<
>>Wo ist Robin Goodfellow?<<, fragte ich.
Die Augen des Gnoms blinzelten. >>Was?<<
>>Sag mi,r wo er ist und deine Schuld ist beglichen. Also: Wo ist Goodfellow?<<
>>Ich weiß nicht wo er sich rumtreibt. Mal ist er hier, mal da.<<, antwortete er.
>>Wir beide wissen, dass du es weißt. Einen Versuch gebe ich dir noch.<<, sagte ich und drückte ihm leicht die Schneide an den Hals.
Der Gnom erkannte dass ich nicht eher gehen würde, bis er mir das gesagt hatte, was ich wissen wollte. >>Vor kurzem hat man ihn bei den Kobolden gesehen. Hat wohl irgendwelche Geschäfte gemacht.<<
>>Und wo genau waren diese Kobolde?<<, hakte ich nach.
>>Auf dem Markt. Mehr weiß ich nicht.<<
Zufrieden ließ ich ihn zu Boden fallen und hatte meine nächste Anlaufstelle.
Das könnte interessant werden.

Einen Zugang zum Markt der Kobolde zu finden war, wenn man keine Winterfee und somit in der Stadt der Dunklen lebte, ziemlich schwer. Doch wenn man wusste wo man suchen musste, war man schnell auf dem Koboldmarkt. Und so fand ich den Baum, der mein Weg zum Markt war. Ich öffnete eine kleine Tür, stieg in den Baum und schloss die Tür. Als ich sie wieder öffnete war ich nicht mehr im Wilden Wald, sondern auf einem runden Hof, in dessen Mitte ein riesiger, unterirdischer See lag. Nebelschwaden schwebten über den See, waberten über den Boden und verliehen der Umgebung ein düsteres Aussehen.
Ich trat aus dem Baum hinaus auf das dreckige Pflaster und war im ersten Moment erschlagen vom Lärm und den Ausmaßen des Koboldmarktes. Obwohl Kobolde zu den dunklen Feen gehörten, war es ihnen egal ob man eine Sommerfee, ein Halbblut oder sonst was war. Das Einzige was sie interessierte war der Handel. Meine Augen schweiften über die unzähligen Stände, mit ihren Inhabern und den Waren. Feen so weit das Auge reichte, erhellten mit ihren Feenfeuern die Dunkelheit und Musik mischte sich unter ihre Stimmen und ich begann mir einen Weg durch die Menge zu bahnen. Mir stachen alle möglichen Gegenstände ins Auge, von abgetrennten Händen, über Traumfänger aus Knochen, zu Augen in Gläsern. Natürlich erwartete ich nicht, dass Goodfellow mir direkt in die Arme lief, aber es schadete nicht Augen und Ohren offen zu halten. Eine Hexe bot mir für einen Tropfen meines Blutes  ewige Jugend an, was ich schnaubend ablehnte. Ich war sowieso unsterblich und konnte so aussehen wie ich es wollte. Einer der vielen Vorteile, eine Fee zu sein.
Mitten in der Menge schnappte ich einen sehr interessanten Gesprächsfetzen auf, laut dem sich ein berühmt, berüchtigter Hofnarr in einer der gefährlichsten Gegenden aufhalten solle. In der Nähe des Gestrüpps gab es einen verlassenen Hain mit einem einzigen Gebäude, das seit Jahrhunderten eines der gefürchtetsten Lokale war. Dort trieben sich nur die übelsten Wesen rum, was meistens Oger, Trolle oder Winterfeen waren. Mich wunderte es also nicht, dass Goodfellow ebenfalls dort war.
Während ich mir einen Plan zurechtlegte, besorgte ich mir neue Kleidung. Jetzt trug ich eine enganliegende braune Hose, bei der das ebenfalls braune lederne Band kaum auffiel, an dem mein Dolch befestigt war. An meinem Oberkörper schmiegte sich ein dunkelgrünes Hemd, das lang genug war um meinen Dolch am Oberschenkel vollständig zu verdecken. Um meine Taille lag ein brauner Gürtel und meine Füße steckten in weichen Lederstiefeln, die mir ein Stück über den Knöchel gingen, und auch braun waren. Ein Band aus braunen Leinen schlang sich um meine Handflächen, über meine Handgelenke und Unterarme, bot mir zusätzlichen Halt und Schutz. Zwar würden sie ein Messer nicht davon abhalten mir die Haut aufzuritzen, aber es milderte den Schlag ab. In dem vielen Braun und dem grünen Hemd war ich im Wald perfekt getarnt. Die Trollfrau verlangte dafür ziemlich viel, aber ich überließ ihr anstelle  einer meiner Haarsträhnen, eine Gefälligkeit die mir noch ein Satyr schuldete. Als ich mich wieder in die Menge einordnete, wurde meine Aufmerksamkeit von einer Horde Kobolde beansprucht, die sich lauthals stritten. Damit lockten sie einige blutdurstige Dunkerwichtel an, die sich schon auf eine neue Mahlzeit freuten. Ich ging näher heran, um besser höher zu können, worüber sie sich stritten. Dabei hielt ich mich gekonnt in den Schatten.
Der Größte von ihnen hielt einen Umschlag in der krallenbesetzten Hand und sah die anderen auffordernd an. >>Seid doch nicht solche jämmerlichen Feiglinge. Es ist eine simple Aufgabe.<<
>>Aber die reißen uns den Kopf ab.<<, widersprach einer.
Daraufhin spuckte der Kobold, mit dem Umschlag, nur auf das Pflaster, direkt dem der widersprochen hatte vor die Füße. >>Ihr sollt nur diese Botschaft dem Wirt übergeben. Das Gestrüpp frisst euch nicht gleich auf.<<
Scheinbar flog mir das Glück heute nur so zu. Ich wusste genau von welchem Lokal er sprach  und die Gedanken, in meinem Kopf schmiedeten einen sicheren Plan, der funktionieren musste.
>>Traut sich keiner von euch Schwachköpfen?<<, fragte der größere Kobold wütend in die Runde.
>>Ich mache es.<<, sagte ich und trat aus den Schatten.
Die Knopfaugen der Kobolde richteten sich auf mich und ein höhnisches Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des vermeintlichen Anführers aus. >>Geh mit Puppen spielen, Mädchen.<<
>>Deine Freunde sind zu feige um diese Aufgabe zu übernehmen. Ich mache sie freiwillig. Wenn du also diesen Brief loswerden willst, würde ich mir mein Angebot nochmal überlegen.<<, entgegnete ich ungerührt und baute mich vor ihm auf. Der Kobold reichte mir nur ungefähr bis zum Bauch. Seine warzige Haut wirkte fahl und für einige Augenblicke dachte er nach. >>Also gut.<<, verkündete er schließlich. >>Was verlangst du dafür?<<
>>Kennst du die Púca mit den orangenen Haaren und dem Stecker im Ohr?<<, fragte ich ihn.
>>Klar, treibt sich viel im Palast rum.<<, antwortete er.
Mit einem gefährlichen Lächeln schaute ich auf ihn herab. >>Statte ihr einen Besuch ab und wir sind quitt.<<
Der Kobold willigte grinsend ein.

So hatte ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der dämlichen Púca würde vom Kobold Feuer unterm Hintern gemacht werden und damit zahlte ich es ihr heim. Gleichzeitig hatte ich einen Grund in diesem Lokal nach Goodfellow zu suchen. Ich besorgte mir noch einen braunen, warmen Umhang und machte mich auf den Weg zum Gestrüpp.
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