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People always leave

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Koushirou "Izzy" Izumi und Tentomon Mimi Tachikawa und Palmon Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
08.04.2017
09.11.2020
23
69.706
8
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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23.07.2020 2.224
 
Heute gibts mal wieder ein wunderschönes Lied zum Kapitel :)
Lady Gaga - Million Reasons

Schaut gerne auch auf meine Spotify Playlist zu dieser Fanfic ;) Die Playlist ist öffentlich und es sind dort alle bisher verlinkten Songs zu finden <3
People Always Leave
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„Ich danke dir vielmals, Alison. Wirklich, du hast echt was gut bei mir.“
Tai öffnete die Brottüte, die Alison ihm entgegenhielt und ein herrlicher Duft nach frischen Bagels stieg ihm in die Nase. Wie auf Kommando fing sein Magen an zu knurren.
„Für die Bagels?“ Alison runzelte grinsend die Stirn und betrachtete Tai, wie er sich einen der warmen Bagel in den Mund schob und dann mit einem großen Schluck schwarzen Kaffee nachspülte.
„Ja, das auch“, erwiderte er mit halb vollem Mund. „Aber ich meinte eigentlich das alles hier. Ohne dich hätte ich die letzte Nacht auf der Straße verbracht.“
„Ach das. Gar nicht der Rede wert.“ Alison schüttelte den Kopf und wank ab. Als hätte sie ihm nicht ein Hotelzimmer auf unbestimmte Zeit spendiert, was wirklich mehr als großzügig war.
„Du bist zu bescheiden.“ Tai lächelte schief. Als er gestern Hals über Kopf aus dem Apartment geflüchtet war, fiel ihm erst viel zu spät ein, dass er keine Ahnung hatte, wo er hingehen sollte. Dank eines Geistesblitzes rief er Alison an, die ihm seine Nummer für den Notfall gegeben hatte. Und das war definitiv einer. Denn so traurig es auch war, aber sie war momentan die einzige Person in seinem näheren Umfeld, der er noch vertraute. Er hatte keine Ahnung, was plötzlich in Matt und Izzy gefahren war, aber irgendwie lies ihn das Gefühl nicht los, dass da eine ganz miese Sache hinter seinem Rücken lief. Als hätten sie alle nichts aus der Vergangenheit gelernt. Was immer es auch war, er wollte da auf keinen Fall mitspielen. Umso dankbarer war er für Alisons Hilfe. Sie hatte sich sofort bereiterklärt die Kosten für ein Hotelzimmer zu übernehmen, bis sich die Sache mit den Jungs wieder eingerenkt hatte.
„Ich bitte dich“, sagte Alison und griff ebenfalls in die Tüte, um sich einen Bagel zu angeln. „Meine Familie ist reich. Es tut keinem weh, wenn ich die Kreditkarte meines Vaters mal ein bisschen zum Glühen bringe. Ich gebe sonst nie irgendetwas von unserem Geld aus. Ich meine, sieh dir mal meine Schuhe an.“
Sie ließ sich auf Tais Bett plumpsen und hielt ihre Beine in die Höhe, damit Tai ihre pinken, abgerockten Chucks besser sehen konnte. Sie hatten einige kleine Löcher und sahen aus, als würde Alison sie Tag und Nacht tragen.
„Von daher musst du kein schlechtes Gewissen haben. Und übrigens: Kyle gibt viel mehr von Pap’s Geld aus. Fast jeden Monat reizt er das Limit seiner Kreditkarte voll aus.“
Tais letzter Bissen blieb ihm fast im Halse stecken, als er Kyles Namen hörte. Manchmal vergaß er einfach, dass Alison seine Schwester war. Vermutlich, weil die beiden absolut nichts gemeinsam hatten, wofür er sehr dankbar war. Das lag sicherlich auch daran, dass Alison und Kyle nicht blutsverwandt waren.
„Warum machst du es nicht auch?“, fragte Tai interessiert.
„Was? Mehr Geld ausgeben?“
„Nun … ja.“
„Ich weiß nicht“, meinte Alison und zuckte mit den Schultern. Ihr Blick glitt zu Boden. „Ich bin der Meinung, es steht mir nicht zu.“
„Was?“, Tai lachte ungläubig auf. „Weil du adoptiert wurdest?“
Alison nickte. „Das ist nicht wirklich meine Familie. Ich meine, klar, sie haben mich großgezogen und ich hatte eine sehr unbeschwerte Kindheit. Alle Steine in meinem Leben wurden mir stets aus dem Weg geräumt. Ich musste mich nie anstrengen, um irgendwas zu bekommen. Lach mich ruhig aus, aber mir erscheint das unfair. Nur, weil ich das Glück hatte und reiche Eltern bekommen habe, heißt das doch noch lange nicht, dass ich mich auf ihren Erfolg ausruhen kann. Ich möchte ihr Geld nicht. Ich möchte selbst etwas schaffen – mit meiner Kunst. Kyle wird irgendwann unsere Firma übernehmen, weil er sein leiblicher Sohn ist und der männliche Erbe und weil sich das irgendwie so gehört, glaube ich. Aber insgeheim weiß einfach jeder, dass Paps lieber mich auf dem Posten sehen würde. Das Zeug dafür hätte ich und dann wäre ich steinreich … Aber ich möchte das alles nicht. Klingt das bescheuert?“
Zweifelnd sah sie zu Tai auf. Dieser setzte sich neben sie aufs Bett.
„Nein“, sagte er und lächelte aufmunternd. „Das klingt mutig.“
Alison erwiderte sein Lächeln, wenn auch leicht verlegen. „Danke! Manchmal denke ich, Kyle kann mich deshalb nicht so richtig leiden.“
„Weshalb?“
„Weil Paps mehr von mir hält, als von ihm. Er weiß, dass ihm der Ehrgeiz fehlt. Und ganz nebenbei bemerkt bin ich auch viel schlauer als mein Bruder.“
Tai musste laut auflachen. „Das glaube ich dir sofort.“ Dann lehnte er sich in ihre Richtung und hielt die Hand vor den Mund, als müsste er ihr ein Geheimnis zuflüstern.
„Aber mal ganz unter uns gesagt: ich glaube, Kyle kann niemanden so richtig leiden. Außer sich selbst natürlich.“
Nun war es Alison, die lachte und den Kopf in den Nacken warf. „Da könntest du recht haben. Was mich auf den eigentlichen Grund meines Besuchs zurückführt.“
Tai schluckte schwer und seine Miene wurde ernst, denn er wusste, was jetzt kommen würde.
„Du weißt, sie will mich nicht sehen.“
„Sie erzählt viel, wenn der Tag lang ist. Glaub mir, sie will.“
Tai erhob sich und rieb sich gestresst mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken. „Sie war sehr deutlich, Alison. Und ehrlich gesagt kann ich sie verstehen. Ich an ihrer Stelle würde auch niemanden sehen wollen – keinen von uns. Wir sind wohl alle etwas über das Ziel hinausgeschossen.“
Alison pustete geräuschvoll die Luft aus und verdrehte dabei die Augen. „Das kannst du laut sagen. Trotzdem …“
Sie stand auf und packte Tai unvermittelt an den Schultern. Todernst sah sie ihn an.
„Du darfst jetzt nicht aufgeben, hörst du? Mimi braucht dich, mehr als ihr klar ist und mehr als dir klar ist.“
Tai runzelte die Stirn.
„Was genau meinst du damit?“
Es war ganz offensichtlich, dass Alison mehr wusste, als sie sagte. Aber sie schüttelte den Kopf.
„Das kann ich dir nicht sagen. Aber was ich dir sagen kann ist, wo Mimi heute den ganzen Tag über sein wird.“
Sie kramte in ihrer Tasche und hielt Tai schließlich ein blaues Stück Papier vor die Nase.
Ein Kinoticket?
Tai begriff sofort, was Alison vorhatte. „Oh, nein, ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich möchte nicht …“
„Ruhe, verdammt!“, fuhr sie ihm über den Mund und Tai zuckte zusammen, als sie ihn mit wütenden Augen anfunkelte.
„Du denkst zu viel, Yagami. Das Denken solltest du lieber mir überlassen. Du solltest lieber handeln!“
Wow, dieses Mädchen war fast zwei Köpfe kleiner als er und sie hatte keine Probleme damit, ihm ihre Meinung ins Gesicht zu sagen. Ganz schön mutig von ihr.
„Moment“, sagte Tai und grinste verwirrt. „Hast du mir gerade durch die Blume gesagt, dass ich dumm bin?“
Alison zog bedächtig eine Augenbraue in die Höhe, während sie ihn endlich los lies und die Arme vor der Brust verschränkte. Sie baute sich noch ein wenig mehr vor ihm auf.
„Vielleicht? Dumm wäre es auf jeden Fall heute nicht dort hin zu gehen“, meckerte sie und tippte mit dem Zeigefinger auf das Ticket in Tais Hand. „Aber wenn du dich lieber weiter hier in deinem Hotelzimmer verstecken willst, dann bitte. Komm nicht angekrochen und heul dich bei mir aus, wenn Kyle mal wieder schneller war und Mimi rum gekriegt hat. Denn so wie ich das sehe, war er dir ja bis jetzt immer einen Schritt voraus.“
Autsch! Damit hatte sie einen wunden Punkt getroffen.
Tai biss sich schmerzvoll auf die Unterlippe. Verdammt, Alison hatte recht. Wenn er jetzt nicht handelte … wozu war er dann überhaupt noch hier? Dann hätte er längst nach Hause fliegen können. Denn jeder Tag ohne Mimi war ein verlorener Tag. Es war richtig, dass Kyle ihm bisher immer einen Schritt voraus war, was Mimi betraf. Und es wurde Zeit, dass sich das änderte.
„Oooh“, machte Alison und grinste ziemlich breit. „Habe ich da etwa einen Nerv getroffen?“
„Kann man so sagen“, gab Tai hinter zusammengebissenen Zähnen zurück.
„Okay, wo muss ich hin?“
„Dort hin.“ Ehe sich Tai versah, hatte Alison nach ihrem Handy gegriffen und simste ihm eine Adresse. Tai sah nach. Es war die Adresse eines alten Kinos, ganz in der Nähe.
„Mimi wird den ganzen Tag dort sein“, erklärte sie ihm.
Tai blickte sie skeptisch an. „Den ganzen Tag?“
Alison zuckte kurz mit den Schultern. „Sie macht das öfter, um den Kopf frei zu kriegen und sich abzulenken. Dann sieht sie sich dort einen Film nach dem anderen an. Das Kino ist ziemlich alt und es laufen dort keine aktuellen Filme, weshalb fast niemand dort ist“
„Das ist irgendwie …“ Tai fehlten ein wenig die Worte. Die Vorstellung, dass Mimi den ganzen Tag lang alleine in einem dunklen Kino hockte und sich einen Film nach dem anderen reinzog, passte so gar nicht zu ihr.
„Schräg?“, beendete Alison seinen Satz und er nickte. „Ich weiß, das ist sogar ziemlich schräg. Aber sie ist nicht mehr das unbeschwerte Mädchen von damals. Sie ist nicht mehr so, wie du sie kanntest. Sie hat sich verändert.“
Tai’s Herz machte einen Satz. Er ballte die Hand zur Faust, um seine Gefühle unter Kontrolle zu kriegen. „Das ist mir egal“, entgegnete er entschlossen. „Ich liebe sie, in weicher Gestalt auch immer. Ich liebe sie, wenn sie fröhlich ist und ich habe ihre unbeschwerte Art geliebt. Aber ich liebe sie auch, wenn sie traurig ist. Ich möchte bei ihr sein und sie halten, wenn ihre Tage am dunkelsten sind. Ich möchte derjenige sein, der sie nachts auffängt, wenn die Albträume sie auffressen. Es ist mir egal, welche Stürme in ihr toben. Ich liebe sie genauso, wie sie ist. Ich liebe sie und ich liebe ihre Dämonen.“ Und Tai war sich sicher, dass Mimi einige davon hatte.
Alison stand wie vom Donner gerührt vor ihm und starrte ihn fassungslos an.
„Wow“, hauchte sie ergriffen. „Mein Herz trieft vor Schnulz.“
Tai lachte kurz auf. „Ich nehme an, das war ein Kompliment.“
„Nicht wirklich. Aber sag das bitte genauso Mimi. Sie steht auf diesen Gefühlskram – und wie!“
Tai warf den Kopf in den Nacken und sein Lachen wurde noch lauter. Dieses Mädchen war ein absolutes Unikat. Kein Wunder, dass sie Mimi’s Freundin war. Ein bisschen durchgeknallt und ein bisschen anders als alle anderen – genau wie sein Mädchen.
Er hatte keine Ahnung, wie Mimi reagieren würde, wenn sie ihn heute sah. Wo sie doch so deutlich gemacht hatte, dass sie das nicht wollte. Aber er hatte nicht vor, sie jetzt im Stich zu lassen. Nicht jetzt, wo sie ihn offenbar so sehr brauchte …

***


„Hey, Leute.“ Matt ging auf Sora zu und schloss sie in eine innige Umarmung.
„Hey“, flüsterte sie an seiner Schulter, ehe er sie losließ und auch Kari begrüßte.
„Hallo“, sagte diese und schenkte Matt und Izzy ein zaghaftes Lächeln.
„Gib mir deinen Koffer“, forderte Izzy sie auf und griff nach Karis Koffer, ohne auf eine Antwort zu warten.
„Danke, Izzy. Wie ist die Lage?“ Kari verlor keine Zeit, obwohl sie gerade mitten auf dem überfüllten New Yorker Flughafen standen und Sora und Kari erst vor ein paar Minuten gelandet waren. Izzy und Matt tauschten einen bedeutungsschweren Blick, was nichts Gutes verhieß.
Sora stöhnte und fuhr sich durchs Haar. „Wisst ihr denn wenigstens, wo er gerade steckt?“
Die beiden tauschten wieder einen Blick, diesmal gemischt mit Schuldgefühlen.
„Oh, verdammt! Wirklich?“, fluchte die Rothaarige. „Ist das euer Ernst? Ihr habt keine Ahnung, wo Tai sich gerade aufhält?“
„Was sollen wir machen? Er geht nicht an sein Handy“, beteuerte Matt und gestikulierte dabei wild mit den Händen. Sie waren keine fünf Minuten da und schon stritten sie sich, ganz toll.
„Wir …“ Izzy räusperte sich unbehaglich. „Wir haben ihn wohl in die Flucht geschlagen – wortwörtlich. Keine Ahnung, wo er gerade steckt. Im Zweifelsfall würde ich mal tippen, dass er bei …“
„… Mimi ist?“, beendete Kari seinen Satz, da dies tatsächlich die einzig logische Schlussfolgerung war. Wo sonst sollte er sich aufhalten? Er kannte außer Mimi niemanden in New York.
„Also gehen wir zu ihr?“, hakte Kari nach und machte den Eindruck, als wäre sie schon auf dem Sprung.
Matt rieb sich nachdenklich das Kinn. „Nun, wir können da ja schlecht so einfach alle reinplatzen.“
„Wieso nicht?“, zuckte Sora mit den Schultern und warf einen fragenden Blick in die Runde. „Wir sind schließlich Freunde, die sie besuchen wollen. Außerdem machen wir uns Sorgen um Tai. Ich finde, das rechtfertigt alle mal einen unangekündigten Besuch bei Mimi.“
„Ich sehe das wie Sora“, pflichtete Kari ihr sofort bei. Nur Matt und Izzy schienen noch nicht so ganz überzeugt.
„Ich weiß ehrlich nicht, ob das so eine gute Idee ist“, gab Izzy zu bedenken. Er glaubte nicht, dass es Sinn machte, Tai weiter unter Druck zu setzen. Sie, als seine engsten Freunde, müssten eigentlich wissen, dass er dann erst recht das genaue Gegenteil tat. Je mehr sie ihn bedrängten, desto mehr würde er sie alle zurückweisen und sein eigenes Ding durchziehen. Und das durfte auf keinen Fall passieren.
„Na gut, einen Versuch ist es wert“, sagte nun jedoch auch Matt, womit Izzy überstimmt war.
„Wisst ihr, wo sie wohnt?“, fragte Sora und setzte sich bereits in Bewegung. Kari und Matt folgten ihr. Nur Izzy blieb wie angewurzelt stehen. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass das genau der falsche Weg war.
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