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Pandæmonium

von DelFina18
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Genis Sage Raine Sage Sheena Fujibayashi Yuan Zelos Wilder
17.04.2017
11.02.2019
100
318.187
1
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83 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.11.2018 3.854
 
Hi!

Heute ist es also so weit: Ihr bekommt das letzte Kapitel und den Epilog zu lesen. Ein bisschen wehmütig ist mir ja schon, auch wenn es noch nicht ganz das Ende ist …

Dieses Kapitel kann ich euch zur musikalischen Untermalung drei Lieder empfehlen:

-     Early Summer Rain von Yasuharu Takanashi (aus Naruto Shippuden) – bei der Beerdigung
-     Come Home von OneRepublic – bei der Szene mit Yuan (eigentlich für seine Stimmung fast zu fröhlich, aber egal xD)
-     Coming Home (Part II) von Skylar Grey – zum Ende hin, würde zu Raines Gedanken passen, wenn ich sie niedergeschrieben hätte xD

Und damit wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. ;)

~ Kapitel 85: Das Licht der Hoffnung ~

~ „Ein Brief ist eine Seele. Er ist ein so treues Abbild der geliebten Stimme, die spricht, dass empfindsame Seelen ihn zu den köstlichsten Schätzen der Liebe zählen.“ ~
Honoré de Balzac (1799 – 1850)

Liebe Raine!
Ich hoffe, es geht dir gut, wo auch immer du jetzt bist … Es fällt mir immer noch schwer zu akzeptieren, dass wir dich wohl nie wieder sehen werden, deswegen will ich wenigstens für einen Moment so tun, als wärst du einfach nur auf einer Reise und weit weg.
Es ist so viel geschehen, seit du das Pandæmonium betreten hast und ich glaube, es wird Zeit, dir davon zu berichten.
Ich werde wohl nie vergessen, wie du in dem Torbogen gestanden und wehmütig zu uns gesehen hast. Im Gegensatz zu uns wusstest du, dass es das letzte Mal sein würde, dass wir uns sehen …
Yuan wollte das aber nicht akzeptieren. Er hat geschworen, einen Weg zu finden, dich zurückzuholen und ist sofort mit dem Licht verschmolzen, obwohl du ihn darum gebeten hast, dich loszulassen.
Die anderen sind unterschiedlich mit der Situation umgegangen. Einige haben akzeptiert, dass du nicht zurückkommst, andere haben gehofft, dass Yuan Erfolg hat und ein paar haben genau wie Yuan Nachforschungen angestellt, um einen Weg zu finden, dich zurückzuholen. Aber am Ende … schwand bei uns allen die Hoffnung.
Es tut mir leid, Raine … Vielleicht hätten wir nicht so schnell aufgeben sollen, aber … ich möchte glauben, dass du das verstehst. Letztendlich hättest du sicherlich nicht gewollt, dass wir unsere Leben mit dem Versuch verschwenden, das Unmögliche möglich zu machen.
Also sind wir alle – bis auf Yuan natürlich – in unser normales Leben zurückgekehrt. Lloyd und Colette haben nun ein eigenes Haus in Iselia. (Das Miasma hat sich nach Verschwinden des Pandæmoniums überall in Luft aufgelöst und auch die Löcher in Iselia, Luin und Palmacosta haben sich wie durch Geisterhand wieder geschlossen.) Colette hat einen gesunden Jungen zur Welt gebracht, den sie und Lloyd Viktor genannt haben. Lloyd hat mir erzählt, dass das der Name war, den Kratos Lloyd eigentlich hatte geben wollen und er dachte, dass es seinen Vater sicherlich freuen würde, wenn sein Enkelsohn nun so heißt. Lloyd und Colette sind jedenfalls tolle Eltern und ich zweifle nicht daran, dass Viktor zu einem guten, großherzigen Mann heranwachsen wird.
Zelos und Sheena haben geheiratet und erwarten inzwischen auch ein Kind. Ihre Wohnsituation war lange Zeit etwas chaotisch, da Sheena Mizuho nicht verlassen wollte, Zelos aber in Meltokio bleiben musste, weil Prinzessin … ich meine … Königin Hilda ihn zu ihrem engsten Berater ernannt hat. Erst vor kurzem hat Sheena beschlossen, ihren Posten als Oberhaupt von Mizuho an Orochi abzugeben und zu Zelos nach Meltokio zu ziehen. Wie ich gehört habe, hat sie sich jetzt den Verstreuten Knochen angeschlossen. Sie hat gesagt, dass sie damit in die Fußstapfen ihres Vaters tritt – wer auch immer ihr Vater war. Sie hat mir nur mal gesagt, dass du ihn gekannt hast.
Yuan ist spurlos verschwunden; wir haben schon lange nichts mehr von ihm gehört. Deshalb hat Regal auch jede Menge zu tun; schließlich boomt das Geschäft der Magi Corp und Regal kann sich kaum noch vor Arbeit retten. Glücklicherweise hilft ihm Pascal, die mit Feuereifer immer neue Dinge erfindet.
Teren und Téméraire leiten derweil die Abtrünnigen, die inzwischen einen neuen Namen haben. Kuchinawa, der nun auch dabei ist, hat den Vorschlag gemacht, die Organisation ‚POLIZEI‘ zu nennen, was für ‚problemorientierte, liberale, investigative, zielgerichtete, eigenständige Institution‘ steht und Teren und Téméraire haben den Vorschlag angenommen.
Wie auch immer, die Polizei (immer noch gewöhnungsbedürftig) hat inzwischen in jeder Stadt und jedem Dorf eine Niederlassung, in der die Bewohner um Hilfe bitten können, ganz gleich, ob es um einen Diebstahl oder eine entlaufene Katze geht. Finanziert wird das Ganze von den Regierungen, die das Ganze wiederum von Steuergeldern bezahlen – so wurde es uns zumindest im Unterricht erklärt.
Ja, ich bin jetzt Schüler der Akademie von Palmacosta. Nachdem ich so lange auf Reisen war, ist es wirklich schön, endlich wieder in einer Schule zu sitzen und zu lernen. Lloyd kann das natürlich nicht nachvollziehen, aber ich habe das wirklich vermisst …
Das Beste ist aber eigentlich, dass Presea ebenfalls hier ist. Sie hatte keine Ahnung, was sie machen sollte, zumal sie in Ozette immer noch eine Außenseiterin ist und daher habe ich ihr vorgeschlagen, mit mir zu kommen. Der Unterricht scheint ihr Spaß zu machen, insofern war es wohl die richtige Entscheidung. Und außerdem … Na ja … Wir sind jetzt ein Paar. Ich kann mein Glück deshalb immer noch kaum fassen und ich bin schon so manches Mal aufgewacht und hatte die Befürchtung, es wäre nur ein Traum gewesen, aber nein, wir sind tatsächlich zusammen.
Ich wünschte nur, ich könnte dir das persönlich sagen … und dich um Rat fragen, wenn ich mich wieder mal nicht entscheiden kann, was ich Presea zu besonderen Anlässen schenken soll. Mom steht mir natürlich mit Rat und Tat zur Seite und ich bin froh, dass sie wieder in meinem Leben ist, aber … ich vermisse dich. Du hast mich großgezogen; vierzehn Jahre lang warst du nicht nur meine Schwester, sondern auch meine Mutter und daran kann auch Mom nichts ändern, auch wenn ich weiß, dass es sie traurig stimmt.
Sie ist mit mir nach Palmacosta gekommen und arbeitet inzwischen in der Schulbibliothek. Weißt du, manchmal, wenn sie über eins der Bücher gebeugt ist, darin liest und nachdenklich eine Hand an ihr Kinn legt, sieht sie dir zum Verwechseln ähnlich … Vielleicht ist das auch der Grund, warum Richard sich so oft in ihrer Nähe aufhält.
Er macht sich immer noch Vorwürfe, dass er dich nicht beschützen konnte, aber ich sage ihm immer wieder, dass er nichts hätte ändern können, weil ich weiß, dass du ihm das auch sagen würdest.
Weißt du, eine Zeit lang habe ich geglaubt, dass es ein Zeichen sein muss, dass Richard noch am Leben ist. Das muss schließlich bedeuten, dass du ebenfalls noch lebst, richtig? Aber als ich Richard darauf angesprochen habe, meinte er, dass das nicht unbedingt der Fall sein muss, weil eure Verbindung gekappt worden sein könnte, als er auf Derris-Kharlan war und du in Heimdall damals gestorben bist.
Und somit ist das Einzige, was wir sicher wissen, dass du zusammen mit dem Pandæmonium verschwunden bist und womöglich nicht mehr existierst … Und deshalb … Ich wollte das eigentlich nicht, aber die anderen meinen, es wird Zeit, endlich loszulassen … Deshalb … werden wir heute … einen leeren Sarg begraben …
Es tut mir leid, Raine … Ich würde gerne länger an der Hoffnung festhalten, dass du noch am Leben bist, aber es ist jetzt schon ein Jahr vergangen … Die anderen haben vermutlich recht; wir müssen endlich akzeptieren, dass du nicht zurückkehren wirst. Aber wenn wir dich nicht begraben und nicht so tun, als wärst du wirklich gestorben, werden wir dich wohl nie loslassen können …
Raine, eins muss ich dir noch sagen. Es muss schwer gewesen sein, mich ganz alleine aufzuziehen, obwohl du selbst noch ein Kind warst, und ich bewundere dich dafür, dass du mich nicht irgendwo zurückgelassen hast, um es selbst einfacher zu haben … Du bist bei mir geblieben und hast mich nie im Stich gelassen und ich bereue, dass ich dir nie habe sagen können, wie dankbar ich dafür bin. Danke, Raine, dass du meine Schwester warst. Ich hätte mir keine Bessere wünschen können.
Ich werde dich nie vergessen und immer lieben.
In Liebe,
dein Bruder Genis


°~°~°

„Haltet ihr euch eigentlich auch noch woanders auf?“
Yuuki und Silvia sahen auf, als Yamir und Hikaria sich dem Springbrunnen näherten, an dem die beiden Seelen saßen. Seit einem Jahr schauten sie nun jeden Tag ins Wasser, das ihnen jeden beliebigen Ort in der Welt der Lebenden zeigen konnte – wobei sie sich meistens auf Heimdall beschränkten – und hofften darauf, Raine zu finden.
Eigentlich hätten sie schon längst wiedergeboren werden müssen, aber sie hatten sich geweigert, das Reich der Seelen zu verlassen, solange Raine nicht zurück in der Welt der Lebenden war.
„Sie muss einfach zurückkehren“, murmelte Yuuki, wie er es so oft tat. Es war fast schon zu einer Art Mantra geworden. „Gibt es wirklich keine Möglichkeit, sie aus dieser Zwischendimension zu holen?“
Die Schöpferin seufzte. „Die Antwort ist die gleiche wie die letzten Male auch: Nein.“
Silvia sah ins Wasser, das zeigte, wie immer mehr von Raines Freunden in Heimdall zusammenkamen. „Es bricht mir das Herz zu sehen, wie sehr ihre Freunde darunter leiden … Allen voran Yuan, der vollkommen besessen davon ist, Raine zurückzuholen und kaum noch Kontakt zu anderen Personen hat …“
„Reist er immer noch zu den Portalen und versucht, einen Weg zu finden, hierher zu kommen?“, fragte Yamir kopfschüttelnd.
Silvia nickte bedrückt.
„Es wird ihm nichts bringen, selbst, wenn es ihm gelingen würde“, bemerkte Hikaria. „Schließlich ist Raine nicht hier.“
Yamir sah nun ebenfalls ins Wasser und runzelte die Stirn. „Sie versammeln sich alle in Heimdall?“
„Ja. Heute ist es ein Jahr her, dass Raine das Pandæmonium betreten und nie wieder zurückgekehrt ist. Sie wollen Raine jetzt offiziell als tot erklären und einen leeren Sarg begraben.“
„Heißt das, sie errichten auch einen Grabstein?“, fragte Yamir mit ernster Stimme.
„Davon ist auszugehen“, erwiderte Silvia.
„Mit ihrem Namen drauf?“, hakte Yamir nach.
„Was ist das für eine Frage?“, entgegnete Yuuki ein wenig gereizt. „Natürlich mit ihrem Namen drauf.“
Yamir und Hikaria wechselten daraufhin einen Blick, der Yuuki überhaupt nicht gefallen wollte.
„Was?“, fragte Yuuki, während er abwechselnd zwischen den beiden hin und her sah.
„Früher hat man Grabsteine nicht errichtet, um sich an die Verstorbenen zu erinnern“, begann Hikaria zögerlich zu erzählen. „Man gravierte den Namen eines Verstorbenen in einen Stein, um zu verhindern, dass er in der Welt der Lebenden sein Unwesen als Geist trieb. Die meisten Seelen kamen zwar nach ihrem Tod hierher, aber es gab auch einige, die aus verschiedenen Gründen in der Welt der Lebenden zurückgehalten wurden. Jedenfalls hat ihr Name auf einem Grabstein sie gezwungen, ins Reich der Seelen zu wandern.“
„Und was hat das mit Raine zu tun?“, fragte Silvia verwirrt. „Sie ist kein Geist.“
„Das nicht, aber der Grabstein könnte verhindern, dass sie in die Welt der Lebenden zurückkehrt“, erklärte Yamir. „Und dann bleibt sie tatsächlich in der Zwischendimension gefangen.“
„Verdammt!“, knurrte Yuuki, während er durch das Wasser nach Heimdall sah. „Der Grabstein wurde bereits errichtet!“
„Ich werde in die Welt der Lebenden reisen und ihn zerstören“, beschloss Yamir, aber Hikaria schüttelte den Kopf und sagte: „Das wird nichts bringen. Du kannst zwar den Grabstein zerstören, aber nicht die Magie, die durch ihn entstanden ist.“
„Das heißt, wir können nichts tun?“, fragte Silvia schockiert.
Hikaria schwieg einen Moment und schien nachzudenken. „Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die Magie zu neutralisieren. Aber das kann nur eine einzige Person.“
Während Yuuki und Silvia sie ratlos ansahen, nickte Yamir und sagte: „Yuan. Sein Wunsch, Raine zurückzuholen dürfte groß genug sein.“
„Dann musst du in die Welt der Lebenden reisen und Yuan davon erzählen“, gab Yuuki von sich.
Der Zerstörer seufzte. „Ich bin mir nicht sicher, ob er mir glauben würde. Und wenn er daran zweifelt, wird es womöglich nicht funktionieren.“
„Es gibt aber vielleicht noch eine andere Möglichkeit, Kontakt mit Yuan aufzunehmen“, wandte Hikaria ein. „Da sich Yuan immer nah bei einem Portal befindet, kann eine Seele, zu der er eine starke Bindung hat, vielleicht mit ihm reden.“ Ihr Blick wanderte zu Silvia. „Ich denke, dafür kommst nur du in Frage.“
Silvia strich sich unsicher eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. „Wäre seine richtige Mutter nicht besser dafür geeignet?“
Hikaria schüttelte den Kopf. „Du hast mehr Zeit mit ihm verbracht als seine leibliche Mutter, mehr als jede andere Seele hier. Wenn du keinen Kontakt zu ihm herstellen kannst, kann es niemand.“
Silvia nickte und stand auf. „In Ordnung. Ich versuche es.“

°~°~°

Schritte hallten durch die Dunkelheit, begleitet von einem bläulichen Lichtschimmer, der sich immer weiter nach unten bewegte.
Es war nicht das erste Mal, dass Yuan sich in den Tempel der Dunkelheit begab, in der Hoffnung, dass er dieses Mal durch das Portal schreiten konnte. Er reiste seit einem Jahr von einem Portal zum nächsten, hatte es bisher aber noch nicht geschafft, durch eins zu reisen und das Reich der Seelen zu erreichen. Denn wenn Raine irgendwo zu finden war, dann dort.
Er erreichte den Altarraum, der immer noch genauso düster und verlassen war wie das letzte Mal, als er hier gewesen war. Aber immerhin war er inzwischen in der Lage, die Portale zu spüren, auch wenn sie für seine Augen unsichtbar und seinen Körper unberührbar waren.
Er streckte seine Hand nach der Energie aus, die sich unmittelbar vor ihm befand und obwohl dabei nie zuvor etwas geschehen war, wurde ihm auf einmal schwarz vor Augen.

°~°~°

„Yuan! Yuan, hörst du mich?“
Eine bekannte Stimme hallte durch die Schwärze, die Yuan umgab. Er hatte seine Augen geöffnet und konnte doch nichts sehen. Oder vielleicht gab es auch einfach nichts zu sehen.
„Yuan, wenn du mich hören kannst, sag etwas!“
„Silvia …?“, murmelte er verwirrt. Silvia war tot, genau wie der Rest seiner Familie. Er erinnerte sich noch schmerzhaft daran, wie sie sich für ihn geopfert hatte.
„Ein Glück, du hörst mich“, seufzte Silvia erleichtert. „Du musst mir zuhören, Yuan!“
Erst jetzt wurde ihm so richtig bewusst, dass gerade eine Tote zu ihm sprach und er sich das Ganze nicht nur einbildete. Oder vielleicht doch? Er schien sich schließlich an keinem realen Ort zu befinden. Oder hatte er es dieses Mal doch ins Reich der Seelen geschafft? Aber etwas mehr als pure Schwärze hatte er dann doch erwartet.
„Wo bist du?“, fragte er schließlich in die Dunkelheit. „Wo bin ich?“
„Das spielt jetzt keine Rolle. Hör mir einfach zu, es ist sehr wichtig!“, gab Silvia ernst von sich. „Für Raine wurde ein Grabstein errichtet und ihr darauf eingravierter Name wird es ihr unmöglich machen, jemals in die Welt der Lebenden zurückzukehren.“
„Sie … wird zurückkehren?“ Yuans Herz klopfte wie verrückt, als Hoffnung sein System flutete.
„Sie wäre schon längst zurückgekehrt, aber es gab Komplikationen“, erklärte Silvia. „Momentan ist sie in einer Zwischendimension und wir wissen nur, dass sie nicht zurückkehren kann, solange der Grabstein existiert. Yuan, du bist der Einzige, der nicht nur den Grabstein, sondern auch die mit ihrem Namen verbundene Magie zerstören kann, weil dein Wunsch, sie zurückzuholen, größer als alles andere ist.“
„Das ist er in der Tat“, brummte Yuan. „Das heißt, wenn ich den Grabstein zerstöre, kommt Raine zurück?“
Einen Moment lang blieb es still.
„Nein … Nicht unbedingt. Aber wenn du den Grabstein nicht zerstörst, wird sie definitiv nicht zurückkehren können.“
„Dann weiß ich, was ich zu tun habe“, erwiderte Yuan entschlossen und im nächsten Moment befand er sich wieder im Tempel der Dunkelheit, die Hand immer noch ausgestreckt.
Er ließ sie sinken und verschmolz mit dem Licht, um sich nach Heimdall zu begeben.

°~°~°

Genis starrte wie gebannt auf den Namen seiner Schwester, der in verschnörkelter Schrift auf dem Grabstein gemeißelt worden war.
Ihn darauf zu sehen, machte ihren vermeintlichen Tod so wirklich, mehr noch als die Beerdigung des leeren Sargs und die Trauerrede des Priesters, der Genis nur mit halbem Ohr lauschte.
Am liebsten hätte er das Ganze abgebrochen, denn er wollte nicht in einer Realität leben, in der seine Schwester als tot erklärt worden war. Aber er wusste, dass er loslassen musste. Er musste akzeptieren, dass Raine nicht zurückkehren würde.
Sein Verstand wusste das, aber sein Herz wehrte sich dagegen. Es fühlte sich alles so falsch an, fast, als wäre alles nur ein dummer Irrtum und Raine würde jeden Moment hinter einem der Bäume hervortreten …
Sein Herz setzte einen Moment lang aus, als tatsächlich jemand zwischen den Bäumen hervortrat und klopfte umso schneller weiter, als er sich für eine Sekunde der Illusion hingab, es könnte sich tatsächlich um Raine handeln.
Aber schon kurz darauf musste er feststellen, dass es natürlich nicht Raine war. Dafür war es jemand, mit dem er ebenfalls nicht gerechnet hatte. „Yuan …“
Er sah schlimm aus; seine Haare waren zu einem unordentlichen Zopf gebunden, seine Haut grau und fahl, sein Gesicht unrasiert und seine Augen, unter denen sich dunkle Schatten befanden, hatten einen irren Glanz.
Als er sich zielstrebig dem Grabstein näherte und etwas vor sich hinmurmelte, das Genis nicht verstand, wurden auch die anderen auf ihn aufmerksam.
„Yuan, wo zur Hölle bist du gewesen?“, fragte Teren, der seinem Freund in den Weg trat, ihn an den Schultern packte und besorgt ansah. „Du siehst schrecklich aus!“
„Lass mich los“, brummte Yuan, den Blick starr auf den Grabstein gerichtet. „Ich muss ihn zerstören … nur dann kann sie zurückkommen …“
„Er ist verwirrt“, meinte Téméraire. „Vermutlich ist er dehydriert.“
„Komm, ich bring dich zum Gasthaus“, sagte Teren und wollte Yuan wegführen, aber dieser stieß Teren unsanft weg und rannte zum Grabstein, bis er von Regal und Zelos aufgehalten wurde.
„Lasst mich! Ich muss den Grabstein zerstören! Nur dann kann Raine zurückkommen!“
Der Priester hatte inzwischen seine Rede unterbrochen und war ein Stück zurückgewichen. Für ihn war Yuan vermutlich nur ein Irrer, der die Beerdigung stören wollte.
Und obwohl es vollkommen verrückt klang, was Yuan sagte, kam Genis mit einem Mal der Gedanke, dass er vielleicht recht hatte. Vielleicht hatte er irgendetwas herausgefunden und er war gar nicht verrückt geworden. Mal abgesehen davon hätte Genis den Grabstein selbst gerne zerstört gesehen. Einen Grabstein, der für eine Realität stand, die er einfach nicht akzeptieren konnte und wollte.
„Lasst ihn los“, forderte er Zelos und Regal daher auf.
„Er ist vollkommen durchgedreht“, gab Regal zu bedenken, während er und Zelos den zappelnden Yuan in einem schraubstockartigen Griff festhielten.
„Lasst. Ihn. Los!“, zischte Genis nachdrücklich und holte drohend sein Kendama hervor.
Regal und Zelos zögerten noch einen Moment, ließen Yuan aber schließlich los.
Dieser hob seine Doppelklinge auf, die ihm aus der Hand gefallen war, als Regal und Zelos ihn aufgehalten hatten und stürmte zum Grabstein.
Einen Moment lang blieb Yuan ruhig davor stehen, dann hob er seine Doppelklinge und zog diese quer über den Grabstein, der daraufhin in zwei Teile zerbrach.
Ein paar Sekunden lang blieb es still, bis Téméraire fragte: „Toll, und was hat das jetzt gebracht? Den Grabstein zu zerstören, macht Raine auch nicht wieder lebendig.“
„Nein“, gab Yuan zu. „Aber jetzt kann sie wieder zurückkehren.“
„Wie kommst du überhaupt darauf?“, wollte Sheena wissen.
„Silvia hat es mir gesagt.“
„Silvia ist tot“, wandte Zelos ein.
„Ganz genau“, erwiderte Yuan. „Deswegen weiß sie darüber auch mehr als wir.“
„Du bist vollkommen verrückt“, schnaubte Regal. „Raine ist tot! Sie wird nicht zurückkehren, ganz gleich, was du auch tust!“
Yuan sah ihn wütend an. „Raine ist nicht tot! Sie ist in einer Zwischendimension und sie wird zurückk…“ Er verstummte mit einem Mal und drehte sich zum zerstörten Grabstein um.
Genis fragte sich gerade, was mit ihm los war, als Yuan plötzlich murmelte: „Ein Portal …“ Er streckte seine Hand aus und auf einmal breitete sich von dort ein helles Licht aus, das sie blendete.
Als es weg war und Genis blinzelnd seine Augen öffnete, konnte er kaum glauben, was er sah, denn in Yuans Armen befand sich niemand anderes als Raine.
„Das ist unmöglich …“, murmelte Teren fassungslos.
Raine hingegen lächelte nur und sagte: „Ich bin zurück.“
Und Genis konnte nicht anders, als gleichzeitig zu lachen und zu weinen und zu denken, dass in Bezug auf Raine wohl nichts unmöglich war.

°~°~°~°

Ich muss zugeben, ich habe echt gerne an diesem Brief geschrieben. ^-^ Irgendwie sind solche Brief-Szenen voll cool. =)

Ja, Lloyd und Colette haben einen Jungen bekommen. ^^ Einfach nur, damit sie ihn Viktor nennen konnten. xD Es wird sich vermutlich kaum noch einer daran erinnern, aber in Panakeia (ja, laaaaange her xD) hat Kratos Lloyd gegenüber erwähnt, dass er ihm diesen Namen hatte geben wollen, bis Anna interveniert hat. xD (Hab ich mir im Übrigen ausgedacht und basiert auf keinerlei Fakten.)

Wer jetzt denkt: „Wie, Zelos und Sheena werden hier einfach nur in einem Nebensatz abgehandelt?“, der kann sich noch auf ein sehr lustiges Zusatzkapitel zu den beiden freuen. ;) (Im Übrigen mein Lieblings-Zusatzkapitel. ^^)

Eigentlich hätte ich auch gerne noch Hubert aus Tales of Graces erwähnt, der mit Pascal zusammenarbeiten sollte (weil das mein Lieblingspairing aus o. g. Spiel ist), aber irgendwie fand ich das hier nicht so passend. Wenn ihr also auch Hubert x Pascal-Fans seid, dann stellt euch einfach vor, dass die beiden zusammenarbeiten. xD

Ihr glaubt gar nicht, wie lange ich schon diese Idee mit ‚POLIZEI‘ hatte. xDDD Erinnert ihr euch an diese Szene ziemlich am Anfang, als Yuan sich fragt, wie es mit den Abtrünnigen weitergehen soll und Genis ein paar Kapitel später außerdem vorschlägt, dass die Abtrünnigen sich umbenennen sollten? Ich glaube, zu dem Zeitpunkt habe ich mir das überlegt. xD Wenn ich mich nicht irre, hatte ich das mit ‚POLIZEI‘ sogar schon früher drin, habe es dann aber in die Outtakes gepackt, weil es noch nicht wirklich reinpasste … *nachschau* Hmm, nee, offenbar doch nicht … o.O Dann wollte ich es wohl nur schreiben und hab es auf später verschoben. xD
Ehrlich gesagt habe ich auch lange überlegt, ob ich es wirklich einbaue, weil ichs zwar einerseits cool finde, aber andererseits auch bescheuert. xD Aber wie ihr seht, habe ich es dann doch eingebaut. ;)

Ja, dass Genis und Presea jetzt auch ein Paar sind, ist wohl nicht wirklich überraschend. Für Gesea-Fans tut es mir ein bisschen leid, dass die beiden hier in einem Nebensatz abgehandelt werden (und zu den beiden gibt es im Übrigen kein Zusatzkapitel ^^“), aber da wollte mir nicht so wirklich etwas einfallen, sorry. ^^“

Ich hoffe, der Brief ist mir halbwegs traurig gelungen. =3

Ich find die Idee mit den Grabsteinen eigentlich ziemlich cool, war auch wieder so eine Spontanidee. xD (Das sind teilweise aber echt die besten Ideen. ^^)

Im Tempel der Dunkelheit hat ein Teil der Story (Raines und Genis‘) angefangen, wisst ihr noch? Deswegen musste es auch das Portal dort sein, dass ich in diesem Kapitel einbaue. =)

Ich liebe diese Beerdigungsszene. =) Ich stell mir das einfach so unglaublich traurig vor … vor allem für Genis, der einfach nicht wirklich wahrhaben will, dass seine Schwester tot sein soll. Und dann taucht Yuan auf, der vollkommen durchgedreht wirkt und doch Genis irgendwie Hoffnung macht … ^^

Okay, Regal hat sich hier wohl nicht gerade beliebt gemacht. xDD

She’s back! ^-^ (Wer hätte das bloß gedacht? xDD) Ich denke, ich habe die Szene ganz gut hinbekommen, nicht zu übertrieben … Oder was meint ihr?

Hier jetzt dann keine Vorschau und Verabschiedung, weil ja gleich noch der Epilog kommt. ;)
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