Ad bestias

GeschichteAbenteuer, Drama / P12
Albus Dumbledore Newt Scamander OC (Own Character)
24.04.2017
24.07.2017
16
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Prolog

Der Mann vor ihm klappte die Mappe auf und sah stirnrunzelnd durch das Glas seines Monokels auf das Deckblatt, an dem auch ein Foto festgeklemmt war, auf dem Newt sein eigenes Gesicht erkennen konnte.
Mr. Belby war alt und ziemlich klein, sodass er kaum über der Tischplatte zu sehen war, hinter der er auf einem bis zum Anschlag hochgeschraubten Stuhl saß, um überhaupt auf seinen Schreibtisch sehen zu können.
Typisch für Männer in diesem Alter trug er eine Weste über einem Hemd mit dünnem Kragen und eine dünne Fliege, die er sich sehr schlecht gebunden hatte. Newt fragte sich, wie das trotz der Fähigkeit dieses Problem mit Magie zu lösen, möglich war.
Dann dachte er an seinen eigenen kläglichen Versuch noch an diesem Morgen zurück und zog kurz die Augenbrauen in die Höhe. Seine Mutter hatte ihm helfen müssen sich für seine Verhältnisse vernünftig anzuziehen, damit er heute einen guten Eindruck machte.
Sein Gegenüber nahm gerade ein anderes Papier aus der Mappe und legte es vorsichtig zu seiner rechten auf die zerkratzte Tischplatte, in der, wie Newt gerade feststellte, einige Kratzer waren, die das blanke Holz unter dem dunkelbraunen Lack preisgaben.
Newt setzte sich ein wenig aufrechter hin, um erkennen zu können, was Mr. Belby in der Hand hielt. Und jäh wurden ihm die Knie vor Aufregung weich, denn er erkannte das Siegel von Hogwarts über einem kurzen Text wieder, unter dem wiederum mehrere geschwungene Unterschriften prangten.
Mr. Belby zog die Stirn in Falten und nahm das Monokel von seinem Auge, um Newt nun direkt ins Gesicht zu sehen. Mit einem Mal war seine Neugierde verschwunden und er sackte auf seinem kleinen Holzstuhl zusammen, um sich dem prüfenden Blick Mr. Belbys unterzuordnen.
Trotzdem sagte er nichts, auch wenn er eindeutig den Schulverweis nun vor Augen haben musste. Warum sagte er nichts?
Newt wurde noch nervöser und klemmte seine Hände zwischen die Sitzfläche seines Stuhls und seine Oberschenkel, die in dieser schwarzen Hose noch dünner aussahen als sie ohnehin schon waren. Seine Mutter mahnte ihn immer mehr zu essen und weniger zu träumen.
Warum ihm ausgerechnet dieser Gedanke gerade durch den Kopf schoss, konnte er dagegen nicht sagen, auch wenn er sich wieder einmal vornahm weniger durch den Wald zu laufen und dabei die Zeit zu vergessen.
„Mr. Scamander, Sie wissen, warum Sie heute hier sind?“
Hektisch schüttelte Newt den Kopf, sodass seine wirren Haare in seine Stirn fielen und hoffentlich ein wenig den Angstschweiß überdeckten, der sich mittlerweile auf seinem ganzen Körper breitmachte und ihn womöglich noch in den Wahnsinn trieb.
„Ehrlich gesagt... Nein“, murmelte er aufgeregt und versuchte den Kragen seines Hemdes mit dem rechten Zeigefinger aufzulockern. Dann steckte er seine Hand zurück unter sein Bein.
„Ich ahnte es“, erwiderte Mr. Belby nichtssagend und sah wieder auf den Verweis in seinen krummen Fingern, deren Nägel recht ungepflegt aussahen, „aber dennoch möchte ich, dass Sie mir erklären, wie es zu diesem Vorfall kam, wegen dem Sie der Schule verwiesen wurden. Wie nannten es die Herren Zauberer vom Ministerium...?“
Newt beantwortete die rhetorische Frage, bevor er nachdenken konnte: „Sie nannten es 'Gefährdung von Menschenleben durch ein Tierwesen'. Dabei ist an einem Jarvey überhaupt nichts gefährlich... Zumindest wenn man weiß, wie man es handhaben muss. Es hatte Angst...“
Mr. Belby hob den Blick langsam über das Papier und sah ihn ein paar Sekunden schweigend an, bevor er es auf das andere Dokument legte, welches er zuerst aus der Mappe genommen hatte. Dann legte er die Hände auf die Tischplatte, verschränkte sorgfältig einen Finger nach dem anderen und verschwand beinahe völlig dahinter.
Newt musste sich jetzt noch mehr anstrengen, um den kleinen Mann überhaupt sehen zu können und reckte sich nun wieder, indem er seinen Rücken durchdrückte und sich gerader hinsetzte. Mr. Belby sah ihn geduldig aus seinen gelblichen Augen an und wartete.
Newt zog seine Hände unter seinen Oberschenkeln hervor und legte sie flach auf seine Knie. Worauf wartete Mr. Belby überhaupt? Darauf, dass er sich als der Schuldige offenbarte und hier vor ihm in Tränen oder Wut ausbrach?
Wenn es nach Newt ginge, dann hatte er zu genüge über diesen Vorfall gesprochen, wie ihn heute alle zu nennen pflegten. Dabei war es gerade einmal ein halbes Jahr her, dass es passiert war und Newt kam sich so vor, als würde er über etwas Geschichtsträchtiges sprechen, über das die Leute noch in hundert Jahren sprächen.
„Erzählen Sie mir davon“, unterbrach Mr. Belby nun selbst die äußerst unangenehme Gesprächspause, in der Newts Blick von einer in die nächste Ecke dieses Raumes gehuscht war. Sie saßen hier im Keller, er kam sich dadurch vor, als wäre er bereits im Verlies.
„Wovon?“ rutschte es Newt wieder unbedacht heraus, während er an die Decke blickte, unter der einige Stofflappen befestigt waren, um den Hall hier unten einzudämmen. Wenn sie sprachen, hörte es sich so an, als wären sie in einem winzigen, gepolsterten Koffer oder dergleichen.
„Von der 'Gefährdung von Menschenleben durch ein Tierwesen', derer Sie vor etwas mehr als fünf Monaten für schuldig befunden wurden, Mr. Scamander“, präzisierte Mr. Belby seine Frage und fixierte ihn starr ohne eine Miene zu verziehen.
Newts Aufmerksamkeit richtete sich nun wieder vollständig auf Mr. Belby, der eine Augenbraue herausfordernd raufzog und ihm forschend ins Gesicht blickte.
Ein tiefer Seufzer entrang sich Newts Kehle und er ließ seine Hände von den Knien in seinen Schoß wandern, wo er versuchte sie entspannt abzulegen, während er darüber nachdachte, wie er am besten anfing diese Geschichte zu erzählen...
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