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4 Wände, 1 Lösung

von -Caru-
GeschichteAngst, Horror / P12 / Gen
30.04.2017
30.04.2017
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Es riecht nach Desinfektionsmittel. Der stechende Geruch erinnert mich an Nagellackentferner. Aber da ist auch noch etwas anderes. Schimmel vielleicht? Fast wie ein modriger Keller. Meine Gelenke schmerzen und ich bin unendlich müde. Um mich herum herrscht Dunkelheit. Oder nein, ich habe etwas über den Augen.
Je mehr ich zu mir komme, umso schlechter wird mir. Ein ungutes Gefühl breitet sich in meiner Magengrube aus. Mit pochendem Herzen und schweißnassen Händen nehme ich mir die Augenbinde ab. Ich betrachte das schwarze Stück Stoff und identifiziere es als einen Wollschal.
Zum ersten Mal blicke ich mich um und realisiere, dass hier wirklich etwas ganz und gar nicht stimmt. Der Ort ist mir fremd. Die Wände bestehen aus Backsteinen und der Raum ist sehr klein. Ein Fenster gibt es nicht, nur eine rostige Stahltür und an der Decke hängt eine Glühbirne an einem Kabel. Nicht mal eine Lampe, kein Stuhl, kein einziges Möbelstück. Als ich die Toilette erblicke, kommt eine Ahnung in mir hoch. Ich wurde entführt...
Meine Gedanken schweifen zu Wasser. Ganzen Wasserfällen. Flüssen, Meeren. Ich habe riesigen Durst, Hunger aber keinen. Im Gegenteil, mir ist speiübel.
Wo bin ich hier nur gelandet? Ich strenge mich an, mich an das letzte zu erinnern, was passiert ist, bevor ich hier aufgewacht bin. Allerdings ist das einzige Resultat daraus, dass mein Kopf höllisch pocht.
Panik macht sich in mir breit und ich versuche aufzustehen, aber meine Beine wollen nicht. Je mehr ich es versuche, desto weniger scheint mein Körper mir gehorchen zu wollen. Nach mehreren Minuten sinke ich in mir zusammen, lehne mich gegen die kalte Wand hinter mir und schließe die Augen. Mein Puls rast und die ersten Tränen kullern über mein Gesicht. Wenn ich mich nur erinnern könnte, was geschehen ist. Warum ich hier bin und wer dafür verantwortlich ist. Ich kann es mir einfach nicht erklären.
"Hallo?", rufe ich und öffne die Augen wieder. Nun packt mich neben Angst und Verzweiflung auch noch die blanke Wut. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich geschlafen habe. Wer weiß, wie lange ich schon hier bin.
"Ist da jemand? Ich brauche Hilfe!", schreie ich. Ich schreie immer weiter um Hilfe, bis meine Kehle brennt. Es hat alles keinen Zweck. Kurz glaube ich, in einem schrecklichen Albtraum gefangen zu sein, aber es fühlt sich echt an. Zu echt.
Da meine ich, ein kleines Zischen zu hören und blicke mich nervös um. Mir wird schwindelig und schwarz vor Augen, schließlich verliere ich das Bewusstsein.

Als ich wieder aufwache, hat sich nichts verändert. Zumindest glaube ich dies für wenige Sekunden. Aber ich habe mich geirrt. Auf der anderen Seite des Raumes steht ein Tablett mit Essen und Trinken auf dem Boden. Meine Schmerzen haben nachgelassen und die Übelkeit ist weg. Jetzt kann ich nur an meinen leeren Magen und meinen ausgetrockneten Mund denken. Ich will nichts weiter, als dieses Tablett und hoffe, dass es mir dieses Mal gelingt, aufzustehen. Tatsächlich, einen Augenblick später stehe ich Kerzengerade da und gehe ohne Probleme durchs Zimmer.
Nun kann ich meine Mahlzeit genauer betrachten. Zwar habe ich mein Zeitgefühl ein wenig verloren, aber es scheint ein Frühstück zu sein, also muss es morgens sein.
Ich setze mich davor hin, schnappe mir das Sandwich und beiße gierig hinein. Nachdem ich es verschlungen habe, trinke ich das volle Glas stilles Wasser in wenigen Zügen leer und wische mir halbwegs zufrieden mit dem Ärmel meines Pullovers den Mund ab.
In dem Moment fällt mir noch etwas auf. Etwas, das nicht zu meinem Frühstück gehört, aber doch für mich bestimmt sein muss. Ein klein gefalteter Zettel. Ob er aus Versehen hier drin gelandet ist oder ich ihn womöglich lesen soll?
Ohne weiter zu überlegen greift meine Hand nach dem Stück Papier und faltet es schnell auseinander.
Der darauf gedruckte Code wurde definitiv von einem Computer getippt, es gibt demnach also keine Handschrift, die ich vielleicht hätte erkennen können.
4231

Enttäuscht betrachte ich die vier Ziffern und versuche, ihnen eine Bedeutung zuzuschreiben. Aber mir will nichts einfallen. Die ganze Sache hier stinkt zum Himmel und ich habe keine Ahnung, was das überhaupt soll. Eigentlich müsste ich jetzt in der Schule sitzen oder zuhause sein. Welcher Tag ist heute? Wieviel Uhr ist es?
Mir schwant ungutes.
 
 
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