Mutant And Proud (post Apokalypse)

GeschichteFantasy / P12
Beast / Henry "Hank" Philip McCoy Nightcrawler / Kurt Wagner Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Quicksilver / Pietro Django Maximoff Storm / Ororo Munroe Wolverine
03.04.2017
19.03.2019
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Dass George und Sue nicht Filiés leibliche Eltern waren, hatten sie ihr schon früh erzählt. Für das junge Pärchen aus Kanada war Ehrlichkeit das wichtigste und fast das einzige, was sie ihr immer wider ans Herz legten.

„Wenn du ehrlich durchs Leben gehst, kann dir das Leben keine Lasten aufzwingen.“ Mit diesem Satz, hatte George ihr damals die kleine braune Zigarrenschachtel überreicht. Sie war das Einzige, was den beiden vor siebzehn Jahren mitgegeben wurde.

Auch wenn Filié sich nicht jeden Tag fragte, wer sie war, wo sie her kam oder warum ihre leiblichen Eltern sie direkt nach der Geburt abgegeben hatten, trug sie die kleine Holzschachtel immer bei sich. Es kam ihr vor, als würde sie sie wie ein wichtiges Organ am Leben halten.



Ein kalter Luftzug wehte durch das offene Fenster in den kleinen Klassenraum im ersten Stock. Mrs Meiers war gerade dabei eine mathematische Formel an die Tafel zu schreiben, als dieser unter Filiés lange braune Haare kroch und sie mit sich riss.

Zwischen Zeige-, Mittel- und Ringfinger ließ sie eine der Zigarren tanzen, die sich schon seit Jahren in der Schachtel befanden. Als das laute klingeln der Schulglocke Filié aus ihrer Trance riss, ließ sie die Zigarre fallen, die direkt unter die Heizung rollte. „Verdammte..“ Murrend angelte sie sie mit dem Fuß unter der Heizung hervor und steckte sie samt ihrer Bücher und der Zigarrenschachtel in ihre Tasche. Der Klassenraum war mit einen Mal wie leer gefegt, keine Menschenseele war mehr zu sehen.

In aller Ruhe schulterte Filié ihren Rucksack und schlenderte zum Flur hinaus, als sie äußerst unsanft zu Boden fiel. Das Gelächter der anderen hörte sie schon gar nicht mehr, rappelte sich wieder auf und verließ unter tosendem Applaus das Gebäude.

Wenn George und Sue sie jeden Abend nach der Schule fragten, kam es Filié nicht in den Sinn zu lügen. Keines Falls. Sie ließ einfach einige Details, Hänseleien und Prügeleien aus.

Nach all den Jahren hatte sie aufgehört sich zu fragen warum genau sie eigentlich das Ziel jeder Gemeinheit geworden war.



Die Steine des Gehwegs waren von Pfützen übersät, in denen die neuen Regentropfen kleine Kreise hinterließen. Mit gesenktem Blick zog sich Filié die Kapuze ins Gesicht und stapfte im Slalom um die kleinen Seen herum.

Abgesehen von den Regentropfen, die auf ihren Mantel prasselten, vernahm Filié mit einem Mal ein weiteres Geräusch. Dumpfe Schritte folgten ihr. ‚Noch zwei Blocks’ dachte sie sich und beschleunigte ihre Schritte. Der Unbekannte tat es ihr gleich, doch als sie sich umdrehte fand sie nur eine durchnässte Katze hinter sich, die sie offenbar mit ihrer Bewegung erschreckt hatte.

Schnell drehte sie sich wieder um und rannte los, direkt in die Arme einer vermummten Gestalt. „Entschuldigung.“ Murmelte sie und trat an ihr vorbei.

Filié wollte nur noch eins: nach Hause, doch da waren wieder diese dumpfen schritte. Schlagartig drehte sie sich wieder um, doch nichts. Niemand stand hinter ihr. Nicht einmal die Gestalt, der sie zuvor in die Arme gelaufen war. Der Schweiß tropfte ihr von der Stirn, als sie durch den Regen rannte. Das Herz pochte in ihrer Brust so laut, dass es die Tropfen die an ihrem Mantel zerschellten übertönte.

Da war es, ihr Haus, nur noch ein paar Meter dann hätte sie es geschafft. Sie drehte sich im rennen noch einmal um, um zu sehen ob ihr jemand gefolgt war. Niemand war hinter ihr, dafür aber vor ihr. Unsanft landete sie wieder in den Armen der vermummten Gestalt. Filié konnte einen Mann erkennen, der durch seinen Mantel so vermummt war, dass sie nur seine Augen sehen konnte. „Was wollen sie?“ Schrie sie, in der Hoffnung das irgendjemand sie hören würde, als der Mann anfing sie fest zu umklammern. Für weitere Schreie blieb ihr keine Luft und auch der Regen verschwand von jetzt auf gleich. Der gesamte Boden schien unter ihr einzubrechen doch ehe sie sich versah, stand auf einer Wiese vor einem riesigen Anwesen, immer noch in den Armen des Mannes. Er ließ sie nicht los als sie versuchte sich loszureißen und innerhalb eines Wimpernschlages standen sie in einem Raum mit bodentiefen Fenstern. Eine junge Frau mit weißen Haaren saß vor ihr an einem schweren Eichenschreibtisch.

Selbst als der Mann seinen Griff löste, konnte Filié nicht atmen.

Panisch fuhr sie herum und landete mit dem Kopf zuerst auf dem Boden, unter ihr eine große Pfütze aus Regenwasser.

Ein stechender Schmerz durchquerte ihre Stirn, ehe sie eine sanfte Stimme vernahm. „Ach Liebes, ich hoffe du hast dir nichts getan?“ Die junge Frau erschien in ihrem Blickfeld, gefolgt von dem immer noch in schwarz gehüllten Mann. Seine zu Schlitze verengten Augen deuteten auf ein Lachen hin.

Lächelnd half die junge Frau Filié auf, die am ganzen Leib zitterte und ohne Hilfe nicht in der Lage war sich zu bewegen. Was war gerade mit ihr passiert? Hatte sie nun endgültig den Verstand verloren?

„Ich bin Storm. Ich hoffe Kurt hat dir nicht allzu viele Umstände bereitet.“ Ihr Blick wanderte zu dem in Schwarz gekleideten Mann, der als er seine Kapuze abnahm, ein blaues Gesicht zum Vorschein brachte.

Filiés Augen formten sich zu engen Schlitzen, als sie einen entsetzlichen Angstschrei ausstieß.

„Schh, alles ist gut, du bist hier in Sicherheit.“ Storm legte ihr sanft die Hand auf den Rücken und wollte sie zu den Stühlen begleiten die vor dem Schreibtisch standen. Doch Filié hatte ihre Stimme und ihr Gleichgewicht wiedergefunden. Mit aller Kraft riss sie sich los: „Soll das ein Scherz sein? Ohne diesen Freak wäre ich gar nicht in Gefahr gewesen! Was zur Hölle ist hier eigentlich los?“ Ihre Angst und Unsicherheit bündelten sich nun zu kalter und stechender Wut.

Zu ihrem Erstaunen, war Storm neben dem Schreibtisch stehen geblieben und redete weiter mit sanfter Stimme: „Filié. Du bist in größerer Gefahr als du vielleicht vermuten magst. Ich versichere dir, Kurt hat nur zu deinem Wohl gehandelt, wenn auch ein wenig ungeschickt.“

„Bitte?“ Keines von Storms Worten schien für Filié einen Sinn zu ergeben,

„was für eine Gefahr? Das ist doch ein Scherz, ich will jetzt sofort nach Hause!“

„Versteh doch, es gibt kein zu Hause zu dem du zurück kehren kannst. Irgendjemand ist hinter dir her und hinterlässt auf seiner Reise nichts als Chaos und Verwüstung.“ Storms Miene verfinsterte sich, aber in ihrer Stimme lag keine Wut. Eher eine tiefe Trauer, als würde sie nicht zum ersten mal in einer solchen Situation sein.

Filié wollte die Gedanken die ihr in den Kopf kamen nicht wahr haben, benommen taumelte sie ein paar Schritte rückwärts.

Den Tränen nahe richtete sie sich an Storm:“ Was ist mit meinen Eltern?“

„Es tut mir leid.. aber Sue und George sind..“

„Nein. Nein. Nein, nein, NEIN!“ Filié schrie, sie hatte das Gefühl als würden sämtliche ihrer Organe durch Säure zersetzt werden. Die Hände an die Ohren gepresst, sank sie auf die Knie. Ihre Schreie schienen so entsetzlich zu sein, dass Kurt ein paar Schritte zurück machte, die Hände an die Brust gepresst, das Gesicht schmerzverzerrt, bis er sich in eine blaue Rauchwolke auflöst.

Viel mehr bekam Filié nicht mit, keines der gut gemeinten Worte der weißhaarigen Frau, keine sanfte Berührung.

Der Schmerz stahl ihr das Bewusstsein.

(Dies ist eine Überarbeitete Version der Geschichte X-Men - Vergessene Zeiten. Hoffentlich bleibt sie dieses mal drin.)
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