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People always leave

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Koushirou "Izzy" Izumi und Tentomon Mimi Tachikawa und Palmon Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
08.04.2017
09.11.2020
23
69.706
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Dieses Kapitel
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25.07.2020 3.128
 
BANNERS - Half Light

Spotify Playlist - People Always Leave
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Es ist unfassbar, dass so wenige Leute gute alte Filme zu schätzen wissen. Okay, dieser hier war nicht ganz nach Mimis Geschmack, aber dennoch gut, insofern man nicht auf ein Happy End hoffte, denn das gab es in diesem Film nicht.
Anna Karenina, in schwarz-weiß, aus den 40er Jahren flimmerte über die Leinwand und wenn man sie mitzählte, saßen gerade ein mal vier Leute im Saal. Es war ein Drama und schon der dritte Film, den sie sich heute ansah. Die Szenerie war im Grunde ganz klischeehaft: Frau verliebt sich unsterblich auf den ersten Blick, ist jedoch leider schon in festen Händen.
Ja, so ein Pech! Und welch Ironie …
Am Schluss endet natürlich alles in einer Tragödie. Eifersucht und Misstrauen führen letztendlich in den Tod.
Sehr aufbauend.
Währen Mimi sich ihre zweite Tüte Popcorn in den Mund schaufelte, fragte sie sich, warum anscheinend seit Ewigkeiten alle dieselben Probleme mit der Liebe hatten und was es den Menschen eigentlich brachte? Wieso stand man so oft im Leben zwischen zwei Menschen und wieso konnte man den einen nicht haben, ohne den anderen zu verletzen? Warum wurde es immer kompliziert, wenn eine dritte Person mit ins Spiel kam? Warum konnte nicht einfach mal alles klar sein? Und warum endete es immer in Schmerz?
Die zentrale Frage ist doch nicht, zu wem Anna Karenina gehört – zu ihrem Mann oder ihrem Liebhaber?
Die Frage ist doch: Warum ist Liebe so ein Arschloch?
Wütend über ihre eigenen Gedanken zu diesem Film, griff sie erneut in die Tüte und fasste ins Leere. Popcorn alle, na toll. Sie knüllte das Papier zusammen und überlegte, es auf die Leinwand zu pfeffern. Allerdings, in Anbetracht, dass sie in eine der hintersten Reihen saß, würde sie wohl kaum treffen. Und die anderen drei Besucher hätte es garantiert auch gestört.
Mimi seufzte und ließ sich tief in ihren Sitz sinken. Dass dieser Film besser war, als alles, was sie da draußen in der echten Welt erwartete, sagte so einiges über ihre Situation aus.
Gerade, als sie sich aufrichten wollte, um sich einen Popcorn-Nachschub zu holen, zuckte sie zurück, als sich jemand direkt in den Sitz neben sie sinken ließ.
Man … der Saal war so gut wie leer und diese Person hatte nichts Besseres zu tun, als sich direkt neben sie zu setzen und sie mit ihrer Anwesenheit zu belästigen?
Die Brünette wollte gerade etwas sagen und denjenigen bitten, sich einen Sitz weiter zu setzen, als sie erkannte, wer sich da neben sie niedergelassen hatte. Es war Tai.
Mit großen Augen und vermutlich offenem Mund starrte Mimi ihn an, wie eine Fata Morgana, während er den Kopf in ihre Richtung wandte und sie angrinste. Er hob die Hand zum Gruß, danach glitt sie in eine Tüte und er stopfte sich eine Hand voll Popcorn in den Mund.
Mimi hatte es förmlich die Sprache verschlagen. Was zum Teufel machte er hier? Und woher wusste er, wo sie war?
„Kein Grund zur Panik“, unterbrach er als Erster die Stille zwischen den beiden. „Ich bin nur hier, um dir Gesellschaft zu leisten.“
Erneut fiel ihr die Kinnlade runter, während ihr Herz holprig pochte. Wie kam er darauf, dass sie Gesellschaft haben wollte?
„Ja, genau“, zischte Mimi, verschränkte die Arme vor der Brust und ließ sich zurück in ihren Sitz sinken, um angespannt auf die Leinwand zu starren. „Ich gehe in ein fast verlassenes Kino und sehe mir uralte Filme an, weil ich Gesellschaft suche. Schlau kombiniert, Watson.“
Sie sah ihn nicht an, weil sie wütend darüber war, dass er hier einfach auftauchte, doch sie nahm trotzdem wahr, wie er mit den Schultern zuckte.
„Na, wie auch immer.“
Dann stopfte er sich noch mehr Popcorn in den Mund. Mimi grummelte. Hatte er sie gerade gar nicht für voll genommen?
„Möchtest du?“, fragte er ganz unbeirrt und hielt ihr sein Popcorn hin. Mimi warf einen Blick darauf und sah dann wieder nach vorne, ohne ihm zu antworten.
„Okay, dann nicht“, sagte er gleichgültig und aß weiter. Man, Tai hatte echt Nerven. Er konnte doch nicht einfach hier auftauchen und sich aufdrängen. Hatte er denn nicht zugehört, als sie sagte, sie will keinen der beiden sehen? Das Beste wäre noch, wenn Kyle jetzt auch noch auftauchen und sich auf den anderen freien Sitz neben sie setzen würde. Dann wäre das Drama perfekt – nicht nur auf der Leinwand.
Mimi versuchte, Tai einfach zu ignorieren, aber nach schier endlosen fünfzehn Minuten, in denen er einfach neben ihr gesessen und Popcorn geknabbert hatte, hielt sie es nicht mehr aus.
„Woher wusstest du eigentlich, wo ich bin?“, zischte Mimi leise, ohne ihn anzusehen.
Tai antwortete mit nur einem Wort. „Alison.“
Diese Verräterin! War ja klar, dass sie ihm mal wieder half. Wieso konnte sie nicht ein mal ihren Mund halten? Und wieso war sie immer noch im Team Tai? Glaubte sie allen Ernstes, zwischen ihnen würde sich alles wieder geradebiegen, wenn er neben ihr im Kino hockte?
„Das ist total lächerlich“, motzte Mimi rum und presste die Kiefer aufeinander, so sauer war sie. Warum berücksichtigte eigentlich niemand, was sie wollte? Sie wollte einfach nur allein sein, verdammt! Allein mit sich und ihrem Schmerz. Dabei wollte sie niemanden sehen, der es noch schlimmer machte, als es eh schon war. Und Tai war leider derjenige, der es schlimmer machte, da sie jedes Mal, wenn sie ihn ansah, daran denken musste, was sie verloren hatte.
Tränen der Wut schossen ihr in die Augen.
„Das ist mir echt zu blöd.“
Mimi wollte aufstehen und abhauen. Sollte Tai doch von ihr aus weiter hier hocken bleiben und Däumchen drehen. Aber er hielt sie zurück, indem er Mimi am Handgelenk festhielt.
„Hey, jetzt komm schon“, flehte er. „Ich will dich doch gar nicht zu irgendwas drängen. Du musst nicht mal mit mir reden, wenn du nicht willst. Ich wollte lediglich für dich da sein.“
Bissig sah sie ihn an. „Ich brauche keinen Beschützer.“
Und schon gar nicht ihn …
Tai seufzte frustriert. „So war das nicht gemeint. Lass es mich anders ausdrücken: Ich wollte einfach nur bei dir sein. Nicht mehr und nicht weniger.“
Am liebsten wäre Mimi hart geblieben und hätte ihm gesagt, dass er sich verziehen soll, stattdessen wurde ihr Blick etwas sanfter. Wie machte er das nur immer wieder? Manchmal kam es ihr vor, als wäre Tai ihr Gegenstück. Als wäre er die zweite Hälfte ihres Herzens – die bessere Hälfte. Sie hatte keine Ahnung, warum das so war, aber allein seine Berührung um ihr Handgelenk schien sie zu beruhigen und zu besänftigen.
„Ist das erlaubt?“, fragte Tai und legte leichte den Kopf schief. „Darf ich bitte einfach nur bei dir sein?“
Mimi setzte sich wieder hin und sah ihn an. Seine Frage klang weder aufdringlich, noch flehend. Es war einfach nur eine aufrichtige Bitte. Ihr Herz fing an, schneller zu schlagen. Dann ließ er ihr Handgelenk wieder los und sie nickte. Mimi sackte zurück in ihren Sitz und die Anspannung, die sie bis eben noch empfunden hatte, verschwand. Zu wissen, dass er ohne irgendwelche Forderungen gekommen war, beruhigte sie ein wenig.
„Möchtest du jetzt etwas von dem Popcorn haben?“ Tai hielt ihr erneut die Papiertüte hin und diesmal griff Mimi beherzt zu.
„Ich kann dir aber nicht versprechen, dass du den Film magst“, nuschelte sie mit vollem Mund.
„Was ist das für ein Film?“
„Anna Karenina.“
„Au Backe!“
Die Brünette musste kichern. „Sag ich’s doch.“
„Was kommt danach?“, erkundigte sich Tai hoffnungsvoll.
„Es wird nicht besser“, gestand sie ihm und machte damit all seine Hoffnungen wieder zunichte. „Planet der Affen.“
„Hey, den kenn ich, der ist gar nicht so übel.“
„Die erste Version, von 1968.“
Sie konnte förmlich hören, wie Tai’s Kartenhaus in sich zusammenfiel und er immer tiefer in seinem Sitz versank.
„Na, Bravo!“
Sie lachte auf, so dass die anderen drei Besucher einen kurzen Blick über ihre Schulter warfen.
„Noch hast du die Möglichkeit zu gehen“, schlug sie ihm vor. Ihr war schon klar, dass das hier äußerst schräg war und niemand, der noch alle beisammen hatte, sich diese Filme freiwillig reinzog. Aber Tai schüttelte entschieden den Kopf.
„Niemals!“
Dann griff er nach ihrer Hand und verschränkte seine Finger mit ihren, was ein Kribbeln auf Mimis Haut auslöste.
„Wenn das der Preis ist, um bei dir sein zu dürfen, dann zahle ich ihn“, sagte er heldenhaft, was sie schmunzeln ließ. Tai hatte es noch vor Ende des Films geschafft, dass sie sich für einen kurzen Moment gut fühlte. Und allein wegen dieses kleinen Augenblicks, war sie doch irgendwie froh, dass er gekommen war.
Tai hielt tapfer einen Film nach dem anderen durch und Mimi musste zugeben, dass sie schwer beeindruckt war. Denn um ganz ehrlich zu sein, die Filme waren größtenteils Ur-Ur-alt und sie wusste, dass Tai kein Fan davon war.
„Du ziehst das echt durch, was?“, sagte sie und schielte in seine Richtung, als gerade die letzte Szene aus „Krieg und Frieden“ lief.
Tai war tief in seinen Sitz gesunken und stützte seine Stirn mit zwei Fingern, als hätte er Kopfschmerzen. Zwischenzeitlich dachte Mimi immer mal wieder, er würde einschlafen, weil die Filme, vor allem die Dramen, unglaublich langweilig für ihn sein mussten. Aber er zog das hier eiskalt durch.
„Klar, was denkst du denn?“, antwortete er mit einer Gegenfrage und sah sie an. Er richtete sich wieder etwas auf. „Gefällt es dir hier?“
Mimi nickte. „Ich weiß, du findest es ziemlich abgedreht, aber ja. Ich find’s super hier.“
„Na, dann find ich es auch super. Es kann ja schließlich nicht schaden, mal etwas seinen Horizont zu erweitern“, grinste Tai idiotisch. „Außerdem … wenn du glücklich bist, bin ich es auch.“
„Wow“, lachte sie viel zu laut auf und hielt sich die Hand vor den Mund. „Ich muss dir ja echt viel bedeuten, wenn du dir für mich diese ganzen Streifen reinziehst.“
„Ich habe nie etwas anderes behauptet“, entgegnete er wie aus der Pistole geschossen. „Du bedeutest mir alles, Mimi.“
Diese Worte ließen ihr Lachen verstummen. Wieso fing bei seinem Blick ihr Herz wie wild an zu pochen? Sie verstand überhaupt nichts mehr. Sie wollte doch sauer auf ihn sein, verdammt! Auf ihn und auf Kyle. In dem Moment, wo sie an Kyle dachte, wurde ihr plötzlich etwas klar.
Mimi sah eine Weile in Tai’s braune Augen, dann lehnte sie sich ihm ein Stück entgegen, so dass ihre Gesichter sich näherkamen.
„Ich denke …“, begann sie zaghaft. Die Worte wollten ihr fast nicht über die Lippen kommen, doch sie waren so klar in ihrem Kopf. So deutlich, wie schon lange nichts mehr. Mimi schluckte die Unsicherheit herunter und wagte es, den Worten ihres Herzens zu folgen.
„Ich denke, ich liebe dich noch immer, Taichi Yagami.“
Es fühlte sich so befreiend an, es endlich auszusprechen. Es hatte so lange unter der Oberfläche gebrodelt, doch erst jetzt konnte sie ehrlich zu sich selbst und zu ihren Gefühlen sein. Dass sie Tai immer noch über alles liebte, wurde ihr bewusst, als sie eben an Kyle gedacht hatte. Daran, dass es auch er hätte sein können, der sie hier im Kino aufgesucht und sich neben sie gesetzt hätte. Kyle hätte genau das Gleiche tun können wie Tai. Der Unterschied war nur, dass sie nicht geblieben wäre, wenn es Kyle gewesen wäre. Sie wäre aufgestanden und wäre gegangen und nichts, was Kyle gesagt hätte, hätte sie umstimmen können. Sie war noch nicht bereit seine Nähe zu ertragen oder ihm zu verzeihen. Bei Tai hingegen war es etwas anderes. Etwas Tiefes verband sie und es war immer noch da. Sie genoss es, dass er bei ihr war. Und insgeheim wollte sie, dass er bei ihr blieb. Bei ihm fühlte sie sich sicher. Bei ihm fühlte sie sich gut. Bei ihm fühlte sie sich weniger kaputt.
Tai hob die Hand und strich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Seine Finger ruhten an ihrer Wange, während ein aufrichtiges Lächeln seine Lippen umspielte. Gott, wie sehr hatte sie dieses Lächeln vermisst.
„Ich weiß, Kleines“, sagte er liebevoll. „Ich liebe dich auch immer noch und …“ Sein Daumen wanderte nach unten zu ihren vollen Lippen und strich sanft darüber. „… ich werde dich niemals wieder allein lassen. Das verspreche ich dir.“
Dann lehnte er sich zu ihr und besiegelte dieses Versprechen mit einem Kuss. Mimi wurde heiß und kalt und dann wieder heiß. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch überschlugen sich und ein wohliger Schauer ging über ihre Haut. Tai’s Kuss war so intensiv, so bittersüß, so echt. Etwas, dass so wahrhaftig war, konnte doch unmöglich falsch sein, oder? Alles an ihm fühlte sich richtig an. Richtig und gut. Dieses Gefühl hatte sie schon viel zu lange schmerzlich vermisst. Doch dieser Kuss hatte auch einen bitteren Beigeschmack. Sie hatte schon oft darüber nachgedacht, aber jetzt in diesem Moment, als sie sich beide ihre Gefühle eingestanden hatten und sich küssten, schlich sich dieser Gedanke erneut in ihr Herz und umschlang es fest wie eine Dornenranke. Sie hatte Schuldgefühle.
Schuldgefühle, weil sie damals gegangen war. Weil sie Tai keine zweite Chance gegeben hatte. Weil sie sich gegen ihn und gegen ihre Liebe entschieden hatte. Und dieser Gedanke – Was wäre wenn? – fraß sich immer tiefer in ihr Herz. Es zermürbte sie, zu wissen, dass sie an ihrem Unglück selbst schuld war. Dass all das nie passiert wäre, wenn sie über ihren Schatten gesprungen und bei Tai geblieben wäre. Tai hatte von alledem keine Ahnung. Wie hätte sie es ihm auch erklären sollen? Was passiert ist, ist passiert. Und weder Tai, noch sie, noch irgendjemand konnte das rückgängig machen.
„Mimi …?“, flüsterte Tai an ihren Lippen, die hitzig von dem Kuss brannten. „Warum weinst du?“
Mimi schrak zurück und griff sich an die Wange. Tränen flossen wie ein Wasserfall über ihr Gesicht und sie hatte es nicht bemerkt. Schnell vergrub sie ihr Gesicht in beide Hände, denn sie wollte nicht, dass Tai sie so sah – so zerbrochen. Das war nicht sie. So wie sie jetzt war, kannte er sie nicht. Sie hatte sich in den wenigen Monaten, in denen sie getrennt waren verändert und sie wusste nicht, ob Tai dies akzeptieren würde. Er sagte, er liebte sie, doch konnte er sie immer noch lieben, wenn er alles wusste, die ganze Wahrheit? Würde er es verstehen? Konnte er in ihre tiefsten Abgründe blicken und sie dann immer noch lieben, mit all ihren schwarzen Dämonen? Mimi hatte unendliche Angst vor dieser Antwort. Sie war nicht bereit, sie zu ertragen. Wenn er wusste, wie sie wirklich war, würde er sie verlassen. Und sie würde es ihm nicht verübeln können. Wie könnte sie von ihm erwarten, dass er ihre kaputte Seele akzeptierte, wenn sie selbst nicht einmal dazu in der Lage war? Sie ertrug diese Gedanken nicht mehr …
Mimi sprang auf und flüchtete vor Tai und vor ihren Gefühlen. Doch noch ehe sie die Saaltür des Kinos erreichte, packte Tai sie am Handgelenk. Sie wirbelte zu ihm rum und wollte ihn von sich stoßen, doch Tai war schneller und zog sie fest an sich. Er schloss sie in seine starken Arme und presste seinen Körper an ihren, so dass sie keine Chance hatte zu entkommen. Sie musste sich ihm ergeben und in seinen Armen weinen. Er hielt sie so fest umschlungen, dass sie noch nicht einmal zusammenbrechen konnte. Im Hintergrund lief immer noch der Film, der sie beide anstrahlte. Sowohl in Licht, als auch in Dunkelheit getaucht, standen sie da und bewegten sich keinen Zentimeter. Lediglich ihre Schultern bebten, während sie sich in Tais Shirt krallte und es mit ihren Tränen durchnässte. Eine ganze Weile standen sie so da, bis irgendwann der Abspann lief und Tai das Wort ergriff.
„Du musst dich vor mir nicht verstecken“, flüsterte er, den Kopf auf ihren gebettet.
„Bitte lauf nicht wieder weg. Stoß mich nicht von dir, wenn es dir schlecht geht, nur weil du denkst, du müsstest alles mit dir allein ausmachen.“
„Tai …“, wisperte Mimi, während sie sich immer noch an ihm festhielt. „Ich bin nicht gut, Tai. Nicht mehr. Und ich bin nicht gut genug für dich.“ Eine weitere Träne fiel ihr von der Wange und sie schloss die Augen.
„Du bist gut, Mimi“, beteuerte Tai und hielt sie noch fester. „Ich sehe, dass du Kämpfe mit dir selbst ausfechtest. Und ich habe keine Ahnung, wie schwer das für dich sein muss oder was du gerade durchmachst. Du musst es mir auch nicht erzählen, wenn du nicht willst, okay? Ich möchte einfach nur … Bitte lass mich einfach bei dir sein. Ich möchte für dich da sein, egal wie dunkel deine Welt gerade ist.“
„Das kannst du nicht“, schniefte Mimi und war dabei, sich wieder etwas zu fassen. „Und ich kann es nicht von dir verlangen.“ Ihre Stimme war betont fest. Sie versuchte, stark zu sein, um Tai nicht mit in ihre Abgründe zu ziehen. Es war besser, wenn Tai von alledem nichts wusste. Was brachte es, ihn ebenfalls diesen Schmerz auszusetzen? Nein, das konnte sie ihm nicht antun. Dafür liebte sie ihn zu sehr.
„Aber ich kann es zumindest versuchen.“ Tai löste sich von ihr und hob ihr Kinn an, damit sie ihn ansah. Auch, wenn es ziemlich dunkel war, konnte sie deutlich in seinen Augen erkennen, wie ernst es ihm war. Tai machte keine halben Sachen oder versprach ihr Dinge, die er dann nicht einhielt. Er war nicht wie Kyle. Deswegen wusste sie auch sofort, dass jedes Wort ernst gemeint war, was nun aus seinem Mund kam.
„Ich liebe dich, Mimi“, sagte er. „Ich liebe dich und es tut mir weh, zu sehen, wie du dir selbst im Weg stehst. Du sagst, du wärst nicht gut genug. Aber das stimmt nicht. Du bist gut! Genauso wie du bist. Es ist völlig egal, ob du dich verändert hast, ob du nachts nicht schlafen kannst, weil dich schlimme Gedanken quälen oder ob du dich den ganzen Tag in einem dunklen Kino verkriechst, damit du der Welt da draußen nicht begegnen musst. Das alles ist in Ordnung für mich. Ich kann damit umgehen, glaub mir.“
Nein, kannst du nicht …
„Du bist immer noch Mimi – meine Mimi. Du hast immer noch dieses Licht in dir. Du kannst es nur gerade nicht sehen. Lass mich dir zeigen, dass es immer noch da ist.“
Tai nahm ihr Gesicht in beide Hände und legte seine Stirn gegen ihre. Mimi konnte seinen Atem spüren, während seine Worte sich den Weg unter ihre Haut und mitten in ihre Seele bahnten. Sie wollte ihnen so gerne glauben. Sie wollte so gerne glauben, dass sie wahr waren.
„Aber wie?“ fragte sie ihn leise und versuchte dabei nicht wieder in Tränen auszubrechen. „Wie willst du mir etwas zeigen, was schon längst verloren ist?“
Tai antwortete nicht sofort, sondern gab ihr stattdessen einen langen Kuss auf die Stirn, bei dem Mimi gern geglaubt hätte, dass einfach alles wieder gut wird.
„Komm mit“, sagte Tai schließlich. „Ich habe eine Überraschung für dich.“
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