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Schattenwelten

GeschichteHumor, Parodie / P12
13.04.2017
13.01.2021
84
632.524
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„Hm ja, und was fangen wir damit an?“ dachte Tim laut nach.
„Wieso wir?“ sah Patty das etwas anders. „Ich dachte eher an euch!“
Sie war wieder an mich gerückt. Eine klare Ansage. Ich war wieder gefordert und strich ihr über den Nacken. Ich sah zur Seite und sah Kim ratlos dastehen.
„Ich würd ….!“ wollte Ron was loswerden.
„Ja was?“
„Diese heruntergekrachte Decke, die reparierst doch nicht in n paar Minuten!“ hatte er den durchaus richtigen Gedanken. „Wir könnten ja mal ….!?“
„Ein naheliegender Gedanke!“ fand auch Shego. „Und Ron? So wie du das sagst, du glaubst selbst nicht so recht daran!“
„Ja, wir müßten eigentlich in unserer High genau diese Überreste finden. Ne offene Decke auf jeden Fall, selbst wenn sie die Trümmer schnell weggeräumt haben sollten!“
„Wer denn?“ fragte Ron. „Es war doch niemand da!“
„Und wenn niemand da war ….!“ hatte Kim Zweifel.
„Dann hat auch niemand euer Oberlicht gefetzt!“ mischte sich unsere Kim in die Überlegung. „Was wir gesehen haben, ist irgendwo sicher passiert, aber hier? Aber wenn‘s euch glücklich macht, wir können ja nachsehen!“
„Spricht nichts dagegen, außer das es nichts zu sehen gibt!“ fand Tim klare Worte. „Shego haben wir doch hier und wie gesagt, sie schleppt keinen Schneidbrenner mit sich rum. Wär auch etwas hinderlich. Wer immer sich da durchgebrannt hat, sie war es nicht!“
„Nun ich hätt nichts dagegen!“ erklärte Kira. „Patty, den Orgasmus verschieben wir dann auf später!“
„Kira!“
„Geht‘s wieder los?“
„Hast wieder n Provoanfall?“
„Bist ja nur neidisch, alte Gurke. Leih dir doch von Ron das Nacktvieh aus!“
„Sonst noch was?“ war Ron absolut dagegen. „Das Vieh ist doch kein Spielzeug!“
„Nicht? Dachte!“ spottete die.
„Fürchte da müssen wir durch!“ seufzte Shego.
„Also gut!“ war Kim dafür. Unsere Kim eben. Sie gab Timmy einen Klaps. Soll heißen, weiter geht's. „Machen wir uns auf. Schaden kann es nichts!“
„Auch wenn wir schon wissen, was uns erwartet!“ nahm Patty an.
„Vermuten!“ korrigierte sie Tim. „Wissen können wir‘s erst, wenn wir da sind!“
„Klugscheißer!“ urteilte Shego.
„Ist sein Job in unseren Team!“ erinnerte ich sie an die Aufgabenverteilung.
„War!“ wurde er genauer.
„Ist es immer noch. Oder glaubst du kannst aus deinen Gewohnheiten so einfach raus, nur weil Ermittlerteam abgesetzt ist?“ konnte ich ausführen. „Ich genausowenig!“
Wir packten zusammen, ich warf mir meine Win um und machten uns also auf dem Weg. Am wenigsten hatte Timmy zu packen. Alles was er hatte, war ein Halsband. Es ging durch das Zwielicht der Hallen und zwischen abgestelltes Zeug. War uns ja vertraut. Und so gesehen kann es mir egal sein. Als ob wir sonst was zu tun hätten. Sowas wie‘n Plan hatten wir eh nicht. Wär ohnehin recht sinnlos einen zu machen. Hier mußt die Dinge einfach auf dich zukommen lassen und improvisieren. Doch da fiel mir noch was ein. Ich drehte mich zu Shego.
„Ey, was meinst? Und das geht auch an Kim. Na an euch halt!“
Die sah mich erwartungsvoll an. Man könnte meinen sie ahnte schon was. Kim dagegen wirkte eher neugierig.
„Nachdem ihr euch die Videos ansehen durftet, haltet ihr es immer noch für so ne gute Idee diese Verteilerknoten …. na ich …!“
„Eben, da dürft ihr mal auf Mick hören!“ wollte auch Tim die Gelegenheit nutzen. „Ihr habt gesehen, mit wem ihr euch im Zweifel anlegt. Wollt ihr auch noch von Yori die Fänge kriegen? Habt ja gesehen, die verhandelt nicht drüber!“
„Die ist doch weit weg!“ war Ron nicht so überzeugt.
„Weit? Glaubst du!“ meinte unsere Kim heiter und sie hatte recht.
„Richtig Kim!“ konnte Tim ihr zustimmen. „Meinst auch …. ok, is klar. Du kapierst es genauso wenig wie wir, aber weit sind sie im Zweifel nicht. Für die scheint es keine Entfernungen zu geben. Frag mich nicht wie die das machen!“
„In Kurzfassung!“ hatte Patty mitgedacht und gab nun ihre Meinung durch. „Wenn sie will, ist sie mit einen Schritt bei uns und fragt nicht erst, wer angefangen hat!“
„Hm ….!“ brummte Kim ungehalten.
„Und ihr steht natürlich auf ihrer Seite!“ war auch Shego nicht gerade begeistert.
Ich zuckte mit den Schultern. Mir war klar, das war etwas schwierig, aber im Moment nicht das Thema.
„Nicht das Yori dafür unsere Hilfe brauchen würde, habt ihr doch gesehen. Und daß wir uns gegen sie stellen, das wirst nicht ja nicht ernsthaft erwarten!“
„Weil sie eh ….!“ wollte Ron einwenden.
„Quatsch!“ widersprach Kira. „Wir verdanken ihr irgendwie unsere Existenz. Wir stehen daher ….. ich mein, wo sollen wir sonst stehen? Müssen eben mitmachen, wozu immer es gut ist!“
„Und wenn sie böse ist?“ fragte Ron naiverweise.
„Programme sind weder gut noch böse!“ widersprach Kira. „Ich schon!“
Da war er erstmal still. Nette Aussichten, hab ich Verständnis für dich Loser. Ok, kannst ja nichts für. Will ich mal nicht unfair sein.
„Ja eben!“ war Kira noch nicht fertig mit ihrer Ausführung. „Sollte sie doch böse sein, wie steht‘s Shego? Willst dich bewerben? Könnt ja n Job für dich haben!“
„Da hätte sie schon auf meine Sister zurückgreifen können!“ hatte sie eine logische Antwort. Eben, logisch.
„Die ist doch schon an Perry gescheitert“ hatte Tim da eine Idee. „Da könnt sie auch dich einstellen, nun ich würde dich empfehlen!“
„Oh, soll ich mich ….?“
„Sicher nicht!“ widersprach Patty. „Is nur, du scheinst mir etwas lernfähiger zu sein, als dieses wohlstandverwahrloste Sensibelchen!“
„Ey, geht's noch?“ regte genau die sich über diese Wertschätzung auf.
„Und wie!“ nahm Patty wenig Rücksicht. „Kommst mir genauso vor. Wie n verzogenes Kind, dem sie bisher den Arsch nachgetragen haben und auf einmal entsetzt feststellt, es gibt noch ne andere Welt da draußen und da geht es etwas anders zu, als ….. ok, ich bin ja schon still!“
Ein Anflug von Resignation war zu hören. Ja da hatte sie sicher recht. Was willst predigen? Bringt wenig. Manche müssen eben erst mit der harten Betonwand Bekanntschaft schließen, bevor sie kapieren, das ist doch keine Attrappe aus Styropor.
„Sorry Kim!“ meinte ich meine Freundin entschuldigen zu müssen. „Hast schon gemerkt. Patty kann sehr direkt werden und da kennt sie wenig Rücksicht. Ist aber nicht böse gemeint!“
„Genau die Freundin die du verdienst!“ gab die wütend zurück.
„Ok, daran arbeiten wir noch!“ konnt ich es nicht lassen.
Jemand stieß mir in die Rippen. Na sowas. Tim war es und über die Botschaft mußte ich nicht lange nachdenken. Lass es mal gut sein. Und er hatte ja recht. Und ich hatte schon gehofft, sie hätte sich etwas abgekühlt. Hilfe kam ausgerechnet von Shego.
„Kim, nimm dich zusammen. Und wer weiß, könntest ja mal seine Hilfe brauchen. Nein, ihr müßt ja nicht gleich heiraten!“
Da war sie erstmal still. Na schau an.
Inzwischen kamen wir an überdimensionalen Pilzen vorbei. Wollte jemand n Zwergenfilm drehen? Dafür könnt sowas gut sein. Wir ließen die grad mal links liegen und weiter ging es. Weit dürfte es ja nicht mehr sein. Nach wie vor hatten wir unsere Ruhe. Nichts dagegen, wenn sich das Westernvolk irgendwo austobt, am besten außer Hör und Sichtweite. Was uns aber gerade aufhielt war ein seltsames Gebilde. Sowas wie eine Kugel. Nicht ganz. Sie bestand aus Ringen die irgendwie an eine geschälte Zitrone erinnerten. Ein Ring war über den anderen montiert und sie waren hohl. Darin war ein Sitz zu erkennen. Gepolstert und sah aus, wie man ihn in Autos einbaut, die sich nicht jeder Arsch leisten kann.
„Und das soll wozu gut sein?“ fragte Patty leicht genervt.
„Zum entspannten Sitzen!“ hatte Kim eine freche Antwort zu bieten.
„Ne Meditationsmaschine?“ setzte Tim fort, ohne wirklich daran zu glauben.
„Bist auf dem richtigen Weg!“ stimmte Kira zu und rieb sich mal wieder provozierend die Hände. „Sieht aus wie man sich ne Zeitmaschine so vorstellt. Nun eben die Lowbudgetausführung. Für‘s Fernsehen eben. Im Kino darf's schon etwas mehr nach Science Fiction aussehen!“
„Wie kommt man da rein?“ wunderte sich Ron.
„Durch die Lücken, wenn man nicht so fett wie du ist!“ spottete Kim, natürlich nicht seine, versteht sich.
„Nichts gegen Ron‘s Figur!“ widersprach seine Kim. „An der hab ich nichts auszusetzen!“
„Nur etwas dürr!“ fand Kira.
„Bin zufrieden!“ versicherte sie. „Wie‘n Terminator muß er nicht aussehen. Eh n Vorurteil, wir Mädels stehen auf Kerle die nicht durch die Tür passen!“
„Ne, auf die sicher nicht!“ kicherte Kim. „Halt die, bei denen es auch dann nichts hilft, wenn sie ausatmen!“
„Du meinst die in Mexiko?“ wußte Kira zu sagen und mußte dabei grinsen. „Genau da leben heute solche, bei denen gelegentlich die Feuerwehr vorbeischaut. Aber weniger weil‘s brennt, eher weil sie mal wieder in der Tür steckengeblieben sind!“
„Fair ist das mal nicht!“ schimpfte Kim.
„Hab ich auch nicht behauptet!“ antwortete Kira fies. „Scherze auf Kosten der Opfer der Foodindustrie der Amis, die da ihren Müll ablädt und noch für kassiert. Und die lokale Esskultur vernichtet, weil sie billiger ist. Tia, die Mexis zahlen den Preis dafür, genauso wie die Armen in den USA!“
„Na sowas !“ staunte ich!“
„Was denn?“
„Kira macht auf sozialkritisch?“
„Darf ich doch!“ wurde sie ironisch. „Glaubst Comicfiguren dürfen sich nur in Comicsprache zu Wort melden die eine fünfjährige Rotznase nicht überfordert. Ja, genauso hätten die uns gern. Wir sollen unterhalten und den Kids nicht verraten, da gibt es noch eine andere Welt, in der man die Bösen nicht an den schlechten Zähnen und dem unrasierten Kinn erkennt. Ja genau Kim, du bist gemeint!“
„Ey, was hab ich denn ….?“ war die darüber weniger erfreut.
„Schau dir doch an, wie‘s in deiner Welt zugeht. Doch genau so!“
„Und wenn, was kann sie denn ….?“ machte ausgerechnet Shego einen Versuch sie zu entschuldigen.
„Nichts!“ antwortete Kira trocken.
„Echt?“
„Sagst du?“
„Ausgerechnet?“
„Und wieso ….?“
„Unwissenheit ist noch keine Schande, aber nichts dazulernen zu wollen, schon!“ wurde sie genauer.
„Du bist gemein!“ beklagte sich Ron.
„Fühlst dich angesprochen?“ wurde ich ironisch.
„Dafür reicht sein Verstand noch!“ setzte Kira nach.
„Ne echt, die wieder!“
„Was denn?“ kannte Kira mal wieder kein Mitleid. „Du bist doch genau der Prototyp des unkritischen Konsumenten der alles frisst, was die Fastfoodindustrie ihm vorsetzt. Als Karikatur gedacht? So als ironisches Zitat das man in ner Unterhaltungsserie noch einfügen darf, bevor der Verlag dazwischengeht und sagt, so nicht, wir müssen auf unsere  Inserenten Rücksicht nehmen, die zahlen ja für!“
„Immerhin dem schadet es nicht!“ wollte Kim dazu sagen.
„Ist eben n Comicfigur, im Gegensatz zu den Kids vor der Glotze, die kriegen die Speckpolster!“ kannte Kira keine Gnade.
„Ihr immer mit euren Comicfiguren!“ beschwerte sich Kim.
„Hast du ja nichts mit zu tun!“ spottete Patty.
„Ich fühl mich nicht gerade ….!“ war Ron natürlich ihrer Meinung.
„Du sagst es Junge!“ wurde Kira bissig. „Wie fühlt man sich als Comicfigur? Jedenfalls nicht als wärst eine. Kannst es also gar nicht beurteilen!“
„Hm …..!“ und damit schwieg er, doch nicht lange.
Kira konnte es nicht lassen, ihn mit der Hand über die Haare zu wuschen.
„Ey, muß das ….?“
„Was soll denn das werden?“ war Kim alarmiert. „Kira, du ….!“
„Hast Schiß ich schnapp ihn dir weg?“ konnte sie bissig zurückgeben. „Ok, für Ron spricht natürlich sein Zweitpenis!“
„Kira!!“
„Unser neues Traumpaar?“ durfte auch unsere Kim fies werden. „Komm, der ist zu jung für dich!“
„Ihr könnt echt zum Albtraum werden!“ urteilte Shego. „Selbst wenn es mal keinen Stress gibt!“
„Kira sicher!“ konnte ich mittlerweile sachkundig bestätigen. „Auch wenn sie grad nicht austeilt!“
„Mach nicht so‘n Gesicht!“ kicherte Kim und das ging an Ron. „Du und Kira, immerhin auch ne Rothaarige. Bleibt der Verkehr in der Familie!“
Der sah sie an, als hätte sie ihn eben gefragt, ob er an Liebe auf den ersten Fick glauben würde.
„Wenn ich in der High so reden würde ….!“ konnte der es nicht fassen.
„Weichgespülte Comichigh. In der echten High geht's nochmal anders zu!“ verriet ihn Kira. „Und bevor du fragst, wo ich das wieder hernehme, ich war nie auf einer!“
„Und wie ….?“ lautete Kim‘s berechtigter Einwand.
„Ich weiß eben so einiges aus der realen Welt. Schade das ihr davon keinen Ahnung habt. Dann würdet ihr nicht so naiv durchs Leben stolpern!“ zeigte sie wieder wenig Rücksicht.
Und nun kamen wir der Sache schon näher. Da ging es durch und da standen wir auch schon in dem Setaufbau eines Geheimlabors. Es war alles noch da, wie wir es verlassen hatten. Sogar die Splitter auf dem Boden und die eingeschlagene Glasscheibe des Terrariums. Abgesehen von uns schien niemand hier gewesen zu sein.
„Na also, alles wie erwartet!“ kommentierte Kira.
„Und natürlich kein Würfel!“ bemerkte Shego unnötigerweise.
„Dachtest, die wachsen nach?“ hatte Kim einen heiteren Einfall.
„Besser so!“ fand Tim. „Sonst geht der Stress wieder los!“
„So, zufrieden?“ bemerkte ich resigniert. „Ihr seht, hier gibt's nichts zu holen. Sehn wir uns Kim‘s High mal an, wenn es die sein sollte!“
Kim und Patty sahen sich beeindruckt um. Patty nickte. Alles wie auf dem Video gesehen. Nur die Kampfspuren fehlten. Kim sah zur Pyramide hoch. Die transparente Plattform war unbeschädigt. Was auch sonst? Hier hatte niemand nen Laserstrahl draufgehalten. Und Automaten die täuschend echt einen Menschen nachbildeten, gab es bei uns noch nicht. Wozu auch? Comicfiguren reichen doch. Wir gingen gemächlich weiter und erreichten den Ausgang. Gleich darauf erreichten wir die High. Oder besser gesagt, den Setaufbau. Vor uns lag die Cafeteria und die Tische und Stühle standen recht ordentlich da, als warteten sie nur auf Besucher.
„Den Blick zur Decke kannst dir sparen!“ fand Tim, tat aber genau das. „Es gibt gar keine Decke. Nur die der Halle. Ist eben ein Set, der nach oben offen ist. Solang die Kamera nicht hinschaut ….!“
Wir hatten uns davor versammelt und auch Ron und Kim mußten zugeben, was immer sie im Video gesehen hatten, hier kann es nicht gewesen sein.
„Außer uns war niemand hier gewesen!“ stellte unsere Kim fest. „Echt nicht!“
„Was hast erwartet?“ fragte Patty.
„Na ja …… ne, nicht wirklich!“ gab die zu.
„Na Kim?“ meinte Tim herausfordernd. „Sieht aus wie deine High? Ist es wohl eher nicht. Oder du und Ron seid nur Bestandteile diese Sets!“
„Tia, mit den Kids waren wir ja schon hier gewesen!“ sinnierte ich. „Ey Tim, wenn du recht hättest, wer ist dann Shego? Auch n Bestandteil …..?“
„Dir geb ich gleich Bestandteil!“ wurde die böse.
„Ok, wenn nicht von hier, wo kommt ihr dann her?“ fragte Kira provozierend.
„Wo kommst du her?“ gab Kim die Frage zurück.
Eine gute Frage wie ich fand. Kira lächelte nur kalt.
„Weiß ich nicht. Frag Patty!“
„Ne, lass es!“ antwortete die. „Ich war mit Yori dagewesen. Wir haben sie rausgeholt. Ok, besser gesagt, Yori war's. Ich hab keine Ahnung, wo wir waren. Sah aus wie ein Klassenraum. Sah aus, wohlgemerkt. Sollt man nichts drauf geben!“
„Und hier kannst auch lange auf den Unterricht warten!“ meinte ich vorhersagen zu können.
Nur Timmy machte sich keine unnötigen Gedanken und schnüffelte etwas rum, hatte aber nichts auszusetzen. Patty setzte sich einfach an den Tisch und packte ihr Smartphone aus. Dann befasste sie sich ausgiebig mit irgendwas da drauf.
„Was suchst?“ fragte Kim.
„Ich will nur mal die Kommentare …..!“
Sie fuhr mit dem Finger auf dem Screen rum und dann hatte sie was sie suchte.
„Schau an, ich hab zwar einiges drauf. Sogar wegen Athena. Nur …. hm!“
„Was denn?“
„Das Athena eine Maschine ist, das müßten die alle doch …… ne, nichts dergleichen. Ich war nur neugierig …..!“
„Ja klar, wie nehmen die das wohl auf?“ fand Tim klare Worte.
„Gar nicht. Als wüssten sie es nicht!“ wunderte sie sich.
„Aber wir hatten es doch …..!“ wandte Kim ein.
„Genau, wir!“ zeigte Tim wieder Scharfsinn.
„Oh!“
„Ähm ….!“
„Ja klar!“
„Eben!“
„Das wär die Lösung!“
„Wir haben diese Szene gesehen, wer sagt, das es alle auf‘m Gerät hatten?“
„Richtig, wenn sie diese Szenen nicht gesehen haben, dann können sie auch nicht wissen ….!“
„Tia, da hast eben nur die üblichen Kommentare!“ verriet Patty. „Kennen wir ja schon!“
„Schön, sind wir jetzt klüger?“ fragte Kira. „Wo immer die Kids stecken, hier sind sie nicht!“
„Was sollen sie auch in nen Set von ner High?!“ stellte Tim fest.
„Und was schreiben die so?“ fragte Shego fast gelangweilt.
„Na sowas!“ antwortete Patty und begann vorzulesen.
„Irre!“
„Schräg!“
„Bekloppt!“
„Blickt ihr noch durch?“
„Was treiben die da?“
„Was macht Athena in dem Glaskasten?“
„Was soll dieses Gerät?“
„Und was sind das für leuchtende Dinger?“
„Voll eingefangen!“
„Schaut mal die Frau!“
„Heißt übrigens Yori!“
„Woher …!“
„Ich kenn die eben!“
„Ja klar!“
„Bonnie natürlich!“
„Wenn‘s um Promis geht!“
„Bin ich die eben für zuständig!“
„Dann sag uns doch was die da macht!“
„Siehst doch selbst!“
„So?“
„Sie rettet Kim den Arsch!“
„Irgendwo schon!“
„Ist doch voll unfähig, wieder mal!“
„Ja, passt zu dir!“
„Kannst wieder über sie herziehen!“
„Schaut mal Kim!“
„Die teilt ja aus!“
„Die ist aber geladen!“
„Warum das?“
„Die Grüne kriegt ja voll die Hiebe!“
„Ja, vielen Dank auch!“ kommentierte unsere Shego. „Nett das nochmal vor die Nase gehalten zu kriegen!“
„Komm, das warst du doch nicht und die Kim hier auch nicht!“ wollte unsere Kim das richtigstellen.
„Ok, da ist noch was!“ konnte Patty weiterlesen.
„Hast das verstanden?“
„Voll geschrumpft!“
„Voll zum Kid geworden der Typ in der grünen Röhre?“
„Wie geht denn das?“
„Habt ihr den gehört?“
„Hat was von Jungbrunnen gesagt und der Traum der Menschheit!“
„Eher n gemeiner Kommentar. Und die Lache, da geht's dir ….!“
„Dann zerlegt sich noch diese komische Maschine!“
„Athena hat ja voll was gefangen!“
„Voll so n Blitz!“
„Wie schafft die das?“
„Keine Ahnung!“
„Dafür rettet die Frau allen wieder den Arsch!“
„Vor allen Ron, was er gar nicht verdient hat!“
„Bonnie hat‘s wieder mal nötig!“
„Du und Ron!“
„Wann heiratet ihr?“
„Ich mach‘n Trauzeugen!“
„Unser Traumpaar!“
„Träum weiter, Loser!“
„Dacht das ist Ron!“
„Du nicht weniger!“
„Habt ihr das gesehen?“
„Idiot!“
„Wie?“
„Wenn du s gesehen hast, dann wir wohl auch!“
„Und was jetzt?“
„Na er meint die Explosion!“
„Voll in die Luft geflogen!“
„Voll zerlegt!“
„Und alle heil rausgekommen!“
„Ok, den Rest sparen wir uns!“ meinte Patty. „Das Übliche. Die wissen echt nichts davon!“
„Als hätte jemand die Aufzeichnung zensiert!“ vermutete Kim.
„Könnt genauso gewesen sein!“ dachte auch Kira. „Na warum auch nicht. Soll nicht unser Bier sein. Wie es da weitergeht? Yori könnt‘s wissen. Wir ….!“
„Warum ….?“ wunderte sich Kim. Ron‘s Kim wohlgemerkt.
„Sie war neugierig!“ konnte Shego hintergründig sagen. „Was würdest du sagen, wenn du auf einmal feststellst, dein Freund ist eine Maschine!“
„Ist er nicht!“ reagierte sie heftig.
„Na Kimmie, nicht gleich an die Decke gehen!“ sagte Shego und wäre es online, könnte man jetzt ein ;-) sehen.
„Ne, sie muß keine Angst um ihren Loser haben!“ zog auch Patty nach. „So ne Ansammlung von Klischees kannst gar nicht bauen!“
„Vielen Dank!“ beschwerte der sich über ihre Wertschätzung.
„Geht aber recht überdreht da zu!“ fiel mir ein. „Wie war das bei euch?“
Die drei sahen mich verständnislos an. Irgendwie schien ihnen dazu nichts einzufallen. Tim dagegen schon.
„Denen geht's nicht anders als uns. Solange du drinsteckst, kommt dir alles völlig normal vor!“
„Mal wieder nichts Neues unter der Sonne!“ fand Kim.
„Na gut, wie weiter?“ meldete sich Ron.
Patty zuckte ratlos mit den Schultern.
„Im Moment will niemand was von uns. Können auch hier abhängen. Oder fällt euch was ein?“
„Ja, nach leuchtende Würfel suchen!“ wurde Kira bissig und es war klar, an wen das ging.
„Damit die zwei wieder durchdrehen?“ seufzte Tim.
Wir hatten uns an die Tische gesetzt und ich saß rittlings auf einen der Stühle. Seltsamerweise war Ron meiner Idee gefolgt. Timmy hatte sich grad mal auf dem Boden abgelegt. Im Moment gab es nichts um das sich Kim und Shego kloppen konnten. Nur ob sie wirklich ihre Meinung geändert hatte, ich hatte Zweifel. Nur wurden wir sie auch nicht los. Da hatte Patty einen schrägen Einfall.
„Zu schade auch, wenn wir euch da rüberschicken könnten, dann könnte die Story echt funny werden. Dann drehen sie endgültig durch. Dann müssen Perry und Yori nicht mehr die Story ruinieren!“
Kim, Ron und Shego sahen sie an, als hätte sie ihnen günstige Grundstücke des Niemandslandes zum Kauf angeboten. Solider Schutzzaun mit Natodraht eingeschlossen und über die Minenfelder müßten sie eben hinwegsehen. Hatten halt noch keine Zeit und  Hilfskräfte für die Beseitigung gefunden. Und eine Bande Kindersoldaten mit dem Versprechen, du kommst ins Paradies drüberzujagen, ist seit dem ersten Golfkrieg nicht mehr erlaubt.
„Du hast Vorstellungen!“
„Aber echt!“
„Was würdest du sagen, wenn auf einmal noch eine von dir auftaucht?“ hatte Shego den richtigen Gedanken.
Worauf Kim und Tim grad zu lachen anfingen, als hätte ihr Verstand Mahlzeit gesagt und sich zur Mittagspause begeben.
„Noch eine die Ansprüche auf Mick stellt?!“ hatte Kira verstanden. „Rastet sie aus!“
„Wenn der Rest sich auch noch verdoppelt!“ widersprach sie. „Ne, wir einigen uns schon. Und ich bin sicher, mit nen zweiten Ermittlerteam hätten wir weniger Stress als mit euch. Hatten wir ja fast!“
„So?“
„Versteh ….!“
„Ach die meinst!“
„Ja klar!“
„Die fünf Freunde!“
„Waren ja irgendwie jüngere Ausgaben von uns!“
„Ok, Missverständnisse lassen sich nicht immer vermeiden!“
„Aber so schlimm waren die doch gar nicht!“
„Die suchten auch keinen Verteilerknoten!“
„Wir auch nicht!“
„Und das soll die Cafeteria sein!“ äußerte sich Ron auf einmal unzufrieden.
„Ja soll es!“ wurde Shego fies. „Nur der Service lässt etwas zu wünschen übrig du verfressener Loser!“
„Ja typisch!“ beklagte der sich.
„Shego eben!“ sagte Kim seufzend. „Was erwartest?“
„Hunger?“ spottete Kira. „Das wär doch'n Argument grad mal rüberzugehen. Da gibt's bestimmt was für dich!“
„Als wenn einer von denen nicht reichen würde!“ spottete Kim.
„Ihr könnt das aber gar nicht, wenn ich das richtig verstanden hab!“ wandte Shego ein.
„Aber wir kennen eine, die das kann!“ konnte Patty ein unwiderlegbares Argument anführen. Es geht eben nichts über Vitamin B, wie man so sagt.
„Ok Patty, aber die ist nicht dafür da, hinterhältige Pläne auszuführen!“ gab ich zu bedenken. „Jedenfalls nicht deine!“
„Mach mir doch nicht alle Träume kaputt!“ beklagte sie sich pseudoernsthaft und grinste dabei über beide Backen. Ja, dafür liebe ich sie. Genau dafür. So über beide Backen zu grinsen, das schafft nicht jeder. Und wenn sie so dasitzt, bin ich bereit ihr so ziemlich jeden Wunsch zu erfüllen. Wohlgemerkt, so ziemlich, nicht jeden. Kleiner Unterschied, oder du bist schnell dabei die Story von Salome nachzustellen. Und dann wird die Altersfreigabe heraufgesetzt. Zudem soll das eh nie so abgelaufen sein, aber halt nett erzählt. Einer der vielen populären Irrtümer. Doch sie war noch nicht fertig. „Die haben zwar die Story schon voll ruiniert, aber wenn Ron, Kim und Shego da drüben auf einmal auf euch treffen, die drehen durch. Dann merken sogar die, ihre Welt muß echt aus den Fugen sein!“
„Da hättst deinen Spaß dran!“ schimpfte Kim.
„Ja klar, auf unsere Kosten!“ hatte sogar Ron verstanden.
„Macht nicht so‘n Geschiß!“ sah das Tim nicht so dramatisch. „Genau das haben wir hinter uns, und? Wir haben‘s überlebt. Sogar noch was dazugelernt. Würd euch auch nichts schaden!“
Kim schüttelte es und Ron sah ihm an, als hätte er ihm eben erzählt, Astrologie ist völliger Unsinn und er als Stier halte ohnehin nichts davon. Stiere sind eben eher nüchtern.
„Haben wir ja Glück, das ihr das nicht könnt!“ lautete Shegos Bewertung. „Ihr würdet es fertigbringen. Ja, trau ich euch zu, nur um mal zu sehen, was passiert!“
Worauf Patty freudig in die Hände klatschte.
„Jau Shego, du verstehst mich. Willst du meine Freundin werden?“
„Äh …..!“ gab die nur von sich und sah aus, als hätte sie ihr allen Ernstes auseinandergesetzt, sie halte nichts von Astrologie und als Jungfrau könne sie das beurteilen. Was sie weder konnte, noch daß sie eine entfernte Ahnung hatte, wann sie geboren ist und schon gar nicht in was für‘n Sternzeichen. Oder ob man bei Comicfiguren überhaupt von sowas wie einer Geburt reden konnte. Zugegeben, ich hatte ohnehin keine Ahnung wie wir entstanden sind. Am Zeichenbrett? Wie ich gerade auf solche Ideen kam? Mensch Perry, wo bist du wenn man dich mal braucht?
„Kannst aber auch so sehen!“ wollte Tim einen Einfall loswerden. „Was geht's euch eigentlich an, was da passiert oder wie‘s denen ergeht? Ihr seid das doch nicht!“
„Is n Argument!“ fand ich ebenfalls.
„Wenn auch n egoistisches!“ wandte Kim ein.
„Kann sein, aber die ist nicht deine Schwester!“ erinnerte sogar Ron. Schau an, wenn er wollte, konnte er auch seinen Verstand benutzen.
„Aber die scheinen zu wissen wo sie hingehören und was sie zu tun haben!“ hatte Kim einzuwenden. „Und wir?“
„Euch geht's nicht anders als den Westernhelden!“ war Tim sicher. „Ihr seid nicht mehr in euren Film. Die Westtypen haben‘s nur noch nicht kapiert!“
„Ist das so?“ zweifelte Shego.
„Ne bessere Idee hat niemand anzubieten!“ stellte Kira fest. „Ob ihr zurück könnt? Weiß ich nicht. Aber wenn ihr in dieses Szenarium kommen solltet, da wärt ihr echt überflüssig und stört einfach nur. Keiner kann was mit euch anfangen. Schon deswegen dürfte es schräg werden!“
„Und bei uns gibt es für euch nichts zu holen. Seht ihr doch selbst!“ erinnerte ich sie. Doch unerwartet tat sich was. Timmy war aufgewacht und riß die Schnauze auf. Na wenn‘s weiter nichts ist. Doch jetzt bellte er lautstark. Was war los? Das sahen wir gleich. Er wurde transparent und einen Moment später war er weg, als hätte er sich in Luft aufgelöst. Kim sprang reaktionsschnell zu ihn, doch sie kam zu spät. Kaum stürzte sie sich auf die Stelle wo Timmy eben noch gelegen hatte, griff sie ins Leere. Da war nichts mehr. Und auch kein Hinweis wo er abgeblieben sein könnte. Wir waren geschockt. Ich konnte den Stich spüren. Timmy gehört doch zu uns. Das ist doch nicht wahr. Wir sahen uns fassungslos und erschrocken an. Was jetzt?
„Timmy!“ schrie Kim fast schon verzweifelt. Doch niemand antwortete.
Da meldete sich ihr Smartphone. Na das fehlt noch. Genau der passende Moment dachte ich noch. Ich schnappte es mir. Kim hatte jetzt echt keinen Nerv für, worum immer es ging. Doch ich sollte mich irren.
„ …………. !“
„Kim kann grad schlecht!“
„ …………...!“
„Ja‘s ist grad echt ungelegen, sorry!“
„ ………….. !“
„Wir haben hier echt n Problem!“
„ ………….. !“
„ Woher…..?!“
„ ………….. !“
„Ey. Er ist bei ihnen. Alles ok. Mensch ich könnt …..!“
„Jau!“
„Ich könnt heulen vor Freude!“
„Es gibt noch gute Nachrichten!“
„Hatten echt schon befürchtet ….!“
„Ok, sie hören es vermutlich!“
„ ………….. !“
„Und was tut sich bei euch? Yori ist sicher bei ihnen. Was ist mit Kim und Ron?“
„ …………… !“
„Ach du Kacke, was für Cops? Habt ihr wieder n Krieg angefangen? Ihr seid noch in dem Film? Nehm ich mal an!“
„ ……………….. !“
„Besuch? Von wem?“
„Ey habt ihr das …..?“
„Shany Highspeed?“
„Speedrunner!“
„Doch nicht etwa …..!“
„Counter Race? Kenn ich!“
„Ja klar!“
„Wundert mich nicht, Loser!“
„Passt zu dir!“
„Ja auf sowas steht der. Hätt ich mir schon denken können!“
„Ja Ron und Tim sagt das was. Und die sind echt aus Counter Race?“
„ ………….. !“
„Besten Dank, noch mehr Verrückte? Na uns reicht's wenn ihr auf Timmy achtgebt!“
„ ………….. !“
„Ne, ich hoff nicht. Bleib übrig Alter. Aber das hört sich ja krass an. Fällt das nicht auf?“
„ ………….. !“
„Noch mehr Videos? Na gut und sonst bei ihnen …..?“
„ ………….. !“
„Ok sehen wir mal. Tim schaut schon skeptisch. Was meinst? ……. Ach so, die zwei treffen auf Cops? Das kann ja nich gutgehen!“
„ ……………. !“
„Ey Perry ….. was ist ……?“
„Ok, das war‘s erstmal!“ schloss ich ab und schaltete es aus. „Entwarnung. Timmy geht's gut, was willst mehr? Zwei Cops entwaffnet? Will ich mir gar nicht erst vorstellen was die wieder angestellt haben. Echt, wo die hinkommen, schon kracht es!“
„Hauptsache Timmy ist ok!“ war Kim erleichtert.
„Eben, ich bin einfach nur happy!“ schloss sich Patty freudestrahlend an. „Schade das er drüben ist, ich könnt Perry um den Hals fallen!“
„Aber wo kommen die überhaupt her?“ wunderte sich Ron.
„Na aus ihren Programm!“ konnte ich einen Insiderwitz ablassen.
„Haben sich verirrt!“ sagte Tim. „Kommt vor. Und nun sind die in Kim‘s Kinderfilm? Kann ja nicht gutgehen!“
„Vielen Dank auch!“ beschwerte sich die rothaarige Kim.
„Kann sich Kim nicht …..?“ überlegte unsere Kim.
Kira lachte gehässig auf.
„Offenbar nicht, sonst hätte sie es längst, oder?“
„Würd ich auch so sehen!“ meinte Shego zu wissen. „Oder Ron? Du müsstest es doch beurteilen können!“
Der verzog verstimmt die Nase.
„Dummerweise ja. Shany und Speedrunner? Die treten nicht nur auf s Gas, die sind auch fix mit der Knarre zur Hand. Und auch ohne Knarre, Shany ist schnell und trittsicher. Da seh ich schwarz für Kim!“
„Kommen eben aus ner miesen Gegend!“ spottete Shego. „Da geht's rau zu!“
„Aber wie kommen die auf eimal ….?“ kapierte Ron das nicht.
„Timmy ist auch grad mal rüber!“ überlegte ich. „Haben sich eben spontan Löcher …..? Ok, ich blick's auch nicht!“



Ich sah mir die Szene an oder sollt ich besser sagen, das Bühnenbild? Ja, so hat das angefangen. Damit man sich das besser vorstellen kann, wurden irgendwann im Hintergrund der Bühne große bemalte Leinwände aufgestellt und mit einer entsprechenden Hintergrundszene bemalt. Die wurde später auch für den Film verwendet. Sah man auch. Doch dann wurde es realistischer und zum Bestandteil des Films. Meist wenn es sonst zu teuer geworden wäre oder gar nicht machbar war. Nun waren wir etwas weiter und man konnte ganze Kunstwelten im Hintergrund einfügen. Soweit so gut, dachte ich und sah mir skeptisch die High an.
Die Schauspieler konnten die Leinwand nicht betreten und war es ein grüner Hintergrund, dann mußten sie sich etwas vorstellen, das gar nicht da war. Doch hier war alles vorhanden und begehbar. Und man bemerkte keinen Unterschied zur Realwelt. Fast nicht. Es war nicht die Ausstattung, es war die Story die jemanden wie mich mißtrauisch machte. Ich sah zu Yori.
„Sag mal, was wollen wir noch in diesen Kindergarten?“
„Du redest etwas unverständlich!“ lautete ihre Antwort und ich war darüber etwas verwundert. Doch nicht lange, dann hatte ich verstanden.
„Ja Kindergarten. Das verstehst nicht ganz? Ich wollt damit sagen, hier geht es zu wie in einen Kinderfilm. Halt eine Geschichte wie man sie Kinder erzählen würde. Nicht allzu komplex, wenig zum Denken und viel Hektik und Rumgerenne. Doch, genau so kommt es mir vor. Das ist es was wir Infantilisierung nennen. Kindlich, weil genau für die gemacht!“
Darauf schwieg sie erstmal. Ich verzog die Mundwinkel. Sollte ich Verständnis zeigen. Sie dürfte eher wenig mit Kinder zu tun haben. Drüben bei ihr gab es keine Kinder. Hatte jedenfalls keine gesehen. Menschliche Entwicklungsstufen dürften ihr daher etwas fremd sein.
„Du wirst sicher was von Kinder gehört haben. Menschen vermehren sich indem sie Kinder bekommen und diese wachsen auf und machen dabei Entwicklungsstufen durch. Vom Kleinkind, über Jungend bis zum Erwachsenen. Kann man an der körperlichen Entwicklung sehen. Und geistig kommt es auch zu Veränderungen. Wirst wissen, selbst wenn es für dich schwer nachvollziehbar ist!“
„Ist es!“ stimmte sie trocken zu.
Ich griff mir gedankenversunken ans Kinn und spürte die Bartstoppel. Sollt ich mich ….? Ob sich das lohnt? An ihrer Seite sollte ich nicht damit rechen alt zu werden. Auf Gedanken kam ich gerade. Hat ja erlebt …. der war gut, erlebt. Aber nicht überlebt, wie schnell es gehen kann und da kannst dich schon mal fragen, sollt ich mich noch rasieren oder kann ich mir das grad sparen.
„Gibt es bei euch nicht?! Nein, Programme werden fix und fertig ….. was immer. Schulen braucht ihr nicht. Menschen schon. Und das hier ist genau so eine. Im Unterschied zu denen in der Realwelt ist diese nur Hintergrund für ne Kinderstory. Eine die wir gründlich ruiniert haben!“
Ich fragte mich was sie darauf sagen würde. Aha, genau das. Sie schwieg.
„Na gut. Mußt ja nicht. Du weißt aber, das Menschen vieles nicht von selbst wissen oder können und erst erlernen müssen. Schreiben etwa. Und noch so einiges. Und genau dafür gibt es Ausbildungsstätten. Und in diesen passiert noch einiges mehr. Da gibt es nicht nur Unterricht, da sind sie Kids aufeinander losgelassen und so kommt es zu Gruppenbildung, es gibt Anführer und Gefolge und andere werden niedergemacht. Geht zu wie im echten Leben und ist wenn du so willst, eine Vorbereitung auf das Leben danach. Wer wird später im Berufsleben Abteilungsleiter und wer macht die Dreckarbeit? Wer sucht sich einen Beruf wo man helfen muß und wer wird das Arschloch. Und vor allem die Mädels sind das Thema. Wer ist die Bitch, wer bekommt die Tritte? Wer macht die Queen und ihr Gefolge und wer bekommt den Klassenbesten in Sport zum Freund. Wer ist die Zurückhaltende die sich mit dem Klassennerd zufriedengeben muß? Ja und genau das ist Thema dieser Filme, die an einer High spielen. Die Filmzeit mit Unterricht zu füllen wär ja langweilig, das wollte sich niemand ansehen. Unterricht in dem sie sich langweilen oder nichts kapieren, haben die Kids ja selbst genug.
Sie sah mich schweigend an und ich dachte mir, da übernehm ich doch besser die Antwort.
„Du kannst reden. Das hättest du jetzt sagen können. Weiß ich doch!“
„Du sagst es selbst!“ ließ sie sich doch zu einer Antwort herab.
„Na gut, das hätten wir durch!“ schloss ich das Thema ab. „Aber was soll hier noch passieren? Ist noch was vorgesehen oder läuft der Rest jetzt planlos ab? Und wenn ja, was ….?“
„Kann auch ich nicht vorhersagen!“
Ich stieß einen Pfiff aus. Glaubst es? Miss Allwissend gab zu nicht zu wissen, wie es hier weitergeht. Das war eher eine beunruhigende Aussage. Na das kann ja noch heiter werden. Doch ich sollte fair bleiben. Sie ist nicht allmächtig und hat keineswegs alles im Griff. Dann wären wir wirklich Bestandteil eines Märchens. Oder einer religiösen Erzählung. Denn da gibt es die Superhelden, die alles können und denen alles gelingt. So perfekt und so unbesiegbar, das es schon deswegen irreal wird. Wie man so sagt. Zu schön um wahr zu sein. Und wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr. Alte Binsenweisheit. Ich wurde von einen ungewohnten Geräusch abgelenkt. Irgendwas röhrte und dann quietschten Reifen. Und da kam die Karre auch schon vor uns zum Stillstand. Na schau an, ein schnittiges Gefährt, wenn auch mit einigen Kratzspuren an der Seite, die von einen Fahrstil zeugten, den man nicht unbedingt nachmachen sollte. Und die Seite war mit stilisierten Flammen bemalt, was sich mit einen heißen Fahrstil übersetzen ließ. Und wer saß drin? Eine Fahrerin und auf dem ersten Blick sah man ihr nicht unbedingt den Hang zum Bleifuß an. Schulterlange dunkle Haare und ein dunkelblaues Trägershirt. Auf ihren Oberarm war ein Tattoo zu erkennen und das sah nicht gerade vertrauensbildend aus.
„Was ist denn das für ne Spießergegend und wer seid ihr Loser?“
Na das fing ja schon gut an. Die war auf Krawall aus.
„Wo kommt die denn her?“ fragte ich mich noch.
„Einsteigen!“ hörte ich Yori. Das sah ernst aus.
Ok, ich beeilte mich und kaum saß ich drin, startete sie und schon fuhren wir hinter ihr her.
„Yori, was soll das? Lassen wir uns zu nen Autorennen provozieren? Haben wir das nötig?“
„Sie hat sich in diese Ebene verirrt!“ antwortete sie gelassen in einen Ton, in dem sie genauso gut erklären könnte, Schlampen sind ausverkauft, wir haben aber noch Zicken im Angebot. „Das war zu befürchten!“
Ich verstand mal wieder nichts. Aber wenn ich daraus schlau werden wollte, dann würde ich sagen, das war nicht vorgesehen.
„Die gehört also nicht in diese Story? Wir ja auch nicht. Haben wir ja was gemeinsam!“
„Nur weiß sie nichts davon!“ sagte sie und beschleunigte.
„Jetzt tun wir aber genau das was sie wollte!“
„Festhalten!“ lautete ihre beunruhigende Antwort.
Yori drehte auf und wir kamen der Sache schnell näher. Was hatte sie vor? Das wurde mir schnell klar, es war auch unschwer zu erkennen. Dazu brauchte ich kein Handbuch für illegale Autorennen und Raser denen man möglichst schnell Auto und Fahrerlaubnis abnehmen sollte. Sie setzte sich auf ihre Höhe und dann näherten wir uns ihr sehr schnell. Schon prallten unsere Seiten zusammen. Funken stoben auf und es quietschte. Ich sah zur Seite und unsere Blicke trafen sich. Ihre Augen blitzten und ihr Gesicht war herausfordernd angespannt. Genau so hatte sie sich das vorgestellt und wie es aussah, sie machte das nicht das erste Mal. Nur schien sie auch etwas verwundert, was Yori aus ihren Jeep rausholte. Zum Glück war die Straße frei und niemand bemerkte was wir da veranstalteten. Ich wollte gar nicht wissen, wieviel Verkehrsregeln wir gerade gebrochen hatten.
„Perry, Reduzierer raus!“ sagte sie. „Nein, du sollst nicht auf sie schießen!“
Schau an, sie wußte noch gut genug, daß ich nicht alles mitmache. Nun gut, dann mal den Stab raus und er entfaltete sich wie gewohnt.
„Ziel auf den Motor!“ wies sie mich an.
Ok, das hörte sich schon etwas anders an. Na dann Feuer frei. Nichts passierte. Was war …. doch, es tat sich was. Sie wurde langsamer. Ihr Gesicht wurde angespannt und wütend. Sie kapierte nicht, was auf einmal mit ihrer Karre los war.
„Gut gemacht!“ hörte ich Yori. „Erstmal müssen wir sie stoppen, dann wird sie zuhören. Erst dann!“
„Wie ist sie überhaupt ….?“
„Wir haben einiges verändert und das führt zu spontanen Lücken. Durch so eine ist sie hier reingeraten!“
„Kommt sie aus einen Spiel für Möchtergernraser?“ vermutete ich.
„Um einiges härter noch!“ hatte sie eine recht beunruhigende Antwort zu bieten und wie beunruhigend, sah ich nun. Unsere Helldrivermaus hatte auf einmal eine silbern blitzende Waffe in der Hand. Yori riß das Lenkrad um und wir prallten gegen ihre Kiste. Der Schlag hätte ihr fast ihr Schießeisen aus der Hand geschlagen. Fast wohlgemerkt. Woran zu sehen war, die hatte Übung. Aus was für ne Welt kommt die? Da muß es ja übel zugehen.
„Ich dachte wir bringen sie zurück, ich will sie nicht …..!“
„Siehst du gleich!“
Ja, tat ich sogar. Sie setzte sich vor ihr und bremste. Ihr Wagen prallte gegen unseren Jeep und nun wurde sie merklich langsamer. Ihre Karre lief offenbar nicht mehr und schnell kamen wir zum Stillstand.
„Miss, bitte stecken sie das Ding weg. Das ….!“
„Aussteigen!“ rief sie kalt und zielte auf mich.
Ich tat es sogar.
„Fallenlassen!“ sagte sie kalt und meinte meinen Tacker.
Doch bevor ich mir die Frage stellen konnte, ob es sinnvoll war zu gehorchen oder wie die Alternative aussah, ging es blitzschnell. Ähm was? Was war denn jetzt? Yori war bei ihr und hatte ihr Handgelenk im Griff. Schon drehte sie ihr die Waffe aus der Hand.
„Beruhig dich, wir wollen dir nur helfen!“
Na das hörte sich aber in der Situation ausgesprochen nett an. Passte ja auch voll. Natürlich schwieg sie fassungslos. Damit hatte sie nicht gerechnet. Vertrauensbildend war das auch nicht gerade, aber zugegeben effizient. Doch sie gehörte zu der Sorte die sich nicht so leicht stoppen ließen. Sie sprang auf und kaum stand sie auf der Straße, schon fing Yori einen Tritt und ihre Handkante, und gleich noch eine, gefolgt von einen weiteren Tritt. Yori war damit natürlich nicht zu beeindrucken und nun ….. was? Das ging etwas zu schnell. Unsere Fahrerin schloss gerade mit dem Straßenbelag innige Bekanntschaft. Wer immer die war, sie hatte nun kapiert, Yori war ein ernsthafter Gegner, auch wenn sie kaum wissen dürfte, das sie Yori hieß und wer sie war. Ich faltete meine Tacker zusammen und ließ den in meiner Hand verschwinden. Wieder so ne aggressive Schnecke? Dann bewegte ich mich zu ihnen.
„Sie sehen, es gibt keinen Grund auf mich zu zielen. Ich darf mich erstmal vorstellen? Sie dürfen mich Perry nennen. Ich bin ein Entwurf und meine reizende Begleitung mit der sie gerade Bekanntschaft geschlossen haben, dürfen sie Yori nennen. Ist übrigens ein Programm. Und nein, wir haben‘s nicht so mit Autorennen. Das war nicht der Grund sie so rabiat zu stoppen!“
Sie sah mich an als hätte ich ihr gerade verraten, die Erde ist eine Scheibe und noch zehn Meter weiter beginnt der Abgrund. Und da Yori keine Anstalten machte sie am Boden zu halten, drehte sie sich, zog die Beine an und schon stand sie wieder aufrecht. Auch darin erinnerte sie mich an Kira. Und was mir nun auffiel war ihre Gürtelschnalle. Sie zeigte einen Echsenschädel mit gezackten Echsenohren die an der Seite ausliefen, was man als klare Ansage lesen könnte. Etwa so, wenn du ne Prinzessin suchst, bei mir bist verkehrt, aber wie.
„Womit hast du geschossen? Hast du doch, hab ich doch gesehen!“ drohte sie mir mit kalter Stimme wobei sie mich ansah, als machte sie sich gerade eine geistige Notiz, mich auf der Liste der Personen, die sie diese Woche noch umzubringen gedachte, um einige Stellen vorzuziehen.
„Hm ja, ist uns nicht entgangen?“ gab ich mit der Gelassenheit zu, die mir Yoris Anwesenheit verschaffte. „Ja ich hab auf ihr nettes Gefährt gefeuert. Das darf ich noch. Ich sah keinen Grund auf sie zu zielen. Hätte böse für sie enden können und umbringen wollen wir sie ja nicht!“
„Ihre Freundin ist ja schnell!“ bemerkte sie kühl. „Etwas zu schnell. Das ist doch nicht mehr normal!“
Noch zwei Schritte brachten mich in ihre unmittelbare Nähe. Ich bemerkte wie ihre Augen blitzten. Daher zog ich meine Hand raus und hielt ihr meine flache leere Hand vor die Nase. Nein, ich dachte mir, das muß ich nicht erst lang und breit kommentieren. Sie hatte das Zeichen auch so verstanden.
„Du wußtest es?!“
„Passt zu ihnen. Nettes Teil, könnt ich mir das mal ausborgen? Sorry Miss, das ist kein Spielzeug!“
Sie wirkte enttäuscht. Ja genau so hatte sie sich das vorgestellt. Daraus wurde nun nichts. Aus was für n Szenarium die wohl herkam? Keine Ahnung, aber es dürfte da recht rau zugehen.
„Wer seid ihr? Und was geht hier vor? Das ist doch nicht normal!“ forderte sie eine Antwort.
„Ich könnte es versuchen, Miss. Würden sie mir glauben auch wenn es sich ziemlich schräg anhört?“
Sie sah mich skeptisch an, zeigte aber Bereitschaft sich das anzuhören, wenn auch nich all zulange. Genau die Sorte, deren Geduld begrenzt war und der man besser nicht mit Belanglosigkeiten ankommen sollte.
„Diese Spießergegend, wie sie richtig bemerkt haben ist ein Filmszenarium und sie sind hier nicht eingeplant. Meine Begleitung Yori ist ein Programm und kann sie zurückbringen. Da finden sie auch eher Freunde mit auf ihren Niveau als hier. Was ich noch sagen sollte, hier gelten die Regeln für jugendfreie Filme. Knarren sind hier nicht erlaubt. Ja, schauen sie nicht so ungläubig, ist so. Ach ja, fast hätte ich‘s vergessen. Wie dürfen wir sie nennen?“
Sie kniff die Augenbrauen zusammen und sah nicht überzeugt aus. Das sie sich überhaupt mit mir abgab, lag nur an Yori die ihr gezeigt hatte, wir sind keine Schwätzer.
„Sie können sich benehmen, immerhin!“ zeigte sie widerwillige Anerkennung. „Und was haben sie mit meinen Motor gemacht?“
Schau an, auf‘s Naheliegende konzentriert. Erinnerte mich an Kira.
„Nur vorübergehend außer Funktion!“ beantwortete Yori ihre Frage. „Gleich hat er sich wieder aufgebaut und ist betriebsbereit!“
„Was fährst du?“ war sie mißtrauisch. „Für nen Jeep hat der aber echt zuviel Speed!“
„Darüber mach dir keine Gedanken, Shany Highspeed. Und bevor du fragst woher ich deinen Namen kenne, deine Ebene ist mir bekannt. Sogar deine Freunde wie Speedrunner, Hardspeed und Miss von Hinten. Heißt so, weil man sie meist von hinten sieht. Und wie dir schon aufgefallen sein sollte, die Straßen hier sind gepflegter, als das, was du gewohnt bist!“
Sie stieß einen Pfiff aus. Volltreffer was? Sie war aber immer noch mißtrauisch. Verständlich, wär ich auch an ihrer Stelle. Tia schau an, Yori wußte einiges über sie. Ich hatte natürlich keine Ahnung. Autorennen? Jetzt könnte ich Ron gebrauchen, der könnte sogar mehr wissen. Würd ich dem zutrauen.
„Und warum hab ich dich noch nie gesehen?“ fragte sich ganz richtig.
„Ich komm eher selten zu Besuch!“ konnte sie antworten. „So wichtig seid ihr nicht und glaubst du, ich hätte sonst nichts zu tun?“
Yori zeigte normalerweise nur den Anflug von Emotionen, doch diesmal hörte sich das wirklich herablassend und arrogant an. Doch das konnte sie sich leisten. Wenn nicht sie, wer dann?
„Und euch soll ich ….?“ war sie skeptisch.
Yori streckte ihr die Hand hin und hielt darin ihre Waffe.
„Du kannst sie haben, wir sind damit nicht zu beeindrucken. Ich bin ein Programm und Perry ist mein Entwurf. Ich möchte dich trotzdem bitten, hier nicht rumzuschießen. Wir sind nicht in deinen verkommenen Getto!“
„Und wenn wir auf Suchprogramme treffen ….?!“ wollte ich einschränken.
„Dann wirst du sie schützen!“ sagte sie bemerkenswerterweise. „Gegen die wäre ihre Waffe nutzlos!“
„Wenn du das sagst, geht klar. Nun Miss, sie haben natürlich wenig verstanden. Von Suchprogrammen haben sie noch nie was gehört, nehme ich mal an. Die wollen auch nichts von ihnen, fackeln aber nicht lange, wenn jemand im Weg steht!“
„Wir fahren wieder zur High!“ ließ Yori uns wissen. „Du kommst mit, aber in hier üblicher Geschwindigkeit, auch wenn es schwer fällt. Wir richten noch genug Chaos an, versprochen. Du wirst dich nicht langweilen!“
Das hörte sich nicht gerade nach entspannte Stunden an. Sie nickte mir zu und das hieß einsteigen. Miss Highspeed hatte verstanden und setzte sich wieder in ihr Gefährt. Ihre Waffe hatte sie weggesteckt, was noch nichts heißen mußte. Aber immerhin. Auch darin erinnerte sie mich an Kira. Man weiß nie, wann sie wieder ausrastet. Wir wendeten und tatsächlich, sie fuhr hinter uns und hielt sogar die Geschwindigkeit. Würd ihr nicht leicht fallen, wie ich annahm. Sie war es sonst eher gewohnt, bis zum Anschlag durchzutreten.
„Und du kannst sie …..?“
„Beizeiten, bis dahin wird sie hier erstmal Chaos veranstalten!“
So wird sie? Und kaum hatte Yori ausgesprochen sah ich es aufblitzen. Polizeilicht. Na klasse, das fehlt uns noch. Ich hörte noch was wie halten sie …. ja kennen wir schon. Der Polizeiwagen überholte und im Rückspiegel konnte ich sehen, wie Shany den Cops wenig damenhaft den Mittelfinger zeigte. Das war auf dieser Kinderebene gar nicht erlaubt, was ihr noch niemand gesagt hatte, aber selbst wenn, es ginge ihr am Knackarsch vorbei. Wußt ich doch.
„Und schon geht der Ärger los. Was machen wir?“
„Was denkst du was sie macht?“ gab Yori rhetorisch zurück.
Um das zu erraten mußte man kein Hellseher sein. Na was schon? Sie riß ihr Lenkrad rum und knallte gegen die Seite der Copkiste. Ich hörte es scheppern. Ok, jetzt war natürlich alles zu spät. Das ließ sich mit Worten nicht mehr regeln. Halten sie sofort …. hörte ich wieder. Na da habt ihr die Richtige erwischt. Sie beschleunigte und setzte sich vor die Cops. Dann drehte sie auf und war wieder in ihren Element.
„Perry, Reduzierer raus und ziel auf den Motor!“
„Verstanden!“
Na wie gehabt, gleich hatte ich den wieder in der Hand und während Yori beschleunigte das es mich in den Sitz drückte, gelang es mir das Vorderteil in die Schußbahn zu bekommen. Nun mußte ich nur noch abdrücken und mich drauf verlassen das es funzt. Tat es auch. Die Cops fielen zurück und gleich darauf konnte ich sie im Rückspiegel sehen. Nun schlossen wir zu Shany auf und Yori gab ihr ein Handzeichen. Tatsächlich ging sie vom Gas und kurz darauf erreichten wir wieder den Parkplatz der High. Wenn es hier so zugehen sollte, wie zu erwarten, dann müßten die Cops bereits über Funk Großalarm gegeben haben. Aber gut zu wissen, Yoris Mordwerkzeug eignet sich auch zur Sabotierung technischer Geräte. Und da mußte ich absolut keine Hemmungen haben. Ja und das ergab sogar einen Sinn. Wenn es darum ging die Funktionen eines Suchprogramms zu reduzieren, bis zur Auflösung, dann reduzier ich damit auch die Funktion einer Maschine. Wenn diese letztlich aus Pixel und Bytes bestehen sollte, dann erst recht. Doch mir war klar, das ich darüber nur Vermutungen anstellen konnte. Und wie würde das in der Realwelt aussehen? Ich brach diese nutzlosen Gedanken ab. Zugegeben, ich hatte einfach keine Ahnung.
Wir parkten neben ihr und sie stellte den Jeep ab und ich wälzte mich raus.
„Das war ja abgefahren was sie da geschafft haben!“ zeigte sie durchaus Anerkennung. Ich war mir nicht sicher, ob ich darüber so erfreut sein sollte. Doch sie sprang bereits aus dem Sitz und stellte sich vor mir auf. „Sie können ja echt was. Voll die Cops lahmgelegt. Ich könnt das nicht. Doch, nicht schlecht für‘n alten Arsch der so Scheiße wie sie aussieht!“
Na besten Dank auch für die Wertschätzung. Ok, will ich mal nicht klagen, ne Coputerschönheit wie sie darf das. Und auf einmal fiel sie mir um den Hals und drückte sich an mich. Ey glaubst es? Brachte sie fertig. Nicht gerade die Zurückhaltende.
„Ok, ist ja gut. Ich bin sicher wir werden uns nicht langweilen. Yori bringt sie sicher in ihre vertraute Welt zurück. Bis dahin hängen wir in einen Kinderfilm fest, den wir bereits ziemlich ruiniert haben. Ein Teil von dem Unsinn spielt in der High und das ist sie. Wir durften bereits einige kennenlernen. Na die werden über sie erfreut sein, aber wie!“
„Durchgeknallt was sie erzählen, echt!“
„Das hör ich oft!“ verriet ich ihr.
Sie machte sich von mir los und zwei Schritte brachten sie zu ihren Wagen. Ein Griff und sie fischte ein Hoodie raus und zog es sich über. Dunkelrot mit olivgrünen Ärmeln und einen Reißverschluß, den sie offen ließ. Ne, für ne Schülerin würde man sie so nicht halten. Eher nicht und da kamen gerade welche vorbei. Na das geht ja schnell. Und schon verändern wir wieder die Szene.
„Ey!“
„Hi!“
„Wer bist du denn?“
„Klasse Kiste!“
„Was hat die denn drauf?“
„Wieviel schafft die?“
„Ihr kennt euch?“
„Sind das deine Freunde?“
„Bist du unsere neue Lehrerin?“
Das war mein Stichwort. Miss Highspeed sah etwas überfahren aus und wußte nicht so recht, was sie mit dieser Aufmerksamkeit anfangen sollte.
„Was meint ihr? Sieht sie aus als würde sie Verkehrsunterricht geben? Eure neue Lehrkraft im Sport, weil irgendwer muß euch ja zwingen die Fastfoodpfunde von den Hüften zu kriegen. Ja und anschließend lernt ihr bei ihr, wie man wütende Cops abhängt und ihnen den Mittelfinger zeigt!“
„Ne echt!“
„Sie sind aber fies!“
„Glaub ich nie!“
„Meinen sie doch nicht ….!“
„Ist doch nicht wahr!“
„Nicht …?“
„Shany Highspeed, wenn s recht ist!“ sagte genau die. „Ja, so dürft ihr mich nennen. „Doch, ich zeig euch auch wie man fährt. Aber wer mir die Karre vollkotzt dem tret ich in den Arsch, dann hast n zweites Loch im Hintern!“
„Pffft, ist die gemein!“
„Ähm Shany Highsped?“ war einer der Jungen erstaunt. „Jetzt wo sie ….. ey, ja. Genau so sehen sie aus. Voll wie aus dem Counter Race. Ja aber echt, da stimmt alles. Ist hier irgendwo Cosplay?“
„Dir steck ich dein Cosplay auch gleich ….!“ antworte sie kalt.
Der zuckte erschrocken zwei Schritte zurück.
„Kann sie echt gut!“ gab ich zu und dachte mir, da gehst besser dazwischen. „Doch, man könnt sie für echt halten. Du kennst Counter Race? Dann wirst auch wissen, das man sie nicht reizen sollte!“
Darauf war erstmal Ruhe. Schau an. Ich sah sie verschmitzt an. Kaum angekommen, schon n Medienstar. Glückwunsch.
„Ja ok, ihr dürft auch n Selfie mit ihr machen aber dann zieht mal ab!“
Nach diesen Worte war sie bereit auch das über sich ergehen zu lassen. Warf mir aber doch einen Blick zu, der besagte, ich will eine Antwort verdammt nochmal.
„Counter Race, noch nie gehört? Nein, haben sie nicht. Wer aus einen Spiel kommt hat keine Ahnung das seine Welt nur ein Rechnerprogramm darstellt. Kenn mich da aus. Sie halten ihre Welt, wie sie die kennen für völlig normal, weiß ich. Und auch was sie so den ganzen Tag treiben. Und wie erklären sie sich das?“
„Ist sie immer so still?“ entgegnete sie und meinte damit natürlich Yori.
„Sie bringt Verirrte in ihre Welt zurück. Der Rest geht sie wenig an. Wer ihr zu sein glaubt, oder wo, das interessiert sie nicht. Sie hat es nicht nötig euch über die Welt aufzuklären!“
Ich seufzte und schlug die Hände vor‘s Gesicht.
„Das sind die Gespräche, die ich andauernd führen muß. Mir scheint Yori macht das schon länger als ich und da versteh ich ihre Haltung. Würd ich auch irgendwann die Geduld verlieren. Wenn du zum zehnten Mal einen erklären mußt, die Erde ist keine Scheibe, dann hast irgendwann die Schnauze voll und sagst nur noch, die Erde ist eine Scheibe? Ok, wenn du meinst!“
Die Schüler die noch dabeistanden, hörten sich das verständnislos an. Klar, woher sollten sie wissen was ich da redete. Shany verzog mißtrauisch die Nase und sah Yori herausfordernd an.
„Du bringst mich in ein Computerspiel zurück?“
„Sobald wie möglich!“ bestätigte sie als wär es nur eine Frage wann der nächste Bus kommt. „Und Perry hat es treffend gesagt. Es ist nicht meine Aufgabe euer Weltbild zu berichtigen. Du bist nicht mein erster Verirrter!“
„Wie viele gibt es denn?“ fragte sie spitz.
Die Antwort war eindeutig und bitter. Es gab keine. Und keine Antwort ist auch eine. In dem Fall dürfte das heißen, ich mach mir nicht die Mühe zu zählen. Also glaub nicht, du bist Einzigartig. Nun immerhin war die Story ja so gut wie fertig. Da konnte es nicht mehr viel schaden, wenn sie diese Szenen ruiniert und genau das schien nun unvermeidlich abzulaufen. Ich sah jemanden auf uns zukommen. Und die kannten wir bereits. Ja, Ron und Kim. Mal wieder am Unterrichtschwänzen? Nun, Kim kam gleich zur Sache.
„Das ist sie? Wade hat uns ne Nachricht geschickt. Die Polizei sucht sie. Und euch auch. Was habt ihr jetzt wieder angestellt?“
„Na was sagst?“ wandte ich mich ironisch an unsere Besucherin. „Kaum angekommen, schon kennt sie jeder. Sie haben s aber auch echt drauf. Glückwunsch!“
„Perry, das ist ernst!“ warnte Ron. Dann erst nahm er sich die Zeit und sah sich unsere Maus mal genauer an. Ihm stand der Mund offen.
„Junge, Mund zu. Die Fliegen kommen rein!“ konnte ich einen altbekannten Spruch ablassen. Die Gelegenheit war günstig.
„Ne echt!“ staunte er. „Das ist sie. Shany Highspeed. Aber original wie aus dem Programm. Ey, ich sag dir du siehst echt ….!“
Kim brachte ihn mit einen Rippenstoß zum Schweigen. Klar, die war von seiner Schwärmerei nicht so begeistert.
„Ok, ich bin mit der Materie nicht so vertraut!“ gab ich zu. „Du wirst es besser wissen. Sie selbst ist davon nicht so ganz überzeugt. Na ihr kennt das ja schon. Notgedrungen wird sie für einige Zeit hier abhängen und eure Welt auf den Kopf stellen. Geht ja schon gut los, seht ihr ja!“
„Ich versuch nur …..!“ versuchte Kim es zu erklären.
„Zu retten was zu retten ist!“ konnte ich ihre Zeile beenden. „Und wenn die Cops angeschissen kommen, dann erzählst ihnen was? Das war alles nicht so gemeint. Die Frau hat doch nichts getan und wollte doch nur ….? Wir wissen doch, das kann nicht gut ausgehen. Nicht mal in diesen Kindergarten. Aber trotzdem, nett euch wiederzusehen und wie geht's Athena?!“
Die sah mich nur an, als hätte ich sie gerade gefragt, ob wir uns zusammen den Weltuntergang anschauen wollen und ob sie nachher noch mit uns einen saufen geht.
„Sie haben Nerven. Euch kann man echt keine Minute allein lassen!“
„Sie haben meine Frage nicht beantwortet!“ wandte ich ein.
„Ach so!“ gab sie nach. „Ja klar. Der geht's gut. Wade hat etwas dran gearbeitet. Ich werd im Notfall auf sie zählen können!“
„Na Glückwunsch!“ kommentierte ich.
„Das du dich noch blicken lässt!“ hörte ich einen der Schüler von der Seite.
„Halt die Klappe, kannst du es besser?“ verteidigte Ron sie. Na schau an, kannst ja auch mal was tun. „Ist keine Kunst abzulästern, wenn sie auf die Nase fällt. Passiert jeden mal!“
„Ok, ist schon gut!“ wollte Kim das nicht weiter vertiefen.
Dafür interessierte sich Shany auf einmal für Ron.
„Sach mal, du kennst mich? Woher? Hab dich noch nie gesehen!“
„Ja, von dem Programm Counter Race, du bist vor allem bei den Jungs gefragt. Die Mädels stehen eher auf Speedrunner und von Hinten!“
„Werd ich echt nicht schlau draus!“ meinte sie kopfschüttelnd. „Hm, lass doch mal sehen!“
Schon stand sie vor ihn und strich ihn über die Haare. Kim sah sich das alarmiert an.
„Ey, was soll denn das werden?“
„Was? Dein Freund?“ fragte sie in aller Unschuld.
„Ja, wenn du nichts dagegen hast. Ich mein halt ….!“
Und da fehlten ihr die Worte. Comicfiguren. Wehe wenn sie losgelassen. Und noch schlimmer, wenn sie aufeinander losgelassen. Ich hatte den Verdacht, das Leben dieser Maus könnte bisher etwas eingeschränkt verlaufen sein. Hatte sie Nachholbedarf und wollte den ausgerechnet an Ron ….. na das kann ja heiter werden. Ich warf Yori einen Blick zu der heißen sollte, du solltest sie beizeiten heimbringen. Wer weiß was die noch anstellt. Und der gibt sie auch noch ihre Knarre zurück? Na schön, ich könnt ja auch die Einstellung vertreten, das ist eh nicht meine Welt und was geht's mich an?
„Ok, kommt besser mit!“ forderte sie uns auf. „Drinnen werden sie euch nicht suchen. Na solang bis sich alle beruhigt haben!“
Doch dazu kam es nicht. Schon hörten wir Polizeisirenen. Tia, da müssen wir jetzt durch. Da kamen auch schon die Cops angefahren. Unschwer zu erraten, wohin sie wollten. Doch es kam anders als gedacht. Sie wurden von einen Flitzer voll gerammt und es knallte unüberhörbar. Der Flitzer fiel schon durch seine Hörner auf die auf der Haube montiert waren. Eine klare Ansage, das ist nicht die Karre einer biederen Familie, die ihre Kids von der Schule abholt. Und dar Fahrer sah mit seinen wirren Haar und dem Kinnbart auch nicht gerade vertrauenerweckend aus.
„Wau, das ist doch …..!“ staunte Ron.
„Du kennst Speedrunner?“ war Shany beeindruckt. „Woher? Ach scheiß drauf. Ey Speedrunner, nett das du grad vorbeischaust!“
Der sprang aus dem Wagen und winkte ihr. Doch nun hatten sich die Cops vor ihm aufgebaut. Und sie sahen nicht besonders gut gelaunt aus. War zu erwarten.
„Sacht mal Freunde, was steht ihr mir mit eurer Karre im Weg?“ hörten wir eine kratzige und abfällige Stimme. Schon die würde ausreichen, die zwei Cops auf Hundertachtzig zu bringen, selbst wenn er nicht ihren Einsatzwagen unvorteilhaft bearbeitet hätte.
„Die Hände an den Wagen und Beine breit!“ forderte einer der Cops.
Doch der stand einfach nur da.
„Ey, seh ich so aus?“ bequemte er sich endlich zu einer Antwort. Wir hatten sie nun erreicht und standen davor.
Und nun verlor einer der Cops die Geduld und griff nach seiner Waffe. Da bist an den Richtigen geraten. Speedrunner wirkte etwas träge und behäbig. Solange er nicht fahren mußte, sah er aus als hätte er alle Zeit der Welt und würde nichts mehr hassen als unnötige Eile. Doch nun ging alles blitzschnell als hätte jemand die Zeitraffertaste gedrückt. Er hatte ebenfalls eine Waffe in der Hand und ließ den Cop in den Lauf blicken. Der zweite Cop blickte ebenfalls in das Ende eines Rohres. Shany war nicht untätig geblieben.
„Sagt mal ….!“ war Ron erschrocken.
„Ey, spinnt ihr?“ rief Kim fassungslos.
Von den Cops war gar nichts zu hören. Das hatten sie nicht erwartet.
„Fallenlassen!“ sagte Shany kalt.
Doch die dachten nicht dran. Was nun? Pattstellung?
„Ey, hört mal alle auf damit. Das wird noch böse enden!“ rief Kim.
Doch niemand hörte auf sie. Irgendwie hatte sie gedacht, sie könnte hier vermitteln. Nein, die Cops dachten nicht dran sich stören zu lassen. Jedenfalls nicht von Kim. Die wurde auch nicht gebraucht. Auf einmal hörten wir aufgeregtes Bellen. Irgendwie meinte ich das zu kennen und da kam auch schon der Urheber angerannt. Und ja, ich glaub‘s nicht, es war original Timmy. Er sprang freudig auf uns zu und rannte fast den Cop um. Der war einen Moment abgelenkt und schon nutzte Shany die Gelegenheit und explodierte regelrecht. Ich sah sie nur noch herumwirbeln und dem Cop flog die Waffe aus der Hand. Gleich darauf lag er am Boden. Der zweite hatte ebenfalls mit Speedrunner nähere Bekanntschaft geschlossen. Genaueres war mir entgangen, ich sah nur den Endstand. Comicfiguren aus dem Rechner? Man sieht's ihnen nicht unbedingt an. Aber ehe gedacht gibt's ein böses Erwachen.
„Sagt mal ….. das könnt ihr doch nicht ….!“ konnte Kim es nicht fassen. Ja die. Gehört eben zu den Guten und für die ist es undenkbar was eben passiert ist. Für die beiden schien das eher völlig normal zu sein. Kommt bei ihnen wohl in schöner Regelmäßigkeit vor.
„Es gab einen Einbruch. Dadurch ist diese minderintelligente Lebensform zu uns durchgekommen!“ sprach Yori scheinbar ohne jeden Zusammenhang zur Situation ihre Erklärung in einen Tonfall, als säße sie im Sendestudio und würde gerade die aktuelle Zeit und die Verkehrslage durchgeben. Timmy sprang derweil freudig an mir hoch. Ich ging in die Knie und streichelte ihn im Nacken.
„Ja, ich freu mich auch. Wo sind denn ….?“
„Die sind nach wie vor in ihrer Ebene!“ verriet Yori. Woher immer sie das wußte. Ich sah auch keinen Grund daran zu zweifeln.
„Das wird Folgen haben. Das war Widerstand gegen ….!“ fand einer der Cops die Sprache wieder. Ein Tritt und er schwieg wieder. Speedrunner hatte längst ihre Waffen zur Seite getreten und sah dabei aus, als würde er das nicht zum ersten Mal machen.
„Ob das noch mit Argumenten zu regeln ist?“ dachte ich grad laut nach.
„Mußt du nicht!“ hatte Yori da zu sagen und schon bückte sie sich und sammelte die Knarren ein.
„Hm, wenn sie nicht mitgekommen sind, die werden sich Sorgen machen!“ dachte ich gerade. Ich könnte doch ….!“
„Tu das!“ stimmte Yori gleichgültig zu.
Kim und Ron standen voll verwirrt in der Landschaft rum und wußten nicht was sie tun sollten. Ron würde sich eh nicht einmischen, so blöd war er nicht und Kim müßte das eigentlich, hatte aber gesehen, mit wem sie es dann zu tun bekommen würde. Mit Yori eher nicht, das fehlte noch. Aber die beiden reichten ja schon. Und Shany schien es zu riechen.
„Willst du Blei fressen?“
Mehr brauchte es nicht. Klare Aussage. Fall mir nicht in den Rücken. Könnte ungesund werden.
„Kim, die werden es dir kaum danken!“ warnte ich sie.
„Aber ich kann doch ….!“
„Doch, du kannst!“ widersprach ich.
Ich griff nach dem Smartphone und schaltete ein. Kim sah mich ungläubig an.
„Wen wollen sie denn ….?“
„Ich will nur durchgeben, das Timmy bei uns ist!“ brummte ich abwesend.
„Das können sie doch nicht …..!“ ging es über ihren Verstand.
„Warum nicht? Ich stör doch niemanden!“
Worauf ihr nichts mehr einfiel. Da hatte ich sie eindeutig überfordert. Das ich es fertigbrachte die Situation grad mal zu ignorieren, wenn ich eh nichts dran ändern konnte. Ne, das kapierte sie nicht. Und? Die Leut halten sich alle für zu wichtig. Glauben was ich will, oder was gerade vor meiner Nase passiert, ist das Wichtigste im bekannten und unbekannten Universum. Hatte ich zu oft erleben dürfen. Ein zwar verzeihlicher Irrtum, aber eben doch ein Irrtum. Und was mich anging, man könnt meinen, ich hab‘s von Yori. Die bringt es notorisch fertig, wenn‘s kracht davorzustehen und das mit einer Haltung, was geht's mich an? Hört auch irgendwann wieder auf.
So, wen nehm ich? Kim zweckmäßigerweise. Es dauerte nur kurz, dann hatte ich wen dran. Aber es war nicht Kim.
„Hi auch. Kim?“
„ ………….. !“
„Mick? Ok auch gut!“
„ ………….. !“
„Ungelegen? Ja ich weiß!“
„ ………….. !“
„Timmy ist auf einmal spurlos verschwunden. Woher ich ….?“
„ ………….. !“
„Ich kann euch beruhigen. Timmy ist bei uns!“
„ ………….. !“
„Ihr feiert gerade Auferstehung. Ja ich hör‘s. Schon ok, weiß ich doch. Timmy gehört einfach dazu!“
„ ………….. !“
„Bei uns? Ach wieder mal voll die Katastrophe. Zwei Cops liegen entwaffnet am Boden. Und nein, Yori war‘s diesmal nicht!“
„ ………….. !“
„Ja, wir sind immer noch in Kim‘s Kinderfilm. Und haben Besuch bekommen!“
„ ………….. !“
„Euer Ron könnte sie kennen. Shany Highspeed und Speedrunner. Könnt ihr was mit anfangen?“
Von drüben waren abgehakte Stimmen zu hören. Irgendwas das auf völliges Erstaunen und Unglauben hindeutete.
„ ………….. !“
„Doch, aus Counter Race. Und die benehmen sich genau so wie man sich da vermutlich benimmt. Vor allem die Maus erinnert mich an Kira. Ob ihr euch mal treffen könntet? Könnt funny werden!“
„ ………….. !“
„Klar, wir passen auf Timmy auf. Könnt ihr unbesorgt sein. Eher erwischt‘s mich, wisst ihr doch!“
„ ………….. !“
„Hm, ja jetzt wo du es sagst. Ist nicht ganz unbemerkt geblieben und da stehen einige in sichern Abstand und halten drauf. Als wenn es an dem Filmablauf noch was zu ruinieren gäbe!“
„ ………….. !“
„Nein, wollt nur ….. na halt, daß ihr euch nicht um Timmy sorgen müsst. Sonst …. kein Grund zur Sorge. Kannst schon daran sehen, daß Yori keinen Grund sieht, sich einzumischen. Kim könnte es etwas traumatisieren, nun sie wird‘s überleben!“
„ ………….. !“
„Videos? Könnt‘s geben. Werden sie wohl wieder durch die Leitung senden. Ok, die minderintelligente Lebensform ist bei uns in guten Händen!“
Kaum hatte ich ausgesprochen, sah ich, daß die Verbindung abriss. Ok, das war nicht neu. Ich schaltete aus und steckte es ein. Timmy drückte sich gegen meine Beine und wedelte mit dem Schwanz. Immerhin war ich einer der ihm vertraut war.
„Bei denen scheint alles ok zu sein!“ wandte ich mich an Yori. „Und nachdem sie wissen das ihr Hund in sicheren Händen ist ….. wie soll das hier weitergehen?“
Die Cops hatten erstaunt geschwiegen, als sie sahen, das sie zeitweilig bedeutungslos geworden waren. Das ging über ihren Horizont und worum es ging, ich nahm an, sie hatten eh nichts verstanden. Wie auch?
„Was ist das überhaupt für ein Spießerkaff?“ schimpfte gerade Speedrunner.
„Ist mir auch schon aufgefallen!“ sagte seine Mitarbeiterin. „Find‘s hier echt zum kotzen!“
„Entschuldigt mal!“ machte sich Kim bemerkbar. „Könnt ihr nicht mal eure Schießeisen wegstecken? Ihr werdet noch jemanden umbringen. Das ist doch echt kein Benehmen und ihr könnt doch nicht die Polizei bedrohen!“
Die sahen sie daraufhin an, als hätte sie ihnen gerade günstige Immobilien in Pompeji angeboten. Müsst sie nur freischaufeln.
„Wir werden noch jemanden umbringen?“ sprach Shany langsam und ungläubig aus. Und dann begann sie hemmungslos zu lachen.
„Was ist dran so lustig?“ wurde Kim wütend.
Ich mußte mitlachen. Ja das war es und Kim raffte es natürlich nicht.
„Die kommen aus ner anderen Welt und da geht's etwas anders zu. Tia Kim, da haben sie aber echt n Volltreffer gelandet!“
„Versteh ich ….!“
„Bei denen geht's etwas anders zu. Fragen sie Ron, der müßte es doch wissen!“
Und ja, der fühlte sich angesprochen.
„Ok, das stimmt. Aber ….. ich mein, die schießen schon auf andere Fahrer. Aber das ist doch nur …. das macht man doch nicht in echt …. !“
Ja, er  kapierte sogar selbst was er da eben für‘n Unsinn erzählte. Ja klar, das auf nen Screen zu sehen war ja ganz unterhaltsam. Aber was, wenn es auf einmal real wird? Dann bist auf einmal überfordert? Genau so. Nun ja, was machen wir da?
„Hört mal, eure Knarren braucht ihr grad nicht. Steckt die einfach mal weg und lasst die Herren mal aufstehen. Dann können sie abziehen. Erstmal!“
„Und dann vergessen sie den Vorfall!“ meinte Speedrunner ironisch!“
„Natürlich nicht, aber erstmal sind wir sie los. Was sonst? Wollt ihr sie erschießen? Das ist unnötig!“
Tatsächlich steckten sie ihre Knarren weg. Na geht sogar. Sie konnten das. Vor allem Shany. Ohne ihre Schießeisen mußte sie die Cops nicht ernstnehmen. Und die schauten echt ungläubig, stemmten sich aber dann aus dem Staub.
„Verzieht euch besser. Das wäre doch die beste Lösung für alle!“ schlug ich unverbindlich vor.
„Und unsere ….?“ wollte einer noch sagen.
„Daran glaubt ihr doch selbst nicht. Damit es wieder von vorne losgeht?“ wurde ich ironisch.
Nun hatten sie‘s und trollten sich in ihre Karre. Von ihnen hätte ich mehr erwartet, brummte einer noch und das war an Kim gerichtet. Kim‘s Gesicht war versteinert. Das traf sie hart und fair war das mal nicht. Der Motor brummte und schon verschwanden sie.
„Ich seh‘s schon kommen!“ wandte ich mich an sie. „Weigert sich den Cops zu helfen. Zu feige. Bringt nichts mehr zuwege. Werden sie sicher in Kürze lesen dürfen. Nun, wir wissen es besser. Gegen Shego geht ja noch, die hat keine Knarre. Sie haben schon kapiert, Shany ist nichts für sie. Wie gut sie Schußlöcher wegstecken? Wollen wir‘s ausprobieren?“
„Ihre Freundin hätte ja ….!“ knurrte sie unzufrieden.
Ich lachte leise auf. Au ja, der war gut.
„Das könnte ihnen so passen. Das ist Yori und nicht Mary Sue. Die ist nicht dafür da all eure Probleme im Handumdrehen zu lösen. Die hat ihre eigenen Vorstellungen!“
Sie sah mich mit offener Verachtung an. Ich wußte auch warum und sie hatte ja recht.
„Sie nehmen uns nicht ernst. Sie tun so, als wäre das alles nur ne Theateraufführung der Mittelstufe. Finden sie das nicht etwas arrogant?“
Na das war ne Anklageschrift. Oder hätte die Einleitung zu so einer sein können. Ihre Haltung war verständlich.
„Und was, wenn es der Fall ist?“ meinte ich schulterzuckend.
„Das glauben sie doch ….!“
Ich ignorierte sie.
„Die kommen wieder und nicht nur die!“ warnte ich. „Dann wäre es besser wenn wir nicht hier rumstehen!“
Timmy schnupperte derweil Kim und Ron ab. Irgendwas schien ihn zu verwirren. Ich konnte mir sogar denken was. Sie schienen genau die zu sein, die er von drüben kannte und eben doch nicht.
„Timmy, lass gut sein. Sind sie nicht, aber die sind auch ok!“
Jemand legte mir von hinten die Hand auf die Schulter. Es war Yori.
„Wer ist Mary Sue? Sollte ich das wissen?“
„Äh was? Ja klar. Kennst nicht? Die ist ja auch nur ne fiktive Gestalt. Steht für eine Figur in Fanficerzählungen, die mit irrealen Fähigkeiten ausgestattet wird und alle Hindernisse mit links aus dem Weg räumt. So als Fortsetzung der Superhelden die in den diversen Geschichten alle Probleme mit übermenschlichen Fähigkeiten meistern. Da eben als Identifikationsfigur für den Durchschnittsleser, der schon an seinen fiesen Mitschülern scheitert. Na? Ich kann reden, weiß ich doch!“
„Ja das können sie!“ stimmte Ron zu.
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