Lodernde Sehnsucht

von coco1990
KurzgeschichteRomanze / P18
Hawk Sienna Lauren
03.04.2017
02.09.2017
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22.04.2017 3.754
 
SINGENDE SEHNSUCHT

Hawke war weg. Sie sah den Lichtern des Autos hinterher, wie sie sich immer weiter entfernten. Sie rieb sich die Oberarme, ihr war innerlich ganz kalt geworden. Es ist ja nur für einen Abend versuchte sich Sienna zu beruhigen und ging in Hawkes Unterkunft in der Höhle. Umgeben von seinem Duft beruhigte sie sich etwas und versuchte sich irgendwie von dem hohlen Gefühl in ihrem Herzen abzulenken, dass sie überkommen hatte als sie das Auto in der Dämmerung verschwinden sah. Der Zug des Paarungsbandes schmerzte sie tief in ihrer Seele und rieb sie innerlich auf. Egal welche Art der Ablenkung sie sich auch suchte, Nichts schien sie für längere Zeit beschäftigen zu können. Unruhig tigerte sie in der Wohnung des Leitwolfs umher, das kalte Stechen der Einsamkeit unter ihrer Haut nahm immer mehr zu, unwillig stöhnte sie auf und wuschelte sich durch ihr Haar. Aus dem inneren Drang heraus Hawke auf die größtmögliche Art nahe zu sein, öffnete sie seinen Kleiderschrank und erforschte den Inhalt bis sie fand was sie suchte, einen großen Kapuzensweater, den sie sich überzog. Sie lächelte unbewusst als sie die Ärmel aufkrempelte, an eine Unterhaltung erinnert, die nicht ganz sechs Monate her war: „Du bist ziemlich klein!“ „Vielleicht bist du ja nur einfach zu groß.“ Immer noch in Gedanken versunken glitt sie mit ihren Händen über den Stoff, als würde sie ihren Wolf streicheln. Da klopfte es an der Tür und Sienna zuckte zusammen, da sie so unerwartet aus ihren Gedanken gerissen wurde. Sie ging und öffnete vor ihrer Nase war eine Person deren Gesicht von 3 DVD-Covers verdeckt wurde, die einen düsteren Eindruck machten. Aber die Gesichtszüge musste Sienna gar nicht sehen um zu wissen, dass ihre Freundin Evie gekommen war um sie abzulenken. „Was machst du denn hier?“ „Naja, du bist alleine, mir war langweilig und ich wollte mich nicht alleine gruseln“, kam es von einer verschmitzt dreinblickenden Evie, als sie die Hüllen der DVDs langsam senkte. „Hast du was zu knabbern da, oder nur deinen ollen Süßkram?“ und schon drängte sie sich an ihr vorbei in die Wohnung.





Hawke blickte von der erhöhten Position seines Standpunktes auf die schlafende Sierra und verlor sich für einen Augenblick in der Schönheit, die ihn umgab. Sein Herz beruhigte sich etwas, als er in der friedlichen Stille der Nacht einen tiefen Atemzug tat. In seiner Wolfsgestalt fühlte er sich etwas wohler, da er den unangenehmen Druck der Kleidung los war, doch selbst in seinem Pelz war es ihm heute zu eng. Das Paarungsband ziepte. Dieses Gefühl mochte er nicht, so sehr er es liebte eine Gefährtin zu haben und mit ihr in dieser einzigartigen Art und Weise verbunden zu sein, musste er sich dennoch etwas überlegen, da er sonst auf Dauer nicht 100% einsatzfähig sein würde. Er seufzte in die Dunkelheit. Er verabscheute es, wenn er wegen seiner Loyalität seiner Frau gegenüber und der für sein Rudel in den Seilen hing. Er sah in den mit Sternen übersäten Himmel über ihm, doch dieser wunderschöne Anblick erinnerte ihn nur an Siennas einzigartige Medialenaugen. Ein Gedanke an seine Gefährtin, die jetzt alleine in der Höhle im Bett lag und seine Stimmung sank in bodenlose Tiefen, sein Herz fühlte sich ausgehöhlt. Es zog ihn so sehr zur Höhle, zu ihr, dass er mit seinen Gefühlen schon bei Sienna war, seine Wachsamkeit allerdings weiterhin auf die zu bewachende äußere Grenze richtete. Wolf und Mann verachteten diese Gespaltenheit seines Wesens, aber was sollte er tun die andere Hälfte seiner Seele war nicht bei ihm und nur mit ihr fühlte er sich ganz.





„Mach´s gut und nimm dich in Acht vorm Boogieman“, mit diesen Worten schloss Sienna die Tür hinter einer lachenden Evie, die soeben den Heimweg angetreten hatte. Sie hob die Hand vor den Mund, als sie gähnte und streckte sich als sie einen Blick auf die Uhr warf. 3:00 Uhr morgens, in nicht ganz 4:00 Stunden würde Hawke wieder da sein. Bei dem verlockenden Gedanken, dann von ihrem hungrigen Wolf wachgeküsst zu werden, lächelte sie und ging mit dieser vielversprechenden Vorstellung in ihrem Kopf in Hawkes Sweater und seinem unvergleichlichen Duft eingehüllt ins Bett.

Sobald das Licht in Hawkes Wohnung verlosch, glitt Sienna in tiefen Schlaf, und fand Eingang in eine Traumwelt: Sie flog in diesem Traum über das Snowdancer Territorium, die ungeahnten Weiten der Sierra erstreckten sich unter ihr. Sie fühlte sich frei, wie ein Vogel. Die Sonne ging soeben auf und sie flog gegen den Horizont, genoss die frische mit taubedeckte Luft des anbrechenden Tages, begann schließlich zu sinken, sank immer weiter und fand ein schönes Plätzchen im Wald auf einem hohen Mammutbaum. Sie sah auf eine große bewaldete Fläche und ihr wurde bewusst, dass es sich um das Schlachtfeld handelte, welches ihretwegen aufgeforstet werden musste, doch es war intakt jeder Baum des Waldes stand wo er immer schon gestanden hatte. Doch bei dem idyllischen Anblick regte sich trotzdem ihr Gewissen. In der Ferne hörte sie Lachen und eine Stimme, die vergnügt durch die Geräusche des erwachten Waldes klang. Unter ihr lief lachend eine Frau durch die Wälder. Sie trug ein langes lilafarbenes Trägerkleid, das sie mit dem Nebel des aufkommenden Tages vermischte und so gut im Unterholz tarnte. Sie rannte lachend Barfuß weiter durch das Geäst. Aus ihrem französischen Zopf hatten sich schon mehrere dunkelbraune Strähnen gelöst, doch es schien sie nicht zu kümmern. Sie lief weiter behände durch das Dickicht und Sienna, die diese Fremde nicht kannte, beschloss ihr in ihrer Traumgestalt zu folgen. „Bleib doch stehen“, hörte sie da eine leicht raue und ihr gut bekannte Stimme in amüsiertem Tonfall durch die Stille des Waldes tönen, sie schauderte. „Nein!“ Die Frau hatte sich feixend mit einem kurzen Blick über die Schulter versichert, wo ihr Verfolger war und hob nun ihr Kleid um weiter zu huschen. Doch Hawke hatte sie schon ins Visier genommen und war los gesprintet, hatte sich auf sie geworfen und war mit ihr in den Armen in die Ausbuchtung eines Mammutbaums geraten. Kichernd drückte die schöne Unbekannte gegen die Schultern des Leitwolfs, der wild knurrte, sie trotz ihrer abwehrenden Hände in den Nacken biss und tief grollte: „Ich hab gewonnen, jetzt will ich meinen Preis“. „Nein“,  überschäumend grinsend, schüttelte die Frau ihren Kopf, „nach so langer Zeit hätte ich es wissen sollen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, und legte ihre Arme um seinen Hals. Sienna konnte einfach nicht glauben was sie da sah. „Komm schon Rissa, sei doch nicht so gemein!“ Hawke rieb seine Wange an ihrer und sah ihr danach tief in die Augen. „Na gut, ich will mal nicht so sein“, meinte Rissa und zog seinen Kopf in einem wilden Kuss an sich; was Hawke mit einem unterdrückten Stöhnen quittierte. Der Kuss wurde sehr innig und hörte erst auf als beide schwer atmeten. Rissa. Sienna konnte es nicht fassen. Rissa lebte? Sie hatte Hawke in den Armen gehalten hatte miterlebt wie sehr er sich seiner ehemaligen Freundin aus Kindertagen verpflichtete gefühlt hatte, hatte mit ihm getrauert über den Tod des Mädchens, dass niemals zur Frau heranreifen würde, und jetzt … Hawke lachte, dieses Geräusche lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Szenerie vor ihr, diese Art zu lachen kannte sie von Hawke nicht. Es klang sorglos, durch und durch glücklich, er hörte sich komisch an. Es passte nicht zu dem Mann, den sie kannte und doch sie sah sein Gesicht, das vor Glück und ja auch Liebe strahlte. Sie kannte dieses Lächeln auf seinem Gesicht, ganz selten und meist in unbeobachteten Momenten hatte sie es über sein Anglitz huschen sehen, seit sich ihr Paarungsband geschlossen hatte, aber so breit und offen wie jetzt, war es noch nie gewesen. Sienna blickte verwundert auf die vor ihr gelegene Szenerie. Eine seltsame Welt, in der Hawke nicht mehr Hawke war, in der Rissa nicht mehr tot war und in der sie selbst…nicht mehr war?

Durch die Ruhe des Waldes schallten auf einmal immer lauter werdend Rufe. „Ich glaube wir müssen wieder zurück“,  flüsterte Rissa leise in sich hineinlachend und zwickte Hawke keck in die Nase. „Na warte“, und schon wurde sie unter Hawkes Körper begraben und wand sich ausgelassen kichernd unter seinen kitzelenden Fingern. „Hawke!“ unwillig stöhnte der Leitwolf an Rissas Lippen, die er gerade wieder mit einem heißen Kuss erobern wollte, „wenn es nicht wirklich wichtig ist, dann wird heute jemand sterben“, flüsterte er ihr sehr leise ins Ohr. Doch gleichzeitig wurde er sehr still, fast starr. Sienna, die immer noch ungläubig erstarrt in der Krone des Mammutbaumes saß und auf die Szenerie blickte, kannte diese Körperhaltung, es bedeutete nichts Gutes. Schon brachen zwei Gestalten durch das Dickicht Sienna erkannte auf einem Blick es waren Drew und Judd, der vorne weg lief. Beide waren blass und hatten grimmig die Lippen aufeinander gebissen. „Du musst sofort kommen“, meinte Judd ohne im mindestens außer Atem zu sein, „der Kindergarten hat einen Ausflug gemacht und sie haben…“, Judd wurde von Drews wildem Knurren unterbrochen. „Wie viele? “ fragte Hawke nur tonlos als er sich vom Boden erhob und einer leichenblassen Rissa aufhalf. „Alle“,  kam es heiser aus Drew heraus, es schien als hätte er bei diesem Wort fast die Beherrschung verloren und kämpfte verzweifelt darum sich wieder unter Kontrolle zu bringen, so sehr spannten sich die Sehnen seines Halses, als er seinem Alpha das ganze Ausmaß der Katastrophe enthüllte. „Wie können sie nur!“, kam es entsetzt von Rissa, die sich bleich und zitternd an Hawkes Hand festhielt. „Dafür werden sie büßen!“ kam es zornig von Hawke und er drückte fest Rissas Hand mit seiner. „Ja, das werden sie“, meinte Diese, zustimmendes Knurren kam aus den Kehlen von Drew und interessanter Weise auch von Judd. „Dafür werden wir schon sorgen“, grimmiges Einverständnis herrschte in dem kleinen Kreis, der sich nun zur Höhle begab um das weitere Vorgehen zu besprechen und für die Hinterbliebenen dazu sein und wenn nötig Kraft und Trost zu spenden. Gewalt lag in der Luft…





Hawke war mehr als nur verwirrt. Er hatte gegen 3:00 seine Wache an Tai übergeben und sich immer noch in Wolfsgestalt nahe einer steinigen Plattform niedergelassen um im unruhigen Schlaf der Soldaten den Anbruch des Tages zu erwarten. Und nun fand er sich in einer Welt wieder in der Rissa noch lebte und sein Rudel von Medialen angegriffen wurde und nicht nur das, die Medialen hatten sich auch noch an den Jüngsten vergriffen. Er verstand die Welt nicht mehr, wo war Sienna? Warum konnte er durch das Paarungsband ihre erschreckte Starre spüren, was war denn heute nur los? Der Wolf mit dem lichten Fell, der unter dem Sternenhimmel schlief, drehte sich verwirrt knurrend auf seine andere Seite, doch seine animalischen Instinkte, welche die besonders feine Note dieser Szenerie erkannten, sagten ihm das dies nicht real war. Ein Traum also, aber dies war nicht seine Traumwelt. Er hatte nicht einmal in der schlimmsten Zeit nach Rissas Tod von ihr geträumt und da es nur einen Menschen gab mit dem ihn eine dermaßen tiefe Verbindung vereinte, musste es wohl Siennas Träumerei sein. Hawke kannte ihre Träume, wusste wie sehr seine Gefährtin immer noch unter der Finsternis ihrer unkindlichen Jugend litt und deshalb folgte er ihr in die Dunkelheit um sie zurückrufen zu können sollte sie sich zu sehr in altem Schmerz verlieren.





Der Mammutbaum und seine Krone verschwammen im Nebel und als die Szenerie wieder schärfer wurde, fand sich Siennas Traumkörper wieder, diesmal in einer ihr unbekannten Umgebung. Die nüchterner Einrichtung des Raumes vor ihren Augen, weißen Wände und schwarzer Tisch und Sessel sowie das Fehlen von Bildern und Pflanzen legte die Ahnung nahe, dass es sich um einen Ort von oder für Mediale handelte. Was allerdings noch viel schlimmer war als die Einrichtung des Raumes war die Person, welche sich in ihm aufhielt: die Bestie ihrer Kindheit, das Medialenmonster, ihr Kerkermeister Ming LeBon saß in einem Sessel und blickte gleichmütig auf die Uhr, die über der Tür tickte. Als sich diese öffnete sah Sienna erschreckt in ein ihr nur allzu bekanntes Gesicht, wie in einem Spiegel betrachtete sie sich selbst, wie sie eintrat. Aber halt, es war nicht die Frau die lachend mit Evie gescherzt hatte und begierig der sinnlichen Lust mit Hawke nachgab. Nein, es war eine andere Sienna, die nun den Treffpunkt betrat, eine Frau die tief in Silentium ruhte und ganz in schwarz gekleidet, außerhalb des Medialenvolkes im Schatten agierte, so wie es von ihr als kardinale Waffe erwartet wurde. „Sir“, grüßte sie und nickte dabei militärisch ihrem Gegenüber zu. „Schön, dass du es einrichten konntest“. „Sie haben mich gerufen“, eine perfekte Antwort von einer perfekt abgerichteten Medialenwaffen. Untergeben, willfährig ihrem hintertriebenen Gegenüber und ehemaligen Ausbilder. „Ja, ich will, dass du mir zur Seite stehst, wenn ich die Wölfe auffordere mir ihr Land zu geben. Die Übergabe wird nicht kampflos stattfinden, doch dank der Taktik der Nadelstiche sind sie demoralisiert. Du fungierst nur als Absicherung. Um 3:00 wirst du mit einem Tarnkappenbomber ins Zielgebiet transferiert, dann gehst du im Hinterland in Deckung. Genaue Koordinaten telepathiere ich dir noch“,  kam es ruhig von dem skrupellosen Mann am Tisch. Sienna sah sich die Stirn runzeln „Sir, ich weiß nicht ob ich das kann. Ich habe meine Kräfte nicht unter Kontrolle, ich agiere bestenfalls als Wachmann über meine Fähigkeiten. Ich kann nie sagen wann und wo sie ausbrechen“. „Das war keine Bitte!“ kam es in kaltem harten Tonfall von Ming LeBon, der ihr einen eisigen Blick schenkte. „Denk dran, seit deine Familie tot ist, stehst du unter Beobachtung, also verhalte dich dementsprechend!“ Sienna sah ihren roten Haarschopf nicken „Sir!“ ihr Gesicht eine eisige Maske von Silentium und fühlte sich wie gespalten, tief in ihrer Seele. Sie stand definitiv auf der falschen Seite, wusste sie denn nicht mehr was richtig war? Sie musste aufgehalten werden. Die Person vor ihr mit dem  roten zu einem Knoten gebunden, langen Haar ganz in schwarz, strahlte so eine Kälte aus. Es tat ihr fast körperlich weh…in diesem Moment wurde Sienna klar: sie hatte sich selbst verloren. Schock, Schmerz sie spürte wie er sich wie ein Embryo in ihr einrollte. Die überwältigende einsame Kälte von Silentium, alles brach über Sienna wie ein zusammenfallender Wellenkamm herein. Sie fühlte unsichtbare Wände um ihren Geist die sich langsam auf sie zu bewegten, sie einschlossen und allein in der hohlen Leere von Silentium zurückließen, an diesem kalten stillen Ort, allein mit der gefährlichen, unheimlichen Kraft des ebenso kalten, ewig in ihr lodernden, gefräßigen X-Feuers. Doch ein tiefes Knurren ließ sie etwas leichter atmen. Sienna wälzte sich unruhig von einer Seite des Bettes zur anderen. Sie schwitzte und fror gleichzeitig unter der Bettdecke in Hawkes Sweater. Sie fühlte, wie sie aus der Umklammerung des Abtraumes entkam, wie ihr Bewusstsein langsam ins Licht driftete, nur um kurz darauf den wieder fester werdenden Griff der bösen Illusion zu verspüren, die sie wieder mit sich nach unten zog und ihr Geist trudelte wieder hinab stürzte in die Dunkelheit.

Die nächste Episode, die ihr nun vor Augen stand war Sienna auf schreckliche Art und Weise bekannt. Sie befand sich wieder auf der Lichtung. Der Ort, der dank ihres Eingreifens zu einer kahlen Ödnis verkommen war und hier so unangetastet wie noch vor ein paar Wochen aussah. Auf Frieden konnte keine Seite mehr hoffen, da der Angriff auf die Schwächsten des Rudels den aggressiven Beschützerinstinkt der Raubtiere geweckt hatte, nun konnte kein Medialer mehr Erbarmen oder Gnade erwarten, die Wölfe wollten Rache. Um Mitternacht hatten die Wölfe das Basislager der makellosen Medialen in die Luft gesprengt. Um drei hatten die ersten Tarnkappenbomber das Territorium überflogen. Sienna hatte in ihrer Traumgestalt von der bewussten Stelle auf dem Mammutbaum alle Truppenbewegungen gut übersehen können. Sie fragte sich ob die Sienna, die Ming ihre Mithilfe versichert hatte, schon im Territorium war. Sie sah wie Rissa Hawke einen Kuss raubte, „Pass auf dich auf“, hatte sie mit großen feuchten Augen von Hawke gefordert, „denn wenn ich dir hinterherjagen muss, wirst du es bitter bereuen“. „Nein, du passt auf dich auf, sonst überleg ich mir vielleicht ob ich dich nicht einfach im Dickicht sitzen lasse“. Dieses Geplänkel hörte sich nach einem alten Frage/Antwortspiel an. Eine Tradition, die nur für dieses Paar Sinn ergab. Sienna sah Hawke zu, wie er nach einem letzten leidenschaftlichen Abschiedskuss sein auffällig lichtes Haar mit einer schwarzen Mütze tarnte. Sie sah zu wie Drew und Indigo sich zu ihm gesellten. Sie sah es und es brach ihr das Herz zu wissen, dass all das zwecklos war solange sie, oder was auch immer von ihr übrig war, auf der falschen Seite kämpfte. Sie alle waren verloren und Sienna konnte in ihrer Traumgestalt nur hilflos zusehen und nichts tun, sie würde zu sehen müssen, zu sehen wie sie ihrem Rudel das antat was sie vor nicht allzu langer Zeit den Medialentruppen von Henry Scott angetan hatte. Dies wurde ihr bewusst als sie die ersten Eindringlinge im Dickicht entdeckte. Sie sah Hawke, der seine Leute noch ein letztes Mal briefte. Dann erschien Ming, wie Henry Scott in jener schicksalsträchtigen Nacht, teleportierte er mitten in das Land der Wölfe unter scharfer Bewachung und an der Spitze seiner Truppen. Sienna sah sich in der näheren Umgebung um und bemerkte einen schlanken Schemen und wusste nun mit Sicherheit ihr zweites Ich hielt sich im Schatten auf, um jederzeit auf Mings Befehl einzugreifen.

„Das ist eure letzte Chance“, schallte es zu der Gruppe der Wölfe herüber. „Ergebt euch, dann lasse wir euch ziehen“. „Und warum, sollten wir so etwas tun? Das ist unser Land“, kam es frech und selbstsicher von Hawke zurück der hinter einer kleinen Anhöhe versteckt auf seine Beute lauerte. Ming versuchte diplomatisch zu argumentieren: „Ihr seid in eine politische Auseinandersetzung hineingeraten, deren Ausmaß ihr nicht begreifen könnt. Es wäre nur zu eurem besten euch zu ergeben.“

Es wurde totenstill auf dem Schlachtfeld und dann erscholl ein gespenstisches Heulen, es ergoss sich über die Medialenangreifer und selbst jene die sich perfekt in Silentium befanden erschauerten vor Angst. Dann begann das Kampfgetümmel: Die Vorteile der Medialen waren herausragend, doch das Wolfsrudel wurde durch ihre Aggression und Trauer angetrieben. Dadurch erschienen die Seiten an Kraft und Truppenstärke ausgeglichen. Als Ming dies bemerkte gab er den telepathischen Befehl die Medialentruppen hinter die Verteidigungslinien zu teleportieren, dort wurden diese aber schon von den wilden Wölfen erwartete und überwältigt,  so ging die taktische Stärke der Medialen verloren. Der Befehlshaber bemerkte das und fackelte nicht lange; Siennas Traumgestalt bemerkte zu ihrem Entsetzen wie sich ihr dunkler Zwilling im Schatten bewegte und ungebremst auf das Kampfgetümmel zuhielt. Sie erschien am Rand der bewaldeten Fläche auf der die Auseinandersetzung in vollem Gange war, ihr Blick war fest auf das Rudel gerichtet, als ob sie ihr Ziel anpeilte, dann streckte die schwarze kalte Gestalt ihre Hände aus und X-Feuer schoss auf Siennas Rudel ihre Familie.





In den Bergen, auf einem Felsvorsprung schreckte Hawkes Wolf aus dem Schlaf. Das Band hatte ihn geweckt. Er hatte es ganz genau wahrgenommen soeben hatte Siennas Herz für eine Sekunde ausgesetzt. Der Wolf war verzweifelt er konnte seinen Posten nicht verlassen und doch spürte er Siennas Schmerz, ihr tiefes Leid als wären es seine Empfindungen und dieser verstörende Traum…was konnte er nur tun irgendwie schien er durch das Paarungsband nicht zu seiner Gefährtin durchzudringen. So entschloss sich Hawke die einzige Möglichkeit zu ergreifen mit der er sie schützen konnte, legte sich wieder nieder und schloss seine Augen. Sein Wolf war ihr Sklave, der sie in die Dunkelheit begleiteten würde, wenn sie schon nicht mit ihm ans Licht treten wollte.





Sienna zwang sich die Augen offen zu halten, zwang sich zu sehen was sie niemals geschehen lassen wollte und sah… sich in güldenes, tödliches X-Feuer gehüllt. Sah sich wie sie die todbringenden Flammen im letzten Moment auf ihre eigenen Leute umleitete. Die ersten Medialen schrien ungläubig auf als Siennas Fähigkeiten sie ansteckte und verglühten zu einem Haufen Asche bevor ihre Schreie laut genug werden konnten um von den Nächststehenden gehört zu werden, ehe auch sie das gleiche Schicksal teilten. Sienna atmete auf ,sie sah wie sie wütete, wie ihre X Veranlagung alles und Jeden verschlang, der sich ihr in den Weg stellte und gerade als sie in ihrer Traumgestalt erleichtert aufseufzte, erloschen die Flammen so plötzlich wie sie gekommen waren. Sienna sah sich zu Boden gehen, schmerzverzerrt die Hände an ihren Kopf gelegt, aus ihrer Nase und ihren Ohren schoss Blut, als sie verwirrt suchend den Blick über die nun kahle Ebene schweifen ließ bis er auf Ming LeBon traf, der ihn kalt erwiderte. In ihrem Kopf hörte sie seine Stimme: „Du gehörst mir. Du bist meine Kreatur, hast du das vergessen?“ „Nein“, wimmerte sie vor ihm kniend „nein, nein, nein aufhören, aufhören“. Ming begutachtete sie mit seinem forschenden Vogelblick und ließ das unsichtbare Band um ihr Gehirn wieder locker. Sienna betrachtete in ihrer Traumgestalt die Szenerie und wurde der fast nicht sichtbaren Kopfbewegung zwischen ihrem am Boden knienden Selbst und einem Wolf in ihrer Nähe gewahr. Ein kurzes, fast nicht vorhandenes Nicken zum Zeichen des Einverständnisses, dann ging alles sehr schnell. Sienna erhob sich in einer fließenden Bewegung vom Boden und schloss Ming in ihre Arme, während sie wie es schien ihre ganze Energie im X-Feuer kanalisierte und sie beide darin einhüllte. Ein markerschütternder Schrei der von beiden Wesen zu kommen schien, dann war Ming LeBon das mediale Ratsmitglied, der Albtraum ihrer Kindheit Geschichte, nur noch Asche und Staub. Sienna sah sich zu Boden sinken. Mit rotgoldenen Augen sah sie zu Judd, der seine Mütze runtergerissen hatte und drauf und dran war zu ihr zu rennen. „Nicht, du hast es versprochen“ wisperte sie leise, als ihr eine einzelne Träne ihre Wange hinunter lief und sich ihre Augen blau färbten. „Was tut sie da?“ herrschte Hawke Judd an und wollte sich an ihm vorbeidrängen als die blauen Flammen nun mehr an ihrem ganzen Körper leckten und der Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft lag. „Nicht“,  kam es heiser aus Judds Kehle, der gleichzeitig Hawke festhielt damit er sich ihr nicht näherte, ihn aber auch als Stütze missbrauchte, da er sein Versprechen seiner Nichte gegenüber halten musste. „Das ist Sienna. Sie vernichtet die Waffe!“ „Welche Waffe?“ kam es verständnislos aus Hawkes Mund. „Sich selbst“,  diese Worte spie Judd aus und sank dabei vor Schmerz auf die Knie. Vor ihnen verkohlte Siennas toter Körper und ihr Rudel, das in dieser Welt nie ihr Rudel gewesen war, sah unbeteiligt dabei zu. Auf einmal lag ein wildes Knurren auf der Szenerie es wurde immer lauter, schien überall zu sein und jede Ecke auszufüllen bis sich alles vor Siennas Augen in Luft auflöste und…
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