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Tochter Satuarias ~ Auf Avespfaden

von Mella
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Gen
OC (Own Character)
18.04.2017
15.08.2017
8
26.481
2
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7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
18.04.2017 4.332
 
Ich habe mich endlich dazu durchgerungen auch den 2 Teil um die Geschichte meiner Hexe hier zu veröffentlichen. Hoffentlich gefällt es euch.

~ Zwischen Drôl und Mengbilla ~

Ingerimm des Jahres 1040 BF , Kuslik
Die Memoiren Sarastro Naramis' Novacasas.
Hier berichte ich von den Abenteuern, welche meine reizende Gefährtin, die Signora Lailea Eisylin Melior, unser treuer Freund der Esquirii Zoltan Calmor ya Radoleth und ich in den Jahren 1024 BF bis 1028 BF erlebt hatten.
//Ich sah auf den Bogen Papier vor mir und seufzte leise, Nefertari und Dario fragten uns fast täglich nach den Abenteuern welche wir vor so vielen Jahren bestritten hatten, was mich nun dazu veranlasst, dies hier nieder zu schreiben.//

12. Rondra 1024 BF, das Schiff schaukelte sanft hin und her, die großen roten Segel blähten sich im Wind. Lailea stand am Bug des Schiffes und hatte den Blick in die Ferne gerichtet. Drôl war bereits zu sehen und man merkte das die Matrosen der 'Rose von Drôl' sich auf ihre Familien freuten. Die Hexe sah den Magier neben sich an "Wir werden noch weiter südlich gehen müssen...Mengbilla vielleicht..." begann sie nach einer Weile das Gespräch.
"Wohl eher noch weiter bis Brabak... Auch in Mengbilla sind wir vor den Praioten wohl noch nicht ganz sicher."
"Ganz sicher... Das wird wohl nie so sein... Lessandra wird uns jagen, auch bis über die Grenzen des Horasreiches hinaus. Aber wir sollten tatsächlich nicht zu lange in Drôl bleiben... Am besten wird es sein, wenn wir den Hafen gar nicht erst verlassen."
"Nun, dem kann ich nicht widersprechen, meine Liebe." sagte Sarastro und lies den Blick über das Meer gleiten.
"Macht das Schiff klar zum Ankern! Wir laufen in den Hafen ein!" brüllte Kapitän Castalani vom Heck der Kogge.
Der Hafen war gefüllt mit allerlei Schiffen, auf dem Kai herrschte geschäftiges Treiben und doch erschien Lailea der Hafen im Vergleich zu dem Kusliks winzig. Die 'Rose von Drôl' legte an, die Matrosen welche zuvor die Segel ein geholt hatten, sprangen nun von Deck und befestigten das Schiff mit langen Tauen am Hafenkai.
"Wir danken euch, Kapitän Castalani, dass ihr uns hierhergebracht habt." sagte Sarastro und reichte dem hageren Mann mit dem gezwirbelten grauen Bart ein kleines Säckchen Dukaten.
"Die Freude, darüber das ich euch helfen konnte ist ganz auf meiner Seite. Lebt wohl, mögen die Zwölf über euch Wachen."
"Und mögen sie über euch und euer Schiff wachen, Kapitän Castalani. Auf das Efferd Euch immer gewogen sein mag." sagte Lailea, sie lächelte den Mann an. Zusammen mit Sarastro ging sie von Bord.
Gemeinsam suchten die beiden ein einigermaßen bezahlbares und angenehmes Gasthaus im Hafen. Es war zwar erst früh am Morgen, doch Lailea bestand darauf, dasss sie bis zum nächsten Tag in Drôl blieben. "Sucht ihr ein Schiff, mein Lieber? Ich muss noch etwas besorgen..." sagte die Hexe und hielt die Kette an ihrem Hals fest umschlossen. "Natürlich, meine Liebe. Wir sehen uns heute Abend in der Taverne?" Die Nachtschöne nickte leicht, ehe sie den Hafenkai in Richtung Stadt verließ.
Das Hafenviertel Drôls war groß, beinahe riesig, es gab hier, in Trudinan, - so der Name des Hafenviertels - mehr Gasthäuser, Tavernen, Pensionen und Bordelle als sonst wo in der Stadt, welche mit einer hohen Mauer vom Hafen abgetrennt war. Trudinan war der Umschlagplatz unzähliger Waren und es wimmelte hier nur so von Fremden. Lailea durchstreifte die Straßen und stöberte in Läden auf der Suche nach einem geeigneten kleinen Kessel, einem Rucksack und frischen Kleidern. Der Tag neigte sich dem Ende zu, am späten Nachmittag kehrte sie mir ihrem Einkauf zurück zu der kleinen, aber doch recht sauberen Taverne. Sarastro wartete bereits, vor ihm auf dem Tisch stand ein Glas voll rotem Wein, daneben lag ein Zettel. Die Hexe trat an ihn heran und studierte das Blatt vor sich. Unter der Überschrift prangte ein Bild von ihr und Sarastro.

'Gesucht!'
'Auf die Flüchtigen ist eine stattliche Summe von 15 Dukaten pro Kopf ausgesetzt, die bei Auslieferung am nächsten Praiostempel ausgezahlt werden. - Vorsicht, die aufzugreifenden Personen sind der schwarzen Magie kundig!
Gezeichnet; Bannerführerin und Ritterin des Ordens vom Heiligen Bannstrahl' Praios Lessandra Pirras. 14. Praios 1024 BF'

Lailea sog scharf die Luft ein, richtete ihre waldgrünen Augen auf Sarastro. "Ich hoffe doch das ihr ein Schiff für uns gefunden habt, mein Lieber?" fragt sie und griff nach seinem Wein. Der dunkle Rebensaft hatte ein angenehm fruchtiges Bukett. Es war ihr anzusehen, dass bei weitem nicht so ruhig war, wie sie sich gab.
"Das habe ich tatsächlich, allerdings verlangt der Kapitän eine horrende Summe für die Überfahrt nach Mengbilla."
"Das lasst mal meine Sorge sein, wann läuft das Schiff aus?"
"Morgen kurz nach Sonnenaufgang." sagte Sarastro und sah die Hexe an, sie hatte sein Glas nun fast geleert.
"Nun, dann ziehe ich mich wohl für's erste zurück, wir sehen uns also morgen Früh, mein Lieber." sie leerte das Weinglas des Magiers und stellte es wieder vor ihn auf den Tisch "Seid so gut und lasst diesen unschönen Brief verschwinden." schnurrte sie und verließ die Hüfte aufreizend schwingend den Schankraum. Sarastro sah ihr nach, sein Blick fiel auf das leere Glas, er seufzte leise und ein wenig wehleidig.
In dieser Nacht, der ersten auf festem Boden seit nun fast einem Monat, schlief Lailea erneut schlecht, Alpträume plagten sie.

Sie erwachte in einem weichen Bett, Zandor lag ruhig schlafend neben ihr. Lächelnd kuschelte sich die Hexe an ihn, genoss den Moment. Draußen ging gerade die Sonne auf. „Hmm du bist schon wach?“ flüsterte Zandor neben ihr und küsste sie sanft. Lailea schloss die Augen. Es war nur ein Flüstern, aber es bedeutete die Welt für sie. „Ich liebe dich.“
Dunkelheit umfing sie, schwarze Finsternis türmte sich vor ihr, hinter ihr überall um sie herum auf. Dann wurde es hell vor ihr, so hell das es in den Augen brannte. Aus dem Licht trat eine einzelne Gestaltet, nein zwei Gestalten. Eine ging aufrecht, die andere wurde mitgeschleift, das Gesicht der beiden lag im Schatten. "Lailea...!" rief plötzlich die Kniende Person "Lailea hilf mir!" schrie die Stimme, vom Wahnsinn verzerrt - ein Lachen erscholl, das Echo war hundertfach zu hören.
"Du kannst nicht, Hexe! Du konntest es schon damals nicht! Kannst es heute nicht - sieh ich töte ihn, der Junge stirbt!" die Frau zog ein Messer und rammte es dem Jungen in die Brust. "Zandor!!!" schrie Lailea auf, doch kein Laut entwich ihrer Kehle unfähig sich zu rühren sah sie zu wie Zandor starb, erneut starb. Aus der Dunkelheit hinter ihr erklangen Schritte, noch immer konnte sie sich nicht rühren und dann stand sie neben ihr - eine schwarze Katze mit bösen, klugen, gelben Augen. Lailea schrie auf, Zandor, diese Katze, diese Frau - Gefühle überschwemmten sie, Gedanken stürzten über sie herein. Die Hexe schrie, schrie so laut sie konnte. Ihre Sicht verschwamm, sie begann zu rennen.
Eine schmale Gasse, schiefe dunkle Häuser mit kleinen dunklen Fenstern, hinter denen sich lauernde Schatten verbargen. Kleine Kerzen glosten in jedem zweiten Fenster. Aus der Finsternis heraus glotzen sie tausend Augen an. Schwarze Wolken türmten sich am Firmament auf, bizarre Figuren und Fratzen, die sie anstarrten. Ihr Kleid war zerrissen, hing fast nur noch in Fetzen an ihr. Fliehen, sie musste fliehen. Doch wovor?  Ihre Lungen brannten, schneller, sie musste schneller laufen. Sie drehte sich um, versuchte ihre Verfolger zu identifizieren, doch alles was sie sehen konnte waren Fackelschein und Schatten. Die Gasse öffnete sich auf einen großen menschenleeren Platz. In der Mitte stand ein verlassenes Schafott. Lailea rannte weiter. Sie hatte fast die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht, als sich die Fläche plötzlich mit Menschen füllte. Kein Entkommen. Sie war eingekreist von schwarzen, geschichtslosen Gestalten. Eine dieser grotesken Figuren zeigte auf sie und stieß einen unmenschlichen hohen Schrei aus. Die Menge teilte sich und eine Frau in schneeweißem Wappenrock kam auf sie zu. In der Hand eine Kettengeisel, einen Zweihänder auf dem Rücken. .... Dunkelheit....

Die Hexe schreckte alle paar Stunden schweißgebadet aus dem Schlaf, es dämmerte bereits als sie zum vierten Mal in dieser Nacht erwachte. Ihr ganzer Körper zitterte und sie glaubte noch immer Zandors Stimme zu hören, ihn zusehen, zu fühlen und dann, zu verlieren. Leise stand sie auf und ging zum Fenster - frische Luft, vielleicht half ihr das. Ein angenehmer frischer Wind strich über ihren fast gänzlich entkleideten Körper und lies sie leicht frösteln. Irgendwo im Hafen kläffte ein Hund und in der Straße unter ihrem Fenster rannte eine Gestalt entlang, sie war also nicht die Einzige die keinenSchlaf fand. Wie es ihrer Mutter wohl ging? Wie sehr mochte Leandra um den Tod ihres Mannes trauern, sorgte sie sich um ihre Tochter, würde sie nach Kuslik zurückkehren? Lailea wusste es nicht, sie wusste ja nicht einmal ob sie selbst jemals zurück in ihre Heimatstadt kommen würde. Noch eine ganze Weile stand die junge Hexe am Fenster und dachte über ihre Vergangenheit und ihre Zukunft nach. Ein sachter rot goldener Schimmer lag am Himmel, färbte die Wolken am Horizont rot, lila und orange und dann brachen zwischen den Wolken die ersten Sonnenstrahlen hervor und kündigten einen neuen Tag an. Lailea ließ sich wieder ins Bett sinken und schloss die Augen. Schlafen konnte die Hexe jedoch nicht mehr. Knapp eine Stunde nach Sonnenaufgang stand sie neben Sarastro am Hafen.
Die Wellen wiegten die Schiffe im Hafen sanft auf und ab. Es war zwar noch sehr früh, dennoch herrschte bereits reges Treiben.
Sarastro hatte recht gehabt, die Reise würde teuer werden, der Kapitän, ein sehr junger Mann, verlangte vierzehn Dukaten. Lailea betrat an der Seite des Magiers das Deck des Schiffes und ging auf den Kapitän zu. "Efferd zum Gruß, der werte Herr." sie musterte den jungen Mann eingehend, er konnte kaum älter als 27 Götterläufe sein.
"Efferd zum Gruß, ihr wollt also nach Mengbilla?" fragte er.
Lailea schritt anmutig auf ihn zu, sie blieb nur wenige Zentimeter vor ihm stehen, lächelte kokett. Sie wusste, dass es nicht viel brauchen würde um den Mann zu überzeugen. "Findet ihr nicht das sieben Dukaten für eine solch kurze Strecke zu viel sind? Mein Begleiter und ich könnten auch ein anderes Schiff nehmen, doch ich glaube kaum das es auf diesen anderen Schiffen einen so gutaussehenden und starken Kapitän gibt..." Die Hexe legte eine Hand auf seinen Oberarm und fixierte den Mann vor sich. Die andere Hand glitt an seiner Brust hinab.
"Ich...also..." stammelte der Kapitän und sah Lailea an. Diese lächelte noch immer "Fünf Dukaten sollten doch durch aus genug sein, denn ansonsten sehe ich mich leider gezwungen ein anderes Schiff zunehmen. Das, würde ich allerdings bedauern, mein Lieber." schnurrte die Rothaarige und umrundete den Kapitän. Jedoch ohne den Körperkontakt zu unterbrechen.
"Ich...ja....ich denke schon dass ...fünf Dukaten ausreichend sind, für euch..." er schluckte hörbar.
"Beide" viel die Hexe ihm ins Wort und legte ihre Hand auf seine Wange, da war es schon wieder dieses Lächeln...
Die Reise nach Mengbilla gestaltete sich als recht ereignislos. Sarastro und Lailea unterhielten sich von Zeit zu Zeit mit den Matrosen und erfuhren so, dass man die Stadt an der Mündung der Nordask auch "Stadt der Tausend Verbote" nannte.
So war es in Mengbilla verboten in der Öffentlichkeit zu Praios zu beten, selbst Mittelländische Münzen sah man ungern - wegen der Greifenprägung. Auch die Verehrung des Listenreichen war offiziell verboten, doch wie in jeder größeren Stadt, gab es auch in Mengbilla geheime Diebesgilden die ihren Schutzpatron, den Herren Phex verehrten.

29. Rondra, 1024 BF - Mengbillas Hafen war dreckig, das Wasser besaß eine undefinierbare Farbe zwischen dunkelblau und braun, und es stank, nach altem Fisch, fauligem Wasser und etwas anderem Undefinierbaren. Die Sklaven, ausgemergelt und mit schweren Kisten beladen, liefen durch den Hafen. Lailea verzog angewidert das Gesicht, und das nicht nur ob des Gestankes. Sie verabscheute die Sklaverei, wie jeder Horasier. Die Hexe verließ gefolgt von Sarastro das Schiff, gemeinsam machten sich die beiden auf die Suche nach einem Hotel. Das Gebäude, welches man den beiden Horasieren empfohlen hatte, lag in einem für mengbillanische Verhältnisse recht sauberen Viertel. Sie überquerten gerade einen Markt, irgendwo auf der anderen Seite musste das Hotel liegen. Ein paar Schritt vor ihnen standen vor einem Stand zwei massige Söldner und eine kleinere drahtige Frau. Die Frau redete mit dem Händler, dem Gesichtsausdruck des Mannes zu urteilen war es kein angenehmes Gespräch. Er verzog das Gesicht und machte eine giftige Bemerkung in Richtung der drei Schläger vor seinem Stand. „Verzieht euch! Ich habe das Standrecht hier erworben, ich bleibe!“ Die Hand der Frau knallte auf den Tisch, blitzschnell und elegant sprang sie über den Stand und stieß den Händler zu Boden, in der Hand hielt sie einen Dolch. Die beiden Söldner stießen den Tisch um packten den jammernden Händler an den Achseln. „Nein, nein ...bitte ...verzeiht...ich...“ Die Faust der Frau traf ihn hart in der Magengrube und brachte ihn zum Schweigen. Er krümmte sich und spuckte Blut, der nächste Hieb ging in die Nierengegend. „Dieses Viertel gehört jetzt den Alchemisten und es interessiert mich einen Scheiß ob du dir das Standrecht bei den Fernhändlern erworben hast.“ zischte sie kaum hörbar für die beiden Horasier „Das gilt für euch alle hier!“ rief die drahtige Frau laut über den Markt. Gerade als Sarastro und Lailea weitergehen wollten, kam einer der beiden Schläger der Alchemistengilde auf sie zu. Der Mann war ein Hüne, sein vernarbtes Gesicht verzog sich zu einem fiesen Grinsen, das seine schiefen Zähne offenbarte „Papiere!“ verlangte er.
„Wir sind fremd hier, was für Papiere wollt ihr sehen, werter Herr?“ fragte Sarastro, sichtlich um Höflichkeit bemüht, auch wenn der Magier die Geringschätzung nicht ganz aus seiner Stimme und seinem Blick bannen konnte. „Die Papiere dafür, dass ihr Waffen tragen dürft un' wenn du mir weiter so blöd kommst setzt es was Freundchen!“ zischte das Narbengesicht.
„Solche Papiere haben wir nicht, aber wenn ihr uns sagt wo wir uns welche besorgen könnten...“
„Wie bedauerlich, dann muss ich eure Waffen leider an mich nehmen und ihr werdet wohl in einer Zelle übernachten...“ Er streckte die Hand aus. „Oder ihr kauft die Dokumente bei mir, und gegen einen kleinen Aufpreis, vergessen wir die Sache.“ schnurrte eine angenehme Stimme hinter den beiden. Laileas Blick schnellte herum, die drahtige Frau stand hinter ihr, ein gefährliches Grinsen auf den Lippen. Ihre Haut war dunkler als die der beiden Horasier, ihre ebenmäßigen Züge wurden auf rechten Wange von einer wulstigen Narbe 'verziert'. „Für zehn Dukaten lassen wir euch in Ruhe.“ schnurrte die Frau und umrundete die beiden, ihrer Bewegungen erinnerten die Hexe stark an die einer Raubkatze. Sie überlegte die beiden zu verzaubern, entschied sich dann allerdings dagegen, dass würde ihre Probleme nicht dauerhaft lösen und sie wollte keinesfalls in einen Konflikt mit einer der Gilden geraten. Sie griff in ihren Beutel und zählte der schwarzhaarigen Frau vor sich zehn Dukaten in die Hand. „Ah, es ist doch immer wieder schön Geschäfte mit vernünftigen Menschen zu machen. Hier, die Papiere.“ Damit ließen die Handlanger der Alchemistengilde die beiden Horasier stehen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes stand das Hotel. Die Wand war weiß verputzt und in schwarzen Lettern prangten über der Tür die Wort 'Havarie von Hylailos'.
Die Hexe und der Magier saßen im Schankraum des Hotels, vor ihnen auf dem Tisch stand eine Flasche roter Wein, dazu zwei Gläser sowie zwei Teller auf denen noch die Reste eines Huhnes lagen. Lailea stütze das Kinn in die Hände und platzierte die Ellenbogen auf dem Tisch, grinsend musterte sie den Mann der ihr gegenübersaß. Sarastro hatte sich entspannt nach hinten gelehnt und betrachtete, scheinbar, den Wein in dem kristallenem Glas - sein eigentliches Interesse galt jedoch der jungen Hexe. Ihr langes feuerrotes Haar trug sie in einer aufwendigen Hochsteckfrisur, ihre waldgrünen Augen musterten ihn interessiert.
"Wo kommt ihr her, Sarastro?" fragte sie und lehnte sich ebenfalls zurück.
"Bitte sprich mich mit du an, wir reisen nun seit über einem Monat zusammen." sagte der Magier und trank einen Schluck. "Ich komme aus Bethana. Und du, meine Liebe, lebst du schon immer in Kuslik?"
"Ja ich wurde dort geboren und habe dort meine Kindheit verbracht." sagt sie und trank ebenfalls von dem Wein.
"Lailea, du besitzt offensichtlich Magie, auf welcher Akademie warst du?" fragt Sarastro und musterte die Hexe neugierig.
"Ich hatte einen Lehrmeister, oder besser eine Lehrmeisterin. Ich halte nicht viel davon verstaubte Folianten zu wälzen. Magie ist etwas lebendiges, nichts was man Formeln erklären kann." sagte sie, ihr Blick ruhte weiterhin auf ihm.
"Weshalb wurdest du von Praioten gefangen?" fragte der Magier weiter und trank erneut einen Schluck.
"Ich bin mir nicht sicher ob ich dir das erzählen will. Ich kenne dich noch lange nicht so gut, als das ich dir vertrauen würde, ja ich schulde dir wohl mein Leben, jedoch weiß ich nicht weshalb. Was also, hat dich, einen ausgebildeten, sicher gut angesehenen und durchaus 'interessanten' Magier dazu veranlasst mir zu helfen? Was erwartest du dir davon, mein Lieber?" fragte die Schöne der Nacht und setzte das kristallene Glas an ihre vollen Lippen. Sie trank, stand dann elegant auf, neben dem Magier blieb sie stehen und sah auf ihn herab "Erzähl mir von dir, dann erfährst du vielleicht etwas von mir." Mit diesen Worten verließ sie den Speiseraum des Hotels, sicher war sie auf dem Weg zu ihrem Zimmer. Sarastro sah ihr nach, langsam aber sicher und da war er sich sicher, raubte ihm diese Frau den Verstand.
Der nächste Morgen war warm und die Sonne spiegelte sich glitzernd im Wasser des Meeres. Lailea stand am Kai und hatte den Blick auf den Horizont geheftet, sie hatte vor ein paar Minuten ein Schiff gesucht und wartete nun auf Sarastro. Eine Hafenglocke läutete und kündigte ein einlaufendes Schiff an. Große grün-goldene Segel blähten sich im Wind und auf dem Fockmast flatterte eine Fahne, eine weiß-gold-rote Fahne mit einem Greifen. Lailea erbleichte, das Schiff legte an und eine Gruppe von fünf Männern, Bannstrahlern, verließ gefolgt von einer jungen, schlanken, blonden Frau das Schiff. Sie trug eine metallene Rüstung, auf der Brust war eine Goldene Sonne auf weiß eingraviert, auf ihrem Rücken war ein großes Zweihandschwert befestigt. Sie sah sich im Hafen um und erteilte den Männern bei sich dann, einige Befehle - die Gruppe löste sich auf, zurück blieb die Frau und einer der Bannstrahler, der Blick der Frau richtete sich auf Lailea, ihr einstmals schönes Gesicht war von einer langen Narbe quer über das Selbe entstellt auch wenn die anderen Narben verschwunden waren, so wusste Lailea genau wer da gerade von Bord gegangen war - Lessandra Pirras. Die Hexe verkrampfte sich augenblicklich. Sie drehte sich um und bog um eine Hausecke. Verstohlen sah sie sich um, ehe sie einen Zauber wirkte. Sie legte die Hände vors Gesicht und kauerte sich zusammen, kurze Zeit später erhob sich die Hexe wieder, nun allerdings in Gestalt eines Edelmannes aus Mengbilla. Eilig ging sie zurück auf die Straße. Sie sah sich nach Sarastro um, der Magier kam gerade aus einer Seitenstraße auf sie zu, er sah sich suchend um. Laliea ging auf ihn zu "Folge mir." zischte sie ihm im vorbeigehen zu. Sarastro runzelte die Stirn und sah dem Mann der eben an ihm vorbei gegangen war nach. Der Fremde blieb stehen und drehte sich um "Hörst du schlecht, mein Lieber?" fragte er herausfordernd.
Sarastro sah 'ihn' an "Wer seid ihr?" fragt er.
"Keine Zeit, jetzt komm mit wir müssen Mengbilla verlassen und zwar bald! Lessandra ist hier!" zischte Lailea.
In einer Seitengasse blieb der Fremde stehen und sah den Magier an. "Hast du ein Schiff gefunden das uns nach Brabak bringen kann?" fragte die Hexe, nun wieder sie selbst.
"Ja habe ich, wir müssen uns allerdings wohl noch einen Tag hier aufhalten, das Schiff läuft erst Morgen aus."
Lailea nickte und sah ihn an "Verflucht, Satuaria steh mir bei..." sie brach ab und sah den Magier vor sich an, hatte sie zu viel gesagt? Noch wusste Sarastro nicht, dass sie eine Hexe war und eigentlich sollte das vorerst so bleiben.
Der Magier musterte sie "Wir können wohl nicht im Hotel bleiben, suchen wir uns hier eine Taverne?" fragte er.
Lailea sah ihn an "Ein Bordell vielleicht, dort würde Lessandra nie nachsehen, zu offensichtlich." sagte die Hexe nachdenklich.
Es ging auf den Mittag zu und Rondra zeigte sich von einer ihrer Schönsten Seiten, es wurde wärmer aber nicht drückend heiß, einige weiße Wolken hingen wie Watte am Himmel und wurden sanft vom Wind getragen, der als laues angenehmes Lüftchen zu spüren war. Möwen kreischten und zogen ihre Bahnen über den Hafen. Ihr Weg zu einem der zahlreichen Bordelle führte die beiden Horasier durch enge Gassen und nicht nur einmal hatten sie das Gefühl, einer der Bettler oder Söldner am Straßenrand musterte sie interessiert. Die Stadt zeigte ohne Hehl das ganze Ausmaß der Verdorbenheit. Nicht nur die Sklaven, die unbarmherzig mit schweren Lasten durch die sengende Hitze getrieben wurden. Lailea sah wie in einer Gruppe ein alter ausgemergelter Mann unter der Last zusammenbrach. Der Sklaventreiber der bei der Gruppe stand brüllte den Alten an, knallte die Peitsche erst in der Luft und anschließend auf den blanken Rücken des Sklaven. Die Haut riss auf und der Alte zuckte. Der junge Mann mit der Peitsche wurde immer wütender und schlug schneller und fester auf den liegenden ein. „Steh auf du fauler Hund!!“ brüllte er, Spucke flog dem Sklaven entgegen. Immer härter drosch der Sklaventreiber auf den Mann ein, bis der Rücken des Alten eine blutige Masse war, er hatte längst aufgehört zu zucken und zu wimmern.
Angewidert wandte sich die Hexe ab, wissend, dass ihr eingreifen nichts erreichen konnte. Doch dies sollte nicht die einzige unangenehme Begegnung auf ihrem Weg bleiben. Nur wenige Straßen weiter wären die beiden beinahe in eine der Bannstrahler gelaufen. Der Mann diskutierte laut mit einer Person, die weder die Hexe noch der Magier sehen konnten, der Stimme nach war es jedoch eine Frau. „Ihr verstoßt mit eurer Gewandung gegen ein Gesetz, und auch mit euer Waffe Geisler, also zahlt.“ Die Stimme war ruhig, fast schon spöttisch, doch gerade darin lag die unverhohlene Drohung. „Ihr Stellt euch mir nicht in den Weg, ich bin ein Diener des Götterfürsten!“ drohte der Bannstrahler aufgebracht „Und ich befehle Euch mir aus dem Weg zu gehen, sonst wird Praios göttlicher Zorn euch strafen, Abschaum!“ Er drehte sich um, sein Blick fiel auf Lailea und Sarastro „Ha, diese Stadt ist wie gemacht für dich, Hexe!“ Er griff nach seiner Waffe, Kettengeisel in der einen und Sonnenzepter in der anderen Hand kam er auf die beiden zu. Die Frau in seinem Rücken hatte er gänzlich vergessen. Ein Fehler wie sich nun zeigte. Blitzschnell stieß die Schwarzgekleidete vor und rammte dem Mann eine Dolch zwischen die Rippen, dann zog sie sich zurück. Der Bannstrahler stöhnte kurz auf, lief aber weiter auf die beiden Horasier zu. Er holte aus, das Sonnenzepter krachte auf Sarastros Zweililie. Der Praiosdiener taumelte wie benommen, seine Schwünge wurden schnell unkontrolliert und willkürlich. Schaum bildete sich vor dem Mund des Mannes, er würgte während er weiter, nun scheinbar gegen mehrere nur für ihn sichtbare Gegner kämpfte. „Was hast du gemacht?! Ausgeburt eines Dämons, Madaverfluchter!“ Schon nach wenigen Augenblicken hatte der Magier die Oberhand, er stieß den Bannstrahler zu Boden. Sarastro stieß mit der Zweililie zu, Blut sickerte aus der Wunde am Bauch und färbte den weißen Wappenrock rot. Der Bannstrahler zuckte noch mehrmals, dann lag er einfach still. Die Frau mit dem Dolch war verschwunden. Dafür war am anderen Ende der Gasse, ein weiterer Bannstrahler aufgetaucht. „Lauf.“ zischte Lailea und die beiden Horasier rannten durch die Straßen des nächtlichen Mengbilla davon.
"Wir sollten diese Stadt schellst möglich verlassen." sagte die Hexe und sah Sarastro an. Die beiden lagen neben einander im Bett. Das Bordell war relativ sauber und in der Nähe des Hafens. Der Magier nickte und sah die Frau neben sich an. „Ja, das sollten wir.“


//In dieser letzten Rondranacht 1024 BF waren Lailea und ich uns  das Erste Mal nähergekommen. Heute ist dies nur noch eine immer blasser werden Erinnerung, der Nebel des Vergessens legt sich langsam darüber.// Ich hob den Blick, es war noch sehr früh, draußen ging gerade erst die Sonne auf, die Welt erwachte zum Leben. Ich war schon seit über einer Stunde wach und schrieb. Die Kinder und auch Lailea schliefen noch. Leise stand ich auf, öffnete die Fenster. Heute würde wieder einer meiner Schüler kommen, seit einigen Jahren unterrichtete ich nun schon an der Kusliker Akademie. Meine Liebe führte einen Zirkel an und unterwies unsere Tochter in den satuarischen Künsten, nach außen hin - für die Öffentlichkeit - war sie eine sehr erfolgreiche Händlerin, wie ihre Eltern vor ihr. Ich hörte Schritte und öffnete die Tür zum Flur, vor mir stand ein kleiner roter Lockenkopf - Nefertari und neben ihr ein kleines Fellknäuel. "Papa." sagte sie, streckte die Arme nach mir aus, lächelnd hob ich sie hoch. Krümel krallte sich in meine Hose und versuchte an mir hoch zu klettern. Lachend lies ich mich auf meinem Stuhl nieder, legte die Arme um Nefertari. Das goldgelbe Kätzchen kuschelte sich in Nefertaris Schoß und schnurrte wollig, als sie das kleine Tier streichelte. "Gehen wir heute ans Meer?" fragte meine Tochter. Noch ehe ich etwas antworten konnte sprang sie auf. "Komm Papa, wir wecken Mama." lachte die Kleine und lief aus dem Zimmer, wie gewöhnlich ließ sie die Tür auf.
Lächelnd stand ich auf und folgte meiner Tochter.
Erst am Abend saß ich wieder an meinem Schreibtisch und tauchte die Falkenfeder in das Tintenfässchen.
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