Band 11 Die Kriege des Winters

von eiswolf23
GeschichteFantasy / P16 Slash
16.04.2017
15.03.2019
55
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11
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Jaeharys




Der Wind war scharf, es fühlte sich an als würden seine alten Narben am Hals und in der Brust aus der Nacht seines Todes erneut aufreißen, obgleich sich hunderte neue Narben dazu gesellten. Die kalte Luft war so scharf das er sich kaum traute noch zu atmen aber er musste, gezwungenermaßen. Seine Hände spürte er gar nicht mehr, er hoffte einfach noch dass er die Zügel von Viserion fest in den Händen hielt und nicht vom Drachen fiel. Er trug ein schweres Wamst aus gehärtetem Leder mit einem schwarzen Kettenhemd darüber, Eisennieten stachen daraus hervor, darunter war es mit mehreren Schichten Daunen, Wolle und Leinen gefüttert. Seine Hose bestand aus Eisbärenfellen, die hohen Reitstiefel reichten ihm knapp bis unter die Knie mit einem Eisengerüst zur Verstärkung. Vier Eisenketten an seinem Gürtel sorgten dafür dass der Wind ihm nicht aus dem Sattel riss. Langklaue hing ihm auf dem Rücken, die Eisennieten der Lederscheide stachen ihm in den Rücken, Ser Jaimi presste sich mit seiner Hand und dem Hacken an ihm, zur Schlacht hatte er die schöne aber letztlich nutzlose Prothese gegen einen praktischeren Haken eingetauscht. Er trug ähnliche Winterrüstungen wie er die ihnen die Reiter gegeben hatten, Eisenpanzer gutverarbeitet mit Fellen und dicken Daunenschichten zum Schutz vor Klingen und Kälte “HÖHER! Gerade durch die Wolkenschichten!“ Rief ihm Aeryius zu, zumindest glaubte er dass es seine Stimme war, alle Rufen verloren ihren Klang in dem Orkan der um sie herum tobte. Er spähte nach rechts doch da waren nur aschgraue Wolken durchzogen mit schwarzen Flecken, der ewige Wechsel aus hellen und dunklen Konturen verwischte die sonst so markanten Züge ihrer Drachen. Jaeharys wusste das sie da waren, das laute Grölen und Fauchen hob sich knapp aber dennoch hörbar über das Getöse des Sturms ab, Rhaegal und Drogon waren dicht bei ihnen damit ihre Formation nicht aufbrach. Sie hatten vereinbart in fester Keilformation durch die Wolkenberge durchzubrechen mit Drogon n der Spitze, zwar war Daenerys dadurch besonders in Gefahr aber Aeryius würde ihr beistehen, und Drogon war ihr stärkster Drache sein Feueratem sollte die erste Kerbe in die Verteidigung des Nachtkönigsschlagen durch die sie dann vorstoßen würden “Da!“

Ser Jaimi deutete mit seinem von Raureif überzogenem Haken nach rechts, er und Viserion bildeten den linken Flügel, Aegon und Rhaegal den rechten. Der eisige Wind schlug ihm wie eine kalte Faust ins Gesicht, sein Bart war mit Schnee und Eis überzogen, er sah an sich herab, seine dickbehandschuhten Hände sahen aus wie Schneepranken wie sie sich verkrampft an die ledernen Zügel klammerten. Sein rabenschwarzes Wamst war weiß wie frischer Neuschnee. Die Ketten seines Geschirrs zitterten wie bebendes Espenlaub, er spürte die Wärme die von Viserions Schuppen ausging, heißer Dampf stieg aus seinen Nüstern empor wie aus einem Schornstein, er ist lebendes Feuer. Er spürte sein Herz schlagen wie eine riesige Glocke, fest, rhythmisch und irgendwie beruhigend, wäre der Drache nicht und das Feuer zwischen ihren Beinen wären Jaeharys und Ser Jaimi längst erfroren aber der glühend heiße Ofen auf dem sie saßen hielt sie am Leben “Sie steigen!“ Jaeharys sah Feuerbälle in den Nebelschwaden verglühen, Drogon schoss ziellos in den Himmel, zwei kurze Schüsse das Zeichen sie sollten schräg hochfliegen. Da Kommunikation per Rufe in diesem Sturm so gut wie unmöglich war einigten sie sich auf knappe, eindeutige Lichtsignale. Zwei Feuerstöße sie flogen hoch, einer sie flogen tief. Jaeharys zog die Zügel enger an und lehnte sich weiter im Sattel zurück, Viserion neigte die Flügel etwas nach oben damit die Luft unter seinen Flügeln sie weiter hochhoben. Bereits die kleinste Veränderung ließ sie wie ein Pfeil steil nach oben zum Horizont schießen, Jaeharys trat ihm mit den Sporen leicht in die Seite, zwei knappe Stöße “Dracarys!“ Zwei kurze Feuerbälle schossen aus seinem Maul, er erwiderte Aeryis Zeichen damit er wusste dass sie ihm folgen würde, Aegon erwiderte es ebenso. Alle drei Drachen, auf ihnen reitend die letzten der Targaryens, würden gemeinsam wie ein Speer durch den Orkan stoßen der Winterfell fest in seinen eisigen Klauen hielt. Sobald wir die Mauern geknackt haben bricht das blanke Chaos aus.

Er spürte weder sein Gesicht noch den Rest seines Körpers mehr, ein fremder Geist schien ihm Befehle zu erteilen und seine Hände zu bewegen, aber Viserion stieg nach oben auf fast blind darauf vertrauend das seine Geschwister bei ihm waren. Scharfe Winde heulten in seinen Ohren, Ser Jaimi klammerte sich fester an ihn je steiler sie aufstiegen, er versuchte sich etwas nach vorne zu legen damit Viserion nicht zu steil flog und sich überschlug

Ich wünschte Geist wäre bei mir, sein Schattenwolf hatte er bei den Reitern gelassen, er würde Edwin und Schakal an den Flanken unterstützen doch sorgte er sich ein wenig um ihn, er war wohl einer der letzten seiner Art einst hatte es Tausende von ihnen gegeben überall in Westeros. Damals als noch Riesen und die Kinder des Waldes durch das Reich streiften, als es noch Einhörner und Weiße Löwen gegeben hatte, als der Königswald sich vom Zornkap bis zum Wolfswald erstreckt hatte damals als die Landbrücke Westeros und Essos miteinander verbunden hatte, bevor die Anderen über unsere Welt herfielen. Es war eine gute Zeit gewesen, ließ er sich zumindest von den Hohepriestern der Kinder erzählen, alles hatte seine Ordung gehabt dich dann kamen sie, die Ersten Menschen, mit Feuer und mit Schwert fraßen sie sich durch die Länder und rissen es an sich. Die Riesen zogen sich in die Berge zurück, die Kinder versteckten sich immer tiefer in die langsam verschwindenden Wälder und die Schattenwolfe wanderten nach Norden bis hinter die Enge wo der Alte Glauben immer noch stark war, glaubten sie dort wären sie sicher aber auch hier war ihre Zeit dem Ende geweiht. Dann kam die große Finsternis und der Kampf um Erde und Bäume verlor an Bedeutung, Aeryius hatte ihm erzählt das die Kinder des Waldes zusammen mit ihren Freunden den Riesen und Mammuts, den Schattenwölfen und Krähen in den Kampf zogen. Viele Ihresgleichen starben als sie für die Menschen kämpften die dabei waren ihnen ihr Zuhause wegzunehmen. Als die Finsternis vorbei war und der Schnee anfing zu schmelzen gab es nur noch sehr wenige Kinder des Waldes, Riesen, Mammuts und Schattenwölfe diejenigen die noch übrig waren zogen sich hinter die frisch errichtete Mauer nach Norden zurück. Diese Welt war fertig mit ihnen, oder sie waren fertig mit den Menschen und der neuen Welt die sie erschaffen hatten. Südlich der Mauer gab es keinen Platz mehr für sie, sie gehörten in den Schnee, zu ihren Göttern und ihren Gesetzen. Bis jetzt jedenfalls.

Doch der Tod vergas nicht schätzte Jaeharys, Geists Mutter war nach Süden gekommen, wie wussten allein die Götter. Vielleicht durch einen der Tunnel in den Bergen nördlich der Mauer oder sie war durch die Seehundsbucht geschwommen bis sie das andere Ufer erreicht hatte? Irgendetwas hatte sie weit in den Süden geschickt wo sich das Geweih eines Hirsches in ihrem Hals verhakte, damit ihre Söhne und Töchter sie beschützen konnten, seine Familie dessen Ahnen dieses Land ebenso beschützt hatten wie die von Geist. Wir sind verbunden, wir gehörten schon immer zusammen. Völlig egal wer nun sein wahrer Vater war, seine Mutter war Lyanna Stark, eine Schattenwölfin von Winterfell, das Blut ihrer Familie durchtränkt dieses Land und ihre zermalmten Knochen waren die Stützpfeiler auf denen ihre Hallen und Herde standen, das ist unser Land! Er verstärkte den Griff um Viserions Zügel und riss sie etwas weiter nach hinten, die von Eiskristallen überzogenen Kettenglieder klirrten als der Drache die Schnauze weiter anhob, als er mit seiner langen, pfeilförmigen Schnauze die meterdicken Wolkenschichten durchbrach. Alles um ihn herum wurde pechschwarz, er hätte sich die Hand direkt vors Gesicht halten können und hätte sie nicht erkannt so finster war der Sturm der um Winterfell tobte. Selbst Drachenfeuer konnte diesem Übel nur sehr wenig anhaben, da mussten sie ihre Kräfte alle zusammenlegen um durchzubrechen “AAAARRRRGGGGGHHHHHH!!“ Ein langgezogener Feuerstrahl und danach drei knappe Brandstöße hinterher, sie sollten weiter aufsteigen und dabei langsam bis drei zählen ehe sie mit dem Angriff begangen. Dann würden sie gleichzeitig durchbrechen. Dann würde das Schlachten und Brandschatzen beginnen, die Manifestation des Chaos, Blut und totes Fleisch, Feuer und fleckiges Eis, verbrannte und erstarrte Leichen die umherwandelten und rostige Klingen schwangen “Bereit Lord Jaeharys!?“ Fragte ihn der Königsmörder ein letztes Mal, er legte ihm beinahe die Lippen aufs Ohr aber nur so verstanden sie sich und der warme Atem tat irgendwie gut.

Ser Jaimis Haken vergrub sich in seiner Schulter, doch den spitzen Dorn spürte er durch die dicken Schichten kaum, seine Schulter war schon vor Kälte fast taub geworden. Er atmete tief ein, die eisige Luft schien seine Brust von innen heraus gefrieren zulassen, es war als würde ihm die kalte Hand eines Anderen mitten in die Brust fassen, die schwarzen Finger schlossen sich dann um sein Herz und zerquetschten es mit sadistisches Funkeln in den Augen. Seine alten Narben die er von der Meuterei in der Schwarzen Festung davongetragen hatte, als ihm Othel Yarwick und die anderen Offiziere von überallher Klingen in den Leib gerammt hatten, eisige Klingen in der Dunkelheit, das hatte ihm die Rote Frau prophezeit. Die tiefste der Kerben an seinem Hals schmerzte immer noch wenn er lange Reden hielt. Der eingeatmete Schnee und due Eissplitter in der Luft schien sein wieder zusammengewachsenes Fleisch erneut aufzureißen “Bereit Lennister!“ Schrie er gegen den Sturm zurück. Und schloss die Augen, es war sowieso finsterste Nacht und dunkel wie nichts. Er blendete den Sturm aus, das Getöse des Orkans und der sterbenden Heere unter ihnen, das Feuer, das Eis, die Drachen und Wölfe. Das Leben und den Tod. Alles gegen das er nun kämpfen musste und wofür er kämpfen würde, Eins. Zwei. Drei. Dann öffnete er wieder die Augen.

Der Sturm war weg, es war still, über ihm lag der weite wolkenlose Sternenhimmel klar da, die Feuer der vergangen Schlachten und Kriege erstrahlten in ihrer ganzen Pracht der Mond war gehüllt in Dunkelheut sodass Ragnaröks Länder den gesamten Horizont bedeckten. Sie waren so hoch aufgestiegen sie hatten selbst den äußersten Rand des Wirbels überflogen der um Winterfell herum tobte, er sah an Viserion herunter die Wolken aus denen sie herausgebrochen waren ruhten wie ein schwarzer Ozean unter ihnen die Lüken die sie drei geschlagen hatten verschlossen sich wieder von ganz allein so als wäre sie gar nicht da gewesen. Der finstere Marmor wirkte von hier oben massiv und undurchdringbar wie die Mauer selbst, Blitzte zuckten unter der Oberfläche auf, ein Wirbel indem die Wolken zu einem Strudel hinabgezogen wurden zeigte ihm wo sich Winterfell befand. Sie waren so hoch das ihre Drachen für einen Moment scheinbar schwerelos in der Luft zu schweben schienen, ihm wurde die Luft mit einem Mal aus den ausgezerrten Lungen gesogen. Er sah seinen Bruder und seine Tante wie sie neben ihm auf den schwarzen Abgrund hinabstarrten, sich ihre Drachen n Position legten und die Flügel anwinkelten. Keine Feuerstöße mehr, dafür fehlte hier oben die Luft zum Brennen, ein stummes Nicken ihrerseits damit sie alle verstanden dass es nun kein Zurück mehr gab. Dann stießen sie herab.

Jaeharys und Ser Jaimi wurden weit in den Sattel zurückgerissen, die Ketten zerrten an ihren Hüften, der scharfe Wind blies wie eine Schneelawine oder eine Flutwelle über sie hinweg. Die Schneeflocken waren hart wie Steinbrocken, für einen kurzen Moment verlor er das Bewusstsein, die Zügel glitten ihm aus den Händen, wäre das Geschirr nicht gewesen hätte ihn der Wirbelsturm wie ein totes Blatt hin und her gerissen. Jon. Das Heulen und Grölen der Götterdämmerung verstummte, es wurde still, wirklich still und da war nur noch ein einziges Geräusch, ein leises Wispern welches seinen Namen rief. Jon. Es war die Stimme einer Frau, so warm und melodisch wie das Zwitschern eines Rotkehlchens aber dennoch scharf und einprägend wie ein Peitschenhieb, Jaeharys ich bin es. Komm zu mir. Er kannte diese Stimme, er erinnerte sich nicht genau daran woher aber tief in seinem Gedächtnis wusste Jaeharys das er diese Stimme kannte und auch die Frau zu der sie gehörte, mein kleiner Wolf. Eine unsichtbare Hand schmiegte sich an seine rechte Wange, sie war warm, mit kleinen Narben überzogen aber dennoch weich wie Samt fand er. Ach mein kleiner, tapferer Wolf. Du hast so lange und bitter gekämpft, sprach sie leise und ruhig zu ihm wie mit einem Kind, ruhig dich aus, du bist schon so schwach. Schlaf. Komm zu mir und schlaf. Er hörte Kinder spielen, Laub im Wind tanzen und das leise Plätschern eines Bachs, dein Vater und deine Schwester warten auch schon auf dich, versprach ihm die Stimme. Seine Augen flimmerten aber er war nicht mehr in der Lage sie zu öffnen, Jaeharys. JaeharysJaeharys!“ Die letzte Stimme war rau und von Eis erfüllt, ein leichter Stich in seiner rechten Schulter doch er spürte kaum noch seinen Leib Jon “JON!“

Mit dem letzten Wort riss er die Augen auf, mit einem Schlag war er wieder hell wach, die warme Hand auf seiner kalten Haut war nur noch eine grobe Erinnerung die langsam verblasste. Er griff eiligst nach den im Wind flatternden Zügel und riss sie zurück, er stemmte sich gegen den Orkan und richtete sich wieder im Sattel auf. Keinen Augenblick zu früh, vor ihm baute sich der tosende und heulende Sturm auf der Winterfell in seinen schwarzen Klauen hielt. Er trat Viserion fest in die Seite, der Drache riss den Schlund auf und ein mächtiger Feuerstrahl schoss geradewegs aus seinen kokelnden Nüstern heraus. Das Drachenfeuer erhellte die finstere Nacht, der grelle Strahl schnitt sich wie ein glühender, sehr dünner aber auch unglaublich starker Pfeil durch die tobenden Winde, zwei weitere Brennende Geschosse gesellten sich dazu, gemeinsam schlugen sie knapp nebeneinander in die Mauern des Sturmes ein. Sie senkten die Köpfe, das Feuer fraß sich durch die Wolkenberge und schlugen eine kleine, kaum erkennbare Kerbe in das Bollwerk aus Eis und Stürmen, Viserion, Rhaegal und Drogon stachen als erste, mit zum Sturzflug angewinkelten Flügeln in das schwarze Unbekannte hinein. Kalte Kralle stachen ihnen in den Nacken und krochen ihnen über den Rücken, das Heulen drohte ihre Ohren zu zerplatzen. Jaeharys klammerte sich wie ein ängstliches Kind in den Armen der Mutter an seinen Sattel um nicht vom Drachen gerissen zu werden. Im nächsten Moment waren sie durch. Der undurchdringbare Wall war nur einen halben Herzschlagflug breit, dahinter öffnete sich die Welt wieder, und was sich ihm da bot war der letzte ihrer Kriege.

Winterfell war von einem Zylinderförmigen Wirbelsturm vom Rest der Außenwelt her abgetrennt, Flammen tanzten über den Zinnen der Innenmauer auf und ab, Schwerter und Schilde brachen die Lichter der Feuer wieder. Katapulte und Skorpione im Inneren der Burghöfe schossen brennende Geschosse in die Massen der Toten. Winterfell war eine schwarze Insel in einem fahlen, weißen Meer, die Massen der Unholden tobten wie Wellen vor ihren Toren, zerbarsten an ihren Mauern und drohten über sie hinweg zu wehen doch Winterfell hielt stand. Stein und Mörtel, aber auch Blut und uralte Magien schützten die letzte Feste der Menschen sodass die Toten sie niemals stürmen konnten. Das Heer war kleiner als Jaeharys es erwartet hätte, nur Ein- oder Zweihunderttausend würde er schätzen aber das war sicher nur trügerischer Eifer der da von ihm Besitz ergriff “Da! Im Westen!“ Aeryius deutete mit Dunkelstahls lichtfressender Klinge nach Westen, wie eine zweite, viel kleinere Insel hob sich der freie Fleck von den Massen her ab. Es war eine winzig kleine Lichtung die die Toten da umringten, auf ihr versammelten sich ein halbes Dutzend der Anderen. Von den Rücken ihrer abgemagerten Skelettpferde beobachteten sie das Treiben der Schlacht, das Donnern ihrer Truppen gegen die Mauern Winterfells, das Zischen der Brandpfeile und das laute Grölen der zerberstenden Brandgeschosse welche aber viel zu weit entfernt vor ihnen einschlugen ohne ihnen gefährlich zu werden. Jaeharys verstand was der Schutzengel der Targaryens meinte und riss die Zügel schärfer an, er legte sich in die Kurve und ließ Viserions Kopf hinabsenken “DRACARYS!“ Riefen die drei Drachenreiter wie aus einem Mund und entluden ihren Zorn über den Heeren der Anderen “DRACARYS!“

Ihre Flammen schnitten sich wie eine glühende Sense durch die endlosen Reihen der Unholde, immer wieder und wieder stiegen die drei Drachen erneut in die Lüfte um dann mit all dem Zorn der in ihnen tobte erneut auf die Anderen herabzustoßen. Grelle Feuerschweife bedeckten den Himmel, riesige glühende Narben zogen sich kreuz und quer über die Linien der Untoten. Das Drachentrio traf sich über Winterfell, in der Mitte der Schlacht und hielten einen Moment inne um sich ihr blutiges Werk anzusehen. Sie hatten das Ungetüm direkt am Kopf getroffen, das Gespann der Anderen war im Atem ihrer Drachen geschmolzen und mit ihrem Tod hatten hunderte ihrer Anhänger den Halt verloren, aber auf jeden der fiel kamen Tausende die noch hungernd nach Blut ihre Klingen und Klauen gen Himmel reckten “TOTENGATTER!“ Aeryius stand in Drogons Sattel auf und reckte über seinem und Daenerys Kopf die Arme mit denen er ein Kreuz bildete. Totengatter, mit dem Tod der Anderen verlor auch der Wirbel um die Festung herum seine Kraft, der Sturm begann sich zu lichten nun konnten ihre Fußtruppen vorrücken und Westeros ein für alle Mal von dieser Geisel Namens Winter befreien. Sie würden sie aufteilen, aufsteigen und hinabstürzen um die Horden wie Schafe auseinanderzutreibe damit die Wölfe sie sich eines nach dem anderen greifen konnten. Er riss Viserion herum, legte sich tiefer in den Sattel und schoss auf ihm knapp über den Köpfen der Toten hinweg, Flammen stachen aus seinen Nüstern heraus und bedeckten die Felder rund um Winterfell mit Asche und Ruß.

Er hielt seinen Drachen an und ließ ihn etwas aufsteigen, dann lehnte er sich nach rechts und trat Viserion einmal kräftig in die Seite, behielt den Fuß aber genau da wo er war nämlich an der empfindlichen Stelle über der Schulter wo die Nerven für die Feuerblase saßen. Solange er diesen Nerv unter Druck hielt spie der Drache eifrig weiter Feuer. Viserion drehte sich um die eigene Achse und hüllte die Toten unter ihm in sengendes Feuer. Glut und Flammen regneten auf die Horden nieder während sich im Süden die ersten Reihen ihrer Truppen über den weifen Feldern des Nordens abhoben. Einige Tausend der Untoten ließen von Winterfell ab und stürmten kopflos auf ihre Infanterie zu, über die Seiten stürmten Wolfsreiter und Ritter des Tales auf sie zu, ein Zangenangriff über die offenen Flanken der Horden. Wie zwei Rechen streiften die beiden Kolonnen durch die Reihen der Toten, rissen ihre festen Formationen auf und lichteten ihre Rudel aus. Der Angriff sollte sie nicht aufhalten er sollte lediglich dafür Sorge tragen das sich die Toten nicht zu festen Rudeln zusammenschließen konnten denn diese waren durchaus in der Lage ihre Linien aufzubrechen wenn sich nur erstmal genug Tote auf ein und dieselbe Stelle warfen. Gleich nach dem ersten Aufeinandertreffen zog sich die Kavallerie wieder zurück hinter die Infanterie, Pfeilbeschuss sicherte ihnen den Rückzug. Jaeharys sah wie sich die Massen der Horden aufteilten, ein Teil stürmte unverändert auf den festen Kern ihrer Mitte zu während zwei weitere Abteilungen den Reitern über die Flanken nachjagten. Riesen und Mammuts kamen ihnen entgegen unterstützt von den Kindern des Waldes und ihren Verbündeten den Raben und Krähen und Wölfen. Wie ein schwarzer Regen stachen die Vögel auf die Toten hernieder welche versuchten an den zotteligen Beinen der Riesen und Mammuts hochzuklettern. Ihre harten Schnäbel zerteilten ihnen die Glieder und  rissen ihnen das Fleisch vom Gesicht. Von den Kampfplattformen auf den Rücken der Tiere schossen ihre Männer Pfeile und Steine, Speere und Äxte auf die Wandelnden Leichen herab.

“Sie ziehen sich zurück!“ Was Ser Jaimi meinte, als er mit seinem Hakenstumpf nach Süden deutete, war das die Horde ihr Interesse an Winterfell verlor um sich stattdessen in die Speere und Pfeile ihrer Armee zu stürzen welche in fester Keilformation wie ein Fächer über die Eben hinwegfegten und die ungeordneten kleineren und größeren Rudel der Toten überrannten. In der großen Masse waren sie stark, dann überrannten, trennten und überwältigten sie ihre Feinde einfach, der Sturm der ihnen folgte lenkte die Geschosse ihrer Gegner ab und ließen deren Füße gar am vereisten Boden festfrieren doch ohne die Anderen die sie führten und die den Sturm heraufbeschworen waren sie gar nichts. Nur wandelnde Leichen ohne Ordnung, Hierarchie und richtige Ausrüstung, egal welcher Krieg es auch war Disziplin und Ordnung der Gruppe obsiegte gegen starke Einzelkämpfer ohne Ordnung und Strukturen “Dann greifen wir jetzt an!“ Er nahm seinen Fuß aus Viserions Schultersehne und setzte zur Landung an, Drachen konnten fliegen wodurch sie ihre Gegner von oben her verbrennen konnten aber am Boden waren sie fast genauso tödlich und gefährlich. Sein langer Peitschenartiger Schwanz konnte ein Pferd in zwei Teile schlagen, seine Klauen waren Speere und seine Zähne waren Bastardschwerter die mühelos riesige Lücken in die Reihen der Toten beißen und schlagen konnten. Feuer blitzte um ihn herum auf, die Luft war warm und durchzogen mit dichtem Qualm von den zu Asche verbrennenden Leibern der Unholde “Los Drogon!“ Daenerys trieb ihren Drachen in die Horden der Toten, der Schwarze Schrecken schlug und trat die Anderen wie Laub im Wind um sich her, äscherte sie mit seinem warmen Atem ein und brüllte wie die Bestie die er war zum Himmel empor so als wolle er die Götter des Nordens selbst herausfordern. Er sah seine Tante an, Ruß bedeckte ihr sonst so makelloses Gesicht dennoch strahlte sie ihn an als es so aus sah als könnten sie gewinnen. Aber wenn Drogon tatsächlich die Götter des Nordens herausgefordert hatte dann hörten sie seine Herausforderung und nahmen sie an.      

Ein Blitz schoss über ihnen durch den schwarzen Himmel, Rhaegal riss den Kopf in den Nacken zurück und spie eine gewaltige Fontäne aus Asche und Glut in den Himmel, der Drache baute sich auf nur um im nächsten Moment kraftlos in sich zusammen zu brechen. Der Drache, ein uraltes Geschöpf des Wunders und der Magie, der Winde und des Feuers fiel einem getroffenen Vogel gleich durch die Lüfte und schlug auf dem Boden auf wie ein Stein. Er zerquetschte die Toten unter sich die zu langsam waren um auszuweichen, seine gebrochenen Rippen stachen aus seinem zerfetzten Kadaver heraus, ein müder Feuerstrahl schoss aus seinen Nüstern doch war das nicht der Versuch die Toten die wie ein Schwarm Ameisen über ihn herfielen abzuwehren, es war der letzte Atemhauch den er da von sich hauchte. Jaeharys lenkte Viserion in Richtung seines verletzten Bruders Drachen, Aeryius sprang einfach von Drogons Rücken herunter, sein Dunkelstahl war eine der wenigen Waffen mit der man sowohl Weiße Wanderer als auch Unholde besiegen konnte so wie mit Schwertern aus Valyrischem Stahl. Er riss die Toten die an Rhaegals zerrissenem Flügeln hochzuklettern versuchten eigenhändig beiseite und schlug sie mit der Waffe seiner Ahnen in Stücke. Jaeharys ließ Viserions Schwanz knapp über Rhaegal knallen und verscheuchte die Horden der Toten. Er sprang gut zwei Meter gerade nach unten, der halbgeschmolzene Schnee dämpfte seinen Aufprall etwas, er zog Langklaue um Aeryius zu unterstützen, um seinen Bruder und Arya zu helfen aber für einen der beiden war es schon zu spät “Nicht noch einen.“

Aegons wunderbaren, violetten Augen waren starr nach oben gerichtet, seine linke Hand hielt immer noch die Zügel von Rgaegal fest die rechte hing schlaf an ihm herab, sicher hatte er damit versucht nach seinem Schwert zu greifen doch selbst wenn er es erreicht hätte wäre es sinnlos gewesen. Der gewaltige Eissplitter der ihm wie ein Speer quer durch den Körper ragte hatte zuerst Rhaegals Hals durchschlagen, war dann wieder aus dessen Rückratt herausgetreten und hatte Aegons Herz durchstoßen. Sein dicker Brustpanzer hatte die Klinge aufgehalten ehe sie Arya hätte treffen können “Jon.“ Sie hing halb aus dem Sattel ragend neben der Leiche seines Bruders, Rhaegl war leicht zur Seite geneigt als er sich in die Erde gegraben hatte, bestimmt war er tot bevor er überhaupt aufgeschlagen ist. Er durchschnitt ihr Geschirr für Aegon war schon alles zu spät, kraftlos fiel sie ihm in die Arme, er trug sie behutsam von dem toten Drachen weg und legte sie etwas abseits des Kadavers in den mit Ruß durchmischten Schnee “Mir geht’s gut.“ Versicherte sie ihm, aber sie war von Kopf bis Fuß mit dampfenden Blut überzogen. Schrammen bedeckten ihre Stirn und ihr Gesicht, Arya versuchte wieder aufzustehen doch scheinbar war ihr linker Arm gebrochen “Was ist das?“ Zuerst hörte er Ser Jamis Frage gar nicht, seine Gedanken gehörten allein seiner verletzten Schwester du seinem toten Bruder das er alles andere völlig vergas, dann griff ihm Aeryius unters Kinn und richtete seinen Kopf in Richtung Westen. Der Horizont leuchtete Blau auf “Das ist der Tod.“ Gab Aeryius mit grimmiger Miene zurück “Er hat uns eingekreist.“  

           









Theon




“Sie klettern an den Bordwänden hoch!“ Schnee, Eis und brennende Pfeile schossen durch die Luft, die Takelage war mit Raureif überzogen, ein zu Eis erstarrtes Spinnennetz welches vom Sturmwind in Fetzen gerissen wurde, ihr goldener Krake darauf verendete aufgespießt über dem Wasser. Die grauen Segel wurde von zu Splitterten gehärteten Regentroffen zerrissen, der Eisregen schnitt ihnen die Arme auf als sie sich diese schützend vors Gesicht hoben. Der Rumpf knarrte und jauchzte wie ein an Land gespülter Wal der langsam unter seinem eigenen Gewicht zu verenden drohte, das Meer um sie herum war binnen eines Herzschlages zu Eis erstarrt, die geborstenen Fluten hatten sie und ihre Begleitschiffe vollkommen eingeschlossen. Die Massen an verängstigten, verhungernden und ausgezerrten Bergbewohnern flohen in kopfloser Angst über das Packeis, sie trommelten mit ihren plumpen Gliedern gegen die Bordwände, die Kälte hatte ihre Finger und wahrscheinlich auch schon ihre Zehen gefressen, sie hoben ihre Kinder in die Höhe und flehten um Errettung vor dem sicheren Tod welcher ihnen nachhetzte “Da vorne! Die Berge, sie brechen zusammen!“ Quarl übertrieb nicht, erst sah es so aus als würden gewaltige Schneelawinen sich in das grauschwarze Wintermeer ergießen welche das Eiswasser zerbersten ließen aber dann hielten die weißen Wände mit einem Schlag gebannt inne. Die Schneeflocken und Eissplitter schienen wie an unsichtbaren Fäden in der Luft zu schweben, sie zitterten leicht doch warteten sie auf ihren Befehl zum Angriff “Was sollen wir jetzt tun?“ Godrig, genannt Allvater, war ein Hüne von Mann mit starren Augen und rauschendem schwarzen Vollbart der ihm quer übers Kettenhemd hing als er flehend zu Asha aus Oberdeck heraufsah. Seine Schwester aber starrte gebannt in Richtung Strand hinüber.

Der undurchdringbar scheinende Nebel lichtete sich, es wurden erste Schimmer und Schatten erkennbar, der Wind nahm wieder etwas zu, langsam erkannte er auch die ersten richtigen Konturen, die Kanten der zerrissenen Rüstungen und herausragenden Knochensplitter, die verdrehten Glieder welche sich an zerbrochene Klingen klammerten. Die stechend blauen Augen, die leeren, starrenden Gesichter und die totenblasen Gesichter der Unholde wurden mit jedem Herzschlag immer markanter, ihre Züge grausiger und ihre Herzen schlugen immer schneller. Sie warteten am Strand darauf dass das tosende Meer wieder erstarrte, denn obwohl die Unholde wie alle Leichen schwimmen konnten, konnten ihre Offiziere die Weißen Wanderer es nicht. Sie kämpften bevorzugt auf festem Boden “Sie formieren sich zum Angriff.“ Es war eine riesige Horde deren Ausläufe bis weit in die Bergtäler hinaufreichten, ihre Reihen verloren sich in den unzugänglichen Pfaden und Wegen die die Bergvölker benutzten aber sie marschierten auch quer über die unebenen Felder schroffer Geröllsplitter die Mensch und Tier die Beine zerschnitten ohne je langsamer zu werden. Ihre Linien waren feste Wälle aus gefrorenem Fleisch die ineinander verschwammen, doch die Reihen lichteten sich mit einem Mal. Es war als würde eine glühende Sense durch Butter schneiden so plötzlich wichen die Horden zurück, eine dünne Linie zog sich durch sie hindurch, ein Pfad auf dem gerademal ein einzelner Mann oder Pferd genug Platz hatten. Ein einzelnes Tier mit halbierter Schnauze trabte langsam durch die Massen hindurch in Richtung Ozean, auf seinem Rücken saß ein Krieger aus fahlen Eis der eine grässlich scharfe Lanze mit sich führte “Ihr Anführer.“ Nicht der Nachtkönig oder die Königin aber einer ihrer unheiligen Nachkommen und ein General in ihrer Armee der die Unholde da in den Kampf führte “Er kommt hierher. Sie kommen hier her um uns alle zu töten!“

Er sah nicht wer da sprach aber der Mann schien den Tränen nahe zu sein, Theon war auch zum Weinen zumute aber ihm fehlte die Kraft dazu, außerdem würden seine Tränen ihm nur auf den Wangen festfrieren doch andere waren nicht so vertraut mit dem Winter “Wir müssen fliehen!“ Rief eine gesichtslose Stimme aus der Menge, doch Asha schien ihn nicht gehört zu haben und wenn dann überging sie ihn einfach “Lasst die Leitern herunter, bringt die Frauen und Kinder unter Deck, gebt denen die noch die Kraft zum Kämpfen haben eine Waffe!“ Sie raffte sich von alleine wieder auf stolzierte mit festen Schritten die Treppe zum Deck hinunter, ihr schwerer Mantel aus seefesten Daunen wehte steil im scharfen Wind hinter ihr auf. Sie nahm sich einen der Schilde mit dem goldenen Kraken darauf, die um den zerbrochenen Mast herum aufgereiht waren und schnürte ihn an ihrem linken Arm fest ohne die von Angst und Panik gezeichneten Gesichter ihrer Mannschaft zu beachten “Wir sollen die da retten? Wir müssen zuerst einmal uns selbst retten!“ Godrig versperrte ihr den Weg als sie zur Reling gehen wollte, baute sich vor ihr auf die doppelschneidige Breitaxt fest in den Händen haltend und nickte mit dem bärtigen Kinn in Richtung des schroffen Landes im Osten “Wir müssen fliehen!" Er schrie sie an, Spuckkugeln schossen durch die Luft, erstarrten im Flug zu Hagelkörnern, prallten an ihrer tauben Backe ab und landeten auf dem von Raureif überzogenem Deck. Asha verzog nicht eine Miene über Allvaters Geschrei noch über das ratlose Raunen der Männer. Dann krachte Godrig nach hinten um, sein Blut erstarrte noch im Flug zu Eis “Seht euch um.“ Befahl ihnen seine Schwester und Königin.

Sie hatte Godrig mit der scharfen Kante des Schildes quer übers Gesicht geschlagen und ihm dabei wohl die Nase gebrochen, warmes Blut rann ihm dampfend über die kalten Gesichtszüge und verkrustete seinen langen Bart. Asha zog ihre Axt aus dem Gürtel und deutete damit, über Gdrigs und ihre Köpfe hinweg zum Strand nach Osten, nach Norden, nach Süden und nach Westen. Überall sah es gleich aus, das Meer war erstarrt, der Himmel war schwarz und der Horizont schier unerreichbar “Seht euch um!“ Befahl sie es ihnen erneut und riss die Axt herum “Wo wollt ihr hin!? Etwa wieder zurück nach Hause zu euren Müttern damit sie euch vor dem warmen Kaminfeuer wieder stillen können!?“ Ein raues Lachen schweifte durch die Menge, es hielt nicht lange an aber es erhellte für einen kurzen Moment ihre finstere Lage “Wo könnt ihr denn schon groß hin?! Wir sind Eisenmänner! Wir sind Krieger! Und wir sind hier an genau dem Ort wo wir jetzt sein sollten, weit draußen auf dem Meer! Unserem Element!“ Sie schlug ihre Axt zu Boden, die scharfe Klinge grub sich mit zitternden Schaft ins Deckholz “Überall, wo Menschen Salzwasser riechen oder den Donner der Wellen hören, da ist unser Königreich!“ Erinnerte sie sie an die alten Worte der Hoffartts von Orgomt und Harrenhal “Wir können nicht fliehen und wir werden auch nicht fliehen!“ Rief sie ihren Männern zu und deutete auf die Horden der Toten “Jetzt wird gekämpft und wenn diese klapprigen Skelette ein Heer von Eisenmännern auf See schlagen wollen, kann ich nur sagen, VERSUCHT ES DOCH!“ Sie hob ihren mit gefrorenem Blut überzogenem Schild in die Höhe damit alle ihn sehen konnten, den goldenen Kraken der Graufreuds von Peik überzogen mit einen dünnen aber stechend roten Schleier aus Blut “Was tot ist kann niemals sterben!“ Stand er seiner Schwester bei “WAS TOT IST KANN NIEMALS STERBEN!“ Die anderen schlugen mit ihren Fäusten und Äxten auf ihre Schilde und Brustharnische ein als sie den uralten Psalm von Salz und Felsen zitierten “Holt sie an Deck!“ Befahl Asha ein letztes Mal und dieses Mal leisteten ihre Männer sofort Folge “Und macht sie kampfbereit!“

Leitern und Seile wurden über die Bordwände gehangen an den die Flüchtlinge aus den Bergen und Hochtälern sich mühselig hinaufzogen, Seilwinde, Fischernetze und Hängematten wurden herabgelassen für die deren Glieder viel zu schwach waren um sich noch aus eigener Kraft hochzuziehen. Frauen, ein paar Alte, kleine Kinder und zerbrochene Männer kämpften sich mit aller Not auf die Decks ihrer Schiffe auf der Flucht vor dem Sturm “Armbrüste ins Krähennest! Axtkämpfer an die Reling! Hindert sie daran an den Bordwänden rauf zu klettern!“ Sie beugte sich weit über das Geländer ihres Schiffes und beobachtete den General aus lebendem Eis. Er reckte die Lanze in den Himmel, der Schrei den er von sich gab ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren, dann trat er aufs Eis.    















Taro




DOMM! DOMM! DOMM! Rhythmisch schlugen die Trommler im Takt zu den Hörnern und Flöten seiner Musikanten, es war das Orchester des Krieges welches sein Bestes zu bieten gab. Schneller wurden die Schläge, die scharf eingezogene Luft ließ einen grässlichen Ton über den Ebenen wiederhallen, Wimpel und Banner in goldenen und rotvioletten Farben knatterten über ihren Köpfen im beißenden Wüstenwind. Es war in den letzten Minuten bitterlich kalt geworden, eine dünne Schicht Eiskristalle bedeckte die mit Dornen übersäten Zinnen der Fünf Festungen, einige der Lanzen brachen in dem starken Sturm der da von Nordosten her auf sie zustürmte “Die Toten kommen, könnt ihr sie denn nicht singen hören?“ Wer hatte gefragt? War er es selbst gewesen? Schon möglich, in seinen letzten Jahren begann er immer wieder  mit sich selbst zu sprechen, zumal wenn jemand anderes schon im Raum war und darauf wartete das er das Wort an den Kaiser richten durfte. Er sprach laut aus was er dachte, und er dachte das dies das Ende war. Er sah über die Zinnen der oberen Befestigung hinweg, über die prall mit Männern gefüllten Mordgänge und Wehrplätzen, über die Stauden aus Öl- und Pechfässern, auf die Mannshohen Berge an Pfeilen und Speeren. Er überblickte die nach vorne gerichteten Arkebusen welche sie Drachendonner nannten, über die Pferde die sich in voller Kampfmontur in seinen Ställen zusammendrängten. Er überblickte die trockenen und mit Öl gefüllten Gräben zwischen den einzelnen Mauerabschnitten und die Reihen von Picken vor den Toren der Festungen. Er sah sich seine Männer an, einige dienten ihm schon seit mehreren Jahrzehnten, seit Beginn seines ersten Feldzuges von Anfang an welcher schon ein halbes Leben zurück lag, andere waren noch grüne Jungen die sich erst in den letzten Jahren der Armee angeschlossen hatten oder erst kürzlich zwangsrekrutiert worden waren um die kaiserlichen Reihen zu verstärken “Drachendonner bereit machen.“ Bat er einen seiner Adjutanten leise und höflich.

“DRACHENDONNER BEREIT MACHEN!“ Herrschte er seine Männer mit bellender Stimme an. Er sah sich seine Birg an, der schwarze Stein welcher älter als die Zeit zu sein schien seine faltigen Hände die darauf ruhten, er war alt geworden. Er sah sich seine Offiziere an, bewehrte, erfahrene Krieger so wie er, seine Ritter die ihm bis in den Tod und darüber hinaus ergeben waren. Taro sah sich seine Frau welche sich auf ihren riesigen Speer stützte, sie lächelte ihn an, er erwiderte es liebevoll und pflichtschuldig. Dann sah er nach Osten und wusste, das wird nicht reichen.
 
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