Ein Reich für ein Herz

von Jolteon
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Mahiru "Shin'ya" Banba Sumireko Hanabusa
20.04.2017
20.04.2017
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Ein Reich für ein Herz


»Helfen Sie mir, Hanabusa-sama!«


Als Sumireko die stickige Düsternis der alten Lagerhalle betrat, erstreckte sich ein ungezähmtes Labyrinth bestehend aus unzähligen, meterhohen Regalen vor ihr. Deren Bretter schienen sich unter den zahllosen Diebesgütern, welche hier gelagert wurden, zu krümmen und machten beinahe den Eindruck, als könnten sie jeden Augenblick in ihre einzelnen Trümmer zusammenfallen. Es benötigte nur einen sanften Windzug, um die Zentimeter-dicke Staubschicht, die jeden Winkel der ungeheuer großen Räumlichkeit zierte, aufzuwirbeln. So brauchte Sumireko nur weiter in die Tiefen des Raumes voranzuschreiten, und schon schien sich ihre Lunge vollständig mit der verstaubten Luft hier unten gefüllt zu haben. Alles in einem machte dieser Ort nicht gerade den Eindruck, als würde sich jemand freiwillig hierher begeben.

»Das Miststück hat mir bereits fünf meiner kostbarsten Besitze entwendet! Und jeder, den ich losgeschickt habe, um mir ihren verdammten Kopf zu holen, ist tot umgefallen! Sie sind meine letzte Hoffnung, Hanabusa-sama...«


Selbstverständlich war sie das. So wie immer. Dieses Reich, regiert vom Gesetz des Stärkeren, gehörte ihr und nur ihr allein. Niemand konnte es beherrschen, niemand konnte es besitzen oder verteidigen, niemand außer ihr selbst. Und jeder, der zu glauben wagte, diesem Fakt widersprechen zu können, wurde schnell eines besseren belehrt. Diese Welt, nein, ihre Welt, so kalt und grausam wie sie war, konnte nicht von naiven Schwächlingen gelenkt werden. Nur von ihr. Denn sie war nun mal die einzigwahre Königin dieses niederträchtigen Berufes, nicht wahr?

Doch das hatte sie ihrem Klienten so nicht gesagt. »Ich werde mich unverzüglich um Ihre missliche Lage kümmern, werter Herr«, waren ihre Worte an den Mann gewesen, der bereits fünf mal bestohlen worden war und sich nun verzweifelt an sie wendete, jetzt wo sein eigener Klan sich als genauso wertlos entpuppt hatte, wie Sumireko schon immer über ihn gedacht hatte.

Besagter Klient hatte letztendlich auch darauf bestanden, ihr hierher zu folgen, um dabei zu zusehen, wie die mächtige Hanabusa Erbin den ach so abscheulichen Dieb tötete, der es wagte, von einem noch viel abscheulicherem Dieb zu stehlen. Doch wer sein sonst so hochnäsiges Selbst kannte, hätte wahrscheinlich Tränen gelacht, könnte er seinen jetzigen Gesichtsausdruck sehen. Der Mann lief so gekrümmt, dass Sumireko sich fragte, wie es ihm körperlich gelang, einen Schritt vor den anderen zu setzten. Und sein klägliches Wimmern, welches ertönte, wann immer irgendwo etwas knarzte, ließ sie vermuten, dass er sich wahrscheinlich an sie klammern würde, würde er nicht wissen, dass sie ihn dafür in Stücke reißen würde.

»H-haben Sie das gehört?!«, kam es kleinlaut von ihm, als aus den Tiefen des Raumes ein Klirren erschallte, vermutlich zerbrochenes Glas.

»Gewiss. Ich nehme an, er oder sie ist nicht mehr weit weg. Bleiben Sie dicht hinter mir, in Ordnung?« Sumireko spürte, wie sich ein leichtes Kribbeln in ihrem Magen breit machte. Bald würde sie es wissen…

Mit jedem Schritt wurde der Gang immer enger, die Luft immer stickiger. »Mist, i-ich glaube, das Scheißteil gibt bald den Geist auf!«, jammerte der Mann, als plötzlich das fahle Licht seiner abgenutzten Taschenlampe anfing zu flackern.

»Halb so wild«, sagte Sumireko. »Da vorne geht es nicht mehr weiter. Falls tatsächlich jemand hier ist, müssten wir jeden Moment aufeinander treffen.« Der Mann wirkte alles andere als beruhigt; seine Hand zitterte stark, zusammen mit dem Licht, welches er hielt, und er beschleunigte seinen Gang, sodass er nur noch wenige Millimeter von ihr entfernt hinter ihr her lief. Seine andere Hand huschte instinktiv in Richtung seines Gürtels, an welchem eine kleine Pistole baumelte. Wie lächerlich er doch war… Doch vermutlich war so eine Reaktion für einen gewöhnlichen Menschen, ohne jede Begabung zur Selbstverteidigung, völlig normal. Angst vor dem Unbekannten. Angst vor Höhen. Sogar Angst vor der Dunkelheit. Sumireko konnte solch eine Reaktion nicht nachvollziehen.

Sie war leider nun mal nicht schwach.

Doch, obwohl sie nicht einmal einen Hauch an Furcht verspürte, als sie immer tiefer in diese stickige Düsternis voran schritt, konnte selbst sie nicht drumherum kommen, kurz zusammen zu zucken, als plötzlich ein silberner Gegenstand aus einer vorderen Regalreihe auf den Gang geschleudert wurde. Und damit hatte es sich dann eigentlich auch schon verraten: die Person, die Sumireko Hanabusa zum Opfer fallen sollte. Ihr Klient fing augenblicklich an zu kreischen, ließ seine Lampe fallen und krallte sich mit einer Hand an Sumirekos Schulter. Mit der anderen hatte er seine Waffe gezückt und richtete sie auf die nichtssagende Dunkelheit, aus der der Gegenstand soeben geflogen war. »W-w-wer ist da, zeig dich! Oder ich schwöre dir, ich schieße!«

»Nehmen Sie das runter«, befahl Sumireko, denn eine leise Vorahnung ließ sie wissen, wer hinter diesen Regalen lauerte. Und sollte sie richtig liegen, dann würde sie diesen Mann eher mit seiner Lampe erdrosseln, als zuzulassen, dass er feuerte. »Ihre vorherigen Beauftragten sind mit dieser Art von Waffen doch umgekommen, oder nicht? Lassen Sie mich das auf meine Weise machen.« Zuerst sah er sie völlig entgeistert an und schien widersprechen zu wollen, doch er musste nicht zweimal in ihre stechend eisblauen Augen schauen, um in diesem Vorhaben zu erstarren. Zitternd nahm er die Waffe runter und beobachtete, wie Sumireko in diesem fahlen Licht alleine weiter ging, ohne sich auch nur ansatzweise abschrecken zu lassen.

Es war seltsam… Mit jedem Schritt, den sie tat, schien das Kribbeln in ihrem Magen stärker zu werden. Es war keine Angst, es war nicht einmal unangenehm. Es war etwas, was sie nur selten verspürte, es war Vorfreude. So eigenartig das auch war, irgendetwas in ihr, etwas, was sie sich nicht erklären konnte, spürte ihre Anwesenheit. Als wären sie seit ihrer gemeinsamen Zeit auf der Akademie damals untrennbar miteinander verbunden.

Sumireko sah sich nun den letzten Quadratmetern dieser Lagerhalle gegenüberstehen. Nur vier hintereinander gereihte, vollgestopfte Regale, danach war da nichts als eine nackte Betonwand. Sie spähte vorsichtig hinter die letzte Mauer aus Diebesgütern und entdeckte einen kleinen Lichtkegel. Erzeugt wurde dieser von einem Leuchtstab, welcher neben einem großen Karton lag und kein Stück von der Person beachtet wurde, die lebhaft im besagten Karton herumwühlte. Das Gefühl in Sumirekos Magen schien sich in ihrem ganzen Körper auszubreiten, als das vernarbte Gesicht der Person ins schwache Licht des Leuchtstabs fiel. Mahiru Banba.

»War klar. Wer würde denn auch sonst auf die Idee kommen, am dreckigsten Ort der Stadt nach Schätzen zu suchen...«

Mahiru zuckte zusammen, doch als sie das freundliche Gesicht von Sumireko im halb Dunkeln ausmachte, bildete sich augenblicklich ein Lächeln auf ihren Zügen. »Ich suche nicht, ich finde«, war Mahirus geflüsterte Antwort. Zu gerne hätte Sumireko gefragt, was ihre damalige Zimmergenossin damit meinte, doch dazu kam sie nicht. Mahiru hatte die skurrilen Gegenstände in ihren Händen fallen gelassen und kam ihr auf halben Weg entgegen, um sie schließlich in ihre Arme zu schließen. Etwas überrascht, aber keinesfalls abgeneigt, legte Sumireko schließlich ebenfalls ihre Arme um sie. »Du hast mir gefehlt«, wisperte sie in Mahirus Ohr und merkte, was für ein Segen es war, inmitten dieses verstaubten Raumes ihren Duft einzuatmen. Wie sehr hatte sie sich nach dieser wohligen Wärme gesehnt...

»Aber wir haben uns doch erst vor einer Woche gesehen«, sagte Mahiru leicht verlegen und mit einem leichten Rotschimmer auf der Nase. »Weißt du noch? In diesem verlassenen Freizeitpark.«

»Ja, du suchst dir wirklich die ausgefallensten Orte für deine Reliquien-Jagd aus, Banba-san.« Widerwillig löste Sumireko die Umarmung, um wieder in jene Augen schauen zu können, die sie seit geraumer Zeit nicht mehr losließen. Doch Mahirus Lächeln schien bei diesen Worten von ihren Lippen gewichen zu sein.

»Ich mache dir damit doch keinen Ärger, oder?«, fragte sie sichtbar unsicher. Sumireko schüttelte daraufhin sofort ihren Kopf, allerdings ohne ein kleines Schmunzeln vermeiden zu können.

»Selbstverständlich nicht«, versicherte sie ihr. »Es ist nur…  Ich mag es nicht unbedingt, mir jedes Mal Sorgen um dich machen zu müssen, das ist alles.« Sumireko lächelte sie weiterhin an, doch konnte damit nicht verhindern, dass Mahirus Blick weiter gen Boden sank. Der fröhliche Ausdruck, der vor wenigen Sekunden in ihren Augen aufgeblitzt war, als sie sich gesehen hatten, war gänzlich verschwunden und mit einem Mal erinnerte Mahiru sie wieder an das schüchterne, in sich gekehrte Mädchen, das sie früher mal gewesen war. Nicht, dass Mahiru diese Eigenschaften mittlerweile gänzlich abgelegt hätte, doch allein die Tatsache, dass sie als sie selbst hier unten in dieser Düsternis stehen konnte, bewies Sumireko, dass Mahiru heute stärker war denn je. Sie legte ihre Finger sanft an die Wange des Mädchens und spürte sogleich, wie diese unter der Berührung wärmer wurde.  »Das heißt nicht, dass ich sauer auf dich bin, hörst du?«, sagte sie und strich sanft mit ihrem Daumen über die vernarbte Haut. »Ich müsste mir keine Sorgen machen, wenn es Kerle wie den da«, sie nickte mit ihrem Kopf in Richtung ihres Klienten, »nicht gäbe.«

Erst jetzt schaute sie wieder in die Richtung, aus der sie vorhin gekommen war. Der Mann stand wie angewurzelt an genau der Stelle, wo sie ihn zurückgelassen hatte, seine Augen waren weit aufgerissen und er hielt mit stark zitterndem Arm seine Pistole in ihre Richtung. »W-was zur H-hölle geht ihr vor Hanabusa-sama?! Wa-warum umarmen Sie dieses Mädchen? Ist sie denn nicht der Dieb, der mich bestiehlt?«

»Ich warne Sie zum ersten und letzten Mal«, sagte Sumireko kühl, ohne auch nur einen Millimeter von Mahiru zurückzuweichen. »Nehmen Sie die Waffe runter.«

»Ich denke gar nicht daran!«, brüllte er und wich einen Schritt zurück. »Ich verstehe das nicht… Warum machen Sie das Miststück nicht kalt?« Er starrte Sumireko erwartungsvoll an, doch diese hatte nicht viel mehr für ihn übrig als einen abstoßenden Blick. »Ich verstehe das nicht, Hanabusa! Aber gut, wenn Sie es nicht tun, dann tue ich es!« Diesen Worten folgte ein ohrenbetäubender Knall, dicht gefolgt von einem zweiten. Mahiru zuckte zusammen, doch die beiden Kugeln, die für ihren Kopf gedacht gewesen waren, prallten beide mit einem lauten Klirren an Sumirekos Unterarm ab, welchen sie instinktiv vor Mahirus Kopf gehalten hatte.

»Was zur… ?«, kam es von ihm, als er sah, dass Sumirekos Arm offenbar völlig unbeschadet war, doch weiter kam er nicht; sie hatte ihren Arm auf ihn gerichtet und schoss ohne zu Zögern ihre Fingerprothesen in seine Richtung, so wie sie es einst bei Haru Ichinose getan hatte. Der Mann schrie vor Schmerz, als das stählerne Geschoss seinen Brustkorb durchbohrte und ließ in seiner Schockstarre schließlich die Waffe fallen, ohne sich auch nur für eine Sekunde von Sumirekos eiskaltem Blick lösen zu können. »W-warum… «, keuchte er noch, bevor sein Körper vor Schmerz zusammenbrach. Sie wusste, den Rest des Satzes würde sie nicht mehr hören, als die folgende Stille den Raum überflutete.  Wenige Momente später rührte er sich nicht mehr.

Sumireko besah sich ihre blutverschmierte Hand, doch das Gefühl der Reue oder dergleichen empfand sie nicht. Nicht einmal, als sie Mahirus fassungslosen Blick bemerkte, welcher auf ihr ruhte. Sie hielt sich beide Hände vor ihren Mund und schien gerade nicht zu wissen, was zu sagen war. »Wenn ich dir erzählen würde, was für ein Kerl er war, dann würde dir übel werden«, sagte Sumireko gelassen und warf noch einen letzten, angewiderten Blick auf seine Leiche. Ein Seufzen entwich ihren Lippen. »Aber was soll‘s. Ich schätze, in diesem Beruf denkt jeder über jeden so.«

»Selbst über dich?«, fragte Mahiru ungläubig, was Sumireko erneut zum Schmunzeln brachte.

»Selbst über mich«, erwiderte sie, wenn auch nicht besonders stolz. Es war eigenartig… damals war sie nach Myojo gegangen, im Glauben, dass sie hinterher ihre Assassinen-Karriere an den Nagel hängen könnte. Einfach, weil sie dann bewiesen hätte, dass sie die beste war in dem, was sie tat. Doch obwohl sie damals versagt hatte, obwohl dieses Leben weiterhin an ihr hing, verlor es mit jedem weiteren Mord an Reiz für sie. Trotzdem wusste Sumireko, dass sie ohne Gnade weitermachen würde. Sie würde ihr Reich weiterhin mit eiserner Faust regieren und ihrer Fassade der herzlosen Königin treu bleiben. Um ihretwillen.

»Du hast mich gerade gerettet...«, flüsterte Mahiru hinter vorgehaltener Hand, doch trotzdem konnte Sumireko erkennen, dass ihr Gesicht wieder an Farbe gewann. »Du hast mich mal wieder gerettet.«

»Immer wieder gerne«, kicherte Sumireko. Sie wusste beim besten Willen nicht, was sie sonst dazu sagen sollte. Oder wie sie es beschreiben könnte. Aber jedes Mal, wenn Mahiru in Gefahr schwebte, schien ihr Körper sich wie von selbst zu bewegen und dabei zu vergessen, dass sie selbst ebenfalls ein fragiles Leben in sich trug. Denn allein der Gedanke, diesem Mädchen könne etwas zustoßen, erschütterte ihren Geist so sehr, wie sie es noch nie erlebt hatte und nie erleben wollte.

Denn sie wusste, Mahirus Ende würde auch ihr Ende sein.

Im Moment schienen ihre violetten Augen Schwierigkeiten damit zu haben, in Sumirekos Gesicht zu sehen; sie kaute auf ihrer Unterlippe, ihre Wangen waren gerötet und sie spielte nervös mit ihren Zeigefingern. Man musste kein Experte sein, um zu wissen, dass Mahiru etwas auf dem Herzen lag, und obwohl Sumireko dieses Mädchen inzwischen recht gut kannte, konnte sie trotzdem nicht glauben, was dieses nun als nächstes zu ihr sagte. »E-es macht mich wirklich glücklich, dass ich dir so viel bedeute.«

Und damit schien Sumirekos Kopf lahmgelegt worden zu sein, während ihr Herz wie wild gegen ihren Brustkorb trommelte. Ihr war schon immer klar gewesen, dass Mahiru ihre Taten zu schätzen wusste, schließlich waren sie nichts selbstverständliches: Wer würde sonst jeden einzelnen Menschen ohne zu zögern töten, sobald er beschlossen hatte, auf Mahiru Jagd zu machen? Wer würde sonst dafür sorgen, dass sie auf ihrer Suche nach Reliquien keine einzige Spur hinterließ? Vermutlich niemand. Doch das konnte Sumireko niemanden übel nehmen, denn ihr war vollkommen klar, wie leichtsinnig ihre Taten waren. Eine falsche Entscheidung und sie würde mit Glück noch im Gefängnis landen, nur leider wurde dies für Sumireko mit jedem Mal, in dem sie in Mahirus Augen sah, gleichgültiger.

Es war doch verrückt, wie sie mittlerweile genau nachvollziehen konnte, was Tokaku Azuma damals dazu getrieben hatte, alleine gegen elf Assassinen zu kämpfen. Und der Grund, warum sie das konnte, war letztendlich auch der Grund, warum ihr Herz im Moment zu glühen schien.

»Komm her«, sagte sie mit einem halben Lächeln auf den Lippen und legte eine Hand in Mahirus Nacken, um sie behutsam näher an sich heran zu ziehen. Sie wirkte von dieser plötzlichen Gestik überrascht, aber nicht abgeneigt, weshalb es Sumireko auch nicht schwer fiel, den nächsten Schritt zu unternehmen. Ihre freie Hand legte sie an die vernarbte Wange des anderen Mädchens, während sie zögerlich ihre Lippen aufeinander treffen ließ. Gott, wie sehr sie dieses feurige Gefühl in ihrem Magen und diese Wärme, die von Mahirus Körper ausging, doch vermisst hatte. So viel mehr als ihr lieb war. Dabei hatte sie jedes Mal die Sorge, dass sie einen Schritt zu weit ging. Dass ihre ehemalige Zimmergenossin vielleicht von ihr zurückweichen könnte. Doch wie jedes Mal spürte sie deutlich, wie Mahiru diesen Kuss erwiderte und ihre Hände vorsichtig an ihre Seiten legte. Sie spürte, wie dieses brennende Verlangen nach ihr, welches unter normalen Umständen weit außerhalb ihrer Gewohnheiten lag, mit jeder Sekunde größer wurde. Und dabei war es nicht einmal ein unbedingt leidenschaftlicher Kuss, den sie teilten. Das taten sie nie, wenn sie ehrlich war, doch es war ihr völlig recht. Diese zögerliche, nur langsam voranschreitende und doch so angenehme Beziehung, irgendwo zwischen Freundinnen und  mehr, war ihr so viel mehr wert als alles bisherige in ihrem kurzem Leben.

Wer wusste schon, wie lange sie dort im fahlen Licht des Leuchtstabes standen und in diesen Kuss vertieft waren, doch er wurde von Sumireko aufgelöst, als das Licht plötzlich zu flackern begann. Augenblicklich vergrub Mahiru ihr Gesicht an Sumirekos Brust, ganz als wäre ihr das soeben geschehene peinlich. Typisch. Doch die junge Erbin konnte sich bei ihrem Anblick ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. »Wir sollten hier raus, Banba-san«, sagte sie und strich ihr dabei durch das silbrige Haar. »Ich glaube, das Licht gibt gleich den Geist auf. Außerdem hat die wunderbare Luft hier unten die Gewohnheit, jedem Besucher die Lunge zu durchlöchern.«

Sie spürte, wie Mahiru kicherte und fragte sich, ob das Mädchen wohl hören konnte, wie sie ihr  Herz damit höher schlagen ließ. Einen kurzen Moment verharrten sie noch in ihrer Position, ehe Sumireko sehr widerwillig Mahirus Körper von ihrem eigenen löste, um mit ihr endlich hier raus gehen zu können. Sie hob den Leuchtstab und ging voran, ohne den leblosen Körper ihres Klienten auch nur eines Blickes zu würdigen. Um den würde sie sich später kümmern. Genauso wie um alle anderen, die in Zukunft eine Waffe gegen sie halten würden. Die Ironie an der ganzen Situation war eine für sich… All diese Geschäftsleute heuerten sie an, damit sie jemand anderen an ihrer Stelle beseitigte. Und warum? Weil sie wussten, dass sie, die gnadenlose Königin Hanabusa, nur stille Kälte an Stelle eines Herzens besaß. Als wäre sie eine Maschine.

»Ich hoffe, ich kann mich eines Tages bei dir revanchieren«, flüsterte Mahiru, nachdem sie die Hälfte des düsteren Ganges bereits hinter sich gelassen hatten.

»Das hast du schon längst«, erwiderte Sumireko mit einem Lächeln, wohl wissend, dass Mahiru nicht wusste, was sie damit meinte. Doch ihr das zu verraten war ihrer Meinung nach zu früh.

Dabei würde sie es ihr so gerne endlich sagen…

Sagen, dass Mahiru diejenige war, die bewiesen hatte, dass es da noch eine andere Seite von dieser kalten Maschine gab. Eine, die so viel mehr verbarg als Stille und Grausamkeit. Eine, von der Sumireko selber noch nichts gewusst hatte. Eine, die einen anderen Menschen mehr als alles andere liebte. Mehr als ihr Leben. Mehr als ihr Königreich. Ja, sogar mehr als sich selbst.

In gewisser Weise entsprachen die Gerüchte über sie dann doch der Wahrheit; Sumireko Hanabusa hatte tatsächlich kein Herz. Doch nur sie allein wusste, dass es bei Mahiru gut aufgehoben war.



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AN: *pustet Staub weg* Noch irgendwer hier? o.o'
So, nach 700 Jahren habe ich es dann auch endlich geschafft, eine Geschichte zu meinem Zweitlieblingspaar zu schreiben. :3 Hoffentlich hat's dir gefallen, lieber Leser (falls du überhaupt existierst lol). Wer Kritik, Lob oder seine Meinung zu diesem Pairing hier abladen möchte, darf und soll das hier natürlich tun. :D *heult immer noch, weil die ganzen SumiBanba-Momente aus dem Manga nicht im Anime vorkamen*
Desweiteren bedanke ich mich wie immer fürs Lesen. ~

Liebste Grüße
- Jolteon ♥
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