Hirokos Freiheit

GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
OC (Own Character) Sesshoumaru
22.04.2017
14.01.2020
31
77119
24
Alle Kapitel
76 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kapitel 31

Die nächsten Wochen und Monate zogen an Hiroko vorbei wie ein langer Strom des ewig gleichen Trotts. Tag für Tag stand sie zusammen mit Naoto auf, frühstückte, trainierte, zog weiter durch das Land, trainierte, aß zu Abend, legte sich schlafen. Am nächsten Morgen begann alles wieder von vorn.
Sie genoss es, wenngleich sie wusste, dass viele andere an ihrer Stelle sich bestimmt schon gelangweilt hätten. Doch der feste Ablauf gab ihr Sicherheit und Halt, es war eine Konstante in ihrem Leben, die sie nicht missen wollte und die sie nach ihren Erlebnissen dringend benötigte, und Naoto schien sich ebenfalls damit zu begnügen.
Inzwischen war auch er eine feste Konstante in ihrem Leben geworden und sie fürchtete bereits den Tag, an dem der Dämon sie wieder verlassen würde. Nur selten dachte sie daran, dass es jeden Tag soweit sein könnte, aber wenn es ihr wieder in den Sinn kam, schmerzte ihre Magengegend und sie bekam kaum noch Luft.

„Du bist zu langsam!“, rief Hiroko ihrem Trainingspartner zu und konnte sich dabei ein breites Grinsen kaum verkneifen. Ihre Schnelligkeit war überragend, das sagte Naoto ihr immer wieder, trotzdem glaubte sie, dass er sie nur schonte und sich selbst zurückhielt. Wieder und wieder versuchte sie ihn zu provozieren, aber er ließ sich nicht aus der Reserve locken, er blieb 24 Stunden am Tag der entspannte Dämon, den sie inzwischen fest in ihr Herz geschlossen hatte.
„Du bist zu schnell!“, antwortete er und keuchte inzwischen aus dem letzten Loch. Na gut, vielleicht war er doch nicht 24 Stunden am Tag entspannt.
„Schleimender Lügner!“, warf sie ihm lachend entgegen, doch noch immer knickte er nicht ein.
„Hiroko, wie oft muss ich es dir noch sagen? Du bist die schnellere von uns beiden.“, sein Ton war ernst, wie jedes Mal, wenn er dieses Thema anschnitt.
„Wieso schüttelst du den Kopf?“, hakte er nach, als sie sich offensichtlich gegen die Erkenntnis zu wehren schien.
„Einfach so.“, antwortete Hiroko und wandte sich hektisch von ihm ab. Das war eine glatte Lüge, aber das wollte sie weder sich selbst noch ihm eingestehen.

„Wir sind fertig mit Laufen. Was machen wir jetzt?“, versuchte sie das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken, dabei wusste sie ganz genau, was jetzt kommen würde.
Nach dem Laufen war, wie jeden Tag, das Kampftraining dran. Absichtlich stellte sie sich dumm.
Und wurde von Naoto überrascht.
„Jedenfalls nicht das, was du jetzt denkst.“, ein verschmitztes Lächeln zierte sein Gesicht.
Sie konnte ihn nur fragend anschauen. Jetzt war sie neugierig geworden.
„Komm, ich habe hier in der Gegend etwas entdeckt.“, beschwor er die wildesten Fantasien in ihrem Kopf herauf.
„Komm, folg mir einfach, dir passiert schon nichts.“, winkte er ab und ging voraus.
Was sollte er entdeckt haben, was sie nicht gesehen hat? Sie waren schließlich ziemlich genau denselben Weg gelaufen.

- -

„Ein Gasthaus?“, fragte sie verwundert, als Naoto mit ihr vor einem ziemlich großen Gebäude stehen blieb. Was sollte daran besonders sein?
„Ein Gasthaus.“, bestätigte er freudestrahlend und musste feststellen, dass Hiroko längst nicht so begeistert aussah, wie er vermutet hätte.
„Ich… ähm…“, Hiroko wusste einfach nicht, was sie sagen sollte.
Naoto erklärte sich von selbst. „Ich wollte dir eine Freude machen. Ein paar Nächte nicht auf dem Boden schlafen. Außerdem hat dieses Gasthaus im Hinterhof heiße Bäder, das wird uns beiden guttun, nicht nur immer in kalten Flüssen zu baden.“

Hirokos Blick erweichte, trotzdem schien sie noch immer nicht ganz überzeugt.
„Ich schlafe eigentlich ganz gerne draußen. Und das kalte Wasser macht mir nichts aus. Das hält gesund.“, winkte sie ab und hoffte, dass Naoto sich nicht allzu viel erhofft hatte, ihr wirklich eine Freude zu machen.
„Außerdem gibt es da drin bestimmt richtig guten Sake.“, setzte er noch einen hinzu und lächelte sie erneut an.
„Ich erinnere mich an eine spaßige Nacht, als wir beide schon mal miteinander getrunken haben.“

Blanke Panik erfasste Hiroko.
Sie erinnerte sich ebenfalls an diesen Abend.
Und an den nächsten Morgen.
Als er sie verlassen hatte.

Automatisch ging sie einen Schritt zurück. Am liebsten wäre sie sofort los gerannt, weit weg, dann würde das Unausweichliche nur schneller kommen.
Naoto packte sie an ihrem Arm, er sah die plötzliche Angst in ihren Augen, er roch und spürte sie. Und konnte sich keinen Reim darauf machen.

„Hiroko? Ist alles in Ordnung?“, fragte er deshalb besorgt nach.
Ihr Blick fiel auf seine Hand an ihrem Arm, sofort als er diesen bemerkte, ließ er sie wieder los. Er wollte es nicht noch schlimmer für sie machen.
„Du wirst mich verlassen..“, murmelte sie und konnte ihm nicht in die Augen schauen.
„Hiroko?“, hakte er mit sanfter Stimme nach.
„Du willst mich allein lassen!“, Hiroko schrie nicht, ihre Stimme war nicht einmal brüchig. Es war eine nüchterne Feststellung, in der man ihre aufkommende Panik nicht hören konnte.

Er schüttelte langsam den Kopf.
„Hiroko, wie kommst du denn auf diese Idee?“
Im ersten Moment konnte und wollte Hiroko ihm gar nicht antworten. Apathisch stierte sie auf den Boden, als hätte sie ihn gar nicht gehört.
„Hiroko?“, hakte Naoto daher nach.
„Hm?“
„Wie kommst du auf die Idee, dass ich dich allein lassen würde?“, wiederholte er seine Frage.
„Das hast du letztes Mal auch getan, als wir in einem Gasthaus waren.“
Naoto musste einen Moment überlegen, was sie meinte. Dann fiel es ihm wieder ein. Es stimmte, am nächsten Morgen, nachdem der Kater verschwunden war, hatte er Hiroko in dem Gasthaus zurückgelassen.

Jetzt verstand er, wieso sie plötzlich so reserviert reagierte. Ihre Panik jedoch verstand er noch immer nicht ganz. Wäre es wirklich so schlimm für Hiroko, wenn er jetzt wieder gehen würde? Sie musste von damals noch wissen, wie sehr er es genoss, allein durch die Lande zu streifen. Nur von Zeit zu Zeit suchte er sich Gesellschaft, von denen Hiroko ihm bisher die Liebste war.

Mit seiner freundlichsten Stimme sprach er sie wieder an.
„Hiroko, ich versichere dir, ich werde morgen früh noch da sein, wenn du wieder aufwachst. Ich habe nicht vor, dich allein zu lassen.“
Dennoch setzte er hinzu „Noch nicht.“
Das war nicht gemein, sondern einfach eine Tatsache und er wollte ihr nicht das Gefühl geben, dass sich an seiner Einstellung von damals etwas geändert hätte.
Ihre Augen waren nicht mehr von Panik erfüllt, als sie ihn wieder anschaute. Seine Worte schienen sie erreicht zu haben.
„Heute noch nicht?“, fragte Hiroko nach.
„Nein, heute noch nicht. Ich wollte dir nur ein paar Tage Luxus schenken. Zu viel Training ist auch nicht gut. Du brauchst mal eine Pause.“, er legte eine dramatische Pause ein und fügte dann hinzu „Und ich noch viel mehr!“, lachte er und nach einem kurzen Zögern stimmte auch Hiroko endlich mit ein.
Er schien sie beruhigt zu haben, zum Glück.

„Komm, lass uns reingehen. Es wird bald dunkel.“
Hiroko schaute zum Himmel. Es war noch nicht mal Mittag.
Sie lächelte ihn, wieder fröhlich, an und folgte ihm in das Gasthaus.

- -

Hiroko konnte inzwischen schon nicht mehr zählen, wie oft ihnen beiden nachgeschenkt wurde und der Sake breitete sich nicht nur in ihrem Magen, sondern so langsam auch in ihrem Kopf aus. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen bereits ganz glasig und wenn man darauf achtete, hörte man bereits ein leichtes Lallen in ihren Worten.
Naoto beobachtete mit Freude, wie locker seine Begleitung inzwischen drauf war. In den letzten Wochen war die Furche auf ihrer Stirn durch ihre Sorgenfalten immer tiefer geworden, so kam es ihm zumindest vor. Ihr Geist schien noch immer nicht gänzlich mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen zu haben, auch wenn sie nach außen hin den guten Schein zu wahren versuchte. Er jedoch erkannte ihre innere Unruhe, weshalb er auch seit längerer Zeit den Plan geschmiedet hatte, sie mal entspannen zu lassen. Fernab ihrer täglichen Routine und ihres Trainings.
Das Gasthaus war ihm da ganz gelegen gekommen.
Sie redeten über dies und das, er kramte alte Geschichten raus, harmlose Erzählungen, die er hier und da etwas ausschmückte, manchmal auch sehr offensichtlich, doch Hiroko schien das nicht zu stören, geschweige denn mit ihrem steigenden Alkoholpegel überhaupt noch wahrzunehmen. Ihr Lachen war echt, glockenhell und frei jeglicher Sorgen. Das war alles, was für Naoto in diesem Moment zählte.

Dafür holte er auch gerne ein paar seiner Frauengeschichten hervor, die nicht immer glimpflich für ihn ausgegangen waren.
„Das hast du nicht getan!“, rief Hiroko bespaßt und empört aus, bevor sie einen weiteren Schluck Sake trank.
„Leider doch. Wer hätte denn ahnen können, dass es ihre Schwester war?“
„Vielleicht weil sie sich ähnlich sahen?“, mutmaßte sie und lachte noch immer über die Vorstellung, wie Naoto sich, mit nicht mal einem Hauch von Kleidung bedeckt, aus dem Haus schlich, während ein Kampf der Hühner vor seinen Augen ausbrach, so nannte er es zumindest.
„Hiroko, Liebes, darauf achtet ein Mann nicht. Zumal ich damals noch sehr jung und naiv war. Ich war nur froh, dass ich nicht zwischen die Fronten geraten bin.“
„Hast du sie jemals wieder gesehen?“
„Um Himmels willen nein! Sie hätten mich vermutlich in der Luft zerrissen!“, winkte er ab und nahm ebenfalls einen weiteren Schluck Sake.
„Das glaube ich dir sofort!“

Hiroko bekam das Bild des nackten Naoto nicht aus dem Kopf und ohne ihr Zutun, oder weiteren Alkohol, wurde das Rot ihrer Wangen noch eine Nuance dunkler.
Plötzlich änderte sich ihre Stimmung, von alkoholisiert-erheitert zu nachdenklich. Naoto bemerkte es und wollte schnellstens eine andere Geschichte aus den Tiefen seiner Erinnerungen ausgraben, als Hiroko ihm auch schon zuvorkam.
Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und durch die Lautstärke der anderen anwesenden Gäste konnte er sie kaum verstehen.
„Naoto.. wie.. also.. wie ist es.. das Bett mit.. mit jemandem zu teilen?“
Hiroko spürte, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht schoss, verlegen starrte sie stur auf den Tisch und traute sich nicht, ihm erneut in die Augen zu schauen. Doch jetzt war es zu spät und sie konnte die Frage nicht mehr zurückziehen.
Als ihre Worte endlich zu Naoto durchgekommen waren und er sie entschlüsselt hatte, stockte auch er. Noch nie hatte er sich darüber Gedanken gemacht, aber Hiroko war vollkommen.. unerfahren, was diese Dinge anging. Ihre Neugierde war nur allzu berechtigt.
Natürlich, die Gepflogenheiten gaben vor, dass es sich für eine Frau nicht ziemte, vor ihrer Heirat einem Mann beizuwohnen, was er als vollkommen überflüssig und lächerlich empfand, aber Hiroko hatte ihm mehr als einmal bewiesen, dass sie ebenfalls nicht viel auf Sitte und Gepflogenheit gab. Zumindest in solchen Dingen wie brav die Bedienstete am Hofe eines Fürsten zu bleiben und den Mann zu heiraten, den man ihr zuteilte.

Energisch schüttelte Hiroko ihren Kopf, schlug die Hände vors Gesicht und versuchte, das Gesagte ungeschehen zu machen.
„Nein! Du brauchst es nicht beantworten! Ich will es gar nicht wissen! Entschuldige bitte!“, stieß sie hervor, konnte ihn aber noch immer nicht ansehen.
Sanft aber bestimmt zog Naoto ihre Hände vor ihrem Gesicht weg, legte einen Finger unter ihr Kinn und brachte sie so dazu, ihn anzusehen. Entgegen ihrer Erwartung wirkte er weder angeekelt noch verwundert über ihre Frage. In seinen Augen war auch nicht zu sehen, dass er sich über sie lustig machen könnte, da sie noch keinerlei Erfahrung mit Männern besaß.
Wollte sie diese Erfahrung überhaupt machen?
„Hiroko, das muss dir doch nicht peinlich sein. Es ist eine Frage, wie jede andere auch.“, sagte Naoto sanft und lächelte sie aufmunternd an.
„Nein, nein ist es nicht. Das ist bestimmt nur der Sake, der aus mir spricht.“
„Sake kann nicht reden. Er hilft dir nur das auszusprechen, was du schon immer sagen wolltest.“, lachte er und nahm zur Untermalung seiner Worte einen weiteren, großen Schluck aus seinem Schälchen.
Einem Drang folgend trank auch sie und ließ seine Worte auf sich wirken. Sie wusste wahrlich nicht viel über den Beischlaf von Männern und Frauen. Nur Gesprächsfetzen, die sie hier und da im Schloss von.. die sie hier und da aufgeschnappt hatte.
In vielen Fällen waren die Aussagen sehr positiv ausgefallen. Und bei seinen Geschichten schien auch Naoto nicht abgeneigt zu sein.

Sich selbst innerlich Mut zusprechend schaute sie ihn mit festem Blick an.
„Würdest du mir die Frage beantworten?“
„Willst du das denn?“, hakte er nach. Ihr Nicken war überzeugt, ebenso der Ausdruck in ihren Augen, die neugierig aufblitzten.
Er lachte ein leises Lachen und antwortete ihr dann „Weißt du, ich kann dir leider nicht genau sagen, wie es für eine Frau ist. Aber für einen Mann.. Also für mich, ist es etwas ganz..“, er schien nach den richtigen Worten zu suchen, „..Wunderbares. Eines der schönsten Dinge, die man erleben kann. Aufregend.“
Hiroko blinzelte überrascht.
„Wirklich?“
„Ja, wirklich. Also, wenn man es kann..“, er ließ den Satz offen in der Luft hängen und warf damit eine weitere Frage bei Hiroko auf.
„Wie meinst du das, ‚wenn man es kann‘?“, hakte sie nach.
Naoto verschluckte sich beinahe an seinem Sake. Wie sollte er ihr das jetzt erklären?
„Ach weißt du Hiroko, es gibt eben Frauen die..“
„Die..?“
„Und es gibt Männer die…“
„Ja?“
Er schaute in ihre offenen, unverdorbenen Augen und machte sich plötzlich Sorgen. Eine solch reine Frau und freundliche Persönlichkeit hätte er eigentlich nicht mit seinen Geschichten zu diesem Thema verderben dürfen. Hatte er das überhaupt?
„Es gibt Kämpfer, die können kämpfen, und es gibt Kämpfer, die schon nach einem Faustschlag am Boden liegen.“, sagte er kryptisch und beschäftigte sich plötzlich intensiv mit seinem Sake. War das ein schlechtes Gewissen, das da gerade anfing, ihn zu plagen? Aber wieso? Es war einer der natürlichsten Dinge und früher oder später würde Hiroko sowieso ihre Erfahrungen machen. Sie sollte es sogar machen, seiner Meinung nach zumindest.

Ihre nächste Frage traf ihn jedoch völlig unerwartet.
„Würdest du mir .. also würdest du mir zeigen .. wie es geht?“

Vollkommen überrumpelt konnte er sie nur mit weit aufgerissenen Augen anschauen, beinahe wäre sein Mund aufgeklappt und der Sake rausgelaufen, den er gerade zu trinken gedacht hatte. Es dauerte mehrere Sekunden, die ihm wie eine Ewigkeit vorkamen, bis er sich endlich gefangen hatte. Irritiert schüttelte er den Kopf, versuchte ein freundliches Lächeln auf seine Lippen zu zaubern und hoffte, sie mit seinen Worten nicht zu kränken.
„Hiroko, jetzt spricht wirklich der Sake aus dir.“, versuchte er abzuwinken. Wieso fühlte er sich plötzlich verlegen? War es Verlegenheit? Der Sake stieg auch ihm langsam zu Kopf, klares Denken fiel ihm schwer.
Ohne sein Zutun schweiften seine Gedanken ab. Sie war wahrhaftig eine wunderschöne Dämonin. Stark. Klug. So rein und unschuldig. Wollte er es ihr..
Unbewusst schüttelte er mit dem Kopf, um unterschiedliche Vorstellungen von sich und Hiroko abzuschütteln. Das konnte er nicht tun. Nicht er. Er war zwar nicht der größte Romantiker, aber diese Erfahrung sollte sie nicht unbedingt mit ihm machen. Einem Freund, einem zeitweiligen Begleiter. Nein.
Oder doch?

„Ist gut, ich habe verstanden.“, seufzte Hiroko und wandte den Blick von ihm ab. Er konnte sehen, dass sein Plan, sie nicht zu kränken, nicht aufgegangen war.
„Hiroko, bitte. So habe ich das nicht gemeint.“
Sanft legte er seine Hand auf ihre und hoffte, dass sie ihn anschauen würde. Sie tat es. Ihr Blick wirkte verletzt, vielleicht ein wenig enttäuscht.
„Du musst es mir nicht zeigen, wenn du nicht willst.“
„Das ist keine Sache, die man jemandem einfach so ‚zeigt‘, Hiroko. Es ist nicht wie das Kämpfen.“, versuchte er zu erklären.
„Aber eben sagtest du doch..“
Schnell winkte er ab „Ich weiß, was ich eben gesagt habe. Es war ein schwacher Vergleich.“
„Ist gut.“

Innerlich mit sich ringend versuchte er abzuschätzen, wie ernst Hiroko diese Frage meinte. Konnte sie sich dessen überhaupt bewusst sein?
Noch dazu in ihrem Zustand?
Was hielt er überhaupt von dieser Idee?

Hiroko stand auf und verließ den Tisch. Er brauchte länger als sonst, um das zu realisieren. Schnellstens sprang er auf und rannte ihr einem Impuls folgend hinterher. Auf dem Gang zu den Zimmern holte er sie ein. Der Lärm der Betrunkenen verstummte, sie waren allein.
Er ergriff sie am Arm und brachte sie sachte dazu, stehen zu bleiben und sich zu ihm umzudrehen.
Als er in ihre Augen schaute, konnte er nicht anders, als ihr einen Vorschlag zu machen.
„Schlaf dich aus. Denk darüber nach. Ich möchte den Alkohol nicht ausnutzen. Und morgen, wenn wir beide wieder bei klarem Verstand sind, können wir gerne erneut darüber reden, sofern du das möchtest. Ansonsten können wir es auch totschweigen, wie zwei Erwachsene das tun würden.“, zum Ende hin lachte er, in dem Versuch, die Stimmung zwischen ihnen aufzulockern.
Naoto hatte nicht gelogen. Noch war er nicht soweit, Hiroko wieder allein lassen zu wollen. Das lag nicht nur daran, dass er das Gefühl hatte, dass man sie jetzt nicht sich selbst überlassen sollte. Er genoss ihre Gesellschaft wirklich, er bewunderte ihre Stärke und war stolz darauf zu sehen, welche Fortschritte sie Tag für Tag machte. Ohne es zu merken war Hiroko eine sehr wichtige Person in seinem Leben geworden.

Endlich erschien wieder ein Lächeln auf ihren Lippen. Sie schien zu verstehen. Morgen würde die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, konnte er jedoch nicht sagen, welchen Ausgang er mehr erhoffte. Reden oder Totschweigen.

„Gute Nacht, Naoto. Danke.“, sagte Hiroko noch und ging dann auf ihr Zimmer.
„Gute Nacht, Hiroko.“, flüsterte er in den leeren Gang hinein.


Irgendwie war der Abend ganz anders verlaufen, als er es erwartet hatte.

//

Hallöchen!
Entschuldigt, dass es dieses Mal so lange gedauert hat. War einiges los bei mir, aber jetzt habe ich es doch endlich wieder geschafft, etwas Neues zu schreiben.
Die Idee für dieses Kapitel habe ich schon etwas länger, wenngleich der Plan auch erst mit Takeru bestand *hust hust*..
Ich bin sehr auf eure Meinung gespannt, da, so hab ich das zumindest gesehen, die Story dieser FF ihren Fokus doch eher auf.. andere Dinge setzte :D
Ich nehme aber auch schon mal vorweg, dass, wenn es wirklich soweit kommen sollte, es vermutlich keine expliziten Lemon-Teile geben wird.. also, glaub ich zumindest nicht :D

Über Reviews würde ich mich sehr freuen!
Man liest sich,
Fabs!
Review schreiben