Mass Effect - Zeitenwandel

von Isaro
GeschichteAllgemein / P18
Commander Shepard OC (Own Character)
09.04.2017
06.01.2020
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09.04.2017 11.771
 
Zwei Tage war es nun schon her, dass Isao zusammen mit Jane und Chani wieder zurück aus dem parallelen Universum gekommen war. Bis eben hatte er mit Larani noch über die weitere Planung seiner Firma gesprochen. Nun war die Matriarchin zusammen mit ihrer Tochter unterwegs nach Thessia. Chani wollte nach den Erlebnissen etwas Zeit für sich nehmen und sich darüber klar werden, wie sie ihre Zukunft weiter gestalten wolle.
Jane und Isao hatten beschlossen, dass sie auf der Phönix ab sofort gemeinsam in einem Quartier schlafen würden. Die dadurch frei gewordene Schlafmöglichkeit sollte Kelly beziehen, damit diese gemeinsam mit Chakwas ein Auge auf die Dimensionsreisende haben konnte. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, hatte die Ärztin gemeint.
Miranda war wieder zurück zum Trockendock der Normandy, um die Aufrüstung weiterhin zu beaufsichtigen. Der Rest der Crew machte sich währenddessen ein paar schöne Tage, bis wieder etwas an stand.
„Ich habe endlich die letzten Teile des Portals sicher untergebracht und alles andere ist auch geregelt. Jetzt haben wir Zeit für uns.“, begann Isao gut gelaunt, als er in das gemeinsame Quartier von sich und Shepard kam, blieb dann aber ein wenig irritiert stehen. Jane hatte es sich auf der Couch bequem gemacht und die Augen angespannt auf ihr Omnitool gerichtet. „Ist was passiert?“, fragte er deshalb und setzte sich zu ihr. Sie sah kurz auf, blickte dann aber wieder auf den kleinen Bildschirm an ihrem Arm.
„Erinnerst du dich, wie ich darüber nachgedacht habe, mich bei Jacen zu melden? Kurz nachdem wir wieder zurück waren, habe ich an ihn eine Nachricht geschrieben und eben eine Antwort darauf erhalten. Sein Schiff ist wegen Wartungsarbeiten auf der Citadel gelandet und er will sich mit mir treffen.“, sagte sie und deaktivierte nach einem letzten Blick auf die Nachricht ihr Omnitool. Seufzend schloss sie die Augen und ließ den Kopf nach hinten auf die Rückenlehne der Couch fallen. Isao seufzte ebenfalls und fing an nachdenklich auf seiner Zunge herum zu kauen. Er erinnerte sich noch sehr genau an diese Unterhaltung. Jane hatte ihm zu dieser Zeit von ihren bisherigen Beziehungen erzählt.
„Das ist doch gut oder etwa nicht? Du solltest hingehen. Ihr habt euch schließlich schon lange nicht mehr gesehen.“, meinte Isao, obwohl eine leise Stimme in seinem Kopf etwas dagegen hatte, dass Jane sich mit ihrem Exfreund traf. Allerdings ignorierte er sie gekonnt. Seine Freundin sah ihn eine Zeit lang stumm an, bevor sie näher an ihn heran rückte, den Kopf an seine Schulter legte und mit einer Hand nach seiner griff. Isao verschränkte sofort seine Finger mit den ihren und drückte sie sanft.
„Würdest du vielleicht mitkommen?“, fragte Jane ganz unerwartet und ließ ihn skeptisch die Stirn runzeln. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Sie wirkte fast so, als hätte sie ein wenig Angst davor sich mit Jacen zu treffen. Nur verstand Isao nicht, was der Grund dafür sein könnte.
„Wenn du das möchtest und es auch wirklich in Ordnung ist. Wann willst du dich mit ihm treffen?“, war es nun an ihm zu fragen. Wenn Jane wollte, dass er sie begleitete, dann würde er es auch tun. Dann konnte er sich bei der Gelegenheit selbst ein Bild von Jacen machen und somit auch seine Neugier stillen.
„In nicht ganz einer Stunde in einem Café im Präsidiumsring.“, antwortete Jane und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund. „Danke dir.“, hauchte sie gegen seine Lippen und erhob sich. Anschließend fing sie an sich ihre Duschutensilien zusammen zusammen zu suchen. Isao folgte ihr mit den Augen und sah Jane zu, wie sie begann sich zu entkleiden. Als sie ihren BH öffnen wollte, blickte sie wieder zu ihm und fragte mit einem verführerischen Lächeln: „Kommst du mit unter die Dusche?“
Isao räusperte sich und fuhr sich in einer verlegen wirkenden Geste mit einer Hand über den Nacken, bevor er darauf antwortete. „Besser nicht. Sonst verspäten wir uns womöglich nur. Ich dusche nach dir.“, sagte er und sah auf den Boden. Wenn er sie jetzt weiter beobachten würde, dann könnte er sich jetzt gleich vielleicht nicht mehr zurück halten. Wenn er da nur an die letzten beiden Nächte dachte, in denen sie kaum die Finger voneinander lassen konnten. Inzwischen musste Isao über sich selbst den Kopf schütteln und sich wirklich fragen, warum er so lange gezögert hatte. Er hob erst wieder den Blick, als Jane's Füße in seinem Blickfeld auftauchten. Sie stand völlig nackt vor ihm, weshalb er schwer schlucken musste und es fast schon bereute, ihr keine Gesellschaft leisten zu wollen.
„Schade.... aber du hast recht. Es besteht durchaus die Gefahr, dass wir nicht zum duschen kommen.“, lächelte sie anzüglich und gab ihm noch einmal einen Kuss, bevor sie sich ihr Handtuch schnappte und in dem kleinen Badezimmer verschwand. Nachdem Jane fertig war, ging Isao duschen und stellte sich zunächst unter einen möglichst kalten Wasserstrahl. Der Anblick von ihr war nicht unbedingt spurlos an ihm vorbei gegangen. Als er sich soweit herunter gekühlt hatte, dass keine Gefahr mehr bestand doch noch über seine Freundin herzufallen, erhöhte er die Wassertemperatur wieder und begann über das Treffen mit Jacen nachzudenken. Sonderlich viel wusste er bisher nicht von Jane's Ex und das machte ihn nervös. Warum das aber so war, konnte Isao nicht benennen.
Keine 15 Minuten später trat er frisch rasiert und noch immer in Gedanken versunken, nur mit einem Handtuch um die Hüfte aus dem kleinen Bad und steuerte direkt den Schrank an, in dem seine Sachen lagen. Er hatte gerade die oberste Schubladen geöffnet und wollte sich eine seiner Shorts heraus nehmen, sowie das Handtuch ablegen, da hörte er Jane hinter sich kichern wie ein kleines Mädchen. Da er sie so bisher nur selten hatte lachen hören, drehte er sich um. Im nächsten Moment riss er die Augen weit auf und wurde knallrot. Jane saß am Schreibtisch, den es in jedem Quartier auf der Phönix gab, ließ dabei die Augen über seinen fast nackten Körper wandern und grinste ihn an. Das war es aber nicht, was ihm die Hitze ins Gesicht trieb. Vom Bildschirm des Schreibtisches aus funkelten ihn, neben denen von seiner Freundin, noch ein weiteres paar grüner Augen sichtlich amüsiert entgegen. Jane führte scheinbar gerade ein Videogespräch. Ganz kurz glaubte Isao, in das Gesicht einer älteren Version von ihr zu blicken. Die Frau die auf dem Bildschirm zu sehen war besaß das gleiche Grinsen und trug, soweit er es erkennen konnte, eine Uniform der Allianz. Ihre zum Teil bereits grauen Haare hatte sie zu einem strengen Dutt hochgesteckt. Es war noch genau zu erkennen, dass sie vor Jahren genau wie Jane feuerrote Haare gehabt haben musste. Bei näherem hin sehen konnte Isao aber auch einige feine Unterschiede feststellen. Die Nase und die Augen der Frau hatten eine leicht andere Form und ihr fehlten die Sommersprossen, so wie Jane sie hatte. Nachdem er den leichten Schreck überwunden hatte, griff Isao reflexartig nach dem einzigen Stückchen Stoff an seinem Körper und hielt es somit zusätzlich an Ort und Stelle. Da er gegenüber des Bildschirmes und somit im Aufnahmebereich der Kamera stand, konnte ihn die Frau am anderen Ende der Leitung nämlich genau sehen.
„Ähm... Hi....“, brachte Isao wenig geistreich heraus und hob seine freie Hand zum Gruß. Irgendwie erinnerte ihn der Moment gerade an einen ähnlichen Vorfall mit Chani's Mutter. Damals hatte sich die junge Asari nackt zu ihm ins Bett geschlichen und ihn geweckt. Anschließend wurde sie von ihm durch die Wohnung gejagt, bis er plötzlich nur mit seiner Schlafshorts bekleidet, Larani gegenüber stand.
„Liebling? Warum sagst du nicht, dass du Männerbesuch hast? Dann hätte ich mich kurz gefasst und nicht länger gestört.“, begann die Frau auf dem Bildschirm mit einer sanften und warmen Stimme zu sprechen. Dann legte sie den Kopf leicht schief, fing an schelmisch zu lächeln und musterte Isao ganz genau, bevor sie ergänzend sagte: „Bei diesem Anblick bin ich jedoch froh mich doch etwas länger mit dir unterhalten zu haben. Wann darf ich mit meinem ersten Enkelkind rechnen?“
Nach diesem Satz entglitten nicht nur Isao kurzzeitig sämtliche Gesichtszüge. Jane drehte den Kopf ruckartig mit einem ziemlich empört klingenden: „Mum! Würdest du das bitte sein lassen!“, wieder dem Bildschirm zu und funkelte ihre Mutter wütend an. Diese lachte aber nur wegen der Reaktion ihrer Tochter. Kurz konnte Isao es nicht glauben, dass er hier wirklich Hannah Shepard vor sich hatte. Mit so einer Begegnung hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
„Schätzchen, du weißt genau wie sehr ich mich über etwas Familienzuwachs freuen würde. Ich werde genau so wenig jünger wie du und ich würde gerne noch einmal das Tapsen von kleinen Füßchen hören, die zu unserer Familie gehören. Als ich in deinem Alter war, hast du bereits die Gänge der Schiffe unsicher gemacht, auf denen wir immer unterwegs waren.“, sprach Hannah in einem sehr mütterlichen Tonfall weiter, bei dem Jane sich seufzend mit einer Hand durch die Haare strich.
„Mum, ich habe dir eben doch schon erklärt, dass ich für so etwas gerade keine Zeit habe. Zuerst muss ich meine Aufgabe erledigen. Erst dann sehe ich weiter.“, meinte Jane und richtete die Augen zurück auf Isao, damit Hannah den schmerzlichen Ausdruck darin nicht sah. Seine Freundin verschwieg ihrer Mutter ganz offensichtlich so einiges über sich. Nur schien sie dabei zu vergessen, mit wem sie da sprach. Hannah lächelte nur wissend und schien zu spüren, dass es noch mehr Gründe gab als die, die Jane ihr gegenüber erwähnt hatte, hakte aber nicht weiter nach.
„Schon klar, die Mission geht immer vor. Ich hoffe aber, dass du mir irgendwann alles erzählen kannst. Auch die Dinge, die du mir jetzt nicht sagen willst. Jetzt aber wieder zu deinem Männerbesuch.“, sagte sie und richtete die Aufmerksamkeit zurück auf Isao. „Sie sind also der große Unbekannte, den ich kürzlich mit meiner Tochter auf einem Bild im Extranet gesehen habe. Ich hatte mir unsere erste Begegnung eigentlich etwas anders vorgestellt.“
„Ähm... Ich ehrlich gesagt auch....“, nuschelte Isao und musste sich räuspern, damit sich seine Stimme nicht so klein anhörte, wie er sich gerade fühlte. Warum musste er jetzt bloß das zweifelhafte Glück haben und Hannah nur mit einem Handtuch um die Hüfte vor die Augen laufen. Das Schicksal schien ihn wirklich zu hassen. „Ich wollte sie schon seit einiger Zeit einmal kennenlernen. Allerdings wäre mir, anstatt einem Videogespräch, ein persönliches Treffen lieber gewesen. Und vor allem hätte ich gerne mehr an gehabt. Wo ich schon dabei bin, ich zieh mir schnell was über und bin gleich wieder da.“ Nach diesen Worten zog er schnell frische Kleidung aus seinem Schrank und ging zurück in das kleine Badezimmer.
„Jane? Auch wenn ich dich verstehen kann, dass man einen Mann mit so einem knackigen Hinterteil nicht oft sieht, halte die Augen doch bitte etwas höher. Zumindest während wir uns noch unterhalten.“, hörte er Hannah belustigt sagen.
Nur einen Augenblick später folgte ein peinlich berührtes: „Mum!!“, von Jane und ließ Isao breit grinsen. Die ältere Shepard hatte scheinbar Humor und fing jetzt schon an ihm sympathisch zu werden. Allerdings war ihm bewusst, dass sie garantiert auch anders konnte. Keine Minute später war er wieder zurück, in sein übliches Hemd und die Cargohose gekleidet, trat von hinten an Jane heran und legte ihr die Hände auf die Schultern.
„Mum, wenn ich dir vorstellen darf. Das hier ist Isao. Er ist Techniker und Erfinder.“, stellte Jane ihn nun ihrer Mutter vor. Dabei griff sie nach einer seiner Hände, die er wieder auf ihre Schultern gelegt hatte. „Isao, meine Mutter Hannah Shepard. Captain der SSV Orizaba.“
Er deutete nach der gegenseitigen Bekanntmachung eine leichte Verbeugung an und wurde noch einige Sekunden lang von Hannah gemustert, welche dabei den Blick vor allem auf die Hände von Jane und Isao richtete. Als sie ihm wieder in die Augen sah, lächelte sie fast schon zufrieden. Im nächsten Moment richtete sie ihren Blick auf jemanden auf ihrer Seite der Verbindung und nickte dieser Person nach einigen Sekunden zu.
„Das auch immer etwas dazwischen kommt. Ich muss jetzt leider bereits Schluss machen. Gerade eben ist ein nicht registriertes Schiff ins System gesprungen. Dem muss ich nachgehen.“, fing Hannah an und gab noch einige Befehle an ihre Leute durch, bevor sie ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf Jane und Isao richtete. „Es tut mir Leid, dass ich unsere Unterhaltung unterbrechen muss, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Beim nächsten Mal haben wir hoffentlich etwas Zeit, damit wir uns besser kennenlernen können.“
„Schon in Ordnung. Ich freue mich schon darauf.“, antwortete Isao und verabschiedete sich dann zusammen mit Jane von deren Mutter. Kaum war der Bildschirm schwarz, lehnte sich seine Partnerin zurück und gab einen ächzenden Laut von sich.
„Das sie sich nach Nachwuchs erkundigt sobald sie dich sieht, hätte mir klar sein müssen.“, murmelte Jane und klang ein wenig erschöpft. Dadurch erweckte sie Isao gegenüber den Eindruck, als hätte sie die Diskussion über Kinder früher schon öfter mit ihrer Mutter geführt. Das es sich dabei inzwischen um ein etwas heikleres Thema handelte, schien Jane aber eindeutig Hannah gegenüber zu verschweigen.
„Ich muss sagen, ich mag deine Mutter jetzt schon.“, meinte Isao und hauchte seiner Freundin einen Kuss in die Haare. Anschließend drehte er sie mitsamt Stuhl herum, zog sie hoch und damit in seine Arme. Jane erwiderte seine Umarmung sofort und drückte ihr Gesicht gegen seine Schulter. Sie brauchte jetzt ganz offensichtlich etwas Nähe. Isao schwieg einfach und streichelte ihr über den Rücken, bis sie nach kurzer Zeit von ihm löste.
„Wir sollten so langsam los. Ich will nicht zu spät kommen.“, sagte sie und wurde von Isao noch einmal in den Arm genommen. Nachdem er Remus noch ein paar Anweisungen gegeben und Jane einen abschließenden Blick in den Spiegel geworfen hatte, sie hatte sich tatsächlich ein wenig herausgeputzt und trug neben einer modischen Jeans eine leichte Bluse, machten sie sich auf den Weg, um mit einem Skycar zum vereinbarten Treffpunkt zu fliegen. Beide hatten sie zur Sicherheit noch jeweils eine Pistole dabei. Man konnte ja nie wissen ob es nicht einen Zwischenfall gab. Dann völlig schutzlos zu sein wäre nicht so gut.
Knapp fünf Minuten vor der verabredeten Zeit erreichten Jane und Isao das kleine Café im Zakera Bezirk, in dem sie Jacen treffen sollten. Den ganzen Weg hier her war ihm aufgefallen, dass Shepard immer nervöser wurde. Nachdem sie sich einen Tisch im hinteren Bereich der Räumlichkeiten gesichert hatten, bestellten sie sich etwas zu trinken und warteten. Die nächsten Minuten über dachte Isao erneut darüber nach, warum sie ihn hier dabei haben wollte. Eigentlich war es ja nur ein Treffen zwischen Jacen und ihr. Dann aber kam ihm der Gedanke, dass sie ihn ihrem Exfreund vielleicht einfach nur vorstellen wollte. Als Isao das nächste Mal auf die Uhr sah, war es bereits einige Minuten über der vereinbarten Zeit. Er richtete die Augen auf Jane, die äußerst unruhig auf ihrem Stuhl hin und her rutschte.
„Entspann dich. Jacen wird wohl kaum vorschlagen, dass du dich mit ihm treffen sollst, nur um dich dann sitzen zu lassen.“, sagte Isao zu ihr, da er das Gefühl hatte, er müsse die Stille durchbrechen und sie ein wenig beruhigen. Jane sah kurz zu ihm, blickte dann aber wieder die Tasse an, welche sie nervös zwischen den Händen drehte.
„Das ist es nicht. Jacen kommt zu einer Verabredung immer etwas zu spät. Es ist nur....“, fing sie an und suchte scheinbar nach den richtigen Worten, bevor sie weiter sprach. „Ich habe dir ja erzählt, dass ich damals, als ich auf die Normandy gekommen bin, noch mit ihm zusammen war. Wir haben uns noch verabschiedet, hatten aber wegen der Sache mit Saren und Sovereign keine Gelegenheit mehr miteinander zu reden. Nach dem Kampf bei der Citadel konnten wir uns auch nicht in Ruhe unterhalten, weil wir sehr beschäftigt und jeder in einer anderen Ecke der Galaxie unterwegs waren. Meine Mutter hat es vorhin schon erwähnt, die Mission geht immer vor. Ich muss auch gestehen, dass ich etwas Angst davor hatte mich bei Jacen zu melden weil..... wegen Liara....“
Kurz war Isao ein wenig irritiert, da er nicht so ganz verstehen konnte was ihre gemeinsame Freundin mit dem ganzen zu tun hatte. Dann ging ihm schlagartig ein Licht auf. Jane hatte mit der Asari geschlafen, während sie eigentlich in einer Beziehung war. Sie hatte Jacen betrogen und nicht nur das. Von diesem Zeitpunkt an war sie, soweit er wusste und es beurteilen konnte, sogar weiterhin mit Liara zusammen gewesen, wenn auch nicht wirklich lange. Diese Erkenntnis musste er nun erst verarbeiten. Für das Empfinden von Isao ging so ein Verhalten nämlich gar nicht. Jane würde bei ihm hoffentlich nicht ebenfalls so etwas machen. Er sah ihr nach einigen Sekunden, in denen er den Blick durch das Café hatte schweifen lassen, wieder in die Augen und was er darin sehen konnte, ließ ihn eine regelrechte Achterbahn der Gefühle erleben. Das Jane sich schuldig fühlte wäre noch untertrieben. Ihr ging es eindeutig schlecht wegen dem, was sie vor inzwischen zweieinhalb Jahren getan hatte. Wobei es für sie wegen ihrem Tod und der Wiederherstellung durch Cerberus wohl nur ein paar Monate waren. Am liebsten hätte Isao sie jetzt in den Arm genommen um ihr Kraft zu geben. Andererseits wollte er ihr aber auch die Meinung zu ihrem Verhalten sagen, würde es aber besser auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
„Dir muss ja noch viel an Jacen liegen, wenn du dir solche Sorgen wegen ihm machst.“, rutschte es ihm dann aber doch noch unbeabsichtigt heraus. Das er sich dabei auch noch deutlich anklagend anhörte, hatte er überhaupt nicht gewollt, weswegen er sich auf die Zunge biss. Dieser Ton von ihm war in dieser Situation nicht gerade hilfreich. Jane hatte nach seinen Worten endlich den Blick von ihrer Tasse lösen können und sah ihn deutlich getroffen an. Sie setzte noch dazu an etwas zu sagen, kam aber nicht mehr dazu. Da es in dem kleinen Café ziemlich leer war, bemerkten sie sofort die Person, die sich ihnen näherte. Im nächsten Moment stand auch schon ein Mann neben ihrem Tisch.
„Ich glaube es ja nicht. Jane Shepard trägt zivil! Das ich das noch erleben darf!“, sprach der Mann, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Jacen handeln musste, Jane direkt an und grinste dabei. Shepard und Isao konnten den Neuankömmling nur anstarren. Dadurch entstand für einen Moment eine leicht unangenehme Stille, die Jacen allerdings durchbrach als er weiterhin sichtlich amüsiert sagte: „Willst du mich weiter nur anschauen oder werde ich auch mal begrüßt?“ Damit holte er Jane aus ihrer Starre. Sie erhob sich von ihrem Stuhl, war mit zwei schnellen Schritten bei Jacen und umarmte ihn zaghaft.
„Schön dich zu sehen. Es ist lange her.“, sagte sie und wurde von ihrem alten Freund ebenfalls kurz umarmt. Die Beiden gingen wieder etwas auf Abstand, jedoch nur so weit, dass Shepard die Hände auf den Schultern von Jacen lassen konnte, während dessen Hände auf der Hüfte von Jane liegen blieben. Das gefiel Isao aber so ganz und gar nicht. Er war inzwischen ebenfalls aufgestanden und knirschte mit den Zähnen.
„Etwas zu lange für meinen Geschmack. Du siehst gut aus.“, meinte Jacen und ging endlich auf etwas mehr Abstand. Dann richtete er die Augen auf Isao. „Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ich nur dich hier treffe. Wenn hast du da bei dir? Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor.“
Jane drehte sich ein wenig herum und atmete tief durch. Sie wirkte, falls es überhaupt möglich war, noch um einiges nervöser als in den letzten Minuten. Ihr schien jetzt erst bewusst zu werden, dass die Begegnung zwischen Jacen und Isao mit etwas Pech nicht gut enden könnte. Shepard stellte sich genau zwischen die Männer und begann sie miteinander bekannt zu machen. Isao hörte nicht wirklich zu was sie sagte. Er bekam nur mit, dass Jacen Infiltrator war, sich also sehr gut mit Scharfschützengewehren auskannte und mit Familiennamen Miller hieß. Vielmehr musterte Isao seinen gegenüber sehr genau. Jacen dürfte nicht viel größer als Jane sein. Er hatte blaue Augen und so wie es aussah schwarze Haare, die zu einem Seitenscheitel gekämmt waren. Eine khaki grüne Hose und ein schwarzes Shirt rundeten das Aussehen eines typischen Soldaten ab. Nachdem sich Isao und Jacen zur Begrüßung noch die Hand gegeben hatten, setzten sich alle an den Tisch und Jane's Ex bestellte ebenfalls etwas zu trinken.
„Ich war ganz schön überrascht, als ich dich vor ein paar Wochen in den Nachrichten gesehen habe. Vor allem weil du ja laut den offiziellen Meldungen tot sein solltest. Was hast du die letzten zwei Jahre getrieben?“, wollte Miller wissen, nachdem seine Bestellung gebracht wurde. Jane atmete erneut tief durch und schüttelte dann leicht den Kopf.
„Ich würde es dir gerne sagen, allerdings kann ich nicht in der Öffentlichkeit darüber reden. Es ist auch ziemlich unglaublich, was ich erlebt habe. Mit geht es jetzt eigentlich um etwas anderes. Genau genommen um uns und das, was zwischen uns war.“, begann sie leise und hatte sichtlich Mühe Jacen in die Augen zu sehen. Dieser hatte nun aufgehört zu lächeln und schwieg zunächst. Da Jane allerdings still blieb, durchbrach er wie zuvor, das Schweigen.
„So schlimm kann das, was du mir sagen willst, doch nicht sein. Es ist ja nicht so, als würde irgendwo Jacen Junior herum rennen.“, scherzte er und grinste breit. Das verging ihm aber nach einigen Sekunden, da Shepard noch immer kein weiteres Wort sprach. „Ich habe jetzt hoffentlich nicht ins schwarze getroffen, oder?“ Ganz kurz zuckten die Mundwinkel von Jane nach oben und sie presste bei dem Versuch, ein Schmunzeln zu unterdrücken, die Lippen aufeinander.
„Nicht ganz. Eigentlich ist es vielmehr die kleine Jacqueline.“, murmelte sie und konnte sich bei dem Gesicht, das Jacen nun zog, nicht mehr halten. Sie fing an zu lachen und man konnte sehen, wie sich ein Großteil der Anspannung von ihr löste. Isao hatte ebenfalls das Bedürfnis zu lachen, unterdrückte es aber so gut er konnte. Da machte sich scheinbar sein schlechter Einfluss auf sie bemerkbar, was solche kleinen Scherze anging. Shepard's Ex war noch immer völlig perplex, als sie sich bereits wieder beruhigt hatte.
„Entschuldige. Ich konnte gerade nicht anders.“, begann sie wieder und atmete einmal tief durch. Sie fing aber auch damit an, nervös mit den Fingern zu spielen. „Jetzt aber mal im Ernst. Ich.... muss dir etwas beichten. Ich habe etwas getan, was in einer Partnerschaft wie in der unseren von damals nicht in Ordnung ist. Ich hatte, während ich vor über zwei Jahren auf der Jagd nach Saren Arterius war, eine Asari in meiner Crew. Sie hat mich schon bei der ersten Begegnung mit ihr in den Bann gezogen und..... wie soll ich sagen..... ich bin mit ihr im Bett gelandet. Wir haben uns einfach zueinander hingezogen gefühlt und aufgrund der ganzen Umstände, ist es einfach passiert.“
Die darauf folgende Reaktion von Jacen war zunächst nur ein hochziehen der Augenbrauen. Er schien nicht so recht zu glauben, was er da eben gehört hatte. Nach einem Moment fuhr er sich mit beiden Händen über das Gesicht und seufzte.
„Das ich so etwas nicht gerne höre, muss ich wohl nicht erwähnen. Ich kann dir wegen diesem Seitensprung jetzt aber nicht wirklich böse sein. Dafür ist das mit uns schon zu lange her. Nur verstehe ich nicht, warum du jetzt damit zu mir kommst. Hat es etwas mit dieser geheimen Mission zu tun, an der du dran bist?“, wollte er wissen und blieb erstaunlich ruhig, was Isao nun doch etwas überraschte. Eigentlich hatte er eine etwas anderen Reaktion von Miller erwartet. Jane aber schien damit gerechnet, vielleicht auch gehofft zu haben, dass Jacen so besonnen blieb. Sie nickte zur Antwort, war aber noch immer sichtlich nervös.
„Du hast recht. Es hat mehr oder weniger mit meinem derzeitigen Auftrag zu tun, dass ich mich bei dir gemeldet habe. Ich wollte das einfach loswerden, bevor ich vielleicht keine Chance dazu mehr bekomme. Was das mit dem Seitensprung angeht, liegst du allerdings nicht ganz richtig. Das mit der Asari, Liara ist ihr Name, war nicht einfach nur eine kurze Affäre. Ich habe es richtig genossen mit ihr zusammen zu sein, habe Gefühle für sie entwickelt und dabei sogar erfolgreich mein schlechtes Gewissen dir gegenüber verdrängt.“, erklärte sie weiter und schaffte es nun endlich dauerhaft Blickkontakt mit Miller zu halten. Auf ihren Lippen lag aber weiterhin ein bedrücktes Lächeln. „Ich wollte es dir damals persönlich sagen, dass ich das mit uns beenden möchte, weil ich mit Liara zusammen sein wollte. Es dir über eine Nachricht oder ein Videogespräch zu sagen, wäre dir gegenüber nicht fair gewesen.“
„Autsch, dass tut weh. War der Sex mit mir so schlecht im Vergleich zu dem mit einer Asari und dieser Sache mit der Verschmelzung?“, frage Jacen und grinste schief. Jane presste nach dieser Frage die Lippen aufeinander und schien zu überdenken, ob sie darauf antworten sollte.
„Ganz ehrlich? Es war der Hammer. Nicht besser sondern einfach anders, intensiver. Ich kann dir also nur empfehlen, es einmal selbst zu versuchen, solltest sich für dich so eine Gelegenheit ergeben.“, fing sie dann doch an und grinste zurück. „Es ist schade, dass Sha'ira die Konsortin nicht mehr auf der Citadel ist. Ich kenne sie persönlich, da ich ihr mal einen Gefallen getan habe und hätte dir vielleicht helfen können, einen Termin bei ihr zu bekommen.“
„Danke, das weiß ich zu schätzen. Dann hätte ich ja nur noch ein halbes Jahresgehalt auf der Seite liegen haben müssen. Kein Problem also bei meinem Allianzsold.“, war die sarkastische Antwort von Jacen, mit der er Jane ein leises Lachen entlockte. Sie wirkte inzwischen sehr entspannt, was daran lag, dass Jacen ihr durch seinen lockeren Umgang mit ihrem Fehlverhalten eine Last von den Schultern genommen hatte.
Isao beobachtete das Ganze schweigend, wie sich die zwei Soldaten noch ein wenig unterhielten und sogar immer ausgelassener scherzten. Als Miller aber eine Hand von Jane in seine nahm, knirschte Isao wieder mit den Zähnen. Er umklammerte seine Tasse mit beiden Händen und versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Wirklich gelingen wollte es ihm aber nicht. Seine Augen zuckten immer wieder zu Jacen und er verspürte die Lust, dem Soldaten zumindest verbal eine rein zu würgen. Noch konnte er sich aber zurück halten. Als sich die lockere Atmosphäre der Unterhaltung aber wieder änderte, sah Isao von seiner inzwischen leeren Tasse auf.
„Ich habe es wirklich vermisst mich mit dir zu unterhalten, Jane. Allerdings möchte ich noch einmal zu dem zurück kommen, wo du dich die letzten Jahre herum getrieben hast. Warst du auf einer geheimen Spectre Mission? Eine verdeckte Operation der Allianz um Cerberus auszuheben? Nach der schönen Zeit die wir miteinander hatten, schuldest du mir wie ich finde die Wahrheit. Ich will ja keine Einzelheiten hören sondern nur einen kleinen Hinweis, wo du gesteckt hast, damit ich es auch wirklich verstehen kann, warum du dich so spät bei mir meldest.“, argumentierte Jacen ruhig aber deutlich und richtete die Augen auf Isao. „Vorausgesetzt ich bin jetzt nicht zu neugierig, würde ich auch gerne erfahren, was mit Isao hier ist. Stimmt es, was ich in den Medien gesehen habe? Du und er, ihr habt was miteinander?“
Jane sah darauf ebenfalls zu ihm und nickte mit einem Lächeln auf den Lippen. Bevor sie sich aber genauer dazu äußern konnte, gab das Omnitool von Isao den Signalton einer eingehenden Nachricht von sich. Nach einem kurzen Blick auf die Mitteilung ächzte er und fluchte innerlich.
„Sieht so aus, als müsstet ihr eure weitere Unterhaltung verschieben oder zumindest an einem anderen Ort fortführen. Wir bekommen gleich Besuch von der Aasgeiern der Presse.“, grummelte Isao genervt. Jetzt war er sehr froh darüber, dass er Remus vor dem Aufbruch zum Treffen mit Jacen noch darum gebeten hatte sie vorzuwarnen, sollte in den Netzwerken irgendetwas über Jane oder ihn auftauchen. Dadurch hatten sie nun hoffentlich genug Zeit um zu verschwinden.
„Du hast recht Jacen. Du solltest alles erfahren. Nehmen wir uns ein Skycar und fliegen ein bisschen herum. Da sind wir unter uns und ich kann frei reden.“, meinte Jane nach kurzer Überlegung und stand bereits auf. Jacen und Isao folgten ihrem Beispiel und während die beiden Soldaten vor gingen, zahlte er noch schnell die Rechnung.
Auf dem Weg vom Lokal zum Mietplatz holte er sie wieder ein. Während Miller ihnen eines der Fahrzeuge sicherte, das eben erst gelandet war, bemerkte Isao bereits einige Leute mit Kameras, die noch in einiger Entfernung standen und sich um sahen. Jacen hatte gerade auf dem Rücksitz platz genommen, da entdeckte einer der Journalisten Jane und rannte in ihre Richtung. Das löste dann schon fast so etwas wie eine Kettenreaktion aus. Kaum bekamen die anderen Reporter mit, wie ihr Kollege hektisch los lief, rannten alle ihm hinterher.
„Du gehst ans Steuer!“, kam es von Shepard, während sie sich zu ihrem Ex nach hinten setzte. Isao gefiel es zwar nicht, dass sie bei Miller Platz nahm, lange Zeit um mit ihr darüber zu diskutieren hatten sie aber nicht. Die ersten Reporter waren schon auf knappe 20 Meter an sie heran gekommen und riefen ihm schon etwas zu. Schnell steig er deshalb ebenfalls ein und ließ ihr Skycar abheben. Er steuerte direkt in den dichten Verkehr, wo sie unter all den anderen Fahrzeugen nicht auffallen dürften und mögliche Verfolger abschütteln konnten.
„Ist das normal bei euch? Immer auf der Flucht vor der Presse?“, wollte Jacen wissen, nachdem Isao den Autopiloten des Skycars eingeschaltet und auf einen Rundkurs durch die Citadel programmiert hatte.
„Nein, bisher hatten wir keine solchen Probleme. Das dürfte erst seit dem kurzen Interview, dass ich Emely Wong gegeben habe so sein.“, meinte Jane, strich sich einige Haare aus dem Gesicht und sah ihren Ex an. „Jetzt da wir unter uns sind, kann ich über alles reden. Über wirklich alles. Ich bitte dich nur darum, mir zunächst einfach nur zu zuhören und alles was ich sage an niemanden weiter zu geben.“
„Ich bitte dich. Du kennst mich doch Jane. Wenn ich eines kann, dann ist es zuhören und Geheimnisse für mich behalten.“, erwiderte Miller sofort ohne jeglichen Schalk in der Stimme und machte es sich auf seinem Platz bequem. Isao drehte sich nach hinten, da er seiner Freundin ebenfalls aufmerksam lauschen wollte.
„Also schön. Ich denke, ich fange direkt mit dem wichtigsten an.“, begann Jane und holte tief Luft. „Als die Normandy damals im Orbit über Alchera von einem unbekannten Feind angegriffen und zerstört wurde, bin ich wirklich gestorben. Ich habe noch meinen Piloten in die letzte Rettungskapsel verfrachtet, konnte sie dann aber nicht mehr selbst betreten. Alles was ich noch machen konnte, war sie zu starten, kurz bevor das Schiff auseinander gebrochen ist. Es gab eine Explosion, die mich ins All geschleudert hat. Verletzt wurde ich dabei nicht aber mein Raumanzug wurde beschädigt und das bisschen Sauerstoff, das ich bei mir hatte, entwich in nur wenigen Sekunden. Den Rest kannst du dir bestimmt denken.“
Jacen saß einen Augenblick völlig unbeweglich da, nickte dann aber leicht um zu zeigen, dass er verstanden hatte. Mehr kam nicht von ihm. Er schwieg einfach und stellte keine Fragen. Isao dagegen hätte vermutlich, wenn er nicht genau wüsste was danach passiert war, sofort nachgehakt wie es sein konnte, dass sie nun hier vor ihm sitzen würde und sie damit unbeabsichtigt unter Druck gesetzt.
„Was danach genau passiert ist, kann ich dir nur sagen, weil ich über Liara davon erfahren habe. Mein Körper, besser gesagt das was davon übrig war, wurde von Agenten des Shadow Brokers geborgen. Er wollte meine.... Überreste an die Kollektoren verkaufen. Sie waren es auch, die die Normandy angegriffen hatten. Liara konnte es aber verhindern und hat meinen Körper dann an Cerberus übergeben. Dort wurde ich dann über die nächsten zwei Jahre wieder zusammengeflickt, damit ich gegen die Kollektoren kämpfen kann. In meinem Körper sind unzählige Implantate eingesetzt, ohne die ich sterben würde.“, erklärte sie weiter. Jetzt kam zum ersten Mal eine deutlich Reaktion von Jacen. Er spannte sich sichtlich an und wirkte wachsam, fast schon vorsichtig
„Ich habe einige der von dir verfassten Berichte gelesen, nachdem du die Einrichtungen von Cerberus zerstört hast. Über die grauenhaften Experimente, die diese Leute dort betrieben haben. Soll das jetzt bedeuten, dass du auch nur eines ihrer Versuchsobjekte bist? Das du sogar für sie arbeitest, so wie es in den Gerüchten heißt, die innerhalb der Allianz die Runde machen?“, wollte er wissen und beobachte genau die Reaktion von Jane. Diese schüttelte aber sofort vehement den Kopf.
„Ich arbeite nicht für sie, sondern nutze nur deren Ressourcen, mehr nicht. Auch wenn ich diese Implantate habe, bin ich trotzdem noch immer die selbe Person wie damals. Von der Hauptverantwortlichen, die mich zurück geholt hat habe ich erfahren, dass sie mich so wieder beleben sollte wie ich war. Ich musste genau den gleichen Charakter, noch immer die gleiche Denkweise haben, was richtig und falsch angeht. Mich Cerberus direkt anzuschließen kommt niemals in Frage. Du kuschle ich eher mit einem Dreschschlund oder einer Spinne und du weißt ja, wie gern ich diese Viecher habe.“, stellte sie sofort richtig. Es dauerte wieder einen Moment, dann nickte Miller und entspannte sich ein wenig, blieb aber noch vorsichtig.
„Einem Teil deiner Erklärung kann ich nicht ganz zu stimmen. Du hast dich verändert. Wobei ich mehr vermute, dass es mit Isao zu tun hat.“, fing Jacen an und sah kurz zum Genannten nach vorne, bevor er die Augen wieder auf Shepard richtete. „Deine legere Kleidung, die scherzhafte Erwiderung von dir, bezüglich klein Jacen. So warst du früher nicht. Diese Veränderung an dir gefällt mir aber. Früher hattest du oft mehr Ähnlichkeit mit den Turianern und ihrem Stock im Arsch.“
„Kann schon sein, dass ich mich in dieser Beziehung verändert habe und er daran einen Anteil hat. Ansonsten aber bin ich noch die selbe wie vor zwei Jahren.“, versicherte Jane ihm noch einmal. Sie lächelte nun endlich wieder so ungezwungen wie immer und als sie die Augen auf Isao richtete, fing sie sogar regelrecht an zu strahlen. „Ich liebe Isao. Er ist zwar oft ein ziemlicher Kindskopf aber genau das mag ich an ihm. An seinem Hang zu Streichen muss ich aber noch arbeiten. Wenn es nach ihm ginge, würde er jedem der ihm auf den Schlips tritt einen ordentlichen Streich spielen. Dabei würde er nicht einmal vor gesicherten Systemen wie dem der Allianz halt machen.“, fuhr sie fort und fing an zu lachen, als Isao demonstrativ ein beleidigtes Schnauben von sich gab und wieder nach vorne durch die Frontscheibe des Skycars blickte. Miller lachte ebenfalls, wenn auch sehr viel kürzer als Jane.
„Eigentlich müsste ich mich ja über deine Geschichte ziemlich wundern. Gestorben und von einer ziemlich zwielichtigen Organisation wieder zurück geholt? Das dürfte jedem anderen ganz schön schwer fallen es zu glauben. Mir seltsamerweise nicht.“, kam es von Miller. Damit brachte er Shepard dazu schlagartig mit dem Lachen aufzuhören. Isao war ebenfalls sehr überrascht. Im nächsten Moment hatte er aber das große Bedürfnis nach hinten auf die Rückbank zu klettern und Jacen zur Seite zu stoßen. Dieser war nämlich an Jane heran gerückt und hatte ihre Hände in seine genommen. „Wie ich damals sagte, als wir zwei noch in einer Beziehung waren. Bei dir muss man mit allem rechnen, Rotschopf. Ich bin jetzt einfach nur froh, dass es dir gut geht.“
Man konnte förmlich sehen, wie Jane die Last eines ganzen Berges von den Schultern fiel, nachdem sie diese Worte von ihrem Ex gehört hatte. Sie umarmte Jacen sofort und wurde auch von ihm gedrückt. Damit hätte Isao ja noch leben können weil er wusste, dass sich ihre Wege dann wohl endlich in einigen Minuten wieder trennen würden. Dann aber hauchte Jane ihrem Ex einen Kuss auf die Wange was dazu führte, dass Isao die Hände zu Fäusten ballte und sich noch mehr als zuvor dazu zwingen musste nicht dazwischen zu gehen. So langsam fing er aber auch an sich zu fragen, was mit ihm los war. War er etwa entgegen allem wissen eifersüchtig? Das war zumindest die einzige Erklärung. So etwas kannte er aber gar nicht von sich. Jedenfalls war es ihm früher nie aufgefallen, dass er so auf jemanden reagierte.
„Uh, da wird mich jemand wohl gleich erdolchen, wenn du das noch mal machst.“, kam es scherzend von Jacen, als er den Blick von Isao bemerkte. Jane sah nun ebenfalls nach vorne und grinste breit.
„Er soll sich mal nicht so haben. Von seiner Asari Bekanntschaft bekommt er auch immer wieder einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange. Außerdem....“, fing sie an und kletterte nach vorne auf den Beifahrersitz. Isao beäugte sie skeptisch und zog die Augenbrauen nach oben, als sie sein Gesicht in beide Hände nahm. In der nächsten Sekunde lagen ihre Lippen auf den seinen und sie küsste ihn, als gäbe es kein Morgen mehr. Ein Glück hatte er vorhin den Autopiloten des Skycars aktiviert, ansonsten würden sie jetzt wohl abstürzen. Nach einer kleinen Ewigkeit löste sich Jane von ihm und lächelte ihn auf genau die Art und Weise an, die er liebte. „Außerdem ist er der einzige, dem ich jetzt noch solche Küsse gebe. Er hat also keinen Grund sich irgendwie zu beschweren.“
Nach diesem sehr deutlichen Beweis ihrer Zuneigung zu ihm, konnte Isao nur dämlich vor sich hin grinsen. Jane hatte ihren Standpunkt eben mehr als klar gemacht. Sie hielt zu ihm, war nur an ihm interessiert. Das konnte er an ihren Augen erkennen, die eine unglaubliche Wärme und Verbundenheit ausstrahlten.
„Dann würde ich mal vorschlagen, ich lasse dich und deine Rückendeckung allein. Setzt mich einfach am nächsten Taxistand ab.“, sagte Jacen, was zur folge hatte, dass Jane rot um die Nase wurde. Nur Isao war noch kurz darüber verwirrt, was Miller mit Rückendeckung meinte. Dann begriff er es endlich.
„Jetzt verstehe ich, warum du mich dabei haben wolltest. Ich sollte dir zur Hilfe kommen, sollte das Gespräch nicht so verlaufen wie du gehofft hast.“, kam es feststellend von ihm.
Jane verdrehte die Augen und hauchte ihm einen zarten Kuss auf den Mund, bevor sie nicht ganz ernst meinte: „Du bist manchmal so ein Blitzmerker, weißt du das?“
Isao setzte gerade dazu an einen Konter von sich zu geben, da gab es einen Knall und ihr Skycar ging in einen viel zu steilen Sinkflug über. Sämtliche Warnleuchten blinkten auf und alle Insassen reagierten sofort, indem sie sich irgendwo fest hielten.
„Bring das Ding wieder unter Kontrolle!“, schrie Jane und schnallte sich hektisch an. Jacen und Isao machten es ihr nach. Erst dann sah er sich die Steuerungsanzeigen an. Aus irgendeinem unbekannten Grund war der Hauptantrieb hoch gegangen, wodurch sie nun abstürzten. Schon nach wenigen Augenblicken war Isao klar, dass er die Bruchlandung nicht verhindern konnte. Er konnte nur versuchen sie mittels der Notsysteme halbwegs sicher auf den Boden zu bekommen. Vor ihnen lag glücklicherweise nur eine Baustelle. Scheinbar wurden hier noch immer die Schäden repariert, die von den Trümmerteilen der Sovereign stammten. Deswegen war hier auch so gut wie kein Verkehr. Hektisch flogen seine Hände über das Bedienfeld und er schaffte es tatsächlich den Sinkflug ihres Skycars einigermaßen kontrolliert ablaufen zu lassen. Trotzdem war die Landung alles andere als sanft. Krachend schlug das Fahrzeug am Boden auf und schlitterte noch mehrere Meter weiter, stieß gegen einige Hindernisse, bis es schlussendlich mit der Beifahrerseite gegen eine Wand prallte. Durch die harte Landung war Isao kurzzeitig leicht benommen, fing sich aber schnell wieder. Als allererstes sah er zu Jane um sicher zu gehen, dass sie nicht verletzt war. Sie hielt sich den Kopf, an welchem seitlich etwas Blut zu sehen war. Ihm selbst lief etwas von seinem eigenen Blut direkt über die Stirn. Ansonsten schien es aber weder Shepard noch ihn schlimmer erwischt zu haben.
„Ist bei euch alles in Ordnung?“, kam die Frage von Jane. Sie schnallte sich bereits ab und beugte sich zu Isao hinüber um ihn in Augenschein zu nehmen, atmete aber sofort erleichtert auf als er ihr zu verstehen gab, dass nichts weiter sei.
„Bis auf ein paar blaue Flecken und den Schreck ist alles gut.“, erklang die leicht gequälte Stimme von Jacen. Kurz darauf schob sich sein Kopf zwischen den Vordersitzen durch. „Ich muss schon sagen, eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass wir mit Isao am Steuer eine Bruchlandung hinlegen. Bei dir und deinem Fahrstil hätte ich da schon mehr Bedenken gehabt.“
„Halt die Klappe! Wir müssen hier raus.“, antwortete Jane forsch und wollte sich schon an Isao vorbei schieben, um die Tür zu öffnen, wurde von ihm dann aber zurück in den Sitz gedrückt.
„Ich mach das schon.“, meinte er und trat mit seinen Füßen so fest er konnte gegen das verbogene Metall. Nach mehrere Tritten sprang die Tür dann auch auf und landete scheppernd am Boden. Vorsichtig kletterte er nach draußen und entdeckte einige Bauarbeiter, welche auf die Absturzstelle zu rannten. Nachdem auch Jane und Jacen das schrottreife Fahrzeug verlassen hatten, erreichte der erste Arbeiter, bei dem es sich um einen Turianer handelte, den Unglücksort.
„Ist jemand verletzt? Was ist passiert?“, wollte dieser sofort wissen und sich die Verletzung von Shepard genauer ansehen. Allerdings winkte sie nur ab und richtete die Augen auf Jacen, der bereits auf das Wrack gestiegen war um nach der Ursache für ihren Absturz zu suchen. Isao wischte sich derweil das Blut von der Stirn und sah sich um. Bei ihrer Landung hatten sie einiges mitgerissen. Glücklicherweise aber nur Baumaterial.
„Jane? Isao? Das solltet ihr euch ansehen.“, meinte Miller und besah sich den Bereich des Skycars, an dem der Antrieb untergebracht war. Isao kletterte nach seiner Partnerin ebenfalls auf das Dach ihres Fahrzeuges und erkannte sofort den Grund dafür, warum Jacen sie zu sich gerufen hatte. Es hatte tatsächlich eine Explosion am Hauptantrieb gegeben. Allerdings sah es nicht so aus, als hätte sie im inneren stattgefunden. Vielmehr wirkten die Beschädigungen so, als wäre außerhalb etwas hoch gegangen.
„Das gefällt mir nicht. Das war eindeutig Sabotage.“, meinte Jane und sah sich die Umgebung an, die Hand an ihrer Waffe.
„Meinst du nicht, dass du übertreibst?“, fing Isao an und sah sich ebenfalls kurz um. „Ich denke, da ist nur irgend so ein Spinner darauf aus Ärger zu machen und wir hatten einfach Pech gerade das Skycar zu erwischen, das er sabotiert hatte.“, versuchte er die Situation zu erklären. So richtig glaubte er aber selber nicht an das, was er da eben gesagt hatte. Dazu zog allein schon Jane aufgrund ihrem bisherigen Dienst bei der Allianz den Ärger förmlich an. Die Frage war aber, wie hatten der oder die Täter es geschafft genau das Skycar zu manipulieren, in das sie eingestiegen waren? Die erste Vermutung von Isao war, dass Jacen irgendwie etwas damit zu tun haben könnte. Allerdings verwarf er den Gedanken sofort wieder. Miller hatte ja schließlich das erstbeste Fahrzeug in Beschlag genommen, aus dem keine fünf Sekunden zuvor noch andere Fahrgäste ausgestiegen waren. Er hätte also gar keine Zeit gehabt es irgendwie zu manipulieren. Es musste also während ihrem Flug etwas passiert sein. Möglicherweise hatte jemand sie verfolgt und mit einem Schuss aus einer Waffe den Antrieb hoch gejagt.
„Ach wirklich? Du kannst dich ja nicht mal selbst damit überzeugen. Wer musste den schon zweimal flüchten, weil es jemand auf ihn abgesehen hatte?“, meinte sie und klang nun weniger wie seine Freundin, sondern vielmehr wie die Soldatin, die sie nun mal war. Kaum hatte sie diese Sätze ausgesprochen, kam auch schon die Bestätigung, dass hier etwas überhaupt nicht in Ordnung war.
„Seltsam, ich bekomme keine Verbindung zu C-Sek.“, meinte einer der Arbeiter, der offenbar den Unfall melden wollte. Jetzt war Isao ebenfalls aufs äußerste alarmiert. Gerade als er ebenfalls einen Versuch starten und Remus erreichen wollte, erregte ein weiterer Arbeiter seine Aufmerksamkeit.
„Ist nicht mehr nötig. Da kommt schon ein Shuttle von denen.“, sagte dieser und zeigte in eine Richtung. Isao's Blick folgte dem Fingerzeig und endlich meldete sich auch endlich sein Gefühl, dass es hier gleich richtig Ärger geben würde. Das verstärkte sich noch, als hinter dem ersten Kodiak Shuttle sogar noch vier weitere auftauchten, alle mit Kurs auf die Unglücksstelle. Jane nahm sofort ihre Pistole in die Hand und wechselte noch einen kurzen Blick mit Isao und Jacen, bevor sie sich an den Turianer wandte.
„Es wäre besser, wenn sie und ihre Leute sich schnell in Sicherheit bringen. Ich glaube nämlich nicht, dass die Typen die da kommen zu C-Sek gehören.“, sagte sie ruhig und sprang von dem Schrotthaufen herunter, mit dem sie eben noch in der Luft waren. Anschließend begab sich zusammen mit Jacen und Isao hinter einem Stapel Stahlträgern in Deckung. „Damit wir uns verstehen, das ist eine Anweisung von mir als Spectre.“, ergänzte sie noch, da sich bisher weder der Turianer, noch einer seiner Leute von der Stelle bewegten. Diese schienen zunächst ziemlich überrascht zu sein, dann aber nickte der Turianer ihr zu.
„Jetzt wo sie es sagen, erkenne ich sie. Sie sind Commander Shepard. Einem Spectre werde ich garantiert nicht widersprechen. Wir verschwinden und versuchen irgendwie C-Sek zu erreichen.“, meinte er dann und rannte zusammen mit seinen Leuten ohne zu zögern davon.
Die Flucht von den Arbeitern kam gerade noch rechtzeitig. Kaum war der Letzte verschwunden, landete das erste Shuttle und die Seitentür öffnete sich. Die Leute die ausstiegen, gehörten eindeutig nicht zum Sicherheitsdienst der Citadel. Vielmehr schien es sich um Söldner zu handeln. Sie waren vollständig vermummt und trugen eine dunkle gräuliche Panzerung, welche teilweise mit einem Tarnmuster bedeckt war. Außerdem schienen sie schwer bewaffnet zu sein. Irgendwo hatte Isao diese Ausrüstung auch schon einmal gesehen, nur konnte er sich jetzt nicht daran erinnern wo. Militärisch präzise sicherten die Neuankömmlinge die Umgebung und fingen an sich günstig zu positionieren. Ihre Gegner hatten das Trio hinter den Stahlträgern bereits entdeckt, eröffneten aber noch nicht das Feuer auf sie.
„Was sind das für Kerle?“, wollte Jacen nach einem kurzen Blick über ihre Deckung wissen, erhielt aber nur ein Schulterzucken von Jane zur Antwort.
„Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass wir hier weg müssen. Ich hab zwar eine Waffe aber keine kinetischen Barrieren.“, meinte sie und sah sich nach einer Möglichkeit zur Flucht um. Durch das ganze Baumaterial, dass hier herum stand, dürften sie einen einigermaßen guten Schutz haben. Das galt allerdings auch für ihre Gegner. Einer davon bewegte sich um die Hindernisse herum und hatte sich bereits fast so positioniert, dass er bald freies Schussfeld auf sie haben würde.
„Schön für dich. Ich habe weder das eine noch das andere.“, kam es trocken von Miller. Er suchte ebenfalls einen möglichst sicheren Fluchtweg und wirkte trotz ihrer Situation genau wie Shepard noch erstaunlich gelassen.
„Dann spiele ich wohl die Hauptzielscheibe. Ich hab meinen Gürtel mit den Barrieren an.“, meinte Isao und fühlte sich damit gar nicht wohl in seiner Haut. Die Waffen der Söldner schienen, soweit er es aus der Entfernung beurteilen konnte, ziemlich modern zu sein. Die kinetische Barriere seines Gürtels war aber nicht auf schweres Feindfeuer ausgelegt. Wahrscheinlich würde sie schon nach drei oder vier Treffern zusammenbrechen.
„Auf mein Zeichen rennt ihr mir nach. Ich führe uns hier raus.“, kam es von Jacen. Jane bestätigte sofort, während Isao kurz zögerte, nach einem strengen Blick seiner Freundin aber schnell einlenkte und ebenfalls nickte.
Gerade als einer der Söldner sie soweit umrundet hatte, dass er auf sie schießen konnte, gab Miller das Zeichen und rannte los. Jane und Isao direkt hinterher. Ein anderer Söldner rief etwas und sofort flogen ihnen die Kugeln um die Ohren. Isao erwiderte genau wie Shepard so gut es ihm beim rennen möglich das Feuer. Stück für Stück zogen sie sich zurück und wechselten so oft sie konnten die Deckung. Über sie musste ein Schutzengel wachen, denn keiner von ihnen wurde getroffen. Mehrmals mussten sie die Richtung etwas ändern, weil die Söldner versuchten ihnen den Weg abzuschneiden. Seltsamerweise schienen diese aber nach dem ersten Beschuss das Feuer schon wieder eingestellt zu haben und jagten sie jetzt nur noch durch die zum Teil verwinkelten Gänge des halbfertigen Bauwerks. Zumindest waren keine Schüsse mehr zu hören.
Recht schnell hatten sie einen Bereich erreicht, an dem die Bauarbeiten bereits abgeschlossen waren, die Einrichtung aber noch fehlte. Dadurch gingen ihnen nun kurzzeitig die Deckungsmöglichkeiten aus. Deshalb legten sie noch einen Zahn zu und konnten tatsächlich einen kleinen Vorsprung gegenüber den Söldnern mit ihrer schweren Ausrüstung heraus holen. Ohne zu stoppen, rannten sie weiter in ein benachbartes Gebäude. Jane zerschoss ganz einfach das Glas der großen Fensterfront und huschte durch den geschaffenen Eingang.
Es ging weiter durch die Räumlichkeiten, die offenbar frisch eingerichtet waren. Der Ausstattung nach zu Urteilen, handelte es sich um Büros. Da hier scheinbar aber noch niemand arbeitete, gab es kein Licht. Man konnte dennoch alles soweit erkennen ohne irgendwo dagegen zu laufen. An einem der kleinen Büros blieb Jacen stehen und trat vorsichtig ein. Hier gab es noch eine weitere Tür, die sie für die weitere Flucht nutzen konnten, sollte es notwendig werden.
„Also eines hat sich seit damals auf keinen Fall geändert. Mit dir wird es nie langweilig, Jane.“, kam es von Miller, nachdem er sich neben dem zweiten Ausgang positioniert hatte. Shepard brachte sich ebenfalls dort in Stellung, während Isao den Eingang in das Büro sicherte, durch den sie gekommen waren. Als er sich sicher war, dass sie ihre Verfolger für den Moment abgehängt hatten, versuchte er noch einmal Remus zu erreichen.
„Glaub mir Snipey, ich wünschte es wäre anders. Diese ewigen Schusswechsel und Explosionen überall, egal wo ich hinkomme, gehen mir manchmal schon auf die Nerven.“, antwortete sie etwas außer Atem, schmunzelte aber auch hörbar. „Ich wüsste nur gerne, was das für Typen sind. Das sie es direkt auf uns abgesehen haben, steht außer Frage. Du hast auch keine Ahnung oder Isao?“
Der Angesprochene sah von seinem Omnitool auf und schüttelte den Kopf. Seine versuche jemanden zu erreichen waren erfolglos geblieben. Die Söldner mussten einen militärischen Störsender dabei haben, um den Funkverkehr unterbrechen zu können. Nach einem letzten Versuch doch noch irgendwie mit Remus Kontakt aufzunehmen, gab er es dann schlussendlich auf. Alles was Isao empfing, war ein Rauschen. Als seine Augen auf Jacen fielen, bemerkte er den fast schon skeptischen Blick des Soldaten. Deshalb setzte er dazu an, eine kurze Erklärung abzugeben. Noch bevor er aber ein Wort heraus gebracht hatte, waren direkt vor dem Büroraum Schritte zu hören.
„Ja verdammt, mein Team sucht hier ja alles ab!...... Nein, es ist nicht meine Schuld, dass die falsche Munition geladen war!“, stritt sich eine eindeutig männliche Stimme scheinbar über Funk mit jemandem. Der Mann lief gerade direkt vor dem Büro vorbei, in dem sie sich versteckt hielten und war so in sein Streitgespräch verwickelt, dass er das Trio nicht bemerkte. Dabei hätte er nur kurz zur Seite sehen müssen und hätte sie durch die noch immer geöffnete Tür sofort entdeckt. Jane nickte in die Richtung des Söldners und gab ein sehr eindeutiges Handzeichen. Sollte sich gerade kein weiterer ihrer Verfolger in der direkten Nähe befinden, würden sie sich den Typ schnappen und versuchen an ein paar Informationen zu kommen. Schnell eilte sie zur Tür und warf einen Blick nach draußen in den Gang. Etwas weiter in der Richtung, aus welcher der Söldner gekommen war, konnte sie noch mehr von diesem Trupp sehen. Da es sich hier scheinbar um einen Anführer von einem der feindlichen Teams handelte, einen ziemlich unvorsichtigen dazu, witterte Jane allerdings eine Chance. Schnell gab sie Jacen und Isao mit einem Nicken zu verstehen, dass sie zugreifen würden. Die Beiden fackelten auch nicht lange und schlichen sich an den Mann an.
„Dämlicher Idiot! Nur weil ich mal einen Fehler gemacht habe, braucht er nicht immer mir die Schuld zuschieben!“, maulte der Mann noch kurz und dreht sich dann ruckartig um. Isao hatte ihm auf die Schulter getippt, sofort mit seiner Rechten ausgeholt und mit aller Kraft in einen gut gezielten Hieb, so wie Chani es ihm beigebracht hatte, auf den Kehlkopf des Söldners platziert, einem der wenigen Schwachpunkte bei dessen Panzerung. Röchelnd ging der Mann in die Knie, schnappte nach Luft und kippte dann hintenüber, da Isao ein Bein hochgezogen und es seinem Gegenüber ans Kinn gedonnert hatte. Damit war einer ihrer Verfolger vorerst außer Gefecht gesetzt.
„Das war nicht schlecht. Hätte ich gar nicht erwartet, dass du jemanden so schnell und gezielt ausschalten kannst.“, flüsterte Miller, als er zusammen mit Isao den nun bewusstlosen Mann in das kleine Büro zerrte.
„Danke. Beim Nahkampftraining mit einer Asari Frontkämpferin lernt man so einiges. Um die Frage von Jane zu beantworten. Als die Shuttles aufgetaucht sind wäre meine erste Vermutung gewesen, dass es sich um die Leute von Cerberus handelt. Ich habe mich mal kurz mit dem Unbekannten unterhalten, als er mich anwerben wollte. Dabei ist mir etwas heraus gerutscht, weswegen er mich unbedingt in die Finger bekommen will. Seitdem bin ich bei Jane geblieben. Dort bin ich zumindest halbwegs sicher. Was das hier für Kerle sind, weiß ich allerdings nicht genau. Die Panzerung von denen habe ich aber schon mal irgendwo gesehen.“, erklärte Isao leise an Jacen gewandt und brachte diesen damit zum auflachen.
„Das nenne ich frech. Sich direkt unter seiner Nase auf einem Schiff verstecken, dass er ihr zur Verfügung gestellt hat. Darauf muss man erst mal kommen.“, meinte Miller und durchsuchte den bewusstlosen Söldner nach möglichen Informationen.
„Er versteckt sich nicht wirklich. Der Unbekannte weiß, dass Isao sich bei mir aufhält. Allerdings will er meine Hilfe und weiß genau, wenn er zu offen versucht an Isao heran zu kommen, dass ich ihm diese Hilfe möglicherweise verweigere.“, antwortete Jane und spähte vorsichtig hinter ihrem Versteck hervor. Noch hatten ihre restlichen Verfolger sie nicht entdeckt. Nur würde das wohl nicht lange so bleiben. Ein paar Sekunden später hatte sich Isao in das Omnitool, sowie die Frequenz des Funkkanals der Söldner eingehackt und ließ auch seine beiden Begleiter an dem teilhaben, was gesprochen wurde. Was da aber gerade zu hören war, gefiel ihnen gar nicht.
„...ndet sie endlich! Und nur damit es auch alle wirklich kapieren! Dem nächsten der nicht mit Betäubungsmunition schießt, dem jage ich persönlich eine Kugel in den Kopf!“, stauchte einer der Söldner gerade seine Leute über Funk zusammen. „Der Boss will Hara auf jeden Fall lebend und wenn möglich Shepard auch! Sollte das nicht klappen, brauchen wir zumindest das Omnitool mit den Codes von diesem Miststück! Den anderen Kerl könnt ihr abknallen, sobald wir sie haben!“
Isao wartete noch einige Sekunden, ob vielleicht noch etwas zu hören war und fragte sich, von welchen Codes die Rede war. Da aber momentan nichts mehr kam, richtete er den Blick auf Jane. Sie wirkte besorgt, versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen und behielt den Gang genau im Auge. Anschließend sah er zu Jacen, der gerade das Sturmgewehr des Söldners genauer in Augenschein nahm.
„Ein M-96 Mattock. Fabrikneu. Ich hab schon versucht an so ein Sturmgewehr zu kommen aber der Nachschuboffizier auf meinem Schiff meinte, es wäre zu teuer.“, begann Miller und nahm dem Mann den Helm ab, um ihn ebenfalls näher zu betrachten. „Die Panzerung ist auch auf dem neusten Stand der Technik. Diese Typen sind hervorragend ausgerüstet. Ich wüsste zu gerne zu welcher Gruppierung diese Söldner gehören.“
Das Jacen damit nicht allein war, brauchte Isao nicht zu erwähnen. Er überlegte weiterhin fieberhaft, woher er das Aussehen der Panzerung des Söldners kannte. Er wusste genau, dass er diese Ausrüstung schon einmal gesehen hatte und hatte sogar schon eine Vermutung. Bevor er aber wirklich darauf kommen konnte, kam plötzlich Jane mit hektischen Schritten zu ihnen.
„Wir müssen weiter! Sofort!“, drängte sie leise zur Eile, da ihre Verfolger scheinbar in ihre Richtung kamen. Schnell nahm Jacen die Waffe des Söldners, sowie noch einige Thermomagazine aus dessen Panzerung an sich und verließ zusammen mit den anderen durch die zweite Tür das kleine Büro. Schon nach wenigen Metern erklang wieder ein Funkspruch von einem ihrer Verfolger.
„Scheiße! Jemand hat Maxwell niedergeschlagen! Die müssen sich irgendwo hier herum treiben!“, meldete eine weitere Männerstimme an die restlichen Söldner. Sofort beschleunigte das Trio ihre Schritte und versuchte dabei möglichst leise zu sein. Jetzt da ihre Verfolger eine Spur hatten, würden sie aufpassen müssen um nicht entdeckt zu werden.
Ihre Flucht ging weiter durch die Büros, wurde aber zunehmend schwieriger. Es schienen immer mehr Söldner zu werden. Mehrmals mussten sie sich einen anderen Weg suchen. Inzwischen ging Jane an der Spitze, dicht gefolgt von Isao und Jacen als Schlusslicht. Es gab immer wieder Funksprüche, die mal mehr aber zumeist weniger sinnvoll, sogar verwirrend waren. So diszipliniert wie die Söldner anfangs noch gewirkt hatten, so chaotisch verhielten sie sich nun. Dieser Umstand spielte den Flüchtenden aber in die Hände. Ansonsten hätte man sie bestimmt schon geschnappt. Zu ihrem Pech gab es aber scheinbar unter ihren Verfolgern doch jemandem mit etwas mehr Grips.
Sie waren gerade einem Suchtrupp ausgewichen und Jane hatte sie weiter gewunken, da tauchte direkt neben ihr ein Nachzügler auf, der nicht wie der Rest seines Trupps dicht aufgeschlossen unterwegs war. Sie hatte gerade noch genug Zeit die Augen auf den Söldner zu richten, da hatte dieser ihr bereits einen Hieb ins Gesicht verpasst. Mit einem dumpfen Keuchen ging sie zu Boden und ihr Angreifer richtete die Waffe auf sie, kam aber nicht mehr dazu abzudrücken. Isao war sofort nach vorne geprescht und hatte die Waffe des Mannes mit einer Hand zur Seite geschlagen. In einer simplen Bewegung aktivierte er die Omni-Klinge an seiner rechten Hand und rammte sie seinem Gegenüber schräg von oben durch die Brust direkt ins Herz. Der extrem heißen Klinge hatte dessen Panzerung nichts entgegen zu setzen. Der Söldner war tot, bevor er genau wusste was passiert war. Als Isao sich umdrehte, half Jacen Jane bereits wieder auf die Beine. Sie hatte eine sichtbare Schramme im Gesicht und leichtes Nasenbluten.
„So geht das hier nicht weiter. Wir können nicht ewig davon laufen und uns verstecken.“, meinte Isao mit einem Blick auf die Leiche des Söldners zu seinen Füßen. Schon in den letzten Minuten war in ihm die Befürchtung aufgestiegen, dass sie es nicht schaffen würden ihren Verfolgern zu entkommen. Nach diesem Zusammenstoß eben war er sich sogar sicher, dass sie geschnappt werden würden. Es waren inzwischen einfach zu viele Gegner, als das sie sich noch lange verstecken konnten. Deshalb fasste er einen Entschluss. „Ich werde diese Kerle ablenken, damit ihr zwei entkommen könnt.“, sagt er und deaktivierte schnell den Schutzmechanismus seiner Pistole, damit Jacen sie verwenden konnte.
„Auf keinen Fall lasse ich dich allein! Wenn die dich erwischen, machen die sonst was mit dir!“, meinte Jane sofort und trat zu Isao. Sie wischte sich mit dem Ärmel ihrer Bluse das Blut aus dem Gesicht und wollte schon weiter sprechen, da legte Isao ihr einen Finger auf die Lippen und schüttelte den Kopf.
„Das ist mir bewusst. Aber besser sie schnappen nur mich, als das sie uns alle erwischen.“, sagte er zu ihr und strich sanft über die Schramme an ihrer Wange. „Mich wollen sie lebend was bedeutet, dass ich gute Chancen habe zu entwischen. Bis die mit ihren Betäubungsschüssen die kinetischen Barrieren meines Gürtels durchdringen, dauert es nämlich eine ganze Weile. Du und Jacen, ihr habt diesen Vorteil nicht. Sollte einer von euch getroffen werden, dann war es das für uns alle, weil zurückgelassen wird keiner. Damit wäre auch deine Aufgabe die Kollektoren und die Reaper aufzuhalten zum scheitern verurteilt.“
Jane wollte bereits etwas darauf erwidern, fing dann aber doch an nach diesen Argumenten darüber nachzudenken, bis sie kurz den Kopf hängen ließ und gefrustet ausatmete. „Stimmt, die Mission geht immer vor.“, murmelte sie etwas niedergeschlagen und sah ihn wieder an. „Versprich mir, dass du vorsichtig bist. Keine Heldentaten! Lenk sie nur kurz ab und verschwinde. Verstanden?“, wies sie ihn dennoch eindringlich an. Isao nickte sofort und versprach ihr sehr vorsichtig zu sein, bevor er sich an Jacen wandte und ihm seine Pistole hin hielt.
„Lass uns tauschen. Falls es wieder erwartend doch schief gehen sollte will ich nicht, dass die Kerle meine Waffe in die Finger bekommen. Ist eine Spezialanfertigung. Sie hat zwar eine Sicherung gegen Fremdzugriff eingebaut aber man weiß ja nie.“, sagte Isao zu Miller. Dieser hatte sich bisher heraus gehalten und die Szene beobachtet. Nachdem sie die Waffen getauscht hatten, wurde Isao noch kurz von Jacen in die Handhabung des Mattock eingewiesen. Die wenigen Thermomagazine dafür verstaute er in einer der Taschen seiner Cargohose. Anschließend machte er sich auf den Weg. Er schlich zur Ecke des Ganges, an welcher der letzte Suchtrupp verschwunden war und sah noch einmal zurück zu Jane. Isao versuchte selbstsicher zu Lächeln, obwohl er sich nicht wirklich so fühlte. Scheinbar brachte er es aber überzeugend hin, da Shepard ebenfalls kurz lächelte. Dann ging er weiter und versuchte sich etwas einfallen zu lassen, wie er die Aufmerksamkeit der Söldner am effektivsten auf sich ziehen konnte. Wobei dass wohl das kleinste Problem sein dürfte. Schwieriger würde es sein, danach auch heil davon zu kommen.
Geduckt folgte Isao dem Suchtrupp und fing schnell an sich über die Söldner zu wundern. Keiner von ihnen sicherte ihren Rücken und es schien auch noch nicht aufgefallen zu sein, dass einer aus ihrem Trupp fehlte. Möglicherweise war es aber eben dieser Söldner gewesen, welchen er getötet hatte, der den Rest nach hinten absichern sollte. Auf jeden Fall hatte Isao jetzt eine Idee, wie er diese Typen ein wenig an der Nase herum führen konnte. Sie alle befanden sich jetzt in einer Art Großraumbüro mit vielen kleinen Arbeitsplätzen, die durch schulterhohe Wände voneinander getrennt waren. Er huschte in eine der Zellen und versteckte sich unter dem Schreibtisch, um nicht so schnell entdeckt zu werden. Dann verband er sein Omnitool mit dem dortigen Computer und hätte jubeln können. Das Netzwerk des Bürogebäudes war bereits voll funktionsfähig was bedeutete, dass er auf alles zugreifen und seinen Plan umsetzen konnte. Schnell hatte er sich eine Übersicht verschafft und sogar interne Überwachungskameras gefunden und angezapft. Dadurch konnte er die Bewegungen von mehreren Trupps der Söldner in den Gängen des Gebäudes beobachten. Auch Jane und Jacen hatte er entdeckt. Am wichtigsten waren ihm aber im Moment die fünf Söldner, denen er eben hinterher geschlichen war. Mit flinken Eingaben übertrug er das Programm seiner Zeichentrick-Asari in das System des Gebäudes und aktivierte im richtigen Augenblick den Bildschirm an dem Arbeitsplatz, an welchem seine Verfolger gerade vorbei gingen. Einer der Söldner hatte scheinbar einen recht nervösen Zeigefinger. Kaum leuchtete der Bildschirm auf, wirbelte der Mann herum und schoss mehrere Betäubungskugeln darauf ab, verfehlte ihn aber.
„Verflucht Smith! Was soll der Blödsinn?!“, fuhr einer den Nervösen in einer Lautstärke an, das Isao selbst am anderen Ende des großen Büroraums jedes Wort verstehen konnte.
„Das Ding hat sich von allein eingeschaltet!“, verteidigte sich der Nervöse sofort mit leicht überschlagender Stimme.
Isao schüttelte fassungslos den Kopf. Ihm kam die Vermutung, dass einige von den Kerlen psychisch instabil sein könnten. Zumindest der nervöse Typ machte den Eindruck, dass er besser keine Waffe in der Hand haben sollte. Anstatt darüber nachzudenken, setzte Isao sein Vorhaben weiter um und hörte, wie die Söldner sich weiter stritten. Nach weiteren schnellen Eingaben auf seinem Omnitool war er fertig und aktivierte nun noch die Lautsprecher am Arbeitsplatz, an welchem die Söldner standen. Anschließend drückte Isao auf Wiedergabe und sofort erklang ein Song aus seiner Sammlung, zu welchem sich seine Zeichentrick-Asari nun bewegte und sang. Über die Überwachungskameras konnte Isao sehen, wie sich seine Verfolger dem Schauspiel auf dem Bildschirm zuwandten und sichtlich irritiert wirkten. Vorsichtig kam er aus seinem Versteck und schlich sich näher an die Männer an. Er wollte ihnen in den Rücken fallen und so ein wenig Chaos stiften, musste sich aber beeilen, da das Lied nicht ewig laufen würde. Sein Plan ging auf. Die Söldner wunderten sich deutlich über das, was sie da sahen und achteten nicht weiter auf ihre Umgebung. Ein schwerwiegender Fehler, wie sie gleich merken sollten.
Isao war inzwischen in Position und kaum verstummte die Musik, kam er aus seinem Versteck, jagte den fünf Söldnern eine Ketten-Überlastung in den Rücken und deaktivierte so deren Barrieren. Kaum hatte er das getan, eröffnete er mit dem Mattock das Feuer. Mindestens einen seiner Gegner konnte er so erledigen und zwei weitere zumindest verletzen. Seine kinetischen Barrieren blitzen mehrmals auf, als die übrigen Söldner ihn noch kurz mit der Betäubungsmunition beschossen. Dann begriffen sie offenbar, dass sie Isao damit nicht ausschalten konnten und begaben sich in Deckung.
„Verdammte Scheiße! Ich dachte der Kerl ist nur leicht bewaffnet! Wir brauchen hier sofort etwas Unterstützung!“, konnte er einen seiner übrigen Gegner über Funk hören. Isao gab noch eine kurze Salve ab, bis er das Thermomagazin austauschen musste und nahm anschließend die Beine in die Hände. Weit kam er aber nicht. Aus dem Gang, welchen er als Fluchtweg nutzen wollte, kam ihm bereits ein weiterer Suchtrupp seiner Verfolger entgegen. Fluchend blieb Isao schlitternd stehen, änderte die Richtung und suchte nach einem andern Weg. Dabei begegnete er aber einem der vier Überlebenden des ersten Trupps, welcher einige Betäubungskugeln auf Isao abfeuerte, die aber wie zuvor an seiner kinetischen Barriere abprallten. Der Söldner dagegen hatte nicht soviel Glück, da sich seine Barrieren nach der Überlastung noch nicht wieder aufgeladen hatten. Nach ein paar Schüssen des Mattocks aus kaum zwei Meter Entfernung, lag ein weiterer von Isao's Verfolgern tot am Boden.
„Da vorne ist er!“, brüllte jemand, worauf sich Isao herum drehte und den Rest des Magazins auf einige seiner Verfolger abfeuerte, um sie in Deckung zu zwingen. Anschließend steuerte er die nächstliegende Tür an. Ohne lange nachzudenken rannte Isao hindurch und stieß direkt mit jemandem zusammen. Gleichzeitig landeten er und die Person, bei der es sich dem überraschten Aufschrei nach zu Urteilen um eine Frau handelte, nebeneinander am Boden. Kurz sahen sie sich direkt in die Augen, bevor Isao seine Waffe auf die Söldnerin ausrichtete und abdrückte. Mit einem Satz war er danach wieder auf den Beinen und spurtete weiter.
Bei einem Blick über die Schulter konnte er hinter sich mindestens zehn Personen sehen, die ihn beschossen und eines war ihm klar. Würden diese Typen scharfe Munition nutzen, dann wäre er bereits tot. Auch so erklang bereits ein Warnsignal von seinen Barrieren, weswegen Isao mehrmals stoppen musste um kurz in Deckung zu gehen, damit sie sich ein wenig regenerieren konnten. Dabei feuerte er mit dem Mattock zurück und versuchte so seine Verfolger auf Abstand zu halten. Lange konnte er dieses Spielchen allerdings nicht mehr machen. In seiner Tasche befanden sich nur noch zwei Thermomagazine und eines davon würde er gleich brauchen.
Gerade als er weiter eine nahe Treppe nach unten rennen wollte, bemerkte er im Augenwinkel ein bläuliches Leuchten. Isao wirbelte herum und befürchtete schon, dass es unter den Söldnern auch Biotiker gab und er gleich einem solchen gegenüber stand. Stattdessen aber flogen gleich drei Drohnen aus der entgegengesetzten Richtung, aus welcher er beschossen wurde, auf ihn zu. Diese Drohnen waren aber nicht einfach rund, wie die normale Ausführung, sondern hatte noch zwei Zacken und sahen dadurch fast aus wie eine Art Abfangjäger. Ohne zu zögern schoss Isao auf diese neue Gefahr, konnte jedoch nur zwei davon schnell genug ausschalten. Die Dritte erreichte ihn und vollführte einen Kamikaze-Angriff, indem sie dicht neben ihm hoch ging. Das hatte zur Folge, dass seine Barriere komplett unten war.
„Seine Schilde sind hinüber!“, rief jemand und Isao bekam nun doch leichte Panik. Jetzt war er völlig schutzlos. Ein Treffer und es wäre vorbei. Er würde warten müssen, bis sich seine kinetischen Barrieren zumindest ein klein wenig wieder aufgeladen hätten. Nur hatte er nicht mehr die Zeit dafür. Sein Vorsprung gegenüber seinen Verfolgern war auf unter zehn Meter geschrumpft, weswegen er sofort weiter musste. Da half also nur volles Risiko. Isao lud sein letztes Magazin in das Sturmgewehr, sprang auf und hechteten hinüber zum Abgang der Treppe. Das Schicksal schien es gut mit ihm zu meinen, da er zwar getroffen wurde, allerdings nur an seinem rechten Arm. Bei dem synthetischen Material waren die Betäubungskugeln wirkungslos. Für einen Augenblick blieb Isao an die Wand gelehnt stehen und atmete durch. Plötzlich trat einer seiner Gegner um die Ecke und wollte bereits feuern, jagte die Kugeln aber nur in die Wand, an welcher Isao eben noch gestanden hatte. Er hatte sofort reagiert und sich von der Mauer abgestoßen. Gleichzeitig feuerte er seinem gegenüber die restliche Schüsse aus seinem letzten Magazin entgegen und warf die nun nutzlose Waffe auf einen weiteren Söldner, bevor er sich mit einem großen Sprung über mehrere Stufen nach unten rettete.
„Shit! Shit! Shit! Warum wollte ich bloß den Lockvogel spielen!?“, fluchte Isao laut und nahm die Treppe nach unten so schnell es ihm möglich war. Unten angekommen verließ ihn sein Glück beinahe wieder. Es gab nur eine Richtung in die er weiter konnte und dort standen bereits zwei seiner Verfolger. Isao zuckte zusammen als er sah, wie die beiden Männer ihn beschossen, die Geschosse dann aber von seiner wieder aufgeladenen Barriere aufgehalten wurden. Das brachte ihm einige wertvolle Sekunden ein, die er nutzte und die Distanz zu seinen Gegnern überbrückte. Diese hatten nicht damit gerechnet, dass er in den direkten Nahkampf über gehen würde. Isao zielte wie bei dem ersten Söldner, welchen er zusammen mit Jane und Jacen ausgeschaltet hatte, auf den Hals und ließ den Mann röchelnd zu Boden gehen. Der zweite allerdings wurde zu einem ziemlichen Problem, als der Kerl plötzlich ein Messer zog und damit auf Isao los ging. Während der folgenden Rangelei, die nur wenige Sekunden dauerte, wurde er von dem Söldner mit der Klinge am rechten Oberschenkel verletzt. Kurz darauf schaffte er es aber seinem Gegenüber die Omniklinge in den Körper zu rammen.
Lange verschnaufen konnte er jetzt aber nicht, da er bereits die Schritte seiner restlichen Verfolger hören konnte und sich der erste Söldner bereits wieder aufrichtete. Das sie ihn plötzlich so effektiv einkreisen würden, damit hatte Isao nicht gerechnet. Er hatte gehofft, etwas mehr Zeit für seine Flucht zu haben. So schnell er konnte humpelte er weiter und drückte eine Hand auf die tiefe Stichwunde an seinem Oberschenkel. So stark wie seine Verletzung blutetet, konnte er nur hoffen, dass keine Arterie verletzt war. Er merkte nun aber, dass er viel zu langsam unterwegs war. Trotzdem kam er noch recht weit, bevor ihn der erste Söldner erreichte und zu Boden riss. Erneut aktivierte Isao seine Omniklinge und stach sie seinem gegenüber in den Bauch. Dann war es aber vorbei. Seine übrigen Verfolger hatten ihn nun ebenfalls erreicht. Einer von ihnen hielt Isao's rechten Arm fest, während sich noch zwei andere ebenfalls auf ihn stürzten. Dennoch wollte er nicht kampflos aufgeben und wehrte sich weiterhin so gut er konnte. Er schaffte es sogar kurz einen von diesen Kerlen mit einem Tritt seines unverletzten Beines von sich zu stoßen. Hier zahlte sich die Schinderei von Training mit Chani tatsächlich einmal richtig aus. Die Söldner waren zwar weit in der Überzahl, hatten aber sichtlich Mühe Isao zu bändigen.
„Betäubt ihn endlich!“, brüllte jemand und nur einen Moment darauf spürte Isao, wie er von zwei Betäubungskugeln aus nächster Nähe getroffen wurde. Nur einen Augenblick später wurden seiner Glieder schwer und er verlor seine Kraft. Er merkte noch, wie er losgelassen wurde und ihm die Augen zu fielen, bevor er in eine tiefe Bewusstlosigkeit glitt.
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