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(im)possible

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Block B Topp Dogg
19.04.2017
19.04.2017
5
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19.04.2017 1.390
 
Das erklingen der Sirene weckte mich aus meinem Schlaf. Es wurde Zeit für den Morgenappell. Waschen war undenkbar – Es war viel zu voll. Auch die Toiletten waren dauerhaft besetzt und kein Ort, an dem man sich besonders gerne aufhalten würde.
Ich versuchte erst gar nicht, mich durch die Menschenmassen zu drängen, die nun alle wie Schweine an ihren Trog zu der Essensverteilung liefen. Irgendwo dazwischen erkannte ich Taeil und Zico. Sie nutzten das Gedränge oftmals aus, um versteckt vor den Augen der Wärter ein paar glückliche Momente zu teilen. Ich beneidete die beiden irgendwie. Selbst in solch schlechten Zeiten hatte mein Bruder Zico, der ihn zum Lachen brachte.
Mit diesen Gedanken stolperte ich schlaftrunken aus der Baracke und stellte mich an meinen Platz.
Irgendwer hatte mir über Nacht meine Schuhe geklaut, doch das war mir egal. Das war nicht das erste mal, das mir die Füße am Boden festfroren. Es war Mitte Februar und gestern hatte es zu schneien begonnen. Trotzdem stand ich nun in dünnen Leinenklamotten und Schuhlos auf dem großen Hof und wartete bis auch alle anderen kamen.
Es dauerte nicht lange, dann hatten sich bereits alle am Appellplatz versammelt. Wir hatten Neue bekommen, vor allem Männer. Letzte Woche gab es ein regelrechtes Massaker, weil einer von den Arbeitern einen Hammer auf einen Wachposten geworfen hatte und niemand sagen wollte, wer es war. Anscheinend brauchten sie Nachschub.
Wieder wurde durchgezählt und wieder wurden Leute aus den Reihen gezogen, die nicht gut genug für die Arbeiten hier waren.
Plötzlich griff der Wachmann nach dem Arm von Taeil. Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wie Zico seine Hände zu Fäusten ballte und ich merkte, wie ich es ihm gleichtat. Obwohl mein Bruder versucht hatte, sich zusammen zu reißen, rutschte ihm ein kleines Stöhnen heraus. Das reichte bereits, der Mann griff noch fester zu und versuchte ihn mit sich zu ziehen. Hilfesuchend drehte er seinen Kopf zu Zico.
"Lassen sie ihn sofort los!", schrie dieser sofort auf und stürzte sich auf den Wärter.
Es dauert keine 5 Sekunden, da hagelte es bereits Kugeln und er lag am Boden. Verschwommen sah ich, wie Taeil sich unter Tränen losriss und auf Zico stürzte.
Das Blut rauschte in meinen Ohren. Ich war wie ferngesteuert. Ich wusste, das es falsch war, jetzt einzugreifen, wenn ich überleben wollte, doch niemand legte Hand an meinen Bruder!
Schnell kämpfte ich mich durch die Massen nach vorne. Ich hatte Taeil fast erreicht, da hielten mich plötzlich zwei starke Arme zurück.
„Lassen sie ihn in Ruhe.", schrie ich.
Der andere Wachmann schnappte erneut nach meinem Bruder und richtete sein Gewehr auf mich.
"Nein!", sagte Taeil und stellte sich dazwischen, "Er macht keinen ärger. Er wird hier bleiben!" Mit einem Blick gab er mir zu verstehen, dass ich tun sollte, was er sagte und das es schon okay war. Trotzdem erkannte ich den Schmerz und die Angst in seinen Augen.
Schnell hob der Mann, der mich hielt eine Hand und flüsterte mir seltsam sanft zu, dass ich besser auf ihn hören sollte.
"Stecke ihn in die Arrestzelle. Er soll lernen, was Disziplin bedeutet!", schrie der andere noch, ehe er mit Taeil um die Hausecke verschwand.
Ohne ein weiteres Wort wurde ich zu den Zellen geschleift. Das sind winzige, feuchtkalte Räume ohne Fenster oder anderen Lichtquellen,  in denen man den ganzen Tag nichts anderes tun konnte, außer dem Geschrei der Leute zu lauschen, die draußen gefoltert wurden. 
Ich rollte mich in einer Ecke zusammen und hoffte, das ich jetzt einschlafen und nicht wieder aufwachen würde.
Zwei Tage saß ich dort fest, ohne Essen oder Trinken, bevor ich den ersten Lichtstrahl wiedersah. Es war Nachmittags und die Sonne blendete mich, als der Fremde die Tür öffnete. Verwirrt sah ich ihn an. Normalerweise ließen sie keinen schon nach zwei Tagen aus der Zelle.
„Ganz ruhig kleiner." meinte der Mann. Es war derselbe, der bereits Hojoon, Zico und Taeil auf dem Gewissen hatte.
"Du warst ein ganz schön böser Junge, huh?", sagte er und lies die Tür ins Schloss fallen. Ich ahnte Schlimmes und kroch noch mehr in meine Ecke. Ihn nicht sehen zu können machte mir unwahrscheinlich große Angst.
„Ich hab dich schon eine ganze Weile beobachtet. Ich bewundere dich, deine Ruhe, deine Selbstbeherrschung, wie du es verstehst unauffällig zu bleiben. Aber vor ein paar Tagen warst du nicht mehr brav. Du warst ungezogen und hast aus der Reihe getanzt. Dafür muss ich dich leider bestrafen." hörte ich seine Stimme ganz aus der Nähe sagen. Plötzlich schob sich eine Hand unter mein Hemd. Verzweifelt versuchte ich weg zu krabbeln, doch ich lief ihm direkt in die Arme.
„Hör auf!" rief ich. Er presste seine Hand auf meinen Mund und zischte mir: „Dich hört hier eh keiner!" ins Ohr.
Er striff mir das Hemd ab, spielte ein wenig mit meinen Nippeln, hielt sich jedoch nicht sonderlich lang mit meinem Oberkörper auf. Schnell fuhr seine Hand zu meiner Hose und löste das dünne Stoffband, dass sie oben hielt.. Ich versuchte ihn von mir zu drücken, doch vergebens, er war zu stark.
Er setzte sich auf meine Oberschenkel, machte mich somit Bewegungsunfähig und griff nach meinem Glied. Angeekelt drehte ich den Kopf zur Seite, was er jedoch als Einladung empfand, ihn mit Knutschflecken zu übersehen, während er versuchte mich mit einem schlampigen Handjob hart zu bekommen. Verzweifelt schrie ich nach Hilfe, doch ohne große Hoffnung auf Rettung.
In diesem Moment öffnete sich die Tür ein zweites Mal und ich sah die Silhouette eines weiteren Wachtposten. „Lassen sie ihn los Kadett und wehe ich sehe sie nochmal bei einem von den Gefangen, dann melde ich das dem befehlshabenden Offizier! So etwas... widerliches!"
„Aber..." wollte der Mann neben mir widersprechen, doch der andere lies ihn gar nicht erst soweit kommen: „Hab ich mich nicht deutlich ausgedrückt?"
Der Wachposten nahm seine Hand von meinem Penis und verschwand.
Der junge Wächter jedoch blieb wo er war. Er wartete einen Moment um sich zu versichern, dass der andere wirklich weg war, dann streckte er mir seine Hand entgegen.
Erst war ich verwirrt, doch meine Verwirrtheit wandelte sich schnell in Wut um.
„Du bist der, der mich festgehalten hat, ich erkenne deine Stimme! Ich brauche keine Hilfe von einem von euch!", rief ich, während ich mir meine Hose mit immer noch zitternden Fingern wieder zuband.
Der Fremde hörte nicht auf meinen Protest und zog mich Arm nach oben.
„Ich glaube schon, das du Hilfe benötigst. Schließlich wärst du bereits tot, hätte ich dich dort nicht davon abgehalten etwas sehr sehr dummes zu tun."
"Er war mein Bruder", knurrte ich.
"Der sicher nicht gewollt hätte, dass du so stirbst."
Wieder war ich verwirrt: diese Stimme, dieser Akzent gehörte niemals einem ...
„Du kommst aus Korea! Aber, wie...?"
Der Junge lächelte mich an. „Schlaukopf. Hab ich mir deren Sprache nicht gut angeeignet? Eins zwei Sätze kann ich schon ganz ohne Akzent sprechen.", sagte er schnell, ehe er mich aus meiner Zelle zog.
„Du bist auch ein Häftling." kombinierte ich.
Er zuckte mit den Achseln „Mein Name ist Byung Joo, ich bin hier weil sie mich dabei erwischt haben, wie ich die Uniform eines Soldaten geklaut habe."
Ich zog eine Augenbraue hoch und antwortete „So viel zum Thema man lernt aus Fehlern."
Er sah mich kurz aus seinen niedlichen Hundeaugen an, dann knickte ich bereits ein: „Ich heiße Hansol, ich bin vor einem Jahr in Kriegsgefangenschaft gekommen, nachdem sie mein Haus zerbombt und meine Eltern getötet hatten. Vor ein paar Tagen hat man mir dann noch meinen Bruder und meinen besten Freund genommen."
Jetzt lächelte er, jedoch traurig und aufmunternd zugleich, während er mir aufmunternd über den Rücken streichelte: „Du bist stark, dass zu überstehen."
Für zwei Sekunden war es vollkommen still. Er sagte nichts, schaute mich nur aus seinen furchtbar treuen Augen an und versuchte mich zu trösten und ja, irgendwie fühlte ich mich geborgen.
"Komm mit, da lang. Ich weiß wo nicht patrouillieren. Ich bring dich zu einem sicheren Ort.", brach Byung Joo die Ruhe und zog mich um eine Ecke.
"Wie finde ich dich wieder?"
Ein Lächeln schlich sich in sein Gesicht. "Keine Sorge. Mich wirst du jetzt nicht mehr los. Ich pass schon auf dich auf."
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