Blutliebe

OneshotTragödie / P16
Kisten Felps Rachel Mariana Morgan
10.04.2017
10.04.2017
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Vergiss mein nicht…


Ich musste zu Kisten. Schnell. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Irgendetwas war faul. Er hatte mich angerufen, mir gesagt wo er war, um mich zu beruhigen. Doch kurz nachdem er mit „Ich liebe dich Rachel“, aufgelegt hatte, verkrampfte sich mein Magen zu einem schmerzhaften Knoten. Bewaffnet mit den üblichen Amuletten und meiner Splut Gun in der Handtasche, raste ich in meinem Wagen über die Straßen Cincys und beeilte mich. Es war etwas faul, sonst war er nie so. Entweder er hätte geschwiegen, bis alles vorbei war, oder es war alles schlimmer als gedacht. Jenks hatte mitkommen wollen, doch war ich dieses eine Mal schneller als der Pixi im Auto gewesen. Ich bog mit quietschenden Reifen um die nächste Ecke, wurde etwas langsamer und erreichte endlich den Hafen.

Seelenruhig lag das teure Schiff im Wasser. Es wirkte so friedlich, so ruhig. Aber ich ließ mich nicht täuschen. Mit eiligen Schritten in Vampirstiefeln, eilte ich auf das Zuhause von Kisten zu. Meine Splut Gun griffbereit, was auch immer auf mich zu kam. Er hatte sich verstecken sollen, zu groß war die Gefahr, dass der Vampir, an den er von Piscary ausgeliefert wurde, ihn finden und umbringen würde, wie ein Spielzeug. Angewidert verzog ich mein Gesicht, ich hasste die Art der UntotenVampire, wie sie mit den anderen umgingen. Tief holte ich Luft, stieg auf das schwankenden Deck und versuchte leise die Tür zu erreichen. Es roch wie immer nach Vampir und Räucherwerk, eigentlich sollte es mich entspannen, aber jede Faser meines Körpers war zum Zerreißen gespannt. Im Dunkeln sah es im Inneren noch friedlicher aus. Doch die Stille täuschte. Ich hörte dumpfe Stimmen. Körper wurden gegen Wände geworfen. „Kisten“, hauchte ich besorgt und kam schließlich vor der Tür zum Schlafzimmer zum Stehen.

„Stirb“, hörte ich nur eine tiefe Stimme. Kisten knurrte, wehrte sich. „Kisten!“, rief ich besorgt und in voller Panik. Ich musste etwas tun, schnell. Da die Tür von Innen verschlossen war, trat ich einen Schritt zurück und trat mit voller Kraft gegen das Holz. Es gab nach und als ich erneut zutrat, sprang die Tür auf. Mein Knöchel pochte, als ich ihn aufstellte, doch das war mir egal. Vor mir sah ich Kisten am Boden liegen, wie er versuchte einen Vampir von sich zu drücken. Seine Augen waren tief schwarz, die sonst so blonden Haare völlig blutverschmiert und zerzaust. „Geh, weg“, keuchte er, und das nicht an den Mann über ihn gewandt. Dieser drückte Kisten zu Boden und näherte sich mit seinem Mund und den Reißzähnen Kisten´s Hals. „Wage es ja nicht“, drohte ich wütend und richtete meine Pistole auf ihn. Mit einem breiten Grinsen sah mich der fremde Vampir an und meinte nur: „Ich habe meine Arbeit schon zur Hälfte erledigt. Er ist verloren.“ „Nein!“, brüllte ich und drückte ab. Doch der Vampir war schneller, drückte mich blitzartig gegen die Wand. Beide Handgelenke drückte er mir über den Kopf. Verdammt. Am liebsten würde ich ihn mit Kraftlinienmagie bewerfen, aber ich war über dem Wasser. Doppelt verdammt.

„So Miss Morgen, wollen wir doch mal sehen, ob sie wirklich so verlockend sind, wie alle sagen“, hauchte der Untote mir ins Ohr, was mir ein unangenehmes Kribbeln über den Körper jagte. Er näherte sich der unsichtbaren Narbe an meinem Hals und leckte mit seiner Zunge darüber. Erneut wurde eine Welle der Erregung über mich geschickt. Ich fing an zu zittern. „Bastard“, verfluchte ich ihn wütend. Seine schwarzen hasserfüllten Augen sahen mich an. Er lächelte finster, kam mir nahe und flüsterte: „Du wirst ein wunderschönes Spielzeug sein.“ Dann drückte er seine Lippen gegen meine. Überrascht riss ich die Augen auf. Unfähig etwas zu tun. Er stand zu nahe, als das ich hätte ihm in Bein irgendwohin rammen können. Ich spürte einen Stich in der Unterlippe, als er mit seinem scharfen Eckzahn diese aufriss. Er sog das wenig Blut daraus hervor. Ich spürte wie die Endorphine in meinen Körper geschickt wurden. Gemischte Gefühle brandeten über mich, wie noch nie zu vor. Mir wurde schwarz vor Augen, ich konnte kaum noch stehen. Nein. Nein so sollte es nicht enden. Nein. Plötzlich löste sich der Vampir von mir und ich hörte Kisten wie aus weiter ferne: „Nimm deine Finger weg von ihr!“

Meine Beine gaben unter mir nach. Ich sank an der Wand entlang zu Boden. Dann kippte ich langsam zur Seite. Die Pheromone dämpften alles um mich herum. Mein Hirn konnte kaum klar denken. Es war ein schlimmerer Trip, als Brimstone, oder die Vampirdisco ausgelöst hatten. Verschwommen sah ich, wie Kisten mit dem Vampir rang. Er war so unglaublich stark und sah so unglaublich blass aus. War er etwa? Nein, das konnte nicht sein, nicht Kisten. Der Blonde drückte den Vampir gegen die Wand. Sie waren gleichstark. „Rachel. Ich liebe dich. Es tut mir leid“, hörte ich ihn angestrengt sagen. Ich wusste nicht was das heißen sollte. „Ich rief dich an, damit du das nicht sehen musst“, sagte er, den Blick urverwandt auf den anderen gerichtet. Dann rammte er plötzlich seine Reißzähne in den Hals des anderen. Dieser schrie kurz auf, doch dann versenkte auch er seine Zähne in Kisten. Dieser zuckte nur kurz, hielt ihn jedoch fest. „Kisten, hör auf“, flüsterte ich schwach und betäubt. Dann wurde alles schwarz und ich verlor das Bewusstsein.

„Rachel. Rachel. Wach auf bei Tinks Titten!“, hörte ich eine Stimme fluchen. Benommen versuchte ich die Augen zu öffnen und sah eine kleine verschwommene Gestalt vor mir. „Halleluja“, jubelte derjenige vor mir. Ich fing an zu niesen und er wurde davon gestoßen. „Steh auf Rachel. Wir sollten hier weg“, hörte ich ihn sagen. „Jenks?“, fragte ich mich selber. Mein Kopf tat höllisch weh, mein Körper auch. Mühselig richtete ich mich auf, dennoch schwankte meine Umgebung erbärmlich. „Sei langsam Rachel“, hörte ich den Pixi sagen. „Wo bin ich?“, fragte ich ihn und sah mich um. Der Pixi schwieg, ließ hellblauen Staub zu Boden rieseln und sagte nichts. „Jenks“, fuhr ich ihn an. Er senkte den Blick und flüsterte kaum hörbar: „Kisten´s Boot.“ Sofort riss ich panisch die Augen auf. Kisten! „Wo ist er?“, fragte ich und wischte den kleinen Mann aus meinem Blickfeld. Schockiert sah ich Kisten ab Boden liegen. Die weit aufgerissen, das blau der Iris wieder hergestellt. Ich krabbelte auf ihn zu, meine Beine schafften etwas anderes nicht. „Kisten?“, flüsterte ich leise. Mein Hals schnürte sich zu, mein Magen verkrampfte. Er lag in einer roten Lache aus Blut, seinem Blut. „Kisten“, hauchte ich erneut, hockte mich neben ihn und lehnte ihn gegen das Bett. „Hey, wach auf“, murmelte ich leise und tätschelte seine Wange. Leer blickten mich die Augen an. „Das ist nicht lustig“, entkam es mir angestrengt. Salz legte sich in meinen Mundwinkel und ich wischt mir die unerklärlichen Tränen aus den Augen. „Kisten! Wach auf!“, brüllte ich ihn an. „Rachel“,hörte ich Jenks neben mir. „Es tut mir so leid“, er legte seine Hand behutsam an meinen Hals.

„Nein!“, ich brüllte das Wort immer wieder und wieder. Tränen rannen erbarmungslos über mein Gesicht. Ich schaukelte vor und zurück, schrie, brüllte und weinte. Nein, das konnte nicht sein. Nicht Kisten. Er war tot, endgültig tot! Wut stieg in mir auf. Frustration ließ meine Tränen versiegen. „Er wird sterben. Dieser Bastard wird sterben“, knurrte ich und rappelte mich auf. Verwundert flog Jenks auf meine Schulter und fragte mich, was ich da sagte, doch ich stampfte nur wütend zu meiner Tasche, hob sie samt Splut Gun auf und drehte mich zu Kisten´s Leiche um. „Ich habe dich auch geliebt. Ich werde dich rächen“, versprach ich meinem Freund, erneut den Tränen nahe. Eilig spurtete ich aus dem Boot und rannte zu meinem Auto. „Rachel. Rede mit mir, was hast du vor?“, fragte mich der Pixie erneut. „Einem Untotenvampir mal so richtig in den Arsch treten“, entgegnete ich Wutendbrand und stieg ein. Beim ersten Versuch würgte ich den Motor ab, doch dann raste ich mit quietschenden Reifen über den Asphalt.

Hupende Autos waren mir egal, genauso wie Ampeln. Ich raste so schnell ich konnte zurück zur Kirche. Dabei rammte ich einen Pfosten, doch die Delle war mir völlig egal. Mit schnellen Schritten stiefelte ich die Treppen hinauf, trat in die kühle Dunkelheit hinein und bahnte mir einen Weg zur Küche. „Rachel. Hör auf. Beruhige dich“, redete Jenks auf mich ein. Die ganze Zeit war er mir nicht von der Seite gewichen. „Ich bin ruhig!“, knurrte ich ihn wütend an. „Nein. Du weinst noch immer“, erklärte er ernst. „Na und? Mein Freund ist gerade gestorben! Und ich konnte nichts tun!“, rief ich frustriert und weinte Sturzbäche. „Rachel. Beruhige dich. Wir werden das klären, aber bitte, überstürze jetzt nichts“, ich ignorierte die Worte des kleinen Mannes und durch wühlte meine Schränke. Wo waren sie nur? „Rachel, du hast keine Chance gegen einen Untotenvampir“, redete Jenks auf mich ein, als ich die Phäle aus einem der Schränke holte. „Das ist mir egal“, gestand ich und stopfte die Holzpflöcke in meine Tasche. Ich stiefelte gerade nach draußen, als ich Jenks hörte. „Es tut mir leid Rachel. Ich habe keine Wahl“, dann traf mich eine Flüssigkeit, die nach Eisenhut roch. Mir wurde schlecht und schwindelig. Taumelnd schlurfte ich bis zum Wohnzimmer, ehe ich im Sessel landete und einschlief.
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