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People always leave

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Koushirou "Izzy" Izumi und Tentomon Mimi Tachikawa und Palmon Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
08.04.2017
09.11.2020
23
69.706
8
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Dieses Kapitel
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04.09.2020 3.143
 
Viel Spaß beim Lesen :)
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Tai griff nach ihrer Hand und führte sie hinaus aus dem Kinosaal. Mimi musste mehrmals blinzeln, um sich an die Helligkeit der Deckenlampen zu gewöhnen. Sie hielt eine Hand vor’s Gesicht, als Tai sie hinter sich her und hinaus auf die Straße zog. Es war bereits dunkel geworden, was Mimis Augen deutlich angenehmer war. Sie nahm die Hand runter und folgte Tai blindlings weiter, obwohl sie keine Ahnung hatte, was er vorhatte.
„Wo gehen wir hin?“, fragte sie ihn.
„Na ja, da unser Date ja noch nicht vorbei ist …“, redete er drauf los.
„Äh … wir haben doch gar kein Date.“
„ … dachte ich, wir machen eine kleine Spritztour.“
„Eine Spritztour?“
Eine Spritztour. Tai und sie. In einem Auto? Oh, nein …
Mimi wurde ganz mulmig zumute. Davon bekam Tai jedoch nichts mit, denn er zog sie zielstrebig weiter hinter sich her, bis sie in eine etwas abgelegenere Nebenstraße einbogen und sich nun auf einem öffentlichen Parkplatz befanden.
Tai blieb vor einem schwarzen Cabrio stehen und holte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche. Das Auto blinkte kurz auf, als Tai es durch einen Klick öffnete.
Wie angewurzelt blieb Mimi stehen.
„Woher hast du das?“
„Es ist ein Leihwagen“, erklärte Tai und ging zur Beifahrerseite, um die Tür zu öffnen. „Ich wollte eigentlich eine andere Farbe, der alten Zeiten Willen.“ Er grinste so breit, dass Mimi sofort klar war, dass er nur auf ihren Geburtstag anspielen konnte. Als er sie ebenfalls mit einer Spritztour überrascht hatte.
„Aber ich dachte mir, der hier tut’s auch. Lust auf eine kleine Rundfahrt? Du könntest mir deinen Lieblingsplatz in New York zeigen. Ich kenne mich hier ja so gut wie gar nicht aus.“
Er hielt ihr die Tür auf und erwartete, dass sie einstieg, doch Mimi blieb einfach stehen und rieb sich unbehaglich über die Arme.
„Ich … ich weiß nicht, Tai. Ich denke, ich bin nicht in Stimmung für so was.“
Sie wich seinem Blick absichtlich aus, damit er die Panik nicht erkennen konnte, die sich so langsam in ihren Augen breit machte.
Doch anstatt es gut sein zu lassen, seufzte Tai nur, schlug die Tür wieder zu und ging zu ihr rüber. Mimi stand in sicherer Entfernung zum Wagen, als könnte er sie irgendwie beißen.
„Wovor hast du Angst?“, fragte Tai scharfsinnig. Mimi wirbelte herum und sah zu ihm auf.
„Ich habe keine Angst!“
„Kannst du nicht mit mir allein sein? Ist es das?“
Mimi biss sich auf die Unterlippe, als er näher an sie herantrat.
„Nein, das ist es nicht. Ich …“, begann sie, aber sie hatte keine Ahnung, wie sie den Satz beenden sollte. Also schwieg sie, in der Hoffnung, Tai würde einfach aufgeben.
„Mimi“, sagte er stattdessen und strich ihr mit der Hand durchs Haar. „Ich habe keine Ahnung, warum du dir selbst nicht mehr gestattest glücklich zu sein. Es kommt mir vor, als würdest du nur noch ein halbes Leben leben.“
Mimi krallte unwillkürlich die Fingernägel in ihr Fleisch. War das so? Lebte sie tatsächlich nur noch ein halbes Leben?
„Ich möchte dich wieder glücklich sehen, Mimi. Ich möchte, dass du Spaß hast. Ich möchte, dass du lachst. Aber vor allem möchte ich dir helfen, diesen Abgrund zu überwinden, vor dem du gerade stehst.“
Mimi schluckte den dicken Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte herunter. Der Anflug eines Grinsens schlich sich auf Tais Lippen, während er sie liebevoll ansah.
„Weißt du noch, wie viel Spaß du hattest, als ich dich auf deinem Geburtstag mit diesem Auto überrascht habe und wir damit durch die Gegend gefahren sind?“
Mimi konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
„Natürlich weiß ich das noch.“ Wie könnte sie das je vergessen? An diesem Abend hatte sie sich hoffnungslos in Tai verliebt. „Das war ein wundervoller Abend.“
„Komm mit mir, ja?“, entgegnete Tai und ein zaghaftes Flehen lag in seinem Blick. „Lass mich dir zeigen, dass es wieder so sein kann. Wir sind immer noch zusammen, Mimi. Genau hier und jetzt. Lass mich dir zeigen, dass sich nicht alles verändert hat. Du bist immer noch du und ich bin immer noch ich und zusammen können wir immer noch wundervoll sein. Das Leben kann wundervoll sein.“
Tais Augen funkelten so hoffnungsvoll, dass Mimis Herz kurz davor war, sich zu öffnen und diese Hoffnung in sich aufzunehmen. Ehe sie überhaupt darüber nachdenken konnte, was sie da tat, legte sie eine Hand in Tais Nacken und schenkte ihm ein Lächeln. Sie zog ihn zu sich und küsste ihn. Womit hatte sie diesen Mann nur verdient? Sie hatten so viel durchgemacht. Sie hatte ihn verlassen und wollte ihn nie wieder sehen. Und trotzdem stand er hier vor ihr und kämpfte um sie und um ihre Liebe. Das war mehr, als überhaupt jemals ein Mensch für sie getan hatte. Sie musste versuchen, über ihren Schatten zu springen, ihm und ihr selbst zu Liebe.
„Überredet“, wisperte sie an seinen Lippen, als sie sich von ihm löste. „Lass uns eine Spritztour machen.“
Tais Miene erhellte sich und er strahlte bis über beide Ohren, wie ein kleiner Junge, woraufhin Mimi kichern musste. Dass er sich so sehr darüber freute, dass sie seine Einladung annahm, fand sie unglaublich süß. Es gab ihr die Zuversicht, die sie brauchte, um in dieses Auto zu steigen.
Tai führte sie zum Wagen und hielt ihr erneut die Tür auf. Mimi zwang sich, nicht zu zögern und einfach einzusteigen. Es fühlte sich komisch an, wieder in einem Auto zu sitzen, aber es war okay. Tai war ja bei ihr.
Er selbst stieg auf der Fahrerseite ein und schnallte sich an. Auch ihre Hand legte sich um den Sicherheitsgurt. Sie schloss ihn und prüfte noch einmal nach, ob er auch richtig saß. Dann sah sie zu Tai, der breit grinste.
„Bereit?“
„Bereit, wenn du es bist.“ Während Mimi noch ein mal tief durchatmete, startete Tai den Motor.
Allein das Geräusch des Wagens ließ sie zusammenzucken, doch sie gewöhnte sich schneller als gedacht daran. Auch wenn ihr das Herz bereits jetzt bis zum Hals schlug. Ihre Hände begannen zu schwitzen und ohne, dass sie es bemerkte, krallte sie die Finger fest um ihren Gurt.
Ganz ruhig, Mimi. Es ist alles in Ordnung. Du schaffst das. Sei mutig!
Ihr Mund wurde staubtrocken und ihre Augen waren weit aufgerissen, als Tai anfahren wollte und der Wagen einen Satz nach vorne machte. Sie schrie für einen kurzen Moment auf, während Tai fluchte. „Shit!“
Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie begann zu zittern, als die Erinnerungen sie wie eine Welle aus dem Nichts fluteten. Sie erfassten sie und ergriffen Besitz von ihr. Erneut erweckten sie die Angst zum Leben. Mimi schien wie versteinert.
„Tut mir leid“, sagte Tai, der von alledem nichts mitzubekommen schien und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Ich bin noch nicht mit Gangschaltung gefahren“, entschuldigte er sich und wollte den Zündschlüssel wieder rumdrehen. „Das haben wir gleich. Mit ein bisschen Übung …“
„NEIN, WARTE!“
Panisch griff Mimi nach seiner Hand, um ihn daran zu hindern, den Motor erneut zu starten.
Etwas irritiert sah er die Brünette an.
„Was ist denn?“
Auf Mimis Stirn hatten sich Schweißperlen gebildet und in ihren Augen spiegelte sich die blanke Furcht. Sie wusste, dass sie vermutlich so aussah, als würde sie gleich durchdrehen, aber das war ihr egal. Um nichts in der Welt konnte sie auch nur eine weitere Sekunde in diesem Auto sitzen. Sie musste von hier verschwinden und das schnell, bevor sie völlig den Verstand verlor. Sie stand kurz vor einem Anfall …
„Stimmt was nicht?“, hakte Tai nun deutlich besorgt nach, da auch er bemerkt hatte, wie kreidebleich sie geworden war.
„Tut mir leid“, brachte Mimi lediglich über ihre staubtrockenen Lippen. „Aber … i-ich kann das nicht.“
Ohne ein weiteres Wort der Erklärung, öffnete sie mit zittrigen Fingern den Sicherheitsgurt und dann die Wagentür. Stürmisch sprang sie aus dem Wagen und stolperte dabei fast noch über ihre eigenen Füße.
„Mimi, warte“, rief Tai ihr noch hinterher, doch sie drehte sich nicht mehr nach ihm um. Sie wollte weg. Nur noch weg.
Weg von diesen Erinnerungen, die sie schneller eingeholt hatten, als ihr lieb war. Sie dachte, sie hätte stark sein können. Sie dachte, sie würde es schaffen, sich nichts anmerken zu lassen. Doch ihre Reaktion eben im Auto machte ihr nur allzu deutlich, dass sie noch lange nicht so weit war, ihre Dämonen hinter sich zu lassen. Sie verfolgten sie und waren immer bei ihr. Ob sie sie wahrnahm oder nicht. Sie waren immer da! Wie konnte sie nur so dumm sein und denken, dass sie sie in Tais Nähe loswerden könnte?
Mimi rannte immer weiter und somit immer weiter weg von Tai und der Vergangenheit. Mehrere Leute sahen sie merkwürdig an, als sie durch die Straßen eilte, als würde sie jemand verfolgen. Doch diesen Verfolger konnte sie einfach nicht abschütteln, egal wie schnell sie vor ihm floh.

***


Völlig außer Atem kam sie zu Hause an. Sie schleppte sich in den Fahrstuhl und fuhr nach oben in ihr Apartment. Die drückende Leere schlug ihr entgegen, sobald sie es betreten hatte. Sie wollte hier nicht sein. Sie wollte nirgendwo mehr sein. Warum war alles nur so furchtbar aus dem Ruder gelaufen?
Was sollte sie jetzt tun?
Alison anrufen? Sich von Tais in ihre Arme flüchten? Nein, das konnte sie nicht machen. Nicht, nachdem Alison so offensichtlich auf Tais Seite stand. Sie würde sie nur dazu drängen, wieder zu Tai zu gehen, mit ihm zu reden und ihm endlich die ganze Wahrheit zu erzählen. Nein! Auf keinen Fall würde sie das tun. Dann lieber würde sie in dem Schmerz ertrinken, der sie Tag für Tag heimsuchte.
Vom Rennen war sie durchgeschwitzt und die Haare klebten an ihrer Stirn, doch anstatt unter die Dusche zu gehen, ging sie an die Bar ihrer Eltern, die in der Küche stand. Sie bückte sich und griff in eines der unteren Fächer des Tresens, um eine Flasche Wodka hervorzuholen. Dann ging sie nach oben, in das Zimmer, dass niemand betreten durfte, außer sie.
Sie streifte sich die durchnässten Klamotten ab, die an ihrer Haut klebten und warf sie auf den Boden. Dann setzte sie sich nur noch in Unterwäsche gekleidet auf das einzige Bett, was in dem Raum stand, der nahezu dunkel war. Nur das Licht der offenen Tür schien herein. Mimi öffnete die Flasche. Sie nahm einen großen Schluck davon und verzog angeekelt das Gesicht, ehe sie augenblicklich in Tränen ausbrach. Schluchzend presste sie sich eine Hand auf den Mund, um das Geräusch zu unterdrücken, das ohnehin niemand hören konnte.
Was war nur in sie gefahren?
Hatte sie ernsthaft geglaubt, Tai könnte ihr helfen?
Seine Worte waren so schön, wie Balsam für ihre Seele. Und für einen kurzen Moment hatte sie sich hinreißen lassen und ihnen geglaubt. Bis sie eiskalt auf den Boden der Tatsachen aufschlug – erneut. Tai hatte recht. Immer wieder stand sie sich selbst im Weg und ja … das Leben, was sie gerade lebte, war bestenfalls ein halbes Leben, mehr nicht. Tai sagte, sie wäre immer noch sie selbst. Doch wenn sie in den Spiegel sah, erkannte sie schon lange nicht mehr das Mädchen, das sie einmal war. Was sie sah, war eine leere Hülle, die zerfressen war von Schuldgefühlen.
Sie setzte die Flasche abermals an und diesmal nahm sie gleich mehrere Schlucke von dem herben Alkohol. Dann stützte sie den Kopf in ihre Hand und begann immer wieder manisch nach vorn und nach hinten zu wippen, während ihr die Tränen weiter übers Gesicht liefen.
Sie hatte keine Ahnung, was Tai in ihr sah. Wahrscheinlich war es ein Wunschgedanke. Er schien an der Vorstellung festzuhalten, dass sie immer noch sie war und dass sie immer noch zusammen sein konnten. Dass sie es natürlich schaffen würde, ihre Abgründe zu überwinden. Doch diese waren inzwischen so groß, so tief, dass Mimi nicht wusste, wie sie diese jemals hinter sich lassen sollte.
Nach einem weiteren großen Schluck, schob sie die Hand in den Mund und biss sich schmerzlich auf die Finger, damit sie etwas anderes spürte, als diesen seelischen Schmerz. Jeder Schmerz war besser als dieser. Ihre Zähne bohrten sich ins Fleisch, bis sie Blut auf ihrer Zunge schmeckte. Sie ließ von sich selbst ab und wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht. Starr richtete sie den Blick auf die Wand gegenüber. Auf die unzähligen Fotos, die sie gesammelt hatte – auf Daryl Watkins.
Und plötzlich verspürte sie nur noch eins: Hass.
Er war der Grund für ihre Schmerzen.
Er war der Grund, warum ihr Leben einem Scherbenhaufen glich.
Und es interessierte ihn einen Scheißdreck! Er lebte einfach weiter, als wäre nie etwas gewesen. Als hätte er nicht innerhalb von Sekunden ihre Welt zum einstürzen gebracht.
Mimi stand vom Bett auf und stellte sich direkt vor die Fotos. Es tat weh, aber sie wollte diesem Mistkerl in die Augen sehen. Sie wollte, dass ihm bewusstwurde, was er ihr angetan hatte.
Noch mehr … er sollte leiden.
Leiden wie sie.
Mimis Herz verkrampfte sich, bei dem Gedanken daran, doch es brachte ihr auch noch etwas anderes – das Gefühl von Genugtuung. Es wurde Zeit, dass Daryl Watkins seine gerechte Strafe erhielt.
Er sollte dafür bezahlen, was er ihr angetan hatte. Erst dann würde sie ein für alle Mal mit der Sache abschließen können.
Sie nahm eines der Fotos von der Wand und betrachtete es eingehend. Das erste Mal war sie sich absolut sicher, was nun zu tun war. Und es gab nur einen einzigen Menschen auf der Welt, der sie dabei unterstützen würde. Die einzige Person, die ihre Dämonen besser verstand als sie selbst. Die einzige Person, die sie wirklich so akzeptierte, wie sie war und der kein Problem damit hatte, mit ihr gemeinsam in den Abgrund zu steigen.
Sie spürte, wie die düsteren Gedanken gemischt mit dem Alkohol ihre Sinne vernebelten. Und doch schien plötzlich alles so klar, als sie nach ihrem Handy griff, was aus ihrer Hosentasche auf den Boden gefallen war.
Während sie die Nummer wählte und wartete, starrte sie weiter das Foto von Daryl an, wie er gerade völlig unbeschwert mit seinem Hund Gassi ging.
Nein, er dachte wirklich keine Sekunde an Mimi.
„Hallo? Mimi?“
„Kyle“, sagte sie mit fester Stimme, als er endlich abhob.
„Ich wusste, du würdest dich melden“, antwortete er ruhig und gelassen. Mimi ignorierte seine Selbstsicherheit und kam direkt zur Sache.
„Ich brauche deine Hilfe.“
„Wofür?“
„Das weißt du.“
Schweigen.
„Bist du dir sicher?“, fragte Kyle nach einer Weile. „Wenn wir das wirklich durchziehen, gibt es kein Zurück mehr.“
Mimi holte nicht einmal Luft, um zu antworten. „Ich bin mir sicher“, entgegnete sie schnell. „Lass es uns tun.“
„Okay“, antwortete Kyle mit eiskalter Stimme. Sie wusste, sie konnte sich auf ihn verlassen. „Bist du zu Hause? Ich komme vorbei.“
„Ja, bis gleich“, antwortete Mimi noch, ehe sie auflegte und einen weiteren großen Schluck von dem Wodka nahm, um das aufgeregte Kribbeln in ihrer Brust zu unterdrücken. Adrenalin schoss durch ihre Adern und beflügelte sie. Die Flasche stellte sie auf den Nachttisch neben dem Bett ab. Dann zerriss sie Daryls Foto in zwei Hälften. Allein das fühlte sich unglaublich gut an.
So befreiend.
Wie würde es sich dann erst anfühlen, wenn er endlich seine gerechte Strafe erhielt?

***


„Sie geht nicht ans Telefon“, sagte Izzy in die Runde, als sie gerade auf den Weg zu Mimis Apartment waren. Er hatte jetzt schon mehrmals versucht, sie zu erreichen, doch sie hob nicht ab. Aber wen wunderte es?
„Hast du es mal bei Tai probiert?“, fragte Sora. Matt warf ihr einen vielsagenden Blick zu.
„Meinst du ernsthaft, er würde rangehen? Wohl kaum.“
Sora seufzte und ließ die Schultern hängen. Kari und Sora waren inzwischen in alles eingeweiht und auch sie wurden allmählich nervös. So langsam rann ihnen die Zeit davon. Was, wenn Kyle seine Drohung wirklich wahrmachen würde? Er hatte einfach zu viel gegen Tai in der Hand.
„Wir sind da“, verkündete Izzy und blieb vor dem Eingang eines luxuriösen Hochhauses in der Upper East Side stehen. Kari staunte, während ihr Blick nach oben wanderte.
„Wow, Mimis Vater scheint es weit gebracht zu haben.“
Izzy nickte, während sich ihm der Magen umdrehte, bei dem Gedanken, dass sie kurz davorstanden, Mimi und im schlimmsten Fall auch Tai erneut zu überfallen. Was wollten sie hiermit erreichen? Als ob Tai sofort mit ihnen mitgehen und in den nächsten Flieger steigen würde, ohne dass er auch nur eine Erklärung von ihnen bekam. Aber sie konnten ihm keine geben, das wussten sie alle.
„Ich weiß echt nicht, ob das eine gute Idee ist“, fing nun auch Matt an zu zweifeln und legte die Stirn in Falten.
„Jetzt sind wir hier“, entgegnete Sora entschlossen. „Jetzt gehen wir auf jeden Fall auch hoch. Und wenn Tai nicht da ist, ist das auch nicht so schlimm. Vielleicht kriegen wir ja aus Mimi raus, wo er sich gerade aufhält.“
Izzy hätte sich am liebsten mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen. Dieser Schnellschuss brachte doch niemanden etwas.
Gerade, als Sora voran gehen und das Gebäude betreten wollte, hielt Izzy sie am Handgelenk fest und zog sie mit einem Ruck zurück.
„Autsch! Was ist denn?“, beschwerte sich die Rothaarige.
„Warte mal.“
Izzys Blick wurde scharfsinnig und er schielte unauffällig die Straße hinunter. „Scheiße!“, fluchte er und riss Sora sofort mit sich. „Wir müssen hier weg!“
„Hey, was soll denn das? Zieh nicht so!“, meckerte Sora ihn an. Matt und Kari folgten ihnen, als Izzy im nächsten Hauseingang Schutz suchte.
„Kannst du mir mal erklären, was plötzlich in dich gefahren ist?“ Sora rieb sich ihr Handgelenk, da Izzy sie wohl etwas zu grob angepackt hatte.
„Was ist los, Izzy?“, hakte nun auch Kari nach. Ihr Blick wirkte beunruhigt. Und das konnte sie auch sein.
Izzy sah vorsichtig um die Ecke und beteuerte mit einer Handbewegung, dass alle hinter ihm stehen bleiben sollten.
„Da ist Kyle.“
Matt fiel sofort alles aus dem Gesicht. „Was?“, sagte er entsetzt und riskierte nun ebenfalls einen Blick. „Was macht der denn hier?“
„Das weiß ich leider nicht. Aber wir können auf keinen Fall zu Mimi, wenn er auch hier ist“, flüsterte Izzy, während er dabei zusah, wie Kyle kurz vor dem Eingang des Gebäudes stehen blieb und etwas auf seinem Handy nachsah. Dann steckte er es wieder in seine Hosentasche und ging durch den Haupteingang.
„Verdammt!“, fluchte Matt, der aussah, als würde er am liebsten auf die Hauswand einschlagen.
„Wenn dieser Kyle dort ist, dann heißt das, dass Tai auf keinen Fall gerade bei Mimi sein kann“, schlussfolgerte Kari. Izzy nickte.
„Nein, da hast du recht. Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns erst mal zurückziehen. Lasst uns zu mir nach Hause gehen und abwarten. Wir versuchen es ein andermal und probieren solange Tai irgendwie zu erreichen.“
Diesmal gab es keinen Widerspruch, worüber Izzy sehr erleichtert war. Kyle hatte mehr als deutlich gemacht, was passierte, wenn nicht nach seinen Regeln gespielt wurde. Was ihn allerdings noch mehr beunruhigte, war die Frage, was Kyle bei Mimi zu suchen hatte …
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