_-Don't stop 'till your heart goes numb-_

von Yui Yuuji
KurzgeschichteDrama, Angst / P16 Slash
Adam Kadamon Katan Luzifer Rosiel
13.04.2017
13.04.2017
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Don't stop 'till your heart goes numb
Oder: I'm your worst nightmare


Laut hallte das Geräusch der hohen Absätze auf dem eisigen Steinboden in den heiligen Hallen von Atziluth wider. Ein kaltes und berechnendes Lächeln lag auf den Lippen der Gestalt, die sich zielsicher auf die reichverzierte Tür am Ende des Flures zubewegte. Seine Zeit war nun endlich gekommen. Er wusste, wer dahinter auf keinen anderen als ihn wartete. Oh, und wie er das wusste.

Kein geringerer als Adam Kadamon.

Weiter führte er seinen Weg zielsicher fort. Verringerte die Distanz zwischen ihm und seinem Ziel immer mehr. Immer weiter. Immer weniger. Vor der Türe konnte er schon aus der Ferne die beiden Wachposten ausmachen.

Keine Herausforderung. Doch er würde sich nicht die Hände an diesen Handlangern schmutzig machen.

Ein leises Pfeifen glitt über seine schmalen und weichen Lippen, das Grinsen verflog nicht. Für einen kleinen Moment waren schnelle Flügelschläge zu vernehmen. Kurz füllten gurgelnde Laute die hoch gebauten Wände des Flures. Sie erloschen kurz darauf.

Der anorganische Engel trat auf seinen Helfer zu und strich ihm zärtlich über die Wange. Er achtete darauf, dass er nicht in die Blutlache trat, welche sich auf dem Boden ausbreitete. „Du bleibst an meiner Seite. Egal, was passiert. Andernfalls reiße ich dir dein verrottetes Herz herauf und zertrete es.“ flüsterte er sanft in Lucifers Ohr.
Wären es nur süßere Worte gewesen, er hätte sie genossen.

Rosiel war fast am Ziel. Fast. Der Erfolg war zum greifen nahe und er konnte es in seinen Andern spüren. Lange genug hatte er sich – hatten sie sich alle– von ihm unterjochen lassen.

Keine Minute länger.

„Öffne sie.“ abermals hatte der Engel seine klare Stimme erhoben, seine Augen funkelten gefährlich. War es Wahnsinn? Lucifer vermochte es nicht zu sagen. Doch er tat, wie ihm geheißen.

Die schweren Flügeltüren wurden geöffnet. Adam Kadamon war keineswegs überrascht. „Stellst du dich nun endlich gegen mich? Zugegeben, ich hatte nicht erwartet, dass es so lange dauern würde, bis du diesen Weg beschreiten würdest.“
Der blonde Engel hatte noch nie viel von Rosiel gehalten. Und seine Stimme triefte vor Arroganz.

„Ich bin nicht hier, um mit dir ein Teekränzchen zu halten. Kämpfe.“ entgegnete der anorganische Engel und begab sich augenblicklich in Verteidigungshaltung. Er kannte sein Gegenüber. Gut genug. Es würde keine Überraschung auf ihn zukommen.

„Rosiel-sama!“

Zu früh gefreut. Ungläubig blickte sich der, dessen Name so ängstlich ausgerufen wurde, um und erblickte ihn. Ihn, den schönsten und reinsten Engel, das reinste Wesen, welches es im ganzen Universum gab.

Katan.

Der Cherubim Katan.

„Was suchst du hier?!“ knurrte er ihn an. Doch Rosiel wusste es schon. Katan musste sich nicht erklären. Das hatte er noch nie gemusst. Das würde er nie tun müssen. Niemals. „Du weißt, dass ich es tun werde. Du weißt, dass mir keine andere Wahl bleibt!“

War es nun an Rosiel-sama sich zu erklären?

Es wunderte ihn, dass Adam Kadamon diese Konversation überhaupt zuließ. Eigentlich hätte er diesen Moment-

Ein markerfüllender Schrei durchflutete die heiligen Hallen als mit einem Mal gleisendes Licht auf den anorganischen Engel traf. Lucifer hatte sofort sein Schwert zur Hand genommen und stürzte sich auf den Blonden. Doch dieser blockte den Angriff gekonnt und mit einem abwertenden Lächeln. „Ich werde dich wieder in die Tiefen der Hölle verbannen, Lucifer! Wie ich es schon einmal getan habe! Und dieses Mal sorge ich dafür, dass du niemals wieder heraufgekrochen kommst.“ seine Stimme war tief in dem Kopf des gefallenen Engels zu vernehmen gewesen. Und wäre er nicht schon darauf vorbereitet gewesen, es hätte ihn zum Wahnsinn getrieben.

Katan war an Ort und Stelle erstarrt, als Rosiels Schrei ohne Vorwarnung so vollkommen aus dem Nichts ertönte und wusste nicht, was er nun tun sollte. Das Licht schien noch immer auf den Engel und Adam Kadamon blockte jeden weiteren Angriff von Lucifer. Der Cherubim konnte sich doch unmöglich gegen den Engel mit den sechs Flügeln wenden. Es war Hochverrat. Und man würde ihn mit Sicherheit dafür hinrichten lassen.
Doch Rosiel würde dieses Schicksal vor ihm erleiden. Er konnte seinen Herren nicht einfach im Stich lassen. Mit einem lautlosen Seufzen breitete er seine Flügel aus und sammelte seine Kraft. Katan hatte sich dazu entschlossen seinem Schöpfer bis in den Tod zu folgen. Schon vor langer Zeit. Seit dem Augenblick in welchem er die Augen seines Meisters das erste Mal erblickt hatte.

Vielleicht sollte es sein Schicksal sein. Heute zusammen mit dem gefallenen Engel Lucifer und seinem geliebten Rosiel-sama hier zu sterben.

Doch möglicherweise musste es nicht soweit kommen.

Katan sammelte also seine Kraft und in einem Moment der Unachtsamkeit von Adam Kadamon entlud er diese und sein Strahl reiner Energie traf den höchsten aller Engel mitten in die Brust.
Ein Keuchen entfuhr seinen Lippen und er verlor die Konzentration und die Kontrolle über die Situation. Nur für den Bruchteil einer einzigen Sekunde, doch es reichte für einen Schlag von Lucifer aus und Rosiel konnte sich befreien. Sofort war der treue Cherubim bei dem auf dem Boden knienden anorganischen Engel und legte ihm eine Hand auf den Rücken. Beschützend. „Wieso musstest du auftauchen?“
Es sollte ein Fauchen, ein Zischen sein, welches da über Rosiels Lippen kam, doch dies konnte der Angesprochene nicht vernehmen, nicht so deuten. Denn sein Meister war schwach und er meinte zu glauben, dass er doch tief in seinem Inneren froh war, dass er nun hier an seiner Seite war. Wo er immer hingehört hatte und es auch immer tun würde. Selbst dann, wenn Rosiel ihn ans Ende aller Zeit, ans Ende allen Lebens verbannen würde.

Seine Seele, sein Körper, seine Existenz und all seine Liebe.

Auf ewig würde all dies Rosiel gehören.

Für Katan fühlte es sich so an, als hätten sie den letzten Test bestanden. In den letzten Monaten war so unbeschreiblich viel geschehen. Vor allem zwischen ihnen. Von allen Seiten hatte man versucht, sie auseinander zu treiben. Und man hatte es geschafft gehabt. Der junge Engel hatte sich leer gefühlt, als er spüren musste, wie sehr sich der wunderschöne und vollkommene Rosiel von ihm zu entfernen begann. Die Verbindung, das Leben, das sie geführt hatten, es war perfekt gewesen. Das wusste Katan nun.

Doch alle Anwesenden um sie herum hatten es zerstört. Und der Cherubim hatte Hass in sich gespürt. Tiefen Hass gegenüber diesen Individuen.

Doch hier, hier in diesem Moment, am Ende aller Zeit, wie es sich anfühlte, glaubte Katan es besser zu wissen. Nichts hatte sie je auseinander gebracht. Nichts würde es je können.
Ein Lächeln bildete sich auf seinen vollkommenen und weichen Lippen und er platzierte einen sanften Kuss auf den Lippen Rosiels. Wenn es nun enden würde, sollte er es zumindest einmal gespürt haben. Die Liebe.

Katan verstand es. „Bringen wir es zu Ende, Rosiel-sama. Ich verlasse Eure Seite nicht.“
Er half seinem Schöpfer auf, dieser schien ein wenig verwirrt zu sein. Selbstverständlich wollte er das nicht. So war der Cherubim in Gefahr. Doch es war mittlerweile schon zu spät. Er hatte den ersten Schlag gegen Adam Kadamon schon getätigt.

Es gab kein Zurück.

Also gab Rosiel ohne ein Widerwort nach und nickte nur. Ein Grinsen konnte er nicht zurückhalten. „Ja. Bringen wir es zu Ende.“ entgegnete er und fügte noch hinzu: „Zusammen.“

Sie stürzten sich in den Kampf. Einer der höchsten Engel in Atziluth, ein Cherubim und ein gefallener Engel gegen Adam Kadamon.

Natürlich war es aussichtslos. Obgleich sich Rosiel seines Sieges so sicher gewesen war.

Doch es war kein Ende. Denn keiner der Vier sollte hier sterben. Lucifer hatte nicht nur ein Ass im Ärmel, wie man so schön sagte. Er rettet sein eigenes Leben. Und als Nebeneffekt sollten auch Rosiel und Katan ihr Leben behalten.

Man würde sie alle jagen. Versuchen, sie aus der Welt zu schaffen. Doch das würde ihnen nicht gelingen. Und dessen war sich Katan sicher. Solange er leben würde und solange Rosiel noch bei ihm sein würde und selbst danach… Würde es den Weg seines Schöpfers entlangwandeln.

Eines Tages würden sie Adam Kadamon zu Fall bringen…

„Eines Tages reiße ich ihm jeden seiner Flügel einzeln heraus!“ hatte sich der anorganische Engel geschworen.

Eines Tages. Doch leider nicht heute.

Eines Tages. Und daran würde er sich halten.
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