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Pandæmonium

von DelFina18
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Genis Sage Raine Sage Sheena Fujibayashi Yuan Zelos Wilder
17.04.2017
11.02.2019
100
318.187
1
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83 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.10.2018 3.356
 
Hey!

Juchuuu, Urlaub! (Für eine Woche.) Gott sei Dank, hab heute morgen nämlich schon von einer Kollegin gehört, dass heute wieder richtig Stress auf der Arbeit ist (die Hälfte unserer Monteure ist krank, davon 100 % unserer Heizungsmonteure, was während der Heizperiode nicht so prickelnd ist). Schätze, ich habe mir die richtige Woche für Urlaub ausgesucht. xD (Wobei mir meine Kollegin natürlich leidtut … ^^“)

Aber kommen wir zu erfreulicheren Dingen, nämlich dieses Kapitel. ^^ Macht euch gefasst auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. =) Und bei der Versöhnung kann ich euch im Übrigen dieses Lied empfehlen.

Also viel Spaß beim Lesen! =)

~ Kapitel 79: Streit und Versöhnung ~

~ „Der Liebenden Streit die Liebe erneuert.“ ~
Terenz (195/190 oder 185/184 – 159/158 v. Chr.)

An der Tür der Kapelle in Altamira hing kein Schild mehr, was bedeutete, dass Lydia wohl aus ihrem Urlaub zurück war. Raine hatte zwar nur wenig Hoffnung, dass Lydia bereits so früh da war, aber trotzdem klopfte sie an die Tür. Zu ihrer Überraschung wurde diese aber tatsächlich kurz darauf von einer verschlafenen Lydia geöffnet.
„Wir machen erst in zwei Stunden auf“, murmelte sie schlaftrunken. „Und für heute habe ich keine Termine mehr für Hochzeiten frei …“
„Ich brauche keinen Termin für eine Hochzeit. Im Gegenteil, ich will mich scheiden lassen.“
Lydia rieb sich über die Augen und schien sie dann endlich zu erkennen. „Raine Ka-Fai, richtig?“
Raine biss sich auf die Unterlippe; sie war noch nie mit diesem Nachnamen angesprochen worden und der Gedanke, dass das auch nie wieder der Fall sein würde, trieb ihr Tränen in die Augen.
„Komm doch rein“, bat Lydia sie. „Wir reden über alles bei einer schönen Tasse Kaffee. Du siehst so aus, als könntest du jetzt etwas Warmes gebrauchen.“ Sie spielte damit offenbar auf Raines durchnässten Zustand an.
Raine folgte ihr in ihr Büro, das einem bürokratischen Schlachtfeld glich; überall lagen Ordner, Dokumente, Stifte und Marker.
„Diese verdammte Buchhaltung“, fluchte Lydia. „Ich bin dabei gestern Abend eingeschlafen, sonst wäre ich noch gar nicht hier.“ Sie verschwand in der angrenzenden Küche und setzte Kaffee auf, während Raine sich auf die Kante eines Stuhls vor dem Schreibtisch setzte, darauf bedacht, ihn nicht allzu nass zu machen.
„Also, meine Liebe, warum willst du dich scheiden lassen?“, fragte Lydia kurze Zeit später, als sie Raine ein Handtuch gereicht hatte.
„Es passt einfach nicht“, murmelte Raine, während sie sich die Haare trocknete.
„Das kann ich mir nicht vorstellen“, entgegnete Lydia kopfschüttelnd. „Ihr beide seid so ein schönes Paar. Wenn wir deinem Mann nicht den Film gegeben hätten, würde jetzt hier ein Bild von euch hängen.“ Sie deutete auf die Wand hinter dem Schreibtisch, an dem viele Bilder von verliebten Pärchen vorm Altar hingen. Lydia war einen Moment in ihren Gedanken verloren. „Deine Eltern sind doch wohl nicht der Grund für die Scheidung?“
Einen Augenblick lang war Raine verwirrt, bis ihr wieder einfiel, dass sie damals behauptet hatten, ihre Eltern wären gegen die Verbindung, um den Film zu bekommen. „Nein. Wie ich schon sagte, passt es einfach nicht“, wiederholte Raine. „Ich will die Scheidung.“
Lydia seufzte, während sie in die Küche ging und den Kaffee holte. Als sie zurückkam, reichte sie Raine eine dampfende Tasse. „So einfach ist das nicht. Ich kann eine Scheidung nur durchführen, wenn sie einvernehmlich ist. Dein Mann muss seine schriftliche Zustimmung geben.“
„Können Sie nicht eine Ausnahme machen?“, wollte Raine wissen. Sie glaubte zwar, dass Yuan ihr die Zustimmung ohne Probleme geben würde, aber sie wusste nicht, ob sie die Scheidung durchziehen würde, wenn sie die Kapelle jetzt verließ.
„Nein, tut mir leid“, erwiderte Lydia.
„Ich bezahle Sie auch.“
Lydia seufzte und rieb sich die Schläfen. „Ich bin nicht bestechlich. Dein Mann muss hierherkommen und das Scheidungsformular zusammen mit dir unterschreiben.“
„Es muss doch aber möglich sein …“, begann Raine, als sie bemerkte, dass Lydia ihre Aufmerksamkeit auf die Tür ihres Büros gerichtet hatte, in der ein durchnässter Yuan stand.
Raine sah ihn entgeistert an. Wieso war er hier? Woher hatte er gewusst, dass sie hier sein würde, wenn er sich an diesen Ort vermutlich nicht erinnern konnte? Andererseits hatte er sich auch an das Zimmer im Schloss erinnern können – nur sie hatte in der Erinnerung gefehlt.
Aber wenn er sich nur an diesen Ort, aber nicht an sie erinnern konnte, wieso war er dann hier? Bedeutete das etwa … er konnte sich doch wieder an sie erinnern?
Nur am Rande bekam sie mit, wie Lydia auf Yuan einredete und ihm von der Scheidung abriet, weil sie doch so ein schönes Paar wären.
„Tut mir leid, aber wir werden uns scheiden lassen.“ Yuan sagte dies mit einer Bestimmtheit, die nicht nur Lydia verstummen ließ, sondern auch Raine jegliche Hoffnung nahm. Wie auch immer es kam, dass er nun hier war, der Grund konnte unmöglich sein, dass er sich wieder an sie erinnerte, ansonsten hätte er der Scheidung wohl nicht zugestimmt.
Sie kämpfte mit den Tränen, während Lydia seufzend die Scheidungspapiere vorbereitete, die sie schließlich zu Raine und Yuan schob, damit sie diese unterschrieben.
Kaum, dass Raine mit zitternder Hand ihre Unterschrift auf das Papier gebracht hatte, ließ sie den Stift fallen, als hätte sie sich daran verbrannt.
„Was für ein Jammer“, murmelte Lydia, während sie Yuan und Raine jeweils eine Durchschrift überreichte und das Original in einen Ablagekorb warf. „Hiermit seid ihr nun offiziell geschieden.“
Raine nickte nur und stand auf. Sie war nicht in der Lage, etwas zu sagen und wollte nur hier raus, irgendwohin, wo sie sich die Augen ausheulen konnte.
Aber als sie gehen wollte, hielt Yuan ihr Handgelenk fest.
„Warte, Raine.“
Sie versuchte sich loszumachen, denn seine Berührung und seine Nähe machten alles nur schlimmer und führten ihr schmerzhaft vor Augen, was sie für immer verloren hatte.
Doch Yuans Griff war sanft, aber dennoch eisern. „Sieh mich an, Raine.“
Sie reagierte nicht, bis er mit seiner anderen Hand sanft ihr Gesicht in seine Richtung drehte. „Ich habe dieser Scheidung nur aus einem Grund zugestimmt: Ich wollte eine zweite Chance haben, es dieses Mal richtig zu machen.“ Er ging plötzlich auf die Knie, während er ihr den Verlobungsring hinhielt. „Willst du meine Frau werden – erneut?“
Raine sah ihn einen Moment lang sprachlos an, bis ein Sturm der Gefühle in ihr ausbrach. Ein Teil von ihr schrie ja und wollte ihm einfach in die Arme fallen, aber ein anderer Teil warnte sie davor, dass sie ihm nicht trauen durfte, dass sie keinen Beweis hatte, dass er sich wieder an alles erinnern konnte und dass ihr Herz es nicht verkraften würde, erneut enttäuscht zu werden. Hatte sie nicht gerade erst akzeptiert, dass sie ihn loslassen musste? Was, wenn es nur ein Test vom Schicksal war?
Also ignorierte sie die freudig-euphorische Stimme in ihrem Inneren und sagte leise: „Ich weiß nicht, was für ein Spiel du hier spielst, aber ich werde nicht darauf reinfallen.“
Yuan war einen Moment lang so perplex, dass sie sich losmachen konnte und sie wandte sich erneut zum Gehen, aber wieder kam sie nicht weit. Dieses Mal schlang er von hinten seine Arme um sie.
„Yuvia. Ich habe dir doch versprochen, dass alles gut werden würde“, flüsterte er in ihr Ohr und sie erstarrte, während sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Das Wort ‚Yuvia‘ hatte für sie beide eine besondere Bedeutung und dass er es nun benutzt hatte, konnte nur eins heißen …
Sie drehte sich langsam zu ihm um. „Du … erinnerst dich?“
Yuan nickte und lächelte. „Tut mir leid, dass ich das nicht gleich gesagt habe. Ich dachte … Ach, ich weiß auch nicht.“
Raine fiel Yuan schluchzend um den Hals und hatte vor, ihn nie wieder loszulassen.
„Es tut mir leid, dass ich dir so viel Schmerz zugefügt habe“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Und dass ich mich die letzten Tage wie ein Volltrottel aufgeführt habe.“
Raine schüttelte den Kopf, während sie sich an ihn klammerte.
Er strich ihr beruhigend über den Rücken. „Raine … Ich warte übrigens immer noch auf eine Antwort.“
Sie löste sich gerade weit genug von ihm, um in sein amüsiertes Gesicht schauen zu können. Als sie ihn verwirrt ansah, hielt er den Ring hoch.
Raine wischte sich über die Augen, was nicht viel brachte, da die Tränen einfach kein Ende nahmen. „Ja …“, brachte sie schließlich schluchzend hervor. „Natürlich.“
Yuan lächelte und schob ihr den Ring auf den Ringfinger der linken Hand, bevor er sie küsste.
Raine wünschte sich, dass dieser Moment ewig dauern würde, denn sie wusste, dass das Schicksal sie früher oder später für kurz oder lang wieder voneinander trennen würde. Vielleicht war sie mit der Zeit zur Pessimistin geworden, aber sie konnte nicht mehr daran glauben, dass ihre Geschichte mit einem Happy End enden würde – nicht zuletzt, weil ihre Begegnung mit Yuans Tochter wie ein Damoklesschwert über ihr schwebte. Aber gerade, weil sie wusste, dass ihre Zeit miteinander vermutlich begrenzt war, wollte sie jeden Moment mit ihm auskosten.
Ein geräuschvolles Schnäuzen machte den beiden schließlich bewusst, dass Lydia ja auch noch da war.
Von irgendwo hatte die stämmige Frau eine Kamera hervorgeholt und die ganze Szene offenbar gefilmt. „Das war wunderbar … Wenn ihr wollt, traue ich euch gleich hier und jetzt. Ihr braucht euch nicht umzuziehen und die anderen Termine sage ich ab.“
Yuan und Raine wechselten einen kurzen Blick und sie brauchten nicht miteinander zu sprechen, um zu wissen, dass sie sich einig waren.
„Nein, dieses Mal werden wir eine richtige Hochzeit feiern“, erklärte Yuan. „Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und mit Gästen. Aber wir würden uns freuen, wenn Sie uns wieder trauen würden.“
Lydia nickte eifrig. „Sehr gerne. Gebt mir Bescheid und ich werde alles stehen und liegen lassen.“
Sie verabschiedeten sich von Lydia und verließen die Kapelle Händchen haltend. Aber kaum, dass sie draußen waren, sah sich Raine mit einer störenden Frage konfrontiert: „Was machen wir jetzt? Ich kann nicht zurück ins Schloss …“
„Ich verstehe zwar immer noch nicht, was du da gestern Abend abgezogen hast, aber ich vertraue darauf, dass du deine Gründe hattest.“ Er drückte ihre Hand. „Ich vertraue dir.“ Er zog sie an sich und sah ihr tief in die Augen. „Warum lassen wir dieses Thema nicht fürs Erste einfach ruhen? Ich finde, nach all den Missverständnissen und Komplikationen haben wir ein bisschen Zeit für uns verdient, denkst du nicht?“
Raine nickte und genoss es, ihm so nahe zu sein. „Was schwebt dir vor?“
„Nun … Wir hatten damals keine Flitterwochen. Mir ist natürlich klar, dass wir keine Zeit haben, um jetzt mehrere Tage Urlaub zu machen, aber gegen ein paar Stunden kann wohl keiner etwas sagen, oder? Zumal der Tag gerade erst begonnen hat. So schnell wird mich wohl keiner vermissen.“
„Klingt gut. Und was machen wir?“
Yuan grinste schelmisch. „Na ja, hier um die Ecke ist gleich ein Hotel, das sicherlich eine Hochzeitssuite hat …“
Sie wusste natürlich, was er damit sagen wollte. Und natürlich wünschte sie sich nichts sehnlicher, als ihm so nah wie möglich zu sein. Und dennoch empfand sie bei dem Vorschlag eine gewisse Panik, was Yuan nicht verborgen blieb.
Er sah sie besorgt an. „Wenn du noch nicht so weit bist …“
Raine schüttelte den Kopf. „Yuan, ich hatte mehr als genug Zeit und wir müssen jede Sekunde nutzen, die wir zusammen haben. Also lass uns gehen.“ Doch ganz gleich, wie entschlossen sie sich auch gab, das mulmige Gefühl blieb.

°~°~°

Yuan bemerkte, dass Raine unruhig war und es wurde noch schlimmer, als sie in der Hochzeitssuite waren. Er versuchte herauszufinden, was sie so beunruhigte, aber sie blockte ab und behauptete, dass alles in Ordnung wäre.
Um ihn von weiteren Fragen abzuhalten, küsste sie ihn und in der Tat war das eine gute Ablenkungsstrategie – zumindest, bis sie auf dem Bett lagen und Yuan anfing, Raine auszuziehen.
Plötzlich richtete sie sich abrupt auf und schluchzte: „Ich kann das nicht!“
„Ich kann es dir beibringen“, scherzte Yuan. „So schwer ist das nicht. Und du bist sicherlich ein Naturtalent.“
Raine schüttelte verzweifelt den Kopf. „Es ist nicht mein erstes Mal, Yuan.“
Yuan richtete sich seufzend auf. „Davon bin ich auch nicht ausgegangen, Raine. Bei Martel, du hast schon über viertausend Jahre gelebt. So keusch ist nicht einmal ein Priester.“
„Du verstehst das nicht, Yuan“, flüsterte Raine, während ihr die Tränen über die Wangen strömten. „Ich … Ich habe dich betrogen.“ Die Schuld war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.
Er wischte ihr sanft die Tränen weg. „Ist es länger als zwei Jahre her?“
Raine nickte.
„Dann spielt es keine Rolle.“
„Aber …“
„Raine.“ Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah sie liebevoll an. „Wie ich schon gesagt habe, erwarte ich von niemandem, dass er über viertausend Jahre lang keusch bleibt. Natürlich hoffe ich, dass du nicht jede Nacht einen anderen hattest.“
„Nein, natürlich nicht, aber … es war nicht einfach nur …“ Raine verstummte und Yuan wusste nicht, ob sie einfach nur nicht wusste, wie sie es sagen sollte oder ob sie Angst hatte, es auszusprechen.
„Es waren Gefühle im Spiel, wolltest du das sagen?“ Er hoffte, dass er sich irrte. Es war eine Sache, dass Raine mit anderen Männern geschlafen hatte – hätte sie es nicht getan, wäre sie vermutlich irgendwann durchgedreht –, aber es war etwas anderes, wenn es mit einem oder – Martel bewahre – mehreren ernst gewesen war. Der Gedanke, dass Raine ihr Herz an jemand anderes verschenkt haben könnte – wenn auch nur kurz –, versetzte Yuan einen Stich.
Aber zu seinem Leidwesen nickte Raine und sie gestand: „Einer lag mir sehr am Herzen …“
„Ich hoffe, er ist tot.“ Die Worte waren schneller über seine Lippen, als er darüber nachdenken konnte.
Raine sah ihn mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit, Schmerz und Wut an und er sagte schnell: „Es tut mir leid, ich …“
„Er ist tot“, unterbrach ihn Raine mit eisiger Stimme. „Hyou starb vor knapp zwanzig Jahren.“
Yuan sah sie entgeistert an. „Hyou? Du hattest was mit Sheenas Vater?!“
„Woher weißt du, dass er Sheenas Vater war?“
„Ich … äh …“, stammelte Yuan verlegen. „Das ist doch egal! Wie konntest du etwas mit ihm anfangen?!“
„Das ist über viertausend Jahre her!“, rechtfertigte sich Raine aufgewühlt, während sie aufstand. „Und ich war damals nicht ganz ich selbst, ich hatte mein Gedächtnis verloren.“
„Das hatte ich auch und trotzdem bin ich nicht mit der Erstbesten ins Bett gestiegen, die mir schöne Augen gemacht hat!“ Yuan wusste, dass sein Ausbruch nicht zu seinem Verständnis vor ein paar Minuten passte, aber er konnte nichts gegen die giftige Eifersucht tun, die durch seinen Körper strömte – auch wenn sein Konkurrent schon lange tot war.
„Das ist überhaupt nicht vergleichbar!“, fauchte Raine. „Ich hatte komplett vergessen, wer ich war, du hingegen konntest dich nur nicht an mich erinnern! Und außerdem kannst du mir nicht weismachen, dass du nicht auch schon die eine oder andere Beziehung hattest!“
„Ach, jetzt sprechen wir schon von Beziehungen?!“ Yuan stand nun ebenfalls auf und stellte sich vor Raine. „So ernst war es also zwischen dir und Hyou?! Habe ich ein Glück, dass er tot ist!“
Im nächsten Moment brannte seine Wange von der Ohrfeige, die Raine ihm verpasst hatte. Sie sah ihn noch einen Augenblick lang verletzt an, bevor sie ohne ein weiteres Wort das Zimmer verließ.
Yuan blieb ein paar Minuten reglos stehen, bis ihm allmählich bewusst wurde, was soeben passiert war.
„Verdammt“, fluchte er leise. „Ich bin so ein Idiot …“ Er eilte zur Tür und riss diese auf, nur um festzustellen, dass Raine davor stand, ihr Gesicht tränenüberströmt und die Hand zum Klopfen erhoben.
Einen Moment lang sahen sie einander sprachlos an, bevor sie zeitgleich sagten: „Es tut mir leid.“
„Warum entschuldigst du dich, Raine?“, fragte Yuan überrascht. „Ich bin der Idiot.“
Raine schüttelte den Kopf. „Ich habe dir wehgetan, auch wenn das nie meine Absicht war.“ Sie ging an ihm vorbei und setzte sich auf das Bett. „Hyou hat mir wirklich viel bedeutet, aber wir waren nie füreinander bestimmt.“
Yuan setzte sich neben sie. „Es tut mir leid, dass ich so schlecht über ihn gesprochen habe. Mir ist einfach eine Sicherung durchgebrannt.“
Raine griff nach seiner Hand. „Lass es uns einfach vergessen, ja? Wir haben zu wenig Zeit, um uns zu streiten.“
Yuan nickte. „Da hast du recht. Es ist nicht die Vergangenheit, die zählt, sondern die Zukunft.“ Er streichelte ihre Wange, die noch feucht von ihren Tränen war, bevor er sie küsste.
„Yuan“, murmelte sie zwischen den Küssen.
„Was?“
„Können wir woanders hingehen?“
Yuan runzelte verwundert die Stirn. „Wieso? Gefällt es dir hier nicht?“ Er sah sich in dem Hotelzimmer um, das seiner Meinung nach ganz nett eingerichtet war. Der helle Teppich war weich, die Wände mit schönen Landschaftsbildern geschmückt, die Tischecke mit einer Flasche Champagner versehen und das große Himmelbett mit Rosenblüten verziert.
„Ich … Dieser Ort …“ Sie schüttelte den Kopf. „Bitte, lass uns einfach woanders hingehen.“
Yuan hob eine Augenbraue, während er sich fragte, ob sie dieses Zimmer wohl irgendwie mit Hyou in Verbindung brachte. Kurz spürte er wieder die Eifersucht aufwallen, aber er kämpfte sie sofort nieder und nickte stattdessen. „Okay. Und wo willst du hin?“
Sie hielt ihm auffordernd eine Hand hin. „Lass dich überraschen.“
Yuan grinste und nahm ihre Hand. Die Umgebung veränderte sich um ihn herum und im nächsten Moment befand er sich in einer schlichten Holzhütte mit einem Bett, einem Tisch, zwei Stühlen, einer kleinen Kochnische, leeren Regalen und einer Tür, die vermutlich ins Badezimmer führte.
„Wo sind wir hier?“, wollte Yuan wissen.
„Silvias Dimension.“
Yuan schüttelte den Kopf. „Die sah anders aus. Und außerdem dürfte sie doch gar nicht mehr existieren.“
Raine hob ihre Hand und aus der schlichten Holzhütte wurde eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung mit modernen Möbeln und einem kleinen Springbrunnen, der fröhlich vor sich hinplätscherte. „Diese Dimension gab es schon, bevor Silvia darin verbannt wurde, insofern ist es doch nicht verwunderlich, dass es sie immer noch gibt. Allerdings kann man sie nur finden, wenn man das weiß. Und sobald wir sie beide verlassen haben, wird sie wieder ihren Urzustand einnehmen.“
„Warum machst du dir dann die Mühe, hier etwas zu ändern?“, fragte Yuan, während er Raine an sich heranzog und ihr grinsend zuflüsterte: „Schließlich ist alles, was wir brauchen, ein Bett.“

°~°~°~°

Mir ist natürlich klar, dass eine Scheidung wohl kaum so schnell vonstatten geht. Aber in der Welt von ToS kann natürlich alles anders sein. =p

Ja, die Szene, wo Yuan Raine den Antrag macht, ist wohl ein bisschen strange. xD Aber ich hatte diese Szene schon so ewig geplant, dass ich auf sie einfach nicht verzichten konnte, auch wenn sich zwischenzeitlich so viel geändert hatte, dass sie nicht mehr ganz so super reinpasste. xD Ursprünglich sollte es übrigens auch bei dieser Szene sein, dass Raine Kratos‘ Feder wegwirft und erst hier über ihn hinweg ist. Hätte jetzt natürlich überhaupt nicht mehr gepasst, insofern bin ich froh, dass ich das schon sehr viel früher gemacht habe. ^^

Manch einer von euch denkt jetzt vielleicht, dass Yuan viel zu verständnisvoll ist und er Raine löchern müsste, was das am Abend zuvor zu bedeuten hatte. Aber er vertraut Raine nun mal und ihm kam das alles ja sogar schon komisch vor, bevor er seine Erinnerungen zurückhatte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Raines Geständnis, dass sie etwas mit Hyou hatte, auch etwas schockierend ist. xD Ich kann dazu nur sagen: Lest SdZ und ihr werdet verstehen, wie es dazu gekommen ist.
Natürlich hat Raine auch mit ein paar anderen Männern geschlafen (ich sag nur 4000 Jahre), aber mit keinem von denen war es wirklich ernst. Und auch, wenn Yuan hier nicht darauf eingeht, aber natürlich hat auch er schon mit der ein oder anderen Frau geschlafen.

Ich musste diesen Streit jedenfalls einbauen und ich finde, er ist sogar relativ nachvollziehbar … Die Versöhnung geht vielleicht ein bisschen zu schnell, aber letztendlich ist es ja nun mal so, dass die beiden tatsächlich keine Zeit für einen Streit haben. Raine ist das sogar bewusster als Yuan, was ihr nächstes Kapitel noch verstehen werdet.

Was die beiden als Nächstes machen, ist wohl mehr als offensichtlich. =p

Vorschau:
Yuan runzelte verwundert die Stirn. „Warum erzählt Yuuki dir das alles? Will er sterben?“
„Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, nicht darüber zu sprechen?“, fragte Raine seufzend, bevor sie ihre Hände auf seine Schultern legte. „Das Einzige, was zählt, ist, dass du mir vertraust.“
Yuan nahm eine ihrer Hände und küsste sie. „Das tue ich.“

Bis nächste Woche, eure Fina =3
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