Operation: Drachenfeuer

GeschichteAbenteuer, Drama / P12
Astrid Hofferson Händler Johann Haudrauf der Stoische Hicks der Hüne OC (Own Character) Ohnezahn
19.04.2017
23.07.2017
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Sorry…ich entschuldige mich hiermit für die Länge der Wartezeit auf dieses Kapitel, und hoffe, ihr habt wie immer Spaß am Lesen!



„Aua, Mensch passt doch auf!“, rief Johann verärgert, als ihn die beiden römischen Wachen in die Zelle warfen. Der Händler krachte unsanft auf den harten Boden, während er hörte, wie die Wachen die Tür hinter sich schlossen und weggingen.

Besorgt tastete Johann seinen Körper ab. Abgesehen von einigen Prellungen und Schürfwunden, die auf die unsanfte Behandlung der römischen Soldaten zurückzuführen waren, schien er unverletzt zu sein.

Der Händler sah sich um. Die Zelle, recht klein und praktisch gehalten, bot außer ein bisschen Stroh zum Schlafen so gut wie keinen Komfort, sie hatte schlicht und einfach nichts Besonderes. Aber was wollte man denn auch von einer Zelle, noch dazu auf einem sperrigen römischen Transporter, der gerade mal genug Platz für die Drachen bot, schon erwarten.

Apropos Drachen, da waren ja welche, wie sich aus den ständigen, zischenden Geräuschen erahnen ließ. Johanns Zelle war Teil eines langen Ganges, an dessen Seiten die Drachengehege eingebaut worden waren. Die meisten waren auf Drachengröße angepasst, ein paar wenige, inklusive Johanns Zelle, waren jedoch eindeutig für Menschen gemacht.

Es war ziemlich dunkel, unten in diesem Schiffsbauch, und es roch absolut fürchterlich nach altem Stroh und einem überwältigendem Maß an Kot. Drachenkot, höchstwahrscheinlich.

Da erblickte Johann zwei glühende Augen in der Zelle ihm gegenüber. Unklar konnte er die Konturen des Drachen in der Dunkelheit erkennen, und er verglich sie mit dem anderen Schatten in der Zelle daneben. Es waren eindeutig die beiden Albträume, die die Römer und Drachenjäger vor zwei Tagen gefangen hatten.

Johann bemitleidete die Tiere. Er war sich weder dem Plan des Römers für die beiden, noch seines eigentlichen Heimathafens bewusst, doch er vermutete, dass wenn alles so lief, wie Tribun Metellus  es wollte, die beiden einen langen, beschwerlichen Weg vor sich hatten.

Wie schon oft bereits wünschte sich Johann seinen jungen Freund Hicks herbei. Er hätte gewusst, was zu tun sei. Er hätte die Abträume gezähmt, die drachenjäger-römische Flotte vernichtet und wäre nach Hause geflogen.

Johann dachte über Metellus nach. An sich erschien ihm der Römer nicht wie so ein schlechter Mensch wie Viggo, allerdings schien er denselben scharfen Verstand wie Viggo, und vielleicht sogar Hicks zu besitzen. Ursprünglich war Metellus ja auch gegen den Angriff auf Berk gewesen, aber die Umstände und Viggos Ungeduld hatten ihn dazu gezwungen.

Da hörte er ein Geräusch und sah ein Licht am Ende des Ganges, welches sich auf ihn zu bewegte. Beim Näherkommen entdeckte er ein vertrautes Gesicht.

„Briano!“, rief Johann freudig, „wie schön dich zu sehen!“

Briano lächelte und trat an die Gitterstäbe. „Johann, es freut mich, dich wohlauf zu sehen.“, sagte er.

Dann hielt er Johann seine Fackel vors Gesicht und fragte besorgt: „Sie haben dir doch nicht etwa wehgetan, oder? Ich muss sagen, ich war schockiert, als mir Tribun Metellus von deinem „Verrat“, wie er es ausdrückte, und deiner Verhaftung berichtete.“

„Nein, mir geht es gut“, erwiderte Johann.

Briano runzelte die Stirn und fragte: „Was hast du dir eigentlich bei der ganzen Sache gedacht? Ich sagte dir, man darf Metellus niemals unterschätzen. Du könntest noch mächtig Ärger bekommen!“

Johann zuckte die Schultern. „Ach, das war es wert, mein alter Freund. Ich konnte mir das nicht antun, Master Hicks dieser Gefahr auszusetzten, ohne ihn gewarnt zu haben.“

„Ich glaube dir, aber…“, Briano stockte, „was…was wenn das alles vergebens war?“

„Wie meinst du das?“, fragte Johann verwirrt.

Der Gallier senkte die Stimme, als ob sie belauscht werden könnten. „Nun ja, ich meine, was wenn dein Plan schiefgeht? Wenn Hicks die Warnung nicht rechtzeitig bekommt und Berk zerstört wird? Du könntest möglicherweise nicht mehr lebend aus der Sache herauskommen!“

Johann seufzte. „Nun, die Vorstellung verängstigt mich, aber wenn es tatsächlich so weit kommen sollte, bin ich immerhin mit dem Wissen gestorben, das richtige getan zu haben.“

Beide schwiegen. Da fiel Johann etwas ein und er fragte: „Aber ich kann mir trotz allem nicht vorstellen, das Tribun Metellus auf Berk ein Blutbad anrichten würde. Ich meine, klar, er ist ein Soldat, aber er wirkte auf mich nicht wie ein grausamer Mensch, so wie Viggo zum Beispiel.“

„Genau das ist es ja, was mich ängstigt“, erwiderte Briano, nun fast schon flüsternd, „Ich kenne Tribun Metellus persönlich zwar erst seit diesem Spätsommer, als wir den Auftrag von Kaiser Anthemius bekommen haben. Und da wirkte er auch auf mich wie ein strenger, aber ehrbarer Kommandant.“

„Und?“, hakte Johann nach.

Briano blickte sich misstrauisch um, und fuhr fort: „Nun, wenn man, so wie ich, in Rom lebt, natürlich abgesehen von meinen Handelsfahrten, und kaiserlicher Hoflieferant ist, bekommt man so einiges mit. Außerdem tauschen sich ja auch Händler untereinander aus, du weißt schon, der übliche Tratsch.“

Johann nickte.

Briano schluckte. „Wie du weißt, hält Tribun Metellus nicht viel von uns Nordmännern. Aber ich glaube, da steckt noch mehr dahinter: vor zehn Jahren, gab es doch diesen einen Krieg, ein riesiges Wikingerheer aus dem Norden zog mordend und plündernd durch Gallien, sie waren unaufhaltbar.“

Johann nickte erneut und fügte hinzu: „Ich erinnere mich, in der Tat. Es waren auch einige Krieger aus dieser Gegend hier dabei.“

Briano erzählte weiter: „Dieses Wikingerheer war so stark, das die in Gallien lebenden Westgoten Verstärkung von ihren römischen Verbündeten erbaten. Tatsächlich schickte Rom eine Armee zur Unterstützung, nicht maßlos viel, aber immerhin einige Tausendschaften stark. Diese Armee wurde jedoch von einer frisch eingetroffenen Unterstützungsarmee der Wikinger in einen Hinterhalt gelockt und komplett aufgerieben, wobei einige Offiziere von sehr hohem Rang in Gefangenschaft gerieten. Über deren Schicksal stritten sich der Jarl und seine Heerführer, während die Truppen weiter plünderten.“

Der Gallier machte eine dramatische Pause, bevor er fortfuhr: „Keiner hat eine Ahnung was genau passiert ist, aber irgendetwas haben die Wikinger losgetreten, was ihnen zum Verhängnis wurde. Offiziell ist die Rede von einem glänzenden römisch-westgotischen Sieg über das Wikingerheer, welches sich schwer geschlagen nach Norden zurückzog und auflöste, aber…es gibt Gerüchte, dass es gar keine Schlacht gegeben hat. Viel mehr einen brutalen römischen Rachefeldzug, ein Schlachtfeld irgendwo verborgen in den tiefen Wäldern Galliens, ganze Berge von Leichen. Angeblich ist keiner der Wikinger je wieder nach Hause zurückgekehrt.“

Johann, gefesselt von der Geschichte, schwieg. Dann hielt er verdutzt inne.

„Und was hat das alles jetzt mit Tribun Metellus zu tun?“, fragte er.

Bevor Briano antworten konnte, hörten beide ein Geräusch, und ein zweites Licht erschien am Ende des Ganges.

„Verdammt, da kommt jemand!“, zischte Briano. Dann sagte er besonders laut: „Gut Johann, wie ich sehe hast du deine Meinung zu deinem Verrat nicht geändert. Lebe wohl!“

Mit diesen Worten wandte er sich um und ging.

Johann seufzte und legte die Stirn sorgenvoll in Falten. Was hatten Brianos  Worte nur zu bedeuten?



Hmm, ein weiteres Puzzlestück zu Metellus rätselhafter Vergangenheit wurde enthüllt…Was weiß Briano wirklich?

An alle, die jetzt denken, boa, schon wieder so ein langweiliges Kapitel: ja, ich weiß, momentan ist es nicht besonders spannend, aber es wäre ja auch langweilig, wenn es immer spannend wäre, nicht? Ich weiß, klingt komisch.

Und jetzt mal Spaß beiseite, damit ihr euch schon ein wenig Vorfreude habt, so RICHTIG spannend wird es vermutlich in Kapitel 13, 14, 15…irgendwie so etwas um den Dreh rum, bin noch nicht sicher.

Übrigens, dieser Krieg der Wikinger gegen Römer, der schon mehrmals angesprochen wurde und 10 Jahre vor den Geschehnissen stattgefunden hat, ist natürlich fiktiv. Es hat ihn nie gegeben, nur in meiner Story, allerdings muss man dazu sagen, dass solche Kriege zur Zeit der Völkerwanderung durchaus vorgekommen sind. Das heißt dieser Krieg ist nicht unrealistisch, nur eben fiktiv.

Ansonsten hoffe ich, dass es euch gefallen hat, und wie immer

Möge die Macht mit euch sein!