A Little Favor

von Valkyr
KurzgeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
30.03.2017
11.12.2017
5
15.995
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30.03.2017 3.880
 
Guten Morgen zusammen!

Als Dankeschön für insgesamt 100 Empfehlungen für meine Geschichten, kommt hier nun ein kleiner, sagen wir, Erotikschmöker über SwanQueen, « A Little Favor » (Ein kleiner Gefallen), mit maximal 5 Kapiteln!
Nehmt es ein wenig mit Humor und ich hoffe, dass es euch gefallen wird!
Hinterlasst mir doch eure Meinung dazu!

Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße
Eure Valkyr


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 « A Little Favor »  


1. Kapitel - Conversations


Die Uhr schlug genau dreizehn Uhr, als Emma das Geräusch von hohen Absätzen hörte, die im gleichbleibenden Rhythmus auf den Boden schlugen. Binnen eines Wimpernschlags sah sie von den Unterlagen, die vor ihr auf dem Schreibtisch lagen, auf und erblickte genau die Person, die sie von allen am Wenigsten sehen wollte: Regina.

Die Bürgermeisterin kreuzte ihren Blick bereits durch die Glasscheiben des Büros hindurch, ehe sie in der offen stehenden Tür anhielt. Ihr dunkles Haar umrahmte in seichten Wellen das ernste Gesicht, das Emma bereits ahnen ließ, dass der Besuch wohl nichts mit einer bloßen Frage nach dem Wohlergehen zu tun hatte. Augenblicklich verhärteten sich ihre Züge etwas und sie straffte die Schultern, als wollte sie so viel Selbstbewusstsein wie möglich ausstrahlen.

„Sheriff Swan“, grüßte Regina kühl, ohne den leisesten Hauch eines Lächelns. Ihre dezent, doch wirkungsvoll geschminkten Augen taxierten die blonde Frau geradezu, doch Emma ließ sich keinerlei Nervosität oder gar Furcht anmerken. Sie war die kalten Blicke der Bürgermeisterin längst gewöhnt und so wusste sie den Schauer, der ihr bei Reginas Anwesenheit jedes Mal über den Rücken lief, gekonnt zu ignorieren.
„Frau Bürgermeister“, gab sie mit einem leichten Nicken von sich, während sie einmal mit dem Kugelschreiber in ihrer Hand klickte.

Regina trat mit bedrohlich langsamen Schritten weiter in den Raum, wobei sie die Hände aus den Manteltaschen nahm und sie sogleich in die Taille stemmte, als sie vor Emmas Schreibtisch stehen blieb.
Gerade hatte Emma nochmals zurück auf die Dokumente gesehen, wenn sie auch eher nur so tat, als hätte sie den Inhalt während des Anpirschens der Bürgermeisterin gelesen, da schaute sie, abermals blinzelnd, zu ihr auf. „Stimmt etwas nicht?“, hakte sie leise nach.

Reginas verengte für einen flüchtigen Nu die Augen, bevor sie in rauer Stimmlage erwiderte: „In der Tat.“
Sogleich zog Emma fragend die Brauen hoch und gab ihrem Gegenüber zu verstehen, sich zu erklären. Regina sog geräuschvoll die Luft ein, beugte sich dann vor und stützte sich mit den Händen auf dem Schreibtisch ab.
„Mein Sohn kommt jeden Donnerstag in mein Büro, bevor er zu Dr. Hopper geht.“
Emma wirkte recht unbeeindruckt und blinzelte. „Und?“

Es schien so, als würde Regina ihr mit bloßem Blick ein Loch in die Stirn brennen. Sie wirkte deutlich gereizt und doch versuchte sie, so ruhig, wie möglich zu bleiben. Die Kälte in ihrer Ausstrahlung tat ihr Übriges.
„Er war gestern weder bei mir noch bei meiner Sitzung und da er mir kontinuierlich ausweicht, dachte ich, dass Sie mir vielleicht sagen könnten, warum er nicht erschienen ist.“
Leicht zuckten Emmas Mundwinkel, doch verkniff sie es sich, zu Grinsen, als sie sich zurück legte, wieder mit dem Kugelschreiber klickend.

„Ich war mit ihm im Granny's.“
Regina machte keinen sonderlich überraschten Eindruck. Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite, Emma noch immer so eindringlich ansehend, als hoffte sie, ihr Blick allein würde den neuen Sheriff in die Knie zwingen. Allerdings war Emma so leicht nicht einzuschüchtern und so ließ sie es doch zu, dass ein Schmunzeln über ihre Lippen huschte.

„Er hatte keine sonderliche Lust darauf, mit Ihnen irgendwelche Schulgespräche führen und Grünzeug essen zu müssen. Also hat er ein Sandwich im Granny's vorgezogen.“
Nun lehnte Regina sich noch weiter vor. Zähneknirschend erwiderte sie: „Und was gibt Ihnen das Recht dazu, mit meinem Sohn Zeit zu verbringen, ohne mein Wissen und vor allem ohne meine Erlaubnis?“
Emma unterdrückte den Drang, ihre Augen zu verdrehen, warf den Stift mit wenig Schwung auf den Tisch, tief durch atmend.

Regina verfolgte jede Bewegung genauestens mit und als sie sah, wie Emma sich dann durchs Haar fuhr, verdunkelten sich ihre Augen etwas. Dies entging der Polizistin nicht und sie hob wieder eine Braue. Ohne weiter darüber nachzudenken, meinte sie schließlich: „Ich hatte nicht vor, Sie zu verärgern oder irgendetwas in der Art, Regina. Henry wollte Zeit mit mir verbringen. Soll ich ihm das einfach verbieten?“
„Oh, Sie haben gar nicht das Recht, irgendein Verbot auszusprechen. Sie haben gar kein Recht, irgendetwas zu tun. Ich wiederhole es nur ungern und auch nur noch dieses eine Mal, Miss Swan: Halten Sie sich von Henry fern.“

Emma öffnete den Mund und sah Regina ungläubig an. „Das ist ein schlechter Scherz oder? Regina, wir haben letztens erst geklärt, dass-“
„Für Sie immer noch Frau Bürgermeister. Und mir ist völlig egal, was wir geklärt haben. Sie haben keinen guten Einfluss auf Henry und ich werde Ihnen nicht unzählige Chancen geben, bis Sie begreifen, was besser für ihn ist.“
„Es war nur dieses eine Mal! Archie wird es schon verstehen, wenn Henry sagt, dass er keine Lust hatte, zu-“
Auffordernd hob Regina eine Hand und brachte die Blonde somit zum Schweigen.

Wieder war da dieser eindringliche Blick, der Bände sprach und bei dem sich Emmas Nackenhaare aufstellten. Dieses Mal hatte sie allerdings das Gefühl, dass da noch mehr in Reginas Augen schimmerte.
„Wenn Sie Henry um sich haben wollen, müssen Sie sich damit arrangieren, dass kein Treffen, nicht einmal fünf Minuten, ohne mich stattfinden werden. Es liegt bei Ihnen, Miss Swan. So lange Sie das nicht wollen, ist das Thema fürs erste beendet.“

Die Bürgermeisterin richtete sich auf, warf mit einer knappen Kopfbewegung ihr Haar zurück und aus ihrem Sichtfeld, ehe sie sich umdrehte und Richtung Tür ging.
„Sie scheinen sich ja wirklich einsam zu fühlen, wenn Sie nicht einmal Ihrem Sohn ein wenig Privatsphäre lassen“, murmelte Emma, während sie auf ihre Unterlagen zurück blickte, zwar leise, doch noch laut genug, dass Regina es hören konnte und sich sogleich wieder zu ihr drehte. „Bitte?“
Emma blinzelte und schaute zu ihr auf. „Nichts, Frau Bürgermeister. Einen schönen Tag noch.“
Abermals verengte Regina die Augen etwas und ihr Kiefer arbeitete deutlich, bevor sie sich wieder abwandte und das Büro verließ.

* * *

Nach dem Abendessen zog Regina sich noch für eine Weile in ihr Arbeitszimmer zurück. Es war die wöchentliche Routine; jeden Freitag bearbeitete sie die Dokumente der vergangenen Woche, sortierte sie, machte wichtige Kopien oder warf andere wiederum achtlos weg.
Diesmal allerdings konnte sie sich nicht so wirklich darauf konzentrieren. Sie saß am Schreibtisch, markierte gerade eine Zeile mit einem grünen Textmarker, ehe sie den Stift plötzlich fallen ließ, die Ellenbogen auf den Tisch stützte und sich mit beiden Händen durchs Haar fuhr.

Die Finger noch in die dunklen Strähnen gekrallt, den Kopf auf ihre Hände stützend, schaute sie eher abwesend durch den Raum. Dann seufzte sie leise und massierte sanft ihre Schläfen, die Augen dabei schließend.
Sie scheinen sich ja wirklich einsam zu fühlen...
Immer wieder spukten die Worte des blonden Sheriffs durch ihre Gedanken. Als wäre Emmas Stimme in ihrem Kopf nicht schon schlimm genug, musste sie sich selbst eingestehen, dass sie mit dieser Behauptung noch nicht einmal falsch lag.

Henry suchte immerzu Emmas Nähe, Kathryn hatte den Kontakt zu ihr abgebrochen, nachdem sie erfahren hatte, dass Regina die ganze Zeit von der Affäre wusste, die David Nolan mit Mary Margaret führte und sonst...
Wieder entwich ein Seufzen ihren dunkel getuschten Lippen und sie massierte ihre Stirn etwas kräftiger, als ihr Graham in den Sinn kam. Der ehemalige Sheriff, der alles für Regina getan hatte – wenn auch nicht unbedingt freiwillig, doch letztendlich war er all die Jahre da gewesen und sei es nur, um die körperlichen Bedürfnisse der Bürgermeisterin zu stillen.

Nicht einmal das konnte sie zur Zeit zu ihren Aktivitäten zählen. Und das schon seit mehreren Monaten.
Niemand war mehr da, der sich um sie kümmern würde. Doch davon abgesehen, fehlte es Regina auch einfach von jemandem gehalten zu werden, zu jemandem hingehen zu können, der sie nicht gleich von sich stoßen würde.

Nur wegen Emma hatte Graham sie verlassen. Nur wegen Emma wandte Henry sich von ihr ab. Nur wegen Emma! Alles nur wegen ihr!

Ein säuerliches Schnauben ertönte von Regina und sie knirschte mit den Zähnen, ihr Kiefer deutlich angespannt, leicht hin und her schiebend, während sie die Lippen schürzte. Alle Versuche, Emma Swan loszuwerden, waren gescheitert. Und allmählich wurde die Situation gefährlich für Regina. Der blonde Sheriff würde alles zerstören und wieder wäre sie diejenige, die unglücklich wäre. Im Grunde genommen, war sie das längst.

Sie musste sich ablenken.
Regina straffte ihre Schultern, lockerte ihr Haar etwas auf und erhob sich schließlich aus ihrem Drehstuhl, um mit langsamen Schritten das Zimmer zu verlassen.

* * *

„Ich meine, was hat sie denn für ein Problem?! Ja, okay, Henry ist ihr Sohn, aber was soll ich denn machen, wenn er Zeit mit mir verbringen will?“
Mary Margaret hatte irgendwann nicht mehr auf die Uhrzeit geachtet oder darauf, wie oft Emma sich bereits wiederholte. Sie regte sich schon seit gefühlten drei Stunden über Regina auf.
Mit beiden Händen führte sie ihre Tasse an ihre Lippen, schaute weiterhin zu der Blonden, welche leise vor sich hin fluchte, als sie beim Schneiden eines Apfels mit dem Messer abrutschte und sich in den Finger schnitt. „Na wunderbar!“

Als Mary Margaret ihre Tasse wieder abstellte und sich flüchtig über die Lippen leckte, sah sie erst auf den Apfel, dann auf den blutenden Finger, den Emma sogleich unter kaltes Wasser hielt. „Irgendwann bringt sie mich noch zur Weißglut!“

„Tut sie das nicht schon längst?“, fragte Mary Margaret ruhig und kassierte einen funkelnden Seitenblick von Emma, ehe sie mit dem Messer auf sie zeigte und meinte: „Glaub mir, lange mache ich das nicht mehr mit. Nächstes Mal verpasse ich ihr ein blaues Auge, statt nur eine aufgeplatzte Lippe!“
Mary Margaret weitete die Augen. „Du hast Regina geschlagen?!“

Räuspernd ließ Emma ihre Hand sinken und legte das Messer auf die Arbeitsplatte. Ihr Blick veränderte sich und so wirkte sie etwas melancholisch. „Bevor Graham starb. Am selben Abend.“ Sie stieß geräuschvoll die Luft aus, stellte das Wasser ab und trocknete ihre Hand an einem Geschirrtuch ab. „Sie hat mir zu erst eine verpasst.“
„Emma!“ Bei dem harschen Ton, schaute Emma sofort wieder zu ihr auf. In ihren Augen loderte etwas, das einem Ausdruck gleichkam, als wäre sie beim Klauen erwischt worden.

„Mit solchen Sachen spielst du ihr nur in die Hand. Stell dir mal vor, sie hätte dich dafür angezeigt! Ich meine... nichts für ungut, aber ich glaube, sie hat bessere Anwälte... Und so ein Verhalten könnte ganz schnell dafür sorgen, dass du Henry wirklich nicht mehr sehen darfst.“

Emma leckte sich über die Lippen, schnaubte dann und startete einen neuen Versuch, den blutroten Apfel zu schneiden. „Diese... Frau... lässt einfach nicht vernünftig mit sich reden. Was soll ich denn sonst tun?“
„Gewalt ist jedenfalls der falsche Weg.“
Nur flüchtig schaute Emma vom Apfel zu Mary Margaret. „Sie hat diesen Weg gewählt. Nicht ich.“
Mary Margaret zog die Schultern leicht hoch und nippte wieder an ihrer Tasse, ehe sie meinte: „Dann finde einen anderen.“

* * *

Die halbe Nacht hatte Emma überlegt, wie sie mit Regina umgehen sollte, wie sie mit ihr reden sollte. Immerhin musste es doch irgendeine Möglichkeit geben, dass sie beide eine Einigung fanden. Zu ihrem Bedauern fiel ihr nichts anderes ein, als nochmals das Gespräch zu suchen, doch sie wusste längst, dass das nichts bringen würde. Regina war so verbissen und verbittert, dass sie sich nicht auf einen Kompromiss einlassen würde. Für sie stand nicht Henrys Wohl im Vordergrund, sondern ihr Egoismus. Und bei diesem biss Emma immer und immer wieder auf Granit.

Nebst dieser Tatsache, musste sie an Reginas Blick, an ihre gesamte Ausstrahlung denken. Klar, sie ihr hohes Selbstbewusstsein war einschüchternd und die Art, wie sie sich gab, doch seit Grahams Tod hatte Emma mit jedem Mal, das sie auf Regina getroffen war, noch etwas anderes festgestellt. Was genau es war, wusste sie nicht, doch schien da irgendein Schatten über der Bürgermeisterin zu sein, der sie so manches Mal ihre aufrechte Haltung vergessen ließ, bis sie sich dessen bewusst wurde und ihre Schultern straffte, ihr Haar zurück warf und diesen kalten, undurchdringlichen Blick aufsetzte. Emma fragte sich, ob Regina tatsächlich einfach nur einsam war. Sie selbst wusste, wie sehr es einen verändern konnte, wenn man niemanden hatte.

Am Morgen beschloss Emma, der Bürgermeisterin Storybrookes einen Besuch abzustatten. So quälte sie sich früher aus dem Bett, als sonst, warf sich die nächstbeste Kleidung über und verschwand um kurz vor Acht aus dem Apartment.
Nur wenig später hielt sie ihren gelben Käfer bereits in der Mifflin Street an, doch statt auszusteigen, blieb sie noch einen Moment im Wagen, das Lenkrad mit beiden Händen umfasst und nachdenkend. Was sollte sie ihr sagen?

Sofort duckte sie sich innerlich etwas weg, als die Tür mit der daran befestigten 108 geöffnet wurde und Regina nach draußen trat, um die Tageszeitung herein zu holen. Trotz all der Frühe war sie schon gänzlich zurecht gemacht, doch selbst das Make-up konnte nicht verbergen, dass sie erschöpft war. Emma zog die Brauen leicht zusammen und beobachtete jeden ihrer Schritte. Regina ging zum Briefkasten, nahm die Zeitung und wandte sich auch schon wieder ab, um den Kiesweg entlang und zurück zum Haus zu gehen. Vor der Treppe, die zu ihrer Tür führte, blieb sie auf einmal stehen und drehte ihren Kopf leicht, als würde sie hinter sich horchen wollen, jedoch keinen Blick riskieren.

Schwer schluckte Emma. Sie stand auf der anderen Straßenseite und mehr, als nur auffällig. Würde Regina tatsächlich über die Schulter schauen, würde sie sie sofort bemerken. Flüchtig fragte Emma sich, warum die Bürgermeisterin sie nicht schon vorher wahrgenommen hatte, doch vermutlich war sie so darauf fixiert gewesen, die Post zu holen, dass sie ihre Umwelt völlig ignoriert hatte.

Als es gerade so schien, als würde Regina sich tatsächlich umdrehen, lugte Henry auf einmal hinter der Tür hervor und nach draußen. Er sagte irgendetwas, das Emma durch die Entfernung nicht verstehen konnte, da sah sie, wie Regina den Kopf schüttelte und ins Haus zurück ging. Mit einem Seitenblick nach draußen, schloss sie die Tür hinter sich und Emma hätte schwören können, dass ihre Blicke sich gekreuzt hatten.
Tief atmete sie durch, dann stieg sie aus dem Wagen und ging über die Straße.
Der Weg kam ihr diesmal so viel kürzer vor, als wäre der Abstand zwischen Bordstein und Haustür mit jedem Schritt geschrumpft.

Und so fand sie sich recht schnell vor Nummer 108 wieder. Doch was nun?
Sollte sie klingeln? Klopfen? Doch lieber umkehren?
Emma zögerte, bis sie ihre Hand hob und die Türklingel betätigte. Augenblicklich schoss ihr Puls etwas in die Höhe und ein gewaltiger Kloß bildete sich in ihrem Hals, doch jetzt gab es kein Zurück mehr.
Auf der anderen Seite der Tür hörte sie Regina irgendetwas rufen. Das Aufschlagen ihrer Absätze kam Emma doppelt so laut vor, als sonst. Noch könnte sie umdrehen. Noch könnte sie sich verstecken. Noch-
„Sheriff?“

Emma merkte auf und sah in die dunklen Augen Reginas. Etwas verunsichert lächelte sie, erinnerte sich dann daran, was sie eigentlich vor hatte und verdrängte jegliche Nervosität aus ihren Gedanken.
„Frau Bürgermeister – auf ein Wort?“
„Miss Swan, das ist jetzt wirklich ungünstig.“
Emma biss sich auf die Unterlippe und überlegte.
„Regina... Ich denke, wir sollten wirklich reden.“
„Ich wüsste nicht, worüber. Und nun entschuldigen Sie mich, ich muss nach meinem Sohn sehen.“

Damit trat Regina wieder zurück und wollte die Tür schließen, doch Emma stellte ihren Fuß dazwischen und legte eine Hand an die Hausnummer. Regina verdrehte ungesehen die Augen und zog die Tür wieder etwas weiter auf. „Was in aller Welt kann so wichtig sein, dass Sie mir schon am Morgen die Laune verderben müssen?“
Emma schnaubte und drückte die Tür noch weiter auf. „Regina! Ich will jetzt endlich mit Ihnen reden. So geht es schließlich nicht weiter und ich denke wir sind alt genug, um uns in aller Ruhe zusammen setzen zu können und miteinander zu reden! Immerhin-“
„Kaffee, Miss Swan?“

Mit noch offen stehendem Mund sah die Blonde ihr Gegenüber verwirrt an. „Was?“
Sie wusste, dass die Bürgermeisterin sich das Augenverdrehen verkneifen musste. Stattdessen lächelte sie kühl und zog die Türe weit genug auf, damit Emma eintreten könnte. „Sie wollen reden – reden wir. Also, wollen Sie einen Kaffee oder bevorzugen Sie dieses verboten süße Zeug, für die mein Sohn unglücklicherweise ebenso eine Vorliebe hat?“
Hatte sie sich gerade verhört?

Emma räusperte sich. „Kaffee... klingt gut.“ Warum sagte sie das? Sie mochte Kaffee nur bedingt und das Henry und sie die Vorliebe für Kakao mit Zimt teilten, hätte an dieser Stelle ein wundervoller Schlag ins Gesicht sein können, doch stattdessen....

Schließlich trat sie ein. Bisher war sie nicht sehr oft in dem Haus der Bürgermeisterin gewesen, doch jedes Mal, wenn sie im Foyer stand, hatte sie das Gefühl, dass sich rein gar nichts veränderte. Es standen immer die selben Blumen auf dem Tisch, nirgends war auch nur ein einziges Staubkörnchen zu sehen und selbst die Jacken an der Garderobe schienen immer die selben zu sein, obwohl Regina selten das Gleiche trug.
Als Regina wortlos in die Küche vor ging, verwarf Emma jegliche Gedanken und folgte.

„Also, Miss Swan“, begann die Dunkelhaarige, als sie sich von der Kaffeemaschine abwandte und zu Emma drehte, welche etwas ratlos in der Tür stand. „Was liegt Ihnen so brennend auf dem Herzen?“
Der Unterton in Reginas Stimme war genug, um Emmas Puls zum Rasen zu bringen. Dennoch versuchte sie, so ruhig wie möglich zu bleiben, schluckte einen bissigen Kommentar herunter und meinte dann langsam: „Ich weiß, dass ich Henry weggeben habe... U-“
„Wie schön, Sie sind endlich einsichtig. War es das?“

Ungläubig stierte Emma sie an, schüttelte kaum merklich den Kopf und fuhr einfach fort: „... Und ich weiß, dass es eine geschlossene Adoption war. Aber versuchen Sie bitte zu verstehen, dass es mir bestimmt nicht leicht fiel, ihn wegzugeben. Ich hätte ihm nichts bieten können und ich wollte, dass er ein gutes Leben hat, dass er gesund und munter aufwächst, mit jemandem, der ihn liebt. Ich hatte keine Familie, niemanden, der sich um mich gesorgt hat.“

Regina lehnte sich mit dem Steiß an die Arbeitsplatte, die Arme vor der Brust verschränkend, während sie Emma abschätzend ansah. Kurz zögerte diese, wartete, ob wieder irgendein Kommentar folgen würde, doch als die Dunkelhaarige nichts sagte, sprach Emma weiter.

„Versuchen Sie einfach endlich zu begreifen, dass Henry mich gesucht hat, nicht umgekehrt. Er ist aus irgendwelchen Gründen nicht glücklich bei Ihnen und nein, ich sehe es nicht als Chance, ihn wieder zurück zu bekommen. Aber er will mich in seinem Leben haben und es ist völlig egal, was wir beide tun und wenn wir uns gegenseitig die Haare ausreißen. Regina... er wird immer wieder nach mir suchen und das wissen wir beide. Also sollten wir uns endlich damit arrangieren und... gemeinsam an einem Strang ziehen. Andere Eltern schaffen das auch.“

Passend zu Reginas kaltem Blick, gab die Kaffeemaschine ein Zischen von sich und kaum sichtbarer Qualm stieg wirbelnd empor. Ohne ein Wort drehte sie sich um, griff nach dem Henkel der Kanne und holte gleich darauf zwei Tassen aus ihrem Schrank. Beide füllte sie mit dem dunklen, heißen Gebräu, bevor sie in eine davon einen Zuckerwürfel fallen ließ. Der Besteckkasten klapperte, was diese beunruhigende Stille nur so zu durchbrechen schien.

Während sie in ihrem Kaffee herum rührte, sah sie abwesend zur Wand, die Lippen geschürzt, die Gesichtszüge verhärtend.
„Regina?“
Regina fuhr leicht zusammen und schaute zur Seite; Emma war an ihre Seite getreten und soeben im Begriff, ihre Hand an Reginas Schulter zu  legen, doch diese wich aus, indem sie ihre Tasse nahm und die Küche verließ.
Die Blonde verdrehte die Augen, nahm ihre Tasse und folgte ein weiteres Mal bis zum Esstisch, an dem Regina sich nieder ließ. Emma hingegen blieb stehen und hakte den Daumen ihrer freien Hand an einer der hinteren Gürtellaschen ihrer Jeanshose ein.

Für einige Sekunden lieferten sie sich bloß ein Blickduell, wobei Regina die Tasse an ihre Lippen führte und daran nippte.
Emma schluckte, kaute auf der Innenseite ihrer Lippe herum, bevor sie Luft holte und sagte: „Henry und ich müssen ja nicht jeden Tag etwas zusammen machen. Ein paar Mal die Woche vielleicht. Wir können auch etwas zu dritt unternehmen, wenn Sie wollen. Ich meine, wir können gemeinsam mit ihm zu Mittag essen oder ihn von der Schule abholen oder-“
Die Tasse kam dumpf auf dem Tisch auf und Emma verstummte schlagartig.
„Miss Swan, damit ich das richtig verstehe... Sie wollen also, dass wir beide uns... gemeinsam... um Henry kümmern?“

„Jep“, antwortete Emma nur knapp und nahm dann einen Schluck Kaffee zu sich. Leicht verzog sie das Gesicht, leerte ihre Tasse jedoch direkt zur Hälfte, ehe sie sie wieder sinken ließ.
Reginas Augenmerk war derweil noch immer an sie geheftet, wie ein Raubtier, das seine Beute im Visier hatte.
„Ich verstehe, was Sie meinen, Sheriff. Und mir ist durchaus bewusst, dass Henry sie nicht einfach gehen lassen würde.“

Nun machte sich eine gewisse Erleichterung in Emma breit und sie lächelte leicht. „Danke, dass Sie Verständnis dafür haben. Also, wir können ja ausmachen, dass-“
Regina zog die Brauen zusammen und schüttelte den Kopf, unterbrach Emma mit einem klaren „Miss Swan.“
Emma verstummte ein weiteres Mal und sah die Bürgermeisterin fragend an, da erklärte diese auch schon: „Ich habe mit keiner Silbe erwähnt, dass ich damit einverstanden bin. Henry ist mein Sohn und sollten Sie sich nicht an das halten, was ich gestern bereits sagte, dann werde ich rechtliche Schritte einleiten. Verstehen wir uns, Schätzchen?“

Der Polizistin klappte der Mund auf. „Regina-“
„Für Sie immer noch Frau Bürgermeister.“
Allmählich verlor Emma jegliche Fassung. Das konnte sie doch unmöglich ernst meinen! Geräuschvoll stellte Emma ihre Tasse auf den Tisch und sah Regina eindringlich an.
„Was haben Sie für ein Problem?!“
„Ich denke, das ist offensichtlich“, erwiderte die Bürgermeisterin kühl und nippte an ihrem Kaffee.  Nicht ein einziges Mal wandte sie den Blick von der Blonden ab.

Schließlich trat Emma näher heran, stützte sich mit den Händen auf den Tisch und beugte sich zu Regina vor. „Denken Sie nur dieses eine Mal nicht an sich selbst. Glauben Sie nicht, dass es mir gefällt, bei Ihnen an gekrochen zu kommen – ich tue das für Henry. Jetzt sind Sie dran.“
Reginas Augen wanderten einmal an Emmas Oberkörper auf und ab, bis sie einander wieder ansahen. Als sie nichts erwiderte, richtete die Blonde sich wieder auf, machte Kehrt und ging in Richtung Foyer.
„Miss Swan...?“

Emma drehte sich um. „Was ist?“
Ein süffisantes Lächeln umspielte Reginas Lippen, als sie ihren linken Arm hob und das Handgelenk freilegte, um auf ihre Uhr zu schauen. „Sie sind bereits drei Minuten zu spät zu Ihrer Schicht.“
Emma sah sie fassungslos an. „Regina-“
„Frau Bürgermeister“, korrigierte die Dunkelhaarige sogleich und Emma verkniff es sich, die Augen zu verdrehen. „Können wir nicht einfach eine normale Unterhaltung führen?!“
Regina nippte an ihrem Kaffee und schaute erneut auf ihre Uhr. „Vier Minuten zu spät.“

Es war ihr völlig klar, dass es nichts brachte, an dieser Stelle weiter zu diskutieren und dennoch lagen Emma hunderte Dinge auf der Zunge, die sie Frau Bürgermeisterin nur allzu gern entgegen gebracht hätte. Stattdessen aber knirschte sie mit den Zähnen, drehte sich um und stapfte wütend zur Tür.
Auch wenn sie nicht nochmals zu Regina sah, so konnte sie ihr selbstgefälliges Grinsen genau im Rücken spüren.
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