schwarze Rosen

von Eros
OneshotAbenteuer, Thriller / P18
Aramis Athos D'Artagnan OC (Own Character) Planchet Porthos
04.04.2017
04.04.2017
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Hallo Leute,
Schön, das es euch zu dieser Geschichte verschlagen hat.
Disclaimer brauch ich eigentlich nicht, weil ich mich nur an die Zeit und an keine Charaktere gehalten habe ... also gehört alles mir! Muhahahhaaaaa!!!
So viel dazu...
Ich bitte alle mit einem schwachen Magen diese Geschichte nicht zu lesen, sie steht nämlich nicht umsonst auf P18. Für alle anderen: Viel Spaß am lese!!!
eure creepy1

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Es war mitten in der Nacht und wesentlich leiser als tagsüber. Dennoch wirklich ruhig war es nicht, denn Paris schlief nie.

In den Schenken und Wirtshäusern glimmte Licht und durch die Ritzen im Gebälk drang das Lachen, Rülpsen und Schreien der Betrunkenen. Aus manchen drang auch Musik. In den ärmeren Vierteln von Paris machten sich Diebe und anderes Gesindel auf den Weg. Pferde dösten in ihren Ställen und hin und wieder wieherte eines. Ein Streuner bellte und wurde kurz darauf mit einem geworfenen Schuh zu schweigen gebracht.

Es war eine klare Nacht. Die Wolkendecke war aufgerissen und gab den Blick frei auf die unzähligen Sterne, welche funkelten wie abertausende Diamanten.

Wie immer ragte die Bastille wie ein massiger bedrohlicher Schatten auf. Wachen patrolierten auf ihren Mauern.

Eine Gestalt stand auf einem der höheren Häuser und betrachtete mit einem Fernglas die Wachen, die das Haupttor der Bastille bewachten. Sie trugen das rote Wappen der Kardinalswache und wägten sich anscheinend sicher. Eine der vier Wachen schlief sogar. „Stümper.“, wisperte die Gestalt auf dem Dach und schüttelte den Kopf.

Es war eine Frau – was man allerdings erst auf den dritten Blick hin erkannte. In der Nacht verschwamm sie sowieso mit ihrer Umgebung, da sie schwarze Kleidung trug: Enge schwarze Hose, schwarzes Hemd mit einer Lederweste, dazu hohe Lederstiefel und Handschuhe. Das einzige bisschen ihrer Haut, dass man noch sehen konnte, war ihr Hals und Gesicht und selbst dieses war halb von einer schwarzen Maske bedeckt. Die langen dunkelbraunen Haare der Frau waren zu einem Zopf geflochten und in die Weste gesteckt worden.

In diesem Moment schüttelte die Frau spöttisch den Kopf. Sie kannte die vier Wachen, die dort unten am Haupttor herumlungerten (von Wache halten konnte ja nicht die Rede sein). Die vier hatten schon vor drei Nächten dort gestanden und waren, wie jedes Mal, wenn sie die Nachtwache gehabt hatten, danach in ein bestimmtes Wirtshaus eingefallen. Dort ließen sie sich jedes Mal volllaufen. Das alles wusste die Frau, deshalb, weil sie die Bastille nun bereits seit zwei Wochen beobachtete und sich in eben diesem Wirtshaus eingebucht hatte. Nicht zu vergessen, dass einer dieser Rüpel versucht hatte sie in sein Bett zu ziehen.

Rose de noir, denn so war der Name der Frau, beobachtete die Bastille natürlich nicht aus Langeweile. Seit einiger Zeit war Rose sich nicht mehr so sicher, ob sie nicht einmal selbst einer der unfreiwilligen Besucher dieses Gebäudes wurde. Nicht ganz unbegründet möchte man meinen. Immerhin ging sie seit sie in Paris eingetroffen war, jede Nacht hinaus in die Dunkelheit und begann die ein oder andere Straftat. Eingeschlossen Diebstahl, aber das arme Waisenhaus hatte das Gold wirklich dringender als die reichen verwöhnten Herrschaften.

Im Ausgleich dazu hatte sie allerdings erst vor drei Nächten mehrere Diebe bewusstlos an der Bastille abgeliefert. Nun gut, sie hatte ein wenig der Diebesbeute für sich behalten, aber sie musste ja auch von etwas leben.

Normalerweise trug sie bei ihren nächtlichen Aktivitäten auch noch einen schwarzen Umhang. Zum einen wurde sie damit nicht so schnell als Frau erkannt, andererseits fror sie dann auch nicht so erbärmlich wie in dieser Nacht. Für ihr heutiges Vorhaben wäre er allerdings unpraktisch gewesen.

Noch ein letztes Mal sah die Frau durch ihr Fernglas - Die Szenerie vor dem Haupttor der Bastille war unverändert -  dann steckte sie es weg, drehte sich um und lief über die Dächer zu einem eher zwielichtigen Viertel von Paris. Als die Dächer zu klein und baufällig wurden, um auf ihnen gefahrlos entlang zu laufen, kletterte sie hinab auf die Straße.

Rose de noir sah sich kurz um, doch niemand hatte sie bis jetzt bemerkt. Nun in der Nähe einer Laterne konnte man erkennen, dass lauter Rosen in das schwarze Leder ihrer Weste geprägt worden sind und auch ihre Maske mit solchen verziert war. Zudem sah man nun, dass sie nicht unbewaffnet losgezogen war: An ihrem Gürtel hingen sowohl ein Degen als auch eine Muskete, in ihrem Stiefel steckte ein Dolch und verborgen in ihren Kleidern waren auch noch vier Wurfdolche versteckt – in jedem Ärmel einer und zwei hinten zwischen Hemd und Weste.

Leise schlich sie weiter. Ihr Ziel war ein Kellerraum, dessen Haus nicht mehr weit entfernt stand. Rose trat durch eine schmale Gasse und stand nach einigen weiteren Metern endlich vor dem gesuchten Haus. Nun, von einem Haus konnte man nicht wirklich sprechen, es war eine heruntergekommene Hütte aus Holz und Stein – nichts Seltenes in dieser Gegend. Einen Keller zu haben war jedoch eher besonders hier. Und in eben diesem Keller versteckte sich einer der meistgesuchten Verbrecher Paris´, der Mörder von zehn verschiedenen jungen Frauen unterschiedlichstem Stand. Sein letztes Opfer war eine zwanzig jährige Frau, die man vor zwei Tagen in der Nähe einer Kapelle tot aufgefunden hatte.

Rose hatte ihn noch bei der Tat erwischt, war jedoch nicht schnell genug gewesen, um ihn aufzuhalten. Kurzerhand hatte sie sich dazu entschieden ihm zu folgen und er sie hierhin führte. Der Mann hatte zwar versucht mögliche Verfolger abzuschütteln, doch sie war er nicht losgeworden. Danach war sie zu der Frau zurückgekehrt und hatte sie untersucht. Das Opfer hatte eine glatt aufgeschnittene Kehle und dunkle Hemmatome an beiden Handgelenken, Anzeichen das sie hart festgehalten wurde. Nach einem weiteren Blick auf die Leiche erkannte sie auch weshalb: Die junge Frau war vergewaltigt worden und hatte sich offensichtlich gewehrt, was man auch gut an dem Blut unter den Fingernägeln erkennen konnte. In Rose hatte es angefangen zu brodeln als sie das gesehen hatte. Deswegen war dieses Monster auch ganz oben auf ihrer Liste.

Leise zog die Dunkelhaarige ihren Degen und öffnete lautlos die Tür. Eine weitere Tür in der baufälligen Unterkunft war nur angelehnt. Man konnte Stimmen hören und zudem waberte das Licht einer Kerze durch den Spalt.

Still und vorsichtig schlich sie sich durch das Erdgeschoss, um zu verhindern, dass sie von hinten überrascht wurde. Da niemand sonst da war, wandte sie sich schließlich zu der Tür und öffnete diese. Zum Vorschein kam eine grobe Treppe, die direkt aus dem Erdboden gegraben worden schien. Nach drei Metern knickte die Treppe ab, um anschließend in einem kleinen Raum zu enden. Mindestens zwei Männer mussten dort sein und sich bei Kerzenschein unterhalten. Leise ging sie die Treppe hinab und blieb versteckt hinter der Wand stehen. Ihren Degen hielt sie außerhalb des Lichtkegels. Die blanke Klinge hätte sie sonst verraten. Vorsichtig lugte Rose um die Ecke und sah tatsächlich zwei Männer an einem Tisch sitzen und Karten spielen. Die Degen hatten die Zwei direkt neben dem Eingang gegen die Wand gelehnt. Musketen hatten sie nicht. Der Mann, der von ihr aus gesehen links saß, hatte noch einen Dolch neben sich liegen. Sie erkannte ihn als den Täter. Der andere war wohl sein Komplize. Sie fragte sich ob der Mörder noch mehr Komplizen hatte…

Obwohl die zwei Männer nicht wirklich bewaffnet waren, wusste Rose, dass dieser Kampf kein leichter werden würde. Ihre Gegner waren wahre Schränke. Dem Himmel sei Dank war Größe und Stärke jedoch nicht alles.

Noch einen Moment lang beobachtet Rose de noir die Männer, dann zog sie auch noch ihren Dolch und trat ins Licht.

Die Männer entdeckten ihren ungebetenen Gast sofort und erstarrten für einen Augenblick. Diesen Augenblick nutzte Rose und schlug sofort dem Komplizen mit ihrem Degengriff auf die Schläfe. Der Mann war sofort bewusstlos. Die Frau wandte sich dem Mörder zu. Dieser hatte nun genug Zeit zum Reagieren gehabt und sich natürlich seinen Dolch genommen und richtete ihn nun auf Rose.

Als er auf sie losging, hielt sie ihn zunächst mit ihrem Degen auf Abstand. Er war gut, das musste Rose ihm lassen. Seine Schläge und Stiche waren koordiniert, seine Schritte bedacht, aber das Grinsen auf seinem Gesicht war widerlich.

Rose hielt ihr Gesicht ausdruckslos. Als der Mörder seine Angriffssalve unterbrach kam sie aus der Defensive und griff nun ihrerseits an. Zunächst konnte der Mann ihren Degen noch gut abblocken, doch dank ihrer größeren Reichweite brachte sie ihm schon bald kleinere Wunden bei.

Doch bei einem dieser Angriffe, der auf seine Dolchhand gerichtet war, entwand er ihr ihren Degen und führte gleichzeitig mit seinem Dolch einen Angriff auf ihren ungeschützten Hals durch. Gerade noch so konnte sie seinen Dolch noch abblocken, doch wegen der großen Menge an kraft die er in seinen Angriff gelegt hatte, taumelte sie zurück. Durch ihre geringe Größe und dem wenigen Platz zum Ausweichen im Nachteil, wurde sie von dem Mann nun immer weiter in die Enge getrieben, bis sie schließlich mit der Wand im Rücken dastand. Jetzt konnte sie nicht mehr ausweichen. Wenige Augenblicke später hatte der Mörder ihr auch noch den Dolch entwunden und drückte sie nun mit seinem ganzen Körper an die Wand.

Rose war wütend. Degen gegen Degen hätte sie ihn ganz sicher besiegt! Oder auch mit Messern oder Dolchen war sie sehr gut, aber in diesem engen Raum hatte sie einfach keine Chance gehabt! Und nun konnte sie auch noch genau beobachten, wie dieser Perverse erkannte, dass sie eine Frau war. Das ekelerregende Grinsen ließ auch keine Fragen mehr unbeantwortet, von wegen, was genau er jetzt mit ihr machen würde. Nur zu gut, dass sie noch einen Trumpf im Ärmel hatte, genaugenommen in beiden…

„Eine Frau … was für eine angenehme Überraschung.“, seine blutige Hand, mit der er ihr ihren Degen entwunden hatte, schob nun ihre Maske hoch und hinterließ dabei eine grausige Kriegsbemalung auf ihrem Gesicht. „und so hübsch dazu!“

Ein gieriges Grinsen huschte über seine Lippen, mit denen er ihr auch sogleich einen Kuss aufzwängte. Biestig biss Rose ihm auf die Lippe und knurrte: „Das lässt du schön sein! Ich werde nicht so enden wie die anderen!“

„Also weißt du wer ich bin?! Bist du etwa deswegen hier?“, er grinste als hätte sie einen Witz gemacht, „Erfolgreich warst du ja nicht.“ – Sein Blick huschte zu dem am Boden liegenden Mann - „Er wird bald aufwachen und wir werden weitermachen wie bisher.“

Rose schluckte, eine seiner Hände hatte sich, während er sprach, über ihre Brüste und in ihre Hose gestohlen und strich dort über ihre Mitte. Sie hätte am liebsten gekotzt.

Pervers grinsend sprach der Mörder weiter, „Obwohl … wir werden wohl eine Kleinigkeit ändern. Ab jetzt haben wir ja einen weiblichen Gast, der gefickt werden will“ – mit Wucht rammte er ihr einen Finger in die Scheide und grinste böse – „Oh ja, und ich werde dich ficken, bis du blutest.“ – seine andere Hand fummelte jetzt an seiner Hose herum.

Nun mit wieder freien Händen löste sie die Wurfdolche aus ihren Ärmeln, „Nicht wenn ich dich zuerst zum Bluten kriege, Bastard“, und stich sie ihm in die Seiten.

Geschockt taumelte der Mann zurück. Seine Hand glitt aus ihrer Hose und drückte sich auf die Wunde. Ein schmerzerfülltes Stöhnen entschlüpfte seinen Lippen, „Schlampe“

Wütend schlug sie auch ihn bewusstlos, „Du hast recht. In mancher Hinsicht bin ich das, aber ich bin ganz sicher nicht deine Hure.“, um sicher zu gehen trat sie ihm noch einmal in die Seite, dann wandte sie sich von ihm ab.

Kurz sah sie sich um. Sie hatten ein ganz schönes Chaos hinterlassen, aber da an der Wand hing noch immer ein langes Seil, das sie sich jetzt schnappte und die beiden Männer an die Stühle fesselte. Bevor sie sich wieder aufrichtete entwand sie dem Mörder noch seinen Dolch. Dann sortierte sie sich erst einmal wieder. Die Waffen fanden wieder ihren Platz und die Hose wurde wieder zurechtgerückt und die Maske zurechtgeschoben.

Jetzt hieß es, herauszufinden, ob sie noch mehr Komplizen hatten.

Ein Krug gefüllt mit schlechtem Wein, der überraschender Weise ganz geblieben war, half ihr dabei den Komplizen wachzubekommen. Kaum bekam er den Inhalt ins Gesicht, wachte er auf.

„Was – was ist los?“, fragte er hustend.

„Mmmmh“ – meinte sie langezogen – „Ich habe euch überwältigt und gefesselt. Höchstwahrscheinlich werdet ihr bald sterben.“

Geschockt sah der etwas kleinere Mann sie an, „Eine Frau? Aber-“

„Ja, eine Frau! Kling nicht so geschockt.“, sagte sie trocken und zog langsam ein kleines metallenes Fläschchen aus ihrem Ausschnitt.

Der Mann, der sich kurz umgesehen hatte und dabei seinen bewusstlosen Kumpanen entdeckt hatte, sah bei der Bewegung wieder zu ihr, „Was ist das?“

„Gift“, meinte sie nur und öffnete den Verschluss.

Panisch sah der Mann sich um und schrie „Nein, bitte nicht!“, als Rose seinen Mund aufzwängte und ihm das nach viel zu süßen Rosen riechende Gift hinein tröpfelte. Hustend versuchte der Mann das Gift wieder los zu werden.

„Bemüh dich nicht.“, meinte Rose gleichmütig, „Es wirkt sehr langsam. Aber in spätestens einer Woche wirst du qualvoll sterben. Wenigstens hast du für den Rest deines Lebens keinen Mundgeruch mehr,“ – sie lachte leise – „dafür aber Schmerzen.“

Angstvoll starrte der Mann sie an. „Was willst du?“

„Ich dachte das wäre klar. Gerechtigkeit. Euren Tod. Aber zunächst einmal würde es mir reichen, wenn du mir sagen könntest, ob es noch einen in eurer Mördertruppe gibt.“

Die Antwort kam viel zu schnell: „Nein!“

Rose lachte, und zog ein weiteres Fläschchen aus ihrer Kleidung, sie wackelte es in ihren Fingern, „Du glaubst doch wohl nicht, dass ich dir das glaube? Aber ich wusste, dass du höchstwahrscheinlich nicht wahrheitsgemäß antworten würdest. Willst du wissen was das ist? Ein Gegenmittel. Antwortest du wahrheitsgemäß gebe ich es dir.“

Zerrissen sah der Mann von dem Fläschchen, zu ihr und dann zum Mörder, als plötzlich laute Schritte und eine betrunkene Stimme über ihnen erklang.

Mit einem fiesen Grinsen nickte sie dem Mann zu, „Da kommt ja schon einer.“, schnell steckte sie dem Mann einen Knebel in den Mund und positionierte sich neben dem Eingang, mit einem der abgebrochenen Tischbeine in der Hand. Kaum trat der Betrunkene ein, schlug sie zu. Wie ein gefällter Baum sackte der Mann zusammen.

Durch den Lärm wachte der Mörder jedoch auf und versuchte sofort loszukommen. Schnell war sie bei ihm und flößte auch ihm etwas von dem Gift ein. Dann fesselte sie auch den Betrunkenen.

„Waren das jetzt alle?“, wandte sie sich jetzt wieder ihrem Verhör-Opfer zu und nahm ihm den Knebel ab, den sie sofort dem Mörder in den Mund quetschte.

Angstvoll sah der Mann zu ihr auf.

„Denk dran … du willst doch bestimmte das Gegenmittel haben. Bald wirkt es nicht mehr…“

Sofort fing der Mann an zu sprechen: „Nein, da ist noch jemand.“

„Aha. Wer?“

„Er war mit ihm“, er nickte zu Betrunkenen, „in der Schenke Clément. Hat sich wahrscheinlich wieder ein Mädchen gekauft und ist jetzt dort. Er heißt Rory.“

„Gut, wie sieht er aus?“

„Er- er ist groß aber dünn. Ha-hat rote Haare. Er ist sehr blass.“, meinte er.

„Ah. Seine Familie kommt wohl aus Irland. Hmm?“

„J-ja“, stotterte er.

„Nun gut. Ich glaube dir.“, langsam ging sie auf ihn zu, „Aber falls es dir nichts ausmacht werde ich es lieber noch mal überprüfen.“. Böse grinsend wandte sie sich ab und griff nach dem Dolch des Mörders, dem sie sich jetzt zuwandte. „Ach ja…“ – sie blickte noch einmal zurück – „Pscht!“

„So und nun zu dir.“, sagte sie zu dem Mörder und zog ihm den Knebel aus dem Mund, „Sagt er die Wahrheit?“

Wütend knurrte der Mörder sie an.

Rose wirbelte den Dolch in ihrer Hand herum, „Wie war das? Ich habe dich leider nicht verstanden.“

„Als ob ich einer Schlampe, wie dir, irgendetwas verraten würde.“

Rose lachte laut auf, „Und ob du das tun wirst. Du wirst dich gar nicht mehr vor dem Bedürfnis retten können, mir alles zu erzählen.“

„Sag mal wie feucht ist deine Fotze denn jetzt? Vorhin war sie bereit gefickt zu werden.“

Trocken entgegnete sie: „Jedes Mal, wenn ich dich ansehe, trockener.“ – der Dolch stoppte und lag nun ruhig in ihrer Hand, mit der Spitze zeigte sie auf die Mitte des Mörders – „Aber das muss dich bald nicht mehr kümmern.“

Fragend sah er zu ihr auf.

„Weißt du wie man einen Mann ohne Schwanz nennt? Eunuch.“

Der Mörder schluckte schwer.

„Willst du mir jetzt auf meine Frage antworten?“

Der Mann grinste von sich überzeugt, „Das wirst du dich nicht trauen.“

„Willst du es darauf ankommen lassen? Ich habe euch bereits vergiftet.“

Er schwieg.

„Hmm. Du lässt mir echt keine Wahl.“, mit ein paar schnellen Handgriffen hatte sie sein Geschlecht befreit und setzte den Dolch an. Ein leichter Schnitt und ein bisschen Blut, und dann…

„Warte – WARTE. Ja, ja er hat die Wahrheit gesagt.“

„Na geht doch. Siehst du? War gar nicht so schwer.“ – lächelnd wandte sie sich ab und holte das Gegenmittel heraus, tropfte sie dem kleineren Mann in den Mund. Der sah erleichtert aus und bedankte sich befreit, bevor er einschlief. Fragend sah der Mörder sie an – „Schlafmittel hineingemischt.“

Nun führten ihre Füße sie zu dem Betrunkenen. Unsanft stieß sie ihn an.

„Lass das Rory!“, brummte dieser sofort.

„Na, das ist doch mal eine Bestätigung.“, bei dem Klang ihrer Stimme schreckte der Betrunkene hoch und sackte sofort wieder zusammen. Jetzt mit dieser Bestätigung flöste sie auch ihm das Schlafmittel ein.

Sie wandte sich wieder dem Mörder zu und zog ihn wieder richtig an. Dann schüttelte sie ihr Fläschchen mit dem Schlafmittel, es war nur noch wenig drin. „Weißt du? Mir ist da gerade etwas eingefallen. Ich habe eine Frage an dich. Habt ihr ein Pferd?“

„Ja. Er muss damit hergekommen sein.“, meinte der Mann resigniert. Er schien akzeptiert zu haben, dass er verloren hatte.

„Mmmh. Gut, gut.“, murmelte sie und schlug zu.

Der Kopf des Mannes flog nach hinten, er war nun ebenfalls bewusstlos. Fragte sich nur wie lange. Noch einmal überprüfte sie alle Fesseln und schnitt dem Mörder zu Sicherheit noch die Achillessehnen durch und stopfte ihm den Knebel in den Mund, dann ging dann die Treppe hinauf. Die Tür am oberen Ende verbarrikadierte sie mit einer Holzkiste. So schnell würde keiner von den Männern hier rauskommen.

Neben dem Haus sah sie dann auch ein etwas älteres Exemplar eines Pferdes, fein säuberlich angebunden rumstehen. Sich auf das erstaunlich ruhige Pferd schwingend, machte sie sich auf den Weg zur Schenke Clément. Ein Blick durch das Fenster zeigte ihr, dass Rory anscheinend bereits mit Gesellschaft in einem der Zimmer verschwunden war. Kein Rotschopf weit und breit.

Rose de noir seufzte. Sie hatte damit gerechnet. Schnell trat sie von dem Fenster zurück. Im ersten und zweiten Stock waren nur hinter vereinzelten Fenstern Licht, aber Rose wusste, dass Rory höchstwahrscheinlich darauf achten würde im ersten Stock zu bleiben, um bei Gefahr schnell durch ein Fenster verschwinden zu können. Das war einerseits gut und andererseits schlecht für sie. Sie musste ihn entweder beim Schlafen erwischen oder überraschen.

Rose lauschte. Da! Das war ein eindeutig zu lautes Stöhnen aus dem beleuchteten Zimmer im ersten Stock. Als dort auch noch kurz rote Haare auftauchten und eine weibliche verstellte Stimme laut „Oh, Rory!“ schrie, wusste sie, dass sie richtig war. Kurz wartete sie noch, bis das Stöhnen aufhörte und Rory offensichtlich eingeschlafen war. Wie sie durch das Fenster sehen konnte, war die Hure aufgestanden und zog sich soeben wieder an, klaute noch kurz Rorys Gelbbeutel, ehe sie verschwand und zurück in den Schankraum ging.

Das war Roses Chance. Schnell zog sie sich an der Hauswand hoch und verschwand schon bald im Zimmer. Rory lag splitterfasernackt auf dem Bett und schlief. Ein paar Tropfen ihres Schlafmittels sorgten dafür, dass er auch nicht mehr so schnell aufwachen würde. Notdürftig zog sie ihm Hemd, Hose und Schuhe an, ehe sie ihn mithilfe des Bettlakens fesselte und dann vorsichtig aus dem Fenster hinabließ.

Das Pferd, welches sie unten angebunden hatte, sah zu ihr, als sie Rory auf es lud. Brav trabte es nach Hause zurück. Dort führte sie es in die Hütte hinein. Anschließend schob sie die Kiste vor der Tür zurück, um dann alleine im Keller zu verschwinden. Doch auf dem halben Weg nach unten erwartete sie schon der Mörder. Er hatte sich irgendwie von den Fesseln befreit und versuchte sich die Treppen hochzuziehen.

Wütend blieb sie zwei Stufen über ihm stehen. „Willst du mir vielleicht einmal erklären, was du hier anstellst?!“

Panisch sah der Mörder zu ihr hoch. Er hatte wohl nicht erwartet sie so bald wieder hier zu sehen. Sein hilfloser tränenerfüllter Blick ließ sie jedoch nicht weich werden. Wie viele seiner Opfer hatten ihn wohl so angesehen?

Auf jeden Fall konnte sie dadurch erkennen, dass er zwar noch nicht aufgegeben hatte, aber verzweifelt war. Sich an der Wand abstützend trat sie ihm mit einem gezielten Tritt wieder gegen die Schläfe. Bewusstlos rutschte er wieder ein Stück die Treppe hinunter.

Rose zog die Tür hinter sich zu und kletterte an dem Mann vorbei in den Kellerraum. Die zwei anderen lagen noch immer unverändert auf dem Boden. Anscheinend hatte der Mörder den Stuhl zertrümmert um frei zu kommen. Mit einer Kerze kehrte Rose zu ihm zurück. Ruppig fesselte sie ihn wieder und drehte ihn dann auf den Rücken. Er verdiente eine Bestrafung für all das was er den Frauen antat, ihr antun wollte.

Sie zückte seinen Dolch und schnitt sein Hemd auf, setzte an. Sie schnitt nicht sonderlich tief, aber so, das definitiv Narben zurückbleiben würden, hätte die Wunde überhaupt dir Zeit zu verheilen. Sie ritzte eine Rose über seinen gesamten Brustkorb. Sein Körper zuckte die ganze Zeit, doch er wurde nicht wach. Nachdem sie ihr Werk vollendet hatte, stand sie auf und zog den bewusstlosen Mann die Treppe hoch. Oben fand auch er seinen Weg auf den Pferderücken.

Die anderen die Treppe hinauf zu wuchten war anstrengend, doch Rose schaffte es. Als alle vier auf dem Pferderücken lagen, sicher angebunden und gefesselt, machte sie sich auf den Weg zur Bastille. Da es bereits um die drei Uhr in der Früh war, wurde sie von niemandem aufgehalten, oder gar großartig bemerkt.

Die Wachen am Haupttor waren nun endgültig eingeschlafen und so legte Rose den Mörder umgeben von seinen Komplizen gefesselt und feinsäuberlich vor das Tor und malte allen mit Kohle eine Rose auf die rechte Hand.

Das Hemd des Mörders klaffte offen und offenbarte ihr blutiges Kunstwerk. Auf das Pferd steigend, ritt sie noch einmal zum Mörder und goss ihm den Rest des Weines aus dem Krug über die Brust. Als er laut schreiend und kreischend vor Schmerz aufwachte und so auch die Wachen auf den Plan rief, war sie schon in den Schatten verschwunden.

Nur das Kreischen des Mörders und das Geräusch eines zersplitternden Tonkruges zurücklassend, entfernte sich das leise Hufgetrappel und mit ihm Rose de noir.

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