Nochmal mit Gefühl

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Debbie Gallagher Fiona Gallagher Frank Gallagher Ian Gallagher Mickey Milkovich Phillip "Lip" Gallagher
30.03.2017
18.05.2017
8
16.537
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05.04.2017 2.056
 
Als Ian am nächsten Abend unter der Dusche stand und sich den Arbeitsschweiß von der Haut schrubbte, bevor er sich gleich mit Marc treffen würde, versuchte er, wie bereits den gesamten Tag und die letzte Nacht über, NICHT an Mick zu denken.

Was war mit ihm?

Wieso tauchte er wieder hier auf?

War er noch immer auf der Flucht?

Wollte er sich überhaupt mit Ian treffen?

Würde er sich bei ihm melden?

Ian hätte am liebsten laut fluchen können, als er spürte, wie es in seinem Bauch zuckte. Verdammte Scheiße! Es konnte doch nicht sein, dass Mickey ihn noch immer so aus der Bahn warf. Nein, er durfte sich nicht wieder irritieren lassen. Es war gerade alles gut, schien alles gut zu werden. Er würde sich heute Abend mit Mark treffen. Er war ein heißer Typ, er war nett, er hatte einen Job und wurde nicht von der gesamten Polizei des Landes gesucht. Er war die bessere Wahl, daran gab es keinen Zweifel.

Und vielleicht gab es diese Wahl auch gar nicht. Immerhin war Mickey – angenommen, Frank hatte überhaupt Recht gehabt und er nicht in seinem Suff irgendetwas falsch verstanden hatte – bereits seit einem Tag oder sogar länger hier und hatte sich noch nicht gemeldet.

Ein Pochen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Liams Stimme drang zu ihm ins Bad und wurde halb vom Rauschen des Wassers übertönt. „ … mal aufs Klo!“

Ian stellte den Wasserhahn ab und griff nach seinem Handtuch, während er seinem kleinen Bruder antwortete: „Ja, komm rein.“

Er wickelte sich das Handtuch um die Hüfte, stieg neben dem kleinen Jungen aus der Dusche und ging in sein Zimmer hinüber. Er hatte inzwischen ein festes eigenes Zimmer, da er neben Fiona und Liam der einzige der Geschwister war, der noch wirklich hier lebte. Und er zahlte Fiona einen Mietanteil, damit diese ihren Hauskredit schneller abzahlen konnte. Es war kein Problem, er verstand es, fand es durchaus in Ordnung, dass er von seinem ganz anständigen regelmäßigen Einkommen etwas abgab – weniger als er in einem eigenen Appartement zahlen müsste, war es dennoch. Und er fühlte sich wohl hier, vor allem, weil es inzwischen merklich ruhiger war als früher.

Debs lebte mit ihrem Ehemann Neal zusammen in dessen Haus, Carl und Lip kamen nur in ihren jeweiligen Ferien nach Hause, und wenn Lip in einem oder zwei Jahren mit seinem Studium fertig sein würde, würde er sicher ein eigenes Haus oder eine Wohnung nehmen und dort wohnen. Er würde mit Sierra und ihrem Sohn zusammenziehen. Vielleicht würden sie auch heiraten. Und Carl würde sicherlich aufs College gehen im nächsten Jahr. Oder zur Army. Er war selber noch nicht sicher.

Nachdenklich sah er in seinen Schrank, in dem sein nicht sehr gut sortierter Fundus an Klamotten mehr oder weniger ordentlich auf seine Entscheidung wartete. Fuck … was sollte er anziehen? Er zog ein T-Shirt heraus, sah jedoch, dass es am Ärmel ein kleines Loch hatte – das Shirt würde er also sicher nicht zu einem ersten richtigen Date mit einem Kerl anziehen. Er verzog das Gesicht und entschied sich schließlich für ein dunkelgrünes Poloshirt. Eigentlich hasste er dieses Ding, aber er hatte schon öfter Komplimente dafür bekommen, wenn er es angezogen hatte – offenbar passte es irgendwie zu seinen Haaren. Wie auch immer. Wenn es gut aussah, war es gut.

Er zog seine schmale Lederjacke über und ging, nachdem er sich von Liam verabschiedet hatte, los zu Fionas Auto, das er sich heute Abend ausleihen konnte. Fiona würde in einer Stunde zu Hause sein, bis dahin würde Liam klarkommen. Er würde sein Sandwich vor dem Fernseher essen oder Videospiele spielen und vermutlich gar nicht merken, wie die Zeit verflog. Immerhin war er inzwischen neun, da konnte man mal eine Weile allein bleiben. Das war er, Lip und Fiona in diesem Alter mitgemacht hatten, war ein ganz anderes Kaliber gewesen. Dagegen lebte Liam mit seinen nüchternen Mitbewohnern und seiner Privatschule wie in einer anderen Welt.



Das Restaurant, in dem er mit Marc verabredet war, war leicht zu finden. Ian parkte in der Nähe, schloss den Wagen ab und schlenderte hinüber zu den hell erleuchteten Fenstern. Vorsichtig warf er einen Blick hinein, konnte Marc jedoch nirgends erkennen. Als er sich umdrehte, sah er sich seinem Date direkt gegenüber.

„Hi Ian … wow, du bist pünktlich!“

„Marc … ja, du scheinbar auch. Cool. Wollen wir reingehen?“

Ian folgte dem gut aussehenden Typen ins Innere des Lokals und konnte es sich nicht verkneifen, auf den sexy Arsch zu sehen, den er sich heute noch genauer ansehen würde. Sie würden sich stärken, reden, lachen … und dann würde Ian ihn mit nach Hause nehmen – oder mit dem anderen mitgehen.



Als er kurz nach Mitternacht mit Marc durchs Haus ging, ihm immer wieder heiße Blicke zuwarf, war es vollkommen still. Liam und Fiona schliefen sicher tief und fest, denn Fiona war nach ihren langen Arbeitstagen immer fix und fertig.

Ian öffnete die Tür zu seinem Zimmer und schob seinen Gast hinein, schloss die Tür leise und küsste Marc gierig. Der Typ schmeckte gut, er war sexy und Ian war geil. Er wollte endlich wieder Sex.

„Wow, du gehst ran … direkt ins Bett, ja?“

Ian lachte. „Ja. Direkt ins Bett. Willst du nicht? Also wenn du nicht willst, kann ich auch alleine …“ Er zog sich das Shirt über den Kopf, öffnete seine Hose und ließ sich aufs Bett fallen, wo er seine rechte Hand in seine Hose schob und grinsend die Augen schloss.

„Nein! So war das nicht gemeint, Sexy. Komm, lass mich mitmachen.“ Marc kniete sich neben Ian aufs Bett und küsste ihn hart, während seine Hand an Ians Hals glitt, ihn kurz liebkoste und über seine Brust und seinen Bauch fuhr, um ebenfalls in Ians Hose zu verschwinden. Grinsend zog Ian seine eigene Hand heraus, erwiderte den Kuss und genoss ein paar Augenblicke die Hand, die seinen Schwanz massierte.  

Doch das reichte ihm nicht mehr.  Entschlossen schlüpfte er aus seinen Jeans, zog sich die Shorts herunter und präsentierte so seinen harten Schwanz, den Marc mit einem wohlwollenden Blick streifte. „So schnell, ja?“

„Ja, so schnell.“ Er grinste und zerrte seinem Date die Klamotten vom Körper, küsste ihn zwischendurch immer wieder hart und drückte ihn schließlich auf den Bauch. Dies war der spannende Augenblick, der zeigen würde, ob er wie meistens recht hatte und toppen konnte, oder ob es Diskussionen darüber geben würde, wer wen ficken dürfte. Wobei eigentlich klar war, dass er sich nicht ficken lassen würde. Sicher, mit Trevor war es irgendwie so gewesen, doch das war eine besondere Situation gewesen. Es war nötig gewesen, um Trevor zu zeigen, dass er ihn nicht ficken wollte, nur weil er der Trans-Mann war – was Ians Meinung nach sowieso recht weit hergeholt war, doch es hatte irgendwie alles geklappt. Mit Mickey könnte er es sich vielleicht noch vorstellen, nicht aber mit jemand anderem, den er eigentlich noch gar nicht kannte.

Marc rekelte sich vor Ian auf dem Bett und Ian grinste zufrieden, als er nach dem Gleitgel griff, den anderen kurz damit vorbereitete, schließlich ein Kondom überzog und endlich das bekam, was er mal wieder gebraucht hatte. Es war gut, Ian ließ sich danach entspannt neben seinen Kollegen gleiten und ließ zu, dass er ihn in den Arm nahm. Es war okay, er roch gut, Ian war entspannt, und inzwischen müde. Sie mussten beide morgen früh aufstehen, und sollten schlafen.

„Das war geil“, meinte Marc leise an Ians Ohr, und dieser grinste wieder. „Danke. Ich fand‘s auch gut.“

„Sollten wir unbedingt wiederholen, was meinst du, Sexy?“ Ian runzelte die Stirn. Er konnte es eigentlich nicht ab, wenn Typen ihm irgendwelche seltsamen Namen gaben, schon gar nicht beim Sex. Und auch nicht vor anderen Leuten … Eigentlich nie. Mick hatte das nie getan. Naja, bis auf den seltsamen Namen „Fire-crotch“ … Ian hatte nie wirklich gewusst, ob das eine Beleidigung oder eine Schmeichelei sein sollte. Trotzdem hatte er es irgendwie gemocht. Es passte einfach zu Mickey.

„Woran denkst du?“

Shit. „Ähm … nichts eigentlich.“ Seit wann quatschte man im Bett so einen Scheiß? Machten das nicht eigentlich nur Frauen?

„Du sahst so nachdenklich aus. Und irgendwie zufrieden.“ Marc beugte sich über Ian, küsste ihn wieder und kuschelte sich an ihn. „Du riechst gut.“

„Hmm …“ Ian zog die Decke etwas über sie und hörte draußen eine Tür klappen. Vermutlich war Liam aufgewacht und ging pinkeln.



„Ich hab es auch gehört, Ian. Er scheint wirklich hier zu sein.“ Fiona nahm einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse und sah ihn über den Rand hinweg an.

„Wen meinst du?“, fragte Ian, in der naiven Hoffnung, sie würde jetzt nicht auch noch mit dem Thema anfangen, was ihn beschäftigte, seit Frank damit angefangen hatte.

„Mickey Milkovich. Wen sonst?“

„Aha.“

Fiona legte den Kopf schief. „Tust du jetzt so, als würde es dich nicht interessieren?“

Glücklicherweise kam in diesem Moment Marc die Treppe herunter, ein charmantes Lächeln auf den Lippen, küsste Ian auf den Mund und nickte Fiona und Liam zu. „Morgen.“

„Guten Morgen.“ Fiona grinste in ihre Tasse, und Ian verdrehte die Augen. Im weiteren Verlauf des Frühstücks versuchte er, die Blicke, die Marc ihm zuwarf zu ignorieren, weil er immer wieder Fionas Grinsen sah. Außerdem schweiften seine Gedanken immer und immer wieder ab. Das hatte Marc wirklich nicht verdient, weshalb er sich plötzlich zu ihm wandte und fragte: „Wollen wir heute Abend weggehen? Tanzen oder so? Morgen müssen wir nicht früh aufstehen. Was meinst du?“

„Gerne. Gehen wir danach zu mir?“ Er sah Ian tief in die Augen, und Ian spürte ein warmes Gefühl. Es wäre wirklich nett, wenn es dieses Mal vielleicht klappen würde.

„Klar, können wir machen. Fiona, ist das okay? Wegen Liam?“

„Ich brauche keinen Aufpasser“, meldete sich ihr kleiner Bruder nun zu Wort und fügte trocken an: „Wenn du deinen Lover ficken willst, dann geh ruhig zu ihm. Ich komme klar.“

„Liam! Rede nicht so“, mahnte Fiona, und Ian konnte nicht anders als zu grinsen. Immerhin war wohl einigermaßen klar, woher ihr fast neunjähriger Bruder diese Wortwahl hatte.

„Danke dir“, meinte Ian mit ernstem Gesichtsausdruck zu seinem Bruder und grinste Marc an, der scheinbar amüsiert dem Schauspiel folgte.



Die nächsten paar Tage vergingen ohne Zwischenfälle, wenn man von dem normalen Wahnsinn in ihrem Viertel mal absah, was besoffene Väter im Vorgarten, die ein oder andere Schlägerei im Alibi oder so etwas betraf.

Inzwischen hatte Ian wirklich das Gefühl, mit Marc könnte es etwas werden, denn sie verstanden sich wirklich gut, Marc fühlte sich gut unter ihm an und es machte Spaß, mit ihm zusammen zu sein.

Sie hatten am Samstagabend etwas im Alibi getrunken, das man wieder betreten konnte, seit Kev und Ve es von der Russenschlampe wieder erobert hatten. Es war ein langer Prozess gewesen, doch sie hatten ihr schließlich wirklich nachweisen können, dass sie sie argwöhnisch getäuscht hatte. Ian war nicht SO verwundert gewesen, denn auch wenn sie sich zwischendurch mal ganz gut verstanden hatten, hatte seine Meinung doch eigentlich schon bei ihrer ersten Begegnung festgestanden. Damals als dieser verfickte alte Milkovich sie  gerufen hatte, nachdem er Ian und Mickey beim Ficken erwischt hatte. Zu ihren Gunsten musste wohl gesagt werden, dass sie sich ihre Rolle in diesem Moment auch nicht ausgesucht hatte, doch Ian hatte sie gehasst, ebenso sehr wie Terry. Und er wusste einfach, dass es Mickey ebenso gegangen war, auch wenn sie nach dieser Sache niemals wirklich darüber gesprochen hatten.

Auf dem Weg nach Hause klingelte Ians Handy. Er brach im Satz ab, den er gerade mit Marc gewechselt hatte, sah, dass der Anrufer unbekannt war und meldete sich.

„Ja?“

„Können wir uns treffen?“

Ians Herz überschlug sich förmlich, und er hatte einen kurzen Moment das Gefühl, nicht atmen zu können, als er Mickeys Stimme hörte. Das erste Mal seit fast drei Jahren und doch so vertraut, als hätten sie sich heute Morgen erst voneinander verabschiedet.

„Ich … ähm …ich habe zu tun.“

„Wimmel ihn ab.“

„Wen? Ich …“ Verdammte Scheiße, wieso konnte er nicht richtig denken?

„Den verfickten Typ neben dir, Gallagher.“

Erschrocken sah Ian sich um, kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Marcs irritierten Blick bekam er nur am Rande mit und er war auch nicht wichtig.

„Also?“ Mickeys Stimme klang warm und untypisch geduldig.

„Das geht nicht … ich …“

„Tu es.“ Damit legte Mickey am anderen Ende der Leitung auf und Ian starrte auf das dunkel werdende Display und hatte das Gefühl, die Welt um ihn herum drehe sich gerade um sich selbst.
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