Long nights of never sleeping

von Shinosuke
GeschichteRomanze / P12
Adam Parrish Ronan Lynch
09.04.2017
09.04.2017
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Es war warm. Das war das erste, was Adam erkannte, als er langsam wach wurde. Je mehr er zu sich kam, desto mehr wurde er sich bewusst, dass er nicht bequem lag. Ein dumpfes Ziehen wie von einem Muskelkater breitete sich von seinem Nacken über die Schulter bis in seinen Unterarm aus. Er lag auf der Seite, den rechten Arm um den Körper geschlungen und erst als er die Hand zurückzog, um den Arm auszuschütteln, dämmerte es ihm, dass jemand seine Hand hielt.

Müde blinzelnd drehte er den Kopf, um einen Blick über seine Schulter zu werfen, doch sein steifer Nacken ließ das kaum zu. Mit einem halbherzigen Murren, gedämpft von einem Sofakissen, ließ er den Kopf wieder zurücksinken, die Augen geschlossen. Er musste nicht sehen, wer da die Finger mit seinen verwebt hatte, es konnte nur Ronan sein, aber der Impuls, diesem unerwarteten Kontakt nachzugehen, war im Halbschlaf zu stark gewesen. Seit fast einem Jahr lebte Adam bereits allein und mit jemandem in seiner unmittelbaren Nähe aufzuwachen, hätte noch vor einigen Monaten sicher vieles in ihm ausgelöst, aber nicht das Gefühl, sicher zu sein.

Adam atmete tief ein, zog die Schultern hoch und streckte seine gegen die Sofalehne gefalteten Beine aus bis seine nackten Füße unter der dünnen Wolldecke hervorschauten. Adam zählte gedanklich bis drei, ehe er die Spannung löste, langgezogen ausatmete und die Beine wieder zum Körper zog. Ein wenig umständlich -um nicht vom Rand des Sofas zu fallen- drehte er sich auf den Rücken, Ronans Hand ließ er dabei nicht los. Adam reckte den Kopf so weit er konnte nach hinten, um Ronan anzusehen, der neben ihm saß, seinen Kopfhörer auf den Ohren und mit seinen wachen Augen auf ihn herab sah. Ob er wohl geschlafen hatte?

„Guten Morgen, Dornröschen.“, sagte Ronan mit einem spitzen Unterton, der eine Provokation enthielt, die Adam in seinem Zustand ins Leere laufen ließ. Ronan schien das nicht zu stören, das ließ zumindest sein zufriedener Blick vermuten. Adam wartete, bis Ronan mit seiner freien Hand seinen Kopfhörer absetzte, doch sobald er das tat, stöhnte Adam frustriert auf. Er konnte die elektronischen Melodien und Beats, die Ronan normalerweise hörte meist tolerieren, aber was nun leise und verzerrt aus den Ohrmuscheln des Kopfhörers plärrte, war einfach zu keiner Tageszeit akzeptabel.

„Ronan!“, beschwerte er sich, griff mit der freien linken Hand hinter sich, fand den iPod und zog den Stecker des Kopfhörerkabels heraus, bevor die blasphemische Imitation einer Melodiestimme „Squash Four“ erreicht hatte. „Dafür ist es echt zu früh…“

Ronan lachte sein zufriedenes, sadistisches Lachen und schaltete den iPod aus. „Es ist immer Zeit für gute Musik, außerdem ist es halb zehn.“, sagte er und beobachtete ungerührt, wie Adam innerhalb einer Sekunde von verschlafen zu hellwach wechselte.

„Halb zehn?!“, wiederholte er und setzte sich auf. Sein erster Blick ging zu seinem Handgelenk, doch er trug seine Armbanduhr nicht, also sah er sich im Raum um. „Warum hast du mich nicht geweckt?!“ Er fand keine Uhr, beschloss aber, Ronan einfach zu glauben. Hektisch wickelte er sich aus der Decke, die sich beim Umdrehen um seinen Körper gewickelt hatte. Die Hosenbeine seiner Jeans waren bis zu den Knien hochgerutscht, das T-Shirt von gestern Abend verknautscht, als er aufstand.

„Wieso sollte ich? Du verpasst doch nichts und kannst ein wenig Schlaf ganz gut gebrauchen.“, sagte Ronan achselzuckend und breitete sich sofort weiter auf dem Sofa aus, sobald Adam den Platz freigemacht hatte.

„DU verpasst nichts.“, korrigierte Adam. „ICH schon.“ Auch wenn er es nicht guthieß, dass Ronan seit ihrem Abenteuer mit dem Dämon keinen Fuß mehr in die Aglionby Academy gesetzt hatte, wusste er doch, dass er an dieser Entscheidung nichts ändern konnte. Das hieß allerdings noch lange nicht, dass er es einfach hinnehmen musste, wenn Ronan ihn in seinen Schulabbruch mit hineinzog. Ronan sah ihn als Antwort bloß abwartend an.

Adam winkte ab und ging ins Bad, um sich ein wenig Wasser ins Gesicht zu spritzen und den letzten Rest Schlaf aus seinem Gesicht zu vertreiben. Vielleicht schaffte er es noch zu Geschichte, doch er würde sich zuhause umziehen müssen, bevor er zur Schule konnte; seine Uniform hatte er nicht mitgebracht. Wahrscheinlich war er einfach auf dem Sofa eingeschlafen, nachdem sie-

Das Wasser lief noch, während Adam sein Spiegelbild ansah. Langsam zeichnete sich Erkenntnis auf seinem Gesicht ab und er verdreht seufzend die Augen. Er drehte den Wasserhahn zu, trocknete seine Hände und sein Gesicht ab und ging zurück ins Wohnzimmer. Ronan sah von Chainsaw auf, die Adams leeren Platz eingenommen hatte, und grinste.

„Heute ist Samstag.“, bemerkte Adam trocken und Ronan belohnte diese Erkenntnis mit einer Fingerpistole und einem Zungenschnalzen, das Chainsaws Interesse von Adam wieder zu Ronan lenkte. „Du hättest etwas sagen können.“

Ronan zuckte unbekümmert mit den Schultern und stand auf. „Bin ich dein Kalender? Ich habe was gesagt. Frühstück?“ Adam sah ihn einen Moment lang an, entschied dann, dass die Diskussion beendet war und nickte. „Frühstück.“, bestätigte er und folgte Ronan und Chainsaw in die Küche.