Regen in Jerusalem

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
01.04.2017
01.04.2017
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Regen in Jerusalem



Malik seufzte auf. Der Himmel über Jerusalem hatte seine Pforten geöffnet und schien das Ziel zu haben, alle zu ertränken, die sich in diesen Tagen auf die Straßen wagten. Der Büroleiter hatte dementsprechend wenig zu tun. Die meisten Karten waren bereits vervollständigt und vervielfältigt. Alle Bücher hatte er geordnet und abgestaubt, selbst an Schreibfedern besaß er nun einen Vorrat, der wohl den Rest des Jahres halten würde.
Irgendwann hatte er es sich mit einem Buch in einer Ecke bequem gemacht und begonnen zu lesen. Es waren einige Stunden darüber vergangen, die nächsten Bücher folgten und nun umgaben ihn etwa vier kniehohe Stapel mit ausgelesenen Werken. Seine Augen brannten. Während der gesamten Zeit hatte der Regen weder ab noch zugenommen. Malik war entnervt.
Er erhob sich und ging zurück in den hinteren Teil des Büros. Dort bewahrte er seine alte Ausrüstung auf. Es war pure Nostalgie, wenn er über Waffengürtel und Versteckte Klingen strich. Seit dem Tag, ab dem er seinen linken Arm verlor, hatte er sie nicht mehr angelegt. Entsprechend eingestaubt sahen sie aus. Er holte sich einen Lappen und Reinigungsöl und setzte sich mit dieser Erinnerung an eine vergangene Zeit an den Tresen. Besser gesagt, er ließ sich davor auf den Boden sinken. Die Reinigung der Waffen gestaltete sich mit nur einer Hand sehr schwierig. Vor allem die feine Mechanik der Versteckten Klingen raubte ihm den letzten Nerv. Dennoch, diese langwierige Arbeit lenkte ihn ab und beruhigte ihn gleichzeitig. Nachdem er die Versteckten Klingen gemeistert hatte, zog er die Messer heran, die er unter seiner Kleidung und in seinen Stiefeln versteckt hielt. Für den Ernstfall war er immer noch vorbereitet, selbst wenn er in einem richtigen Kampf wahrscheinlich unterliegen würde. Malik betrachtete das schimmernde Metall nachdenklich. Dann spürte er plötzlich eine andere Präsenz im Raum und einen bohrenden Blick auf sich lasten.
Er drehte sich zur Tür.
„Altair“, stellte er mit kalter Stimme fest. Der Assassine stand draußen im leergeräumten Innenhof und ließ sich duschen. Malik hob eine Augenbraue.
„Kommt herein. Da draußen holt Ihr Euch nur den Tod.“
Altair senkte leicht den Kopf und lächelte. Wasser lief in kleinen Rinnsalen von seiner bereits durchnässten Kapuze. Er war von seinem verhassten Element umgeben, doch es störte ihn nicht. Er nahm es in Kauf, denn er war mit einem Ziel vor Augen hierher gekommen. Wenn er es erreichte, würde er eintreten, wenn nicht, würde er gehen. Für eine sehr lange Zeit.
Er hob den Kopf und betrachtete Malik, der noch immer auf dem Boden saß und einen Dolch in der Hand hielt, während alle anderen Waffen fein säuberlich vor ihm aufgereiht lagen.
Die Situation zwischen ihnen hatte sich in den letzten Wochen zunehmend entspannt. Inzwischen behandelte ihn Malik mit einer Art bärbeißigen Neutralität, doch Altair wollte mehr. Er wollte wieder aufleben lassen, was damals in Salomons Tempel zwischen ihnen begraben wurde. Wenn es nicht funktionierte, dann würde er Malik in Ruhe lassen. Er würde auf Abstand gehen und darauf hoffen, endlich vergessen zu können. Zwar würde nie eine andere Person Maliks Platz einnehmen können, aber er konnte stoisch weiterleben, wenn er es darauf anlegte. Einsam, aber wahrscheinlich erfolgreich.
Nun kratzte er seinen Mut zusammen und atmete tief durch. Mit Waffen konnte er umgehen. Mit Worten nicht und er hatte Angst davor, jetzt von ihnen verletzt zu werden, denn diese Wunden würden bleiben. Er neigte den Kopf zur Seite, richtete sich auf und ein Lächeln voller Wärme erschien ohne sein Zutun auf seinem Gesicht. Dann begann er zu sprechen.
„Malik, ich… Ich bin ein Idiot und du hast Recht, wahrscheinlich bin ich auch ein verdammt arrogantes Arschloch, doch…“, er seufzte und atmete noch einmal tief durch. „Ich bitte dich, mir zu verzeihen. Damals… als ich nicht auf dich gehört habe… das war jemand anderes. Das war ein verblendeter Hornochse, der alles vergessen hatte, was er einmal achtete.“ Er lachte. Es klang freudlos. „Ich habe mich gefühlt wie ein verdammter Gott. Unantastbar, unbesiegbar und allmächtig. Ich war so dumm. Es hat wirklich erst den Tod deines Bruders und den Verlust deines Armes benötigt, um mir die Augen zu öffnen.“ Er senkte den Blick und zögerte. „Ich… ich kann es nicht rückgängig machen, so sehr ich es mir auch wünsche.“ Er stockte. „Inzwischen habe ich viel gelernt. Ich habe meinen Rang wiederhergestellt und begonnen umzudenken. Meine Schuld… wird nie ganz beglichen werden können, das ist mir klar, aber ich habe zumindest meine Fehler erkannt und versucht sie auszusühnen.“
Jetzt sah er wieder auf, sah Malik offen ins Gesicht und schob sich die Kapuze vom Kopf. Das war der größte Vertrauensbeweis, den man von Altair erwarten konnte. Seine Emotionen spielten gut sichtbar in seinen goldenen Augen und Malik sah genau, dass seine Unterlippe zitterte. Wasser verfing sich in den kurzen hellen Haaren und tropfte auf Wangen und Hals. Er sah unbeschreiblich schön aus in diesem Moment. Malik schluckte und richtete sich noch etwas auf. So ehrlich wie in den letzten Minuten, hatte er Altair selten erlebt. Grade was seine Gefühle anging, war der Adler normalerweise verschlossen. Nun legte er Malik seine Seele zu Füßen. Ein kostbarer Augenblick, der bis in Maliks Innerstes vordrang. Dann sagte er etwas, das sich dem Kartografen auf ewig ins Gedächtnis brennen sollte, denn er musste dem Assassinen in diesem Moment einfach glauben. Es lag eine alles verzehrende Wärme in dem schimmernden Gold.
„Ich wollte dir niemals weh tun Malik. Ich liebe dich. Immer schon. Ich war nur zu dumm es zu begreifen. Inzwischen habe ich mich geändert. Du hast mir die Augen geöffnet. Ich kann verstehen, wenn du mich immer noch hasst, wenn du mich weg haben willst, aber…“
Der Büroleiter hob die Hand und schnitt ihm so das Wort ab. Inzwischen war er aufgestanden und nun trat er hinaus in den Regen. Der Moment der Wahrheit war gekommen.
„Du bist ein absolut idiotischer Geier, weißt du das?“, fragte Malik mit einem Lachen in der Stimme.
Altair stockte, dann sah er von seinen Füßen auf und fand tatsächlich ein Lächeln  in den sonst so ernsten Zügen seines alten Freundes. Er hatte es vermisst. Es bedeutete Hoffnung.
„Was… ?“
Malik kam auf ihn zu, zog ihn am Kragen ins Trockene und stieß ihn leicht gegen den Tresen.
„Ich habe selbst gemerkt, dass du dich verändert hast, du Idiot. Deine Arroganz hast du abgelegt, deinen Stolz begraben und das Kredo erneut erlernt. Du hast hart gekämpft, um deinen Ruf wieder herzustellen, das weiß ich zu achten, was mich aber am meisten besänftigt ist, dass du endlich gelernt hast zuzuhören. Ich habe dir schon längst verziehen.“
„Aber…“
„Ich wollte es nur aus deinem Mund hören.“
„Malik…“
„Und ich liebe dich auch, du Idiot. Ich habe es damals schon getan und leider bin ich diese vermaledeiten Gefühle niemals wirklich losgeworden. Das hat verdammt noch mal am meisten weh getan.“
Altair betrachtete ihn erstaunt aus großen Augen. Dann erhellte sich sein Gesicht als ihm klar wurde, was diese Worte bedeuteten. Schließlich presste er sich gegen den einarmigen Dai und küsste ihn stürmisch.




Ende?
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Ich könnte mich unter Umständen dazu bereit erklären noch eine Fortsetzung zu schreiben, aber ich habe es so einer Freundin vorgelegt und die hat mir erst einmal zugestimmt, dass es so die perfekte Länge hat.
Also Wünsche können trotzdem gern geäußert werden, ich nehme mich ihnen gerne an, weiß aber noch nicht, wann ich dazu kommen werde wieder was zu schreiben.

Kritik kann gern geäußert werden. Ansonsten sollte ich noch erwähnen, dass die wundervolle Musicforever diesen kleinen OS gebetat hat (besagte Freundin ;p)

Ganz Liebe Grüße jedenfalls
eure Soana
 
 
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