Schneeweißchen und Rosenrot

von Onny
GeschichteFamilie, Fantasy / P12
16.04.2017
05.02.2020
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16.04.2017 551
 
Prolog



Es war einmal eine dunkle und stürmische Novembernacht. Der Wind peitschte den Regen in Böen über das Land, sprach vom nahenden Winter und zwang die letzten dürren Blätter von den im Sturm zitternden Bäumen. Es war eine Nacht jener Art, die man möglichst vor einem warmen, flackernden Kaminfeuer hinter fest verschossenen Fenstern und Türen verbringen sollte, ohne auch nur eine Gedanken daran zu verschwenden, das Haus zu verlassen.
Dennoch, der Lauf der Welt lässt sich nicht vom Wetter aufhalten, und so öffneten sich beinahe gleichzeitig zwei Türen.
Die erste gehörte zu einem bescheidenen kleinen Häuslein, fast schon einer Hütte, ergeben an den Saum eines uralten Waldes geduckt. Nur einen Spalt öffnete sich die Tür, ehe eine schmale Gestalt heraus schlüpfte und sie vorsichtig wieder schloss. Entschlossenen Schrittes trat sie in den strömenden Regen, den Mantel eng um sich gehüllt und ein kleines Bündel in der Hand. An der Gartenpforte blieb sie noch einmal stehen, zögerlich drehte sie sich um. Ihr Blick verweilte kurz auf dem kleinen Gebäude, es schien sie zurückrufen zu wollen, zurück nach Hause. Die junge Frau schloss kurz die Augen, dann wandte sie sich wieder ab und schritt aus der Pforte. Ein Windstoß riss ihr die Kapuze vom Kopf, sie setzte sie nicht wieder auf,  die schweren Regentropfen durchnässten  ihr rotes Haar und liefen über ihr Gesicht, doch sie lächelte.
Die zweite Tür war eigentlich ein Tor, das eines Schlosses. Nicht das des schwer bewachten, prunkvollen Haupteinganges, sondern ein kleines Wirtschaftstor, normalerweise wurden hier Lieferungen für die Küche entgegengenommen. Jetzt rollte ein Reihe von Karren hinaus, mit abgeblendeten Laternen und grimmig schweigenden Kutschern. Das Heulen des Sturmes übertönte das Klappern der Räder auf dem Pflaster, und mit Passanten war bei diesem Wetter um diese Uhrzeit ohnehin nicht zu rechnen. Kaum hatte der letzte Wagen den Küchenhof verlassen, schloss sich das Tor hinter ihnen wieder, als wären sie nie da gewesen.

Der nächste Morgen brachte einen fahlen, bewölkten Tag hervor. Das Unwetter war vorüber, der Himmel wirkte erschöpft. Nun entdeckte man, was die Sturmnacht hervorgebracht hatte.
Hatte man andernorts mit umgestürzten Bäumen und beschädigten Dächern zu kämpfen, war die kleine Hütte am Waldrand von solcherlei Unbill verschont geblieben. Dennoch war den beiden Bewohnerinnen keine Freude darüber anzusehen. Eine Frau mit verhärmten Gesichtszügen starrte mit leeren Augen ins Nichts, ein Stück zerknittertes Papier in den Händen. Ihre Tochter mühte sich, das Feuer wieder zu entzünden und bereitete ein einfaches Frühstück vor, doch dabei weinte sie.
Im Schloss fand man unterdessen den königlichen Schatzmeister gefesselt in seinem Gemach, den Kronprinzen verschwunden und einen sehr wütenden Bären in einer ansonsten völlig leeren Schatzkammer vor. Der König schickte Suchtrupps los, gleichzeitig wurde beschlossen, die momentane Pleite der Regierung besser nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Niemand konnte sich einen Reim auf die Geschehnisse machen, und niemand ahnte, das soeben der Untergang des Königreichs begonnen hatte.





***AN***


Mein erstes Projekt auf dieser Seite war damals eine sehr dramatische, räuber- und bürgerkriegslastige Version von Schneeweißchen und Rosenrot mit allerlei Herzschmerz, die ich schnell auf dem Handy getippt hatte und irgendwann aus Gründen der Peinlichkeit löschen musste. Irgendwie hat mich die Sache aber nie so wirklich losgelassen, deshalb hier der zweite Versuch. Keine Ahnung, ob der besser wird, aber immerhin nutze ich diesmal einen Laptop samt Rechtschreibprogramm zum schreiben x)
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