Friendly Fire

OneshotDrama, Schmerz/Trost / P16
Abby Maitland Captain Becker Connor Temple Matthew "Matt" Anderson
30.03.2017
30.03.2017
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Captain Becker war gerade auf den Weg in die Waffenkammer, eine neue Lieferung EMDs sollte heute morgen angekommen sein, einige der alten hatten bei früheren Einsätzen etwas abbekommen.
Kein Wunder so wie Connor damit umgeht, er braucht definitiv mal ein Waffentraining, vermerkte Becker sich.
Doch bevor er zu seinem Ziel gelang ging der Anomalie-Alarm los.
Natürlich immer im richtigen Moment, dachte er zerknirscht sprintete los zu den anderen in den Kontrollraum und schnappte sich eine Black-Box.
Matt war bereits dabei den Plan auszurufen „Jess gib uns die Koordinaten während der Fahrt durch, Becker die neuen EMDs sind noch nicht bereit oder?“-„Nein wir müssen noch die alten verwenden, die neuen kamen vorhin erst“ antwortete er im Laufen.


Die Fahrt verlief einigermaßen schnell wenn man den Verkehr in London betrachtete, Jess hatte ihnen den Standort und die kürzeste Route durchgegeben, Matt grummelte während des Fahrens immer noch „natürlich muss eine Anomalie immer in der Öffentlichkeit auftauchen“.
Ihr Weg führte sie direkt in ein großes Industriegebiet, welches natürlich unter der Woche um die Uhrzeit sehr belebt war.
Noch bevor der Wagen vor der großen Halle zum stehen kam stiegen Matt und Becker aus, Becker schnappte sich sein Waffe und ein EMD und gab den anderen ebenfalls welche, ihre Ortungsgeräte zeigten die Anomalie in der Lagerhalle vor ihnen.
„Abby, Connor ihr schnappt euch die eine Hälfte von Beckers Männern und schafft die Leute von dem Gebiet runter und evakuiert die Halle, Becker und ich gehen einmal drum herum und checken wie viele Ausgänge es gibt und ob es Anzeichen dafür gibt das etwas rausgekommen ist, der Rest von euch bewacht den Eingang und lässt nichts mit Schuppen und Klauen passieren“ kommandierte ihr Teamleiter-„Bei unserem Glück..“, schmunzelte Connor und schnappte sich Abby. „Danach treffen wir uns wieder hier und gehen gemeinsam rein Leute“, rief Becker ihnen noch hinterher „keine Alleingänge“ sagte er an Matt gewandt. Die einzige Antwort die er von diesem bekam war ein ironisches „ja Sir“, genervt verdrehte er die Augen und sie joggten um die riesige Halle.

Sie waren bereits halb rum als Abby ihnen über Funk durchgab die Halle und das Gebiet seien geräumt, „das ging ja reibungslos“, staunte Matt während der Soldat ihn nur skeptisch anschaute, “ob das mal so bleibt?“.
Wieder beim Eingang angelangt trafen die zwei auf die anderen welche bereits auf sie warteten, „nur noch ein weiterer sehr kleiner Notausgang und der ist verschlossen“ informierte Becker sie, „gute Sicherheitsvorkehrungen hier“ fügte er ironisch hinzu und die anderen drei grinsten verwundert. Humor war man von Captain Becker nicht unbedingt gewohnt.
Matt übernahm erneut die Führung „so wir gehen jetzt rein, Beckers Männer bleiben als Verstärkung draußen und sichern nochmals die restlichen Hallen, wir müssen auf Nummer sicher gehen, oberste Priorität ist wie immer das verschließen der Anoma..“, doch weiter kam er nicht als Connor ihn genervt unterbrach „wir wissen bescheid, wir sind nicht erst seit gestern dabei“ während er die Hallentore einen Spaltbreit auf schob.

Nacheinander traten sie ein und Becker schob die Tore hinter ihnen wieder zu „nicht das was unbemerkt raus schleicht“ antwortet er auf die fragenden Blicke.
Da sprach der geborene Soldat, lieber seinen eigenen Fluchtweg abschneiden als unbeteiligte Zivilisten zu gefährden.
Die Lagerhalle erstreckte sich lang und düster vor ihnen, in ihr standen hohe Türme mit Metallfässern, ihre Geräte zeigten die Anomalie links von ihnen an. „Ihr müsst mit den EMDs aufpassen, die Fässer sind aus Metall, es könnte Querschläger geben. Schießt nur wenn es unbedingt nötig und das Vieh in Sichtkontakt ist“, flüsterte Becker während er um die nächste Ecke schlich, das EMD stehts schussbereit.
Hinter ihm hörte er Connor fluchen, „der verdammte Sicherungshebel klemmt, eine Sekunde!“, Becker drehte sich langsam um um Connor zu helfen und winkte Matt voran zu gehen. Verärgert fauchte er „Connor du sollst mit dem Lauf auf den Boden zielen und nimm den Finger vom …..“. Der letzte Satz blieb in der Luft hängen als sich mit einem Ruck der Sicherungshebel löste und Connor vor Schreck den Abzug betätigte. Mit einem erstickten Schmerzlaut wurde Becker rückwärts gegen die Wand geschleudert und blieb bewusstlos liegen.

„Scheiße“ erschrocken drehte Matt sich um und erkannte das ganze Ausmaß des Unfalls, Abby lief zu Becker, kniete sich neben ihn und nahm seinen Kopf in ihren Schoß, „er atmet noch, ist glaube ich nur bewusstlos“ rief sie erleichtert aus.
Connor stand immer noch erstarrt an Ort und Stelle, „das wollt ich nicht“, stammelte er entsetzt“. Abby und Matt sahen ihn nur vorwurfsvoll an und Matt sagte an Jess gewandt, die seit dem Knall aus Beckers Mikro paralysiert auf ihre Bildschirme starrte und aufgeregt fragte was passiert sei, „schick ein Medi-Team in die Lagerhalle, schnell, Becker ist verletzt und wir müssen uns noch um die Anomalie kümmern“. „WAAAS?!“ kam es entsetzt aus ihren EarIns.
Doch bevor sie weiter fragen konnte fuhr Matt ihr in die Parade, „Jess reiß dich zusammen, Becker braucht jetzt deine Hilfe, bleib professionell!“-„Natürlich, natürlich“ stammelte sie, „Sanitäter, schon unterwegs, haltet mich auf dem laufenden“ fügte sie atemlos an alle gewandt hinzu.
Connor hatte sich bis dato immer noch nicht bewegt, Matt riss sich zusammen und sagte energisch in seiner unverbesserlichen Teamleitermanier, „Leute wir müssen uns jetzt konzentrieren, wenn wir die Anomalie nicht schließen und hier Urzeitviecher durchtrampeln ist Becker auch nicht geholfen, die Sanitäter sind unterwegs, wir müssen jetzt weiter“-„Aber wir können ihn doch nicht alleine lassen, ich wollte das doch nicht, was wenn ihm was passiert?“, fragte Connor mit einer Mischung aus Verzweiflung und Bitte in seiner Stimme und sah flehend in Matts Richtung.
„Connor glaub mir, ihm passiert schon nichts, der ist hart im nehmen und bestimmt wenn wir zurück kommen richtig angepisst, sei glücklich das du nicht sein Lieblingsgewehr kaputt gemacht hast“ antwortete Matt zuversichtlicher als er sich fühlte.
Diese Zuversicht steckte auch die anderen beiden an und sie stimmten zu, auf Connors Gesicht zeichnete sich sogar ein kleines Grinsen ab.


Also liefen sie weiter durch das Labyrinth aus Metallfässern, sich bei jeder Gelegenheit links haltend, ihre Mission fest im Blick. Fast am anderen Ende der Halle angelangt sahen sie die Anomalie, jedoch nicht nur die.
Direkt dahinter stand ein ca. 3 Meter langer zweibeiniger Dinosaurier. Connor rief aufgeregt „ Wow ein Pachycephalosaurus, der Wahnsinn! Von denen sind nur ganz wenige Fossilien gefunden worden“-„Connor konzentrier dich“, fauchte Abby, „ist er gefährlich?“, fragte Matt leicht beunruhigt. „Nein, naja soweit man weis ist er ein Pflanzenfresser, jedoch kann er seinen Kopf, durch eine verstärkte Schädeldecke, als Rammbock benutzen wenn er bedroht wird“, antwortet Connor kleinlaut.
„Ähm Leute? Ich glaube er fühlt sich bedroht“, kam ein dringliches Flüstern von Abby, der Pachycephalosaurus schritt langsam auf sie zu und senkte seinen Kopf, die letzten 10 Meter zwischen ihnen nutze er als Anlaufstrecke und schlug mit seinem Kopf nach ihnen.
Keine Sekunde zu früh schubste Matt Connor und Abby aus der Schusslinie und sprang selbst in die andere Richtung, während er abrollte rief er „Connor bau das Gerät auf, Abby und ich lenken den Pachy ab und locken ihn dann durch die Anomalie, wenn er durch ist verschließt du sie hinter ihm, ist das klar?“ die letzte Frage brüllte er atemlos in Connors Richtung, den der Pachy drehte nun schwerfällig um und nahm erneut Anlauf.

Diesmal jedoch auf Abby, diese rannte im Zickzack durch die Lagerhalle und schlug kurz vor einer Wand aus Fässern einen Haken, der massive Pachy begann zu spät zu bremsen und rannte mit ordentlich Schwung dagegen.

Abby lächelte triumphierend in Matts Richtung, als er es jedoch nicht erwiderte sondern wild mit den Armen fuchtelte drehte sie sich langsam um und sah das ihr Manöver das Tier doch nicht außer Gefecht gesetzt hatte, sondern es bereits begann sich wieder aufzurichten. „Connor bist du endlich fertig?“ rief Abby daraufhin völlig außer Atem in seine Richtung, das Adrenalin rauschte in ihren Ohren.-„Eine Sekunde noch“, war die wenig befriedigende Antwort seitens Connors.
In der verstrichenen Zeit war der Pachy wieder auf die Beine gekommen und Matt versuchte ihn mit Rufen und Armgewedel in seine Richtung zu locken, dies gelang auch mehr oder weniger, denn der noch etwas benommene Saurier nahm Anlauf in seine Richtung.
„Jetzt“, kam der erlösende Ruf und Matt rannte, den Pachy im Schlepptau, Richtung Anomalie und sprang kurz zuvor nochmals zur Seite. Zum Glück ließ sich der Saurier noch ein zweites Mal mit diesem Schachzug austricksen und verschwand in der Anomalie, welche Connor gleich hinter ihm wieder verschloss.

Erleichtert liefen Abby und Matt zu Connor und klopften ihm auf den Rücken „gutes Timing, Kumpel“ sagte Matt „echt, viel länger hätte der sich bestimmt nicht verarschen lassen“. „Ja wobei wir echt Glück hatten“, berichtete Connor erleichtert, „Pachycephalosaurier lebten in der Kreidezeit, zusammen mit Raptoren und unserem guten Freund dem T-Rex, das hätte noch ganz anders ausgehen können“ während er sprach gingen sie zurück zum Ausgang um die Soldaten zu bitten die Anomalie zu bewachen und nach Becker zu sehen, welchen sie über das ganze Adrenalin beinah vergessen hätten.


Doch als sie um die letzte Ecke bogen holte sie diese Tatsache mit der Gewalt und Wucht einer Landmine wieder ein, hatten sie erwartet Becker genervt und sauer vorzufinden, hatten sie sich getäuscht.
Vor ihnen lag Becker immer noch auf dem Boden, Oberkörper frei, auf seiner Brust saß ein Sanitäter und führte ein Herz-Lungen-Wiederbelebung durch, ein anderer intubierte ihn und beatmete ihn anschließend über den Atembeutel.
Das erste was sie wahrnahmen war nicht die Reanimation und die Tatsache das Becker dabei war zu sterben, ihnen bot sich ein freier Ausblick auf seinen nackten Oberkörper, dieser war von unzähligen Narben übersät, teils breitere, teils schmalere, doch alle schienen mehr oder weniger tief zu sein und ließen die drei unisono erschrocken nach Luft schnappen.

Doch dieser Moment verflog so rasch wie er gekommen war und Abby brach den Bann, indem sie schockiert aufschrie und zu dem Verletzten rannte. Sie ließ sich aus vollem Lauf vor ihm fallen und nahm erneut seinen Kopf in ihren Schoß. „Was ist passiert?“ fragte Matt entsetzt.
Der Sanitäter mit dem Beatmungsbeutel antworte ruhig, „als wir ankamen fanden wir ihn bewusstlos vor und haben routinemäßige Maßnahmen zur Kreislaufstabilisierung und Atemsicherung vorgenommen.
Kurz nach Abschluss begann er zu Krampfen und im Zuge dessen setzte die Atmung aus und es kam zu einem Herzstillstand“. Connor stand noch immer einige Meter entfernt und hatte den Kopf in den Händen, „Oh Gott, oh Gott was hab ich getan? Stirbt er?“, fragte er immer und immer wieder mit einer tiefen Verzweiflung in seiner Stimme.

Zum Glück traf in diesem Moment der Notarzt ein, die Sanitäter hatten geistesgegenwärtig einen Rettungshubschrauber anstelle eines Rettungswagen gerufen, der Notarzt übernahm die Reanimation und gab Anweisungen dem Patienten Adrenalin zu injizieren, und ein Monitor wurde angeschlossen, auf welchem unendlich lange Sekunden nur eine gerade Linie zu sehen war.


Abby schloss schockiert die Augen, nein nicht Becker, dachte sie, während Matt und Connor wie versteinert das geschehen betrachteten und zusahen wie Becker um sein Leben kämpfte.

Nicht Becker, nur dieser eine Gedanken schoss ihr durch den Kopf, als plötzlich ein Piepen ertönte, „wir haben einen Sinusrhythmus“ rief der Notarzt und Abbys Augen füllten sich mit Tränen, teils der Angst und teils der Erleichterung.
Nun kam Bewegung in die Sanitäter, der Kreislauf des Soldaten wurde medikamentös stabilisiert, er wurde auf eine Trage gehoben und nach draußen geschoben, in Richtung des Rettungshubschraubers.
Abby stand plötzlich neben Connor, obwohl sie sich nicht daran erinnern konnte aufgestanden zu sein, umarmte sie ihren Freund und sprach soweit es ihr möglich war beruhigend auf ihn ein „Connor es wird alles wieder gut, wir fahren gleich zu ihm, er wird wieder gesund“ versprach sie ihm und hoffte sie würde dieses Versprechen halten können.
Matt hatte unterdessen ebenfalls seine Beherrschung wieder gefunden und mit dem Notarzt gesprochen „Becker wird ins King’s College Hospital gebracht, Abby du nimmst Connor mit und ihr lasst euch von einem von Beckers Leuten hinfahren, ich koordiniere solange hier die Lage und fahr zurück ins ARC um Lester Bericht zu erstatten, also los Becker braucht uns jetzt“ befahl Matt gefasst seinen Mitarbeitern.

Abby zog Connor am Arm hinter sich her, welcher so aussah als würde er auch gleich ohnmächtig werden, und schnappte sich den erst besten von Beckers Männern um sie zum Krankenhaus zu fahren.

Auf dem Weg schilderte sie dem verwirrten Soldaten so gut sie konnte wie sein Captain so schwer verletzt wurde. Connor saß immer noch als komplettes Nervenbündel auf der Rückbank und murmelte weiterhin verzweifelt „es ist meine Schuld, alles meine Schuld“, während Abby im zu erklären versuchte das es ein Unfall war und niemand daran Schuld war, doch Connor wollte nicht hören „nein Becker hat mir immer wieder gesagt ich soll nicht auf Leute zielen wenn ich nicht die Absicht hätte den Abzug zu drücken und ich Idiot konnte nicht hören und jetzt ist es zu spät“ schluchzte er in Abbys Arme „es ist alles meine Schuld“ flüsterte Connor und verstummte.

Zeitgleich wie der Helikopter raste Matt vom Industriegelände, im Auto hatte er seine Fassung ziemlich schnell wieder verloren, er konnte es kaum fassen, scheinbar hatte er die Situation vollkommen falsch eingeschätzt, sogar noch Witze gemacht ich dämlicher Ignorant, wenn Becker wegen meiner Fehlentscheidung stirbt, das verzeih ich mir nie mit diesen Gedanken fuhr er, in viel zu hohem Tempo, zurück zum ARC.
Er wusste das er langsamer fahren sollte, aber er konnte nicht, es war ihm egal.
So vieles war ihm gerade jetzt egal, er hatte sich vorgenommen keine Freundschaften zuschließend, niemanden an sich ran zu lassen, dass das kaum möglich war wenn man ein Team war hatte ihm niemand gesagt.
Diesen Gedanken nachhängend schoss er in die Tiefgarage des ARC und sprang förmlich aus dem Auto, ließ den Motor laufen und rannte zu den Fahrstühlen, er musste Lester informieren und dann so schnell wie möglich zu Becker und seinem Team, es ist alles meine Schuld.


Jess erwartete ihn bereits, sie war vollkommen aufgelöst, die Tränen liefen über ihre geröteten Wangen, es schmerzte Matt sie so zu sehen, die sonst stehts gut gelaunte Jess, ihr Sonnenschein, sie war wie ausgewechselt.
„Becker, wie gehts Becker?“ fragte sie vollkommen panisch, begann beinah hysterisch zu werden als er nicht sofort antwortet „beruhig dich Jess, das hilft jetzt nicht“ war das einzige was er hervorbrachte, doch er riss sich zusammen und erläuterte ihr kurz die Situation bevor er ohne zu klopfen in Lesters Büro schritt.
Dieser sah Matt mit seinem typischen spöttischen Grinsen an, „und habt ihr den Kaninchenbau verschließen können ohne das der Märzhase entwischt?“ fragte er herablassend.
Doch Matt antwortete nich auf seine Frage, sondern sah ihn bloß ausdruckslos an „es gab einen Unfall, Captain Becker wurde verletzt, es ist schlimm, er wurde bereits reanimiert und es konnte keine Prognose gemacht werden ob er durch kommt“ kamen die Worte nüchtern und emotionslos aus seinem Mund, wenn er jetzt erneut die Fassung verlor könnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen, das wusste er.
Als Teamleiter musste er jedoch logisch denken und die richtigen Entscheidungen treffen, er hatte die Verantwortung und beabsichtigte auch sie zu tragen.
Lester blieb Lester, ließ sich keine Gefühlsregung anmerken „halten sie mich auf dem laufenden, wenn er nicht überlebt wird der Papierkram mörderisch und ich will nicht nochmal Bewerbungsgesprächen mit Ex-Militärs führen müssen“ sagte er trocken und wies Matt zur Tür.


Der Verkehr bis zur Klinik war schrecklich, wie immer wenn man es eilig hatte, insbesondere in London.

Abby und Connor saßen schon eine gefühlte Ewigkeit vor der Tür des Schockraums in dem Becker mit einem Rudel Ärzte verschwunden war.
Der bewaffnete Soldat an der Tür hatte ihnen wohl die Wichtigkeit überdeutlich gemacht, nicht dass das nötig gewesen wäre, aber lieber so als anders dachte sich Abby.
Endlich öffnete sich die Tür und Becker wurde in einem mobilen Krankenhausbett auf die Intensivstation gebracht, Connor hatte es seit dem Gespräch ihm Auto komplett die Sprache verschlagen, allein einige stumme Tränen rannen von Zeit zu Zeit über sein Gesicht.

Die beiden erhoben sich langsam und liefen den Ärzten hinterher, in seinem Zimmer angekommen beobachteten sie wie die Krankenschwester ihn an alle möglichen und unmöglichen Geräte anschloss, es machte einen besorgniserregenden Eindruck auf Abby, doch sie blieb vorerst stumm und beobachtete nur.
Zu ihrer Verwunderung war Connor es, der den behandelnden Arzt ansprach „kommt er durch, er kommt doch durch oder?“ völlig aufgelöst stand er vor ihm und wartete.
Der Arzt räusperte sich und begann zu erläutern, „Mr Becker..“ doch weiter kam er nicht, den Connor und Abby unterbrachen ihn gleichzeitig „Captain“, „Captain Becker“-„Wie auch immer Captain Becker hat einige Verletzungen davon getragen und liegt momentan im Koma, zum einen hat er sich durch den Aufprall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen, welches ggf. operiert werden muss, jedoch kann es sich auch selbstständig zurückbilden, was das angeht müssen wir abwarten.
Was mir jedoch größere Sorgen bereitet sind die Folgen des Stromschlags, da es sich hierbei um mehrere zehntausend Volt handelte kam es durch die hervorgerufenen Muskelkrämpfe zu einem Kreislaufzusammenbruch, weiter Muskelkrämpfe sind zu erwarten, jedoch ist eine Beteiligung der Herz- und Lungenmuskulatur nicht zwangsläufig.
Sollte es dazu kommen ist eine vollständige Genesung unwahrscheinlich. Es tut mir Leid. Zu seiner eigene Sicherheit wurde Captain Becker an Armen und Beinen fixiert um ein Verletzungsrisiko bei weiteren Anfällen zu verringern.“.
Langsam verließen die Ärzte das Zimmer und Abby und Connor blieben alleine und verzweifelt in dem sterilen, kalten Raum zurück, Connor setzte sich sofort an Beckers Bett und nahm seine Hand in seine, anders als erwartet war sie nicht kalt sondern recht warm, allein das gab Connor wieder etwas Hoffnung.
Leise sprach er Becker an „bitte Becker wach wieder auf, wach einfach wieder auf“ und ließ seinen Kopf auf dessen Bettkante sinken.

In diesem Moment kam Matt ins Zimmer gerannt mit Jess auf ihren High Heels dicht auf den Fersen „und?“, fragte er atemlos, doch das Bild das sich ihm bot war nicht sonderlich ermutigend. Jess lief sofort auf die andere Seite von Beckers Bett und weinte hemmungslos „es ist alles meine Schuld, wenn ich doch nur sofort mehr Leute geschickt hätte“ heulte sie.

„Nein!“ Abbys Stimme durchschnitt den Raum wie Glas, „es ist niemandes Schuld, ihr müsst damit aufhören euch die Schuld zugeben, es war ein Unfall, niemand hat absichtlich auf Becker geschossen und niemand hat absichtlich zu spät Hilfe geholt oder sonst was verbrochen! Becker würde das nicht wollen! Also lasst es sein!“ sagte sie aufgebracht, überrascht von ihrer eigenen Heftigkeit schloss sie die Augen und massierte sich die Schläfen „wir müssen jetzt erstmal Ruhe bewahren und die Ärzte machen lassen, Becker schafft das schon, wenn nicht er dann niemand.“ Matt sah sie erstaunt an doch ihm war klar das sie Recht hatte, „genau“ stimmte er ihr zu, „Jess und ich gehen zurück ins ARC, kümmern uns falls weiter Anomalien auftreten, Abby du fährst nach Hause und ruhst dich aus und löst Connor in ein paar Stunden ab und er bleibt hier bei Becker, wir werden ihn nicht allein lassen“ sagte er in einem Tonfall der keine Wiederrede duldete.
Doch bevor sich auch nur einer bewegen konnte stieß sich Jess vom Bett ab und sah erschrocken in die Runde „wieso ist Becker am Bett fixiert?“. Abby gab wieder was der Arzt gesagt hatte und Jess schaute noch unsicherer als zuvor und fragte sich, soll ich wirklich gehen? Was wenn er stirbt und dies ist das letzte Mal das ich ihn lebend sehen? Nein!.
Sie verbat sich solche Gedanken, Becker würde das überleben, er musste einfach! Erst als sie aus ihren Gedanken wieder auftauchte merkte sie das Abby und Matt sie wartend ansahen und sie setzten sich wiederwillig in Bewegung, nicht ohne einige Blick zurück auf ihren zerschundenen Teamkollegen zu werfen.
Unfähig zu begreifen, dass kein Urzeittier das angerichtet hatte, es war einer von ihnen. Es war friendly fire.


Connor war nun allein, allein mit seinem Werk, in diesem Zimmer, das Zimmer war die Hölle.
Es war kalt und strahlte Tod aus, er würde Becker nie in diesem Zimmer alleine lassen schwor er sich, während er erneut Beckers Hand in seine nahm.
Du hast noch nie die Hand eines Mannes gehalten sprach eine kleine Stimme in seinem Kopf, aber es fühlte sich nicht falsch an, Beckers Hand lag warm und weich in seiner.
Er hätte niemals erwartet das der Captain so weiche Hände hatte, wo er doch beim Militär war und wirkte wie der Mann fürs Grobe, präzise, logisch und manchmal auch emotionslos. Wahrscheinlich war das der Job, das Militär, die Dinge die man gesehen hatte machten das aus einem, zum Selbstschutz.
Diesen Gedanken nachhängende blickte der Jüngere in das Gesicht des Captain, es wirkte entspannt, trotz seiner Verletzungen spiegelte sich diesmal kein ernster Zug auf seinem Gesicht wieder. Doch für welchen Preis?



Ein brennender Schmerz durchfuhr seine Brust und er spürte wie stechende Wellen durch seine Muskeln flossen, er wusste nicht ob er wachte oder träumte, um ihn herum war alles in Dunkelheit getaucht, sie wurde immer dichter und zog ihn in die Tiefe, in ein weites Nichts.

Langsam kam er wieder zu sich, die Augen hielt er geschlossen, sein ganzer Körper schmerzte.
Er hatte keinen Anhaltspunkt wie lange er bewusstlos gewesen war, wo bin ich? schoss es ihm durch den Kopf, doch den Gedanken verwarf er schnell wieder, als eine Tür gewaltsam aufgestoßen wurde, langsam öffnete er die Augen, grelles Licht schien ihm ins Gesicht und ließ ihn nur Schemen erkennen.

Plötzlich nahm er eine harte Stimme wahr, er konnte weder den Klang noch den Sinn einordnen, jedoch riss sie ihn zurück in die Realität, denn die Dunkelheit begann erneut ihn zu umfangen. Langsam gewöhnten sich seine Augen an das Licht und er konnte den Mann erkennen der zu ihm sprach, er trug ein weites schwarzes Gewandt und darüber eine tarnfarbene Kevlar Weste.
Sein Gesicht hatte strenge Züge und wurde von einem dunklen Bart dominiert. Beckers Blick wanderte weiter durch den Raum in dem er sich befand, die Wände waren kahler Stein und der Boden schien hauptsächlich aus Sand zu bestehen, hinter dem ersten Mann standen im Schatten der Metalltür, welche den einzigen Ausgang bildete, noch drei weitere, links von ihnen war eine Kamera montiert.
An der Decke hing eine nackte Glühbirne.
„Eine Höhle“ schoss es ihm durch den Kopf. Sein Blick ging weiter und blieb an seiner Hand hängen, sie war gefesselt. Soweit er das in seinem benommenen Zustand wahrnehmen konnte, war er an Händen und Füßen an die Wand gekettet, wie Jesus am Kreuz dachte er zynisch und die Erinnerungen strömten plötzlich wieder auf ihn ein.


Sie waren mit einer Mission in den Irak gekommen. Zwei britische Diplomaten wurden bei einer internationalen Krisensitzung in Syrien durch den „Islamischen Staat“ entführt und in den Irak verschleppt.
Informanten zu folge befanden sich die Geißeln in einer Basis in den Ausläufern des Taurus Gebirges im Norden Iraks, schwer passierbares Gelände und unmöglich mit schwerem Geschütz angreifbar ohne Kollateralschäden, in Form der Diplomaten, zu riskieren.
Auf Grund der schwierigen Situation wurde für diese Mission ein Trupp der Spezialeinheit SAS, anstelle des britischen Militärs, geschickt.
Zu dem Trupp gehörte ebenfalls Captain Hilary Becker. Da Becker ausgebildeter Spezialist für Spionage und Sabotageakte hinter den feindlichen Linien ist, war es seine Aufgabe unentdeckt die Basis auszukundschaften und Informationen über den Aufenthaltsort der Geiseln, Truppenstärke des Feindes und die Sicherheitsvorkehrungen zu sammeln, sowie anschließend mit dem Rest seiner Einheit die Basis einzunehmen, die Geiseln zu befreien und die Ziele auszuschalten.
Soweit der Plan dachte Becker bitter, er wurde durch einen Informanten verraten was kurz vor Rückkehr zu seiner Einheit zu seiner Gefangennahme führte.


Ein heftiger Schmerz an seinem Hals riss ihn aus seinen Erinnerungen, von ihm unbemerkt war einer der hinteren Männer näher gekommen und hielt ihm ohne Rücksicht ein Messer an den Hals, direkt unter seinem Ohr, er spürte wie ihm ein warmes Rinnsal Blut über das Schlüsselbein lief.
Seine Aufmerksamkeit richtete er schwerfällig auf den Mann vor ihm, an der Art wie er sich verhielt erkannte Becker sofort, dass er der ranghöchste der Anwesenden war.
Dieser redete immer noch auf einer fremden Sprache auf ihn ein wahrscheinlich Arabisch nahm er an, das Messer an seinem Hals drückte sich weiter in sein Fleisch und der Blutfluss wurde stärker doch der Schmerz blieb aus, anscheinend wurde ihm ein Frage gestellt, denn der Mann vor ihm war verstummt und beobachtete ihn aufmerksam.
Mühsam presste er „ich kann kein Arabisch“ hervor und der Mann lächelte ein zahnloses Lächeln „ein Amerikaner“ antwortete er zu Becker Überraschung in gebrochenem Englisch.
Er wiederholte seine scheinbar vorangegangene Frage „wer sind Sie?“. Becker hob langsam den Kopf, in Erinnerung an seine Ausbildung antwortete er „Captain Hilary Becker, Dienstnummer 3684, geboren 1984“.
Von den Männern kam ein freudloses Gelächter, der Redner blickte ihn nur starr an „das ging ja besser als erwartet, was ist ihre Mission und wie viele Männer sind mit ihnen hier?“.
Becker sah ihn nur aus verächtlichen Augen an und schwieg beharrlich, das ist das einzige was sie von mir erfahren schwor er sich und hob stolz den Kopf.
Der Mann ihm gegenüber schien seinen Gedanken erraten zu haben und wirkte amüsiert, er antwortete drohend „ein mutiger Mann, wir schätzen Mut, aber wir werden sehen ob du nachher immer noch schweigst“, mit diesen Worten drehte er sich um und verließ den Raum, jedoch nicht ohne seinen Leuten einige Worte auf arabisch zu zuwerfen.

So wie sie lachten klang es in Beckers Ohren stark nach einer Aufforderung mit ihm zu spielen, innerlich bereitete er sich auf das kommende vor, er wusste auf was diese Situation hinauslaufen würde. Man hatte ihn jahrelang darauf vorbereitet.

Keine Sekunde später nahm der Mann mit dem Messer es von seinem Hals und rammte es ihm ohne Vorwarnung von oben in die Schulter, Becker schrie erstickt auf, der Schmerz raubte ihm den Atem. Selbst nachdem sein Peiniger die Klinge wieder herauszog fühlte es sich an als sein sie immer noch dort, glühend heiß mit einem Schmerz der ihn von innen verzehrte, raues Gelächter drang erneut an seine Ohren, dieses Schnitt beinah noch tiefer als das Messer.

Einige Zeit, die sich für Becker wie Stunden anfühlte und einige Schnitte später wandelten sich seine erstickten Schreie und sein verzweifeltes Keuchen in grenzenlose Schmerzenslaute, beinah nicht mehr menschlich, fast besinnungslos hing er schlaff an den Fesseln, das Blut, sein Blut, floss aus unzähligen Wunden unaufhaltsam an seinem Körper hinab.
Und er war dankbar als ihn erneut die Dunkelheit umfing und ihn begrüßte wie einen alten Freund.



Als Abby erneut das Krankenzimmer betrat sah sie Connor, mit dem Kopf auf Beckers Bett liegen, schlafend, dessen Hand in seiner. Leise schlich sie zu Connor und berührte ihn vorsichtig an der Schulter, sie hatte Sachen für ihn mitgebracht, hatte geahnte, dass er Becker nicht eine Sekunde von der Seite weichen würde.
Langsam, beinah wiederwillig erwachte Connor und für einen Augenblick wirkte er wieder normal, doch in seine Augen schlich sich die Erkenntnis und er drehte ruckartig seinen Kopf in Richtung Bett. Abby begann zu sprechen, „Keine Veränderung oder? War der Arzt nochmal da?“, Connor schüttelte nur den Kopf, es war wohl die Antwort auf beide Fragen.
Draußen war es bereits dunkel, Stunden waren vergangen seit sie gegangen war. „Matt wird morgen früh vor der Arbeit vorbei kommen“ versuchte sie aufs Neue Connor zu einem Gespräch zu animieren, diesmal mit etwas mehr Erfolg.
Garnicht auf ihre Worte eingehend blickte Connor sie unverwandt an und fragte: „er wacht doch auf, oder Abby?“, traurig blickte sie ihm ins Gesicht und nahm in aus einem Impuls heraus in den Arm „ich hoffe es Connor, wirklich“ flüsterte sie.



Ein Eimer kaltes Wasser brachte ihn zurück in die Gegenwart, die kurze Ruhe schien nur Sekunden angehalten zu haben, erneut stand der Mann vor ihm, stellte erneut die selben Fragen und bekam erneut die gleiche Antwort „Captain Hilary Becker, Dienstnummer 3684, geboren 1984“.
Wie der Soldat bereits vermutet hatte war das nicht die Antwort die der Mann gewollt hatte, denn er drehte sich mit den Worten „das war wohl nicht genug, offensichtlich müssen wir nachdrücklicher fragen“ um und verließ den Raum. Becker ließ den Kopf sinken, der Schmerz der seinen Körper im Griff hatte war zu einem dumpfen Pochen abgeklungen, nach diesen Worten hatte er jedoch keine Hoffnung das sie ihn in Ruhe lassen würden.
Seine Befürchtung bewahrheitete sich, als einige Augenblicke später die gleichen drei Männer vom letzten Mal den Raum betraten, zwei von ihnen trugen eine schwere Autobatterie zwischen sich.

Becker schloss entsetzt die Augen. Er würde nicht aufgeben, sich niemals brechen lassen, niemals. Schicksalsergeben sah er den Schlag nicht kommen eine Faust traf ihn erbarmungslos im Gesicht, erschrocken aufstöhnend riss er die Augen auf und sah in das lächelnde Gesicht seines Folterers, in noch schlechterem Englisch als sein Vorgesetzter spuckte er ihm einige Worte entgegen die sich stark nach „nicht schlafen, du wirst es genießen“ anhörten.
Eine eiskalte Hand schloss sich um seinen Magen, doch er biss die Zähne zusammen, zu stolz um seine Angst zu zeigen, lächelte er den Mann an und flüsterte „was dich nicht umbringt,..“. Dieser wandte sich unbeeindruckt an die anderen beiden und nahm die Überbrückungskabel in die Hand, Beckers Muskeln verkrampften sich, das Blut begann durch die plötzliche Anspannung erneut zu fließen, doch das schien den IS Mann nicht zu stören.
Mit einem krankhaften Glitzern in den Augen setzte er die Klemmen an und ein unbeschreiblicher Schmerz schoss durch Beckers ganzen Körper. Seine Muskeln verkrampften sich noch weiter und seine Glieder begannen unkontrolliert zu zittern.
Der Schmerz verschwand so schnell wie er begann, doch das Zittern blieb, erneut hing der Soldat in seinen Fesseln, nach Luft schnappend, keine Sekunde um sich zu erholen durchfuhr der Schmerz und die Hitze aufs Neue seinen Körper, diesmal jedoch länger.

Becker schrie, er schrie, es war unerträglich, seine Muskeln krampften weiter und Tränen rannen über sein Gesicht.
Die Meute lachte, ein lautes hartes Geräusch welches ihn in seinen schlimmsten Albträumen verfolgen würde.
Der Schmerz ließ erneut nach, kurz bevor die Dunkelheit in ihm aufsteigen konnte, er wusste dieses mal würden sie ihn nicht so einfach davon kommen lassen. Die Tortur ging weiter, in seinem Kopf fühlte es sich an wie Jahre, das einzige was ihn am Leben hielt war die stetige, Mantra artige Wiederholung des einzigen Satzes den er sich gestattete über seine Lippen zu kommen „Captain Hilary Becker, Dienstnummer 3684, geboren 1984.“ immer und immer wieder.

Eine neue Welle durchfuhr ihn, der Schmerz wurde immer schlimmer, Urin lief an seinem Bein entlang und bald wünschte er sich die scharfe, kalte Klinge des Messers fast genauso sehnlich zurück wie die Dunkelheit.
Doch sie kam nicht, die Dunkelheit blieb aus, jedes Mal als sie ihn erlösen wollte ließen die Männer von ihm ab, nur lange genug damit er bei Bewusstsein blieb.
Ein weiterer Stromstoß folgte und er schrie, stöhnte und bettelte innerlich um Erlösung, eine kurze Unterbrechung und es kam ein neuer Stromstoß, es kam immer ein neuer, beinah ertrank er in Schmerzen und seine Schreie hallten von den Wänden wieder, so laut, dass er hätte schwören können man müsste sie in London hören.

Und plötzlich kam die Erlösung, die Dunkelheit überrollte ihn, ließ ihn vergessen wo er war und was für unaussprechliche, unvorstellbare Dinge Menschen einander antun konnten.



Es begann mit einem leichten Zucken in den Fingerspitzen, Beckers Augen bewegten sich ruckartig unter seinen geschlossenen Lidern, Connor der noch immer seine Hand hielt schreckte auf hoffentlich kein neuer Anfall dachte er panisch, in der vergangenen Nacht kam es immer wieder zu starken Muskelkrämpfen, diese beschränkten sich zum Glück jedoch nur auf die Gliedmaßen des Soldaten, trotzdem schnürten sie Connor jedes mal vor Angst die Kehle zu und er konnte erst wieder richtig atmen wenn es vorbei war.
Das Zucken in den Fingern wurde stärker und Connor fühlte einen Druck an seiner Hand, es schien als würde Becker sie auch halten, ein leichtes Keuchen kam über Beckers Lippen und langsam öffneten sich seine Augen, Connors Herz begann unglaublich schnell zu schlagen.
Er konnte es kaum glauben, er wacht tatsächlich auf, innerlich jubilierend starrte er den Mann vor ihm an, ließ keine Sekunde den Blick von ihm.



Becker öffnete langsam die Augen, ein grelles Licht blendete ihn und erneut konnte er nichts erkennen, ein Zittern und die Erwartung von Schmerz durchlief seine Körper, zaghaft versuchte er sich zu bewegen doch es ging nicht.
Panik erfasste ihn, die Schmerzen in seinem Körper nahmen rasch an Stärke zu und er versuchte ruckartig seine Arme und Beine zu bewegen. Geräusche drangen an seine Ohren, jemand sprach zu ihm, doch er verstand nicht, ein ureigener, unkontrollierbarer Fluchtinstinkt übernahm die Oberhand und verdrängte die Panik, gleich würden sie erneut anfangen hallte es in seinem Kopf.
Vor lauter Schmerz und Verzweiflung wollte er nur noch schreien, doch es ging nicht, etwas blockierte seinen Hals, lediglich einige erstickte Laute verließen seinen Mund.



Connor stand wie paralysiert an der Seite des Captains, hatte er gerade noch beruhigend auf ihn eingeredet, als Becker plötzlich anfing sich mit aller Kraft gegen die Fixierung zu wehren und das Gesicht zu verzerren, das Piepen des Monitors wurde bedrohlich schneller.
Bereits geübt durch die vergangene Nacht drückte Connor den Notfallknopf und eine Schwester kam nur Sekunden später mit einem Arzt durch die Zimmertür gerannt, auch sie mussten den Krach gehört haben.



Die Geräusche ließen Becker nur noch unberechenbarer werden, seine Muskeln traten an den Armen hervor, so verzweifelt versuchte er sich zu befreien. Auf die beruhigenden Worte der Schwester, des Arztes und Connor hörte er nicht, auch wahrzunehmen schien er sie nicht, er schaute einfach mit schreck geweiteten und schmerzverzehrten Augen durch sie hin durch, ein Schweißfilm bedeckte seinen Körper.
Der Arzt ordnete der Schwester an ein Sedativum zu holen und injizierte es umgehen in den Zugang an Beckers Hand.
Innerhalb weniger Sekunden wurde er ruhiger und war erneut bewusstlos bevor sein Kopf das Kissen berührte.



Das junge Genie konnte kaum begreifen was er da gerade gesehen hat, wieso hatte Becker so reagiert wie er reagierte? Er schien uns garnicht wahrzunehmen.. wilde Gedanken rasten durch Connors Kopf, währenddessen sah er fragend den Arzt an, welcher gerade dabei war den bewusstlosen exzutubieren und die fixierten Gelenke zu untersuchen.
„Doktor, was war das?“ fragte er den Arzt mit Nachdruck. „Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, es kommt zuweilen vor, dass Patienten desorientiert oder durch den Tubus und die Behinderung beim Atmen erschrocken sind, jedoch habe ich noch niemanden so reagieren sehen.
Eventuell könnte die Reaktion durch den Unfall hervorgerufen worden seine, wie ein Trauma. Am besten lassen wir die Narkose langsam ausschleichen, sodass er schonender erwacht, vielleicht lässt sich so ein erneuter Schock umgehen.“, diese Antwort schien Connor nicht so sehr zu beruhigen wie der Arzt gehofft hatte.

In diesem Moment kam Matt durch die Tür und hielt sie der Schwester und dem Arzt auf, welche gerade den Raum verlassen wollten.
„Ist er aufgewacht?“ fragte Matt mit einem erfreuten Unterton, dieser verschwand jedoch schnell wieder, als er Connors bedrücktes Gesicht sah.
„Was ist los?“ fragte er weiter, ohne die Antwort auf die vorherige abzuwarten. Connor sah ihn nur an und antwortete langsam „Ich..ich weis nicht.
Er ist aufgewacht..aber er schien nicht richtig anwesend zu sein..er ist total ausgerastet. Ich glaub er wollte einfach weglaufen.“, „ich weis nicht was mit ihm los war, das passt so garnicht zu dem Becker den wir kennen.“ fügte er resigniert hinzu.
„Was?! das klingt ja schrecklich, was hat der Arzt dazu gesagt?“, Matt begann ruhelos im Krankenzimmer auf und ab zu gehen.

Die Antwort ließ ihn stehen bleiben „aber es muss doch dafür eine plausible Erklärung geben, ich fahr zurück ins ARC und rede mit Lester ob er was herausfinden kann.
Ruf mich an wenn er nochmal aufwacht.“, mit diesen Worten verließ er den Raum. Connor blieb aufs neue allein zurück, allein mit ihm.
Er hatte erwartet die Freude wäre größer wenn er aufwachen würde, dass alles wieder gut wäre. Aber seine Reaktion ging ihm nicht aus dem Kopf, er fühlte sich so hilflos, unfähig etwas zu tun, Becker zu helfen.
Dem Mann, der sie immer aus den schlimmste Situationen rausholte, der Mann der so unglaublich stark und fähig war. Er brauchte meine Hilfe, hat sich gequält und ich stand daneben wie ein verschrecktes Schulmädchen, ich hab ihn hängen lassen dachte Connor bitter, sein erneutes Versagen belastete ihn schwer..



Währenddessen war Matt im ARC angekommen, der Anomalien Alarm war seit Beckers Unfall verstummt ausnahmsweise hat der mal Timing ging es Matt durch den Kopf, während er den Kontrollraum durchquerte und auf Lesters Büro zuhielt.

Wieder ohne zu klopfen trat er in das Büro ein, das wird wohl langsam zur Gewohnheit, Lester sah ihn überrascht über einen Haufen Akten an, fing sich jedoch schnell wieder.
„Was gibts? Sie sollten sich dringend das Klopfen wieder angewöhnen, sonst denken die Leute noch wir seien ein Liebespaar“ fügte er trocken hinzu, legte seinen Füllfederhalter beiseite und sah Matt erwartungsvoll an.

„Captain Becker ist aufgewacht..“ - „das klingt doch nach erfreulichen Nachrichten, kommt er morgen wieder arbeiten?“ unterbrach der Bürokrat ihn sofort, einen erfreuten Blick unterdrückend. „Das wollte ich gerade ausführen, er ist zwar aufgewacht, hat sich jedoch Connors Angaben und zufolge des Arztes sehr irrational benommen, beinah panisch, er schien keinen von beiden zu erkennen.
In meiner Zeit beim Militär hab ich so ein Verhalten schon einmal gesehen, ich glaube das er eine Art Posttraumatische Belastungsstörung hat, wahrscheinlich ausgelöst durch den Unfall.“ erläuterte Matt ruhig, Lester hatte ihn seitdem kein weiteres Mal unterbrochen, was im allgemeinen eher untypisch für ihn war.
„Deshalb glaube ich das es hilfreich wäre zu wissen, was genau er während seiner Auslandseinsätze erlebt hat, um herauszufinden ob meine Theorie möglich ist und wie wir zu ihm durchdringen können.
Der Arzt hat ihn erneut sediert, uns bleibt also noch etwas Zeit bis… bis er erneut aufwacht und wahrscheinlich genauso reagiert oder schlimmer“.

Lester sah ihn immer noch aufmerksam an, scheinbar war das das letzte mit dem er gerechnet hatte, nach einiger Zeit setzte er erneut sein Pokerface auf „ich sehe was ich tun kann, versprechen tu ich allerdings nichts, die vom Kriegsministerium sind immer äußerst unkooperativ, aber der Minister schuldet mir nach der Sache im Parlament noch einen Gefallen. Sonst noch was?“ fragte er mit einem Wink Richtung Tür.



Erneut wachte er auf, ein kleiner Teil in ihm hatte gehofft er würde es nicht, in dem Raum war es stockdunkel, nicht einmal die Hand vor Augen konnte man erkennen, nicht das er seine Hand vor sein Gesicht hätte heben können.

Das Zucken seiner Glieder war schwächer geworden, hin und wieder spürte er noch das stechende brennen der Elektrizität, die sich durch seine Muskeln und Venen fraß. Becker spitzte seine Ohren, konnte jedoch nichts außer dem Rauschen der Stille hören, seit langer Zeit war er das erste Mal alleine.
Langsam erwachte auch der Soldat in ihm wieder zum Leben, ich muss irgendwie versuchen hier rauszukommen, die anderen warten auf mich, war nun der einzige Gedanke den er fassen konnte. Vorsichtig versuchte er sich zu bewegen, Schmerz schoss durch seinen Körper, doch er biss die Zähne zusammen, durch die Muskelkrämpfe hatten sich die Fesseln an seinen Handgelenken etwas gelöst. Rechts etwas mehr als links, langsam begann er sein wundgescheuertes Handgelenk kreisend zu bewegen, in der Hoffnung die Fessel würde sich weiter lösen. Das Glück war auf seiner Seite, er würde niemals in dieser Höhle sterben, dachte er trotzig, nach einiger Zeit konnte er bereits den Arm soweit zu sich ziehen, dass er mit dem Mund den Knoten weiter lösen konnte.
Die Stichverletzung in seiner Schulter begann mit jeder Bewegung stärker zu schmerzen, doch er blendete sie genauso aus wie alle anderen Verletzungen.
Mit einem letzten Ruck löste sich sein Handgelenk und sein Arm fiel schwer an seine Seite, nur die Fesseln hatten ihn aufrecht gehalten, jedoch gönnte er sich keine Sekunde Ruhe, ich muss weiter, dachte er krampfhaft.
Es kostete ihn großen Kraftaufwand um seinen Arm erneut unter seine Kontrolle zu bringen. Vorsichtig; um keine unnötigen Bewegungen machen zu müssen, fuhr er mit seiner freien Hand an seinem linken Arm entlang, bis er den Knoten spürte.
Mit unsicheren Fingern versuchte er ihn zu lösen, doch durch die Anstrengung begannen die Wunden erneut aufzugehen, das Blut ließ die Fessel um so rutschiger werden, dass macht einem die Sache nicht gerade leichter, dachte er gehetzt, wenn sie jetzt wieder kommen ist es vorbei, doch weiterhin konnte er keine Geräusche wahrnehmen welche auf ihr Kommen hinwiesen.

Der Schweiß brach ihm aus, der Blutverlust und die Schmerzen ließen ihn noch langsamer werden, doch gefühlte Stunden später war es geschafft, seine andere Hand war ebenfalls frei und er rutschte unfreiwillig mit dem Rücken an der steinigen Wand herab, kam mit einem dumpfen Stöhnen auf und sackte in sich zusammen.
Er biss sich auf die Lippen und hielt den Atem an, hoffentlich hatte ihn niemand gehört. Vorsichtig richtete er sich etwas auf, gestattete sich einige Sekunden durchzuatmen und lauschte erneut, nichts zu hören. Nun begann er auch die Fesseln an seinen Füßen zu lösen, mit zwei Händen bedeutend einfacher.
Als auch die gelöst waren tastete Becker sich langsam mit den Händen an der Wand hoch, darauf bedacht keine Geräusche zu verursachen. Seine Beine trugen ihn mehr schlecht als recht, damit muss ich jetzt auskommen, unsicher bewegte er sich an der Wand entlang, bis seine nackten Füße an etwas hartes kaltes stießen, es prallte mit einem in der Stille lauten Geräusch an die Steinwand.

Wie erstarrt blieb Becker stehen, scheiße, war sein einziger Gedanke, das wars, doch es folgte nichts, keine Schritte, keine Rufe.
Vorsichtig bückte er sich und seine Hände schlossen sich um das kalte Metall am Boden, er konnte sein Glück kaum fassen, das Messer, das Messer aus seiner Schulter!

Als er sich erhob bekam das Glück einen Dämpfer, schwindelig stütze er sich an der Wand ab, etwas sehen zu können wäre in seiner Situation Gold wert.
Der Schwindel wurde stärker, die Verletzungen forderten ihren Tribut, aber er hatte es so weit gebracht, ich kann jetzt nicht aufgeben, redete er sich zu und schlich weiter an der Wand entlang. Sich immer schwerer abstützend erreichte er die Tür, hoffnungsvoll ergriff Becker den Griff und versuchte die Tür zu öffnen, doch seine Hoffnungen wurden zerschlagen.
Kurz griff die Verzweiflung nach ihm, doch er straffte die Schultern, kniff vor Schmerz die Augen zusammen und versuchte mit dem Messer fest in der Hand die Tür so leise wie möglich aufzuhebeln, sie gab kaum nach, knarrte nur verräterisch.
Plötzlich drangen von hinter der Tür Geräusche zu ihm durch, es klang wie Schritte, der Soldat, trainiert für Nahkämpfe, postierte sich neben der Tür, jetzt war die Dunkelheit sein Vorteil, der Schmerz und die Verletzungen waren vergessen, der Instinkt übernahm.

Ein Kratzen im Schloss und die Tür wurde aufgestoßen, Becker wartete die Luft anhaltend, der Anführer schritt in den Raum und entzündete die Glühbirne, einen Bruchteil einer Sekunde war Becker geblendet, doch er wusste wo sein Gegner stand, er sprang auf ihn zu, drehte dessen Körper in Richtung Tür um ihn als Schutzschild zu verwenden und schnitt ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, die Kehle durch.
Der Soldat spürte den warmen Körper erschlaffen, ein ersticktes Gurgeln drang aus dessen Mund, er ertrank in Blut, so wie er ihn in Schmerz hatte ertrinken lassen, dachte er kalt.
Er wusste das bald die drei anderen kommen würden, so wie es die anderen Male der Fall war. Deshalb zog er die Leiche an die Wand und ließ sie achtlos fallen, die Tür stieß er mit dem Fuß zu, Zeit zu warten.
Er fühlte wie das Adrenalin abebbte, die Erschöpfung, Kälte und der Schmerz krochen wieder an ihm hoch, er ging zu der Leiche und verzog angewidert das Gesicht als er in den blutgetränkten Sand trat.
Verächtlich blickte er zu dem ehemaligen Anführer, und entledigte ihn der Kevlar Weste, die braucht er wohl nicht mehr, dachte er.
Ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, aber allein mit einer Hose bekleidet wollte er auch nicht bei Nacht die Wüste durchqueren, jetzt, bei Licht, konnte er den Raum aus einem anderen Winkel betrachten als die Tage zuvor. In der gegenüberliegenden Ecke sah er einen Teil seiner Sachen, natürlich weder seine Waffen noch Munition, dafür aber seine Schuhe und sein T-Shirt. Schnell, bevor die anderen kamen, zog er sich beides an und legte die Weste darüber, das Messer stehts bereit und löschte das Licht.

Mit jeder Bewegung in Freiheit stieg auch seine Hoffnung, er würde es schaffen, zurück nach London.


Ein erneutes Geräusch an der Tür spannte seine Nerven weiter an, bis ins unermessliche, jetzt kommt es drauf an, keinen Fehler machen, dachte er angestrengt und griff das Messer noch fester. Die Tür schwang auf, Becker wartete angespannt, bis der letzte den Raum betrat, drückte den Lichtschalter und rammte ihm, den Überraschungsmoment ausnutzend, von hinten das Messer ins Herz und stieß ihn gegen seinen Kameraden.
Dieser taumelte und der andere riss seine AK-74 in die Höhe und zielte damit auf den Soldaten, welcher rechtzeitig zur Seite springen konnte sich abrollte und im Fallen mit dem Messer zielte und warf.
Die Klinge drang durch das Auge des Angreifers in seinen Kopf und mit einer letzten Salve in die Decke brach er tot zusammen.
Becker stand schwer atmend auf, und sah seinem letzten Gegner in die Augen, das letzte Hindernis zwischen ihm und seiner Freiheit.
Dieser hatte sich wieder aufgerappelt, sein Messer gegriffen und kam damit auf Becker zu, der Soldat hob seine Hände in Abwehrstellung vor seinen Oberkörper, dem ersten Schlag mit dem Messer wich er gekonnt nach hinten aus.
Beim zweiten Versuch blockte er die Messerhand mit seinem linken Arm, trat ihm die Beine weg und griff, während der Terrorist fiel, mit nun beiden freien Händen nach seinem Hals und brach ihm mit einem lauten Knacken das Genick.

Zeitgleich mit dem Toten sackte Becker stöhnend zu Boden.
Erneut rissen ihn laute Geräusche zurück, schnell, zu schnell, sprang er auf kämpfte den Schwindel nieder und schnappte sich sowohl das Messer, als auch die AK-74, checkte das Magazin und suchte erneut Schutz neben der Tür. Angestrengt an der Wand abgestützt, schwitzend und unsicher auf den Beinen wartete er lauschend auf die lauter werdenden Schritte.
Schnell wurde ihm klar, es waren viele Schritte, zu viele. Er hatte keine Chance. Kurz schloss er die Augen, bereit heute zu sterben, als englische Befehle zu ihm durchdrangen.

Erschrocken riss er die Augen, das konnte nicht sein, der Griff um die Waffe verstärkte sich, sie waren fast an seiner Tür die Tür wurde aufgestoßen und Becker riss die Waffe hoch, zielte, und ließ sie fallen, das waren seine Jungs, seine Jungs, sie waren hier.

Plötzlich unendlich müde folgte er seiner Waffe Richtung Boden und nahm kaum noch war wie seine Jungs ihn erleichtert aufsammelten und aus der blutgetränkten Hölle mehr trugen als stützten, er hatte es geschafft, er würde zurück nach Hause kommen!



Es waren beinah vierundzwanzig Stunden vergangen, Connor saß immer noch an Beckers Bett, er hatte keine Sekunde das Zimmer verlassen, konnte den Gedanken nicht ertragen Becker würde erneut aufwachen, diesmal jedoch allein.


Abby war mit Jess da gewesen, jedoch bereits wieder gegangen, es gab einen Anomalie-Alarm. Das alles schien Connor unendlich weit weg, er konnte kaum verstehen wie die Welt sich einfach weiter drehen konnte.
Die Ärzte und Schwestern meinten das er in einigen Stunden aufwachen würde, der Gedanke daran machte ihm Angst, wenn er schlief sah er so friedlich aus, ganz im Kontrast zu dem schmerzverzerrten Gesicht, mit der blanken Panik in den Augen, welche sich in Connors Netzhaut gebrannt hatte.


Matt ging ruhelos in seinem Büro auf und ab, seit dem Unfall hatte er kaum geschlafen, sie alle wussten zwar das ihr Job gefährlich war, trotzdem erwischte es einen eiskalt wenn so etwas dann wirklich geschah.
Seit seinem Gespräch mit Lester waren einige Stunden vergangen, warten war noch nie seine Stärke gewesen.
Plötzlich erklang der Anomalie-Alarm, Matt war selten so dankbar für eine Ablenkung gewesen und rannte zum Kontrollraum.


Erschöpft und dreckig betraten Abby und Matt den Kontrollraum, die Anomalie war verschlossen und alle Tiere wieder in ihrer Zeit, Lester stand neben Jess an ihren Computern und sah Matt direkt an.
Er wusste sofort worum es ging und folgte Lester unter den verwirrten Blicken von Abby und Jess in dessen Büro, hier halt ich mich beinah wirklich öfter auf als in meinem eigenen. Lester bedeutete Matt sich zu setzen und nahm selber seinen Platz hinter seinem Schreibtisch ein. „Sie haben die Akten bekommen, hab ich recht?“, sprach Matt das Thema sofort an ohne Zeit zu verlieren.
Lester sah ihn unverwandt an und nickte stumm, so wortkarg hatte Matt ihn noch nie erlebt. „Ja der Minister hat dafür gesorgt das man mir die vollständigen Akten zu kommen ließ“ bestätigte er sein Nicken nochmals.
Matt wartete gespannt auf weitere Ausführungen, doch anstelle dessen öffnete Lester eine Schublade seines Schreibtischs und schob Matt eine schwere Aktenmappe entgegen.
Vorsichtig nahm Matt sie und schlug die erste Seite auf, mit jeder Seite die er las machte sich ein ungläubiges Staunen breit.
Er wusste das Becker gut ausgebildet war, bewies er ihnen ja jeden Tag bei der Arbeit mit den Urzeittieren, aber das er so gut ausgebildet war und beim SAS gedient hatte, hatte Matt und wahrscheinlich niemand im Team gewusst.
Beeindruckt las er weiter, Becker hatte an einige Einsätze in unterschiedlichsten Ländern dieser Welt teilgenommen, immer äußerst erfolgreich, wäre er nicht beim SAS gewesen wäre er hochdekoriert worden.
Der Bericht eines Einsatzes war jedoch bedeutend länger als die anderen, Matt begann neugierig ihn zu lesen, mit jedem Wort wurde ihm flauer im Magen, das was er dort las war wie ein Folterhandbuch, ihm wurde ganz anders doch er biss die Zähne zusammen, das war wohl die Antwort auf Beckers Verhalten nach dem Aufwachen.
Der Unfall muss ihn zurück in seine Kriegsgefangenschaft katapultiert haben und er war in dem Glauben aufgewacht immer noch dort zu sein.
Matt schloss entsetzt die Augen, was schlimmeres konnte er sich kaum vorstellen.
Er las weiter, auf der letzten Seite des Berichts waren medizinische Dokumente angeheftet, augenscheinlich von Beckers Behandlung in der Militärbasis im Irak, dazu gehörten auch einige Fotos, das erklärte somit auch die ganzen Narben, welche sie bei der Reanimation gesehen hatten.

Er muss schreckliches durchgemacht haben, Matt konnte sich kaum vorstellen wie man trotz solcher Erlebnisse einfach weiter machen konnte und wieso er nichts in die Richtung bemerkt oder auch nur vermutet hatte.
Er, wo es doch seine Aufgabe war Informationen über jeden einzelnen zu sammeln und sie genau zu beobachten.
Während er las musterte Lester ihn unaufhörlich, als er fertig war fragte Matt in den Raum hinein, „haben sie es auch gelesen?“.
Der andere nickte nur stumm und holte erneut etwas aus seiner Schublade heraus, Matts Neugier war geweckt. „Was..?“ fragend sah er den Bürokraten an.
„Der IS hat die Angewohnheit für Propagandazwecke zu filmen“, weitere Erklärungen waren nicht nötig.
Entsetzt sah Matt Lester an, ihm war klar was auf der DVD zusehen sein würde, doch er konnte es nicht glauben.
Sowas konnte doch nicht aufgehoben worden sein?! Lester schob die DVD ebenfalls über den Tisch „wenn Sie der Meinung sind, dass es hilft“, Matt war entlassen, langsam erhob er sich mit der DVD vom Stuhl und verließ in Gedanken das Büro.

Draußen standen, noch immer verwirrt, Jess und Abby, „was wollte Lester von dir?“ riss Abby Matt unsanft aus seinen Gedanken. „Nur was organisatorisches“ kam die einsilbige Antwort von dem Angesprochenen.
Skeptische Blicke durchlöcherten ihn, augenscheinlich glaubten sie ihm kein Wort, zurecht, dachte Matt, wenn sie wüssten.

In dem Moment hatte Jess ihm die DVD aus der Hand gezupft und rannte auf ihren hohen Schuhe zu einem ihrer vielen PC’s.
Bevor Matt überhaupt reagieren konnte war sie schon in einem Laufwerk verschwunden „Nein!“ rief er aufgebrachte, „Stopp das, sofort, das ist ein Befehl!“ aufgebracht Schritt er auf Jess zu und versuchte an den PC zu kommen doch Abby hielt ihn zurück.
„Es geht um Becker oder? Seit seinem Unfall verhältst du dich komisch, wir haben ein Recht darauf das zu erfahren, er ist uns genauso wichtig wie dir!“ wütend und enttäuscht sah sie ihn an.
Noch ehe er jedoch über eine plausible Antwort nachdenken konnte sah man Bilder über den Bildschirm fliegen, das Video war im Zeitraffer zu sehen, die Qualität war miserabel.

„Was soll das denn sein?“ kam es fast gleichzeitig von Jess und Abby, doch auch diese Frage blieb unbeantwortet.

Captain Becker, ihr Becker war auf dem Bildschirm zu sehen, niemand wagte auch nur zu atmen, die Bilder flogen weiter vorbei, neue Männer betraten die Bühne. Die Zeitanzeige in der Ecke raste weiter, man sah die Männer unaussprechliche Dinge machen und die Zeit verging weiter.
Man sah Becker schreien, zusammen sacken, wieder schreien. Die Männer kamen immer wieder und die Zeit verging unerbittlich weiter.

Nach wenigen Sekunden löste Matt die Starre und beendete das Video.
Abby wirkte verstört und Jess liefen stille Tränen über das Gesicht.
Beide starrten weiter auf den Bildschirm, welcher unterdessen schwarz geworden war.
In Matts Kopf kreisten die Gedanken unaufhörlich, aber keinen konnte er richtig fassen, er musste hier raus, ohne ein weiteres Wort floh er förmlich aus dem ARC.

Erst als er in der Tiefgarage in seinem Auto saß ließ er das gesehene an sich ran, entsetzt schloss er die Augen und sank mit dem Kopf auf das Lenkrad, was nun?


Langsam ging Jess auf ihre Computer zu und ließ sich unbeholfen auf ihren Stuhl sinken, was hatte sie da gesehen?
Das kann doch nicht echt gewesen sein? Ihr musste ganz schnell jemand sagen dass das alles nur gestellt war, das alles nur ein ganz schlechter Scherz war, der Unfall, das Video, einfach alles!
Bitte lass mich aufwachen, das ist alles ein schrecklicher Albtraum. Doch ein Blick in Abbys Gesicht verriet ihr, das war kein Traum, es war bittere Realität.


Das musste eine der schrecklichsten Sachen gewesen sein, die Abby jemals gesehen hatte, trotz ihrer Zeit im Zoo, Angriffe wilder Tiere, wilder Urzeittiere, dieses Video was so eindrucksvoll und zugleich schockierend zeigte wozu Menschen in der Lage waren, was sie einander antun konnten, in der Überzeugung für eine größere Sache zu handeln.

Definitiv, sie hatte nie etwas schlimmeres gesehen.



Diesmal zeigt das schnellere Piepen des Herzmonitors erstmals eine Veränderung an, Connor schlief jedoch zu tief um es wahrzunehmen.
Er hatte den Kampf gegen die Müdigkeit verloren, seit Stunden versuchte sie ihn einzuwickeln und er hat letztendlich doch aufgegeben.

Das Piepen wurde immer schneller, Beckers Herz klopfte unaufhörlich weiter, sein Geist tauchte langsam aus der Bewusstlosigkeit auf.


Licht schien durch seine Augenlider, er konnte es sehen, sein Mund war unendlich trocken und sein Hals tat weh.
Ohne die Augen zu öffnen versuchte der Captain die Situation zu erfassen, wo bin ich?, es roch streng, nach Desinfektion und Tod, in einem Krankenhaus?, die Tatsache das er eine Decke auf seinem Körper spürte sprach dafür.
Immer noch zu erschöpft um die Augen zu öffnen lag er still in seinem Bett. Neben sich hörte er jemanden leise atmen, vielleicht Brian, dachte er, seine Brust schmerzte bei jedem Atemzug. Langsam drehte er seinen Kopf in Richtung des Geräusch und öffnete die Augen, erst das eine, dann das andere.
Das Licht blendete ihn, stach in seinen Augen, es war alles in gleißendes Weiß getaucht.
Erst nach einiger Zeit konnte er langsam den Raum um ihn herum erkennen, er sah eine Gestalt an seinem Bett sitzen, die Silhouette kam ihm bekannt vor, doch seine Augen brauchten einen Moment um sich scharf zu stellen.
Ein verwunderter Ausdruck schlich sich auf sein Gesicht, wer war das? Es ist nicht Brian, erschrocken stellte er fest das der Fremde seine Hand in der seinen hielt und schnell wollte er seine Hand wegziehen, doch etwas hielt in zurück.
Erneut wanderte sein Blick und machte eine Schlinge um sein Handgelenk aus. Zu benebelt um die Information verarbeiten zu können schloss er wieder die Augen, jedoch nicht ohne seine Hand aus dem Griff der anderen zu entwinden.


Eine Bewegung an seiner Hand ließ Connor hochschrecken, orientierungslos blickte er auf die Hand neben seiner, sie hatte sich bewegt, definitiv, Connor war sich sicher.
Ein Blick in Beckers Gesicht zeigte ihm jedoch das der andere noch schlief, seine Augen waren geschlossen.
Leise, beinahe flüsternd sprach er ihn an „Becker, Becker bist du wach? Bitte sein wach!“. Der angesprochene öffnete langsam die Augen und sah ihn ausdruckslos an „Sir?“ krächzte er, die Vertrautheit mit der sein Gegenüber ihn anredete ignorierte er.
Connor sah ihn verwirrt an „Sir? Becker ich bins, Connor!“, diesmal war es an Becker verwirrt zu gucken „Ich kenne Sie nicht Sir“, er war zu müde für solche Spielchen, wer war dieser Typ?, erschöpft schloss er die Augen und wartete auf eine Reaktion die ihm vielleicht erklärte was hier los war.
Die Reaktion blieb aus, das junge Genie starrte ihn nur aus verständnislosen Augen an, erkannte er mich nicht?. Diese Gedanken nach hinten schiebend wandte Connor sich von dem Bett ab und holte einen Arzt, vielleicht kann der mir erklären was hier los ist.

Doch auch der Arzt konnte nicht mit Bestimmtheit sagen was mit Becker los war, „eventuell eine kurzzeitige Amnesie“ klang in Connors Ohren noch am plausibelsten.
Die ganze Untersuchung über hatte Becker die Augen geschlossen gelassen, an der Art seiner Atmung merkten sie jedoch das er wach war.


Eine zweite Person hatte das Zimmer betreten, Becker hatte die Tür und Schritte gehört, wahrscheinlich ein Mann, auf sein Gehör hatte er sich schon immer gut verlassen können, er hatte an ihm rumgefummelt, seinen Puls gemessen und seine Gelenke vom Bett gelöst, Becker ließ ihn gewähren, er wäre zu erschöpft gewesen um sich zu wehren, selbst wenn er gewollt hätte.

Der Arzt begann mit dem Unbekannten zu sprechen, irgendetwas über einen Unfall, nette Umschreibung für das was ihm passiert war, dachte Becker bitter, mehr bekam er nicht mit, die Schmerzen hatten mit seinem klarer werdenden Verstand auch wieder an Kraft gewonnen.

Der Arzt hatte bereits wieder das Zimmer verlassen, als Becker erneut die Augen aufmachte, immer noch saß Connor neben seinem Bett, dieser legte gerade sein Handy beiseite, er hatte Matt über die neue Entwicklung informiert, er war auf dem Weg.

Becker musterte ihn aus dunklen Augen, wieso war er immer noch da?, „wer sind Sie?“ fragte er den jungen Mann interessiert, er schien kaum älter als 25.
Zu jung für einen Vorgesetzten.
Der jüngere sah in verletzt an, „Becker ich bins Connor, Connor Temple, wir arbeiten zusammen, im ARC, dem Anomaly Research Center, weißt du nicht mehr?“, mit jedem Wort wurde Connor verzweifelter, er musste sich doch erinnern.
Doch ein Blick in Beckers irritiertes Gesicht verriet ihm das er nicht wusste wovon er sprach. „Anomaly Research Center?“ mit hochgezogener Augenbraue sah er ihn an „ich bin Soldat, Sie müssen mich verwechseln Sir.“-„du kannst dich nicht erinnern“ flüsterte das junge Genie leise, für diese Erkenntnis hatte er länger gebraucht als gewöhnlich.
Er wusste nicht was er machen sollte, das war beinah noch schlimmer als alles vorherige, hoffentlich kommt Matt bald, der weis bestimmt was zu tun ist, Connors Zuversicht nahm etwas zu und er lächelte Becker an, „das wird schon wieder“ belog er sie beide.

Die Aufmerksamkeit des Soldaten hatte nachgelassen, er sah sich in dem Zimmer um, kalt und weiß, wie jedes mal, hoffentlich kann ich bald gehen, dachte er, er hasste Krankenhäuser.
Plötzlich kam ihm ein Gedanke „sind wir in London?“ fragte er in den Raum, Connor sah ihn verwirrt an „natürlich, wo sollen wir denn sonst sein?“.
Verlegen schaute Becker an die Wand gegenüber, war wohl eine blöde Frage, „ich dachte nur viellicht seien wir noch im Irak“ antwortete er wahrheitsgetreu und drehte seinen Kopf weg von Connor, erst als er das Glas Wasser entdeckte merkte er wie durstig er war.
Vorsichtig versuchte er seine Finger zu bewegen, er traute seinen Muskeln noch nicht vollständig, doch es ging einigermaßen, langsam streckte er seinen Arm in Richtung Glas aus und leerte es in wenigen Zügen.
Das kühle Nass linderte seine Halsschmerzen und das trockene Gefühl in seinem Mund verschwand. Er war müde, wollte aber nicht schlafen, er hatte das Gefühl in letzter Zeit genügend geschlafen zu haben, konnte er sich doch nicht erinnern zurück nach England gekommen zu sein.
Ächzend setze er sich etwas auf, doch der Schmerz ließ in wieder zurück sinken, Connor sah ihn erschrocken an „ich glaub nicht das du dich bewegen solltest..“, doch ein entschlossener Blick des Soldaten brachte ihn zum Schweigen.
Anstatt dessen fasste er Becker an den Schultern und half ihm auf, mit zusammengebissenen Zähnen saß der nun aufrecht im Bett, den Kopf angestrengt an das Kopfteil gelehnt. „Danke, das wäre nicht nötig gewesen, Connor“ der Name fühlte sich seltsam vertraut an als er ihn aussprach. Vielleicht kenne ich ihn doch..


Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte klopfte es an der Tür, etwas irritiert antwortete er „Ja?“ wer das wohl war?, die Tür öffnete sich langsam und Matt trat ein. „Hey Becker, du siehst ja wieder etwas besser aus, wie fühlst du dich?“, erleichtert das Becker schon aufrecht im Bett saß kam er näher.
Verwirrt sah Becker Matt an und erwiderte nüchtern „Es geht, danke der Nachfrage“, an Connor gerichtet fragte er „woher kennt er mich?“. Bevor er jedoch antworten konnte kamen Jess und Abby durch die Tür gerannt, ohne zu zögern rannte Jess weiter an Beckers Bett und umarmte in stürmisch. Mit einem Keuchen auf den Lippen und schmerzverzerrten Gesicht schob er sie weg, das war alles etwas viel, wer waren diese Leute?, in seinem Kopf drehte sich alles.
Verletzt sah Jess ihn an „Becker es tut mir Leid, was ist los?“, aber Connor kam ihm zuvor „Leute, er erinnert sich nicht an uns, er weis nicht wer wir sind oder was das ARC ist.“
Matt, Abby und Jess sahen angespannt von Connor zu Becker „das ist doch ein schlechter Scherz“ kam es von Abby, Jess sah unendlich traurig aus und Matt sagte etwas was sich anhörte wie „damit hätte man rechnen können.“ verstummte jedoch schnell wieder.


Becker blieb still, es war komisch diese Leute über ihn reden zu hören als wäre er nicht da. Und die alle soll ich kennen? Aus dem ARC, von der Arbeit?, das war definitiv das verrückteste was er jemals gehört hatte.
Das Starren der anderen riss ihn aus seinen Gedanken, fragend sah er sie an. „Was ist das letzte woran du dich erinnern kannst?“ fragte Matt, der Soldat schaute ihn lange an und antwortete „ich war auf einem Einsatz im Irak, Sir“ das Sir kam wie von selbst.
Matt bohrte nach, „an mehr nicht Captain?“, er hielt eine militärische Atmosphäre für angebracht, eine die der Soldat gut kannte, dafür erntete er verwirrte Blicke der Frauen und Connor.
Becker wirkte unbehaglich, die Situation überforderte ihn, doch das würde er nicht zugeben, „doch Sir“.
Entsetzt keuchte Jess auf, sie schien zu begreifen was hier los war, mit einem Blick brachte Matt sie zum Schweigen, sie verstand nun was es mit dem schrecklichen Video und Matts Verhalten auf sich hatte.
Allein der Gedanke Becker könnte dieses Trauma nochmals erlebt haben trieb ihr die Tränen in die Augen und raubte ihr den Atem.

Matt begann langsam Becker zu erklären, was das ARC war, was Anomalien waren, was sie taten, wer sie waren, dieser lauschte angespannt und versuchte das erfahrene in seinem Kopf in eine logische Reihenfolge zu bringen.
Der Versuch brachte neuen Schwindel und sein Kopf pochte schmerzhaft, erschöpft sank er tiefer in die Kissen, fuhr sich mit der Hand über sein Gesicht.
Als sie begann zu zittern ballte er sie zur Faust und ließ sie schnell wieder sinken, nicht wollend das sie seine Schwäche wahrnahmen. Es schien ihm als seien Stunden vergangen bis Matt zu einem Ende kam.
Fragend sah er den Soldaten an „kommt dir davon irgendwas bekannt vor?“-„nicht wirklich“ antwortete der angesprochene unbehaglich, ihm war nicht wohl dabei die Erwartungen aller in diesem Raum nicht zu erfüllen, insbesondere der Brünetten, sie schien sehr darunter zu leiden. Immer wieder während Matts Erklärungen liefen ihr Tränen über die Wangen, Becker war noch nie gut darin weinende Frauen zu trösten, doch er konnte es auch nicht dabei belassen, der Gentleman in ihm ließ das nicht zu. „Ihr scheint ganz wunderbare Menschen zu sein“ richtete er sein Wort an alle im Raum, „ein eingespieltes Team und obwohl ich mich nicht erinnern kann ist es eine Ehre mit euch arbeiten zu dürfen“ beendete er seine kurze Ansprache.

Alle Augen im Raum waren auf ihn gerichtet, Connor reagierte als erstes „Danke Becker, das wird schon wieder“ sagte er zuversichtlich und klopfte dem Soldaten dabei auf die Schulter. Dieser zuckte erschrocken zusammen, sein Oberkörper brannte erneut auf und er brachte durch zusammen gebissenen Zähne ein „gerne Connor“ hervor, „soweit ich das einordnen kann bist du der Fettnäpfchen-König, was?“.
Kollektives lachen erfüllte den Raum, das Eis war gebrochen, die Gespräche gingen weiter, Connor und Abby erzählten von der Zeit bevor Matt und Jess zum Team gekommen waren und Becker lauschte weiterhin interessiert.
Er konnte jedoch immer weniger folgen, hatte Mühe seine Augen offen zu halten, die Verletzung und die Medikamente belasteten ihn mehr als die anderen ahnten, dazu noch der Stress dieser neuen Situation, konnte er es doch immer noch kaum glauben.

Er spürte wie kalter Schweiß auf seine Stirn trat und sein Herz schlug schneller, ebenfalls das Piepen des Monitors beschleunigte sich, doch nahm er das kaum wahr, das Blut rauschte in seinen Ohren. Auch die Gespräche waren verstummt, aller Aufmerksamkeit hatte der Monitor eingefordert. „Gehts dir gut Becker, du siehst ganz blass aus“ sprach Jess ihn an, doch er verstand sie kaum, schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen und seine Hände begannen zu zittern.
„Alles bestens“ brachte er mühsam hervor, doch niemand schien ihm zu glauben, seine Stimme hörte sich in seinen Ohren ungewöhnlich gedämpft an.
Das Zimmer verschwamm immer weiter und er fühlte die raue Steinwand in seinem Rücken, Sekunde? Raue Steinwand?, die fernen Stimmen seiner Freunde drangen gedämpft zu ihm durch, doch er verstand sie nicht.

Erschrocken öffnete er seine Augen, doch er sah nichts, nahm nur die Wand hinter ihm und die Fesseln an seinen Gelenken wahr. das Krankenhauszimmer, in dem er sich nur Sekunden vorher befanden hatte war wie ausgelöscht.

Er war gefangen in seinem Kopf.


Abby, Connor, Jess und Matt sahen schockiert Becker an, innerhalb von Sekunden war er ungesund blass geworden und Jess bemerkte als erste die Schweißperlen, welche sich auf seiner Stirn deutlich absetzten, wie konnten sie das nur übersehen, ärgerte sie sich.
Doch ihr Ärger wandte sich schnell in pure Angst als Becker immer stärker zu zittern begann und undeutlich auf ihre Frage antwortete.
Man konnte ihn kaum verstehen, doch bestens war bestimmt gar nichts.
Jess sah hilfesuchend die anderen an, doch auf ihren Gesichtern sah sie die gleiche verzweifelte Ratlosigkeit die sie fühlte, Matt allein schien geistesgegenwärtig genug sich die Situation nicht entgleiten zu lassen.
Mit harter Stimme wies er Connor an einen Arzt zu holen, während er selber ununterbrochen auf Becker einredete wach zu bleiben.
Abby und Jess beobachteten ihn erstarrt und kamen sich schrecklich nutzlos vor. Jess berührte zaghaft Beckers Hand, wollte sie ihm doch zur Seite stehen, doch die Berührung ließ ihn nur stark zusammenzucken und ein leises Stöhnen entwich seinen halbgeöffneten Lippen.
Matt brachte sie mit einem Blick dazu Beckers Hand loszulassen. „Jess ich weis nicht in wie weit Becker in diesem Zustand mit Berührungen umgehen kann..“, diese Erklärung ließ er so in der Luft hängen und Jess sah ihn nur traurig dabei zu wie er weiter versuchte Becker bei Bewusstsein zu halten, wo blieb den der Arzt?
Sein Bewusstsein schwand, Abby konnte es an seinen Augen sehen, der Blick darin wurde immer stumpfer, sie hatte das schon häufiger bei verstörten Tieren gesehen, es war der Blick eines Zweitausend-Meter-Läufers. Er sah durch sie durch, durch das ganze Zimmer und fixierte etwas in weiter Ferne.
Nach gefühlten Stunden des Wartens flog die Tür auf und Connor und der Arzt schossen in den Raum.
Becker sah in seine Vergangenheit und die lässt einen bekanntlich nie los.
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