Zwischen Zukunft und Vergangenheit

GeschichteRomanze, Familie / P18
11.04.2017
15.03.2019
69
120716
16
Alle
45 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Er konnte keine Kraft finden aufzustehen. Das Blut floss aus seinem verletzten Auge. Ohne Rücksicht hatte Jack zugestochen und wusste, dass der nächste Stich es beenden würde. Alles Flehen von Arina half nichts und sie war gegen ihn machtlos. Zum dritten Mal wurde sie zurückgestoßen. Den Mut, ihr eigenes Messer gegen Jack zu richten, konnte sie selbst jetzt nicht aufbringen, auch wenn es um ihren Ehemann ging. Sollte diese Geschichte so Enden?

Das Tor wurde aufgerissen. Ein Mann mit übergezogener Kapuze hastete in das Gebäude und sprang. Jack reagierte nicht schnell genug und wurde mit umgeworfen. Der fremde Mann rollte sich ab, kam zügig auf die Beine und griff erneut an. Diesmal trafen die versteckten Klingen aufeinander. Arina kroch zu Jacob und legte ihm ein Stofftuch auf das verletzte Auge. »Alles wird gut...«, flüsterte sie ihm zu. Der fremde Helfer, der eindeutig zur Bruderschaft gehörte, hielt Jack stand. Auch er war schnell und kräftig. Man hörte beide Männer angestrengt atmen. Der Kampfstil wirkte identisch. Arina verfolgte alles aufmerksam, denn allein könnte sie Jacob nicht raus schaffen. Sie konnte nur hoffen, dass der andere Assassine es schaffen würde. Man konnte Jack nicht mehr helfen, nicht mehr retten, das war ihr nun bewusst. Es schmerzte, aber dies war die Wahrheit.
Erneut rollte sich der Mann ab, nachdem er Jack ordentlich zusetzte und am Ende selbst ausweichen musste. Die Kapuze fiel nach hinten und entblößte sein Gesicht. Es war Samuel. Arina traute ihren Augen nicht, aber sie konnte auch keine Worte finden, obwohl sie ihrem Sohn am liebsten angeschrien hätte, was er zur Hölle hier machte. Man konnte Jack´s Ausdruck nicht erkennen, aber auch er stand plötzlich still da. Samual jedoch hatte ein Ziel und wartete nicht auf Worte oder Taten. Er griff erneut an. Sein Gesicht wirkte ernst und entschlossen. Jacob bekam nur teilweise etwas mit, da er durch den Blutverlust schwächer wurde. Eine der Gaslampen zersprang auf dem harten Boden. Die Glasscherben knirschten unter den Sohlen der beiden Brüder, die sich auf das Äußerste bekämpften. Arina dachte, es wäre schlimm genug Vater und Sohn kämpfen zusehen, aber nun ihre beiden Kinder dabei zu beobachten, wie sie versuchten, den anderen zu töten, dies war unerträglich. Sie konnte nicht weiter zusehen.

Das erste Blut tropfte hinab. Es war wie ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass es zu einem bitteren Ende kommen würde. Wie oft hatte er ihn beobachtet, ihm nachgeeifert und sagte mit Stolz- Du bist mein Bruder. Die Hand griff zum schmutzigen Mantel. Sie verkrampfte sich nah am Herzen. Es tat weh. Doch als sich die Hand lockerte, den Weg zum Dolch fand, wusste er, es gäbe kein Zurück. Die Qualen. Er konnte sie bei ihm spüren. Traurigkeit, Ermüdung und ein Stück Hilflosigkeit. Vielleicht würde es eine Erlösung sein. Diesmal würde er alle Schuld auf seinen Schultern tragen. Sein Vater musste die Last nicht auf sich nehmen. Mit glasigen Augen sprintete er los. Zielsicher seinem Bruder und auch seinem Freund entgegen. Auch er musste es spüren. Irgendwo tief in seinem Herzen. Und als Sam spürte, wie leicht der Dolch durch Jacks Körper glitt, wusste er, dass er es so wollte. Keine Kraft kam ihm entgegen. Nur ein innerlich zerfressener Mensch, der seinen Arm um ihn legte, den Kopf auf seine Schulter ablegte und leise sprach. »Bruder...«

Als Geschwister wollen wir beschützen. Wir wollen füreinander da sein und niemals auseinandergehen. Manchmal bedeutet beschützen auch, dass man aufgibt, um den anderen zu bewahren. Denn diese Bindung ist ein Geschenk. Und egal wie viel Leid ich spüre- Du bist mein Bruder.


*

Der Schmerz geht nie vorüber, so wie die Frage, ob man mehr hätte tun können. Wie jedes Jahr kommen wir zusammen und schauen auf dein Grab. Niemand wird jemals erfahren, wer du warst, und was du tatest. Wir halten dich Erinnerung als klugen, liebenswerten jungen Mann, der du warst. Dein zweites Gesicht, das du verhüllt hieltest, das war nicht unser Kind. Es war ein böser Zwilling, der dich hinunter zog und alles Gute in dir erstickte. Dein Bruder trägt die Last deines Todes auf seinen Schultern. Aber er bereut es nicht. Denn Taten sind geschehen, und können nicht rückgängig gemacht werden. Er trägt deine Klinge bei sich und weiß, das du es so wolltest, als er vor dir stand. Dein Vater. Er vergibt dir. Er vermisst dich. Die Erinnerung an dein Lächeln wird mich davon abhalten in ewiger Trauer zu Leben.

Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.


*********************************************************

Ich möchte mit diesem Kapitel abschließen. Dies war meine zweite FF, die ich begonnnen hatte, und zugleich meine Erfolgreichste. Ich danke allen, die von Anfang an dabei waren und auch denen, die diese Geschichte noch lesen werden. Es ist immer wieder schwer, eine Geschichte endgültig zu beenden. Ich wünsche euch alles Gute und weiterhin viel Vergnügen auf Fanfiktion.  

Liebste Grüße
Ramona :))
Review schreiben