König und Königin

OneshotDrama, Angst / P6
Caine Soren Diana Ladris Sam Temple
21.04.2017
21.04.2017
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Weil sie für gewöhnlich ohnehin alle die Zeit eher zusammen im Wohnzimmer verbrachten, als getrennt auf eigenen Zimmern, kam es nicht oft dazu, dass Sam Dianas Raum betreten musste – was ihm selbst eigentlich ganz gelegen kam, wenn er ehrlich sein sollte. Er wusste inzwischen nämlich, wie die Dinge bei Diana liefen.
  Sie war eigentlich eher schwer zu lesen, was hin und wieder nerven konnte – doch wenn Sam ihr Zimmer betrat, schien es ihm manchmal so, als würde sie hier drinnen nichts verheimlichen können und so erfuhr er manchmal sogar Sachen aus ihrem Inneren, von denen er eigentlich nicht unbedingt was wissen wollte.
 Zum Beispiel, so wie heute.
 „Hey“, sagte er, als er sich in ihren Türrahmen lehnte. „Ist bei der Bestellung des Tisches alles glatt gelaufen?“ Sie renovierten zur Zeit ein wenig die Wohnung und er hatte es eigentlich Diana und Astrid überlassen, die restlichen Möbelstücke herauszusuchen.
 „Jap“, kam es nur von Diana, die gerade an ihrem Computer saß und sich nicht einmal die Mühe machte, sich umzudrehen. Sie schaute sich gerade irgendein Video an.
 „Okay“, sagte Sam etwas müde und wäre normalerweise gegangen, um sich etwas zu essen zu machen, wäre sein Blick nicht ausversehen zu ihrem Fenster gewandert. Oder vielmehr, zur Fensterbank, auf der sich etwas befand.
 Er konnte nicht leugnen, dass seine Schultern bei diesem Anblick steif wurden. Nach einigen Sekunden löste er sich aus seiner Starre und durchquerte das Zimmer in einigen Schritten, um zum Fenster zu gelangen. Diana drehte sich immer noch nicht um.
 „Hey“, wiederholte er langsam, als er nach der Schneekugel griff, die etwas versteckt hinter den beinahe durchsichtigen Vorhängen stand.
 „Hmm.“
 „Diana.“
 „Was?“
 Endlich schien er ihre Aufmerksamkeit zu haben. Sam stutzte. „Diana, sag mal ... wie lange hast du die schon?“ Seine Stimme hörte sich etwas schwer an, als er das fragte.
 Sie wusste, wovon er sprach, ohne zu ihm zu sehen. Ihre Augen lagen immer noch auf dem Video. „Die Kugel? Seit zwei, drei Wochen. Hab sie mir gekauft.“
 „Und was ...“ Er wollte eigentlich nicht fragen, wirklich nicht. Aber noch weniger wollte er ignorieren, was er gerade sah. „Und was hast du dir in dem Moment gedacht, als du sie dir gekauft hast?“
 „Nichts, eigentlich.“ Gefasst wie immer.
 „Nichts. Hmm“, machte Sam. Sie klang so entspannt, dass es fast schon zu gut war, um gespielt zu sein – aber wenn Sam das tanzende Paar aus Plastik, das sich in der Kugel befand, betrachtete, konnte er sich nur schwer vorstellen, dass es nichts in Diana auslöste. Selbst ihm drehte sich der Magen um.
 Ein König und seine Königin, dachte er im Stillen, als er die Schneekugel wieder abstellte.
 „Verstehe. Alles klar“, meinte er trocken. Seine Stimme klang etwas brüchig. „Entschuldige für die Störung.“  
 „Woran hast du den gedacht?“, warf Diana ihm aber ihre Gegenfrage zu, ehe er fliehen konnte.
 Sam verharrte im Türrahmen. Als er über die Schulter zu ihr sah, hatte sie ihm immer noch den Rücken zugewandt, aber das Video, das sie bisher gesehen hatte, war nun auf Pause gestellt.
 „Nichts.“
 „Sicher, Sam?“
 Er schwieg ein paar Sekunden. „Okay, um ehrlich zu sein, nein. Ich habe mich nur daran erinnert, dass du ab und zu einen sehr grausamen Sinn für Humor haben kannst.“
 „Manche Dinge muss man eben mit Humor nehmen“, erwiderte sie und schon lief das Videos auch weiter. „Und du musst zugeben ... es ist besser, als sie zu vergessen.“
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