And They Will Try

von ChocoChii
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Atsushi Nakajima Dazai Osamu
01.05.2017
01.05.2017
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-Thematik Selbstmord, grundsätzlich in ähnlichem Kontext wie im Anime/Manga
-PTSD/PTBS (Dark Era)
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Atsushi hielt seine Hand gegen das Licht der Sonne. Es war bereits Dämmerung, als er und Dazai auf dem Weg nach Hause waren.
"Bist du immer noch sauer?", seufzte Dazai und legte seine Hände an seine Hüften.
Atsushi senkte seine Hand wieder und versuchte den Blickkontakt zu vermeiden.
Ein Grummeln müsste wohl als Antwort genügen.

Es war nicht untypisch für Dazai mit Kundinnen zu flirten oder besser gesagt, sie versuchen zu einem Doppelselbstmord zu überzeugen. Atsushi wusste nie, was in Dazais Kopf vor sich ging. Niemand wusste das. Es steckt soviel mehr hinter dem, was Dazai von sich preisgibt, aber Atsushi konnte sich nichts ausmalen, er wollte bloß, dass es aufhört.
Er würde wohl noch für den Rest des Abends genervt sein.

"Hm, selbst wenn du jetzt gekränkt bist, ich hätte dich sowieso nicht gefragt."
"Ich will noch nicht sterben, Dazai! Ich bin noch nicht bereit und außerdem gibt es noch soviel, was ich will."
"Was denn, abgesehen von Ochazuke?", fragte Dazai herausfordernd.
"Hm, gibt es nichts, das du dir je gewünscht hast?"
Gab es etwas? Atsushi befürchtete bereits, dass das in eine ganz falsche Richtung gehen würde.
"Vermeidest du etwa meine Frage, Atsushi?", Dazai schaute ihn fragend an.

Atsushi dachte zurück an sein Waisenhaus, an die anderen Kinder und den Direktor und überlegte, wie er seine Gefühle in Worte fassen könnte.
Nach all den Jahren in dieser Hölle, war Dazai der Erste, der Atsushi je wertschätzte.
"Ich wollte immer das Gefühl haben, dass es okay ist zu leben", meinte Atsushi leise, "Dass es jemanden gibt, der es okay findet, wenn ich da bin", und auch bei mir bleiben könnte, dachte Atsushi.

Vermutlich war selbst das zu viel Gutes für jemanden wie ihn, der nur alles Schlechte der Welt zu sich zog und Schuld daran ist, dass die Anderen zu leiden haben.
Als er merkte, dass Dazai immer noch nichts geantwortet hatte, versuchte er von sich abzulenken:
"Wirst du mir jetzt meine Frage beantworten?"

"Ich habe auf eine hässliche Art und Weise gelernt, dass nichts im Leben wert ist, es sich anzueignen.
Alles was ich möchte wird weg sein, noch in der Sekunde, in der ich es bekomme."
Noch nie zuvor hatte Dazai so offen über seine Gefühle geredet, Atsushi wusste das.
Es gab soviel, was diesem Mann in seinem Leben widerfahren war, soviel was er Atsushi und den Anderen verschwieg.
Niemand wusste je, worüber er im Moment nachdachte.

Atsushi sehnte sich schon so oft danach, dass er durch Dazais Fassade hindurchblicken könnte.
Aber so sehr er sich auch ausmalte aus welchem Grund Dazai so etwas sagen würde,
er konnte es nicht nachvollziehen.
Also tat er das einzige Logische, was ihm einfiel.
Widersprechen.

"In meinen Augen ist das Unsinn."
Sichtlich durcheinander über Atsushis gewagte Stellungnahme, schaute Dazai ihn an und kippte erwartungsvoll seinen Kopf.
Das war sicherlich keine Reaktion, mit der Dazai gerechnet hatte.
Er erwartete Fragen, vielleicht auch eine verständnisvolle und somit vollkommen nutzlose Anmerkung, die er mit einem schiefen Lächeln und einem unangebrachten Scherz abschütteln könnte, um kurz danach das Thema zu wechseln.
Atsushi hatte seine Neugier geweckt.

Er beobachtete Dazai unschlüssig aus dem Augenwinkel und hoffte,
dass er nicht zu weit ging und sein Vertrauen auf die Probe stellte.
Dazais Offenheit war Atsushis größter Lichtblick.
Er hoffte bereits seit längerer Zeit, dass er derjenige sein würde, dem Dazai sich anvertraut.
Er hatte so viele Geheimnisse und auch wenn keiner wusste, was er denkt, würde Atsushi versuchen es herauszufinden und zu verstehen, egal wie belastend es sein würde.

Kurz tauchte Atsushi ein Gedanke auf. Gab es je eine Person, die Dazai verstand?
Er hoffte es zumindest.
Die Idee, dass er seine gesamte Vergangenheit absolut alleine war, schmerzte ihn.
Und er wusste, er wollte ihn auf keinen Fall verlieren.
Denn auch wenn er seine Vergangenheit nicht kannte, vielleicht könnte er wenigstens ein Teil seiner Zukunft sein.

Inzwischen waren sie schon an den Wohnungen der Agency angekommen und blieben stehen.
Er seufzte, wissend dass Dazai geduldig wartete.
"Ich denke, dass es sich ganz sicher lohnt.
Ich meine, die Agency ist wie die Familie, die ich mir schon immer wünschte.
Nach all den Jahren habe ich sie gefunden und sie ist noch immer bei mir."
Er machte eine kurze Pause. Dazai strich sanft über Atsushis weißes Haar.
Atsushi heftete seinen Blick im Endeffekt doch an ihn.
Er dachte an die Agency. An alle Personen, die ihm wichtig waren. An Dazai.

Tränen bildeten sich in seinen Augenwinkeln, als er begann zu verstehen.
Er hatte ein schmerzhaftes Stechen in der Brust, aber er wollte noch nicht locker lassen.
Dazai beobachtete Atsushi besorgt, seine Hand wanderte zu seiner Schulter, dann zu seinem Oberarm. Er strich behutsam auf und ab.

"Ich habe das, wonach ich mich immer sehnte bekommen, auch wenn ich so ein großartiges Geschenk nicht verdiene. Ich will um jeden Preis daran festhalten. Ich will es wenigstens versuchen", er schluchzte und wischte sich Tränen weg, die begannen sein Gesicht hinunterzulaufen und fuhr mit brüchiger Stimme fort, "Selbst wenn es mir nicht gelingt und ich eines Tages unglücklicher bin als je zuvor, ich bin genau jetzt, zu diesem Zeitpunkt, überglücklich."

Atsushi drückte nun auch seinen anderen Handballen grob gegen seine Augen, um seine Tränen wegzuwischen, die er nicht mehr zurückhalten konnte.
"Atsushi..", seufzte Dazai bedrückt und nahm den Jüngeren in den Arm.
Atsushi fühlte sich hilflos.

Er wollte nachvollziehen können, warum Dazai das sagte. Jetzt wünschte er sich, dass er niemals darüber nachgedacht hätte.
Ihm wurde in der Tat klar, was Dazai ihm übermitteln wollte. Schuldgefühle fraßen ihn auf, er hatte keinen Grund zu weinen. Es war Dazai, der durch die Hölle ging.
Was war es? Was war Dazai so lieb und teuer, dennoch konnte er es nicht behalten? Irgendetwas, irgendwer, wurde diesem Mann gewaltsam aus seinem Leben gerissen.
Atsushi nuschelte unzählige Entschuldigungen, als Dazai ihn gegen seine Brust presste.
Ob Dazai den ehrlichen Grund wusste, warum Atsushi weinte?

Allmählich bekam Atsushi selbst Zweifel, ob er Dazai diese Hoffnungen auf ein angenehmes Leben geben sollte, ob er ihm die Hand ausstrecken sollte, wenn Dazai versucht, allem ein Ende zu setzen.
Er wollte nicht, dass ihm so etwas erneut passiert.
Atsushi wünschte, er hätte niemals dieses Gespräch mit ihm gehabt.
Und für den Bruchteil einer Sekunde, wäre es ihm lieber gewesen, hätte Dazai ihn am Tag ihrer Begegnung sterben lassen.


Als Atsushi sich beruhigte, stiegen die Beiden wortlos die Treppen hinauf.
Dazai dachte an Atsushis Wunsch zurück. Wenn er nicht allein sein wollte, sollte Dazai ihn auch nicht allein lassen. Atsushi griff nach dem Wohnungsschlüssel in seiner Hosentasche, als Dazai ihn unterbrach:
"Warte-", er schloss seine Tür auf, öffnete sie und deutete auf seine Wohnung,
"-Ich schulde dir wohl eine Entschuldigung. Komm rüber."

Das stimmte nicht, das wussten sie beide. Atsushi senkte seinen Kopf unsicher und Dazai konnte förmlich aus seinem Gesicht herauslesen, dass er sich eine Ausrede überlegte, also versuchte er es weiter:
"Hast du Hunger? Wir können Ochazuke machen!"
Atsushi seufzte und wusste Dazai würde kein Nein akzeptieren.
"In Ordnung", er nahm seine Hand aus seiner Hosentasche und folgte Dazai in seine Wohnung, der wie gewohnt triumphierend grinste.

"Dazai, du schuldest mir nichts. Ich habe das Thema aufgegriffen."
"Ah, aber ich habe dich zum Weinen gebracht! Ich wusste nicht, dass es dich so sehr mitnimmt, wenn ich mich hübschen Frauen widme!", um dir das Leben zu nehmen, wollte Atsushi hinzufügen.
Zudem war dies nicht mal der Grund.
"Die Mission heute war anstrengend", merkte Atsushi an, "Kann ich vielleicht.."
"Hm?", summte Dazai und ahnte bereits, worauf das hinausläuft.
"Kann ich vielleicht erst eine Dusche nehmen, falls es keine Umstände macht?"
"Kein Problem!", erwiderte Dazai und fuchtelte verständnisvoll mit seinem Arm herum.
Das würde Atsushi zumindest ein wenig Zeit zum Nachdenken verschaffen.




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Als Atsushi aus der Dusche trat, sah er, dass auch Dazai sich umgezogen hatte.
Er stand in der Küche mit dem Rücken zu Atsushi und öffnete einen kleinen Schrank, aus dem er zwei Tassen holte.
Atsushi hatte genau wie in der Nacht, als sie sich kennenlernten, Dazais Kleidung an.
Sie saßen etwas locker an dem Jungen, jedoch waren sie gemütlich.

Und der Gedanke, dass Dazai diese Sachen bereits getragen hatte, brachte ihn ein wenig in Verlegenheit. Dieses Gefühl der Vertrautheit hatte er am Anfang ihrer Geschichte nicht.
Atsushi war Dazai sicherlich sehr dankbar für die Wohnung, das Essen, die Kleidung und vor allem die Zukunft gewesen, aber das hier war etwas Anderes.

Er setzte sich auf Dazais Sofa und senkte sich auf ein großes Kissen, dass an der Armlehne anliegt, sodass er einen Großteil des Sofas einnahm. Es war heimatlich, viel heimatlicher als in Atsushis eigener kleinen Wohnung und jeder andere Ort, an dem Atsushi je leben durfte.

Er schaute zu Dazai hinüber. Es würde Atsushi beinahe wundern, wenn Dazai nicht der Grund für seine warmen Gefühle wäre. Er schloss die Augen und lauschte dem Klirren der Tassen und Dazais leisen Schritten, die immer näher kamen.
"Ich hoffe doch sehr, dass du meinen fantastischen Tee nicht ablehnen willst?", sagte er endlich.
"Du hast Ochazuke versprochen, Dazai."
"Ich hatte keinen Reis mehr."
Gott, wie überlebte dieser Mann, fragte sich Atsushi.
"Du hast ihn auch nicht vergiftet?", fragte er sarkastisch und öffnete seine Augen wieder. Dazai lehnte sich ein wenig nach vorne und hielt eine der beiden Tassen in seinen Händen hoch.

"Atsushi. Du weißt doch, dass ich mich mit einer wunderschönen Frau von dieser grausamen Welt verabschieden möchte. Ich würde dich da niemals hineinziehen.", grinste Dazai und reichte ihm den Tee.
Atsushi nahm ihn an und Dazai stellte seinen eigenen Tee auf den Sofatisch ab.
"Sicherlich.", meinte er kühl. Du hattest mich auch sicherlich nicht von Tag eins an mit hineingezogen, hatte er sagen wollen. Er wünschte sich bloß, dass Dazai aufhören würde.
Er wusste nicht wie ernst es ihm war oder weshalb er sowas tun würde.

Er dachte an das Gespräch von vorhin zurück. War es, weil er das verloren hatte, was er so sehr liebte? Was könnte Dazai so wichtig gewesen sein? Atsushi wusste es nicht. Vielleicht hatte er eine Familie oder eine Geliebte. Freunde, oder war es sogar Geld?
Er kann es sich nicht ausmalen, immerhin ging es hier um Dazai. Hatte es etwas mit seinem Job als Führungskraft in der Hafen Mafia zu tun? In einem Beruf wie diesem hatte Dazai sicherlich einigen Menschen alles was ihnen wichtig war und zudem ihr Leben genommen.
Vielleicht bereut er es. Ist Dazai eine Person, die es bereut andere Menschen zu töten?
Er weiß es nicht.

Vielleicht war es Atsushis ungewohnter Tonfall oder aber sein Gesichtsausdruck, der inzwischen sowohl bekümmert als auch aufgewühlt war, der Dazai besorgt werden und schnell das Thema wechseln ließ.
"Wir sind heute ziemlich gedankenversunken. Aber viel wichtiger als mein Tee, den du übrigens immer noch nicht probiert hast, sind deine katastrophalen Haare!", spottete Dazai mit einem breiten Grinsen.

Atsushi warf Dazai einen gefälschten empörten Blick zu. Es war kein Geheimnis, Atsushis Haarschnitt wurde bereits von der gesamten Agency als Desaster erklärt.
Laut Ranpo seien seine Haare eine größere Tragödie als Romeo und Julia.
Auch wenn er sie selbst nicht ausstehen konnte, machte Atsushi sich größtenteils keine weiteren Gedanken.
So zerzaust wie nach dem Duschen, hatte Dazai sie wohl das letzte Mal gesehen, als er ihn damals am Flussufer mitgenommen hatte.
"Lass mich sie dir kämmen."

"Ganz sicher nicht", schmollte Atsushi, bevor er einen Schluck vom Tee nahm, "Durch Kämmen werden sie auch nicht weniger hässlich."
"Oh, Atsushi! Deine Haare sind nicht hässlich! Sie sind niedlich und ich mache sie noch viel niedlicher."
Atsushi versteckte sein Gesicht hinter der Tasse.

"...Von mir aus", murmelte er unsicher, bevor er weiter darüber nachdenken konnte.
Dazai schlug seine Hände zusammen und schenkte Atsushi ein breites Lächeln.
Das war viel zu einfach.
"Ich bin sofort wieder da!"
Dazai war weg, bevor Atsushi sein Gesicht wieder hervorbringen konnte. Er seufzte, nahm einen weiteren Schluck und stellte seine Tasse zu Dazais.

Es dauerte nicht lange, als Dazai mit einem Kamm zurückkam und es sich neben Atsushi auf dem Sofa gemütlich machte.
"Mach sie ja nicht schlimmer, als sie sind", befahl Atsushi und faltete die Arme vor seiner Brust.
Dazai summte zustimmend und ließ den Kamm durch Atsushis Haar gleiten.
Die Beiden verbrachten eine gewisse Zeit ohne Worte.
Atsushi nahm sich ein Sofakissen und umklammerte es.




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Als Dazai fertig zu sein schien, war er der Erste der wieder zu reden begann:
"Ich frage mich ob ich sie dir flechten kann!"
"Bitte tu das nicht", antwortete Atsushi kühl und drehte seinen Kopf, um Dazai einen entnervten Blick zu zuwerfen.
Dazai grinste ihn an und beobachtete, wie Atsushis Hände zu seiner Teetasse wanderten.
"Und wenn ich dir verspreche, dass meine Flechtkünste so unglaublich fantastisch sind wie meine Teekünste?"
Atsushi schaute über den Tassenrand zu Dazai hinüber, der ihn immer noch grinsend zuzwinkerte.

Er legte ruhig die Tasse zurück und griff wieder nach seinem Kissen.
"Es würde mich wundern. Ich meine, mit welcher Übung? Deine eigenen Haare hast du das letzte Mal wann genau gepflegt?"
"Hmm, ich konnte durchaus nicht an meinen eigenen Haaren üben, aber wenn die ein oder andere Frau morgens noch immer schlafend neben mir liegt, ist es gerade zu verlockend!"
Atsushi ließ ein erschrockenes Keuchen entfliehen und schlug Dazai sein Kissen ins Gesicht.
"Das war doch nur ein Scherz!", stöhnte Dazai und schmollte Atsushi an, als er seine Wange rieb.

"Du bist so ein unfassbar schlechtes Vorbild", erwiderte Atsushi und rollte mit seinen Augen.
"Oh, das wirst du wohl zurücknehmen müssen!", verkündete Dazai und packte Atsushi an der Hüfte. Atsushi schrie erschrocken auf, drehte sich um, sodass sie Angesicht zu Angesicht waren und versucht Dazais Arme wegzudrücken, doch ohne Erfolg.
Dazai begann ihn zu kitzeln und Atsushi lachte lautstark und fiel beinahe nach hinten, aber konnte sich noch halten.

Da er nichts gegen ihn unternehmen konnte, entschied er sich Dazai nachzuahmen und so seine Rache zu bekommen.
"Wo bleibt die Fairness?!", lachte Dazai, als er nach einer Weile sein Gleichgewicht verlor.
Er akzeptierte seine Niederlage und legte seine Hände bezwungen über seinen Kopf.
Atsushi verfolgte Dazais Bewegungen und ließ nach.

Atsushi setzte sich auf den Sofarand und trank von seinem Tee. Dazai streckte seine Beine aus. Als Atsushi sich wieder Dazai widmete, hob dieser, ohne weiter nachzudenken, seinen Arm einladend hoch.
Atsushi legte sich zu Dazai und schmiegte sich an seine Brust.
Es fühlte sich nicht merkwürdig oder ungewohnt an, es fühlte sich so an,
als wäre es bereits ein fester Bestandteil seines Alltags.
Atsushi musste sich das Grinsen verkneifen.
Hatte er bereits das, was er wollte? Wie konnte er das bloß nicht bemerken.
"Du bist wirklich warm", murmelte er.
"Ah, ich verdiene es nicht, dich in meinen Armen zu haben!", klagte Dazai  theatralisch und die Beiden lagen wortlos zusammen.

Dazai beschäftigte sich weiterhin damit seinen Daumen sanft über Atsushis Rücken zu streichen. Die angenehme Stille, die zwischen den Beiden herrschte, hielt nicht lange an, als Dazai wie aus heiterem Himmel eine Frage stellte.
"Was würdest du tun, wenn ich sterbe?"

Überrascht über die Äußerung, stützte Atsushi sich mit seiner rechten Hand über Dazais Schulter, um seinen Kopf anzuheben und ihn anzuschauen.
Und in dem Moment wurde es Atsushi klar.
Das was Dazai verlor und ihn so denken ließ, war tatsächlich eine Person.
Sein Blick war durchbohrend, aber Atsushi ließ sich von dieser Tatsache nicht einschüchtern.
Nein, gerade aus diesem Grund wollte Atsushi es nicht ruinieren.
Dabei hatte er gehofft, dass sie dieses Gespräch vergessen könnten.
Aber wenn Dazai darüber reden wollte, würde Atsushi ihn niemals abweisen.
Er überlegte kurz und fand auch bald seine Antwort.

"Das ist eine unfaire Frage", gab er zu, als er seinen Blick abwandte und mit leiser Stimme fortfuhr, "Meine Antwort ist ziemlich egoistisch."
Er senkte seinen Kopf wieder auf Dazais Brust.

"Dich zu überzeugen, dass dein Leben auch wirklich etwas Lebenswertes ist, ist vermutlich mein größtes Ziel im Leben. Ich bin dir so unendlich viel schuldig. Auch wenn ich nicht viel über deine Vergangenheit in der Mafia weiß und ebenso wenig, was andauernd in deinem Kopf vorgeht, will ich es wenigstens versuchen. Und auch wenn ich sterbe, wünsche ich mir, dass du weiterlebst und nicht einfach nur vor dich hin existierst wie bisher.
Ich wünsche mir, dass du keine Leiche bist, die sich bewegt. Jedenfalls...",
er hielt kurz inne und kniff seine Augen zu,
"Jedenfalls, weiß ich nicht, ob ich mich selbst daran halten könnte.
Ich will kein Leben, indem du nicht vorkommst."
Atsushi überlegte. Doch was brauchst du in deinem Leben, Dazai?
Wenn du dir jetzt etwas wünschst, würdest du es nicht verlieren, versprochen.

Dazai hielt Atsushi fest an seiner Schulter und drückte einen Kuss auf sein Haar.
Sie beide wussten, dass Atsushi sich keine Sorgen machen musste.
Denn wenn sie auch in Zukunft zusammen sind, wie in diesem Moment,
mit unausgesprochenen Gefühlen und der Wärme des je Anderen,
bloß mit dem Wissen, dass sie sich lieber haben, als sie vermutlich sollten,
wird es ihnen gut gehen.

Es wäre ein Versuch wert, auch wenn es viel Zeit brauchen wird, bis sie glücklich sein können.
Doch Atsushi wird auf Dazai aufpassen und in die Fußstapfen der Person treten, die Dazai einmal in seinem Leben hatte.
Vielleicht wird er eines Tages mehr erfahren, vielleicht sogar was diese Person Dazai bedeutete, vielleicht bloß einen Namen.
Aber es wird in Ordnung sein und es wird ihnen gut gehen.
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