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Ein ganz „normaler“ Trainingstag

von Snowsong
OneshotFamilie, Fantasy / P12 / Gen
Enki Gokuu Samon Gokuu
01.05.2017
01.05.2017
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Dieser Os basiert (wieder) auf einem Bild von scheherazades-dominion.^^

https://starryopals-art.tumblr.com/post/159851580429/just-some-sketches-of-smol-samon-nesting-in-enkis

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Ein ganz „normaler“ Trainingstag



„Nein!“

„Aber...“
„Ich habe nein gesagt!“
„Aber Aniki...“
„Nein! Du bleibst hier!“
„Ich will aber!“
„Das ist mir so was von egal! Du bleibst hier!“

„Nein! Ich komme mit!“ mit rotem Kopf, die Hände in die Hüfte gestemmt stand Samon vor ihm. Angriffslustig hatte der 5 Jährige sein Kinn hervor gereckt.
Nicht, das sich Enki sonderlich beeindrucken lies. Samon reichte ihm gerade so bis zum Knie.

„Samon Gokuu, du bleibst zu Hause. Das Training in den Bergen wird hart. Großvater Hihi ist alles andere als ein sanfter Lehrer, dass wissen wir beide.“ sagte er streng.
„Enki Gokuu, du wirst mich nicht davon abhalten, stärker zu werden.“ konterte Samon. Enki seufzte. Sein Kleiner Bruder war manchmal wirklich unmöglich. Der kleine Stuhrkopf würde einmal wirklich Probleme bekommen, wenn er nicht lernte, zuzuhören.

„Samon“, Enki ging in die Knie. „Es ist gefährlich. Sehr gefährlich. Die Felsen sind kalt, teilweise mit einer Eisschicht überzogen. Sogar für mich wird das schwer. Du könntest dich verletzen. Und das möchte ich nicht.“

In Samons klaren, apfelgrünen Augen schlich sich Verständnis. Für ein so junges Kind verstand Samon erschreckend viel. In manchen Fällen war Samon wirklich nur noch körperlich ein Kind.

„Ich verstehe, Aniki.“


Diese Gespräch war genau 3 Stunden her. Enki starrte auf die Kleine Gestalt, die vor ihm kauerte.
Samon trug seine Winterkleidung und hatte einen kleinen Rucksack auf dem Rücken. In seinen Augen glühte die gleiche Entschlossenheit, wie sie wohl auch in Enkis Augen zu finden war.

„Samon...“

„Ich komme mit.“
„Samon... das ist zu gefährlich. Geh zurück.“ zischte Enki. Großvater Hihi beobachtete sie noch. Aber er würde bald einschreiten. Ob zu Samon Vor- oder Nachteil konnte Enki nicht abschätzen.
Großvater Hihi hatte bis jetzt nie versucht, Samon zu töten. Aber er schritt bei den Misshandlungen ihres Vaters auch nicht ein.
„Samon, bitte kehr um“, bat Enki leise. „Ich werde dich nicht vor allem beschützen können.“
„Das macht nichts Aniki. Ich bin wegen dir hier. Ich passe auf dich auf.“

Enki klappten die Kinnladen herunter.
„Was?“
„Ich bin wegen dir hier. Der Affenkönig hat es befohlen.“

„Was diskutiert ihr zwei denn da? Los, wir müssen weiter.“ rief Großvater Hihi.
„Aber Samon...“
„Der Kleine kommt mit. Wenn er es schafft, ist er stärker, wenn nicht, dann eben nicht. Das ist natürliche Auslese, Enki.“ war die etwas schroffe Erwiderung von Großvater Hihi.
Enki ballte die Hände zu Fäusten.

„Bleib dich bei mir, Samon.“
„Ja, Aniki.“

Stumm folgten sie ihrem Großvater. Enki hatte Zeit, seine Gedanken zu ordnen.
Der Affenkönig also, Sun Wukong.
Die Familie Gokuu hatte zu dieser Gestalt eine tiefe Beziehung. Er galt als Schutzpatron und wurde von seiner Familie ganz besonders verehrt. Enki glaubte nicht an Geister oder Dämonen. Aber sein kleiner Bruder behauptete, den Affenkönig schon gesehen zu haben.
Manchmal, wenn Samon in Lebensgefahr war, und Enki definitiv nicht helfen konnte, hüllte ein zweites Chi Samon ein und hielt ihn am Leben. Noch wusste Enki nicht, was das war; irgendetwas musste an der Legende also Wahr sein. Aber das änderte nichts daran, dass er nicht an diesen Patron glaubte.

Großvater Hihi führte sie einen steilen Hang nach oben. Samon mühte sich mit dem hohen Schnee ab, der um sie herum lag. Es war mitten Januar und Samon sank teilweise bis zur Brust ein.
Enki spürte, wie in ihm Galle aufstieg. Er schluckte schwer, unterdrückte den Würgereflex. Erinnerungen stiegen in ihm auf.
Vor einem Jahr hatte er eine ähnliche reise mit Samon unternommen. Auch damals hatte es Schnee gegeben...

Ein sanfter Zug an einer Hose ließ ihn inne halten. Fragend drehte er den Kopf. Samon sah ihn einfach nur an. Dann breitete sich ein breites Lächeln auf seinem Gesicht aus.
„Nicht Trübsal blasen, Aniki!“  

Samons Chi war von dem reinsten Smaragdgrün, dass man sich vorstellen konnte. Diese Reinheit vermochte alles schmutzigen Erinnerungen, die Enki an den Vorfall vor einem Jahr hatte, zu vertreiben.
Zumindest fürs erste.

„Was treibt ihr zwei da hinten? Bewegung!“ brüllte Großvater Hihi.
„Wir kommen schon, Großvater.“ Enki packte Samon im Genick und setzte ihn; wie schon so oft, auf seine Schulter.
„Festhalten, mein kleiner Affe!“ Enki eilte seinem Großvater nach. Samon klammerte sich an ihn.

„Samon, du sollst deinen Bruder nicht aufhalten.“ kam es von Großvater Hihi.
„Wenn der kalte Winter kommt und die Nächte frostig werden, stirbt der einsame Wolf“, sagte Samon leise. „Doch der Wolf, der mit seinem Rudel läuft, wird den Winter überstehen, so wie er auch die kommenden überleben wird.“

Großvater blieb kurz stehen. Auch Enki war wie erstarrt. Das war definitiv nicht  die Wortwahl eines Kindes!
„Ja, das ist wahrlich so.“ war alles, was Großvater antwortete. Dann schwieg er.

Der Ort, den Großvater Hihi für das Training ausgewählt hatte, lag mitten im Wald. In einiger Entfernung war das rauschen eines Wasserfalls zu hören.
Kritisch betrachtete Enki die Holzhütte vor sich. Darin würde er für die nächsten Monate leben? Wenn er sich das so ansah, war hier dringender Renovierungsbedarf.

„So, da währen wir. Bitteschön.“ Großvater Hihi schob die Tür auf. Vor Enki lag ein einziger Raum. Schlaf- Wohn- und Esszimmer in einem.
Die Wände waren dünn. Mit dem kleinen Ofen würden sie es hier nie ganz warm bekommen. Eigentlich war das egal. Großvater und er beherrschten das Chi gut genug, um sich konstant warm zu halten. Samon dagegen... dass würde ein Problem werden. Samon konnte das Chi noch nicht so anwenden.

„Samon, das hier ist, um euch stärker zu machen. Es wird Regeln geben. Und eine von diesen Regeln besagt, das du nicht auf dem Schoß deines Bruder sitzen wirst, um dich aufzuwärmen. Genau so wenig wirst du auf seiner Brust schlafen! Hast du mich verstanden?“
„Großvater...“ setzte Enki an.
„Ruhe! Er wollte mit, also trägt er jetzt auch die Konsequenzen.“ grollte Großvater.
„Er ist erst 5...“, kam Enkis schwache Erwiderung.
„Enki?“
„Ja, Großvater?“
„Wie alt warst du, als wir dich wegschickten?“ daraufhin sagte Enki nichts mehr. Auch er hatte lernen müssen; sehr schnell lernen müssen auf eigenen Beinen zu stehen.

„Dort am Fluss leben Fische. Holz gib es genügend hier. Ich habe Mehl mitgenommen, um Brot zu backen.“
Enki nickte und begann, seine Sachen aus dem Rucksack zu nehmen. Samon folgte ihm dicht.

„Sobald dir kalt ist, sagst du mir es, ja? Ich werde dafür sorgen, dass du nicht frieren musst.“ sagte Enki leise zu Samon.
„Danke, Aniki. Aber Großvater hat Recht. Ich muss es auch lernen...“
„Das musst du. Aber nicht so, Samon“, Enki zerzauste Samon das Haar „Bleib bei mir, mein kleiner Affe, und alles wird gut werden.“
„Ja, Aniki. Sollen wir Fische fangen gehen?“
„Zuerst werden wir Holz hacken, damit wir uns aufwärmen können, wenn du mir in den Fluss fällst.“ scherzte Enki. Samon nickte lachend.

Das Holzhacken verlief von Hand. Enki spaltete Holzblock für Holzblock. Selbstverständlich ohne Axt.
Neben ihm versuchte Samon das gleiche. Es blieb bei einem Versuch.
„Samon...“
„Ich schaffe das auch, Aniki.“ kurz darauf schrie Samon vor Schmerz auf. Zitternd hielt er sich die Hand. Enki seufzte leise und ging neben seinem Bruder in die Knie.
„Warum kann ich nicht so sein wie du?“ fragte Samon leise.
„Als ich in deinem Alter war, konnte ich das auch nicht nicht. Du musst einfach sehen, das ich schon älter bin als du, Samon. Ganze 10 Jahre.“ zärtlich nahm er Samons verletze Hand in seine und überprüfte. Nichts gebrochen und nichts verstaucht. Der Schmerz würde schnell vergehen.

„Eri8nnerst du dich an dass, was ich dir über das Chi erzählt habe?“ fragte er Samon. Sein Bruder nickte.
„Gut. Versuch das Chi in einer Hand zu bündeln. Denk daran, du musst dich konzentrieren, die Muskeln aber locker lassen...“
„Enki!“
Großvater Hihi unterbrach sie.
„Ja, Großvater?“
„Komm. Ich möchte mich selbst von deinen Fähigkeiten überzeugen.“


               *     *     *

Samon schluckte, als sich Enki erhob. Der sanfte Ausdruck war aus den Augen seines Bruder verschwunden und hatte Härte platz gemacht. Es war das erste mal, dass Großvater gegen Enki antrat.
Mit einem flauen Gefühl im Magen folgte Samon seinem Bruder.

Großvater Hihi wählte für den Kampf eine Lichtung nahe des Flusses aus. Enki warf ihm einen kurzen Blick zu.
„Du bleibst hier und siehst zu. Ich möchte, das du gut aufpasst, ja?“
„Verstanden Aniki.“
Großvater und Enki entfernte sich etwas. Samon setzte sich auf einen Stein und betrachtete das Geschehen.
Die beiden Stande sich gegenüber.

„Ich werde dich nicht schonen, Enki.“ sagte Großvater ernst.
„Das möchte ich auch nicht, Großvater.“ antwortete Enki.
„Gut, dann wäre das ja geklärt.“

Als die beiden aufeinander los gingen, bekam es Samon mit der Angst zu tun. Was, wenn Großvater Enki verletze?
Enki wehrte die Schläge alle ab und konnte seinerseits Gegenangriffe starten. Er war stark und er war schnell.
Aber Großvater Hihi war stärker und schneller. Er landete mehrere Treffe, die Enki immer wieder in die Knie gehen ließen. Es war klar, das Großvater Enki überlegen war.

Mehr als einmal zuckte Samon erschrocken zusammen, wenn Enki Schmerzensschreie über die Lippen kamen. Großvater war nicht sanft. Und das in keinster Weise. Er schlug gnadenlos zu und manchmal gelang es Enki nur knapp, auszuweichen.

Großvater traf Enki erneut. Samon beobachtete erschrocken wie sein großer Bruder hart gegen einen Baum prallte und dann benommen im Schnee liegen blieb.
„Steh auf!“ kam es grob von Großvater.
Enki stöhnte leise aber er kämpfte sich zurück auf die Beine. Der Kampf konnte fortgesetzt werden. Doch es sah für Samon so aus, als ob sich Enki verletzt hatte. Er hinkte und kämpfte defensiver.
Großvater Hihi nahm darauf keine Rücksicht. Erneut traf er Enki. Enki flog durch die Luft und knallte in Samons Nähe auf den Boden. Es knackte und Enki stöhnte auf.

„Aniki!“ Samon rannte zu seinem Bruder. Diese mal stand Enki nicht wieder auf. Eilig beugte sich Samon zu seinem Bruder.
Flackernd öffnete er die Augen und sah Samon an.

„Für den Anfang gar nicht schlecht. Ich erwarte, dass du morgen wieder kämpfen kannst. Fang für heute Abend noch ein paar Fische, Enki.“ mit diesen Worten ging Großvater weg. Samon sah ihm nach.
„Aber Großvater...“, entfuhr es Samon.
„Er wird alleine auf die Beine kommen oder liegen bleiben.“ donnerte Großvater Hihi zurück. Samon duckte sich eilig.

Ja, Großvater Hihi war ein harter Lehrer. Langsam verstand Samon auch, warum alle sich vor ihm fürchteten.
Enki stöhnte leise und drehte sich auf den Bauch. Er drückte seine Hand auf seinen Unterleib.
„Aniki?“
„Es geht... gleich wieder.“

Enki versuchte mehrfach, aufzustehen. Aber seine Beine brachen unter ihm weg.

„Lass mich die Fische fangen, Aniki. Dann kannst du dich noch ausruhen.“
„Sa...“, aber Samon war schon weg. Er eilte zum Fluss. Dort, wo der Wasserfall hinunter stürzte, war der Fluss nicht zugefroren. Samon beugte sich über das kalte Wasser. Er konnte Bewegungen sehen.
Samon packte zu. Und tatsächlich, ein Fisch!

Es gab einen Ruck und Samon war plötzlich im Wasser.
Großer Fisch... sehr großer Fisch!
Eigentlich sollte er den Fisch loslassen und an die Oberfläche zurück schwimmen. Aber dann würde Enki die Fische fangen müssen. Und Enki brauchte Ruhe.

Samon klammerte sich mit dem Affenschwanz, den er hatte, am Rand fest, während er mit seinen Fingern versuchte, den Fisch festzuhalten. Das Tier schien keine Lust zu haben, bei ihm zu bleiben, also biss Samon kurzerhand in den Fisch hinein.

Was jetzt?

Die Antwort wurde ihm abgenommen. Jemand packte ihn am Schwanz und zog ihn nach oben.
Dieser Jemand war Enki. Sein großer Bruder hielt sich den Bauch und ging leicht gebeugt. Eines seiner Augen schwoll zu und er atmete schwer.

„Samon... hast du so einen großen Hunger, dass du den Fisch essen musst, obwohl er noch zappelt?“
Samon spuckte auf.
„Aniki!“
Enki hob Samon etwas höher. Ein schmales Lächeln zierte seine Lippen.
„Na kleiner Affe?“
Kurz sah sich Enki den Fisch an. Er nickte anerkannt.

„Gut gemacht Samon. Lass uns zurück gehen.“ Enki nahm den Fisch in die eine Hand, und drückte Samon mit der anderen an seine Brust.
„Aber Großvater hat erzählt...“
„Was Großvater sagt, ist mir egal. Du bist ganz nass. Und ich werde nicht zulassen, dass du dich erkältest.“

Großvater war wütend. Als sie beide wenig später an der Hütte ankamen, wartete Großvater Hihi mit verschränkten Armen auf sie.
„Kann es sein, dass dein Ohren seit einiger Zeit nicht mehr funktionieren, Enki?“
Enki setzte Samon ab.
„Ich sagte Fische  nicht Fisch.“
„Samon hat ihn gefangen.“ erwiderte Enki.
„Und ich sagte, dass Samon alleine mit den Konsequenzen zurecht kommen muss!“ fügte Großvater hinzu, als habe er Enki nicht gehört.  

„Und ich sagte, dass er erst 5 Jahre alt ist. Falls du mich entschuldigst? Ich nehme den Fisch aus.“
„Für dich ist heute fasten angesagt, Enki.“

Samon duckte sich. Immer wenn Enki ärger mit Erwachsenen bekam, war er schuld. Zumindest fühlte es sich für Samon so an.

Am Abend bekam Samon etwas von seinem Fisch ab. Großvater Hihi aß den Rest. Enki saß auf seiner Schlafmatte und meditierte. Samon sah von seinem Teller zu Enki und wieder zurück.
„Versuch es gar nicht erst, Samon.“ warnte Großvater ihn.
„Darf ich Enki mit Urgroßmutters Salbe einreiben?“ fragte Samon. Großvater hob den Blick. Nur ganz kurz zuckten seine Lippen. Das sah Samon an dem Bart, der sich bewegte.
„Ja, dass darfst du mein Kleiner.“
Also verspeiste Samon seinen Fisch und suchte dann in seinem Rucksack nach der Salbe. Urgroßmutter Nana hatte sie ihm mitgegeben, weil es garantiert wieder blaue Flecken geben würde.

Urgroßvater Hihi legte sich schlafen. Enki dafür öffnete seine Augen.
Natürlich, auch wenn Enki meditierte, war er trotzdem wach. Leise, um Großvaters Schlaf nicht zu stören, streifte er sein Oberteil ab, damit Samon an die Verletzungen kam.
Samon schluckte schwer. Enki hatte eine dunkle Haut, auf der sich viele, blaue Flecken normalerweise nur schwer erkennen ließen. Aber jetzt hoben sie sich klar von Enkis Haut ab.

Samon tauchte seine Finger in die Salbe und trug sie auf die misshandelte Haut auf. Enki lies es geschehen.
„Ich feuere den Ofen noch einmal an, Samon. Leg dich daneben.“ wisperte Enki, nachdem Samon fertig war.
„Aber Großvater hat gesagt...“
„Das ist mir egal. Ich habe keine Angst vor Großvater.“
„Ist das nicht respektlos, Aniki?“ flüsterte Samon ängstlich.
„Nein, ist es nicht. Lass Großvater meine Sorge sein.“

Samon legte den Kopf schief. Dann lächelte er plötzlich.
„Aniki! Du musst dich nicht mit Großvater streiten.“
„Ich streite mich nicht mit Großvater... nun ja, vielleicht doch. Aber das mache ich, weil ich möchte, dass es dir gut geht. Und du bist mir jede Standpauke wert.“
Samon zögerte. Er sah Enki an. Sein Bruder nahm viel auf sich, damit es Samon gut ging. Nein, er sollte sich nicht mit Großvater streiten müssen.
Nicht wegen ihm.

„Er hat gesagt, dein Schoß und deine Brust sind tabu. Aber du willst mich trotzdem wärmen.“ begann Samon.
„Du zitterst schon den ganzen Abend Samon. Die Nacht wird kalt werden. Richtig kalt.“ als wolle das Wetter Enkis Worte untermauern, rüttelte der Wind an den Fenstern und der Tür. Ein eisiger Luftzug traf sowohl Enki als auch Samon.

„Ich habe eine andere Idee, Aniki.“ Samon lief um Enki herum und kletterte dann an dessen langen Haaren nach oben.
„Hier ist es kuschelig und warm. Aber es ist nicht dein Schoß oder deine Brust.“
Enki versuchte, sein Lachen zu unterdrücken. Aber es ging nicht. Samon spürte, wie es den Körper seines Bruders schüttelte.

„Gute Nacht, Aniki.“ gähnte Samon.
„Gute Nacht, mein kleiner Affe.“


               *      *     *

Es dauerte nicht lange, da waren sowohl Enki als auch Samon eingeschlafen. Leise richtete sich Hihi auf.
Seine Enkel lagen nahe bei dem Ofen, der immer noch glühte.

Er hatte die Diskussion der Brüder mitbekommen. Eigentlich hatte er erwartet, dass Enki nach einer Grauzone seines Befehls suchte, nicht Samon. Das ein 5 Jähriger auf eine solche Idee kam... das war nicht normal.

„Sie entwickeln sich gut.“ flüsterte Hihi. In der Ecke des Raumes bewegte sich etwas. „Aber das weißt du ja schon.“
Schemenhaft bewegte sich eine Gestalt auf die beiden schlafenden Brüder zu.
„Samon sieht dich klar und deutlich, nicht wahr? Seine Mutter hat ihm das dritte Auge vererbt, oder?“
Das Schemen nickte.

Hihi schmunzelte.
Sie alle hatten eigentlich erwartet, dass es Enki war, der den größte Segen des Affenkönigs Sun Wukong bekommen hatte. Aber je mehr Hihi Samon und Enki zusammen erlebte, um so mehr zweifelte er daran. Samon war weitaus offener für die „Anderswelt“ Und dadurch war er auch näher an ihrem Patron dran, als Enki.
Es war eine Gabe, aber gleichzeitig war es auch ein Fluch. Er würde besonders auf Samon achten müssen. Doch nur die Zeit würde zeigen, ob Samon mit diesem Geschenk umgehen konnte. Vielleicht war es also ganz gut, dass der Kleine hier war.
Hihis Söhne waren leider absolut blind für ihren Patron gewesen. Um so erfreulicher war es für ihn, dass zumindest ein Enkel wieder eine Verbindung zu Sun Wukong hatte.

Der Affenkönig setze sich neben die beiden. Kurz flammte Samons Chi auf. Aber dann legte es sich wieder.  
Dafür regte sich Enkis Chi. Es begann unruihg zu flackern; erste Anzeichen für einen Alptraum.
Hihi beobachtete, wie sich Samons Smaragdgrünes Chi um Enki legte. Augenblicklich entspannte sich Enki.

„Du hast Samon hinterher geschickt... wegen Enki?“ wunderte sich Hihi. Natürlich wusste er, dass Samon eine beruhigende Wirkung auf Enki hatte. Aber das der Patron ihrer Familie hier seine Finger im Spiel hatte, wunderte ihn dann doch.
Andererseits hatte Samon erwähnt, dass der Affenkönig ihn wieder zurück ins Dorf geführt hatte. Später hatte er Samon dann die Position von Enki verraten.

„Sie stehen beide unter meinem Schutz“

Die körperlose Stimme des Affenkönigs hallte in Hihis Geist wieder.
„Das beruhigt mich. Nach dem meine Söhne eine so derbe Enttäuschung waren, erfreut sich mein altes Herz daran, dass zumindest meine Enkel den Weg zurück zu dir gefunden haben.“

Und das meinte Hihi auch so. Seine Söhne hatten sich von Sun Wukong und dem Erbe ihrer Familie abgewandt. Doch Samon und Enki fanden den Weg wieder zurück.
Doch, es erfreute sein Herz. Und es machte ihn stolz.
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