The only Woman

von Larission
GeschichteÜbernatürlich, Tragödie / P16
Eddie Gluskin OC (Own Character)
19.04.2017
19.09.2019
35
78.782
19
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Dieses Kapitel
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19.04.2017 1.768
 
Hey zusammen!

Endlich ist es so weit: Ich hatte eine Idee für eine neue Geschichte.
Dass es gerade Outlast: Whistleblower betrifft habe ich jedoch nicht gedacht.
Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf dieses Projekt und ich hoffe, dass es euch gefallen wird.
Viel Spaß mit dem ersten Kapitel und bis bald!

Eure Larission♥
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Sie nickte dem Wachmann, der in seinem kleinen Haus saß, von ihrem Auto aus freundlich zu, ehe dieser das Tor hinter ihr per Knopfdruck schloss und das Tor vor ihr öffnete. „Auf Wiedersehen, Miss Graves!“, grüßte der Wachmann zum Abschied und hielt sich dabei den Schirm seiner Mütze. Meredith winkte ihm noch einmal zu und fuhr dann durch das endlich vollständig geöffnete Tor, das sich sofort nach ihrer Durchfahrt wieder schloss. Sie atmete erleichtert auf und fuhr den holprigen Weg Richtung Highway, um zurück nach Denver zu fahren, wo bereits ihr Bett nach ihr rief.
Meredith schaltete das Radio an und lauschte entspannt dem Moderator, der ihr soeben ein wunderbares Wetter für den nächsten Tag voraussagte. Kopfschüttelnd dachte sie an das seltsamste Vorstellungsgespräch, das sie je geführt hatte.

Bereits beim Betreten des Geländes vom Mount Massive Asylum fühlte sich Meredith wie in einem alten amerikanischen Psychiatrie-Film. Es war ein erstaunlich großes Gebäude, das offensichtlich in die Jahre gekommen, aber gut saniert aussah und mit mehreren Sicherheitszäunen und Mauern umringt war. Es war offensichtlich, dass hier niemand so leicht verschwinden konnte, wenn es nicht angedacht war. Sie wurde von einem dickbäuchigen Wachmann durch den Haupteingang geführt, sodass sie in einer großen Halle landeten. Rechts und links befanden sich Räume, die nach Büros aussahen. An den sich dort befindenden Schreibtischen saßen konzentriert aussehende Männer, die telefonierten, Kaffee tranken oder mit schnellen Fingern auf ihre Tastaturen einhämmerten. Schaute man geradeaus, so sah man einen quadratisch angelegten Empfangsbereich, der mit einigen Bildschirmen ausgestattet war. Auf dem Schreibtischstuhl dort saß ein freundlich, aber distanziert lächelnder Mann, den Meredith auf Mitte dreißig schätzen würde.
Bevor sie etwas sagen konnte ergriff der Mann das Wort. „Miss Graves?“ Sie nickte. „Mr. Blaire erwartet Sie bereits in seinem Büro.“ Er sah den Dickbäuchigen kurz an und nickte ihm zu, als wolle er ihn darum bitten Meredith zu begleiten, was er auch tat. Sie war dankbar dafür, denn sie hatte die Befürchtung, dass sie sich in diesem Gebäude hoffnungslos verlaufen hätte.

Auf dem Weg zu Mr. Blaires Büro fielen Meredith die vielen Gemeinschaftsräume auf, aus denen Musik oder das Fernsehprogramm schepperten. Es waren einige Stimmen zu hören, die schimpften, mitsangen oder wimmerten, doch auf den Fluren fand sich niemand, was Meredith als merkwürdig empfand.
Der Wachmann verabschiedete sich schließlich und ließ die schwer nervöse Meredith allein. Zaghaft klopfte sie an der Holztür. Für sie selbst war es unendlich laut, doch scheinbar hatte Mr. Blaire nichts gehört, da sie keine Erlaubnis zum Eintreten erhielt. Beim zweiten Versuch jedoch öffnete sich die Tür schwungvoll, was Meredith fürchterlich erschrecken ließ. Quiekend fasste sie sich an die Brust, musste dann jedoch auflachen. „Oh, Entschuldigung. Ich habe nicht erwartet, dass Sie die Tür selbst öffnen. Ich bin Meredith Graves!“, erklärte sie sich und hielt dem Mann vor ihr die rechte Hand hin, der sie gleich ergriff.

Mr. Blaire war ein großer Mann, mit vollem gut geschnittenen Haar und gepflegter Haut. Sein Anzug sah teuer und gleichzeitig leger aus, was wohl daran lag, dass er keinen Schlips trug und die ersten beiden Knöpfe seines Hemdes geöffnet waren.
Sein Büro war erstaunlich groß und erinnerte durch die vielen Portraits an eine Museumshalle. Bevor Meredith etwas sagen konnte erklärte ihr Mr. Blaire, dass das die Männer seien, die die Murkoff Corperation gegründet und groß gemacht haben, was ihn dazu bewogen hat, dessen Portraits überall im Gebäude aufhängen zu lassen. Meredith nahm es zur Kenntnis, ohne sich wirklich dafür zu interessieren, wollte jedoch nicht unhöflich sein.

„Nehmen Sie Platz, Miss.“, sagte Mr. Blaire und deutete auf den Stuhl vor seinem edel aussehenden Schreibtisch. Meredith kannte sich mit solchen Dingen nicht besonders gut aus, aber hier sah selbst sie, dass dieser Tisch und der dazugehörige Schreibtischstuhl ein Vermögen gekostet haben müssen. Auch die im Raum verteilten Vitrinen, mit darin ausgestellten Auszeichnungen (die für Meredith nach einer bemerkenswerten Arbeit mit Photoshop aussahen) hielt sie nicht gerade für Schnäppchen.
Dankend setzte sich Meredith auf den angebotenen Platz und legte ihre Handtasche auf ihrem Schoß ab, um ihre Bewerbungsunterlagen hervorzuholen, was Mr. Blaire jedoch mit einer kurzen Handbewegung unterbrach. „Es ist wirklich lobenswert, dass Sie Ihre Unterlagen zur Hand haben, Miss Graves. Jedoch sind meine persönlichen Nachforschungen etwas… tiefergehend, als es Ihre Unterlagen sein werden.“
Er grinste sie dabei auf eine Weise an, die es Meredith kalt den Rücken herunterlaufen ließ. Das war wohl auch der Moment, in dem sie entschied, dass sie diesen Mann nicht leiden konnte. Da Meredith diesen Job aber wirklich brauchte, schluckte sie ihr ungutes Gefühl herunter und versuchte so selbstsicher wie möglich aufzutreten.

Mr. Blaire sah sich indessen die vor ihm liegenden Notizen an, die verdächtig nach einer frisch angelegten Akte aussahen. „Sie haben also die Ausbildung zur Krankenpflegerin in einer Psychiatrie in den Niederlanden gemacht und anschließend in selbigem Unternehmen im Maßregelvollzug gearbeitet?“ Meredith fragte sich, warum Mr. Blaire es als Frage formuliert hatte, wo es doch offensichtlich richtig auf seinen Zetteln stand. Sie nickte dennoch und wollte beginnen ihren Werdegang etwas mit Leben zu füllen, doch hierbei schnitt ihr Mr. Blaire plump das Wort ab.
„Es gibt da etwas, das mich interessieren würde, Miss Graves…. Was genau hat sie dazu bewogen nach Denver zu ziehen? Ich meine, es muss doch einen Auslöser dafür gegeben haben, dass Sie Ihre jahrelange Heimat verlassen haben, oder?“

Meredith schluckte schwer. Natürlich gab es einen Grund, warum sie ausgewandert ist und das ohne ihre Familie, aber sie wollte ganz gewiss nicht darüber reden. Ihr Hirn feilte bereits an einer plausiblen Notlüge, doch dann schaltete sich ihre Logik ein, die sie daran erinnerte, dass Mr. Blaire scheinbar einige Dinge über sie schwarz auf weiß vorliegen hatte. Die Möglichkeit, dass er nachlesen konnte, was ihren Umzug begründet hat war nicht sehr klein, weshalb sie sich spontan für die Wahrheit entschloss.

Sie nahm einen Schluck von ihrem Wasser, ehe sie zu erzählen begann. „Es gab tatsächlich nur einen Grund, der mich zu dem Entschluss brachte fortzugehen. Wie Ihnen nur allzu bewusst sein dürfte kann es sehr… herausfordernd sein mit psychisch kranken Straftätern zu arbeiten. Mir persönlich bereitet es große Freude diesen Menschen beim Gesunden zur Seite zu stehen und Unterstützung zu bieten, falls es nötig wird. Das Problem war nur, dass sich ein ehemaliger Patient, der inzwischen entlassen war, scheinbar zu sehr an mich gewöhnt hatte.
Er fing an mich privat zu kontaktieren. Erst über meinen Festnetzanschluss, dann fand er meine Handynummer heraus. Ich sah ihn ständig vor meiner Wohnung und nach einer Weile legte er unangemessene Geschenke vor meine Tür.
Ich bin mehrere Male umgezogen und wechselte meine Nummern, doch er fand mich immer wieder. Da er aber nicht körperlich wurde, konnte man keine Schritte einleiten. Ich entschloss mich zu diesem Schritt, um ihm zu entgehen.“

Nachdem Meredith zu Ende gesprochen hatte sah Mr. Blaire sie mit einem nicht zu interpretierenden Blick an. Sie selbst wusste nicht, was sie noch hinzufügen sollte, sodass sich eine erdrückende Stille über die Beiden legte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit nickte Mr. Blaire endlich und warf einen erneuten Blick auf seine Akte. „Sie leben allein in Denver?“ Meredith nickte. „Ja, das stimmt. Meine Eltern leben in Brighton. Dort wurde ich…“ „Ich bin mit ihrem Lebenslauf bestens vertraut, vielen Dank.“
Meredith schluckte. Was sollte dieses seltsame Verhalten? Wieso musste sie von dem Patienten erzählen, wenn er doch angeblich bestens über ihren Lebenslauf informiert war? Sie fühlte sich zunehmend unwohler in Mr. Blaires Anwesenheit und ihre anfangs ausgeprägte Unsicherheit schwoll weiter an.

Nachdenklich tippte Mr. Blaire sich gegen seine Lippen, die er immer wieder spitzte und entspannte. Schließlich räusperte er sich und grinste Meredith an. „Ich möchte Sie nicht weiter auf die Folter spannen. Ich denke, dass Sie gut in diese Einrichtung passen könnten. Ich möchte Sie nur vorwarnen, dass Sie die einzige Frau sind, die hier beschäftigt ist. In der Vergangenheit hat es sich einfach so ergeben, ohne dass es dafür bestimmte Gründe gab. Wir haben nun aber gezielt nach einer Schwester gesucht, da manche Ärzte der Meinung sind, dass es einige Patienten gebe, die davon profitieren könnten eine Frau als Betreuer zu haben. Denken Sie, dass es für Sie ein Problem darstellen könnte?“ Meredith lächelte erleichtert. „Ganz und gar nicht, Mr. Blaire. Vielen Dank!“

Sie klärten noch einige offene Fragen zu ihrem genauen Einsatzort, wo sie wohnen würde und wie ihre Arbeitszeiten aussahen. Prinzipiell hörte sich all das zu schön an, um wahr zu sein. Sie würde ein eigenes Zimmer im Mitarbeitertrakt bekommen. Da sie die einzige Frau dort sein würde, bekäme sie natürlich ein Einzelzimmer und alle nötigen Gebrauchsgegenstände, die sie brauche, gestellt.
Zuerst wollte sie weiterhin in ihrer Wohnung in Denver wohnen, doch der Weg zur Arbeit betrug über zwei Stunden, was sie auf die Dauer nicht bewältigen konnte. Sie war also sehr froh, dass sie diese Möglichkeit angeboten bekam.
Um eingearbeitet zu werden, müsse sie sich an die Ärzte der zu betreuenden Patienten wenden, um mit ihnen ein angepasstes Therapieangebot zu erstellen. Sie sei immer von mehreren Wachmännern begleitet, um ihren Schutz zu gewährleisten. Dies war der Punkt, den sie nicht wirklich akzeptieren konnte. Sie glaubte, dass die Patienten nicht die Möglichkeit hatten Vertrauen zu ihr aufzubauen, wenn sie ständig von Wachmännern umkreist werde, doch um ihren frisch gewonnenen Job nicht gleich wieder zu verlieren, hielt sie den Mund… vorerst.

Meredith kurbelte das Fenster ihres Wagens herunter und ließ sich die Luft ins Gesicht wehen, sodass sich ihre erhitzten Wangen etwas abkühlen und ihre Gedanken weggeblasen werden konnten.
Nach etwas mehr als zwei Stunden schloss sie endlich die Tür zu ihrer winzigen und spärlich ausmöblierten Wohnung auf. Ihre Handtasche ließ sie einfach neben der Tür fallen und den Schlüssel steckte sie von innen in das Schloss. Es bedeutete für sie immer ein Stück Sicherheit, wenn sie das tat, da sie sich sicher sein konnte, dass niemand von außen eindringen konnte, ohne Gewalt anzuwenden.

Sie ging ins Bad, um sich eine heiße Dusche zu gönnen. Sie spürte erst dort wie angespannt sie die ganze Zeit über gewesen sein muss, denn ihr tat jeder Muskel weh.
Schnell schlüpfte sie in ihre Lieblingsklamotten und kuschelte sich auf ihr ausgezogenes Schlafsofa, um nach dem Telefon zu greifen. Mit schnellen Fingern tippte sie die ihr nur allzu bekannte Telefonnummer ein und hoffte darauf, dass bald jemand am anderen Ende abnahm. Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht.
„Hey, Mum! Ich hab den Job…“
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