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Pandæmonium

von DelFina18
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Genis Sage Raine Sage Sheena Fujibayashi Yuan Zelos Wilder
17.04.2017
11.02.2019
100
318.187
1
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83 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.01.2019 4.203
 
Hey!

Tja, heute lade ich also mehr oder weniger das letzte Kapitel hoch … Denn nächste und übernächste Woche kommen nur noch die Outtakes und die Pannen und das war es dann. =( Das, was ich noch geplant hatte, werde ich nicht fertig schreiben, weil mir dazu die Motivation fehlt. ^^“ Ist jetzt nicht wirklich dramatisch, aber es wäre ganz nett gewesen und hätte noch einmal eine Verbindung zu Silbernebel geschaffen …

Nun gut, bevor ich jetzt schon anfange, sentimental zu werden, empfehle ich euch für dieses Kapitel noch das instrumentale Lied ‚Speaking With The Stars‘ von Motoi Sakuraba aus dem Spiel Baten Kaitos. Meiner Meinung nach eins der schönsten RPG-Lieder. =)

Viel Spaß beim Lesen. ;)

~ Zusatzkapitel 8: Mond und Sterne (Teil 2) ~

~ „Es gibt keinen Ort der Welt, an dem man sicherer geborgen wäre als in den Armen der Mutter.“ ~
Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf (1858 – 1940)

Jahr 7215 lum.

„Willst du nicht lieber noch ein paar Tage warten?“, fragte Yuan besorgt, als Raine nach drei Tagen die Hütte des Drachenelfen verließ.
Raine sah grimmig drein. „Nein. Ich habe lange genug gewartet. Ich lasse Mani und Nimué keinen Tag länger in der Vergangenheit.“
Sie wusste, dass all ihre Freunde davon überzeugt waren, dass sie ihre Kinder sowieso nicht in die Gegenwart würde zurückholen können, zumindest jetzt noch nicht. Grundsätzlich wusste Raine das auch, aber sie weigerte sich dieses Mal, die Grausamkeit des Schicksals zu akzeptieren. Sie wollte ihre Kinder zurück, jetzt sofort und nicht erst in acht Jahren – wenn sie danach tatsächlich in die Gegenwart zurückkehren würden. Schließlich stand das nicht einmal fest, was vielleicht auch einer der Gründe war, warum Raine so versessen darauf war, ihre Kinder jetzt schon zurückzuholen.
Aber Yuan hatte sie nicht nur dazu genötigt, sich noch ein paar Tage auszuruhen, sondern auch überlegt vorzugehen.
Deswegen ließen sie sich von Fain und Kitsune zurück zum Tempel der Propheten fliegen. Richard und Virginia waren auf Raines Wunsch hin schon kurz nach der Geburt zu ihrem Zuhause zurückgekehrt, um sich um Yuvia zu kümmern. Beide waren natürlich nur ungern aufgebrochen, aber Raine reichte es schon, wenn sie Yuan hatte, der sich Sorgen um sie machte.
Nachdem sich Yuan und Raine von Fain und Kitsune verabschiedet hatten, verschmolzen sie mit dem Licht und befanden sich im nächsten Moment in Iselia.
Auch wenn sie schon lange nicht mehr hier wohnte, hatte Raine doch bei jedem Besuch das Gefühl, nach Hause zu kommen. Vermutlich, weil es der erste Ort gewesen war, an dem man sie akzeptiert hatte, obwohl sie eine Halbelfe war, und noch immer wurde ihr warm ums Herz, wenn sie durch das Dorf ging und von den Bewohnern freundlich gegrüßt wurde.
Nach der Zerstörung des Pandæmoniums und ihrer Rückkehr aus dem Reich der Seelen hatten Yuan und sie natürlich lange überlegt, wo sie hinziehen sollten. Dabei hatten nicht nur Iselia, sondern auch Asgard und Heimdall zur Auswahl gestanden. Aber mit all diesen Orten verband Raine nicht nur gute, sondern auch schlechte Erinnerungen und am Ende waren Yuan und sie sich einig gewesen, dass sie an einen Ort ziehen sollten, an dem sie neue Erinnerungen sammeln konnten.
So hatten sie schließlich entschieden, nach Sybak – oder besser gesagt in die Nähe davon – zu ziehen. Raine konnte dadurch in der Akademiestadt einen Job als Professorin annehmen und Yuan arbeitete in der dortigen Niederlassung der Magi Corp und widmete sich dort dem, was schon immer sein Traum gewesen war: Erfindungen. Die Leitung der Polizei hatte er vollständig Teren und Téméraire überlassen, schließlich hatten sie das auch schon getan, als Yuan nach der Zerstörung des Pandæmoniums auf der Suche nach Raine gewesen war, und sie hatten dabei sehr gute Arbeit geleistet.
Weniger Erfolg hatten sie jedoch dabei, Selim im Zaum zu halten. Er war inzwischen ein Teenager und ziemlich rebellisch. Hauptsächlich wohl deswegen, weil er nicht wusste, was er später machen wollte.
Raine fragte sich, ob sie mit ihren Kindern später ähnliche Probleme haben würde und schluchzte auf, als ihr der Gedanke kam, dass sie es in Bezug auf Mani und Nimué womöglich niemals herausfinden würde.
Yuan griff nach ihrer Hand und drückte sie, bevor er an die Tür des Hauses klopfte, das sie inzwischen erreicht hatten.
Kurz darauf wurde die Tür von einem kleinen Jungen mit verstrubbelten dunkelblonden Haaren und einer ziemlich auffälligen Zahnlücke geöffnet.
„Onkel Yuan, Tante Raine!“, rief er fröhlich. „Seid ihr hier, um mit mir zu spielen?“
Yuan wuschelte ihm durchs Haar. „Heute nicht, Kleiner. Sind deine Eltern da?“
Der Junge nickte und ließ sie eintreten, bevor er laut nach seinen Eltern rufend durch das Haus rannte. Kurz darauf kehrte er mit den beiden zurück.
„Yuan, Raine!“, rief Lloyd erfreut. „Schön euch zu sehen.“
„Ich wünschte, wir könnten das Gleiche sagen, aber der Grund für unseren Besuch ist nicht gerade erfreulich“, seufzte Yuan, der einen Arm um Raine gelegt hatte.
Colette schien zu bemerken, dass Raines Bauch wieder flach war und fragte: „Die Zwillinge … ist etwas mit ihnen passiert?“
Raine versuchte mühsam, die Tränen zurückzuhalten, aber vergebens.
„Warum erzählt ihr uns nicht alles bei einer Tasse Tee?“, schlug Colette vor, bevor sie sich an ihren Sohn wandte.
„Viktor, warum gehst du nicht draußen spielen?“
Der Junge zögerte einen Moment, nickte aber schließlich und verließ das Haus.
Ein paar Minuten später saßen sie im Wohnzimmer und Yuan und Raine erzählten bei einer Tasse Tee, was passiert war.
„Das ist ja schrecklich“, gab Colette schockiert von sich. „Wenn so etwas mit Viktor passiert wäre …“
„Ich werde sie nicht in der Vergangenheit lassen“, erwiderte Raine entschlossen. „Ich werde sie zurückholen.“
Lloyd runzelte die Stirn. „Aber geht das denn? Ich habe zwar nie wirklich verstanden, wie deine Zeitreisefähigkeit funktioniert und was alles möglich ist, aber hast du nicht selbst gesagt, dass du Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, nicht ändern kannst? Und da du Mani und Nimué damals in der Vergangenheit begegnet bist …“
„Das ist mir egal!“, fauchte Raine. „Ich werde die Regeln brechen, das Schicksal ändern, das Unmögliche möglich machen! Ich werde alles tun, um meine Kinder zurückzuholen!“ Raine war bewusst, wie verrückt sie klingen musste, aber das war ihr egal. In etwas gemäßigterem Ton fügte sie hinzu: „Du würdest genauso handeln, wenn es um Viktor ginge.“
„Das würde ich“, stimmte Lloyd ihr zu, während er seine Arme vor der Brust verschränkte. „Aber ich handle auch nur selten überlegt – im Gegensatz zu dir. Wenn du in die Vergangenheit reist, wirst du nicht wieder das Problem haben, dass du nicht zurückreisen kannst?“
„Genau deswegen sind wir hier“, mischte sich Yuan in das Gespräch ein. „Raine braucht das Ewige Schwert. Damit kann sie mit Mani und Nimué wieder in diese Zeit reisen.“
„Aber kann es nicht nur von Lloyd geführt werden?“, fragte Colette unsicher.
„Ich habe das Schwert zusammen mit Origin geschaffen“, wandte Raine ein. „Das wird kein Problem sein.“
Lloyd hatte nachdenklich seine Augen geschlossen und stand schließlich auf. „Also gut. Ich werde dir das Ewige Schwert geben. Aber ich glaube nicht, dass es dir helfen wird.“ Er streckte seine Hand aus und kurz darauf hielt er darin das lilafarbene Schwert. Er überreichte es Raine, die in der Zwischenzeit ebenfalls aufgestanden war.
„Raine … Sei vorsichtig“, bat Yuan sie, während er sie sorgenvoll ansah.
„Mach dir keine Sorgen. Ich werde wohlbehalten mit Mani und Nimué zurückkehren.“ Sie sah Yuan entschlossen an, bevor sie ihre Augen schloss und ihre Zeitreisefähigkeit nutzen wollte. Aber sie merkte sofort, dass etwas nicht stimmte; sie konnte ihre Fähigkeit nicht nutzen. „Was …“ Sie sah zu dem Ewigen Schwert. Blockierte es vielleicht ihre Fähigkeit? Sie versuchte daraufhin, mit der Macht des Schwerts in die Vergangenheit zu reisen, aber auch das funktionierte nicht.
Im nächsten Moment erschien vor ihnen eine Lichtkugel, die sich in Origin verwandelte.
„Das ist zwecklos“, sagte der Elementargeist. „Du kannst nicht mehr durch die Zeit reisen.“
„Was?!“, fragte Raine verstört. „Aber warum nicht?“
„Alles fließt“, antwortete Origin. „Nicht nur die Zeit, sondern auch die Fähigkeit, mit dem Fluss der Zeit zu reisen.“
„Bedeutet das … Mani und Nimué haben jetzt diese Fähigkeit?“, wollte Yuan wissen.
Origin nickte.
„Aber … dann muss ich doch zumindest mit dem Ewigen Schwert durch die Zeit reisen können!“, wandte Raine verzweifelt ein.
„Nein.“
„Warum nicht?!“
„Weil niemand, der vorhat, das Zeitgefüge durcheinander zu bringen, durch die Zeit reisen kann“, erwiderte der König der Elementargeister. „Mani und Nimué müssen in der Vergangenheit aufwachsen, das weißt du. Du kannst nichts daran ändern.“
Raine sank schluchzend auf die Knie. „Nein … Bitte nicht …“
Yuan hockte sich neben sie hin und strich ihr über den Rücken, während er bedrückt zu Origin sah. „Werden sie denn irgendwann in diese Zeit zurückkehren?“
„Nein.“
Ein erneuter Schluchzer entfuhr Raines Kehle, während sie das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Der Gedanke, Mani und Nimué nie mehr wiederzusehen, schnürte ihr die Kehle zu.
„Aber ihr werdet sie wiedersehen.“
Es dauerte ein paar Sekunden, bis Origins Worte zu ihr durchgedrungen waren.
„Aber hast du nicht gerade gesagt, sie werden nicht in diese Zeit zurückkehren?“, fragte Lloyd verwirrt.
„Das werden sie auch nicht“, bestätigte Origin. „Die Zeitgesetze verhindern das. Raine, von allen Anwesenden sollte dir das am meisten bewusst sein.“
Raine stand auf und wischte sich die Tränen weg, während neue Hoffnung ihren Körper flutete und die Dunkelheit in ihrem Herzen vertrieb. „Ja. Die Zeit, die sie in der Vergangenheit verbringen, wird bis zu ihrer Rückkehr auch hier vergangen sein.“
„Und das bedeutet …?“, fragte Colette unschlüssig.
„Sie werden in rund acht Jahren zurückkehren“, antwortete Raine gefasst. Sie hätte sich natürlich gewünscht, dass es anders wäre, dass sie ihre Kinder sofort hätte zurückholen können. Aber sie wusste, dass das nicht möglich war.
Doch dank Origin wusste sie immerhin, dass Mani und Nimué zurückkehren würden und das würde ihr die Kraft geben, die Zeit bis dahin zu überstehen.

°~°~°

Jahr 3088 lum.

Mani lag wach in seinem Bett, während er über sein bisheriges Leben nachdachte.
Er und Nimué waren in Heimdall nicht gerade unbeschwert aufgewachsen; weil sie ihre Magie nicht kontrollieren konnten, waren sie von den meisten anderen Kindern gehänselt worden und dass sie mit den Sternen sprechen konnten, hatte das Ganze nicht besser gemacht.
Ihre Eltern hatten sie auf ihre Weise sicherlich geliebt, aber sie hatten Mani und Nimué nicht so akzeptiert, wie sie waren und hatten des Öfteren erwähnt, dass sie sich wünschten, die beiden wären normal.
Dennoch hatte es die Zwillinge schwer getroffen, als ihre Eltern beim Angriff auf Heimdall gestorben waren. Der neue König Nitu hatte sie zusammen mit ein paar anderen Kindern aufgenommen und ihnen seine Vision, der Welt zu zeigen, dass man Elfen nicht unterschätzen sollte, nähergebracht. Er hatte sie in Meltokio für den Krieg ausbilden lassen wollen und Mani hatte geglaubt, dass es auch das war, was er und Nimué wollten.
Aber dann war Serenity aufgetaucht. Sie hatte König Nitu getötet und den Zwillingen die Schrecken des Krieges veranschaulicht, indem sie die beiden mit aufs Schlachtfeld genommen hatte.
Noch immer lief ein kalter Schauer über Manis Rücken, wenn er an das Blut, die Schreie und die Leichen dachte. Serenity hatte ihn und seine Schwester davor bewahrt, diese Hölle näher kennenzulernen und Mani war ihr dankbar dafür. Aber noch dankbarer war er dafür, dass sie ihn und Nimué bei sich aufgenommen und ihnen ein Zuhause geboten hatte. Sie war außerdem die erste Person, die ihn und seine Schwester so akzeptiert hatte, wie sie waren und sie glaubte ihnen sogar, dass sie mit den Sternen sprechen konnten.
Mani und Nimué liebten sie dafür, als wäre sie ihre richtige Mutter und Mani hoffte, dass sie nie wieder von ihr getrennt sein würden. Serenity hatte ihnen genau das zwar versprochen und Mani glaubte auch, dass sie dieses Versprechen aufrichtig halten wollte, aber dennoch hatte Mani das ungute Gefühl, dass alles anders kommen würde. Vermutlich war das auch der Grund, warum er nicht schlafen konnte.
Er richtete sich auf und sah zu dem Bett, in dem seine Schwester lag. „Nim, schläfst du?“
Seine Schwester richtete sich ebenfalls auf und schüttelte den Kopf.
„Lass uns nach draußen gehen“, schlug Mani vor. „Vielleicht hilft es, wenn wir den Sternen zuhören …“
Die Zwillinge zogen sich etwas über und verließen daraufhin das Gästezimmer der Mavis-Villa, in dem sie untergebracht worden waren, und schlichen die Treppe hinab, um niemanden zu wecken.
Sie begaben sich nach draußen in den Garten, der von einer dicken Schneeschicht bedeckt war. Mani legte einen Arm um seine Schwester und drückte sie an sich, da sie vor Kälte leicht zitterte.
Die Zwillinge richteten ihren Blick in den Himmel, der von Sternen übersät war und es dauerte nicht lange, bis sie das vertraute Flüstern der Gestirne vernahmen.
»Ihr müsst zurückkehren.«
„Zurückkehren? Wohin?“, fragte Mani verwundert.
»Der Fluss der Zeit brachte euch einst hierher. Nun wird er euch zurückbringen.«
„Aber wohin?!“, fragte Mani erneut, dieses Mal leicht genervt. Er war es gewohnt, dass die Sterne sich kryptisch ausdrückten, aber diese Nacht störte es ihn mehr als sonst.
»Zu euren Eltern.«
„Unsere Eltern sind tot“, widersprach Mani kopfschüttelnd. „Und abgesehen davon haben wir jetzt Seri. Sie ist unsere neue Mutter.“
Aber die Sterne gingen darauf nicht ein. »Eure Eltern warten schon sehr lange …«
Plötzlich waren Mani und Nimué von einem hellen Licht umgeben.
„Was …?“, murmelte Nimué erschrocken.
Mani registrierte, dass die Umgebung um ihn herum zu flimmern anfing. Was auch immer gerade mit ihnen passierte, eine Sache verstand er sofort: Sie würden von Serenity getrennt werden. „Nein! Seri!“ Er hatte die Hoffnung, dass sie seine Rufe vielleicht hören würde, aber als das Licht sie komplett umgab, wusste er, dass es zu spät war.
„Mani …“, murmelte Nimué nach ein paar Sekunden und als Mani seine Augen wieder öffnete, erkannte er, dass sie immer noch im Garten der Villa waren. Allerdings lag dort kein Schnee mehr und auch der Garten an sich sah ein wenig anders aus. Es gab eine Schaukel und eine Rutsche, dafür fehlten einige Bäume, die vorher im Garten gestanden hatte.
Mani runzelte die Stirn und sah hinauf in den Himmel, der allmählich heller wurde. Doch es war noch dunkel genug, um zu erkennen, dass auch die Sterne anders aussahen als zuvor. Nicht nur ließen die Sternbilder darauf schließen, dass Februar war, sondern es fehlten auch einige Sterne, die sonst eigentlich zu sehen hätten sein müssen.
„Wo … sind wir?“, murmelte Mani verwirrt.
„Nicht wo …“, flüsterte Nimué kopfschüttelnd. „Wann. Die Sterne haben etwas vom Fluss der Zeit gesagt.“
„Du meinst, wir sind durch die Zeit gereist?“, schlussfolgerte Mani.
Seine Schwester nickte.
Mani knirschte mit den Zähnen. „Dann müssen wir einen Weg finden, wieder zurückzureisen! Seri wird sich sonst Sorgen machen …“
»Eure Eltern warten …«, hörten sie das Flüstern der Sterne.
„Haltet die Klappe!“, fuhr Mani die Sterne an. „Wir müssen zurück zu Seri!“
Nimué legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm. „Lass uns reingehen und herausfinden, wie weit wir gereist sind.“
Mani schnaubte, als er einsah, dass seine Schwester recht hatte. Momentan konnten sie nicht wirklich viel machen; sie wussten ja nicht einmal, wie sie durch die Zeit gereist waren.
Die Zwillinge begaben sich zu der Tür, die jedoch verschlossen war. Kurzerhand klopfte Mani an und war dabei nicht darauf bedacht, leise zu sein, auch wenn es noch mitten in der Nacht war.

°~°~°

Jahr 7223 lum.

Zelos träumte gerade, dass er mit Sheena einen romantischen Tag am Meer verbrachte, ohne ihre beiden Kinder, die sie normalerweise auf Trab hielten.
Sie saßen gerade am Strand und betrachteten den wunderschönen Sonnenuntergang, doch als Zelos seine Frau gerade küssen wollte, hörte er ein Klopfen gefolgt von einem „Macht die Tür auf!“.
Zelos brauchte einen Moment, bis er verstand, dass das Klopfen und die Rufe nicht Teil seines Traums, sondern Realität waren.
„Zelos …“, murmelte Sheena schlaftrunken. „Sag den Kindern, sie sollen nicht so einen Krach machen …“
„Ich glaube, das sind nicht die Kinder …“, erwiderte Zelos gähnend.
„Egal … Mach, dass es aufhört …“
Kurz darauf stürmte ihre kleine Tochter Faye in das Schlafzimmer und sprang aufs Bett. „Mommy, Daddy, jemand klopft an die Tür zum Garten!“
Zelos rieb sich die Augen. „Wer ist um diese Uhrzeit denn in unserem Garten?“
„Weiß nicht“, antwortete Faye. „Aber Shin will es herausfinden und die Tür öffnen.“
Zelos war mit einem Mal hellwach. „Was?!“ Er sprang auf und stürmte aus dem Zimmer. Er polterte die Treppe hinab und sah gerade noch, wie sein dreizehnjähriger Sohn Shin die Gartentür öffnete.
„Shin, warte!“, rief Zelos, aber da war die Tür schon offen.
Herein kam jedoch nicht wie befürchtet ein Schwerverbrecher oder – Martel bewahre – ein Handelsvertreter ohne Zeitgefühl, sondern zwei kleine Kinder, kaum älter als Faye. Mit ihren hellblauen Haaren kamen sie Zelos irgendwie bekannt vor, obwohl er sich sicher war, sie nie zuvor gesehen zu haben.
„Wer seid ihr denn?“, fragte Zelos perplex, während sich die Kinder im Salon umsahen.
„Es sieht wirklich alles anders aus …“, murmelte der Junge bedrückt.
„Ja, aber schau“, sagte das Mädchen und deutete auf die Standuhr, die an einer Wand stand.
Nachdem Raine erzählt hatte, wie wichtig diese für seine Vorfahren gewesen war, hatte Zelos sie aus dem Keller geholt. Sie besaß allerdings nur einen emotionalen Wert, weshalb Zelos das Interesse der Kinder, die offenbar nach Wertgegenständen Ausschau hielten, nicht recht verstand. „Hört zu, ihr mögt ja noch jung sein, aber wenn ihr glaubt, ihr könntet hier etwas stehlen …“
Er verstummte, als Sheena die Treppe herunterkam und beim Anblick der fremden Kinder sagte: „Ihr zwei … Kann es sein, dass …?“
Zelos sah sie verwundert an, während sie ihre Schritte beschleunigte. „Kennst du die beiden etwa?“
„Fällt dir die Ähnlichkeit denn nicht auf, Zelos?“, seufzte Sheena, während sie vor den Kindern hockte und sie betrachtete. „Ihr seid Mani und Nimué, richtig?“
„Oh!“, entfuhr es Zelos, als er verstand. Kein Wunder, dass ihm die Kinder so bekannt vorgekommen waren.
Die Augen der Kinder weiteten sich derweil.
„Woher weißt du das?“, fragte der Junge misstrauisch.
Sheena lächelte freundlich. „Weil eure Mutter gesagt hat, dass ihr eines Tages hier auftauchen würdet.“
„Unsere Mutter?“, wiederholte Nimué leise.
„Sie wird so froh sein, dass ihr endlich hier seid“, seufzte Sheena.
„Pah! Ist mir egal!“, schnaubte Mani. „Nim und ich müssen wieder zurück!“
„Zurück wohin?“, fragte Zelos. „In die Vergangenheit?“
„Dann sind wir … in der Zukunft?“, fragte Nimué leise.
„Ja“, bestätigte Sheena. „Das ist sicherlich ein Schock für euch, aber eure Eltern werden euch alles erklären.“
Sheena drehte sich zu ihrem Sohn. „Shin.“
Der Junge schien zu verstehen und eilte davon.
„Shin wird eure Eltern anrufen“, erklärte Sheena den Zwillingen. „Sie dürften dann gleich hier sein.“
„Warum ist immer wieder die Rede von unseren Eltern, wenn diese schon längst tot sind?!“, brauste Mani auf.
„Das waren nicht eure richtigen Eltern“, erklärte Zelos. „Ihr wurdet in dieser Zeit geboren und seid kurz darauf in die Vergangenheit gereist. Die Leute, bei denen ihr aufgewachsen seid, müssen euch gefunden und aufgenommen haben.“
„Deshalb … konnten sie uns vielleicht nicht so akzeptieren, wie wir sind …“, murmelte Nimué.
„Ist mir egal, ob sie unsere richtigen Eltern waren oder nicht …“, presste Mani hervor. „Wir haben bereits eine Mutter und wir werden zu ihr zurückkehren!“
„Das seid ihr bereits“, ertönte eine neue Stimme hinter ihnen.

°~°~°

Als Mani die Stimme hörte, glaubte er im ersten Moment, er würde träumen. So abwegig war es doch auch gar nicht; vielleicht war das alles nur ein verrückter Traum.
Aber als er sich umdrehte und die Frau mit den kinnlangen weißen Haaren sah, wusste er irgendwie, dass es kein Traum war, auch wenn er weit entfernt davon war zu verstehen, was hier eigentlich genau vor sich ging. „Seri …?“
Serenity war im nächsten Moment bei ihnen und zog ihn und Nimué schluchzend in eine Umarmung. „Ich habe so lange auf diesen Tag gewartet …“
Mani verstand zwar nicht, wie es sein konnte, dass Serenity in dieser Zeit war, aber es war ihm in diesem Moment auch egal. Wichtig war nur, dass er und Nimué wieder bei ihr waren.
„Seri …“, murmelte Nimué. „Diese Leute haben gesagt, sie würden unsere Eltern anrufen … Bedeutet das …“
Serenity löste sich von den beiden und sah sie lächelnd an. „Ja. Ich bin eure Mutter.“ Sie fuhr Nimué durch die Haare. „Eure richtige Mutter.“
Mani freute sich darüber so sehr, dass er Serenity erneut umarmte und sie zu Boden warf.
„Haaa, den Platz als Lieblingselternteil kann ich mir wohl abschminken“, seufzte ein Mann, den Mani bisher gar nicht wahrgenommen hatte.
„Keine Sorge, Dad, du bist mein Lieblingselternteil“, erwiderte ein Mädchen mit hellblauen Haaren neben ihm, das vielleicht zwölf Jahre alt war.
„Danke, Yuvia“, sagte er, während er einen Arm um ihre Schulter legte und sie an sich drückte.
Wenn Mani seine Worte richtig deutete, war er wohl sein und Nimués Vater. Er kam ihm aus irgendeinem Grund bekannt vor, aber Mani wusste nicht, warum.
Seine Schwester schien hingegen eine konkrete Vorstellung zu haben. „Yuan?“
Der Mann grinste. „Ihr könnt euch also noch an mich erinnern. Ich muss zugeben, dass es wohl etwas seltsam ist … Wir sind zusammen aufgewachsen und nun stellt sich heraus, dass ich euer Vater bin …“
„Unsere Familienverhältnisse waren schon immer etwas verworren“, bemerkte Serenity lachend. „Aber das ist egal. Ich würde diese Familie für kein Geld der Welt hergeben wollen.“
„Eine Familie …“, murmelte Mani, während ihm Tränen in die Augen stiegen.
„Jep, wir sind eine Familie“, sagte das Mädchen, das wohl Yuvia hieß, breit grinsend. „Und ich bin so froh, dass ich nach acht Jahren endlich meine kleinen Geschwisterchen kennenlernen darf.“

°~°~°

Es war ein paar Tage später, dass Raine die Zwillinge mit nach Asteria nahm, wo sie auf die Welt gekommen waren.
Die beiden waren von dem Ort, an dem man mehr Sterne als sonst wo sehen konnte, vollkommen fasziniert und konnten nun auch verstehen, warum sie so stark mit den Sternen verbunden waren.
„Kurz, nachdem ihr geboren wart, sind zig Sternschnuppen über den Himmel gerast“, erklärte Raine, als sie mit ihren beiden Kindern auf der Wiese lag und in den Sternenhimmel sah. „Und dann wart ihr auf einmal von einem hellen Licht umgeben. Als ich verstand, was das bedeutete, war es bereits zu spät und ihr wart verschwunden …“
„Warst du traurig?“, fragte Nimué.
„Natürlich war ich traurig, sehr sogar. Ich wollte euch sofort zurückholen …“
„Aber das wäre doch gar nicht möglich gewesen“, widersprach Mani. „Wir mussten schließlich in der Vergangenheit aufwachsen, um dich treffen zu können.“
Raine nickte. „Ja, das wusste ich auch. Aber ich wollte es nicht wahrhaben. Ich wollte das Schicksal und die Vergangenheit ändern, aber es war mir nicht möglich.“
„Es ist ungerecht, dass wir getrennt wurden“, brummte Mani schmollend.
„Ja, das ist es …“, stimmte Raine ihm zu. „Und vielleicht ist das Schicksal so ungerecht und trennt uns erneut. Deswegen sollt ihr eins wissen: Ganz gleich, ob wir zeitlich oder räumlich voneinander getrennt sind, wir werden immer wieder zueinander finden. Wir sind wie der Mond und die Sterne, verbunden durch den gleichen Himmel.“
Mani und Nimué schmiegten sich an sie und zusammen sahen sie dabei zu, wie eine einzelne Sternschnuppe über den Himmel jagte. In diesem Moment wünschten sie sich alle drei, dass sie nie wieder voneinander getrennt sein würden und vielleicht würde dieser Wunsch sogar in Erfüllung gehen …

°~°~°~°

Es war gar nicht mal so leicht, sich zu entscheiden, wo die beiden wohnen sollen. Aber ich denke, die Nähe von Sybak ist doch irgendwie passend. Ich persönlich kann Sybak zwar nicht viel abgewinnen, aber es ist eine Stadt, die zu den beiden passt. Palmacosta wäre auch noch eine Möglichkeit gewesen, aber auch daran hat Raine schlechte Erinnerungen (Dorrs Tod und dass sie dort in der Nähe gelandet ist, nachdem ihre Eltern sie und Genis beim der Tor der Welten ausgesetzt hatten).

Ich mag Lloyd hier. ^^ Irgendwie so erwachsen, so besonnen. =)

Ich habe Manis und Nimués Leben hier ein bisschen zusammengefasst, aber besser versteht man es, wenn man SdZ liest. Witzigerweise lade ich diesen Freitag bei SdZ das Kapitel hoch, in dem Mani und Nimué das erste Mal auftauchen. xD

Es ist durchaus möglich, dass Mani und Nimué nur mit Hilfe der Sterne durch die Zeit reisen können – und vielleicht auch nur dann, wenn es notwendig ist. Ich habe mich nicht wirklich damit beschäftigt. xD

Zelos‘ und Sheenas Kinder mussten einfach Faye und Shin heißen. =) Ist dadurch auch noch mal ein kleiner Bezug zu Silbernebel/Stein des Herzens, auch wenn Shin (a.k.a. Ashton) dort eigentlich nur deren Adoptivsohn ist. ^^“

Jaaa … Es ist wohl etwas schnulzig geraten. Egal. xD

Äh ja, Mani und Nimué sind mit Yuan aufgewachsen, bis Yuan nach dem Angriff auf Heimdall verschwunden ist … Und die Zwillinge kannten auch Raine als Kind. Wie Raine schon sagt: Verworrene Familienverhältnisse. xD Das bleibt bei Zeitreisen halt nicht aus. xD

Vorschau:

Kapitel 39 (Mithos hat sie alle mit dem Ewigen Schwert zum Boair zurückgebracht):

„Es hat funktioniert!“, rief Mithos begeistert. „Jetzt können wir nach Derris-Kharlan und nach dem Göttlichen Keim suchen. Und dann müssen die beiden Könige auf uns hören!“
„Beruhige dich, Mithos“, ermahnte seine Schwester ihn. „Zunächst einmal sollten wir etwas essen. Warum besorgt ihr Jungs nicht schon mal Feuerholz, während Elaine und ich unsere Vorräte aus dem Boair holen?“
„Das klingt vernünftig“, stimmte Kratos ihr zu. „Aber ich glaube nicht, dass es drei Leute braucht, um Feuerholz zu holen.“

(Ja, ich dachte mir dann, dass das ein verdammt guter Einwand von Kratos ist und wusste dann nicht so recht, wie Martel das kontern soll. xD)

Das war jetzt ein zufällig ausgewähltes Outtake, aber es passte ganz gut von der Länge. =)

Bis nächste Woche, eure Fina =3
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