World Down

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
01.05.2017
15.03.2019
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Nichts mehr so wie vorher




Nur langsam, kam Yugi wieder zu Bewusstsein. Sein ganzer Körper schmerzte und ein hohes, schreckliches Pfeifen ließ ihn leise aufstöhnen. Es war Dunkel, er konnte kaum etwas sehen und etwas großes, warmes, weiches, schweres, lag auf ihm; hinderte ihn daran, richtig Luft zu holen. Yugi hustete, schmeckte Blut, welches ihm drohte in den Rachen zu rinnen.
Einige Sekunden lang blieb er liegen, versuchte sich zu erinnern, was passiert war. Er wollte mit Seto, Mokuba und Atemu in den Urlaub fliegen. Der Flug hatte aber Verspätung, also gingen sie noch einkaufen. Und da, hatte Atemu sie plötzlich mit sich gerissen, geschrien und sich dann schützend über ihn geschmissen. Schlagartig riss Yugi die Augen weit auf und ertastete mit seiner Hand den großen, schweren Körper, der auf ihm lag. „Atemu? Atemu?“, fragte er mit panischer Stimme und rüttelte an dem Körper, der quer über ihm lag. Doch er rührte sich nicht. Yugi tastete mit seiner Hand weiter und spürte plötzlich Haare. Viele Haare. Kurzentschlossen packte er sie und zog daran, wusste sich nicht einfach anders zu helfen. Ein leises Stöhnen erklang.

„Aua, S-Seto“, kam es zu seiner linken. Yugi lächelte leicht.
„Mokuba? Hey Mokuba!“, rief er und zog abermals an den langen Strähnen. Erneut erklang ein Stöhnen. „Y-Yugi? Wo-Was- Was ist passiert? Warum ist es so dunkel?“
„Ich weiß es nicht. Das heißt, ich weiß nicht, was passiert ist. Alles was ich weiß ist, dass wir im Einkaufszentrum waren und mein Bruder plötzlich schrie, uns wegzerrte und sich dann über uns warf.“
Mokuba hustete. Yugi lag auf dem Boden, den Blick in jene Richtung gerichtet, in welcher Mokuba liegen musste, doch er konnte aufgrund der Dunkelheit, nichts erkennen.
„M-Mein Bruder? Wo ist mein Bruder? S-Seto? Seto!“, rief er mit leiser Stimme, in der Hoffnung, dass dieser sich rühren würde, doch es blieb Still. Seto meldete sich nicht.
Yugi vermutete mittlerweile, dass das schwere Gewicht, das auf ihm lag, Atemu war. Zumindest würde das Sinn ergeben.
„Kannst du aufstehen, Mokuba? I-Ich kann nicht. Irgendetwas, oder jemand, liegt auf mir.“
„Ich kann’s versuchen“, murmelte der Dunkelhaarige und schaffte es schließlich, nach einigen Anläufen, auf die Beine zu kommen. Zitternd blieb er stehen, fasste sich an die Stirn, wo er etwas Warmes, Feuchtes über seine Schläfe fließen spürte.
-Vermutlich Blut- schoss es ihm durch den Kopf, doch noch immer war für ihn nicht geklärt, was überhaupt geschehen war. Warum hatte Atemu sie weggerissen? Sich dann über sie geworfen? Alles an das er sich noch erinnerte war, dass der Boden gebebt hatte und ein fürchterlicher Knall. Lauter als alles, was er jemals gehört hatte. Ein Geräusch, ein Laut, der ihm jetzt noch einen Schauer über den Rücken jagte.

„K-Kannst du mir jetzt helfen?“, erklang wieder Yugis Stimme in der Dunkelheit und Mokuba ließ sich auf alle viere nieder und tastete blind über dem Boden, so lange, bis er schließlich Yugis Hand zu fassen bekam und dieser Zugriff, als er die Hand spürte, die sich in seine legte.
„Hab dich“, kam es von Mokuba und Yugi spürte, wie Erleichterung ihn durchfloss.
„Bist du verletzt?“, fragte der Schwarzhaarige noch und Yugi schloss kurz die Augen, versuchte in sich hinein zu horchen, doch es war zwecklos. Sein ganzer Körper schmerzte – da war nicht auszumachen, ob es schmerzen aufgrund des Schocks, des Sturzes, des Dings das da auf ihm lag, oder wegen etwas anderem waren.
„I-Ich weiß nicht“, brachte er schwer über die Lippen, denn so langsam blieb ihm der Sauerstoff aufgrund der Last, die auf ihm lag, weg.
„H-Hilf mir erst mal hier r-raus“, japste er und fühlte bereits, wie ihm schwindlig wurde. Wenn Mokuba sich nicht beeilen würde, würde er bald keinen Gesprächspartner mehr haben.
Mokuba selbst, tastete sich blind mit den Händen weiter, spürte so schließlich den großen, schweren Körper, der auf Yugi lag und ihn am Atmen hinderte. Der Junge rüttelte an dem Körper, zerrte an der Kleidung, versuchte es mit schieben und drücken, doch egal was er auch tat, es half nicht. Er bekam den anderen nicht frei.
Stattdessen drehte er sich um und bekam seinen Bruder zu fassen, rüttelte an diesem herum, schlug ihm leicht gegen die Wange und war mehr als nur erleichtert, als er ein leises, „W-Was?“, zu hören bekam, gefolgt von einem Schmerzhaften stöhnen.
„Oh mein Kopf“, zischte Seto, der sich fühlte, als wäre ihm eine Stahlplatte auf den Kopf gefallen.
„Seto, komm hoch, du musst mir helfen“, ließ sein kleiner Bruder nicht locker und nur schwerfällig konnte sich der Ältere auf dessen Stimme konzentrieren. Nach mehreren Anläufen schaffte er es schließlich auch, die Augen zu öffnen … doch alles, was er erblicken konnte, als er die Lider anhob war … nichts. Dunkelheit. Schwärze.
Seto war verwirrt, dachte einen Moment lang sogar, er habe die Augen noch immer geschlossen doch schließlich wurde ihm klar, dass er die Augen sehr wohl geöffnet hatte, es hier allerdings so dunkel war, dass man einfach nichts erkennen konnte.
„M-Mokuba? Wo bist du? Was – was ist passiert?“, fragte er mit krächzender Stimme, aber Mokuba schüttelte nur den Kopf, bis ihm wieder einfiel, dass der andere ihn ja gar nicht sah.
„Ich weiß es nicht. Atemu hat uns plötzlich zur Seite gestoßen, dass ist alles, was ich noch weiß.“
Seto riss die Augen, bei dieser Antwort, weit auf.
„Atemu? Wo ist er? Geht es ihm gut?“, Setos Stimme zitterte und Mokuba, hielt Augenblicklich in seiner Bewegung inne. Noch nie hatte der Dunkelhaarige Setos Stimme so zitternd, so voller Panik und Angst gehört. Und früher, bevor Seto Atemu traf, hätte er es auch niemals für möglich gehalten, dass die Sorge seines großen Bruders, auch jemand anderem, außer ihm gelten konnte.
Mokuba senkte den Kopf, auch wenn es in der Dunkelheit ohnehin niemand sah.
„Hier, bei mir. Ich glaube, er ist derjenige, der auf mir liegt“, hustete Yugi und rang erneut nach Sauerstoff. Auch wenn sein Bruder nicht der schwerste war, aber der leichteste war er auch nicht gerade und so langsam wurde sein Körper taub.
Seto folgte Mokubas Stimme zu seiner rechten, rollte sich zur Seite und stemmte dann die Hände gegen den Boden, drückte sich in die Höhe. Ein zischen entkam seinen zusammengebissenen Zähnen, als er den Schmerz in seiner linken Kniescheibe, sowie in seinem linken Schienbein spürte. Offenbar war etwas gebrochen, oder gar noch schlimmer. Doch er biss die Zähne zusammen und ließ sich nichts anmerken. Würde er jetzt Schwäche zeigen, so würde er Mokuba, als auch Yugi, nur noch mehr ängstigen … etwas, dass sie jetzt überhaupt nicht gebrauchen konnten.
Die Frage, was überhaupt passiert war, kam ihm wieder in den Sinn, aber egal wie sehr ich sich auch anstrengte und versuchte, sich daran zu erinnern, alles was er wusste war, dass Atemu sie plötzlich mit sich gezerrt, zur Seite gestoßen und sich dann schützend über Yugi geworfen hatte.
Alles was er dann noch im Gedächtnis hatte, war ein ohrenbetäubendes Geräusch, ein Dröhnen, Krachen und ein Knall. Dann ein Beben, wie er es noch nie erlebt hatte, laute, panische Schreie … und dann … Dunkelheit.

Erst jetzt, wo er so darüber nachdachte, kam in ihm die Frage auf, wieso es eigentlich plötzlich so dunkel war. Das war ein Hochhaus, verdammt noch mal. Die gesamte Fassade war aus großen, Lichtdurchlässigen Platten. Wie also konnte es hier dunkel sein?!
„Seto!“ Mokubas Stimme riss den jungen Mann aus seinen Gedanken und plötzlich spürte er, wie die Hand seines kleinen Bruders, sich auf die seine legte und ihn zu jener Gestalt führte, die quer über Yugi lag. Blind ließ Seto die Fingerspitzen wandern, bis er schließlich den Nacken spürte, wo er fest zupackte und den anderen dann zur Seite drehte; ihn so von Yugi herunterzog. Dieser gab einen gequälten Laut von sich, bevor er fürchterlich zu Husten begann und sich langsam aufsetzte. Mokuba legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Geht’s?“, fragte er besorgt nach und Yugi nickte nur, bis ihm wieder einfiel, dass die anderen ja nichts sahen. „J-Ja. Geht schon.“
Seto hatte den schweren Körper, der auf Yugi gelegen hatte und den er anhand des vorsichtigen Abtastens im Gesicht, recht schnell als Atemu identifiziert hatte, in der Zwischenzeit auf dem Boden neben sich abgelegt und versuchte nun, einen Herzschlag und eine Atmung zu finden. Er beugte sich über ihn und lauschte angestrengt. Die Sekunden die verronnen, kamen ihm wie Stunden vor, bis er schließlich das so sehr herbeiersehnte Geräusch hörte.
Erleichtert erhob er sich wieder und ließ seinen Körper gegen die Wand, oder was das war, neben sich fallen. Atemu lebte. Er lebte! Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und im Stillen dankte er allem und jedem, dem er nur danken konnte.
„S-Seto? Weißt du, was passiert ist?“
Mokubas Stimme, ließ ihn den Kopf in jene Richtung drehen, in der er seinen kleinen Bruder vermutete. „Nein, ich habe keine Ahnung“, gab er als Antwort, bevor er wieder nach Atemu tastete und ihn dann rüttelte.
„Atemu. Komm schon, wach auf, verdammt“, zischte er und rüttelte seinen Freund mehrmals durch; so lange, bis ein leises Stöhnen erklang. Seto hielt inne.
„Atemu?“
„Autsch. M-Mein Kopf“, stöhnte eine nur allzu bekannte Stimme und dies war jener Moment, in dem nicht nur Seto vor Erleichterung auflachte, nein auch Mokuba und Yugi fiel ein Stein vom Herzen. „Atemu? Alles in Ordnung?“, fragte Seto erneut nach und spürte dann, wie der andere ihn bei Seite schob und sich aufrichtete.
„Das ist auf jeden Fall eine Platzwunde auf der Stirn“, erklang seine Stimme und sofort kam der Arzt in ihm wieder durch. Atemu schloss die Augen – obwohl es keinen Unterschied machte und lediglich der Konzentration diente – und ging seinen gesamten Körper durch. Untersuchte sich so auf Verletzungen, Wunden und Schmerzen. Doch außer der Stirn, war da nichts, also schien es ihm recht gut zu gehen. Er drehte den Kopf zu seiner linken, von wo er wusste, dass dort Seto saß.
„Alles in Ordnung bei dir?“, fragte er besorgt nach.
„Ich glaube, ich habe mir die Kniescheibe ausgekugelt und mein Schienbein. Das schmerzt.“
Atemu setzte sich langsam auf und taste dann nach Seto, wo er dessen Kniescheibe und Schienbein erfühlte. Nach wenigen Sekunden schüttelte er den Kopf. „Gebrochen ist auf jeden Fall nichts. Yugi, Mokuba? Bei euch alles in Ordnung?“
„Ja“, kam es zweistimmig von seiner rechten und Atemu fühlte sich einfach nur unsagbar erleichtert. Langsam und vorsichtig standen die vier auf.
„Was ist eigentlich passiert? Wieso fühle ich hier lauter Felsen, warum ist es hier teilweise so eng, warum so dunkel und warum sind wir verletzt? Was ist passiert?“, fragte Yugi und drehte den Kopf in Atemus Richtung. Wartete auf eine Antwort. Denn das dieser etwas wusste, war klar … warum sonst, sollte er sie zur Seite stoßen?

Atemu atmete tief ein und wieder aus, bevor er antwortete.
„Ich glaube – nein, ich weiß, dass das Gebäude, der Tower, von etwas getroffen wurde.“
„Und von was?“, hakte Mokuba nach und als Atemu ihm antwortete, was er aus den Augenwinkeln heraus gesehen hatte, war es still. Mehr als still. Totenstill. Schwer lastete diese Stille über allem, noch schwerer als die Stille, die ohnehin schon über allem lag, denn es war die Unbegreiflichkeit, die diesen Worten folgte.
„Ein Flugzeug.“
„Ha, ein Flugzeug?“, lachte Mokuba und Atemu warf einen Blick in jene Richtung, in die der Junge stand.
Doch Atemus Mimik blieb ernst. „Ja, ein Flugzeug“, antwortete er ruhig und sachlich – der Notfallarzt in ihm, hatte soeben übernommen.
„Du willst mir, allen Ernstes sagen, dass ein Flugzeug, in den Tower geflogen ist?“, hakte Seto nach, die Stimme zitterte vor Schock und Unglauben.
„Ja, genau das, will ich sagen, Seto. Und jetzt kommt.“
„Wohin denn?“, fragte Mokuba und Atemu blickte sich einmal in der Dunkelheit um.
„Wir müssen runter, ins Erdgeschoß und dann raus aus dem ganzen Gebäude. Das Flugzeug ist in die oberen Stockwerke eingeschlagen, ich habe auch nur Teile des Flügels gesehen. Das wiederum bedeutet, dass die unteren Stockwerke noch intakt sein müssen und so hoffentlich auch das Treppenhaus.“
„Warum nehmen wir nicht den Aufzug?“, hakte Mokuba nach, aber Atemu schüttelte nur abermals den Kopf.
„Wir könnten darin steckenbleiben. Außerdem glaube ich nicht, dass der Notstrom funktioniert, sonst müssten wir hier Licht haben.“
Atemu schnappte sich das erstbeste Handgelenk und wies die Person hinter sich an, sich den nächsten zu schnappen, so dass sie zu viert eine Kette bildeten.
„Lasst bloß nicht los“, meinte er noch, bevor er sich in Bewegung setzte. Blind ging er durch die Dunkelheit, ohne wirklich etwas zu sehen.
„Ähm, Atemu? Woher weißt du, wo wir lang müssen?“
„Ich kenne sämtliche Gebäude der City in- und auswendig. Ihr vergesst, dass ich die City nicht nur erkundet habe, wie kaum jemand anderer, ich habe auch Gebäude erklettert, Tunnel betreten und Orte gesehen, wo ich eigentlich niemals hin hätte dürfen. Außerdem hab ich ein Fotographisches Gedächtnis. Ich weiß, wie viele Normale Schritte man von dem Eingang im Westen des Gebäudes machen muss, bis man auf die ersten Lifte stößt. Keiner kennt sich hier besser aus, als ich und jetzt kommt.“
Er zog an der Gruppe die ihm folgte, dabei allerdings nur kleine Schritte ging, so wie Atemu selbst auch, da er das Gebäude zwar kannte, allerdings nicht wusste, wie es nun hier aussah. Wo noch etwas stand, wo eventuell der Abgrund auf sie wartete, oder wo jederzeit ein Gesteinsbrocken herunterfallen könnte.

Nach zehn Minuten blindem gehen, in der jeder andere Mensch schon längst verzweifelt wäre, hielt Atemu schließlich an. „Lasst mich mal los, ich muss zusehen, ob die Treppe noch intakt ist, die hier hinunter führt.“ Entsetzt schrie Yugi auf. „Was? A-Aber du siehst doch nichts! Du könntest aufgespießt werden!“
Atemu antwortete nicht darauf, sondern griff nach dem Geländer, gegen welches er vorhin mit dem Rücken gestoßen war. Im Kopf zählte er jeden einzelnen Schritt, machte immer wieder Probeschritte, ob sich dort eh noch fester Boden befand, wo er vorher einmal gewesen war.
Seto, der nur schweigend in der Dunkelheit stehen konnte, fragte sich in diesen Minuten, was sie wohl ohne Atemu gemacht hätten. –Vermutlich wären wir alle längst tot- dachte er bitter und kurz wanderten seine Gedanken zurück zu den anderen zahlreichen Menschen, die noch vor einiger Zeit, um sie herum gestanden und ebenfalls Einkäufe getätigt hatten. Ob sie wohl alle tot waren? Waren sie die einzigen Überlebenden in diesem Stockwerk? Wie es darüber aussah, wollte der Braunhaarige sich gar nicht erst ausmalen. Er hatte genug Schreckliches in den Nachrichten gesehen, um erahnen zu können, dass ober ihnen vermutlich niemand mehr am Leben war.
„Ich bin jetzt unten“, Atemus Stimme, riss Seto aus seinen Gedanken und erneut blickte er in jene Richtung, aus der die Stimme seines Freundes erklang. Er kniff die Augen zusammen, als er leichte umrisse erkennen konnte und – tatsächlich, er konnte grobe Umrisse erkennen, wie er voller Freude feststellte. „Mokuba, komm her“, wies er seinen Bruder an, der dem Befehl folgte und Seto schnappte ihn bei den Armen, knieten sich dann auf den Boden nieder und ließ ihn so zu Atemu hinab, der ihn entgegen nahm. Hier merkte er erst, dass der Höhenunterschied, zirka 4 Meter ausmachen musste … etwas das weniger hoch erschien, wenn man zumindest etwas erkennen konnte, anstatt in völliger Dunkelheit dazustehen.
Nachdem Atemu Mokuba sicher neben sich abgestellt hatte, wurde im Yugi heruntergereicht und dann sprang Seto selbst hinab … kam dabei allerdings ungut auf und knickte mit dem Fuß um.
„Ah!“, schrie er und stürzte zu Boden, wo er mit zusammengekniffenen Augen liegen blieb und sich den linken Knöchel hielt. –Verdammt!- fluchte er, denn nun war es nicht nur sein linkes Knie und sein linkes Schienbein, nein … nun war auch noch sein linker Knöchel verletzt.
„Seto“ Atemu war schnell neben ihm und befühlte vorsichtig die schmerzende Stelle. Dann blickte er ihn prüfend an und meinte, „Es dürfte nur Bänder gezerrt sein. Das wird schon wieder. So gerne ich dir jetzt Ruhe gönnen würde, aber wir müssen weiter. Wir müssen hier raus.“
Kaum das der Arzt seinen Satz beendet hatte, ging ein beängstigendes knarren durch die völlig zerstörten Räume. Ein ächzen und knarren, ein quietschen und dröhnen. Mokuba schrie panisch und Yugi zuckte mechanisch zusammen. Atemu warf einen entsetzten Blick zuerst auf die Mauern, bevor er den Blick nach oben richtete.
„Weg da!“, brüllte er, als er sah vage einen dunklen Schatten sah, der in die Tiefe fiel – geradewegs auf sie zu. Er packte Seto bei der Schulter, zog ihn hoch und drehte sich dann nach den beiden Jüngsten der Gruppe um.
„Dort rein!“, rief er und deutete mit einer Kopfbewegung auf einen Gang den sie im spährlichen Licht ausmachen konnten, der nur wenige Meter von ihnen entfernt war. Gerade noch rechtzeitig schafften es alle in den Gang hinein, wo sie sich gegen die Wand drückten, hofften, beteten, dass das nun nicht ihr Ende war.

Ein großer Stahlträger hatte sich gelöst und war mindestens zehn Stockwerke in die Tiefe gestürzt; kam in diesem Sekunden mit einem ohrenbetäubenden Laut auf dem Boden auf, wo Unmengen an Staub aufgewirbelt wurde. Das Geräusch, des auf dem Boden einschlagenden Stahlträgers, ließ das gesamte Gebäude erzittern. Die Schwingungen breiteten sich aus, wanderten wie ein Echo weiter. Der Schwinglaut ließ Seto aufschreien und sich die Hände gegen die Ohren pressen. Mokuba und Yugi taten es ihm gleich, während Atemu lediglich das Gesicht verzog. Er war als Notarzt laute Orte gewohnt, weshalb er nicht dieselbe Reaktion zeigte, wie die anderen.
Minuten lang blieben sie regungslos stehen. Wirkten wie Schaufensterpuppen, die man mitten in dem Durcheinander aufgestellt hatte. Als es wieder völlig still war, ließ Seto langsam die Hände von seinen Ohren sinken.
Schwer atmend lehnte er an der Wand. Der Schock saß noch immer tief. Ob es der Schock war, hier über Mannshohe Trümmer klettern, oder sich durch enge Spalten quetschen zu müssen war, oder der Schock, dass gerade ein großer Stahlträger nur wenige Meter von ihm entfernt sich in den Boden gegraben hatte, oder nicht doch eher der Schock war, dass ein Flugzeug in das Gebäude gekracht war, in welchem er sich gerade befand, wusste er selbst nicht zu sagen.
Stattdessen griff er mit zitternden Händen nach Atemu, packte ihn am Oberarm und krallte seine Finger in sein Fleisch. Dieser sagte nichts, strich ihm nur schweigend mit der Hand über den Rücken, drückte ihn kurz an sich, bevor er dann leise flüsterte, „Wir kommen hier schon raus. Ganz ruhig. Es ist nicht mehr weit. Komm.“ Er löste vorsichtig Setos Hand von seinem Oberarm und griff dann danach, drehte sich dann zu Yugi und Mokuba um.
„Nehmt euch wieder bei den Händen und einer von euch greift sich dann Setos Hand. Lasst nicht los.“
Der scharfe Ton, war mehr Befehl als Aufforderung, doch es hatte in diesen Momenten keinerlei Gewicht. Atemu führte sie den langen Gang weiter, der sich vor ihnen erstreckte und der seltsamerweise noch völlig intakt war. Lediglich die Seitengänge hier, waren eingestürzt, hatten dem Druck nicht standhalten können. Atemu entdeckte einen zerquetschten Körper unter einem großen Felsen, reagierte aber nicht darauf. Zum einen, da er wusste, dass so jemand, mit Sicherheit tot war, denn so etwas konnte er einfach nicht überlebt haben, zum anderen wollte er die Kinder nicht darauf aufmerksam machen, da sie ohnehin schon völlig unter Schock standen. Noch mehr grauen, wollte er ihnen nicht zumuten.
Als sie um die nächste Ecke bogen, schloss er für einen Moment lang seine violetten Augen. Als er sie wieder öffnete, erkannte er, dass das Licht durch einen Spalt in einer Wand ganz oben hereinfiel.
Atemu trat auf die Wand zu, kletterte auf einige der großen Felsen, die davor lagen und streckte die Hand aus; schob sie durch den Spalt. Ein starker Luftzug streifte seine Hand und ein lächeln glitt auf seine Lippen. Er drehte sich zu den anderen um.
„Los, kommt her. Wir müssen da durch. Dahinter ist Freiheit.“
Seto blickte ihn skeptisch an, gab aber keine wiederworte von sich. Stattdessen kam er schweigend der Aufgabe nach und zwängte sich als erstes durch den Spalt. Es war hart und er wäre beinahe stecken geblieben, aber letzten Endes schaffte er es dennoch und als er sich umdrehte, konnte er es kaum glauben. Er stand tatsächlich im Freien.
Ein Luftzug, von dem er nicht sagen konnte ob er kalt oder warm war, streifte ihn. Seto erzitterte.
„S-Seto?“, die Stimme Mokubas ließ ihn erschrocken herumfahren und nach der Hand greifen, die in diesem Moment in dem Spalt auftauchte und verzweifelt nach halt tastete. Vorsichtig zog er Mokuba ins Freie, danach Yugi und als letztes schließlich Atemu.
Dieser hustete kräftig und beugte den Oberkörper nach vorne, während er seine Hände auf den Oberschenkeln abstützte. Erst jetzt fielen ihm die zahlreichen Schürf- und Schnittverletzungen auf, die er davon getragen, aber aufgrund der Adrenalinausschüttung bis jetzt nicht wirklich wahrgenommen hatte. Zu viert standen sie auf einem gewaltigen Trümmerberg, bestehend aus Schutt und Metall. Seto stolperte einige Schritte nach vorne, den stechenden Schmerz in seinem linken Bein nahm er kaum noch wahr, sorgte doch auch bei ihm das Adrenalin dafür, dass der Schmerz und die Erschöpfung in den Hintergrund traten.
Die Straße vor ihm, war teilweise verlassen, teilweise standen unzählige Menschen in zehn Meter Entfernung zum Gebäude herum, blickten voller Entsetzten darauf und wisperten leise miteinander. Nun drehte auch Seto sich um, blickte hinter sich und empor. Erstarrte, als er begriff, in was sie sich befunden hatten.


Der gesamte Tower war zerstört. Die Gläserne Fassade war fast vollständig verschwunden, riesige Stahlträger ragten wie Monsterarme dem Horizont entgegen. Überall konnte man Trümmer und Gesteinsbrocken sehen, Rauch, Qualm und Feuer stieg aus dem empor, was früher einmal ein beliebtes Einkaufszentrum gewesen war. Als Seto den Kopf in den Nacken legte – der ebenfalls schmerzte – konnte er das riesige Loch sehen, welches in die Seite geschlagen worden war. Der Teil brannte, er konnte Rauch und Feuer erkennen, hörte immer wieder dumpfe Laute die aufgrund der großen Hitze erklangen, wenn sich der Stahl verbog, dazu gezwungen wurde, eine andere Form anzunehmen.
Da sollte ein Flugzeug hinein geflogen sein? Hatte der Pilot den Tower denn nicht gesehen? Oder war die Maschine manövrierunfähig gewesen?

Der größte Schock aber kam Seto erst, als er begriff, dass sie, sein kleiner Bruder, sein Freund und dessen kleiner Bruder, sowie er selbst, da drinnen gewesen waren. Dass sie wirklich da drinnen gewesen waren. Inmitten der Trümmer, inmitten, dieses wahrgewordenen Albtraumes.

Einer der beiden Einkaufstower … existierte nicht mehr.

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Das Flugzeug ist also in den Tower geflogen. Atemu, Seto, Yugi und Mokuba, die eigentlich in den Urlaub fliegen wollten, haben überlebt, allerdings Verletzungen davon getragen. Sie haben es, dank Atemu, der von seinem Risikosport her jedes Gebäude sowohl außen als auch innen in- und auswendig kennt, es herunter und raus aus dieser Hölle geschafft. Begreifen erst jetzt langsam, was geschehen ist.

Was sagt ihr zu diesem Kapitel?
Nun, da klar ist, dass Marik und Bakura, einen Terroranschlag verübt haben?
Was ist mit dem zweiten Flugzeug?
Haben die Passagiere noch eine Chance?
Wie wird es weiter gehen?



Ich distanziere mich von solchen Gewalttaten! Sie sind abscheulich und schrecklich und es ist immer wieder tragisch, dass sie in unserer Welt passieren. Nichts desto trotz, will ich mit dieser Geschichte zeigen, wie sehr so etwas, alles verändern kann.