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Hên en-fuin

GeschichteDrama, Fantasy / P18
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild Thranduil
29.03.2017
06.12.2017
43
101.757
17
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Dieses Kapitel
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29.03.2017 1.993
 
2939 D.Z.

Die Vögel zwitscherten an diesem Nachmittag in den schönsten Melodien und der warme Sommerwind streichelte ihre Wange. Sonnenstrahlen fielen zwischen den Blättern der ringsum stehenden Bäume. Das Lachen von Kindern war unweit zu hören. In einem Moment wie diesem hätte man meinen können, keine Sorgen und Nöte könnten diesen Augenblick trüben. Für die junge Frau, die den gepflasterten Weg zwischen Markt und Schloss nach Hause lief, konnte dieser Moment allerdings nicht sorgenvoller sein. Man hatte eine Dienstmagd zu ihr geschickt, um sie zu ihrem Vater, den Herzog, zu bringen. Die Magd Sigrid, eine liebe Freundin, hatte ihr keine Informationen über den dringlichen Befehl geben können. Hecktisch schritt die kleine etwas pummelige Frau neben ihr her, die langen strohblonden Haare zu einem ordentlichen Zopf geflochten. Ihre dunklen Augen leuchteten, so unruhig war sie sonst nie. In Kindheitstagen war Sigrid eher ein Ruhepol und die Verschwiegenheit in Person. Alle Ängste konnte man ihr anvertrauen. Nach einigen Minuten traten die beiden, ohne von den Wachen des Herzogs aufgehalten zu werden, durch das Schlosstor. Wieso sollte man das auch, sie war schließlich die Prinzessin. Wahrlich nicht wie eine solche gekleidet, dennoch eine Prinzessin. Die schönsten Kleider waren ihr ein Graus. Für die Interessen der Prinzessin bedurfte es bequemer Sachen, wie Hosen und Hemden. Schnellen Schrittes liefen sie durch den Hof an den Vorratsspeichern, an Stallungen und kleinen Häusern der Angestellten vorbei. Es gab in Rohan wenige kleine Städte wie diese. Die Bewohner dieses Landes waren Bauern, deren Lebensmittelpunkt aus Ackerbau und der Viehzucht bestand. Bekannt und beneidet wurden die Rohirrim für ihre Mearas, den edelsten Pferden in ganz Mittelerde. Nicht jeder konnte diese reiten und es hieß, dass die Mearas sich selbst ihre Herren wählten.

Schließlich kamen die beiden Frauen am Thronsaal an und die Prinzessin blieb vor dem Herzog, ihrem Vater, stehen. Die früher blond schimmernden Haare wurden mittlerweile von allerhand grauen  Strähnen durchzogen. Er blickte geistesabwesend durch die großen Fensteröffnungen, durch die ein warmes Lüftchen hineinwehte. Gläserne Fenster waren in der Architektur Rohans unüblich, wobei einige Landherren Veränderungen an ihren Häusern vornahmen. Die junge Frau fragte sich, was in seinem Kopf wohl vorgehen möge, so besorgt wie er dreinblickte. Nach einem gekonnten Knicks machte sie sich bemerkbar. "Was ist passiert Vater? Wieso habt Ihr mich so dringend rufen lassen?" Der alte Herzog drehte seinen Kopf und blickte zu seiner wunderschönen Tochter. Silberfarbenes Haar schlängelte sich aus dem Pferdeschwanz in leichten Wellen über ihre Schultern, tiefgrüne Augen in der Farbe des Waldes sahen ihm entgegen. Die Prinzessin war von mittlerer Größe und schlanker Gestalt. Für jeden Mann war sie gewiss ein Juwel und nach einigen Heiratsanträgen, die wahrlich auch auf den Stand eines Herzogs abzielten, konnte man doch mit Bestimmtheit sagen, dass sie eine mehr als gute Partie war. Doch bisher hatte weder er, noch seine Tochter, einen zufriedenstellenden Anwärter finden können. Doch lang konnte dieses Katz-und Mausspiel nicht mehr andauern. Er verspürte seine alten Knochen, die ihm jeden Tag klarer machten, in Ruhestand zu gehen und seinen Platz an seine Tochter und deren zukünftigen Mann abzutreten. Man sah der jungen Frau an, dass sie sich im Schwertkampf übte und die meiste Zeit draußen verbrachte. Nie würde sie sich den ganzen Tag in ein Zimmer setzen um zu nähen oder gar zu musizieren. Ärger keimte in ihm auf, als er sah, dass ihre Kleidung, bestehend aus hellen Leinenhosen, grünem Wams mit dazu passendem Hemd und Mantel, wieder einmal nicht der einer Prinzessin entsprach. Als seine Tochter noch ein kleines Kind war, widersprach sie ihm nie und fügte sich. Nun war sie erwachsen und hatte schon seit vielen Jahren ihren eigenen Kopf entwickelt. In dieser Hinsicht kam sie nach ihm, ihre Gestalt aber zweifelsohne von ihrer Mutter. Doch er hatte weitaus wichtigere Dinge im Kopf, als jetzt darüber zum gefühlten millionsten Mal mit seiner Tochter zu streiten. "Heute kam ein Bote aus dem östlichen Emnet. Ein Hilfeersuchen. Seit einigen Tagen sollen vermehrt Orks an den Grenzen gesehen worden sein. Menschen sind verschwunden und nun bittet man um unsere Hilfe." Die beiden Herzogtümer lagen direkt beieinander, so dass dieses Problem nur gemeinsam aus der Welt geschafft werden konnte. Die Gefahr beide Regionen oder ganz Rohan durch Nichtstun in Gefahr zu bringen war einfach zu groß, dass wusste die junge Prinzessin. Nachdenklich strich sie sich eine ihrer silbernen Haarsträhnen hinter das Ohr. "Das heißt Ihr müsst in den Krieg? Vater, Ihr seid zwar ein guter Kämpfer, doch ich kann genauso mit dem Schwert umgehen. Lasst mich mit den Truppen gehen." Ihr Vater schüttelte den Kopf und blickte sie tadelnd an. "Du bist mein einziges Kind und ich bin noch nicht zu alt für so etwas." Er schaute streng auf seine Tochter herab. "Ich bin seit vielen Jahren im Schwertkampf geübt. Ihr wisst ich kann sehr gut kämpfen und bin besser als so mancher Ritter." "Morithil!" Unter den wütenden Augen ihres Vaters zuckte sie leicht zusammen und ließ ihren Blick sinken. "Ich werde dich in keinen Krieg schicken! Das ist mein letztes Wort!" Der Herzog sank wieder langsam in seinen Thron, nachdem er wütend aufgesprungen war. Leise seufzte er. "Ich habe einen Brief an deine Tante schicken lassen. Du wirst morgen in aller Früh Richtung Edoras abreisen." Da ihr Vater keine Anstalten machte weiter zu sprechen, drehte Morithil auf ihrem Absatz um und verschwand in Richtung ihres Zimmers.

Dort angekommen, warf sie ihren leichten Mantel wütend in eine Ecke und ließ sich auf das große Himmelbett fallen. Wieso konnte ihr Vater sie nicht so akzeptieren wie sie war? Das Benehmen einer Prinzessin gefiel ihr überhaupt nicht. Zwar lernten die Frauen Rohans sich bei Gefahr selbst zu verteidigen, doch eine so vielseitige Kampfausbildung wie Morithil, wurde selten ihrem Geschlecht zuteil. Ob Schwertkampf, ein- oder zweihändig oder gar Bogenschießen zu Fuß oder zu Pferd, sie beherrschte diese Arten des Kampfes. Die einen mehr, die anderen weniger gut. Statt reizend und artig ein Musikinstrument zu spielen, zu singen oder zu malen, wollte sie viel lieber über die Felder reiten, sich weiter im Schwertkampf üben, ihre Technik verbessern und ein unbeschwertes Leben führen. Nicht, dass sie schlecht in all den Dingen war, die Mädchen oder Frauen sonst so zu tun pflegten. Sie war sogar in diesen Sachen recht gut, doch ihr Gefühl sagte ihr, dass sie anders war. All diese Dinge passten nicht zu ihr. Sie drehte ihren Kopf zu dem einzigen Bild, dass sie von ihrer Mutter besaß. Ein Portrait von der einstigen Herzogin mit ihrem Neugeborenen in den Armen. In einem moosgrünen Kleid saß sie da und ihre langen schneeweißen Haare fielen ihr in Wellen über die Schultern. Strahlend grüne Augen blickten den Betrachter an, so lebendig, dass man dachte man befinde sich in einem Wald an einem Frühlingstag. Morithil hatte ihre Mutter nur in entfernter Erinnerung, da sie kurz vor ihrem fünften Geburtstag starb. Seit ihrem Tod war ihr Vater übervorsichtig geworden. Außerhalb der Schlossmauern durfte sich Morithil nicht allein rumtreiben. Zumindest wenn ihr Vater von ihren Ausflügen wusste. Häufig schlich sie sich heimlich aus dem Schloss, um in die Stadt zu gehen oder zu den nächstgelegenen Feldern. Am liebsten waren ihr jedoch die gefürchteten Wälder des Fangorn. Der Wind, der durch die Baumkronen wehte und das Geräusch des Baches, der flink an ihr vorbei floss, wenn sie wieder einmal an ihrem Lieblingsplatz unter einer Trauerweide saß. Niemand traute sich in diesen Wald. Man sagte ihm nach, dass es in ihm spukte und die uralten Bäume miteinander redeten. Morithil tat diese Erzählungen als Hirngespinste ab, wobei sie manchmal ein Gefühl überkam, als beobachtete sie jemand. Die Abgeschiedenheit hatte für sie aber auch etwas Gutes. Keine Menschenseele störte die junge Frau bei ihrem liebsten Hobby: dem Lesen. So hatte sie viel über die verschiedensten Wesen in ganz Mittelerde in Erfahrung gebracht. Die großen Heldentaten der Könige und über Drachen, die in langen schweren Kriegen besiegt wurden. Daher hatte die junge Prinzessin sich ein eigenes Bild über Elben und Zwerge gemacht, da manche diese sehr für ihre Eigenschaften verurteilten. Beide galten als gierig was wertvolle Dinge wie Juwelen anging; Zwerge zudem als eigenbrötlerisch und ohne Manieren, Elben als egoistisch und anderen durch ewiges Leben und Magie überlegen. Für Morithil waren Zwerge leidenschaftliche Kämpfer mit sehr viel Spaß beim Feiern, Elben die wunderschönen Wesen, die so naturverbunden waren und die erstaunlichsten Fähigkeiten besaßen. In ihren Gedanken versunken, schlief sie langsam ein und erwachte erst als die ersten Sonnenstrahlen durch die Fensteröffnungen in ihr Gesicht fielen.

Es klopfte leise an der Tür, doch Morithil reagierte nicht. Die Tür wurde trotzdem langsam geöffnet und Sigrid trat ein. "Prinzessin, wir müssen Euch ankleiden. Der Proviant für Eure Reise wird schon zusammengetragen." Die kleine Frau lief schnellen Schrittes durch das Schlafzimmer, öffnete den Kleiderschrank und packte verschiedenste Kleidung zusammen. Da sie wusste, dass ihre Prinzessin und Freundin kaum Kleider tragen würde, ließ sie es auf dreien beruhen. Morithil stand langsam auf und wusch sich erst einmal ihr Gesicht, öffnete ihren Zopf und kämmte ihre, durch den Schlaf, wirren langen Haare. Ihr war es seit langer Zeit nicht recht solche Dinge von anderen erledigen zu lassen. Sie besaß selbst zwei Hände und konnte sich selbstständig waschen und anziehen. Nach einigen Minuten war sie fertig zum Abreisen. Ein letztes Mal umarmte sie ihre langjährige Freundin, die sie bis zum Aufbrechen nicht noch einmal sehen würde. Beide konnten sich ein oder zwei Tränen nicht verkneifen und so lief Morithil nach einem sehr emotionalen Moment des Abschieds die langen Steintreppen hinunter. Im Speisesaal angekommen, wartete schon ihr müde aussehender Vater auf sie. Ohne ein Wort miteinander zu wechseln aßen die beiden zu Frühstück. Der Abschied nahte, ihr Gepäck war verstaut und die Wachen des Herzogs saßen auf ihren Rössern und warteten geduldig auf die Abreise. Alagos, ihr in die Jahre gekommenes Pferd, schnaubte, als er seine Besitzerin sah. Das weiße Fell des Mearh schimmerte in der Sonne. Als Morithil aufsteigen wollte, hielt sie jemand zurück. Sie drehte sich dieser Person zu und sah in die braunen Augen ihres Vaters. Mit einem Mal sah er viel älter aus, denn über das so schon sehr markante Gesicht zogen sich tiefe Furchen. "Mein Kind, sei vorsichtig auf deiner Reise. Bitte gehe Gefahren aus dem Weg und richte deiner Tante die besten Grüße aus." Die Prinzessin konnte nicht anders, als ihren Vater zu umarmen. Nach einem Moment entließ er seine Tochter aus der Umarmung und sie stieg auf ihren Schimmel. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Die junge Frau blickte ein letztes Mal zu ihrem Vater und sah die Tränen in den Augen des Herzogs als sie durch das Schlosstor ritt.

Der Weg der Gruppe führte nach Süden zum weißen Gebirge. Einige Tage waren sie unterwegs. Ohne Zwischenfälle kamen sie im strömenden Regen an dem Anwesen der Schwester des Herzogs an. Eine korpulente Frau kam Morithil entgegen und führte sie schnell in das Haus. "So ein Wetter hatten wir schon lange nicht mehr. Der Regen will gar nicht mehr aufhören. Nun.. lass dich erst einmal ansehen mein Kind." Ihre dunklen Augen glitten über die junge Frau. "Du bist erwachsen geworden. Das du mit deiner Erscheinung noch keinen Mann hast, ist schon ein Wunder." Ana war eine heitere Person, die sehr wohl ihre Meinung kundtat. Mit ihr hatte sie in früheren Tagen sehr viel Spaß gehabt. Ihre Tante ließ ihr ein Zimmer zuweisen und ließ Morithil erst einmal allein. Es war klar, dass die Trennung und der mögliche Verlust ihres Vaters sie schwer mitnahm. Ana‘s großer Bruder war keineswegs mehr der Jüngste. Der Krieg würde nicht schnell beendet werden. Selbst bis in ihre Region hatte Ana die Berichte der Orkangriffe gehört. Nun hoffte sie, dass nicht nur ihr Bruder heil wieder zurückkam, sondern auch ihre Nichte keine Dummheiten machte, während sie unter ihrer Obhut stand. Weit weg hörte man den Himmel wütend seinen Ärger kundtun und ein heftiges Gewitter sollte die Nacht zum Tag machen.
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