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No Mercy

von Ala5ka
Kurzbeschreibung
CrossoverDrama, Suspense / P16 / Gen
Adam Jensen OC (Own Character)
14.04.2017
15.10.2017
7
39.965
3
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Dieses Kapitel
1 Review
 
10.05.2017 4.433
 
Machthunger


Liriel hatte ein rundliches Gesicht, von den Augmentierungen metallisch blau betonte Augen, eine kleine Stupsnase, volle Lippen und ihr rehbraunes, vom Kampfe zerzaustes Haar, ging über ihre Schulter. Sie hatte sie zwar schon mit ihren Fingern zurecht gekämmt, doch fielen hin und wieder ein paar Strähnen in ihr Gesicht. Adam schätzte diese Frau auf ein Alter zwischen 30 und 35 Jahren.

Die schwarze Lederjacke mit der riesigen Kapuze, lag neben ihr auf der Couch und sie trug nur noch ein graues, zerrissenes Top. Die Bandagen, die um ihren Oberkörper gelegt waren, zeichnete sich unter dem Kleidungsstück ab. Als Adam seinen Blick etwas senkte, erkannte er eine schwarze Jeans.

„Trinken Sie Kaffee, Ms Johnson?“, fragte Adam, nachdem er eine Weile schweigend dagestanden war, als sie ihm ihren Namen offenbarte. Er wusste nicht, was er erwartet hatte. Ihm kam das geheimnisvoller vor, als es vermutlich war und dennoch war da irgendwas. „...und ich bin eine Assassine.“ Der Augmentierte wusste nicht, was das bedeutete. Sie hatte es mit ihrem Namen so in Verbindung gebracht, als gehören diese beiden Informationen zusammen - als wäre es etwas Essenzielles für ihre Identität. Assassine... Assassinen waren Attentäter und bei diesem Gedanken kam Skepsis auf - doch er wollte keine voreiligen Schlüsse ziehen. So seufzte er nur abermals, bewegte sich zurück in die Küche und holte zwei Tassen aus dem Schrank.

„Ich bevorzuge Tee“, erwiderte sie sanft und keineswegs fordernd.

„Tee ist aus.“ Es war nicht so, als ob Adam diesen irgendwann mal verbraucht hatte - er trank eigentlich keinen Tee. Alkohol kam seinem Geschmack da viel näher, doch empfand er es selbst als „seltsam“ einer Frau, die vor wenigen Stunden noch mit dem Leben gerungen hatte, Hochprozentiges anzubieten und Kaffee war das erste was ihm als Alternative einfiel.

Ohne auf ihre Antwort zu warten, setzte er Wasser auf.

Die Sonne zeigte sich heute nicht. Schwarze Wolken formten sich zu einem riesigen Klumpen zusammen und ließen die Stadt noch trostloser wirken. Adam vermutete, dass die Regenzeit wieder anbrach. Fing es einmal in Prag an zu regnen, vermochte es gar nicht mehr aufzuhören – jedenfalls ließ der Anschein das vermuten und das ließ Prags düsteres Wesen frei entfalten.

Der Agent hatte sich neben Liriel auf die Couch gesetzt, nachdem er ihr die heiße Tasse Kaffee reichte und betrachtete die Frau von der Seite.

Sie war hübsch, das musste er zugeben. Ihre blauen Augen fingen sein Augenmerk besonders. Sie wirkten ruhig und doch spürte er eine gewisse leise Gefährlichkeit in ihnen. Allgemein wirkte ihre gesamte Haltung ruhig und das war bemerkenswert, wenn man bedachte, dass sie angeschossen wurde. Es entging Adam nicht, dass Liriel ihren Atem so flach wie möglich hielt, um stechende Schmerzen zu vermeiden.

Die Stille lag eine lange Zeit zwischen ihnen und während  Johnson ihre Tasse mit beiden Händen umklammerte und sich gedankenverloren in seiner Wohnung umschaute, suche Adam nach den richtigen Fragen.

Natürlich konnte er darauf bestehen, dass sie ihm alles berichtete, was er wissen wollte, da er sie vor dem Tod bewahrt hatte, doch wusste der Agent ebenfalls, dass eine Rettung nicht gleich die Eintrittskarte in ihr Privatleben beinhaltete. So stellte er seinen Kaffee zurück auf den Tisch und holte Luft, um das erste zu fragen, was ihm schon lange durch den Kopf schwirrte und nämlich, von wem sie verfolgt wurden, doch Liriel kam ihm da schon zuvor: „Sind Sie erst eingezogen, oder ziehen Sie aus?“ Sie deutete auf die vielen Kartons, die hier und da herumstanden und unausgepackt oder eingeräumt zu sein schienen. Irritiert – weil es genau nicht das war, was Adam als erste Frage von ihrer Seite erwartet hätte – zog er beide Augenbrauen in die Höhe und musterte sie kurz fragend. Dann räusperte er sich und zuckte mit der Schulter. „Ich bin noch nicht dazu gekommen sie auszupacken. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Nein, keins von beiden.“

„M-hm.“, machte Liriel und stellte ihre Tasse neben Adam seine. Vorsichtig legte sie ihren rechten Arm um ihren bandagierten Oberkörper und zwang sich zu einem leichten Lächeln, als sie den Augmentierten in die Augen blickte. „Normalerweise würde ich so schnell es geht wieder verschwinden, da man als Assassine nirgends sicher ist, aber ich schätze, dass ich hier sicherer bin als irgendwo anders. Sie sind kein Templer.“

„Woran machen Sie das fest?“, fragte Adam, obwohl die Frau recht hatte.

„Sie haben mir geholfen, ganz einfach.“ Ihr erzwungenes Lächeln wandelte sich in ein ehrliches und warmes Schmunzeln. „Und das spricht auch noch sehr viel für Sie. Ich kann Ihnen also vertrauen. Wie sicher sind wir in Ihrer Wohnung?“

Diese Frage machte Adam etwas stutzig und er brauchte einen kurzen Moment, um die richtigen Worte zu finden. Auf dem ersten Blick würde er davon ausgehen, dass es tatsächlich nirgends sicherer für sie wäre, sich vor ihren Verfolgern zu verstecken, als hier und dennoch pflanzte sich ein unerwünschter Gedanke in seinem Kopf. Von Sicherheit konnte man in dieser Zeit nicht mehr reden Es war also in der Theorie und in der Praxis möglich, dass noch jemand mithörte. Aber wer und warum?

Liriel lachte kurz schnaubend auf und nickte dann verständnisvoll – so als hätte sie Jensen Gedanken gelesen. „Ich glaube wir sind allein. Sie haben mich ja nur aus Zufall gefunden. Wer sollte wissen, dass es ausgerechnet Sie trifft.“

„Sie haben mir immer noch nicht verraten, wer sie verfolgt hat und wahrscheinlich immer noch verfolgt.“, warf Adam schnell ein, bevor Liriel nach der Atempause noch etwas sagen konnte.

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll...“

„Am besten am Anfang?“, schlug der Augmentierte vor und verschränkte die Arme.

Die Frau vor ihm biss sich auf die Unterlippe, nickte ein paar Mal leicht, während sie überlegte und holte dann tief Luft. „Gut. Ich glaube, ich bin Ihnen sowieso eine ausführliche Erklärung schuldig. Aber davor würde ich mich gern etwas frisch machen. Dürfte ich das Badezimmer benutzen?“

„Natürlich“, sagte er schnell. Eigentlich hatte er gehofft, die Antworten seiner Fragen jetzt zu erhalten, aber wie es aussah, musste er noch etwas warten. Und so fragte er dann nach kurzem Zögern vorsichtig: „Brauchen Sie Hilfe?“

Liriel drückte sich mit beiden Händen von der Couch ab und lächelte schwach, als sie den Schmerz scheinbar unterdrückte, der durch diesen Kraftaufwand entstand.

Gleich im nächsten Moment riss sie die Nadel, die in ihrem Arm steckte, raus und drückte zwei Finger auf die Wunde, um zu verhindern, dass eine Blutfontäne weitere tiefrote Spuren auf die umliegenden Möbel spritzte...wobei der Zustand der Couch sowieso egal gewesen wäre, da Adam kurzerhand später feststellte - als sie aufgestanden war - dass dieses Möbelstück das Blut ihrer Schusswunde gierig aufgesaugte hat, nachdem er sie daraufgelegt hatte.

„Machen Sie sich keine Sorgen um mich. Es ist nicht das erste Mal, dass ich angeschossen wurde... und glauben Sie mir, ich habe schon Schlimmeres durchgestanden.“

Mit vorsichtigen Schritten lief sie um die Couch herum und bevor sie den kurzen Flur erreichte, machte sie auf ihren Absätzen kehrt und sah zu Jensen zurück. „Verzeihung, das war jetzt sicherlich etwas unhöflich von mir, Ihre Hilfe einfach so auszuschlagen." Sie schenkte Adam ein sanftes Lächeln. „Trotzdem danke. Sie haben schon genug getan und wenn ich ehrlich sein darf, Sie sehen müde aus, Adam. Vielleicht sollten Sie sich etwas ausruhen. Keine Sorge, ich stelle schon nichts an oder haue ab. In meiner Verfassung wäre das auch der dümmste Einfall.“ Ihre Stimme war ruhig und der Agent ließ diese kurz auf sich wirken, bevor er etwas erwiderte: „Den Flur entlang und die erste und einzige Tür links. In den Schränken sollten Sie alles finden, was Sie gebrauchen könnten. Bedienen Sie sich ruhig.“ Im Gegensatz zu ihrer Sanftheit war seine Stimme trocken. Er konnte nicht sagen, ob es von der Müdigkeit kam, die immer noch sein stetiger Begleiter um diese Uhrzeit war oder ob er sich bemühte nicht sentimental zu werden. Vielleicht auch beides?

Liriel bedankte sich kurz und im nächsten Moment hörte Adam wie die Badezimmertür ins Schloss fiel und es wieder still in seine Wohnung wurde.

Durchatmend beugte sich der Augmentierte etwas nach vorne, legte sein Gesicht in seine Hände und rieb die Augen mit den kybernetischen Fingern.

So harrte er einen Augenblick aus und lauschte dem Rauschen des Wassers aus der Duschkabine, bis seine Wohnungs-KI die Stille durchbrach. „Eingehender Anruf von Jim Miller. Soll ich ihn durchlassen, Mr Jensen?“

„Oh Mist...“ Er hatte die Operation komplett vergessen, die seine Einheit für heute vorsah. Mit einem Ruck stellte sich Adam auf und atmete abermals durch. „Lass ihn durch.“, antwortete er seiner KI und bereitete sich auf seinen wahrscheinlich aufgebrachten Vorgesetzten vor.

„Jensen! WO zum Teufel sind Sie?“

Das klang definitiv aufgebracht und Adam zuckte kurz zusammen, als die geladene Stimme durch die Wohnung drang.

Jetzt war er erleichtert darüber, dass er ihn nur am Telefon hatte und nicht gleich auf dem Bildschirm.

„Ich...ahm...“ Adam blickte nach hinten zur mobilen Krankenstation und kratzte sich am Kopf. Er wollte die Wahrheit sagen, konnte es aber nicht, selbst wenn sein Gewissen ihn dazu trieb. Jim Miller, sein Vorgesetzter, war ein guter Mann. Würde Jensen die Situation einleuchtend erklären, würde sich Miller zu 100 Prozent verständnisvoll zeigen. Doch hatte Liriel Johnson noch nicht dargelegt, was sie eigentlich mit all den Worten wie „Assassine“, „Templer“... “Gerechtigkeit“, meinte. Im Übrigen schien sie recht vorsichtig zu sein, ansonsten hätte sie sich nicht nach der Sicherheit dieses Apartment erkundigt. Er musste das erst einmal sicherstellen, dann könnte er mit Fakten auftreten.

„Ich kann heute nicht kommen.“ Im Grunde war das das Lächerlichste, was er hätte sagen können, doch auf die Schnelle fiel ihm nichts besseres ein.

„Was ist los? Stecken Sie in Schwierigkeiten?“, hackte sein Vorgesetzter nach und Adam erkannte einen besorgten Unterton in seiner Stimme.

Wieso vermuten das immer alle, wenn er von der Normalität abweichte?

„Ich glaube mit meinem HUD stimmt etwas nicht.“, log der Augmentierte. „Ich würde das gerne berichtigen lassen, da es auf die Nerven geht, wenn sich verschieden Fenster vor meinen Augen öffnen und hin und her hüpfen.“

Jim seufzte. „Na schön. Ich sende Ihnen die Unterlagen auf ihren Computer. Ich hoffe, Sie sind bei der Operation in aller Frische wieder dabei.“

„Machen Sie sich da keine Sorgen.“

„Mache ich nicht.“

Und somit war das Gespräch beendet.

Adam atmete auf und schürzte dann seine Lippen. Er hasste es zu lügen, da er selbst ein sehr direkter Mensch war, aber die Situation ließ es nicht anders zu und er konnte es auch nicht mehr daran ändern, so musste er einfach damit leben.

Jensen horchte kurz auf und immer noch konnte er das rauschende Wasser im Badezimmer vernehmen. Das Gespräch zwischen ihm und Miller hatte nicht allzu lange gedauert und Liriel war wahrscheinlich damit beschäftigt das Blut von ihrem Körper zu waschen. Den Umständen entsprechend würde das auch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Er hatte also noch einen Moment seine Gedanken zu ordnen.

Also nahm er auf der Couch wieder Platz und musterte den Armschutz, der auf der Tischplatte lag. Beim genauerem betrachten fiel ihm keine Klinge auf. Jacob hatte angegeben, dass getrocknetes Blut an dieser zu finden sei und Adam meinte sich ebenfalls zu erinnern, dass er eine scharfe Waffe unter ihrem Arm gesehen hatte, als sie noch blutüberströmt in der Gasse lag. Nein, er sah zwei. Eine an jedem Arm. Wo war also die zweite...?

Sein Blick fiel auf den Boden und er entdeckte das Gegenstück neben seinen Füßen liegen. Vorsichtig hob er es auf und begutachtete den ledrigen Armschutz. Es war schlicht und dennoch war das Leder fest genug, um einige Schläge abfangen zu können. Selbst einem Messerhieb würde die Oberfläche gut widerstehen.

Als er den Schutz etwas drehte entdeckte er ein kleines Bändchen, welches an der Stelle hing, worin der kleine Finger ruhen sollte. Zögernd zog er daran und im nächsten Moment sprang eine lange und dünne Klinge hinaus. Die Klinge, die noch vor Kurzem zu fehlen schien.

Jacob behielt Recht. An der Spitze der Waffe klebte tatsächlich Blut und Adam fragte sich erneut, gegen wen sie die Waffe gerichtet hatte.

„Man kann die Klinge aus der Halterung nehmen.“

Die sanfte Stimme hinter ihm ließ ihn hochfahren.

„Hier, ich zeig es Ihnen.“

Liriel, die hinter Adam stand, beugte sich etwas über die Rückenlehne der Couch, legte ihre Hand um die scharfe Waffe, drehte sie etwas nach rechts und im nächsten Augenblick war ein leises Klicken zu hören. Die anschließende Handbewegung, die sie machte, löste die Klinge endgültig aus dem Bügel und die Frau ließ diese geschmeidig um ihre Finger tanzen, bis sie den Griff der Waffe mit Mittel- und Zeigefinger und Daumen festhielt.

Demonstrativ hielt sie es hoch und ein Lächeln zog sich auf ihren Lippen. „Was Sie da vor sich haben nennen wir die „verstecke Klinge“. Sie ist ein wichtiges Utensil der Assassinen, wenn man jemanden unbemerkt töten will. Zum Beispiel kann ich beim Vorbeigehen die Klinge unauffällig ausfahren und wichtige Organe verletzen. Bis irgendjemand auch nur irgendwas bemerkt, bin ich schon mit der Menge verschmolzen. Praktisch, nicht? So können wir einem Kampf aus dem Weg gehen.“

„Wen wollen Sie denn töten?“, fragte Adam nüchtern.

Sichtlich enttäuscht, dass Adam kaum Begeisterung für ihre kleine Vorführung aufbrachte, ließ sie das schlanke Stück Stahl sinken, behielt jedoch das Lächeln noch auf ihren Lippen. Adam konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass sie das Blut, das noch an ihrer Waffe klebte, an ihrem T-Shirt abputzte und die gereinigte Stelle kurz betrachtete.

„Ich hoffe niemanden.“, antwortete Liriel dann seufzend, lief um die Couch herum und setzte sich neben den Augmentierten. „Auch wenn der Name „Assassine“ es vermuten lässt, töte ich nicht gerne. Nur wenn es unerlässlich ist.“ Sie nahm den Armschutz vorsichtig aus Adams Händen und steckte die Klinge zurück in die Halterung. Dann legte sie es zu der anderen auf den Tisch und lehnte sich etwas zurück.

Der Agent stellte fest, dass sie besser aussah. Die Blässe schien komplett aus ihrem Gesicht gewichen und ihre Körperhaltung war aufrecht. Sie strahlte eine gewisse Stärke und Selbstbewusstsein aus, die Adam kurz bewundernd die Augenbrauen hochzog, als sie nicht hinsah.

„Ich habe sie kurz telefonieren gehört. Ich hoffe ich halte Sie nicht von was wichtigem ab.“ Liriel strich ihr nasses Haar nach hinten.

Dass ausgerechnet sie das sagt...

„Machen Sie sich keine Sorgen deswegen. Es... war nichts wichtiges.“ Wobei das schon wieder gelogen war.

Liriel musterte den Mann kurz skeptisch und zuckte dann verlegen mit einer Schulter. Anscheinend hatte sie gemerkt, dass er nicht aufrichtig war, wollte aber nicht zu forsch klingen und gab sich mit der Aussage zufrieden. „Also...ich will Sie ehrlich gesagt nicht weiter auf die Folter spannen. Ich wurde von Templern gejagt und beinahe umgebracht. Richard und ich...“

„Templern?“, unterbrach Adam sie und klang dabei ungläubig - wenn nicht auch etwas sarkastisch. „Templer...wie Tempelritter?“

„Lassen Sie es mich erklären. Es mag vielleicht auf den ersten Blick etwas seltsam erscheinen, aber ich werde Ihnen keineswegs Unwahrheiten auftischen. Seien Sie sich dessen gewiss.“ Auch wenn Liriel über diese Bemerkung weniger erfreut war, blieb sie ruhig und leise. Woher sollte er auch wissen, was sie meinte? Das Einzige was sich an ihr veränderte, war ihr Lächeln. Es wurde kalt. „Und ja, Tempelritter.“

Der Agent biss sich auf die Unterlippe, während er immer skeptisch dreinblickte, doch Liriel ließ ihm gar nicht die Chance einen Kommentar abzugeben.

„Ein paar Spinner dachten sich, das Vermächtnis ihrer Vorfahren anzunehmen und einen moderneren Orden zu gründen. Die Templer starben leider nicht zusammen mit dem letzten Großmeister ihrer Zeiten, Jacques de Molay, aus.“, erklärte die Frau und wandte ihr Gesicht von ihm ab. Das Lächeln erstarb mit einem Male. „Dieser Templerorden agiert mit der Welt im Geheimen und mittlerweile haben sie mehr als nur eine Handvoll von Mitgliedern. Sie haben ihre Finger  in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft.“

Adam musste sofort an den Illuminatenorden denken, der dem ähnlich kam, was Liriel versuchte zu erklären. Es gab also noch eine Gruppierung, die Kontrolle ausübte? Die die Welt beeinflusste? Oder war das nur ein anderer Name für ein und dieselbe Organisation?

„Die Templer trachten nach Ordnung...“, setzte Liriel wieder an, als sie eine kurze Pause gemacht hatte. „...und sie sind der Meinung, dass eine Welt nur dann friedlich sein kann, wenn der freie Menschenwille genommen wird.“

„Ich verstehe nicht ganz, Ms Johnson. Wie soll der freie Wille eines Menschen genommen werden?“, fragte der Augmentierte überrascht.

„Da komme ich ins Spiel.“ Ihr Blick war wieder auf ihn gerichtet und ihre blauen Augen schienen klar zu leuchten. „Was ich Ihnen jetzt erklären werde...wird für Sie wahrscheinlich wie eine Tatsache der Unmöglichkeit klingen, aber versuchen sie mir zu glauben.“

Adam räusperte sich kurz und verschränkte seine Arme vor seiner Brust, während er Liriels Blick mit einer gehobenen Braue erwiderte.

[An dieser Stelle möchte ich kurz darauf hinweisen, dass ich stark von den Assassin's Creed Spielen abweichen werde, was Abstergo Industries angeht, ansonsten würde es ja keinen Sinn ergeben, wenn Adam einen so großen Konzern nicht kennt(:]

„Sagt Ihnen Abstergo Industries etwas?“, wollte die Frau im nächsten Moment wissen und Adam überlegte.

„Ist das nicht diese kleine Firma, die Spiele auf historischen Begebenheiten entwickelt?“

Johnson nickte und lächelte wieder. „Tja...das ist das, was sie der Außenwelt verkaufen, aber tief im Herzen Abstergos befindet sich der Orden und die produzieren keine Spiele. Dort forschen sie. Dorthin werden Menschen entführt und kommen selten wieder raus. Diese armen Seelen...“

„Wenn Sie es doch so genau wissen, wieso melden Sie es nicht der örtlichen Polizei? Die wären sicherlich daran interessiert.“ Und dann fügte Adam noch beiläufig hinzu: „Und die Medien erst...“

Liriel lachte schnaubend auf und schüttelte ihren Kopf, den sie etwas gesenkt hatte. „Wenn das so einfach wäre, wäre ich nicht hier.“

„Sie sagten, der Orden forscht. Was forschen die? Und warum entführen die Menschen? Zu welchem Zweck?“

„Sie suchen den Edenapfel mithilfe des Animus. In unserer DNA sind Erinnerungen gespeichert. Der Animus kann diese vergangenen Erinnerungen jener Vorfahre abrufen, die dort zu finden sind.“

„Sie reden von Zeitreisen?“

„Oh? Oh, nein, nein, nein.“, sagte Liriel schnell, um diese Vermutung so schnell wieder auszuschlagen, wie sie konnte. „Mit dem Animus reist man nicht in die Zeit zurück... also eigentlich schon...aber man kann nichts verändern. Sollte man es jedoch versuchen, wirft der Animus einen wieder raus. Was geschehen ist, bleibt geschehen, das kann niemand beeinflussen...man miterlebt nur die Erinnerungen seines Vorfahren.“

Adam brauchte einen Augenblick, um zu verstehen was sie gerade sagte. Und auch wenn er sich bemühte eine Logik in ihren Worten zu finden, verwehrte sein Verstand diese Information. „Sie wollen mir also sagen, dass es eine Technologie gibt, die einen Menschen zeigen kann, welche Erinnerungen sein Vorfahre hatte?“

„Besser noch!“ Die Frau klatschte in ihre Hände und legte den Kopf lächelnd schief. „Man kann selbst fühlen, was die Person gefühlt hat, riechen, hören, sehen, spüren...alles!“

„Und was hat es mit diesem...Apfel auf sich?“, hackte der Agent nach.

„Das...ist der negative Aspekt. Vor der Menschheit gab es eine „erste Zivilisation“, die mächtige Artefakte gefertigt haben und darunter auch den Edenapfel.“ Ihre Stimme bekam eine traurige Note. „Mithilfe diesem Artefakt kann man Illusionen aufbauen, in die Zukunft schauen und den freien Willen nehmen.“

„Klingt skurril...“

„Wäre ich an Ihrer Stelle, dann würde ich das auch behaupten, glauben Sie mir das.“ Seufzend schloss sie die Augen für einen kurzen Moment und Adam bemerkte, dass sie ihre Arme wieder um ihren Körper gelegt hatte.

„Geht es Ihnen gut?“, erkundigte er sich und die Frau nickte. „Keine Sorgen, es geht schon.“

„Sollte irgendetwas sein, kann ich Jacob anrufen.“

„Oh, danke, aber das ist wirklich nicht nötig. Jacob hat die Wunden ja sorgfältig zugenäht und im schlimmsten Falle kann ich ja eine Schmerztablette nehmen...oder den Alkohol da drüber.“, scherzte sie. Als sie zu seinem Küchentisch deutete – zu der Whiskyflasche, die neben seinem Laptop stand – hielt sie immer noch die Augen geschlossen.

Adam schmunzelte. „Möchten Sie einen Schluck?“

„Oh, nein, nein. Ich habe heute noch was vor, da sollte ich lieber nüchtern bleiben.“

„Sie haben heute noch was vor?“

Liriel öffnete die Augen und blickte in die gelbgrünen des Augmentierten, die Verblüffung zeigten. „Wo waren wir überhaupt? Ach ja! Welche Rolle ich in diesem ganzen Chaos spiele. Nun...machen Sie sich gefasst! Es wird noch skurriler.“ Die Frau holte tief Luft. „Am Ende des zweiten Weltkriegs, sollte der Edenapfel an Churchill ausgehändigt werden, aber die Assassinen verhinderten das rechtzeitig.“

„Moment...“, unterbrach Adam sie ein zweites Mal. „Sie wollen mir erzählen, dass Winston Churchill ein Templer war?!“

Liriel konnte sich das Lachen nicht verkneifen, schüttelte mit dem Kopf und legte ihn dann in den Nacken. „Ich weiß genau wie das für Sie klingen muss, aber glauben Sie mir, er war einer der etwas...größeren Templer mit...weniger guten Absichten...oder wie Sie auch immer die Absichten der Templer beschreiben wollen.“

„Ordnung finde ich gut, aber den freien Willen dafür zu nehmen finde ich weniger gut. Ich schätze, die Templer sind die Bösen in Ihrer Geschichte. Was machen die Assassinen mit dem Apfel?“

„Verstecken.“, antwortete Liriel knapp.

„Wieso verstecken? Wieso nicht gleich...zerstören – oder wie man das bei Artefakten auch immer macht.“

„Weil es nicht geht. Macht ist eine Droge, von der nur wenige wieder loskommen, Adam.“, begann Liriel mit einer ruhigen Stimme. „Sobald man den Apfel in der Hand hält, hat man das Bedürfnis von ihm und seiner Macht zu kosten. Dieses Artefakt gibt einem das Gefühl, dass man es beherrscht, aber in Wirklichkeit verdirbt es nach und nach die Seele des Trägers, die Psyche zersplittert, der Geist wird labil. Wir Menschen sind nicht dafür gemacht den Apfel zu benutzen, geschweige denn ihn zu kontrollieren.“

„Und warum glauben die Templer, dass sie das können?“

Diese Frage schien die Frau kurz stutzig zu machen, dann zuckte sie selbst fragend die Schulter. „Sie glauben, dass sie ihn trotzdem erforschen können...sie wollen dieses Ding verstehen und wenn sie herausgefunden haben, wie es funktioniert, dann wollen sie es gegen die gesamte Menschheit anwenden.“

„Die Reichweite des Einflusses dieses Artefakts reicht über die gesamte Erde?!“ Fassungslos zog Adam die Augenbrauen zusammen.

„Nein...aber wir haben das hier.“ Liriel hob ihren Finger und zeigte auf die Zimmerdecke, doch was sie meinte war weit drüber hinaus. „Satelliten.“

„Sie machen Witze.“

„Ich wünschte es...“

Die beiden sahen sich eine Weile schweigend an, bis Liriel wieder das Wort ergriff: „Jedenfalls verhinderten die Assassinen, dass der Apfel zurück in die Hände Churchills fiel und verschwanden damit. Ein Assassine, die dabei war, hieß Ava Manson – mein Vorfahre. Sie weiß, wo der Apfel hingebracht wurde und wo er auch jetzt immer noch sein muss.“

„Hier in Prag?“, vermutete Adam.

„Ja.“

„Aber Sie erwähnten mehrere Assassinen. Wieso ausgerechnet Sie?“, wollte der Augmentierte wissen.

„Bei der Bergung dieses Artefaktes waren drei Assassinen dabei. Der eine hatte keine Nachkommen, der andere wurde während der Flucht ermordet und dann bleib da nur noch Ava. Sie gehörte zu den Hütern, also die, die sich darum kümmern, dass die Artefakte nicht missbraucht werden. Selbst der Mentor der Assassinen hatte keine Ahnung, wohin sie den Apfel brachten.“

„Das ist also der Grund, wieso die Templer Sie jagten. Sind noch mehr Assassinen hier in Prag?“

„Wir waren mal...zu fünft: Ethan, Scarlett, Luke, Richard und ich. Ethan würde einen Tag nach unserer Ankunft von einem Templer erschossen, Luke und Scarlett sind verschwunden, nachdem die beiden zur Bethlehemskapelle gegangen sind, um einen Hinweis nachzuprüfen und über Richard wissen Sie ja bereits Bescheid...“ Während sie das erzählte, wandte sie ihren Blick von Adam ab und ließ einige nasse Strähnen auf ihr Gesicht fallen. „Wir rechneten eigentlich nicht mit Verlusten...aber anscheinend hatten wir einen Verräter in unserer kleinen Mitte.“

„Sie meinen unter Ihnen fünf?“

„Nein. Wir sind leider nur noch eine Handvoll Assassinen. Um genau zu sein...in London gibt es gerade mal 30 Menschen, die freiwillig unseren Wegen folgen. Ich vermute einer von denen kooperiert mit der feindlichen Seite.“ Dann fügte sie noch hinzu: „Die Templer haben die Zahl der Assassinen im Jahre 2027 drastisch reduziert. Sie wissen ja selbst, was da passierte.“

Adam erinnerte sich zu gut an den „Zwischenfall“.

„An diesem Tag wurden so viele Menschen umgebracht, darunter auch sehr viele Assassinen. Es spielte zu dieser Zeit keine Rolle, ob Assassine oder nicht. Niemand musste sich rechtfertigen. Es war ein perfekter Schachzug und wir waren nicht vorbereitet.“

„Es tut mir leid, das zu hören.“, sagte Adam mitfühlend.

„Muss es nicht. Sie sind ja auch augmentiert... Ich nehme an, Sie haben ebenfalls Verluste gemacht.“

„Um ehrlich zu sein, blieb ich diesem Wahnsinn verschont.“

Liriel blickte auf. „Oh.“ Sie klang überrascht über diese Aussage. „Dann sind Sie einer der Glücklichen. Ich habe nur noch rot gesehen. Blut...Leichen...Schlimmeres. Ich habe sogar gedacht, ich sterbe selbst.“ Seufzend zuckte sie dann abermals mit der Schulter und kämmte sich die Strähnen aus ihrem Gesicht. „Ich muss zurück zum Unterschlupf. Ava hat Tagebuch geführt. Ich brauch es, denn dort sind Hinweise versteckt, wo der Apfel sein könnte. Wenn die Templer das in die Finger bekommen, haben wir ein Problem.“

„Also Sie und das Tagebuch?“

„Tja...mehr haben wir von Ava nicht.“

„Und das Tagebuch ist in Ihrem Unterschlupf?“

„Leider... Verdammt! Wir haben zu voreilig gehandelt. Die Templer lockten uns aus unserem Versteck, als sie Lukes Handy benutzten, um Richard eine Nachricht zu schreiben, dass sie in der Kapelle was gefunden haben und er sich das mal anschauen sollte... Richard bestand darauf, dem nachzugehen. Wir hatten eigentlich gehofft auf Luke und Scarlett zu treffen...dabei liefen wir direkt in die Arme der Templer. Dann gab es einen kurzen Kampf, wo ich angeschossen wurde...und fand mich wenig später in der Gasse wieder, wo Sie uns gefunden haben. Auf jeden Fall muss ich zurück und schauen, ob das Tagebuch noch da ist...wobei ich vermute, dass dort auch noch ein paar Templer zu finden sind.“

Adam verschränkte die Arme und schüttelte leicht mit dem Kopf. „Ich glaube nicht, dass Sie in der Verfassung für solche Aktionen sind, Liriel.“

Die Frau lachte kurz schnaubend auf. „Ich wünschte ich hätte auch eine andere Wahl...aber die habe ich nun mal nicht und ich muss meinen Pflichten als Assassine nachgehen.“

„Das wäre Selbstmord“, murmelte Adam.

„Berufsrisiko“, erwiderte sie noch in der gleichen Sekunde.

„Ich kann Sie nicht von diesem Gedanken abbringen, was?“

„Hören Sie... Ich bin Ihnen wirklich für die Fürsorge dankbar, aber ich kann nicht zulassen, dass die Templer uns einen großen Schritt voraus sind und wenn ich die Möglichkeit habe etwas Schlimmes zu verhindern, dann ergreife ich diese Chance.“

Innerlich verfluchte sich Adam für die nächste Aussage, doch irgendwie hatte er das Gefühl für diese Frau auf irgendeiner Weise verantwortlich zu sein. „Dann begleite ich Sie dahin.“

Liriel lächelte und Adam konnte deutlich die Erleichterung in ihren Augen ablesen. Sie war anscheinend froh über seinen Vorschlag.
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