Nochmal mit Gefühl

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Debbie Gallagher Fiona Gallagher Frank Gallagher Ian Gallagher Mickey Milkovich Phillip "Lip" Gallagher
30.03.2017
18.05.2017
8
17205
14
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Dieses Kapitel
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Hallo!

Es gibt hier zu wenig zu Shameless! Deshalb habe ich mich wirklich drangemacht und eine kleine FF geschrieben, weil ich einfach nicht abwarten kann, wie es weitergeht, wenn es weitergeht.
Bisher habe ich 6 Kapitel fertig, die ich wöchentlich posten werde. Insgesamt wird es denke ich auf etwa 10 Kapitel rauslaufen. Da ich meine FFs IMMER beende, muss niemand Sorge haben, dass sie abgebrochen wird, weil sie nocht nicht fertig geschrieben ist. ;-)

Ich hoffe, die Story gefällt euch und versüßt das Warten auf Staffel 8 ;-)

Eure Mrs Malfoy

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Das war es jetzt also.

Scheiße.

Ian vergrub das Gesicht im Kissen und seufzte. Das war sein Leben. Ein Leben, in dem er täglich Medikamente schlucken musste, damit er nicht ausklinkte, damit er seinem Job nachkommen konnte. In dem er niemanden mehr hatte, der sich um ihn scherte. Vielleicht mal abgesehen von seinen Geschwistern, auch wenn die mit ihrem eigenen Leben jeweils schon genug Mist an den Hacken hatten.  

Mandy war mit diesem komischen Typen verheiratet und war mit ihm umgezogen. Sie lebte zwar noch in Chicago, er hatte sie auch schon besucht in ihrem neuen Haus mit dem kleinen Garten, in dem kein Müll herumlag, kein Schrott, keine Betrunkenen. Sie schien glücklich zu sein, sich um ihn zu sorgen, und Ian hatte keine Lust gehabt, ihr das was sie erreicht hatte, zu verderben – nämlich hier rauszukommen. Über Lip und all die Arschlöcher hinwegzukommen, die ihr nicht gut taten. Der Typ, ihr Mann, schien sie nicht zu schlagen. Doch das würde sie sich hoffentlich auch nicht mehr gefallen lassen. Immerhin war sie eine Milkovich, auch wenn sie jetzt Shueman hieß. Shueman … was für ein Scheißname. Der Typ, dem der Nachname gehörte, war im Haus gewesen, als sie sich getroffen hatten. Er hatte Ian die Hand gereicht, gesagt, er heiße Jack. Dann war er in sein ‚Büro‘ gegangen. Wer hatte bitte ein Büro in seinem Haus?

Mandy hatte ihm gesagt, dass sie schwanger war, und sie hatte sich offensichtlich darüber gefreut. Es war wohl kein Versehen gewesen, was eine neue Sache für Ian war, denn das Leute, Mädchen wie Mandy, absichtlich Babys bekamen war in seiner Gegend eher selten. Die chicks wurden schwanger und bekamen Babys … einfach so. Das sah man ja an seiner eigenen Schwester.

Wie immer, wenn er sich so fühlte wie jetzt, wenn er sich fragte, welchen Sinn das alles machte, dass er täglich aufstand und zur Arbeit ging, begann er darüber nachzugrübeln, was gewesen wäre, wenn er damals mit Mickey mitgegangen wäre. Wenn er in dieses beschissene Auto gestiegen, an der Grenze Mickey Ehemann gespielt und mit ihm in ein neues Leben gefahren wäre. Natürlich …  er hätte einfach mitgehen können, doch was hätte das gebracht? Hätte es etwas gebracht? Zu irgendetwas geführt? Sie hätten Mickey irgendwann verhaftet, und Ian hätte ohne Geld, ohne Freunde und ohne seine Familie und ein Leben in einem verfickten Loch gesessen, in dem er vorher mit Mickey versteckt gewesen wäre und ihn gefickt hätte. Er hatte es hier gerade geschafft, sich ein halbwegs normales Leben aufzubauen, soweit das mit seiner Krankheit und seinen verkorksten Wurzeln ging. Er war stolz auf das, was er erreicht hatte – trotz allem! Trotz all der Steine, die ihm immer wieder in den Weg gelegt worden waren. Er hatte es geschafft, hatte etwas aus sich gemacht, war nicht komplett abgedriftet, nicht kriminell, konnte für sich selbst sorgen. All das hätte er in dem Moment weggeworfen, wenn er mit Mickey mitgegangen wäre, denn dann hätte er sicher nicht einfach so wiederkommen können, wenn es schiefgegangen wäre. Vermutlich hätten sie ihn auch verhaftet, wegen … Mittäterschaft oder irgendeinem Scheiß.

Nein, so stellte er sich sein Leben nicht vor. Nicht mehr. Eigentlich schon mit Mickey … und irgendwie auch nicht. Hatte er je wirklich ernsthaft geglaubt, dass aus ihm und Mickey mal so etwas wie eine Familie werden könnte? Ein Paar, das jeden Morgen zusammen aufwachte und sich mit einem Kuss begrüßte? Dass sich unterstützte und immer füreinander da war? Nein. Nicht wirklich. Er hatte es vielleicht gehofft. Er hatte davon geträumt, und es hatte immer wieder Phasen gegeben, in denen es so ausgesehen hatte, als könnte es klappen. Doch es hatte nicht geklappt. In der Zeit, in der sie zusammen gelebt hatten, mit Svetlana, dieser blöden Schlampe, war alles irgendwie verwischt … er konnte sich nicht klar an alles erinnern, da vieles passiert war, von dem er auch nicht genau wusste, ob es daran lag, dass er damals noch keine Medikamente genommen hatte. An manches hatte er wenig oder zumindest andere Erinnerungen als die anderen. Zu Anfang, wenn er in einer beschwingten Stimmung war, hatte er es wirklich gehofft. Doch nur für sich, denn er hatte gewusst, würde er Mickey davon erzählen, würde der sich vermutlich in die Hosen pissen vor Lachen – oder ihm eine reinhauen, je nachdem, in welcher Stimmung er gerade war.

Mickey war für ihn ein netter Fick zwischendurch. Er musste es einfach abhaken. Sie hatten eine schöne Zeit gehabt. Manchmal. Mehr konnte es zwischen ihnen  nicht sein, wenn Ian nicht vor die Hunde gehen wollte. Mehr durfte Mickey nicht mehr für ihn sein.

Doch es war verdammt nochmal schwer. Besonders in den Phasen, wo er trotz der Medikamente spürte, dass er eigentlich am liebsten sterben würde, dass er so allein war, dass es wehtat, und er sich nichts mehr wünschte, als dass jemand nach ihm greifen und ihn halten würde, nicht nur für den nächsten Fick, sondern wirklich halten, in solchen Momenten wünschte er sich Mickey wieder. Wünschte ihn neben sich, nah und eng, so dass er ihn riechen und spüren konnte. Ian schluckte.

Er war so eine weinerliche Pussy. Er setzte sich auf und zog die Schublade an seinem Nachttisch auf, wühlte ohne hinzusehen zwischen seinen Tabletten, Kondomen und Gleitgel nach der Zigarettenschachtel und fand sie endlich. Fluchend stellte er fest, dass nur noch eine Kippe drin war, doch besser als nichts. Er musste eben lernen, das Beste aus den Dingen zu machen. Auch aus der einen Kippe. Er schmiss die leere Packung wieder in die Schublade und griff nach dem Feuerzeug, zündete die Zigarette an und sog gierig den Rauch ein.

Im Licht er Straßenlaterne, das von draußen in sein Zimmer schien, griff er nach seinem Handy, das er sich endlich geleistet hatte, sah auf die Uhrzeit und stellte fest, dass es noch zwei Stunden waren, bis er aufstehen und zur Frühschicht losmusste. Er hatte heute seinen Dienst getauscht und würde eine Doppelschicht machen, doch das machte ihm nichts aus. Er liebte seinen Job um den er so hart gekämpft hatte. Er war das einzige, das ihm ein wenig das Gefühl gab, nicht komplett nutzlos zu sein, auch wenn viele seiner Kollegen, besonders, wenn sie neu waren, ihn ein seltsam von der Seite ansahen, wenn sie von seiner Krankheit erfuhren. Als sei er für sie eine tickende Zeitbombe, die man sicherheitshalber immer im Auge behalten musste. . Sollte Ian seine Medikamente nicht nehmen, könnte es in der Arbeit gefährlich werden. Nein. Das würde er keinesfalls riskieren, auch wenn es noch immer ein beschissenes Gefühl war, derart von den Pillen abhängig zu sein – und nicht auf eine gute Art, die einem gute Gefühle bescherte. Nein, manchmal hatte er wirklich noch immer das Gefühl, die Medikamente betäubten einfach einen Teil von ihm. Und irgendwie war es ja auch so, auch wenn er sich inzwischen daran  gewöhnt hatte. Dieser angeblich verrückte, falsche Teil von ihm wurde lahmgelegt. Zumindest glaubte er, es so verstanden zu haben.  

Eigentlich interessierte ihn Medizin, aber wenn es um seine Krankheit ging, wollte er am liebsten nicht darüber nachdenken. Leider hatte seine Chefin ihm, als er fest angestellt worden war  eröffnet, dass er die Auflage erhalte, sich regelmäßig, also ein oder zweimal im Monat mit einem Irrenarzt zu treffen, der seine ‚psychische Gesundheit‘ im Auge behalten solle und Ansprechpartner für Ian sein sollte, was seine Medikation und Probleme anging.

Das entlockte Ian noch immer ein müdes Lachen. Was sollte irgend so ein versnobbter Sesselfurzer mit einem Sofa und einem Klemmbrett für eine Hilfe sein? Doch er hatte sich gefügt, und sich an die regelmäßigen Treffen mit dem Doc gewöhnt. Meistens lief auch alles ganz harmlos ab. Für das neue Leben, das er behalten wollte, brachte er das Opfer. Dafür, dass er auch hier rauskam, so wie Mandy, nur dass er sich dafür nicht von irgendeinem Jack ficken lassen wollte. Er wollte es aus eigener Kraft schaffen und er war auf einem wirklich guten Weg.



Ian nahm sich eine Tasse aus dem Schrank, kontrollierte, ob sie sauber war und goss sich einen Kaffee ein. Dann lehnte er sich gegen den Herd und beobachtete, wie seine Schwester das Frühstück für Liam vorbereitete. Als er ausgetrunken hatte, ging er an seine morgendlichen Medikamente im Küchenschrank,  spülte sie mit einem Schluck Milch aus der Milchtüte aus dem Kühlschrank hinunter.

„Ian! Scheiße, muss das sein? Die Milch ist für Liam!“, motzte Fiona, ohne ihn wirklich anzusehen, da sie mal wieder im Stress und gerade im Begriff war, hochzugehen, um Liam zu wecken.

„Ich kaufe ihm nachher neue, reg dich ab, Fi.“ Ian zuckte mit den Schultern, nahm seinen Rucksack, der in der Ecke stand und ging zur Tür.



„Ian? Das ist Marc. Er wird die Schicht mit dir fahren. Er vertritt Jonas, der liegt immer noch im Krankenhaus.“

Ian sah von dem Notfallkoffer auf, den er gerade auf Vollständigkeit geprüft hatte, um ihn dann ins Fahrzeug zu räumen, und schluckte. Marc war … heiß. Keine besondere Schönheit, aber seine Augen und sein Mund sprachen Ian an, er hatte sofort das Gefühl, gerne mal auszuprobieren, wie sich die Lippen um seinen Schwanz anfühlen würden.  Er verscheuchte den Gedanken, stand auf und reichte dem Neuen die Hand. „Hi, ich bin Ian.“

„Marc, hi. Du bist jung.“

Ian lachte und legte den Kopf schief. „Ja. Du nicht?“

„Ich bin 25.“ Marc sah ihn fragend an, und Ian antwortete: „22. In zwei Wochen zumindest.“

„Und schon hier. Respekt.“

„Er ist gut“, mischte sich eine Kollegin ein. „Lass dich nicht von seinem süßen Baby-Face täuschen. Unser Ian ist ein knallharter Typ.“ Sie zwinkerte Ian zu, und dieser streckte ihr die Zunge raus.

Der Arbeitstag mit Marc an seiner Seite war mehr als angenehm, und Ian bemerkte fast gar nicht, dass er eine Doppelschicht arbeitete. Sie unterhielten sich, scherzten, lachten, versorgten ihre Patienten, was heute recht einfach war, da es nur ein paar Kleinigkeiten waren, und gingen in ihrer Mittagspause zusammen einen Burger essen. Ian versuchte danach, möglichst unauffällig seine Medikamente zu nehmen, er hätte auch aufs Klo verschwinden können, doch das kam ihm doch zu übertrieben vor. Er war schließlich kein Feigling.

Wie zu erwarten, sah Marc irritiert aus, und Ian beschloss, mit offenen Karten zu spielen. „Ich brauche die Medis. Ich bin bipolar.“

„Oh … und da darfst du unseren Job machen?“ Marc sah ihn offen an, und Ian bemühte sich, ihm keine Bosheit zu unterstellen, sondern ehrliche Neugier.

„Ja. Ich wurde überprüft. Es gab Gespräche. Ich bin gut.“

„Das habe ich schon gesehen. Keine Sorge. Ich wollte dich nicht kritisieren. Du bist ein toller Typ, keine Frage. Ich hab Augen im Kopf.“ Er warf Ian einen Blick zu, der keinen Zweifel mehr an der Sexualität des Kerls ließ. Ian grinste breit. „Du bist auch nicht schlecht. Vielleicht …“ Er ließ seinen Blick an dem anderen auf und ab gleiten und grinste leicht, als Marc seinen Satz fortsetzte:  „ … können wir ja mal was trinken gehen?“

Ian nickte. DAS hatte er bisher nicht so oft mit Kerlen gemacht. Mit Caleb und mit Trevor … aber mit den meisten hatte er sich einfach zum Ficken verabreden können. Doch er wollte schließlich das Beste aus allem machen. „Gerne. Ich würde mich freuen, Marc.“



Gut gelaunt trat Ian abends in die Küche und sah Fiona, die mit Liam, der bis zu den Ohren mit Tomatensoße beschmiert war, jedoch glücklich und zufrieden wirkte, während er von seinem Tag in der Schule plapperte, am Tisch saß, das Handy neben sich, auf dem sie herumtickerte. Sie musterte ihn kurz, und Ian fragte sich, ob sie ihm wohl ansehen konnte, dass er was mit jemandem am Laufen hatte, dass er sich zu einem Date verabredet hatte und die ganze Zeit an den sexy Arsch von dem Typ dachte. Es zog zwischen seinen Beinen – er hatte eindeutig zu wenig Sex in der letzten Zeit gehabt. Seit dem Aus mit Trevor hatte er sich auf keine feste Sache mehr eingelassen. Ab und an hatte er einen Quickie mit einem Typen aus einem Club, doch er hatte nach der Sache mit Trevor und dem Wiedersehen mit Mickey keinen Nerv mehr gehabt, wirklich Gefühle und Arbeit in einen Kerl zu investieren. Zum Glück fand sich auch so immer jemand, der gerne vor Ian die Hosen runterließ und sich ficken ließ.  

In diesem Moment stolperte Frank in die Küche, besoffen wie meistens,  ging ohne die Anwesenden eines Blickes zu würdigen zum Kühlschrank, in dem er einen Augenblick herumwühlte und schließlich mit einer Bierdose an den Tisch trat und sich ächzend auf einen der Stühle fallen ließ. Er rülpste, sagte irgendetwas Unverständliches zu seinem jüngsten Sohn, und Ian verdrehte die Augen und beglückwünschte sich innerlich mal wieder dazu, dass er nicht mit Frank verwandt war wie seine Geschwister.

„Was willst du Frank?“, fragte Fiona genervt, und Ian machte sich bereit. „Soll ich ihn rausschmeißen, Fiona? Mach ich gerne, wirklich.“ Es wäre nicht das erste Mal. Darin hatte er Übung seit er ein Teenager gewesen war.

Plötzlich blickte der ältere Mann in seine Richtung und lallte in viel zu lautem Ton, wie es seine Art war: „Ach … Ian zu dir wollte ich doch … er ist wieder da.“

Ian runzelte die Stirn und tauschte einen Blick mit Fiona, die als Antwort mit den Schultern zuckte. „Wen verdammt nochmal meinst du, Frank?“

Frank grinste dämlich und kratzte sich am Kinn, er schien es spannend machen zu wollen, doch er erreichte damit nur, dass Ian beschloss, ihn wirklich rauszuschmeißen, da dieser Mann ihm mal wieder tierisch auf die Eier ging. Wie immer eigentlich. Er stand auf, straffte die Schultern und trat entschlossen auf Frank zu. Hastig sprach Frank weiter.

„Na ihn … deinen … deinen … verfickten Lieblingsstecher. Der Milkovich-Bengel.“
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