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Geistermessen in der St. Patrick's Cathedral

GeschichteMystery, Familie / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
09.04.2017
09.04.2017
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09.04.2017 5.320
 
Am Morgen nach der Hochzeit betraten Selvaggia und Lucifer, mit Luciano und den Zwillingen die Küche. Auch an diesem Morgen bekam er ohne danach zu fragen eine Tasse Kaffee von Mathilde in die Hand gedrückt. "Danke." murmelte er und setzte sich. "Bist du eigentlich morgens immer so schlecht gelaunt?" wollte Michael wissen, der bisher nur ein paar mal übernachtet hatte. Der Höllenfürst warf ihm einen mürrischen Blick zu. "Ja, Lucifer ist ein richtiger Morgenmuffel! Vor seinem zweiten Kaffee kaum ansprechbar. Ab dem dritten kann man dann mit ihm auskommen." erklärte Metatron seinem Bruder.
Das gemeinsame Brunch, den Mathilde bei einer Cateringfirma auf dem Festland für diesen Morgen bestellt hatte, war so eine Art Abschiedsessen, da sich heute nach und nach alle wieder in ihre Häuser oder den Boulevard Haussmann 13 verabschiedeten.
"Geht ihr auch nach dem Essen, Lucifer?" wollte Hagiel von seinem höllischen Bruder wissen. "Ich möchte mir erst noch das Anwesen von Ilse anschauen und aufschreiben, was alles gemacht werden muss. Beim Vorbeireiten habe ich nämlich festgestellt, dass es wohl ziemlich renovierungsbedürftig ist. Nachdem ich ja genug Geld habe, werde ich es gleich ganz renovieren lassen, wenn ich schon mit meiner Familie dort wohne. Und Ilse wollte mir die Schenkungsurkunde überreichen, die sie gestern noch vorbereiten wollte. Sie möchte sicherstellen, dass ihr Sohn nicht mehr an das Haus herankommt." Hagiel und Tilly nickten."Hagiel, Tilly, ich hätte eine Bitte. Kann ich mein Pferd vorerst hier bei euch lassen, bis das Haus renoviert ist und ich einen Stall für ihn habe?" fragte der Höllenfürst. "Natürlich Lucifer!"
Sandalephon räusperte sich. "Selvaggia, möchtest du auch gerne mitgehen und das Haus in Ruhe anschauen? Dann könnte ich hier bleiben und auf eure Kinder aufpassen. Mathilde und Hagiel haben bestimmt nichts dagegen." bot der Erzengel und zukünftige Pate von Linnea freundlich an. "Klar, warum nicht. Ich würde mir das Haus wirklich gerne zusammen mit meinem Mann ansehen. Ist es dir recht Lucifer, wenn Sandalephon babysittet und ich mitkomme?" fragte sie glücklich. Die Hexe war immer noch so glücklich von gestern. Ihr hatte der Tag, die Trauung, die Hochzeit und die anschließende Feier sehr gefallen. Und sie hatte endlich eine richtige Hochzeit gehabt, was eigentlich von Anfang an ihr Traum gewesen war. Eine schöne Hochzeit mit einem Mann den sie auch wirklich liebte. "Sicher." murmelte Belial. Nach der zweiten Tasse Kaffee drängte Selvaggia ihren Mann zum Aufbruch, da sie gerne zu Fuß gehen wollte um den letzten Urlaubstag noch einmal zu genießen. Ihr Mann seufzte, er hatte am frühen Morgen absolut keine Lust auf einen Spaziergang, was seine Laune nicht gerade besserte. "Reiß dich bitte zusammen, wenn wir bei Ilse sind. Sie kennt uns noch nicht so gut, wie die meisten Insulaner." bat sie ihn als sie Hand in Hand den Strand entlang zu dem großen Anwesen schlenderten. Er seufzte abermals. "Wenn Madame wünschen, werde ich mich zusammenreißen. Wobei sie es aber spätestens Morgen in Paris mitbekommen wird. Ich hoffe sie weiß was sie sich auf ihre alten Tage noch antut. Den Höllenfürst mit seinen Launen. Ich bin mal gespannt wie sich das noch entwickelt." antwortete er. "Sie wird uns ins Herz schließen, mit unseren Stärken und Schwächen, da bin ich mir sicher." sagte die schöne Frau.
Der Höllenfürst atmete einmal tief durch, während seine Frau klingelte. "Moin moin, schön dass ihr gekommen seid." Die alte Dame bat das Paar herein. "Setzt euch, ich habe hier die Schenkungsurkunde geschrieben. Ihr könnt es euch durchlesen und verbessern oder hinzufügen... ich kenne mich mit so etwas nicht so gut aus. Wollt ihr einen Kaffee, während ihr es euch..." "Oh ja, bitte!" sagte Belial sofort.
"Du hast aber eine schöne Schrift!" staunte Ilse, als Belial etwas hinzufügte. Er lächelte und schrieb weiter. Anschließend sahen sie sich das Haus an und Belial machte sich Notizen. Er steckte den Zettel, so wie die fertige Schenkungsurkunde ein. "Ilse, wir wollten gleich heute noch Handwerker organisieren, die dann gleich Montagfrüh mit der Renovierung beginnen können. Wir haben in der Botschaft in Paris jede  Menge freie Zimmer und würden dich gerne mitnehmen, bis die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind. Die alte Dame überlegte kurz. "Ja ist wohl besser, aber ich war noch nie von der Insel weg und noch nie in einer Metropole wie Paris. Leben Sie beide dort?" "Joah - mehr oder weniger. Luciano geht dort in den Kindergarten und ich arbeite da als höllischer Botschafter. Wir sind also fast täglich da." Die alte Dame nickte. Na dann wird es wohl gehen." Selvaggia lächelte. "Pack in Ruhe deine Sachen und wir holen dich dann morgen ab, wenn wir nach Paris zurückkehren." sagte sie freundlich.  "Und Ilse: Du gehörst damit sozusagen zur Familie - und das heißt: Hör auf uns zu siezen! Ich bin Lucian - oder Lucifer, wenn du dich traust und meine Frau Selvaggia nennen wir alle eigentlich immer liebevoll Selvi." fügte Belial hinzu.
Gemeinsam liefen die beiden am Strand zurück. Belial hielt jedoch plötzlich an, zog sie dicht an sich und küsste sie leidenschaftlich. Kurz darauf lagen sie im Sand und küssten weiter. "Ich würde jetzt am liebsten über dich herfallen. Vater hat ja versprochen es jetzt erst mal ein paar Jahre gut sein zu lassen mit Kinder kriegen bei uns beiden." sagte Belial. "Wir müssen mindestens noch sechs Wochen warten und ich... möchte mich dieses Mal erst ganz erholen." Der Höllenfürst nickte. "Wir haben es doch glatt geschafft mal eine Weile Urlaub zu machen. Du hast zwar zwischendrin  mal gearbeitet, aber hattest auch Zeit für uns und die anderen. Danke Lucifer!" "Wofür?" "Für die Hochzeit und die schöne Zeit hier auf Norderney."
Am Sonntag holten die beiden Ilse ab und nahmen sie mit nach Paris. Eigentlich hofften Selvaggia und Lucifer auf einen ruhigen Tag. Daraus wurde jedoch nichts, da ein paar der Mitarbeiter im Boulevard, die manchmal am Wochenende liegengebliebene Arbeit  nachholten mitbekommen hatten, dass sie wieder da waren und vorbei kamen um ihre Geschenke und Glückwünsche zur Hochzeit und der Geburt der kleinen Linnea zu überbringen. Der Höllenfürst war freundlich und charmant wie immer. Selvaggia sowie Ilse, Metatron und Cassandra merkten jedoch, dass ihm das nach dem ganzen Trubel der letzten Tage ziemlich auf die Nerven ging.
Am Montagmorgen tauchten Selvaggia und Lucifer in der Küche auf.  Kurz darauf betrat der momentane Gast im Boulevard Haussmann die Küche. Sie wirkte etwas überrascht. Es wurde nicht ein Wort geredet. Selvaggia bereitete gerade die Fläschchen für Luca und Sophia Aurora vor. Linnea lag friedlich schlafend im Maxicosy, Luciano saß am Tisch und aß sein Müsli. Belial machte sich selbst an der Kaffeemaschine zu schaffen, da Mathilde, die ja nach wie vor im Dienst des Höllenfürsten stand, von ihm frei bekommen hatte, solange kein Fall anlag und sich nicht so viele Leute im Boulevard befanden.
"Wunderschönen, guten Morgen!" sagte sie gut gelaunt. Belial seufzte innerlich genervt über diese Fröhlichkeit am Morgen und murmelte ein mürrisches "Morgen." was auch Ilse nicht entging. "Guten Morgen, Ilse. Denk dir nichts, mein lieber Mann ist ein großer Morgenmuffel. Bevor er nicht mindestens zwei Tassen Kaffee hat ist mit ihm nicht viel anzufangen." Belial warf ihr einen grimmigen Blick zu während er sich einen Löffel Kaffee in die Tasse tat. "Warum das denn? Ist doch schön, wenn ein neuer Tag beginnt." Belial schwieg. "Hallo Oma!" rief der dreijährige Junge ebenfalls fröhlich. Der kleine Junge kam in dieser Beziehung so gar nicht nach seinem Vater. Belial setzte sich wortlos neben seinen Sohn an den Tisch und trank seinen Kaffee. Plötzlich verschüttete der kleine Junge aus Versehen seine Müslischüssel und die Milch lief über die Hose seines Vaters. Dieser zuckte zusammen, atmete einmal tief aus, schloss für einen Sekundenbruchteil die Augen und ballte die Fäuste um sich selbst zur Ruhe zu bringen. "Wird das jetzt zur Gewohnheit, dass du mich beim Frühstück mit irgendwas bekleckerst?" fragte er ruhig, aber tadelnd. Sein Gesichtsausdruck ließ schließen, dass er sichtlich gereizt war. "Scusi, Papa." sagte der kleine Junge betroffen. Belial nickte und lächelte seinen Sohn liebevoll an. "Komm Luciano, machen wir einen kleinen Spaziergang durch das Haus, zur Kita." sagte Selvaggia. Luciano nickte knuddelte seinen Vater und sagte: "Ich hab dich lieb, Papa. Bis später. Bis nachher, Oma Ilse!"  Er folgte seiner Mutter ohne eine Antwort abzuwarten.
Die Norderneyerin sah den Höllenfürsten nachdenklich an."Bist du wirklich jeden Morgen so schlecht gelaunt, Lucian?" fragte die ältere Dame, die sich das ganze bis jetzt nur schweigend angeschaut hatte. "Ein Tag fängt erst einigermaßen gut an, wenn ich mindestens meinen zweiten Kaffee hatte aber wenn dann noch jemand kommt und mich schon am Frühstückstisch mit Arbeit nervt, oder etwas auf einen verschüttet wird, kann ich dem Morgen nichts schönes abgewinnen." antwortete er mürrisch. "Na dann schnell
eine zweite Tasse Kaffee trinken und dann auf nach Norderney. Die Handwerker kommen bald!" scheuchte sie ihn. Der Höllenfürst starrte sie einen Moment ungläubig an. Er hatte noch nie erlebt, dass jemand ihn mit einem Befehlston wie sie ihn gerade an den Tag gelegt hatte, angesprochen hatte. Er beschloss lieber gar nichts darauf zu sagen und sich eine weiter Tasse Kaffee zu machen. Er hatte selbst Angst zu barsch zu reagieren, wenn er ihr jetzt eine Antwort gab. "Darf ich dir auch einen Kaffee machen? Vor lauter Alltag, haben wir gar nicht daran gedacht... entschuldige."  sagte er plötzlich ganz freundlich. Ilse lächelte. "Danke gerne." sagte sie und als Belial ihr kurz darauf den Kaffee hinstellte starrte er verblüfft auf den Teller mit zwei Croissants mit Frischkäse und Marmelade bestrichen. "Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages, und ich glaube, du brauchst morgens einfach mal was gescheites zwischen die Zähne." sagte Ilsebill gut gelaunt und ließ es sich schmecken.
Irritiert sah er auf den Teller, dann zu der alten Dame. "Sag mal, Ilse, wieso sprichst du plötzlich so gut Hochdeutsch und auf der Hochzeit hast du Plattdeutsch geredet?" "Dat is... ich war da ein wenig aufgeregt... war auch eine kurzentschlossene Handlung euch mein Haus zu schenken und da rede ich dann immer Platt... aber ich bereue es auch nicht - mit dem Haus, Lucian. Ich freue mich auf das Leben, das ihr ins Haus bringen werdet und... ich habe mich... ich bin glücklich, dass ihr Luciano erlaubt mich Oma zu nennen und hoffentlich auch den Zwillingen und der kleinen Linnea." Belial lächelte. "Wir haben uns auch sehr über dein Geschenk gefreut und du bist ein sehr herzlicher Mensch, Ilse. Meine Kinder haben so gesehen nie richtige Großeltern gehabt, gut, Vater... na ja... der liebt seine Enkel alle, aber... weißt du, Ilse, du wirst unsere Familie bereichern und Selvi und ich wissen es zu schätzen, dass du dich bereiterklärst "die Großmutter vom Sohn des Teufels" zu sein. Den Mut hätten nicht viele." Sie zuckte mit den Schultern. "Ich bin eine alte Frau, Lucian - und jetzt trink schon deinen Kaffee. Glaub nicht, ich merke nicht, dass ich dir grad zu viel rede und du versuchst dich zusammenzureißen. Und iss endlich was!"
Verblüfft sah der Höllenfürst sie an, dann musste er doch leise lachen. "Bleib wie du bist, Ilse. Genau so, lass dich bitte nie von meiner schlechten Laune einschüchtern." sagte er belustigt und griff nach einem der Croissants, die sie für ihn fertig gemacht hatte. Nachdem er eines der beiden Croissants gegessen hatte stellte er seine Kaffeetasse in die Spüle und hielt Ilse seinen Arm hin. "Kommst du mit nach Norderney? Du sollst doch mitbekommen, was aus deinem Haus gemacht wird." fragte er freundlich, nachdem Selvaggia wieder da war. "Ich benutze auch wieder weiße Magie, auch wenn mir persönlich die schwarze in diesem Fall besser bekommt." grinste er. Sie hakte sich ein und kurz darauf standen sie vor ihrem Haus auf Norderney. Die Handwerker sollten erst in einer halben Stunde kommen. "Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht, damit ein Zusammenleben hier auch funktionieren kann. Ich dachte..." "Ich denke du kannst noch einen Kaffee vertragen?" unterbrach sie ihn. "Ist die Frage ernst gemeint? Mach einfach!" grinste er.
"Ich dachte du kannst die unteren Räume alle haben, nur die Küche würden wir uns teilen. Die oberen Etagen könnten wir bewohnen?" Sie nickte. Das wäre mir recht. Denn so oft steige ich da nicht mehr hoch und ich werde ja nicht jünger. Ihr müsstet nur ein paar Zimmer räumen und neue Möbel und... " "...daswird alles von mir erledigt, du brauchst dich ab jetzt um nichts mehr zu kümmern, was die Renovierung angeht. Und anschließend ist das Haus wie neu." Sie lächelte dankbar und war sich umso mehr sicher, dass ihre Entscheidung dem Höllenfürsten das Haus zu schenken die richtige Entscheidung war.
Gemeinsam saßen sie in der Küche und warteten auf die Handwerker. "Hast du denn noch spezielle Wünsche was du gern hättest? Ich würde gern einen Wintergarten bauen und den Garten neu gestalten lassen. Willst du Gemüse haben oder... Obstbäume? Oder  gibt es irgendwas Schickes an Einrichtungsdetails die du gern hättest?" "Wäre es... also ich meine, der Wintergarten ist schon toll, und ein paar Beete und Kleingehölze mit Obst schaden nie, da kann ich dann mit den Kindern auch mal etwas gärtnern, aber... könnte ich einen Computer bekommen mit Internet? Um den Kursus zum Lernen würde ich mich dann schon kümmern und... ich habe da im Internet mal was ganz Tolles gesehen als ich bei Freya war. Da ist doch die Treppe, und im Internet habe ich da bei ihr mal Bilder  gesehen, wo da für Kinder ein Spielhaus drunter gebaut war - so mit Tür und Fenstern und ich glaube, das wäre sehr hübsch für dein Quartett. Und ich will doch, dass ihr euch wohl fühlt, ihr und die Kinder." Belial legte eine Hand auf ihre faltigen Hände. "Ilse, Computer samt Internet und Kurs von meinem Sekretär Euangelion, das ist alles kein Problem und diese Idee mit dem Spielhaus unter der Treppe finde ich ganz toll. Christina-Luciana wird sich riesig freuen und somit auch Luciano und die Kleinen werden es irgendwann lieben, genauso wie sie ihre Oma lieben werden. Luciano hat dich ja schon ins Herz geschlossen und Selvi und ich ebenso. Du erträgst meine schlechte Laune morgens und redest wie dir der Schnabel gewachsen ist, das finde ich großartig, Ilse, das trauen sich nicht viele Sterbliche."
Die alte Frau errötete. "Ich schall dat annere mol nich so..." "Ganz ruhig, Ilse. Das ist ein Kompliment. Nicht viele - nicht mal die meisten meiner Brüder - ertragen mich so gut vor dem dritten Kaffee wie du." meinte er grinsend. "Aber mal im Ernst, Ilse. Internet, Computer und ein Kursus ist eine Kleinigkeit. Ich hatte eher daran gedacht, dass du vielleicht auch gern neue Möbel hättest und bequemere... Stühle, ein neues Bett... Ich werde Vater... auch wenn es mir schwer fällt zu bitten, natürlich bitten, dass du noch viele Jahre bei bester Gesundheit - körperlich und geistig in Topform - mit uns hast und ich bin sicher, er wird meinen Wunsch gewähren... Wenn du  willst, natürlich." "Das wäre schön, noch ein paar Jahre in einem Haus wo es lebendig ist." sagte sie mit einem Lächeln. "Und der Rest; meine Möbel sind mit mir alt geworden und mein Bett... es ist meins. Eine neue Matraze reicht da." Belial lächelte.
Es klingelte und vor der Tür stand Freya Rass mit den Handwerkern. "Moin Ilse, moin Lucian." begrüßte sie beide fröhlich. "Ich hoffe, Mutter Ilse, es ist für dich in Ordnung, dass Lucian mich gebeten hat die Inneneinrichtung zu beaufsichtigen." "Jou, dat is gut." "Freya hat in zwei meiner Penthäuser ausgezeichnete Arbeit geleistet und extra zwei Kunden vertröstet um uns hier zu helfen." Er reichte ihr eine Liste. "Das sind meine Pläne oder Wünsche, je nachdem und ich schaue mal rüber zu Hagiel und Tilly. Vielleicht bekommst du aus unserer bescheidenen Ilse ja ihre geheimen Wünsche raus. Es gibt doch bestimmt was schönes, was sie gern hätte."
Er nickte Freya Rass zu, legte Ilsebill eine Hand auf die Schulter und verließ das Haus. Kaum hatte er einen Fuß vor die Tür gesetzt, wurde er in den Himmel gerufen. Mit einem innerlichen Seufzen folgte er dem Ruf. Ein wenig verärgert erblickte er seinen Sohn, der auf dem Schoß seines Großvaters saß. "Papa, ich habe gerade von Oma Ilse erzählt und Großvater meinte, er hätte sie uns extra geschickt, weil sie uns braucht und sie uns gut tun wird." Wider Willen musste Belial lächeln. "Ja, sie ist schon in Ordnung, die Ilsebill. Wobei... Vater... Ilse ist ja nun schon nach sterblichen Maßstäben recht alt und... ich weiß, dass sie zwar mehr Leben in ihrem recht einsamen Haus haben wollte, aber sie will nicht, dass wir sie pflegen oder die Kinder sie elendig dahinsiechen sehen." "Ich weiß, und darum wird sie auch erst sehr alt, aber an sich geistig und körperlich in guter Verfassung, friedlich einschlafen. Sie ist jetzt 84... ich denke mit 134 Jahren wird sie zufrieden sein. Dann hat sie ein erfülltes Leben gehabt und wird auch viel Zeit mit euch verbracht haben." "Ja... also... das wird sie freuen..." Er wandte sich an seinen Sohn. "Hast du mit Farida abgesprochen, dass du deinen Großvater besuchst?" Luciano schüttelte verlegen den Kopf. Er kletterte vom Schoß und murmelte: "Ich muss wieder in den Kindergarten, Großvater. Farida macht sich bestimmt Sorgen." Und damit war er verschwunden. "Ich habe Scriptoriel zu seiner Kindergärtnerin geschickt. Sie wusste wo Luciano ist, Lucifer." beruhigte sein Vater ihn und verabschiedete ihn mit den Worten ."Und denk daran in den nächsten Tagen mit deiner Familie und den Raynes aus San Francisco vorbeizukommen." Lucifer seufzte innerlich, nickte aber und tauchte in der Küche des Hansen Hauses wieder auf.
Mathilde zuckte zusammen. "Lucifer! Du hast mich erschreckt!" rief sie. Hagiel lachte während sich sein höllischer Bruder lächelnd zu ihnen an den Frühstückstisch setzte. Hagiel hatte zwei seiner drei Mädels auf dem Arm. Seine Frau hielt das dritte Mädchen auf dem Arm. "Möchtest du einen Pharisäer?" fragte sie, obwohl sie die Antwort schon kannte. "Da fragst du noch?" bekam sie als Antwort. Sie übergab ihm seine zukünftige Patentochter und erhob sich. Sofort strahlte die Kleine ihn an. Belial lächelte und strich ihr liebevoll über die Wange. "Weißt du schon, wann Sariel und Catherine jetzt heiraten wollen?" fragte sie ihren Chef und Freund, als sie den Pharisäer vor ihn hinstellte. Er nahm einen Schluck. "Sariel und Catherine wollten heute nach Paris kommen und mit Pierre alles klären. Ich denke mal wenn sie das wollen, dann können sie recht schnell heiraten, da Pierre immer einen Termin für die Beiden frei hat. Selvi und ich müssen ja dann auch noch unser Versprechen einlösen. Wir haben Catherine ja versprochen, dass wir zusammen mit ihr shoppen gehen für die Hochzeit." Mathilde nickte lächelnd. Nachdem er seinen, wie er beim Aufstehen für einen Sekundenbruchteil merkte, sehr starken Pharisäer getrunken hatte, verabschiedete er sich. Ich werde noch kurz mit meinem Pferd ausreiten. Danke, dass ich ihn bei euch lassen kann bis der Stall fertig ist." Ist doch kein Problem Lucifer!" antwortete Hagiel freundlich.
Belial nickte den beiden freundlich zu und verließ das Haus. Der schwarze Hengst wieherte freudig, als er seinen neuen Besitzer sah. Er schwang sich aufs Pferd und galoppierte mit gutem Tempo den Strand entlang. Vor seinem neuen Haus auf der Insel hielt er an, als Ilse und Freya ihm zuwinkten. "Und konntet ihr alles klären?" fragte er, ohne jedoch abzusteigen. "Natürlich. Ilse hat bei mir dann doch noch den einen oder anderen Wunsch geäußert." antwortete Freya. "Na dann, Ilse soll ich dich gleich wieder mitnehmen oder...?" Die ältere Dame lächelte ihn freundlich an. "Würde es dir etwas ausmachen, wenn du mich später abholst? Ich würde gerne noch etwas mit Freya reden." "Kein Problem, dann sehen wir uns später." antwortete er freundlich und ritt wieder davon. "Er wirkte gerade recht angespannt." stellte Freya fest. "Ja, ich habe den Verdacht , dass er viel zu viel für sich behält, worüber er besser mit jemandem reden sollte. Aber ich fand es heute Morgen irgendwie echt amüsant! Unser neuer Freund ist sehr morgenmuffelig. Vor drei Tassen Kaffee hat der eine Laune..." Freya lachte. "Ich glaube ich habe ihn heute Morgen etwas genervt mit meinem Gerede, ich merkte quasi wie er sich bemühte freundlich zu bleiben." Freya nickte. "Das glaube ich. Er wirkt oft etwas... nachdenklich und genervt. Ich glaube er ist auch sehr leicht reizbar. Mit der Familie wirst du in Zukunft bestimmt keine Langeweile mehr haben." meinte Freya belustigt, "Und mit der Ruhe im Möhlendiek-Hus, wie dein Haus ja hier heißt, ist es wohl auch vorbei." "Und das ist gut so! War viel zu still die letzten 15 Jahre!" antwortete Ilsebill ihr. Die beiden Frauen lachten.
Nachdem er sich noch um sein Pferd gekümmert hatte begab er sich wieder in die Küche des Boulevard Haussmann, die mittlerweile voller war. Metatron, Cassie mit Jan, Sariel und Catherine, sowie Michael mit einer überaus strahlenden Maria saßen am gedeckten Küchentisch. "Kaffee?" fragte die quirrlige Pastorin und hielt ihm die Kaffeekanne hin. Er nickte und ergriff die Kanne, wobei sein Blick auf einen wunderschönen Ring an ihrem Finger fiel, der gestern noch nicht da gewesen war. Er lächelte. "Gut gemacht!" hörte Michael ihn in seinen Gedanken.
"Wir waren gestern noch im Notre Dame und haben mit Pierre einen Termin für die Hochzeit gemacht. Da wir ja eigentlich schon früher heiraten wollten - haben wir jetzt schon für Samstag einen Termin. Das heißt Samstag - Hochzeit." gab Sariel bekannt. Selvaggia und Lucifer sahen sich fast erschrocken an, da etwas Versprochenes in der letzten Zeit unter gegangen war. "Lucifer, kannst du mir bitte helfen und Eheringe besorgen?" fragte Sariel seinen höllischen Bruder in Gedanken. "Geh zu Cartier und verlange nach Monsieur Mardoune, sage ihm einen Gruß von mir und er wird dich sofort bedienen." antwortete er ebenfalls in dessen Gedanken. Er nahm einen Schluck des Kaffees, den Maria ihm gegeben hatte. "Sandalephon!" rief er. Der Erzengel erschien. "Lucifer?" "Könntest du dich bitte um Linnea und die Zwillinge kümmern? Selvi und ich müssen noch ein Versprechen einlösen." Erfreut nickte der Erzengel. "Natürlich sehr gerne Lucifer!" Belial grinste. "Aber bring ihnen bitte nicht reden oder laufen bei, das machen sie noch früh genug!" Sandalephon lachte. "Versprochen!" denn er konnte sich vorstellen, wie anstrengend es werden würde, wenn die drei kleinen des Höllenfürsten auch erst mal in dem Alter seines ältesten Sohnes sein sollten. "Und falls wir nicht rechtzeitig zurück sind - Luciano muss um 13 Uhr aus der Kita geholt werden. Ich gebe dort Bescheid, damit sie wissen, dass eventuell du kommst." "Geht klar. Ich werde auch Scriptoriel zu den Raynes in San Francisco schicken und um Erlaubnis bitten, die Zwillinge auch abholen zu dürfen. Ich weiß ja wie sehr dein Sohn und seine kleine Freundin aneinander hängen." "Na dann... wobei Rachel und Derek an sich ihre Probleme mit sowas haben, aber vielleicht hast du Glück." meinte Belial, wandte sich dann an Selvaggia und Catherine und fragte: "Wollen wir dann aufbrechen, die Damen?" "Aber nicht mit Magie!" meldete seine Frau sich zu Wort. Innerlich seufzend anwortete er: "In die Tiefgarage wo mein Porsche steht."
"Ich hole nur meinen Mantel." sagte Catherine ein wenig scheu und huschte davon. "Willst du dir auch was überziehen, Selvi, oder...?" fragte Belial freundlich - doch wer ihn kannte, wusste, dass er eher gereizt war. "Ja, ich geh ja schon!" zickte seine Frau und kam kurz darauf mit Catherine zusammen zurück. Sich zur Ruhe zwingend ging er mit den beiden in die Tiefgarage. "Wir treffen Astarte bei Chanel... Sie meinte... also, der Stil würde mir sicher zusagen und... nun... sie hat schon mal eine Vorauswahl... wenn es dir also nicht so viel ausmachen würde, Lucian..."
Belial lächelte seine zukünftige Schwägerin an. "Natürlich nicht - und da Astarte meiner Frau bei der Auswahl ihres Kleides geholfen hat und da ich sie natürlich gut kenne, weiß ich, dass sie einen guten Blick für sowas hat und stilsicher ist." Er öffnete die Wagentüren für die Damen und ließ sie einsteigen. Kurz darauf waren sie in der Innenstadt wo sie schon vor Chanel erwartet wurden. Belial parkte den Wagen und half Catherine und seiner Frau beim Aussteigen. "Hallo, schön, dass ihr da seid." wurden sie von der schönen Göttin begrüßt und betraten mit ihr das Geschäft, wo sie auch sofort ins Hinterzimmer geführt wurden, wo man ihnen die verschiedenen Roben von Models vorführen ließ. Belial seufzte innerlich. "Würde es euch etwas ausmachen, wenn ich Sariel bei der Auswahl des Ringes unterstütze? Damenkleider... also sie sehen wundervoll an euch aus, meine Damen, aber... ich..." Astarte lachte leise. "Wie wäre es, wenn du deine Platincard da lässt und uns drei einfach machen lässt?" fragte sie. Erleichtert seufzte Belial und reichte Astarte seine Kreditkarte. In Gedanken murmelte er - unhörbar für die anderen - "Danke, Asta. Meinst du, du kriegst Selvis Laune auch wieder glattgebügelt? Die macht mir sonst heute Abend die Hölle heiß." "Klar, für die kaufen wir auch ein sexy Kleid und ich schicke dir im Geist ein Bild und du bringst ihr ein hübsches Schmuckstück passend mit und sie wird dich küssen."
"Wir haben Catherine aber versprochen, dass..." begann Selvaggia, doch Belial küsste sie. "Schatz, ich kann Sariel doch nicht allein lassen - Catherine hat Astarte und dich und somit die kompetentesten Modeberaterinnen die sie haben kann. Ich bin da eher hinderlich." flüsterte er an ihren Lippen, nickte Astarte und Catherine zu und verließ den Laden um sich an der nächsten Ecke in die Nähe von Cartier zu versetzen, wo gerade Sariel aus einem Porsche - einer Leihgabe von Belial - stieg. "Ich dachte, du brauchst eventuell Hilfe." "Oh, ich dachte du bist mit zum Kleid kaufen." meinte Sariel erstaunt. "Ja, aber das kriegen die beiden mit Astarte auch gut allein hin. Ich dachte, ich unterstütze dich beim Ringkauf." erwiderte Belial und zog ihn in das Geschäft. Zufällig war gerade Monsieur Mardoune im Laden und verabschiedete sich gerade von einem Kunden. Als er den höllischen Botschafter erblickte, nickte er ihm lächelnd zu und begrüßte ihn herzlich nachdem er den Kunden zur Tür hinaus begleitet hatte. Ein spöttischer Blick Belials folgte dem Mann. "Der Innenminister? Was für Madame oder sein "petit lapin"?" fragte er belustigt. Monsieur Mardoune seufzte. "Das darf ich Ihnen nicht sagen, Monsieur Rayne - aber ich denke, da der Minister auf Ihrer... Liste steht, werden Sie es sich ohnehin denken können." Belial grinste. "Nun denn, Monsieur Mardoune, mein... Schwager Sariel Bragi..." "Sandro Ariel Bragi... erfreut Sie kennen zu lernen, Maestro Mardoune, Luci...an empfahl Sie mir wärmstens. Ich will Samstag heiraten - Catherine, meine wundervolle blondgelockte Schönheit und... nur im kleinen Rahmen in Notre Dame... einen Verlobungsring habe ich bereits in Rom erstanden... und ich hätte gern etwas ähnlich schönes wie meine Schwester Selvaggia und mein Schwager." unterbrach Sariel ihn.
Monsieur Mardoune runzelte die Stirn. "Sandro-Ariel? Bruder von Madame Rayne? Aber Madame kommt aus der... Ah, ich verstehe, Sie sind... eher wie Monsieur Rayne, Monsieur Bragi und wohl eher... wie er?" Sariel lächelte ertappt. "Aber da ich einen Adoptivsohn habe - schon seit mehreren Jahren - war es halt praktisch so und Vater hat das so eingerichtet... Vielleicht sollte ich Ihnen zu Catherine sagen, dass sie... aus der Gotik kommt... also... darum heiraten wir auch hier - sie hat die Kathedrale noch im Bau gesehen..."
Der Schmuckdesigner lächelte verstehend. "Zu wann brauchen Sie die Ringe?" Sariel räusperte sich. "Samstag - diesen Samstag..." "Gut, das ist kurzfristig... für die Ringe von Madame und Monsieur Rayne hatte ich etwas länger... aber das ist durchaus machbar. Möchten Sie etwas Gotisches? Und was schwebt Ihnen vor? Gold? Rotgold?" Sariel lächelte. "Was meinen Sie?" sagte er und zog sein Smartphone. "Das ist mein Liebling..." erklärte er ein Bild von Catherine darauf aufrufend. "Mit ihrem Sohn, ein charmantes Paar... Aber schauen wir, ob wir was Hübsches finden, was zu Madame passt." und mit einer einladenden Geste bat er beide Männer in einen der hinteren Räume wo er zu Zeichenblock und Stift griff. Schon sehr schnell hatte er den Geschmack Sariels getroffen. "Freitag können Sie die Ringe abholen, Monsieur Bragi." verabschiedete er sich. "Und die Gravur? Haben Sie da Wünsche?" Sariel nickte. "Unsere Namen, das Datum und per sempre - für immer und ewig - oder "auf ewig" - in Italienisch... denn ich fühle mich in Italien sehr wohl."
In diesem Moment erschien vor Belials innerem Auge ein wunderschönes Seidenkleid in Smaragdgrün. Er lächelte. "Haben Sie ein hübsches Ensemble in Weißgold mit Smaragden?"
Monsieur Mardoune lachte leise. "Ihre Frau trägt Grün zur Hochzeit?" Belial grinste. "Tja... es ist immer gut, Astarte mitzuschicken... Das ist fast als wäre man dabei." "Ah, oui - die Gefährtin von Monsieur Callaghan..." Belial nickte. "Ich glaube wir haben da etwas - nicht von mir, sondern von meiner Kollegin Sabine Tauber, einer Deutschen, aber es ist... mit Smaragden. Collier, Armband und Ohrgehänge." Er holte das Ensemble hervor und zeigte es ihm. Belial runzelte die Stirn. "Das ist sehr kalt. Dem Ganzen fehlt Wärme, Kreativität... das ist einfach nur eingefasst und ohne Phantasie." Monsieur Mardoune lächelte entschuldigend. Aus dem Augenwinkel sah Belial eine plump wirkende Frau mit strähnig blonden Haaren, die eine beleidigte Miene sehen ließ und verschwand. "Schmierige Haare, blond, unattrakitv und teigiges Gesicht?" fragte er leise. Der Designer nickte fast unmerklich. "Sie ist eine ausgezeichnete Handwerkerin - das werden Sie an der Ausführung sehen - aber..." "Verstehe - handwerklich top, Stil und Design ein Flopp." Monsieur Mardoune seufzte leise. "Überarbeiten Sie es und lassen sie Frau Tauber die Arbeit ausführen um es... passend für Selvaggia zu machen. Ich hole es Freitag ab." Der Designer nickte. "Danke, dass Sie ihr eine Chance geben." Die beiden verabschiedeten sich voneinander und Belial verließ mit Sariel das Geschäft. "Ich hole dann mal die Damen ab. Catherine ist gerade fertig. Sie ist vermessen und die werden das Kleid bis Freitag für sie anfertigen." "In vier Tagen? Das ist..." "Die werden bei Chanel Nachtschichten einlegen, Bruderherz..."
Er erschien in der Nähe von Chanel und betrat den Laden in dem die drei Frauen ihm bereits entgegen kamen. "Habt ihr was Schönes ausgesucht?" "Ach, jetzt interessiert es dich?" fragte Selvaggia indigniert. Mit einem Lächeln zog er sie in seine Arme. "Aber immer doch, mein Herz. Wobei an dir alles wunderschön aussieht. Aber ein schönes Kleid unterstreicht deine Anmut und Lieblichkeit nur noch." Selvaggia errötete. "Und Sariel und ich haben auch einen wunderschönen Ring ausgesucht - beziehungsweise ein Paar." Er verabschiedete sich, Astarte reichte ihm seine Kreditkarte zurück und verschwand, während Belial mit seiner Frau und Catherine zum Wagen zurückging und zum Boulevard fuhr.
 
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