i want you to stay

OneshotRomanze / P12
DI / DCI Carol Jordan Dr Anthony "Tony" Valentine Hill
19.04.2017
19.04.2017
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Fandom: Wire in the Blood / Hautnah - Die Methode Hill
              (basierend auf der Jordan/Hill Reihe von Val McDermid)
Pairing: Carol Jordan x Dr. Tony Hill
Wordcount: 1698


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i want you to stay



»In the twilight glow i see her
Blue eyes crying in the rain
When we kissed goodbye and parted
I knew we'd never meet again«





Zu spät!

Verschwitzt und ausser Atem kommt er im Hauptgebäude der Metropolitan Police in der Abteilung für Gewaltdelikte an, stürmt in ihr Büro und hält mitten in der Bewegung inne, als sein Blick auf den leeren Schreibtisch fällt.
Zu spät! Er ist zu spät gekommen.
NeinNeinNeinNeinNein, das konnte, das durfte einfach nicht wahr sein.
Im Alles entscheidenden Moment ist er zu spät gekommen - sie ist weg.
Kurzentschlossen wirbelt er herum, läuft den Korridor entlang wieder zurück bis zum Empfang.
»Oh, Dr Hill. Ich hatte Sie gar nicht erwartet«, begrüßt ihn die Empfangsdame und sieht ihn erstaunt an.
»Carol! Ich meine DCI Jordan. Wissen Sie wo sie hin ist?«, unterbricht er sie schnell und stolpert beim Sprechen fast über seine eigenen Worte.
Verlegen sieht die Frau ihn an. »Tony, ich sollte Ihnen das nicht sagen. Und Sie wissen das.«  
Tony wirft ihr einen gequälten Blick zu. »Bitte! Wenn Sie es wissen, dann müssen Sie es mir sagen. Es geht … um Leben und Tod.  … Oder naja, fast. Es geht zumindest um Leben. Bitte, Sie sind meine einzige Chance sie noch aufzuhalten.«  
Die Empfangsdame schweigt einen Moment, in dem Tony ungeduldig vor dem Empfangschalter hin und her zappelt.
»Okay«, ringt sie sich schließlich durch. »Aber Sie dürfen Miss Jordan auf keinen Fall sagen, dass Sie es von mir haben, okay? Also ich habe ihr ein Taxi gerufen. Ich glaube, es sollte sie zum Flughafen bringen.«
»Zum Flughafen?!«, rief Tony aus. Großer Gott, sie will wirklich weg. Weit weg. Von mir.
»Ja. Es hat sie circa zehn Minuten bevor sie hier ankamen abgeholt. Sie haben sie knapp verpasst.«
»Scheiße!"
Das darf doch nicht wahr sein.
»Wenn Sie sich beeilen, schaffen Sie es vielleicht noch.«
Die Stimme der Empfangsdame aus seinen Gedanken.
Sie hatte Recht.
»Danke. Sie haben mir sehr geholfen«, ruft er noch über die Schulter, während er schon aus der Tür und auf den Parkplatz rennt.
Gott sei Dank, hat er sich wenigstens dieses eine Mal gemerkt, wo er sein Auto abgestellt hat. Eilig fischt er den Autoschlüssel aus der Jackentasche und steckt ihn ins Schloss, doch seine Finger zittern so sehr, dass sie ihm aus der Hand rutschen.
»Scheisse«, flucht er leise und als er es schließlich schafft, die Autotür zu öffnen, wirft er sich förmlich auf den Fahrersitz und schickt ein leises Stoßgebet zum Himmel, dass er es noch rechtzeitig schaffen wird.
»Bitte, bitte, bitte, Herrgott, lass sie im Stau stecken bleiben.«
Oder am Flughafen aufgehalten werden. Irgendwas. Bitte, ich muss sie noch erwischen. Ich muss sie aufhalten können.
Mit quietschenden Reifen fährt er vom Parkplatz auf die Hauptstrasse und drückt das Gaspedal voll durch.

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Dreissig Minuten später rast er durch den Regen auf den Parkplatz und kollidiert beim Einfahren in die Parklücke fast mit einem entgegen kommenden Auto, das ihm noch in letzter Sekunde  ausweichen kann. Doch das nimmt er nur am Rande wahr. Seine Gedanken gelten einzig und allein Carol und der Hoffnung, dass er vielleicht doch noch rechtzeitig kommt. Dass er sie vielleicht noch aufhalten kann, dass er sie vielleicht doch dazu bewegen kann, zu bleiben. Bei ihm zu bleiben.
Mit schnellen Schritten betritt er die Eingangshalle des  Flughafengebäudes und sieht sich suchend um.
Begleitet von einem stechenden Gefühl in der Magengegend trifft ihn die Erkenntnis, dass er keine Ahnung hat, wo er nach ihr suchen soll, wie ein Schlag.
Hilflos wirft er einen Blick auf die Anzeigentafel, die auf der gegenüber liegenden Seite, hoch an der Wand angebracht ist und die nächsten Flüge ankündigt.
Johannesburg. Der nächste abgehende Flug geht nach Johannesburg. In dreissig Minuten.
»Wenn ich Glück habe, schaffe ich es noch«, murmelt er leise vor sich hin und rennt so schnell er kann, die Halle entlang zu Terminal 4.
Doch beim Anblick der Menschenmasse, die sich vor dem Terminal zum Check In drängt, verlässt ihn fast der Mut.
Seufzend schüttelt er den Kopf in einer hilflosen Geste, als ein blonder Haarschopf in sein Blickfeld gerät.
Im ersten Moment, will er seinen Augen nicht trauen, doch als er ein zweites Mal genauer hinsieht, spürt er, weiss er, dass er sich nicht geirrt hat.
Er weiss, dass es Carol ist.
Kurzentschlossen drängt er sich durch die Menschenmenge auf sie zu, dabei immer wieder mit bedauerndem Blick Entschuldigungen murmelnd.
»Carol!«, ruft er immer wieder. »CAROL!«
Und dann, als er nur noch wenige Meter von ihr entfernt ist, dreht sie sich um.
Und ihre grauen Augen blicken direkt in seine.
»Tony.«
Ihre Lippen formen seinen Namen, doch kein Ton dringt über ihre Lippen.
Mit einer Mischung aus Schock und Verzweiflung sieht sie ihn an und bleibt wie angewurzelt stehen, während die Leute um sie herum unbeirrt weiter ihrem Check In zuströmen.
Doch gerade als Tony die Gelegenheit nutzen will, auf sie zu zugehen, wirbelt Carol herum und läuft davon.
»Carol! Carol, warte!«

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Es dauert ein paar Sekunden, bis seine Beine den Befehl seines Gehirns loszulaufen, umsetzen können, doch schließlich folgt er ihr aus dem Flughafen raus zurück auf den Parkplatz.
Er findet sie, welche Ironie, an sein Auto gelehnt im Regen stehend.
Ein wenig atemlos steht er vor ihr und öffnet den Mund um etwas zu sagen, schliesst ihn jedoch unverrichteter Dinge wieder.
Eigentlich gäbe es so vieles, was er jetzt sagen könnte, sagen sollte, so viele Fragen, die er ihr stellen will, doch ihm fehlen schlicht die Worte.
»Tony«, bricht Carol schließlich das Schweigen und sieht ihn an.
Und die Tränen auf ihren Wangen brechen ihm fast das Herz.
»Carol«, sagt er leise und geht einen Schritt näher auf sie zu. »Warum wolltest Du gehen? Warum wolltest Du weg … von mir?«
Ein rauer Ton dringt über ihre Lippen, irgendwo zwischen Lachen und Weinen und in einer hilflosen Geste streckt sie den Arm nach ihm aus. Ihre Hände klammern sich an das Revers seiner Jacke, als müsste sie sich an ihm festhalten.
»Ich wollte nicht weg von Dir. Ich wollte niemals weg von Dir.«
Er stößt ein ungläubiges Lachen aus. »Und warum wolltest Du dann gerade in dieses Flugzeug steigen, dass Dich ans andere Ende der Welt gebracht hätte?«
Carol seufzt und fährt sich mit einer hilflosen Geste durch die Haare.
»Das wollte ich doch gar Tony. Verdammt, verstehst Du das denn nicht?«, fährt sie ihn mit immer lauter werdender Stimme an und in ihrem Blick liegt eine Mischung aus Schmerz, Trauer und funkelndem Zorn.
Ihre Wut und der harte Tonfall ihrer Worte, erschüttern und verwirren ihn zugleich. Erschrocken weicht er einen Schritt zurück. Wenn er ehrlich ist, versteht er gar nichts.
»Tony, ich wollte überhaupt nicht in dieses Flugzeug steigen. Niemals. Ich -«, sie bricht ab und schliesst einen Moment die Augen, um die richtigen Worte zu finden.
»Ich wollte sehen, ob Du nachkommst und versuchst mich aufzuhalten. Ich - vielleicht wollte ich herausfinden, ob es sich lohnt noch immer auf etwas zu hoffen, was mir so unerreichbar erscheint.«
Traurig senkt sie den Blick zu Boden und eine weitere Träne rinnt ihre Wange hinab.
Sprachlos starrt er sie an.  »Du - Du wolltest, dass ich zum Flughafen komme. Du wolltest, dass ich Dich abfange. Du wolltest -.«
Sie nickt, ein gequältes Lächeln auf den Lippen. »Ja, Tony. Ich wollte eine Entscheidung. Wenn Du nicht gekommen wärst, wenn Du mich hättest fliegen lassen, dann - wäre es vorbei gewesen. Es hätte weh getan, es hätte mir das Herz zerrissen, aber ich hätte Gewissheit gehabt, dass mein Hoffen auf Dich, auf uns, aussichtslos ist.«
Ungläubig schüttelt er den Kopf und legt zärtlich die Hand an ihre Wange. »Wie konntest Du so etwas nur denken?«
Ein Lächeln umspielt ihre Lippen, als sie ihre Hand auf seine legt und die Augen schliesst, um einfach nur einen Moment dieses wunderbare Gefühl seiner Hand auf ihrer Haut zu geniessen.
»Es hat sich angefühlt, als würdest Du immer vor mir zurückweichen, wenn ich versucht habe einen Schritt in diese Richtung zu machen. Als wäre ich Dir irgendwie … zu nahe gekommen.«
Unsicher sieht sie ihn an.
Und mal wieder könnte er sich für seine eigene Unfähigkeit, mit den eigenen Gefühlen und zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen, prügeln.
»Carol, Du kennst mich. Du weisst, wie ich bin und wer ich bin. Du weisst, in welche seelischen Abgründe ich mich bei der Arbeit begebe. Ich wollte Dir das nicht zumuten. Ich hatte Angst, dass ich Dir wehtun könnte.«
Kopfschüttelnd sieht Carol ihn an und schlingt die Arme um seine Hüften. »Ja, ich weiss wie Du bist. Ich weiss, wer Du bist. Und ich weiss, dass Du mir niemals wehtun könntest, Tony.«
Er sieht sie mit einem skeptischen Blick an, als würde er sagen wollen »Da weisst Du aber mehr als ich.«
»Glaub mir, Tony. Ich weiss es«, flüstert sie, als könnte sie seine Gedanken lesen und lehnt den Kopf an seine Schulter.
»Ich liebe Dich, Carol«, sagt er leise, während seine Hände ihren Rücken entlang streichen und er das Gesicht in ihren wundervollen, weichen Haaren verbirgt.
Bei seinen Worten, fängt ihr Herz an ein bisschen schneller zu schlagen, als würde es sich auf einen Salto vorbereiten und mit einem strahlenden Lächeln sieht sie ihn an.
Wie lange hatte sie sich erhofft endlich diese Worte aus seinem Mund zu hören? So lange, dass sie die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte.
»Ich liebe Dich auch, Tony.«
Lächelnd legt er einen Finger unter ihr Kinn und hebt es ein wenig an. Sein Gesicht kommt ihrem immer näher und dann endlich treffen sich ihre Lippen zu einem innigen, liebevollen Kuss.

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»Komm wir holen Dein Gepäck«, schlägt er vor und ergreift ihre Hand.  »Und dann fahren wir nach Hause.«
»Nach Hause«, wiederholt sie mit einem sehnsüchtigen Lächeln auf den Lippen und sieht ihn an.  »Darf ich dann mit in Deine Wohnung kommen, oder quartierst Du mich wieder in Deiner Souterrainwohnung ein?«
Grinsend tippt Tony ihr auf die Nasenspitze. »Natürlich kommst Du mit in meine Wohnung. Aber wie wäre es, wenn es demnächst unsere gemeinsame Wohnung ist?«
Strahlend blickt sie ihn an und schlingt die Arme um seinen Hals. »Das klingt gut, Tony.«
»Dann lass uns gehen.«

Eng aneinander geschmiegt, gehen sie Hand in Hand durch den Regen nach Hause. Ihrer (gemeinsamen) Zukunft entgegen.


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