A Mermaid Tale

von Yukionna
GeschichteAllgemein / P6
Cleo Sertori Emma Gilbert OC (Own Character) Rikki Chadwick
20.04.2017
27.11.2017
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Kapitel 1

Addie Wilde zog die fertig entwickelten Fotos aus dem Drucker und besah sich zufrieden die Ergebnisse. Sie hatte nicht erwartet, dass dieser kleine Copyshop eine so gute Qualität zu diesem niedrigen Preis lieferte. Doch das Türkisblau des Australischen Ozeans und das Grün der Palmen am Strand waren gut getroffen.
Addie lächelte und steckte die Fotos zu dem Brief an ihre Eltern in den Umschlag.
„Entschuldigen Sie“, wandte sie sich an den älteren Herrn hinter dem Tresen, „nehmen Sie hier auch Post an?“
„Tut mir leid, Herzchen, da musst du zum Postamt laufen. Es ist nicht weit von hier, nur ein paar Häuser die Straße runter.“
„Vielen Dank.“ Addie nickte dem Mann zu und verließ den Copyshop. Sofort umfing sie die warme Spätnachmittags-Brise der Gold Coast und der Duft von Meersalz und Sonnencreme.
Tief einatmend machte Addie sich auf den Weg zum Postamt. Dabei blieb sie hin und wieder an den kleinen Lädchen stehen und besah sich die ausgestellten Dinge im Schaufenster. Von Bademode über typische Touristenartikel bis zu Standgutkunst gab es ungefähr alles zu kaufen.
Interessiert betrachtete Addie den Schmuck in einem Antiquitätenladen. Ganz süß, aber nichts im Vergleich zu dem, was der Meeresboden hergab. Sie grinste verhalten und wandte sich ab. Wo war nur das Postamt? Müsste sie es nicht schon längst gefunden haben?
Ihr Blick fiel auf einen jungen Mann, der gerade aus dem Geschäft für Taucherausrüstungen trat. Groß, sportlich und gutaussehend. Ging er etwa gerade in ihre Richtung?
Addie nahm allen Mut zusammen und trat auf ihn zu. „Hey, entschuldige, kannst du mir sagen, wo ich das Postamt finde?“
Der Typ blieb stehen und schob sich die Sonnenbrille in die Haare, wobei er dunkle, von langen Wimpern umrahmte Augen zum Vorschein brachte. Er grinste leicht. „Klar, ähm … du musst erst geradeaus und dann bei der Eisdiele nach links … und dann nochmal nach links … nein, rechts glaube ich.“ Er lachte und schaute sie entschuldigend an. „Komm mit, ich zeig’s dir einfach.“
„Okay, danke.“ Addie folgte ihm, wobei sie in die Richtung gingen, aus der Addie gerade gekommen war.
„Bist du im Urlaub hier?“, fragte der Typ und nickte zu dem Briefumschlag hin, den Addie in der Hand hielt.
„Ja, genau, ich schicke einen Brief an meine Eltern zu Hause.“
„Wo ist zu Hause?“, fragte er.
Etwas überrascht von seiner Neugier antwortete Addie nicht sofort, aber dann erinnerte sie sich daran, dass die Australier einfach nur gerne Smalltalk betrieben und entspannte sich.
„Deutschland.“, sagte sie schließlich mit einem halben Grinsen.
Er zog die Augenbrauen hoch. „Wow, das ist weit weg. Ist es dort nicht immer kalt? Das ist doch so nah am Nordpol, oder?“
Addie lachte, als hätte sie das zum ersten Mal gehört und nicht schon jedes Mal, wenn sie erklärte, wo sie herkam. „Fast am Nordpol. Genau.“
Der Typ grinste. „Kein Wunder, dass du uns hier unten besuchst. Hier ist es immer warm.“ Er streckte die Hand aus. „Ich bin übrigens Marc.“
Sie schlug ein. „Addie. Freut mich, dich kennen zu lernen.“
„Die Freude ist ganz meinerseits“, erwiderte er. „Du hast übrigens ein sehr gutes Englisch.“
Sie lächelte. „Danke. Ich hatte viel Übung. Ich liebe es, zu Reisen und neue Länder kennen zu lernen. Aber in Australien bin ich jetzt zum ersten Mal.“
„Das Beste kommt zum Schluss, hm?“ Marc grinste. „Machst du diese Reisen allein?“
Wollte er etwa abchecken, ob sie schon in festen Händen war? Addie schlug sich diesen Gedanken schnell aus dem Kopf. „Ja, meistens reise ich allein, das ist viel unkomplizierter. Mir fällt es nicht schwer, neue Freunde zu finden.“ Sie lächelte ihn an. „Manchmal sind meine Eltern dabei, aber wenn nicht, dann muss ich ihnen versprechen, Fotos und Briefe zu schicken.“ Sie wedelte mit dem Briefumschlag in der Hand.
Marc hob die Augenbrauen. „Nimm’s nicht persönlich, aber hat deine Familie schon einmal etwas von Emails gehört?“
Addie verkniff sich ein Grinsen und sah ihn todernst an. „Was ist das?“
Er zögerte und legte den Kopf schief. „Du machst Witze, oder?“
Jetzt lachte sie. „Natürlich! Aber meine Eltern mögen es eben auf die altmodische Art und Weise. In ihrem Alter fällt es ihnen schwer, sich auf die moderne Technik umzugewöhnen.“
„Verständlich.“ Jetzt grinste er auch wieder.
„Also …“ Addie sah sich um. „Wo ist jetzt das Postamt?“
Verlegen kratzte Marc sich am Kopf. „Tja, ich muss gestehen, dass ich das auch nicht so genau weiß …“
„Bitte?“ Verständnislos sah Addie ihn an und blieb stehen.
„Ich war schon mal da, ehrlich!“ Abwehrend hob er die Hände. „Aber ich bin neu hier in der Stadt. Ich kenne mich leider auch noch nicht so gut aus.“
Addie schüttelte amüsiert den Kopf. „Wenn ein Blinder einen Blinden führt …“
Marc sah sie schuldbewusst an. „Ich finde das Postamt, versprochen. Und dann habe ich eine Idee, wie ich das wieder gut machen kann.“
„Tatsächlich?“
„In der Tat.“ Er grinste, jetzt wieder ganz der Charmeur. „Ich lade dich zum Essen ein.“
Dieser Typ war unglaublich. „Das ist deine Art, nach einem Date zu fragen?“
„Ach, ich hab’ da nicht unbedingt eine Strategie. Ich frage meistens so aus dem Bauch heraus.“
„So aus dem Bauch heraus.“, wiederholte Addie. „Du bist mir Einer.“
„Also, wie sieht’s aus? Steht das mit dem Date?“ Marc lächelte ein breites Zahnpasta-Lächeln, dem eine Frau wirklich nur schwer widerstehen konnte.
„Pass auf, wir machen das so.“ Addie setzte einen feierlich-ernsten Blick auf. „Wenn du das Postamt in den nächsten zehn Minuten findest, dann gehe ich mit dir essen.“
„Zehn Minuten?“
Sie nickte.
„Was bekomme ich, wenn ich es in fünf Minuten finde?“ Er grinste frech.
„Nicht mehr und nicht weniger.“
„Zu schade.“ Marc packte sie an den Schultern und drehte sie herum. „Gefunden.“, hauchte er ihr ins Ohr.
Rasch löste Addie sich von ihm und ging in das kleine Gebäude, auf dem kaum lesbar das Wort „Postamt“ geschrieben stand. Als sie den Brief abgeschickt hatte und wieder hinaus auf die Straße trat, erblickte sie Marc, der an die Hauswand gelehnt auf sie wartete.
„Morgen Abend, sieben Uhr. Vor dem Restaurant Zum weißen Albatros.“
Addie grinste. „Abgemacht. Und weil du so schnell warst, gebe ich jetzt ein Eis aus.“

***

Addie setzte sich auf ein kleines Mäuerchen, ließ sich den Wind durch die Haare wehen und genoss den Anblick der untergehenden Sonne auf dem Meer.
„Darf ich?“ Marc nahm ihr den leeren Eisbecher aus der Hand und warf ihn in eine Abfalltonne.
Nicht nur Charmeur, sondern auch Gentleman …
Addie seufzte verträumt. Wie lange war es her, dass ein Mann sie so behandelt hatte? Als wäre sie ein begehrenswerter Edelstein, eine Prinzessin? Hatte es das überhaupt schon einmal gegeben?
„Wunderschön, nicht wahr?“ Marc trat neben sie und legte die Unterarme auf die Mauer. „Das Meer hat so unglaublich viele Facetten. Es kann stürmisch und sogar bedrohlich sein. Aber auch friedlich, wie jetzt, und atemberaubend schön.“
Addie nickte zustimmend. „Und dann erst die Unterwasserwelt. So viele Farben, so viel Leben da unten.“
Marc sah sie von der Seite her an. „Tauchst du etwa auch?“
„Eher hobbymäßig, und auch nur manchmal. Wenn ich die Gelegenheit habe.“, antwortete sie ausweichend.
„Wow, dann sollten wir unbedingt mal zusammen tauchen!“
„Alles schön der Reihe nach, okay?“, antwortete sie nervös. „Was weißt du über die Insel da drüben?“ Hoffentlich ging er auf diesen Themenwechsel ein.
„Mako? Nicht viel. Nur, was man sich über die Insel erzählt. Einige berichten von seltsamen Dingen, die dort vor sich gehen sollen.“
„Seltsame Dinge?“ Gespannt sah Addie ihn an.
„Merkwürdige Lichter und unerklärliche Naturphänomene. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll, denn meistens übertreiben die Leute bei so etwas gerne. Ich werde mich vielleicht mal selbst davon überzeugen. In dem Riff vor Mako soll man jedenfalls fantastisch tauchen können.“
„Tatsächlich?“, meinte Addie und ließ die Gedanken schweifen. Eine einsame Insel, auf der unerklärliche Dinge passierten. Wenn das nicht interessant war.
Mit halbem Ohr hörte sie zu, was Marc noch so alles über die Insel wusste, aber insgeheim hatte sie schon beschlossen, der Insel einen Besuch abzustatten.
„Hör mal, Marc, es wird langsam wirklich spät. Ich muss zurück nach Hause, aber wir sehen uns morgen Abend!“
„Ähm … alles klar, ich wollte dich nicht langweilen.“
„Tut mir leid, das hast du nicht. Ehrlich. Aber ich muss jetzt wirklich gehen.“ Addie nahm seine Hand und drückte sie kurz. „Danke für alles. Bis morgen!“
Er lächelte. „Bis morgen, Addie. Ich freu mich drauf.“
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