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People always leave

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Koushirou "Izzy" Izumi und Tentomon Mimi Tachikawa und Palmon Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
08.04.2017
09.11.2020
23
69.706
8
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.05.2017 3.139
 
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Halli hallo ihr Lieben!! Endlich hab ich es mal geschafft ein neues Kapitel hochzuladen ;P Ich hoffe, es ist nicht zu verwirrend, weil es aus drei verschiedenen Perspektiven geschrieben ist: Mimi, Izzy & Kyle. Ihr bekommt jedenfalls schon mal einen ersten Eindruck von Izzys Gefühlswelt und von Kyle... mehr verrate ich noch nicht. Bis bald :P
Fast wieder vergessen... ein bisschen Mucke... kennt sicher jeder aus "Eiskalte Engel" ;) Placebo - Every you every me
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„Hey, wo warst du?“
Fragend sah er sie an, während Mimi ihre Schuhe in eine Ecke seines Zimmers schmiss. Kyle saß auf dem Bett und hatte ein Buch in der Hand.
„Spazieren“, antwortete die Brünette knapp und wirkte dabei leicht gestresst. Das zweite Zusammentreffen mit Tai innerhalb so kurzer Zeit hatte sie ziemlich aufgewühlt. Immer noch schaffte er es sie durch seine bloße Anwesenheit nervös zu machen.
„Spazieren?“ Kyle runzelte misstrauisch die Stirn. „Mit wem?“
Mimi stöhnte leicht genervt auf. Vertrauen war noch nie seine Stärke gewesen. Aber sie konnte ihm ja auch schlecht sagen, dass Tai in der Stadt und dass sie eben bei ihm war. Das würde er sicher nicht gut finden. Und da Tai ja auch schon bald wieder weg war, war es die Mühe nicht wert es ihm lang und breit zu erklären.
„Mit Alison.“
Kyle überlegte kurz, als würde er nicht wissen, ob er ihr glauben sollte. Aber es blieb ihm nichts Anderes übrig, also zuckte er mit den Schultern und sah wieder in sein Buch.
Mimi setzte sich neben ihn und schielte hinein. „Was machst du da?“
„Ich lerne, das siehst du doch.“
Die Studentin verzog den Mund und ließ die Schultern hängen. „Schade.“
Kyle zog eine Augenbraue nach oben, klappte das Buch zusammen und legte es zur Seite. Er lehnte sich zu ihr hinüber. „Ich kann auch aufhören“, hauchte er in ihr Ohr und gab ihr einen sanften Kuss auf den Hals. Mimi wich zurück und schob ihn sanft von sich. Das hatte sie nicht damit gemeint, als sie sagte, es wäre schade.
„Das sollte keine Aufforderung sein.“
Kyle grinste. „Du musst mich auch nicht auffordern.“ Erneut versuchte er sie zu küssen, doch sie drückte ihn wieder von sich. „Kyle, bitte. Ich bin wirklich nicht in der Stimmung.“
Er hielt inne und sah sie verwirrt an. „Nicht?“
„Nein, wirklich nicht. Stell dir vor, man kann auch noch andere Sachen tun, außer miteinander zu schlafen“, sagte Mimi leicht gereizt.
„Und was?“
Unfassbar. Entsetzt sah sie ihn an, bevor er anfing zu grinsen. „War doch nur ein Scherz. Was willst du denn machen?“
„Ähm… ich weiß nicht“, antwortete sie und zuckte leicht mit den Schultern. „Vielleicht können wir einfach nur reden.“ Reden war eine gute Idee. Das kam in der letzten Zeit eh zu kurz und vielleicht würde er ihr ja diesmal sogar zuhören.
Kyle lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Und über was willst du reden?“
„Na ja, also…“, setzte Mimi an, doch weiter kam sie leider nicht. Sein Handy klingelte und er zog es aus seiner Hosentasche. „Hey, was gibt’s?“
Etwas verdattert saß Mimi da und fragte sich, ob das gerade sein Ernst war.
„Klar, bin sofort da.“
Er legte auf. Und so, wie er sie ansah, bedeutete das, dass das Gespräch zwischen ihnen jetzt zu Ende war.
„Soll ich raten?“, fragte Mimi mit einem ironischen Unterton in der Stimme.
„Das war Scott“, erklärte Kyle, als wäre das eine Überraschung. War es aber nicht.
„Und was wollte er?“
„Das Übliche. Ich soll ihm wieder irgendwelche Mathe Aufgaben erklären. Er schreibt bald eine Prüfung.“
Mimi ließ den Kopf hängen. Sie wusste, dass „Mathe“ nur das Synonym für irgendetwas anderes war, doch was das war, wollte sie gar nicht wissen. Kein Mensch konnte so viel Mathe lernen, wie Scott es angeblich tat. Und seit ein paar Tagen bekam sie Kyle deswegen fast gar nicht mehr zu Gesicht.
„So oft, wie ihr Mathe lernt, sollte er bald Professor an der Uni werden“, warf sie dennoch sarkastisch in den Raum.
Kyle lachte kurz auf, da er das offensichtlich als Spaß verstand. Was es für Mimi allerdings ganz und gar nicht war. Sie wusste nicht, warum er so oft mit Scott abhing oder was sie taten, wenn sie alleine waren und das war vermutlich auch besser so. Und doch wurmte es sie, dass sobald Scott anrief, sie nur noch an zweiter Stelle stand. Oder an dritter. Oder an welcher auch immer. Aber das hatte eigentlich noch nicht einmal etwas mit Scott selbst zu tun. Das war auch so oft genug der Fall.
„Ich komme später wieder. Bis dann, Süße“, sagte Kyle wie selbstverständlich, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und war auf und davon. Wieder einmal. Natürlich fragte er sie nicht, ob es ihr recht war. Das war eben nicht seine Art.
Mimi wusste, dass es Kyle wahrscheinlich nicht besonders ernst war mit ihrer „Beziehung“ oder was immer sie auch hatten. Dafür war er einfach nicht der Typ. Und dennoch tat es weh, wenn er sie sitzen ließ. Irgendwie hatte sie sich eingeredet, dass sie eine innigere Verbindung hätten, durch alles was sie in den letzten Monaten zusammen erlebt hatten. Doch durch solche Situationen führte er ihr immer wieder das Gegenteil vor Augen. Er hätte doch sehen müssen, dass es ihr nicht gut ging. Dass sie irgendetwas belastete. Er hätte wissen müssen, dass Mimi so gut wie nie spazieren ging und dass das nur ein Vorwand war. Er hätte sie einfach nur fragen müssen und vielleicht hätte sie ihm sogar gesagt, was sie bedrückte. Nämlich die Tatsache, dass Tai hier war. Dass gerade alles Geschehene wieder hochkam und allein seine Anwesenheit ihr die Kehle zuschnürte.
Es war völlig verdreht. Tai, der sie zehn Monate nicht gesehen hatte, bemerkte sofort, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Dass sie nicht mehr die Alte war. Und Kyle… Kyle sah sie fast jeden Tag und er verlor keinen Ton darüber, dass sie sich verändert hatte. Dass es ihr immer noch nicht gut ging, obwohl sie jeden Tag ihr Bestes gab, um das zu verbergen. Aber vielleicht war es ihm auch egal…
Seufzend ließ sie sich auf sein Bett fallen und schloss die Augen. Irgendwann würde schon alles gut werden – redete sie sich immer wieder ein. Irgendwann. Oder sobald Tai wieder verschwunden war.

***


„Und, wie war’s?“
„Hm?“
Völlig in Gedanken versunken sah Tai das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit von seinem Laptop auf. Er saß auf dem Sofa, wahrscheinlich schon seit Stunden. Izzy stand vor ihm und sah ihn gespannt an. Er hatte einfach völlig die Zeit vergessen. Es war jetzt schon Stunden her, dass Mimi und auch Alison gegangen waren und immer noch hatte er keine Antwort darauf, was er tun sollte.
„Na, was hat Mimi gesagt?“
Tai runzelte die Stirn. „Willst du das wirklich wissen?“
Izzy warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu, woraufhin Tai aufstöhnte. „Sie möchte, dass ich wieder gehe.“
„Okay“, meinte Izzy und legte ein nachdenkliches Gesicht auf. „War ja klar, dass sie keine Luftsprünge macht, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie dich ernsthaft bittet… Tai? Was machst du da?“ Izzy war um das Sofa herumgegangen und erhaschte beim Sprechen einen Blick auf Tais Laptop. Seine Augen blieben an dem Bildschirm haften und er nahm die Seite genauer unter die Lupe.
„Was soll das? Ein Flug von New York nach Tokyo?“, fragte er nun empört. „Du willst abhauen?“
Tai rümpfte die Nase und klappte den Laptop zu. Was mischte er sich da überhaupt ein? Das ging ihn doch gar nichts an.
„Vielleicht. Ich weiß es noch nicht.“
Izzy verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so schnell aufgibst.“
„Ich gebe nicht auf.“
„Ach, nein? Das sieht aber ganz danach aus.“
„Das geht dich nichts an“, entgegnete Tai kühl und stand auf.
Izzy warf ihm einen ziemlich wütenden Blick zu. „Pah! Und du sagst, du liebst sie!“
Okay, das war zu viel. Tai wirbelte herum und musste an sich halten, einigermaßen ruhig zu halten.
„Man, Izzy. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht was ich tun soll, okay? Natürlich liebe ich sie. Aber falls du es noch nicht bemerkt hast: sie will mich nicht hierhaben! Vielleicht ist es dann wirklich besser, wenn ich sie in Ruhe lasse.“
„Ja, Tai… und so was nennt man aufgeben“, antwortete Izzy äußerst resigniert, was Tai nur noch wütender werden ließ.
„Warum ist dir das überhaupt so wichtig?“, fragte er entrüstet. „Dir kann es doch völlig egal sein, was mit uns beiden passiert!“
„Ist es aber nicht“, unterbrach Izzy ihn und wurde nun äußerst ernst. „Falls du das vergessen hast, wir waren mal Freunde. Wir alle drei. Ziemlich gute sogar. Und ich weiß, dass es euch nicht gut geht, euch beiden nicht. Das sieht man.“
„Oh, wie selbstlos von dir“, blaffte Tai ihn an. Er war so wütend auf Izzy, dass er ausgerechnet jetzt mit der Freunde-Nummer kam. Als ob ihre Freundschaft tatsächlich nach allem was passiert war noch eine Chance hätte. „Du willst doch nur dein Gewissen erleichtern, weil du damals scheiße gebaut hast.“
Izzy zuckte zurück und in diesem Moment fiel auch Tai auf, wie hart er seine Worte gewählt hatte. Er wusste doch schließlich gar nicht, welche Absichten Izzy tatsächlich mit dem Ganzen verfolgte und früher hätte er ihm so etwas Egoistisches niemals unterstellt.
„Mach, was du willst“, meinte Izzy dann jedoch nur und ging zu seinem Zimmer zurück. „Aber ich an deiner Stelle… ich würde nicht gehen.“

***


„Willkommen, Mr. Izumi. Bitte setzen Sie sich doch. Mr. Kendler wird gleich für sie da sein.“
„Danke.“
Eine Sekretärin führte Izzy in den Wartebereich, wo er Platznehmen durfte. Eigentlich sollte er sich auf sein bevorstehendes Gespräch konzentrieren. Schließlich war das ein großer Auftrag und eine riesen Chance für ihn, sich einen Namen zu machen. Doch alles, was ihm im Kopf rumgeisterte war Mimi. Warum wollte sie Tai nicht sehen? Warum wollte sie ihn nicht hier haben? In den letzten Tagen hatte er oft daran gedacht, wie sie damals gegangen war. Sie hatte sich dazu gezwungen gefühlt, weil einfach zu viel passiert war und sie Abstand brauchte. Das alles hatte er verstanden. Und er hatte sie gehen lassen. Seitdem waren zehn Monate vergangen, in denen er nichts von ihr gehört oder gesehen hatte. Diese Tatsache tat ihm sehr leid. Zu gerne hätte er gewusst, wie es ihr ging oder was sie so machte. Doch ihre Freundschaft endete mit dem Tag ihres Abschlussballs und daran war er ganz allein schuld.
Tai hatte recht. Er hatte ein schlechtes Gewissen, denn er wusste, dass das alles nicht passiert wäre, wenn er sich nicht in Mimi verliebt hätte. Wenn er nicht Tai als Freund ausgenutzt hätte. Wenn er sich nicht zwischen sie gestellt und versucht hätte einen Keil zwischen die beiden zu treiben. Am Ende hatte er nicht nur einen Freund, sondern auch eine Freundin verloren. Und auch der Kontakt zu den Anderen war seitdem etwas eingeschlafen, was er durchaus verstehen konnte. Wie gerne wäre er auch einfach wie Mimi abgehauen, ohne zurück zu sehen. Doch was würde das ändern? Das schlechte Gewissen würde ihn auf Schritt und Tritt verfolgen.
Tai hatte ihm unterstellt selbstgerecht und egoistisch zu handeln. Und so ganz unrecht hatte er damit nicht. Auch er wollte seine Freundin wieder. Er vermisste sie unheimlich. Und das nicht auf diese romantische Art, wie Tai es tat. Er vermisste einfach, dass sie da war. Aber er hatte sich fest vorgenommen, dieses Gefühl hintenan zu stellen und stattdessen alles daran zu setzen, Tai zu helfen. Nach all dem, was Tai in den letzten Monaten durchgemacht hatte, begriff er, dass es nichts hätte geben dürfen, was zwischen den Beiden stand. Nicht er und auch sonst niemand. Ohne Mimi war Tai nicht komplett. Und er war sich sicher, dass es Mimi nicht anders ging. Sonst hätte sie nicht so vehement darauf bestanden, dass er wieder gehen sollte. Würde sie nichts mehr für ihn empfinden, wäre es ihr egal, dass er hier war. Schließlich hatte sie IHN nicht darum gebeten, wieder nach Hause zu fliegen.
Doch wie sollte er Tai helfen, wenn dieser bereits daran dachte aufzugeben und wieder nach Hause zu fliegen? Mal ganz davon abgesehen, dass ihn zu Hause vermutlich noch etwas Schlimmeres erwarten könnte.  
„Herr Izumi?“
Die Stimme der Sekretärin riss ihn förmlich aus seinem Gedankenkreislauf.
„Mr. Kendler wäre dann soweit.“
„Ja, ich komme.“
Izzy stand auf und folgte ihr. Irgendwie musste er jetzt versuchen, sich auf dieses Meeting zu konzentrieren. Sonst war er schneller wieder in Tokyo als ihm lieb war.
Er betrat den Meetingraum und die Sekretärin schloss die Tür hinter ihm.
„Mr. Izumi“, sagte ein gestandener Mann am Ende des Tisches, den Izzy schon von Videokonferenzen kannte. „Schön, Sie mal live und in Farbe zu sehen. Bitte setzen Sie sich doch.“
„Danke“, meinte Izzy nur etwas unbeholfen und setzte sich. „Und danke, dass Sie mir diese Chance ermöglichen. Ich verspreche, ich werde mein Bestes…“
„Ja ja, schon gut“, wank der Mann nur eilig ab. „Ich weiß, das werden Sie. Lassen Sie uns nur noch eben ein paar Feinheiten besprechen, dann kann es morgen sofort losgehen.“
Etwas eingeschüchtert nickte Izzy und schielte auf den Zettel, den Mr. Kendler zu ihm rüber schob.
„Lesen Sie ihn aufmerksam durch und unterzeichnen Sie dann.“
Okay. Der Mann wusste, was er wollte. Aber er war schließlich nicht umsonst Eigentümer einer millionen schweren Firma.
Izzy begann das Schriftstück aufmerksam zu lesen, stutzte jedoch schon bei Punkt zwei. „Ehm, Mr. Kendler“, räusperte er sich, woraufhin der Mann ihn genervt ansah. „Ich dachte, ich leite das Projekt. Ich wusste nicht, dass ich noch jemanden unterstellt bin. Außer Ihnen natürlich…“
Der Mann, der irgendwie ziemlich groß auf Izzy wirkte, lachte nur kurz auf.
„Ich weiß, das hatten wir so besprochen. Doch es haben sich kurzfristig einige Neuerungen ergeben.“
In diesem Moment öffnete die Sekretärin erneut die Tür und kam herein, gefolgt von einem jungen Kerl, ungefähr in Izzys Alter.
„Sorry, bin zu spät, ich weiß.“
„Gut, dass es dir wenigstens selbst auffällt“, unterbrach Mr. Kendler kurz seine Erklärung und warf diesem Typen einen merkwürdigen Blick zu, ehe er sich wieder Izzy zuwandte. „Na ja, jedenfalls wird mein Sohn hauptsächlich das Projekt leiten. Sie werden ihm zwar unterstellt sein, aber Sie werden trotzdem alle Entscheidungen, die die Entwicklung betreffen selbst in der Hand haben. Es ist sozusagen nur pro-forma.“
Der Typ, der eben reingekommen war, steckte die Hände in die Hosentaschen, ging um den Tisch drum rum und setzte sich Izzy gegenüber.
Und erst jetzt erkannte Izzy ihn. Er schluckte schwer, als er ihm seine Hand entgegenhielt.
„Hi, du musst Izzy sein. Hab schon viel von dir gehört.“
Izzy schüttelte seine Hand, doch seine Kehle war so zugeschnürt, dass er keinen Ton über die Lippen brachte.
„Das ist Kyle, mein Sohn“, erklärte Mr. Kendler. „Er soll sich schon mal ein wenig in Führungsaufgaben üben, da er in ein paar Jahren mein Unternehmen übernehmen wird.“
Kyle.
Kyle! DER Kyle! Das durfte nicht wahr sein!
Ausgerechnet dieser Typ, der ganz offensichtlich etwas mit Mimi hatte. Der Typ von der Party. Das war der Sohn des Chefs, für den Izzy arbeiten sollte?
„Ähm… e-es freut mich“, stotterte Izzy herum und kam sich dabei sichtlich blöd vor. Zum Glück hatte dieser Kyle keine Ahnung, wer er war, denn dann würde er sicher nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollen. Und dann wäre das Projekt für Izzy gestorben und er säße mit Tai im nächsten Flieger nach Hause. Innerlich versuchte er sich zu sammeln. Er wusste nicht, wer er war und das konnte auch so bleiben. Jetzt musste er nur noch darauf achten, sich niemals in seiner Gegenwart zu verplappern und nicht zufällig mal auf Mimi zu treffen, während Kyle dabei war. Was für ein Schlamassel.
„Ich freu mich, auf unsere Zusammenarbeit“, sagte Kyle und legte ein merkwürdiges Grinsen auf. Irgendwie hatte dieser Typ was Einschüchterndes an sich.
„Danke, ich mich auch.“

***


Kyle saß auf dem Stuhl seines Vaters, der vor fünf Minuten Izzy zur Tür begleitet hatte und las sich noch ein Mal aufmerksam den Vertrag durch. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass er seinen Vater überreden konnte, ihm die Führung für dieses Projekt zu überlassen. Das war wirklich ein hartes Stück Arbeit gewesen, vor allem, weil er sich vorher nicht die Bohne dafür interessiert hatte. Doch irgendwann lenkte er ein und jetzt hatte er es schwarz auf weiß, dass alles so geschah, wie er es wollte.
Es klopfte an der Tür und ohne, dass Kyle ihn hereinbeten musste, ging die Tür auf.
„Na, du Genie.“
„Scott.“
Kyle lehnte sich grinsend im Chefsessel zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Sein Freund schloss die Tür hinter sich und kam auf ihn zu.
„Das hast du ja geschickt eingefädelt. Hab gesehen, dass er gerade gegangen ist“, meinte Scott und lächelte ihn triumphierend an. „Das heißt also…“
„Ja, es verläuft alles nach Plan“, ergänzte Kyle und lehnte sich entspannt zurück. Scott, der ungefähr einen halben Kopf größer als er und im Gegensatz zu ihm ziemlich blond geraten war, kannte er schon seit seiner Kindheit. Nicht, dass sie immer beste Freunde waren – das auf keinen Fall. Für richtige Freundschaften war in seinem Leben sowieso kein Platz. „Freunde kannst du dir sparen, sobald du viel Geld hast“, hatte sein Vater immer gesagt. Aber dennoch war Scott für ihn eine große Hilfe, in jeglicher Hinsicht, das konnte man nicht abstreiten. Sie waren eben ein gutes Team, nicht mehr und nicht weniger. Auch, wenn er ihn in der Öffentlichkeit immer als seinen besten Freund verkaufen musste.
„Frage mich wirklich, wie du es geschafft hast, deinen Vater rumzukriegen, dir diesen Job zu geben“, meinte Scott und setzte sich ihm gegenüber.
Kyle zuckte nur gelangweilt mit den Schultern, als wäre es keine große Sache gewesen. „Ich kann eben sehr überzeugend sein, wenn ich etwas unbedingt will.“
„Allerdings“, grinste sein Freund, lehnte sich zurück und schlug die Beine übereinander. „Und Mimi? Hat sie etwas erwähnt?“
Kyle schüttelte den Kopf. „Mit keiner Silbe.“
„Hm, das ist gut“, nickte Scott. „Dann hat sie nicht bemerkt, dass ich sie gestern beobachtet habe.“
Kyle stand auf, steckte die Hände in die Hosentaschen und ging zum Fenster. „Möchte zu gern wissen, was sie bei ihm wollte“, sagte er und seine Miene verfinsterte sich bei dem Gedanken daran, dass Mimi gestern bei ihrem Ex-Freund war. Diesem Tai. Und ihm keinen Ton davon erzählt hatte. Wie sie nur denken konnte, er wüsste nicht schon längst, dass er in der Stadt war. Eigentlich müsste sie ihn inzwischen besser kennen.
Scott stöhnte auf. „Das kriegen wir auch noch raus. Aber vorerst solltest du dich auf diesen Izzy konzentrieren. Der Typ scheint nicht nur wegen des Projekts hier zu sein.“
„Ist mir schon klar“, antwortete der Braunhaarige ernst und wandte sich um. „Wenn die glauben, sie können hier einfach so auftauchen und alles kaputt machen, was ich mir in den letzten Monaten erarbeitet habe, dann haben sie sich getäuscht!“
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