Zorro - Vermächtnis und Verantwortung

von Syrenaya
CrossoverAbenteuer / P16
OC (Own Character) Zorro
16.04.2017
14.01.2019
24
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Kapitel 1 - Zorros Tod

Unter ihm im Tal lag ein kleines Gehöft. Vor der Scheune waren vier Pferde angebunden und drei weitere sah er vor dem Wohnhaus stehen. Die großen Torflügel der Scheune standen weit offen, ihr Inneres lag im Dunkeln. Da, die Luke über dem Tor hatte sich bewegt und nun erkannte er im Spalt auch einen Gewehrlauf.
Auf der Terrasse des Wohnhauses spendete eine Laterne ein wenig Licht und in ihrem Schein spielten 4 Soldaten Karten, vermutlich Poker. Das Licht machte sie blind für ihre Umgebung und das Spiel lenkte sie zusätzlich ab. Im Haus - wahrscheinlich dem Wohnraum - sah er ebenfalls Licht. Hatten sie dort den Jungen? Im ersten Stock auf dem Balkon machte er einen Schatten aus und hinter einem der Fenster war auch eine Bewegung zu sehen gewesen.
Natürlich war es eine Falle. Es war immer eine Falle - mal wieder und wieder extra für ihn ausgelegt. Dennoch konnte er den Jungen nicht in den Händen Don Rafael Moncadas lassen. Wahrscheinlich würde der Dominik nicht töten, wie er seiner Mutter angedroht hatte. Schließlich war es sein eigen Fleisch und Blut, doch wissen konnte man es bei einem Mann wie Don Rafael nie. Dafür hatte er den Zehnjährigen schon zu oft wegen Kleinigkeiten verprügelt.
Endlich, ein paar Wolken zogen am Himmel auf und würden Zorro die Möglichkeit geben, an die Rückseite der Scheune zu gelangen. Es gab nur wenig Deckung zwischen den Gebäuden und dem Hügel auf dem er wartete. Mit einem Sprung war er auf Tornados Rücken und trabte hinter der Hügelkuppe entlang bis er die Scheune direkt anreiten konnte. Der Mond verschwand und Zorro ließ die Zügel schießen. Das spärliche Gras war noch nicht von der Sonne verbrannt und der Boden federte weich unter den Hufen des großen Hengstes. Sie waren leise unterwegs und erreichten die Rückwand der Scheune ungesehen. Das Tor auf dieser Seite war geschlossen, die darin eingelassene Tür jedoch nur angelehnt. Im Inneren konnte er Stimmen hören, noch mehr Wachen. Hatte Moncada seine ganze verdammte Bande hier postiert?
„Habt ihr das gehört?“ die Stimme war nervös.
„Was ist denn mit dir los. Das war der Wind.“ Diese Wache war weitaus gelangweilter.
„Es geht aber kein Wind.“
„Dann war es eben eine Ratte. Mach dir nichts ins Hemd.“
Schritte näherten sich und dann wurde die Tür aufgedrückt.
„Du hast recht, hier ist nichts. Aber da ich schon mal stehe ...“
„Verlauf dich nur nicht“ ein höhnisches Gegröle folgte.
Die Wache sackte zu Boden bevor die Tür sich ganz geschlossen hatte. Warten, Geduld haben, wie lange brauchte man zum pissen? Dann die Tür öffnen und auch schon wieder zufallen lassen.
„He Raoul, was ist los?“
Keine Schritte! Also nochmal. Tür öffnen und wieder zufallen lassen.
„Raoul, lass den Blödsinn.“
Schritte, eine sich öffnende Tür und ein zweiter Körper der zu Boden geht. Dann huschte Zorro selbst durch die Tür ins Innere und wand sich sogleich in die Schatten.
„Alles klar bei euch?“ Der Mann hatte ihn nicht wirklich angesehen und klang gelangweilt. Eine abwertende Handbewegung aus dem Schatten heraus, um ihn zu verstehen zu geben, das es nur ein schlechter Scherz war und die Wache schenkte wieder ihren Karten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.
„Hey Jessy, siehst du irgendwas?“ Ein weiterer Soldat erschien aus dem Schatten auf der anderen Seite der Scheune und schlenderte auf den Kartenspieler zu, während seine Frage und seine Aufmerksamkeit an den Schützen oben an der Luke gerichtet war.
„Nichts außer den Smithies, die arg gelangweilt wirken. Wenn du mich fragst, der kommt nicht. Schließlich ist der Junge doch Capitan Ramons Sohn.“ Zumindest hielten die meisten Dominik für dessen Sohn.
„Ja, wäre schon ziemlich idiotisch, aber wo er ist doch so ein Menschenfreund ist.“ Die drei lachten ob ihres schlechten Scherzes.
Zorro war inzwischen über Balken und Zwischenwände nach oben geklettert und näherte sich immer im Schatten bleibend dem Mann an der Luke. Seine weichen Stiefelsohlen erzeugten keinen Laut, doch war er vorsichtig, denn lose oder knarrende Bretter hätten ihn jederzeit verraten können.
„Was machen die beiden da draußen eigentlich. Das dauert ja eine Ewigkeit.“
Der Soldat an der Luke wollte sich gerade herum drehen um nach seinen Kameraden zu schauen, als er einen Schlag spürte und im schwarz vor Augen wurde. Sachte legte Zorro ihn ab, doch bei dem Lärm den die beiden verbliebenen Soldaten unter ihm in ihrer Langeweile machten, wäre das gar nicht nötig gewesen. Blieben noch zwei in der Scheune. Der Zwischenboden hatte eine Reihe offener Felder und Zorro konnte beim Sprung nach unten einen der beiden Soldaten niederreißen. Noch beim zu Boden gehen verpasste er dem Mann eine, rollte sich ab und zog seinen Degen gegen den verdutzt drein schauenden letzten Soldaten. Zwei schnelle Schritte und auch dieser brach zusammen bevor eine Reaktion kam. Damit war die Scheune geräumt, was allerdings der einfachere Teil gewesen war.
Sieben Pferde standen im inneren der Scheune und Zorro löste bei jedem Tier den Sattelgurt. Ein schelmisches Lächeln glitt über sein Gesicht bei der Vorstellung daran, was passieren würde, sollten sie später versuchen ihm zu folgen. Das gleiche tat er mit den Tieren die draußen angebunden waren, dabei immer im Schatten bleibend und darauf bedacht, nicht der Wache auf dem Balkon aufzufallen. Die drei auf der Terrasse waren weit genug von den Pferden entfernt und alles andere als aufmerksam. Sie stellten im Augenblick noch keine Gefahr dar. Dann hatte er endlich die abgewandte Seite des Wohnhauses erreicht und zu seinem Glück waren hier Fässer und Kisten gestapelt, welche ihm zum einen Sichtschutz boten und es ihm erleichterten nach oben zu gelangen. Ganz am Rand des Geländers im Schatten der Hauswand wartete er ab bis der Soldat sich umgedreht hatte und wieder zur anderen Seite des Hauses lief. Dann sprang er geschickt über die Brüstung und landete lautlos hinter dem Mann. Während sich ein Arm um die Kehle legte und einen Schrei unterdrückte, brachte ein Tritt in die Kniekehle den Mann zu Fall. Die Gegenwehr war kurz und unkontrolliert, dann rutschte der Soldat bewusstlos nieder. Die Zimmer hier oben waren unbeleuchtet und durch das helle Mondlicht konnte Zorro nichts im Inneren ausmachen. Er griff nach der Dachkante und schwang sich nach oben. Hatte das Geräusch auf den Dachschindeln schon gereicht um von drinnen jemanden heraus zu locken? Bewegungslos hockte er über der Tür auf dem Dach, während er seine Sinne nach unten richtete. Die Schritte waren zu hören, aber sie kamen nicht zur Tür. Dann eben anders. Eine kleine Kugel erschien in seiner Hand. In einer fließenden Bewegung warf er die Kugel in das Zimmer und sprang, die Augen fest geschlossen in die Tür. Ein greller Blitz erschien, dann war es wieder so dunkel wie zuvor. Zorro öffnete die Augen, hörte aber schon wo sich zwei weiter Soldaten im Raum befanden. Schnell war er bei ihnen und bevor die Männer ihre Orientierung wieder fanden, lagen sie bereits am Boden.
Zorro überprüfte die gesamte Etage, allerdings waren keine weiteren Soldaten anwesend. Ab nun würde es nicht mehr so leise von statten gehen. Wahrscheinlich befanden sich der Junge, Moncada und mindestens ein Soldat im zentralen Raum unten, es konnten sich aber auch noch weitere Männer in angrenzenden Zimmern versteckt haben. Nun, es gab nur einen Weg es heraus zu finden.
Die Treppe führte direkt in den offenen Wohnbereich, die unteren Treppenstufen waren erleuchtet und wer immer ihn dort erwartete, hatte einen guten Blick darauf. Die Kugel die diesmal in seine Hand wanderte war etwas größer und er ließ sie wie einen Ball in ihr auf und ab hüpfen, als er die Treppe hinunter schlenderte.
„Ich wusste das ihr kommt!“ Moncadas Stimme war pure Arroganz und Siegesgewissheit.
„Ihr verprügelt inzwischen kleine Kinder, wie hätte ich da nicht kommen können.“ Am Fuß der Treppe angekommen konnte er den Raum überschauen. Hinter der Treppe versuchte ein Soldat sich zu verbergen, den würde er zuerst ausschalten müssen. Auf der anderen Seite des Raumes stand ein weiterer Soldat, den Jungen im Griff oder ihn eher am zusammen rutschen hindernd. Er sah nicht gut aus und in den nächsten Tage würden überall blaue Veilchen aufblühen.
Don Rafael stand etwas abseits, ein Glas Whiskey in der einen Hand und seine Pistole in der anderen. Sein Auftreten war entspannt, vielleicht sogar gelangweilt.
„Ihr seid so leicht zu durchschauen und doch so schwer zu fassen. Immer wieder seid ihr mir durch die Finger geschlüpft, aber schlussendlich geht der Fuchs doch in die Falle.“
„Ich nehme das mal als Kompliment von euch.“ Er vollführte eine elegante Verbeugung ohne Moncada aus den Augen zu lassen und warf die Kugel vor dessen Füße. Die dünne Tonhülle brach und Rauch war plötzlich überall. Neben sich hörte Zorro das Spannen einer Pistole und er warf sich in diese Richtung. Keinen Augenblick später krachte an der Stelle wo er eben noch gestanden hatte eine Kugel durch das Geländer und in die Wand dahinter. Während Zorro sich abgerollt hatte und schon über den großen Tisch in der Raummitte hechtete, brach der Soldat neben der Treppe mit einem Messer im Hals zusammen. Seine Waffe hatte er nicht mehr abfeuern können. Der Mann neben dem Jungen brach nur einen Moment später zusammen. Schnell waren die Fesseln zerschnitten.
„Kannst du laufen?“ Obwohl der Junge noch schwankte, nickte er und schlurfte in Richtung Tür.
„Nein, nach oben und dann links.“ Er packte den Jungen am Arm und stütze ihn.
Langsam verzog sich der Rauch und ein Don Rafael mit zornig rotem Gesicht, blitzenden Augen und Degen schwingend wurde sichtbar.
Zorro war mit dem Jungen am Fuß der Treppe angelangt, als die Tür aufgerissen wurde und Moncada stoppen musste um nicht dagegen zu rennen.
„Ich hab mich schon gefragt, wo ihr bleibt.“
„Schnappt ihn euch!“
Es war ein Geplänkel, kein wirklicher Kampf. Die Soldaten behinderten sich durch die Treppe gegenseitig, sie standen unter ihm und überhaupt waren sie eher mittelklassige Fechter. Zorro zog sich dennoch langsam auf der Treppe zurück. Dann endlich standen sie alle hintereinander aufgereiht wie eine Perlenschnur und Zorro entwaffnete den ersten, holte sich an Wand und Geländer abstützend Schwung und ließ beide Beine mit voller Wucht in seine Mitte krachen. Wie Dominosteine fielen sie nacheinander.
Der Junge war schon durch eines der Fenster auf das Schuppendach darunter geklettert und hatte mit einem Pfiff nach Tornado gerufen, als Zorro ebenfalls erschien.
„Ich fass es nicht, er hört auf dich Dom.“
„Ich habe nichts verraten, wirklich.“
„Dominik das weiß ich.“ Seine Stimme war ruhig und bestimmt. Er vertraute dem Jungen. „ Ich glaube auch nicht das Don Rafael etwas in dieser Hinsicht vermutet. Kannst du springen?“
Tornado kam in Sicht und sobald er den Schuppen erreicht hatte, sprang Zorro und zwei Galoppsprünge später Dominik, den ausgestreckten Arm Zorros ergreifend um den Schwung umzulenken und hinter ihm auf dem Tier zu landen.
Während sie davon stoben wurde es hinter ihnen laut. Aus den Augenwinkeln erkannte Zorro Don Rafael zu dem Schuppen laufen, auf dem sie gerade noch gestanden hatten. Natürlich, dumm war Moncada natürlich nicht und Zorro hatte sich durchaus schon gefragt wo dessen Tier war.
Der Boden flog unter ihnen dahin und Tornado galoppierte Meile um Meile vorwärts. Der Hengst war kräftig und gut konditioniert, doch das zusätzliche Gewicht würde sich bemerkbar machen. Auf der nächsten Hügelkuppe, konnten sie einen einsamen Reiter hinter sich ausmachen. Es gab keine Möglichkeit sich zu verstecken, das Land war zwar hügelig aber nur vereinzelt standen Bäume und Sträucher auf ihrem Weg zur Mission. Na zumindest schien nur Moncada sie zu verfolgen und sein Pferd war gut, schließlich war es aus De la Vegas Zucht, aber mit Tornado konnte es sich nicht messen und Moncada selber brachte auch einiges mehr an Gewicht mit als Zorro. Sie konnten es also schaffen.
Hügelkuppe um Hügelkuppe nahmen sie und endlich konnten sie die Mission sehen. Das letzte Tal, dann war zumindest Dominik in Sicherheit. Zorro würde Don Rafael noch eine Weile ablenken, damit der Junge mit seiner Mutter ungesehen verschwinden konnte.
Aus dem Hain von Oliven und Walnussbäumen vor der Mission rannte ihnen Maria entgegen.
Nur wenig später hatten sie die Frau erreicht und Tornado kam mit bebenden Flanken und Schweiß nassem Fell zum Stehen.
„Lasst euch von Don Rafael nicht sehen und dann lauft zu Lolita. Sie hat Kleidung, Proviant und ein Pferd für euch.“
Dom war inzwischen vom Pferd gerutscht und in die Arme seiner Mutter gelaufen.
Zorro wendete Tornado und preschte zurück, auf Moncada zu, der gerade über der Hügelkuppe erschien. 400 vielleicht auch 500 Yards lagen zwischen ihnen als der erste Schuss krachte. Neben Tornado flog Dreck auf. Glück gehabt, doch schon zog Don Rafael eine zweite Pistole. Zorro ließ Tornado abwenden aber der Augenblick bis er die zweite Waffe erkannt hatte, hatte die Distanz weiter verringert und Don Rafael war ein verdammt guter Schütze. Im Zickzack um wenigstens kein leichtes Ziel zu bieten entfernte er sich. Tornado galoppierte wie der Teufel, doch eine gewisse Erschöpfung konnte Zorro spüren. Die Distanz vergrößerte sich nur langsam wieder.
Zorro konnte nicht sagen was zuerst kam. Hörte er den Schuss oder spürte er den Schmerz in der Schulter. Verfluchte Schusswaffen, jeder Idiot konnte so ein Ding abfeuern und einen Glückstreffer landen. Allerdings war das hier kein Glückstreffer - er konnte von Glück sprechen, weil er nur in der Schulter getroffen wurde. Die Kugel hatte das Schulterblatt gestreift, das Fleisch unter dem Schlüsselbein durchschlagen und steckte nun irgendwo zwischen seiner Haut und seinem Hemd. Er glaubte das Metall genau so deutlich spüren zu können, wie das warme Blut das ihm über den Rücken lief. Die rhythmische Bewegung des Galopps jagte Wellen des Schmerzes durch seine Schulter und ihm drohte schwarz vor Augen zu werden. Er zügelte Tornado und als das Tier schwer atmend zum Stehen kam, klarte sich seine Sicht wieder. Er riss den Hemdkragen auf und tastete über die Seite. Und tatsächlich konnte er die Kugel spüren, die wie ein Pfropfen die Wunde nach vorn verschloss. Die Eintrittsstelle dagegen färbte seine Hand rot und er spürte den steten Strom des warmen Blutes.
„Endlich bringe ich dich zur Stecke. Der Fuchs wird endlich erlegt.“
Don Rafael Moncadas Stimme war schon nah und triefte vor Genugtuung, während er den Degen zog.
Zorro richtete sich auf und zog ebenfalls den Degen. Er würde nicht kampflos aufgeben, doch der Schmerz der ihn durchfuhr ließ ihn auf keuchen. Er parierte die ersten Schläge mehr schlecht als recht, aber um mit links zu fechten standen die Tiere falsch zueinander. Wieder durchfuhr ihn ein stechender Schmerz und er sah den Stahl von Moncadas Klinge unter seinem Schlüsselbein stecken. Der Degen hatte die Kugel getroffen und war zur Seite ins Fleisch abgeglitten. Schnell beginnt der Stoff im Mondlicht feucht zu glitzern und als die Klinge zurück gezogen wird, fällt Zorro nach vorn auf den Hals Tornados.
„Nun wollen wir sehen, wer sich hinter der Maske verbirgt.“ Moncadas Befriedigung lässt seine Stimme fast weich klingen, doch der Griff zur Maske und ein harter Ruck daran sagen etwas anderes.
Zorro kann sich nicht mehr halten und rutscht vom Pferd. Benommen bleibt er einen Moment liegen und Tornado stupst ihn sanft mit der Nase ins Gesicht. Der warme Atem des Tieres zaubert für einen kurzen Augenblick ein Lächeln auf sein Gesicht, in dem danach wieder Schmerz und Trauer zu sehen sind.
Überraschung, Ungläubigkeit, Verstehen und dann wieder Arroganz und Überheblichkeit spiegeln sich Gesicht von Don Rafael.
„Don Diego De la Vega! Jetzt bin ich aber doch etwas enttäuscht. Unser verhätschelter, nur seine Bücher liebender und etwas tolpatschige Diego?“
„Ich sehe euch nur ungern enttäuscht Don Rafael, aber mehr habe ich an dieser Stelle nicht zu bieten.“ Sein Lachen klingt gezwungen, aber diesem Mann würde er bis zum letzten Atemzug die Stirn bieten. Langsam zieht er sich in eine sitzende Position und lehnt sich gegen ein Vorderbein Tornados.
Moncada schien während dessen nachdenklich, als versuche er eine für ihn völlig unlogische Handlungsweise nachzuvollziehen.
„Ihr seid von Adel, warum diese Sympathie für die Bauern, das einfache Volk? Noch dazu, wenn keiner eure Identität kennt und es euch danken kann? Wozu das alles?“
„Irgendwer musste eurer Willkür und Brutalität Einhalt gebieten und zumindest die meisten Landbesitzer haben begriffen, das ein zufriedener Arbeiter auch ein besserer ist.“ es fiel ihm zunehmend schwerer die Augen offen zu halten.
„Ihr seid wirklich der Weltverbesserer für den ich euch schon als tolpatschiger Bücherwurm gehalten habe. Ich gestehe euch eine gewisse Genialität zu. Niemand hätte je in dem gutmütigen, etwas schwerfälligen Diego eine Gefahr erkannt. Leider hat es euch am Ende doch nicht geholfen.“ Rafael ist sichtlich amüsiert über die Umstände.
„Im übrigen hättet ihr den Jungen nicht retten brauchen. Ein paar blaue Flecken haben noch keinen umgebracht und mein eigen Fleisch und Blut würde auch ich nicht wegen einer solchen Nichtigkeit töten.“
„Ich war mir nicht sicher, wie viel Grund ihr brauchen würdet.“
Schallendes Lachen klang durch die Nacht.
„Er mag ja mein Bastard sein, aber er ist auch mein ältester. Und was könnte ein zehnjähriger schon ausrichten?“
Fern und leise ist das Heulen eines Coyoten zu hören.
„Euer Blut scheint uns Gesellschaft zu bringen. Ich glaube nicht, das ich mir dieses Schauspiel anschauen werde. Nicht, das ich zu weich dafür wäre oder es nicht genießen könnte, wenn die Coyoten euch in Stücke reißen. Aber es ist spät geworden und ein Mann in meinem Alter benötigt eine gewisse Menge Schlaf.“
Moncada wendet sich von dem Sterbenden ab und galoppiert davon.
Sobald Don Rafael aus dem Blickfeld verschwunden ist, rennen Lolita und Dominik zu Diego. Patre Bernhard und Diegos fünfjährige Tochter folgen den beiden etwas langsamer.
Lolita geht neben dem bewusstlosen Diego in die Knie. Sie nimmt sein Gesicht in ihre Hände, schaut ihn verzweifelt an
„Oh Gott nein. Diego, du darfst mich nicht allein lassen.“
Sie fährt über die Wunde und fängt an zu weinen. Mit Macht versucht sie ihre Tränen zurück zu halten, doch mit einem einzigen Schluchzen brechen sie durch.
„Diego ich brauche dich. Bitte bleib bei mir. Du darfst nicht sterben.“
„Papa?“ die helle piepsige Stimme gehört Izzara. Sie kniet auf der anderen Seite von Diego und schaut fragend auf ihn und die Umstehenden. Sie spürt das etwas nicht stimmt, etwas furchtbares geschehen ist, doch sie ist viel zu jung um es gleich richtig einzuordnen.
Dominik steht neben dem Patre und widersprüchliche Gefühle streiten in ihm. Der Mann dort auf dem Boden war mehr Vater für ihn als irgendwer sonst. Mit fünf war er das erste mal von Don Rafael verprügelt worden und weggelaufen. Diego hatte ihn zufällig gefunden und sich seine Sorgen angehört. Er hatte ihm beigebracht die Prügel wegzustecken, den Schmerz nicht an sich heran zu lassen. Lesen und Schreiben hatte er von ihm gelernt. Später hatte er ihm das Reiten beigebracht und als Dom hinter sein Geheimnis gekommen war, sogar begonnen ihm das Fechten zu lehren anstatt ihn zu bestrafen. Für seinen Vater Capitano Ramon war er ein nutzloses Kind, für Don Rafael ein Druckmittel gegen seine Mutter, aber Diego hatte ihm, einem kleinen Jungen, Respekt entgegen gebracht. Er war durchaus streng zu dem Jungen gewesen, aber nie hatte er auch nur die Hand erhoben. Und nun starb er seinetwegen. Warum hatte er ihn befreit? Don Rafael hatte ja selbst gesagt, das er Dominik nicht getötet hätte. Er hätte bestimmt noch weitere Blutergüsse verkraftet, wenn nur Diego … Er war Schuld das Diego starb!
Diegos Augenlider flattern, er greift nach Lolitas Hand.
„Lolita, hör mir zu. Don Moncada weiß wer ich bin. Du musst ihn davon überzeugen, das du gar nichts weißt.“ seine Stimme ist leise und kraftlos.
„Du lebst. Wir müssen dich in die Mission bringen.“ Lolita ist plötzlich glücklich, aber auch ängstlich und besorgt um ihren Mann.
„Nein. Lolita es ist zu spät. Ich liebe dich unendlich.“
Er drückt ihre Hand und dreht sich zu Izzara, die ihn mit großen Augen ansieht und greift auch nach ihren zarten Fingern. Seine Stimme ist nur noch ein Flüstern, hat nichts mehr gemein mit dem Fuchs.
„Mein kleiner Stern, jetzt musst du deiner Mutter helfen stark zu sein. Ich liebe dich, ich liebe euch beide.“
Dominik laufen ebenfalls Tränen über die Wangen. Er weiß wie abgöttisch dieses kleine Mädchen, das eine so unsagbar große Nervensäge sein kann, ihren Vater liebt. Wenn er nur könnte, würde er sofort an seiner statt sterben wollen.
Als Zorros Hand die kleinen Finger nicht mehr halten können, springt Izzara auf, rennt zu Dominik und schlägt ihm wie wild auf die Brust. Tränen verschleiern ihren Blick, als sie ihn wütend und unter Schluchzen anschreit.
„Du bist schuld. Wegen Dir stirbt er. Ohne Dich würde er jetzt leben. Du bist daran schuld. Geh weg. Du bist an allem schuld. Verschwinde doch endlich.“
Dominik steht einfach nur da. Er versucht nicht sie zu beruhigen, nicht ihre Schläge aufzuhalten oder sich gar zu rechtfertigen. Er steht einfach nur da - innerlich tot.
Lolita kommt hinter Izzara, hält ihre kleinen Fäuste auf, umschlingt sie mit ihren Armen damit sie sich beruhigt und Geborgenheit findet.
„Nein, Izzara. Sag so etwas nicht, denn es stimmt nicht. Dominik kann nichts dafür. Dein Vater hätte jeden versucht zu retten.“
Oh ja, es wäre so schön einfach gewesen Dominik die Schuld zu geben, einen Sündenbock für das alles zu haben, doch Lolita wusste es besser. Sie hatte die Wahrheit gesagt. Diego hätte auch jeden anderen versucht zu retten, wohl wissend das es eine Falle war. Wenn jemand Schuld trug, dann Don Rafael Moncada einer der gierigsten und brutalsten Männer der Gegend. Er war das Übel wegen dem Diego immer wieder als Zorro unterwegs war, er war der Grund weshalb Maria und Dominik fort mussten. Ihre Trauer schlug in Hass um, ihre Ohnmacht in eine Aufgabe, Ihre Verzweiflung in wilde Entschlossenheit.
„Ich werde so wie er werden und ich werde ihn rächen.“
Es waren ihre Gefühle, doch sie in Worten aus dem Mund eines Zehnjährigen zu hören, ließ sie doch erschrecken.
„Nein Dominik. Mit dem Gedanken an Rache ordnest du diesem alles unter und wirfst dein Leben weg, doch er wollte das du frei bist von allen Zwängen und leben kannst. Dafür hat er dich gerettet.
Wenn du werden willst wie er, dann such in Monterey nach diesem Zeichen, aber nicht um der Rache willen. Güte und Gerechtigkeit müssen dir wichtig sein.“
Patre Bernhard drückte Dominik bei Lolitas Worten ein Medaillon in die Hand.
„Er wollte es dir selbst geben, wenn du soweit bist. Er wollte dir noch soviel beibringen.“
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