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Valentinsdämon

OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe
14.04.2017
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„Auch wenn viele sagen, dass der Valentinstag nur noch ein kommerzieller Tag ist, den die Läden für sich entdeckt haben, um Geld zu scheffeln, ist er für viele liebende Herzen immer noch das, was er ursprünglich sein sollte. Der Tag, an dem das Mädchen ihre Liebe mit selbstgemachter Schokolade zum Ausdruck bringt. Kein kommerzieller Gedanke den irgendjemand hat, kann diese unschuldigen Gefühle korrumpieren, denn Liebe ist stärker als alles andere. Und deswegen, Marron, ist es unsere Aufgabe, unsere Liebe ebenfalls mit Schokolade zum Ausdruck zu bringen!“

Es war typisch, dass Miyako zur Übertreibung neigte, auch wenn Marron gestehen musste, dass Miyako mit allem was sie sagte Recht hatte. Dennoch, wem sollte Marron ihre Schokolade schenken? Sicher, sie würde eine kleine Schachtel Pralinen für Miyako bereiten, heimlich, in ihrer eigenen Wohnung. Immerhin hatte Marron es all die Jahre so gemacht, als Dankeschön für Miyako, die ihr immer eine so gute Freundin war. Außerdem liebte sie Miyako auf eine andere Art und Weise als sie wohl Chiaki liebte, aber der Valentinstag hatte ja nie genau festgelegt, wie diese Liebe aussehen musste.

„Meinst du nicht, dass du ein bisschen übertreibst, Miyako?“

„Marron, man kann diesen Tag nicht ernst genug nehmen! Diese Schokolade entscheidet, ob man mit demjenigen den man liebt glücklich wird oder nicht. Deswegen solltest du das ganze etwas ernster nehmen.“

Etwas ernster. Marron war nicht der Meinung, dass sie das etwas ernster nehmen musste, immerhin nahm Miyako das ganze ernst genug für zwei.

„Ich schwöre dir Marron, meine Schokolade wird jeden in die Knie zwingen. Du solltest dir auch etwas Mühe geben. Du wirst schließlich nicht die Einzige sein, die Chiaki ihre Schokolade gibt. Deine muss also deutlich die Beste sein.“

Marron stockte, als Miyako Chiaki erwähnte. Bis vor einigen Wochen hätte sie sicher noch gehofft Chiaki ihre Schokolade zu geben, doch seit sie wusste, dass er Sinbad war, hatte sich alles schlagartig verändert. Er hatte sie belogen, hatte von Anfang an gewusst, dass sie Jeanne war. Im Auftrag des Bösen hatte er versucht sich ihr zu nähern. Auch wenn sie noch nicht verstand, was genau er damit bezweckt hatte, immerhin hatte er sie auch oft genug beschützt. Es war verwirrend. Sie hatte sich eindeutig in Chiaki verliebt und es schmerzte daran zu denken, dass all das, was er für sie getan hatte, nur eine Lüge gewesen war. Daher war sie sich nicht sicher, ob sie diese Schokolade für Chiaki machen sollte.

„Hey, Marron!“

Sie zuckte zusammen, als sie Miyakos laute Stimme hörte. Scheinbar hatte Miyako sie schon häufiger angesprochen. Richtig, sie hatte Miyako nicht einmal erzählt, dass zwischen ihr und Chiaki nichts laufen konnte. Sie musste schließlich das Geheimnis wahren, dass sie Jeanne war. Die Person die Miyako schon so lange Zeit zusammen mit der SoKo Jeanne jagte. Nein, das hätte sie ihrer besten Freundin niemals antun können.

„Du wirst doch Schokolade für Chiaki zubereiten, oder?“

Marron seufzte leise. Sie war es leid Miyako zu belügen, schon wieder. Sie würde sich wohl nie daran gewöhnen und doch zwang sie sich zu einem Lächeln welches so authentisch wie möglich aussehen sollte.

„Das bleibt mein Geheimnis~“, antwortete sie. Immerhin musste sie so nicht lügen. Dennoch, sie würde zusammen mit Miyako Schokolade machen und wahrscheinlich würde jeder ihrer Gedanken dabei Chiaki gelten. Nur würde sie ihm diese nicht geben und letzten Endes wohl alleine essen. Wenn nur Fynn da wäre, sie hätten diese Schokolade teilen können.



**~~**



Itoe stand unschlüssig vor einem dekorierten Tisch mit roten Herzen die jeden, der den Supermarkt betrat daran erinnerte, dass morgen Valentinstag war. Sie hatte sich fest vorgenommen Kouhei endlich zu sagen was sie empfand. Zumindest symbolisch mit dieser Schokolade. Es war das erste Mal, dass sie vor hatte Schokolade selbst zu machen. Sie hatte sich sogar von Natsumi ein Buch geliehen, in dem geschrieben stand, wie sie die Pralinen machen und füllen sollte. Es würde ein hartes Stück Arbeit werden. Doch Kouhei war es wert. Die Frage war nur, was für Schokolade er bevorzugte. Weiße oder doch Zartbitter? Vielleicht sollte sie auch auf die traditionelle Vollmilch Variante vertrauen? Sie war sich wirklich gar nicht sicher, doch wenn sie es recht bedachte... Itoe sah auf die herzförmige Pralinenschachtel. Sie hatte Platz für genug Pralinen, so dass sie auch mischen konnte. Vielleicht war das sogar die bessere Idee.

„Wehe er mag sie nicht...“, murmelte sie leise und nahm drei Tafeln schmelzbarer Schokolade. Sie war nervös. Würde es ihr gelingen? Es musste einfach.



Misto hatte schon lange ein Auge auf diesen albernen Stand inmitten des Supermarktes geworfen. Von einem Regal aus, auf dem niemand sie zu bemerken schien. Den Dämon in seiner Kindergestalt. Liebe, würg. Wie konnten die Menschen nur an so ein widerliches Gefühl glauben? Es machte doch mehr Spaß sich an der Verzweiflung andere zu erfreuen, zu sehen wie sie litten und zu einem erbärmlichen Gott winzelten, der eine Jungfrau als Retterin gegen den dunklen König in die Schlacht schickte.

Mistos Aufmerksamkeit wurde schließlich auf ein Mädchen gezogen, welches unschlüssig auf die vielen Schokoladen des Standes blickte. Von ihr gingen besonders starke Wellen der Hoffnung und Liebe aus. Würg. Misto entschied, dass sie perfekt dafür war, ihren Valentinstag zu ruinieren. Sie nahm ein blaues Bonbon aus ihrer Dose und schnipste dieses gezielt auf die Pralinenschachtel, welche das Mädchen hielt. Ein diabolisches Grinsen zeichnete sich auf ihrem kindlichen Gesicht ab. Das würde wohl der schönste Valentinstag werden, den Misto kannte. Chaos, gebrochene Herzen, das entsprach schon eher ihrer Vorstellung. Noch dazu würde dieser Dämon mächtig genug sein um auch Jeanne auszuschalten. Soviel war sich Misto sicher.



**~~**



Marron sah auf die Schokolade, welche sie in ihrer Tasche trug. Miyako hatte ihre Pralinen bereits bekommen, doch sie fragte sich, ob sie diese in Herzform gegossene Schokolade wirklich selbst essen sollte.

Ihr Blick glitt zu Chiaki, der gerade von einer ihrer Klassenkameradinnen ein kleines Geschenk erhalten hatte. Miyako hatte Recht. Er bekam einiges an Schokolade. Ob er ihre Schokolade auch mit dieser coolen Mimik und diesen Machosprüchen annehmen würde?

Marron schüttelte den Kopf und wandte ihren Blick von Chiaki ab. Bloß nicht daran denken, er war Sinbad, ihr Feind. Feinden schenkte man keine Schokolade. Das war absurd.

„Allmählich solltest du ihm deine Schokolade geben, Marron. Viele Chancen hast du nicht mehr.“

Miyako hatte wohl Recht. Wenn Marron ihre Schokolade wirklich jemand hatte geben wollen, dann müsste sie sich beeilen. Sobald sie zum Training gingen, war es auch schon zu spät. Sie brachte es allerdings auch nicht übers Herz diese Schokolade irgendjemanden zu schenken. Letzten Endes würde sie diese wohl alleine Essen.

„E-entschuldigung... I-Ist Kouhei hier?“

Marron und Miyako sahen zur Tür, an der ein Mädchen stand, welches eine herzförmige Schachtel fest umklammert hielt. Ihre schwarzen Haare waren zu einem Zopf gebunden, allerdings wirkte ihr Stil nicht streng, abgesehen von der Schuluniform. Einzelne Haarsträhnen hingen ihr etwas über die Stirn, bedeckten aber nicht ihre braunen Augen. Sie wirkte unsicher, als sie in den Klassenraum blickte.

„Kouhei? Du meinst Shinozaki-san? Er ist mit Kurosawa-san und den anderen aufs Dach gegangen, denke ich“, antwortete Miyako.

„Danke.“

Piep Piep... Piep Piep...

Marron zuckte zusammen, als sie das Amulett in ihrer Tasche hörte. Sie kannte dieses Geräusch. Ein Dämon war in der Nähe. Misto? Sie sah sich um, so unauffällig es ging. Nein, Misto war nirgends zu sehen. Es blieb nur eine Möglichkeit. Marrons Blick glitt zu dem Mädchen welches ihr Klassenzimmer verließ. Kaum dass sie außer Reichweite war, verstummte das Amulett, von dem sie hoffte, dass Miyako es nicht gehört hatte. War dieses Mädchen besessen? Oder hatte sie den Gegenstand bei sich, der Besessen war? Was konnte es sein?

„Entschuldige, Miyako, ich muss auf Toilette!“

So schnell Marron konnte, sprang sie auf. Sie musste diesem Mädchen folgen. Immerhin wusste sie, wohin sie wollte.



Itoe war glücklich, als sie ihn auf dem Dach sah. Ihr Herz klopfte wie wild und sie spürte die Nervosität die sie vollkommen im Griff hatte. Er saß zusammen mit seinem besten Freund auf einer der Bänke und lachte über Jungskram. Itoe überlegte, ob sie ihre Pralinen Kouhei geben sollte, wenn er noch in Gesellschaft war. Es ihm zu geben, wenn er alleine war, war schon peinlich genug. Sie mochte ihn, sehr sogar. Immerhin waren sie seit zwei Jahren im Club der Schülerzeitung. Sie arbeiteten häufiger zusammen und es gefiel Itoe. Mit Kouhei machte es ihr am meisten Spaß mit ihm zusammen für Artikel zu recherchieren.

'Ich kann sagen, dass es einfach nur ein Dankeschön ist', versuchte sich Itoe klar zu machen. Vielleicht war sie dann nicht ganz so nervös und es wäre nicht ganz so peinlich. Vor allem nicht vor seinem Freund.

'Genau das sage ich.'

Entschlossen ging Itoe auf Kouhei zu. Wenn sie ihm heute keine Valentinspralinen gab, dann wäre ihre ganze Arbeit vom Vortag vollkommen umsonst gewesen. Das konnte sie nicht riskieren. Noch dazu war sie doch sonst nicht so.

„Kouhei!“, rief sie und machte sich damit für Kouhei bemerkbar. Er sah auf, und schenkte ihr dieses unvergleichliche Lächeln, was er ihr immer widmete, wenn sie eine neue Story ausgegraben hätte.

„Itoe, was gibt’s? Das Clubtreffen ist doch erst morgen.“

Itoe holte tief Luft. Sie musste so natürlich wie möglich klingen.

„Hier, die habe ich für dich gemacht. Als Dankeschön für alles.“

Kouhei lächelte. Vielleicht hatte er die Nachricht verstanden. Sie hielt ihm die Schachtel mit Pralinen entgegen und war erleichtert, als er danach griff und sie annahm. Nun hatte sich die Arbeit wirklich gelohnt.

„Danke.“

„Mann, Kouhei, dass du doch noch etwas bekommst. Was für Pralinen sind es?“

Kouheis Freund schien aufgeregt und Itoe errötete. Niemand außer Kouhei sollte sehen, was in der Schachtel war. Der Inhalt war nur für Kouhei bestimmt. Sie schluckte schwer als Kouheis Freund nach der Schachtel griff.

„Pfoten weg, das sind meine!“

Itoe erschrak genauso wie Kouheis Freund, als Kouhei dessen Hand plötzlich weg schlug. Itoe hatte zwar nicht gewollt, dass sein Freund eine ihrer Pralinen aß, doch diese Reaktion, passte einfach nicht zu ihm. In der Regel lehnte er mit einem Lachen ab, oder teilte. Aber so eine Reaktion hatte sie noch nie von ihm gesehen.

„Kouhei, ich wollte doch nur-“, fing sein Freund an, doch in Kouheis Augen glühte etwas auf, das ihn zurückschrecken ließ.

„Itoes Pralinen gehören nur mir!“ Kouheis Stimme war ein Knurren, als er noch einmal klar machte, warum er nicht teilen würde. Niemals. Itoe selbst schreckte zurück. So kannte sie ihn wirklich nicht. Etwas an ihm machte ihr Angst.



Das Piepen des Amuletts wurde schneller, je näher Marron dem Dach kam. Die Tür war nur noch eine Armlänge von ihr entfernt, als sie plötzlich aufgestoßen wurde und das Mädchen von zuvor ihr förmlich in die Arme lief. Sie konnte gerade rechtzeitig ausweichen und lief an Marron vorbei. Deutlich konnte Marron erkennen, dass ihr Tränen über die Wangen liefen. Nein, sie konnte nicht besessen sein. Keiner der von einem Dämon je besessen war, weinte. Noch dazu, verstummte das Piepen nicht, als sie sich entfernte. Das Tempo blieb. Marron lugte durch die Tür und erkannte Kouhei, der die Pralinenschachtel umklammerte als sei sie eine Rettungsleine. Marron kannte Kouhei und diesen Blick war sie nicht gewohnt. Ihr war sofort klar, was das bedeutete. Er war der Besessene und das Objekt welches der Dämon nun bewohnte, war die Pralinenschachtel, oder sogar die Pralinen selbst. Das war doch Wahnsinn. Wie weit gingen die Dämonen noch?

Marron wusste, dass sie handeln musste. Nein, Jeanne musste handeln.



**~~**



Itoe hätte sich ohrfeigen können. Es war doch ein gutes Zeichen, dass Kouhei seine Schokolade nicht teilen wollte. Zeigte das nicht, wie viel sie ihm bedeutete? Warum machte es sie dann so traurig Kouhei so zu sehen? Zu sehen, wie er seinen besten Freund behandelte. Es fühlte sich nicht richtig an. Just in dem Moment, in dem sich Kouhei verändert hatte, fühlte alles sich so falsch an. Doch was sollte sie tun? Sollte sie nicht glücklich sein? Itoe seufzte.

„Das ist aber ein tiefer Seufzer für ein Mädchen an diesem Tag.“

Itoe blieb inmitten des Weges stehen, als sie eine Stimme vor sich hörte. Sie sah auf und erkannte den neuen Lehrer ihrer Schule. Er sah sie verständnisvoll an. Auch wenn sie zugeben musste, dass in seine braunen Augen, die unter den roten Strähnen seiner Haare hervorblitzten, etwas heimtückisches aufblitzte. Warum? Was machte er hier? Itoe wusste es nicht.

„Shikaido-sensei! Was machen Sie hier?“

Er kam einige Schritte auf sie zu. Ein Instinkt in Itoe sagte ihr, dass sie weglaufen sollte, doch sie konnte nicht. Es war als hielt eine unsichtbare Macht sie fest.

„Nun, ich war auf dem Weg zur Polizei. Es scheint das Jeanne einen unserer Schüler droht.“

Itoe schluckte. Einen Schüler? Jeanne? Sie hatte ja schon viel von der Diebin Jeanne gehört, aber warum sollte sie ausgerechnet einen armen Schüler bedrohen? Das machte keinen Sinn, wenn man nicht gerade der Sohn eines reichen Haushaltes war.

„Einen Schüler? Sicher, dass das kein Witz ist?“, fragte Itoe ungläubig. Seltsam, hatte sie ein kurzes Lächeln auf seinen Lippen aufblitzen gesehen?

„Nein, es ist kein Witz. Shinozaki-kun hat folgende Karte zu uns gebracht.“

Er zog aus seinem schwarzen Jackett eine Karte raus. Sie bestand aus weißen Papier mit goldenen Ornamenten und in schwarzen Lettern stand „Ich werde der Liebe die Schönheit nehmen“. Itoe schwante Böses, als sie das las. Hatte sie vor, Kouhei etwas anzutun? Oder... Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Sie wollte Kouheis Pralinen klauen.

„Ich bezweifle, dass die Polizei eingreifen wird, vielleicht... sollte sich jemand darum kümmern, der sich wirklich um Shinozaki-kun sorgt.“

Shikaido stand nur noch wenige Zentimeter von Itoe entfernt und hielt ihr einen Dolch entgegen, als wollte er sagen, dass sie genau wusste, was es zu tun galt. Und sie verstand es auf seltsame Art und Weise. Es fühlte sich an, als würde seine Stimme in ihren Gedanken widerhallen. Verführerisch und mit einer einzigen Botschaft. „Töte Jeanne.“



**~~**



Marron dachte ironisch daran, dass an ihr wohl auch so etwas wie eine Polizistin verloren gegangen war. Sie hatte den restlichen Tag über Kouhei beschattet und ausnahmsweise auf eine Ankündigungskarte verzichtet. Sicher es war etwas Out of Character von Jeanne, aber „Ich werde der Pralinenschachtel die Schönheit nehmen“ erschien ihr keine gute Ankündigung zu sein. Noch dazu was wollte Jeanne mit einer Pralinenschachtel. Sicher hätte die SoKo Jeanne ihren Spaß daran gehabt und Scherze darüber gemacht, dass sie wohl keine Schokolade bekam. Besser sie verzichtete also ausnahmsweise auf ihre Ankündigung.

Marron holte noch einmal tief Luft, bevor sie ihren Rosenkranz aus der Tasche zog und ihn in beide Hände nahm, wie ein Betender, der vor dem Kreuz zu Gott sprach.

„Fynn, gib mir die Kraft und lass Jeanne D'Arc mich erhören.“

Es war ein Gebet welches Marron allein Fynn widmete. Ihrem Engel in Ausbildung. Ganz zu Beginn hatte sie ihr schließlich die Macht verliehen, sich in Kaito Jeanne zu verwandeln. Jetzt da Fynn weg war, die Dämonen die Menschen aber immer noch quälten, hatte sie irgendwie die Macht erhalten es auch ohne ihre Freundin zu schaffen. Dennoch, sie konnte Fynn spüren, bei jeder Verwandlung, weswegen sie sich nicht alleine fühlte.

„Stark, bereit, unbesiegbar, schön, entschlossen, mutig! Jeanne die Kamikaze-Diebin ist hier, die Gesandte des Herren.“

Jeanne wusste nicht, wie sie es genau machte, aber während sie sich verwandelte, schien sie förmlich ihrem Ziel entgegen zu fliegen. Kouhei saß da, in einem Park auf einer Bank, die Pralinenschachtel haltend. Sein Blick war starr auf diese gerichtet, er schien nicht einmal zu bemerken, dass Jeanne aufgetaucht war und doch wusste sie, dass der Dämon es spürte.

„Du bist also wirklich erschienen, Jeanne. Wie tief bist du gesunken, eine Schachtel Pralinen zu klauen?“

Spott hörte Jeanne aus Kouheis Stimme heraus, die so verzerrt war, dass sie wusste, dass es der Dämon war, der sprach und nicht ihr Klassenkamerad Kouhei. Einfach nur schrecklich, dass diese Dämonen nicht einmal mehr vor Valentinsgeschenken halt machten. Dennoch ließ sie die Worte des Dämons unkommentiert. Sie wollte einfach nur ein schnelles Schachmatt. Sie machte sich bereit, indem sie ihr Band bereit machte, doch gerade als sie ausholen wollte, spürte sie die Anwesenheit einer weiteren Person die sie angriff.

Gerade rechtzeitig wich Jeanne aus und brachte genug Abstand zwischen sich und ihrer Angreiferin. Sie brauchte einen kurzen Moment um zu erkennen, dass es Itoe war. Das Mädchen, welches Kouhei die Pralinen geschenkt hatte. Sie hielt einen Dolch fest umklammert, wobei Jeanne deutlich sehen konnte, dass sie zitterte. Warum? Wäre sie besessen gewesen, hätte der Dämon sicher nicht gezittert, oder war sie...? Jeanne realisierte, dass sie nicht besessen war. Sie hatte sie freiwillig angegriffen, die Frage war nur wieso?

„V-Verschwinde, Jeanne! Du wirst Kouhei nicht zu nahe kommen!“ Auch wenn ihre Stimme zitterte, war sie doch zu allen entschlossen. Jeanne konnte doch nicht gegen einen Menschen kämpfen. Was sollte sie tun?

Itoe hingegen zögerte nicht und stürzte erneut auf Jeanne zu, die wieder auswich, während Kouhei, oder viel eher der Dämon der ihn in Besitz genommen hatte, diabolisch lachte.

„Itoe, du gutes Mädchen. Beschütze mich und töte Jeanne!“

Sein Lachen hallte durch den Park, während Itoe wieder und wieder Jeanne mit dem Dolch angriff. Jeanne wusste, dass sie vom Boden aus keine Chance hatte nahe an den Dämon heranzukommen, weswegen sie sich mit ihrem Band auf einen nahegelegenen Baum zu retten versuchte. Hier würde Itoe sie zumindest nicht erreichen, allerdings, war auch der Dämon damit in weiter Ferne.

Es kam aber anders als gedacht, als ein Strahl dunkler Energie dafür sorgte, dass der Ast an dem ihr Band hing, vom Baum brach.



Itoe sah, wie der Ast vom Baum brach und fragte sich, was es bewirkt hatte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass eine Diebin wie Jeanne den Fehler machte, sich an einem zu dünnen Ast hinauf schwingen zu wollen. Noch dazu war der Ast doch dick genug gewesen.

Kouheis Lachen hallte in ihrem Hinterkopf. Ein Lachen von dem sie sich sicher war, dass es nicht seines war. Sie hatte es oft gehört, wenn sie über Witze gelacht hatten, wenn sie Spaß hatten. Das war eindeutig nicht Kouhei. Falsch, es war Kouhei, er sah aus wie er immer aussah.

„Los, Itoe, bring Jeanne um.“

Itoes Hände zitterten wieder. Sie wusste das es falsch war, doch in ihren Gedanken hörte sie immer noch die Worte von Shikaido die sie ermutigten und ihr sagten, dass es richtig war. Es war doch richtig für die Liebe zu kämpfen. Für Kouhei zu kämpfen.

Wieder gefestigt in ihrem Entschluss, lief Itoe auf Jeanne zu, die sich gerade vom Boden erhob. Sie würde nicht rechtzeitig ausweichen können, das wusste selbst Itoe. Es passte alles zu gut um Jeanne von dieser Welt zu eliminieren.

Itoe holte mit dem Dolch aus, ließ die Spitze auf Jeanne niedersausen, die schützend die Arme hob, als würde sie das vor ihrem Tod beschützen.

Itoe wusste nicht, was passiert war, als sie plötzlich einen Widerstand spürte. Ihre Sicht klärte sich wieder und sie erkannte einen Mann vor sich, der ihren Angriff mit einem Bumerang abblockte. Sie war erschrocken darüber, nicht bemerkt zu haben, dass er aufgetaucht war. Aber er war hier und er beschützte Jeanne.

Itoe vernahm ein Rascheln hinter sich. Kouhei hatte sich erhoben und schien alles andere als erfreut darüber zu sein, dass jemand Jeanne helfen wollte.

„Lass Jeanne dir helfen!“

Itoe hörte deutlich die Stimme des Mannes der sie an ihrer Tat gehindert hatte. Seine Worte schienen sie zurück in die Realität zu holen. Was hätte sie beinahe getan, wenn er sie nicht daran gehindert hätte? Wieso hatte sie überhaupt mit dem Gedanken gespielt einen Menschen umzubringen? Nur weil Jeanne eine Diebin war, hatte sie doch nicht den Tod verdient.

„Sinbad, was machst du hier?“

Itoe störte sich nicht daran, dass Jeanne alles andere als erfreut darüber war, dass ihr Beschützer gerade rechtzeitig aufgetaucht war. Sie ließ von ihm ab, ließ den Dolch fallen und sank auf die Knie.

„Itoe, du warst noch nie nützlich“, hörte sie Kouhei hinter sich sagen. Wahrscheinlich hatte sie ihn enttäuscht. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, aber er hatte es nie so deutlich gesagt wie jetzt. Es tat weh.



Sinbad reagierte auch dieses Mal rechtzeitig, als sich der besessene Kouhei auf Itoe stürzte. Er warf seinen Bumerang nach ihm, so dass dieser ausweichen musste, wenn er nicht getroffen werden wollte.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Jeanne, die sich doch sichtlich Sorgen um Itoe gemacht hatte.

„Was wollte ich...“ Itoe konnte es wirklich nicht glauben was sie tun wollte. Noch weniger konnte sie aber glauben, dass Jeanne ihr das zu vergeben schien.

„Keine Sorge, ich werde dir Shinozaki-san zurückholen.“

„Aber die Pralinen... Ich habe mir soviel Mühe gegeben... ich wollte ihm doch endlich sagen, wie viel er mir wirklich bedeutet.“

„Mach dir keine Sorgen. Solange du an ihn denkst, wird er es wissen. Alles wird gut. Vertrau mir, ich bringe deinen Shinozaki-kun zurück.“

Jeanne, die sich zu Itoe gebückt hatte, erhob sich. Seltsamerweise, glaubte Itoe ihr sogar. Sie war nicht mehr wütend darüber, dass Jeanne es auf die Pralinenschachtel abgesehen hatte. Solange sie ihren Kouhei zurück bekam, solange er wieder die Person von früher wurde, war ihr alles Recht.

Itoes Blick wandte sich zu Sinbad und Kouhei. Es war eindeutig, dass beide abgelenkt waren. Jeanne nahm dies als ihre Chance wahr und machte ihr Band bereit.

„Im Namen des Herren, fange ich die Ausgeburten der Finsternis...“

Itoe wusste keine Worte für Jeanne, wie sie gerade wirkte. Gehüllt in ein Licht, das ihr Herz mit dem Gefühl von Sicherheit erfüllt wurde. Sie konnte sie sehen, die weißen Flügel die Jeanne ausbreitete.

„... und mache sie unschädlich. Schach und Matt!“

Itoe wusste nicht was genau geschah. Das Band schoss auf die Pralinenschachtel zu. Es wickelte sich um diese, doch nicht nur um sie. Sie konnte eine Art Silhouette erkennen, um die sich das Band noch wickelt. Rosen blühten inmitten der Luft auf und kaum dass Jeanne die letzten Worte gesprochen hatte, verschwanden sie. Übrig blieb nur eine weiße Schachfigur, ein Springer, wenn Itoe es genau sah.

„Die Mission ist beendet.“

Jeanne fing die Schachfigur und ungläubig sah Itoe zu der Diebin auf. Ihre Pralinen waren mitsamt der Schachtel verschwunden. Doch sie konnte Jeanne nicht böse sein. Vielmehr machte sie sich Sorgen um Kouhei, der erschöpft zusammenbrach. Itoe erhob sich und lief schnell auf diesen zu. Sie merkte nicht einmal, wie der Dolch sich auflöste. Itoe war einfach froh, dass es Kouhei gut ging. Sie spürte seine Wärme, als sie ihn in den Arm nahm.

„Hier, das ist die Entschädigung für die Schokolade.“

Itoe blinzelte verwirrt, als Jeanne eine verpackte Schokolade in Herzform auf Kouhei legte. Sollte das wirklich eine Entschädigung sein.

„Gib sie ihm. Ich denke, er wird sich sehr freuen, weil es Schokolade von dir ist.“

Itoe errötete unwillkürlich. Sicher, der Diebin musste aufgefallen sein, wie viel ihr an Kouhei lag, aber so sehr. Dennoch, die Schokolade war egal. Sie war einfach froh, dass es Kouhei gut ging.



Er fühlte sich, als wäre er aus einem längeren Traum erwacht, als er die Augen öffnete. Er sah in das besorgte Gesicht von Itoe und es tat ihm schon wieder leid, weil er wusste, dass er ihr diese Sorgen bereitet hatte.

„Itoe...“, flüsterte er leise und in ihren Augen spiegelte sich Erleichterung wieder.

„Es tut mir leid, Kouhei. Die Schokolade... Deine Pralinen... Uhm... Hier. Es ist nicht von mir gemacht, aber...“

Kouhei blinzelte kurz, als er merkte, wie Itoe wegsah. Verlegen. Sie hielt ihm aber eine herzförmige verpackte Schokolade entgegen. Schade, denn eigentlich hatte er sich schon auf ihre Pralinen gefreut. Nicht weil es Pralinen war und er Schokolade sonderlich mochte, eigentlich hasste er Süßkram, aber es waren Pralinen, die sie für ihn gemacht hatte. Genauso war es Schokolade, die sie ihm jetzt gab. Sie, Itoe.

„Es ist die beste Schokolade, die ich bekommen kann, denn ich habe sie von dir bekommen.“

Kouhei nahm Itoe die Schokolade ab und erhob sich. Er wollte ihr zeigen, dass es ihm gut ging, dass sie sich nicht länger Sorgen um ihn machen musste.



Jeanne war erleichtert zu sehen, dass es Kouhei und Itoe gut ging. Auch wenn Jeanne es schade um Itoes Schokolade fand. Sie hatte sicher nicht weniger Mühe in ihr Geschenk gelegt, wie sie es getan hatte.

„Die beiden haben Glück, dass du Schokolade dabei hattest, auch wenn ich mich frage wieso? Sie sah selbstgemacht aus. War sie für jemand Bestimmtes gedacht?“

Jeanne hörte deutlich diesen gewissen Unterton in Sinbads Stimme. Er wusste genau, für wen diese Schokolade bestimmt war. Sie wollte das aber nicht zugeben, nicht so offen.

„Als ob ich dir Schokolade geben würde. Du hast doch sicher genug bekommen.“

Sie hörte deutlich, dass Sinbad seufzte. Und es brach ihr fast das Herz. Sie liebte ihn, sie hatte nur für ihn diese Schokolade gemacht, doch weil sie verletzt war, ihn für einen Feind hielt, konnte sie es einfach nicht über sich bringen, sie ihm zu geben. Immerhin gab es ein Paar, welches sie zu nutzen wusste.

„Nur nicht von dir. Dabei hatte ich auf Schokolade von dir gehofft.“

Er hatte auf Schokolade von ihr gehofft? War das auch wieder eine Falle des dunklen Königs? Jeanne war sich nicht sicher, allerdings hatte Sinbad sie erneut gerettet. Würde das ein Feind tun? Jeanne war verwirrt. Sie wollte Sinbad trauen, sie vertraute aber auch Fynn. Fynn hatte doch gesagt, das Sinbad ein Feind war. Allerdings, selbst wenn er ein Feind war, er hatte sie beschützt. Ein einfaches Danke oder ein Schokoladenherz, schien ihr als Danke nicht zu reichen.

Jeanne warf alle Zweifel die sie bezüglich Sinbad hatte einen Moment lang über Bord. Sie überwand die letzten Meter, die zwischen ihr und Sinbad noch waren. Sie spürte wie Sinbad zuckte, ließ sich davon aber nicht beirren, als sie sanft seine Lippen küsste, während sie ihn mit der rechten Hand am Arm festhielt. Sinbad zögerte, überrascht durch diese Handlung mit der er nicht gerechnet hatte. Doch er wollte sich nicht beschweren. Im Gegenteil, er legte seine Arme um Jeanne und erwiderte ihren Kuss, hoffend, dass sie verstehen würde, dass seine Gefühle für sie niemals eine Lüge waren.
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