Das grosse Sonnenwendfest In Nayugo

von Nimuka
GeschichteFantasy, Übernatürlich / P12
Nimuka Torogai
27.03.2017
27.03.2017
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Das grosse Sonnenwendfest In Nayugo

1. Empfang in Nayugo
Torogai löschte die Fackeln, die in Haltern an den Wänden platziert waren und entzündete an deren Stelle eine dicke Kerze, die zur Ausstattung gehörte. Dann trat sie mit Nimuka in die hintere Höhle wo niedere Schemel bereit standen. Sie setzten sich, richteten sich ein, zogen die Kapuzen über ihre Köpfe und hüllten sich in Decken. Obwohl es warm war in der Höhle, war dies ratsam, da sie lange keine Bewegung haben würden. Den oberen Teil des Tors hatten sie offen gelassen um die Belüftung zu gewährleisten, die Kerze stand in ihrer Mitte, nun war alles bereit.  «Auf dann, neue Linie der Mora!», rief Torogai aufmunternd, worauf Nimuka salopp: «Auf ein schönes Fest, verdienstvolle Gashin!», und sie versenkten sich konzentriert und traten, während ihre Körper zurückblieben, von Sayugo mit ihren Wandelkörpern aus. In Nayugo schimmerte die Höhle goldbronzen, ansonsten hatte sie fast die gleiche Ausdehnung nur – wie Torogai angekündigt hatte – führte im hinteren Teil ein Treppenabgang in die Tiefe. Nimuka war inzwischen geübt genug um sofort aufbruchbereit zu sein. Und sie folgte Torogai mühelos nach unten. Die Umgebungen wechselten, mal war da ein enger Gang, dann wieder durchquerten sie weite Räume, manchmal wich das Gewölbe ganz zurück, mal öffnete sich der Raum als trete man nach draußen, nur die Treppe unter ihren Füssen und das Flackern des Lichtes zwischen goldgelb und bronze bleib sich gleich, obwohl, je tiefer sie stiegen, sich der Rotanteil zu verstärken schien. Nimuka kam die Abwärtswanderung endlos vor, eine Anstrengung fühlte sie hingegen nicht. Sie hatte erfahren, dass in Nayugo nur die psychischen Ereignisse Kräfte zehrten. Gerade eben schienen sie ein wolkenartiges Gebilde durchquert zu haben als sich um die Treppe der Schlund eines Wirbels bildete und von unten helle Stimmen zu vernehmen waren. Torogai blickte über ihre Schulter zu Nimuka und ihr Blick schien zu sagen: Da sind wir!.
Vor einer Tür blickten zwei kleine Gestalten mit auffallend großen Ohren zu ihnen auf. «Ha’a Sonnenwändgest!», kolportierte der eine der Gnomenartigen. «Menschen, eine runzlig, eine putzig! Kladonner, das gibt Arbeit!», rief der andere. Nimuka musste sofort an die Nakami denken, obschon diese da ziemlich verschieden aussahen, kleiner, aber wohlgenährter, mit großen Augen und intelligentem Blick, schmalem Mund und knorrigen Wurzelfingern. Sie trugen grüne Wämser und Kappen und machten im großen Ganzen einen kultivierten Eindruck. «Wohlheil Gnomenbuben, die Alte von Gashin fordert Einlass», ließ Torogai schnarrend von sich vernehmen und machte das Zeichen. «Öps», machte der eine und der Andere: «Das reicht aber nicht für zwei!» «Wohlheil», tönte Nimuka auf, «die Junge hat das Zeichen von Mora!» Der Kleinere der Beiden schaute betroffen auf ihre Hand. «Ja Klabauter, die ist doch schon seit über hundert Jahren mause!» und der andere: «Jö Fräu-lein, die Namen sind nur exakt 99 Jahre gültig!» «Sö ist es», wieder der Andere. «Sörry! Vielleicht hab ihr Glück beim 'Amt für Ablaufdaten’, da könnt ihr Verlängerung beantragen.» «Hat leider nur im Sommer offen», meinte der Kleinere wieder. Torogai verdrehte die Augen. «Jetzt aber Jungs, habt ihr 'nen Knall?!» Nimuka lachte auf «Oh, was für eine Pech! Hingegen komme ich gerade vom 'Amt für Glück', wo man mir bestätigt hat, dass ich heut bei zwei Gnomenjungs enorm Glück haben würde, wenn ich ihnen meine Zunge herausstrecke, ihnen eine lange Nase mache und ihnen die zugehörige Linie nenne. Die beiden schauten sich verdutzt an. «Öcht?» «Jä aber...» Torogai verbiss sich ein Lachen und machte Anstalten, weiter zu gehen. «Jö nei! Nur mit lange Nase! Hielt ihr der eine entgeistert die Hand entgegen und der andere: «Und Zunge!» Nimuka streckte ihnen ihre rosa Zunge heraus, machte ihnen eine lange Nase und sagte laut: «Ätschbää.!» Die beiden schienen beglückt. «Das war doll!». Schöhön! Eine neue Linie!», tönten sie auf und machten ihnen mit einer galanten Verbeugung bereitwillig das Tor auf. Sie traten dankend ein und als die Tür hinter ihnen schloss prustete Torogai los «Die Linie Ätschbää, Kami noch mal, das muss ich mir merken!», und schüttelte grinsend den Kopf, während Nimuka voll einen auf ernst machte.
In einem mit allerlei Wappen, Emblemen und magischen Zeichen geschmückten vieltürigen Entree kamen ihnen zwei elfenartige Wesen entgegen geschwebt, ganz fein und durchsichtig wirkten sie, kaum größer als ein Kind, mit sanften Rehaugen, wallendem, hellen Haar und lieblichen Gesichtchen. «Willkommen vom Menschengeschlecht, ihr, die ihr genannt werdet die, die alles wissen aber nicht verstehen», piepste die eine mit ganz hohem Stimmchen und die andere: «Ja, willkommen auf unserem großen Empfang, ihr stolzen Junggötter, mit dem heiligen Funken! Es ehrt uns, dass ihr euch hernieder lässt zu uns geringen Dienern. Ich bin die Sandrine und das ist mein Schwesterchen die Mandrine.», sang sie in einer ganz lieblichen Melodie und die andere säuselte: «Macht euch nichts draus, wir sind alle Schwesterchen und wir heißen alle Sandrine und Mandrine. Das sind nur so Redearten, damit ihr uns besser auseinander halten könnt.» Das kam Nimuka umso seltsamer vor, als die beiden aussahen wie eineiige Zwillinge! «Ich bin die Alte von Gashin.», sagte Torogai und gab sich Mühe freundlich zu tönen. «Ich bin die Junge von Mora», sagte Nimuka heiter und verguckte sich gleich in diese hübschen Geschöpfe. «Ihr habt verschiedene Linien, so denn verschiedene Plätze.», piepsten sie im Chor, nahmen die Beiden an den Händen und führten sie zu verschiedenen Türen. Nimuka und Torogai schielten sich über die Schultern an. «Na denn, auf dein erstes Sonnwendfest!», meckerte sie ihr zu und Nimuka winkte ihr fröhlich zu.
«Du bist die Mandrine, gel?», flüsterte Nimuka der Elfe zu. «Ich bin ein Jung-Elfchen aus dem unzählbaren Gefolge des 'Ehrwürdigen des Waldes', mein Name ist nur ein vorübergehender Traum, ER ist der Einzige der IST.», flötete sie ihr vor und schaute verklärt zu ihr auf. «Du bist aber ein hübschen Elfenmädchen!», sagte Nimuka entzückt. «Wir Elfenmädchen sind alle hübsch, das wäre sonst ungerecht!», piepste es ernst. Nimuka lächelte, die Kleine lebte ganz in ihrer eigenen Welt... Sie waren in eine riesige Halle getreten, deren hohes Gewölbe sich in der Dunkelheit verlor. Treppenartig waren in einem weiten Halbkreis Sitze angeordnet, gegenüber standen – ebenso gestuft – verschiedene Throne und Schreine. Es herrschte dämmriges Halbdunkel, da und dort erhellten verschiedenfarbige Kristallleuchten einen kleinen Umkreis, im Gewölbe schienen Schwärme von Leuchtinsekten zu tanzen, sonst war es überraschend finster in der Halle. Mandrine führte Nimuka in den höheren Lagen an einem bläulichen Sessel, der wie eine schwebende Wolke aussah und sich auch wie Watte anfühlte, aber einem trotzdem trug und sich allen Bewegungen anpasste. «Das ist euer erstes Fest, Jung-Mora, gelt?», säuselte die Kleine. Nimuka nickte, «Ja, Mandrine, ich freue mich enorm hier zu sein und bin total gespannt auf das, was hier ab geht!» «Die frischen Jung-Götter haben gewöhnlich 1000 Fragen, wenn sie neu dabei sind, darf ich euch dienen und euch durch die Festlichkeiten führen.», summte Mandrine in einer süßen Melodie. «Oh, das ist lieb, Elfenmädchen, das würde mir eine Freude sein! Komm, willst du dich nicht zu mir aufs Knie setzten, da hast du auch einen Platz!» Mandrine schaute sie mit großen Augen an. «Ja, habt ihr nicht Angst ich könnte euch... verzaubern, der Ehrwürdige des Waldes ist sehr mächtig!», und ihr Stimmchen hatte einen dunklen Beiklang angenommen. Nimuka schüttelte den Kopf. «Nein, nein, ich... ich liebe den Ehrwürdigen des Waldes!» «Ihr meint ihr fürchtet ihn?» «Ich achte ihn ehrfürchtig, ja, aber ich liebe ihn auch», gestand sie begeistert. «Was ist das genau, 'lieben'?», piepste Mandrine «Es ist etwas freiwilliges, weißt du, ein freier Entscheid aus dem Herzen, zu mögen.» Mandrine bleib still. Nimuka spürte, dass sie nicht verstand... Der Ehrwürdige des Waldes schon... er war tiefster Ausdruck der Liebe zwischen Sonne und Erde, er musste sie kennen. Daher sagte sie: «Wenn die Sonne aufgeht, dann jubelt ihr doch, weil ihr euch freut, oder?» Mandrine schaute sie mit ihren Rehaugen ernst an. «Ja natürlich!», piepste sie. «Schau, das ist Liebe!», sprach Nimuka schlicht und half dem Elfenmädchen auf ihren Schoss. Ihr hellbraunes Haar fühlte sich an wie fließendes Wasser, gleichzeitig ging ein Duft von Moos und Lorbeer von ihr aus und eine seltsame Schwermut befiel Nimuka, als sie die Arme um die Elfe legte. Das musste der Zauber sein, von dem Mandrine gesprochen hatte, aber Nimuka glich ihn mit ihrem hellen Gemüt sofort aus.
Sie schaute sich um, nun entdeckte sie einige Sitze schräg unter ihr, Torogai gemütlich in ihrem Sessel lagern und ein Pfeifchen rauchen. Oder sie tat so? Nimuka war sich nicht schlüssig darüber ob das wirklich ging, die Alte bemerkte sie und zwinkerte ihr zu. Sandrine war nicht mehr bei ihr. Nimuka ließ ihren Blick weiter schweifen; der Saal füllte sich zusehends. Von den Silhouetten her, die sich im Dämmerlicht abzeichneten, fanden sich viel seltsame Wesen ein. Eine Stufe, schräg unter ihr war hingegen, begleitet von einem Elfenjungen, ein Mensch aufgetaucht. Ein Mensch wie sie, aber ein Mann, cirka in den Vierzigern. Sein zerfurchtes Gesicht wirkte undurchdringlich und nachdenklich und er grüsste Nimuka nur mit einem kurzen Kopfnicken, schickte seinen Elf fort und verfiel dann in dumpfes Brüten. Mandrine deutete ihr, sich zu ihr zu beugen und flüsterte ihr ins Ohr: «Ein Unglücklicher! Viele Menschen die wir sehen, sind so, wir wissen nicht warum, die Gnomen sagen, sie haben einen Knoten im Kopf.» Wenn die Kleine flüsterte, war ihr hohes Stimmchen nicht mehr als ein Wispern. Nimuka nickte erstaunt. «Könnt ihr die Menschen sehen im Wald  und so... in Sayugo?» «Ja», ließ sie von sich vernehmen, «sie sind aber Trampel! Sie sehen uns nie!» «Das tut mir leid, Mandrine, du hast recht, nur ganz wenige Menschen haben noch Einblick in eure Welt.» «Nur die Kleinen manchmal.» «Du meinst die Kinder?» «Kinder?» Mandrine schaute sie verständnislos an. «Wie kommt ihr in die Nayugowelt?» Das Elfenmädchen machte ein Gesichtchen, wie wenn es ganz fest nachdenken würde. Nimuka war sich nicht sicher, aber sie hatte den Eindruck, dass sie nur so tat, dann aber ließ die Kleine verlautbaren: «Wir 'kommen' nicht, wir... sind...» Nimuka lächelte, natürlich, sie selber konnte sich ja auch nicht an die Zeit vor ihrer Geburt erinnern, in der Menschenwelt war es ganz natürlich, dass man von den Eltern 'kam', obwohl das natürlich nur auf körperlicher Ebene Gültigkeit hatte. Bei den Yaku sagte man, alles sei aus dem ersten Gott, der Schöpferschlange entstanden: Die Sterne, Sonne, Mond und die Planeten. Für die Elfen war einfach der Ehrwürdige des Waldes Mutter, Vater und Gott zugleich, bestimmt waren sie auch erst mit ihm 'ins Dasein getreten'. Wenn nun jener eine Schöpfung der Schlange war, warum sollten sich seine Erweiterungen, an ihren ursprünglichen Schöpfer erinnern, warum sollte sich der Traum an seinen Träumer erinnern? Hielt nicht der Schöpfer im 'Feuer des Herzens' eine Strategie gegen dieses 'Vergessen' bereit?
Nun war der Saal ziemlich gut besetzt. In den oberen Rängen allerdings und rund um sie, wo Nimuka die alten Menschenlinien vermutete, war es auffallend leer. Aber es sah nun ganz danach aus, als würde das Einganszeremoniell gleich losgehen

2. Der Grosse Sonnengesang
Plötzlich ging ein Murmeln durch den Saal, die Lichter hatten sich gedimmt und vom Gewölbe herab senkten sich langsam riesige Umrisse eines undefinierbaren Schimmers herab, er füllte fast den ganzen Saal aus. Plötzlich wurde erkennbar: Es ist ein Fuß! Ein riesiger, durchsichtiger Menschenfuß, er bewegte lustig die Zehen auf und ab und nicht nur das, am Gelenk wurde er von einer übergroßen Hand festgehalten, ein Kräftemessen oder gar ein Kampf war im Gange, dazu ertönte eigenartiges Geächze und Gestöhne; das Ganze wirkte grotesk bis über alle Massen. Leises Gelächter stieg nun von da und dort aus dem Halbdunkel aus  und Mandrine auf Nimukas Schoss blieb zwar ernst, flüsterte ihr aber zu: «Die Spieler!» Noch als Nimuka sie fragend ansah, schnellten die übergroßen Gebilde zuckend zusammen und konzentrierten sich in der Mitte des Saales an einem Felsensockel zu zwei Figuren, die von irgendwoher grell beleuchtet wurden. Es waren zwei menschliche Gestalten, deren Füße sich ständig in Hände und ihre Hände sich immerzu in Füße verwandelten, während sogar ihrer beider Köpfe ständig hin und her wechselten. Nun lachten die Anwesenden teils verhalten, teils schallend, bis das Paar mit einem lauten Knall zur Ruhe kam und sich als Zwillinge Arm in Arm offenbarten, lachten und verlautbarten: «Kinotoki und Tobunaki! Wir sind wieder da!», Applaus tönte von rund um und auch Nimuka klatschte vor Freude in die Hände. Nie hätte sie sich erträumen lassen, dass sie eines Tages diese Spaßmacher zu Gesicht bekäme, um die sich unzählige Yaku-Legenden rankten. und die gemeinhin als Vermittler zwischen den Reichen galten. «Wir freuen uns, euch alle hier in Nayugo begrüßen zu dürfen, wie alle Jahre zuvor, feiern wir das große Sonnwendfest zusammen und wie jedes Jahr ist es höchst ungewiss, ob die Sonne ihren Abstieg ins buchstäblich Bodenlose wird bremsen können, oder ob sie ganz in der Finsternis versinken wird!» Ängstliches Geraune ging durch den Saal, nur ganz links in der dunkelsten Ecke der Zuschauertreppen, ertönten beifällige Rufe und höhnisches Gelächter. «Die Herren der Finsternis und des Todes», flüsterte Mandrine Nimuka kreidebleich zu. «Links Außen hofft auf ein einfaches Spiel – ihre entwaffnende Offenheit ist immer wieder beeindruckend – aber wir vermuten, es ist noch nicht aller Tage Abend», kommentierten die Zwillinge salopp. «Am meisten besorgt, ist natürlich unsere altehrwürdige Mutter Erde, denn sie ist – so wie wir von ihr – vollumfänglich auf Vater Sonne angewiesen, wir erteilen ihr das Wort.» Die Bühne war zu drei Stufen aufgebaut. Zuoberst links der Doppelthron, wo die Zwillinge nun saßen in der Mitte jener der Schöpferschlange, rechterhand einer für den Vertreter der Sternenältesten. Auf den mittleren Ebenen eine Dreierreihe: Mond, Sonne und Planeten; und vor Ihnen in der Mitte – unmittelbar in der Linie des Sonnenthrons – der Thron der Erde. Sie alle waren bislang leer. – Die niedrigste Stufe – immer noch höher als die vordersten Zuschauerreihen – war für die 'Vier Geister' und die Ehrwürdigen reserviert.
Wie ein Geisterfinger schwebte nun die Lichtkegel zum Thron der Mutter Erde. Dort erschien nun, eine üppige weibliche Gestalt mit langen Wurzelhaaren, von erdbrauner Farbe. Ihr langes dunkelolives Gewand, schien auch schon bessere Zeiten gesehen zu haben. Es war an en Säumen Erd verkrustet und fast wirkte es, als da und dort Knochen durch das Gewand blitzten, doch Nimuka vermutete, dass es Schnee war. Die Erde machte einen müden, ausgelaugten Eindruck. Auf ihrem ehrwürdigen Gesicht lagen tiefe Runzeln und in ihren Augen glomm Furcht. «Diesen Winter ist es besonders hart», klagte sie und ihre raue Stimme dröhnte überraschend laut durch die Halle, «diese ewigen Schwankungen sind zermürbend und was mir am meisten zusetzt ist die Ungewissheit!» Natürlich gibt es Erfahrungswerte, aber ganz sicher ob Vater Sonne sich wieder auffängt, kann man eben doch nicht sein. Ihr müsst bedenken, die meisten von uns hier, sind von ihr abhängig und wenn die Herren von links Außen das anders sehen... sie würden sich wundern! Ich auf jeden Fall, halte mich weiterhin bereit, mich voll und ganz für das Leben einzusetzen und es ist das, was ich Vater Sonne zu bieten habe, nämlich meine ganze Hingabe und Ergebenheit! Und so lasst uns nun, meine verehrten Wesen und Geister alle der Reihe nach meine große Bitte um die Wiederkunft des Lichtes bekräftigen!» Tosender Applaus brandete ihr nun entgegen, sie hob erschöpft die Arme, senkte den Kopf und setzte sich ächzend auf ihren Thron.

3. Die Ansichten der Wirbellosen
An die Rednerkonsole die zwischen unterster und zweitunterster Ebene in der Mitte angebracht war, begab sich ein zutiefst eigenartiges Wesen. Es hatte zwar menschliche Gestalt, aber von seinen Schultern ging es direkt in eine amorphe Masse über, die sich in ständiger Bewegung befand. Mal bildeten sich Organe und Ausstülpungen, mal gar Sinne, aber sie versanken gleich wieder und erschienen woanders an diesem nahezu formlosen Kopf. «Ich... ich bin die Am...Amööbe», sagte schwerfällig und undeutlich das Wesen, dessen lippenloser Mund sich ständig verschob. Gelächter erhob sich: «Die sagt doch jedes Mal dasselbe!», wurden Stimmen laut. «La...lacht  ni...nicht!», tönte bleiern die Amöbe. «Ohne mi...mich, wä...wärt ihr ni... nicht! Mit meiner ein...einzelnen Ze...zelle stehe ich ga...ganz am An...Anfang. ihr kö...könnt euch ga...gar nicht vor...vorstellen, wie ge...genügsam...sam ich bin, da...das mache mi...mir mal je...jemand nach! Wä...wärme und Li...licht sind hin....ge...gegen Vor...voraussetzungen auch fü...für mich. We...wer glaubt all...alleine in Kä...kälte und Finsternis zu be...bestehen, i...ist ein Narr!» «Klappe!», bellte es aus der dunklen Ecke. «Ich, ge...geringste Di...dienerin, schließe mi...mich i...iniig dem Wu...wunsch von Mu...mutter Erde an!» Verhaltener Applaus tröpfelte aus dem Saal und sie verließ – trotz dem wankenden Gang – das Podest mit einer gewissen Anmut.
An ihrer Stelle erschien wiederum eine menschliche, eindeutig weibliche Gestalt, aber mit einem durchsichtigen, vielfarbenen Quallenkopf. «Warum haben sie alle menschliche Gestalt?», fragte Nimuka ihre Elfengefährtin. «Alle Wesen sind nur um euretwillen da! Die Form des Menschen ist die ideale Gestalt, sie streben wir alle an, ihr seid die Krone der Schöpfung.» Diese Antwort machte Nimuka ungemein betroffen. «Die Krone der Schöpfung!?», wiederholte sie ungläubig. «Still!», bedeutete ihr Mandrine. «Ich bin die Qualle», wabberte vorne das Wesen, während um seinen Körper lange Fangfäden spiralisierten, als schwämmen sie im Wasser. «Ich bin Pracht und Schmerz. Ich dränge mich auf, ich breite mich aus, mit mir muss man rechnen! War die Amöbe die Eine, so bin ich die Viele. Ohne die Gnade der Sonne geht es auch für mich nicht, wer würde schon nur meine Schönheit bestaunen können?!, zuckte sie eitel.» «Wenn die Sonne im Zenit steht, leuchte auch ich am schönsten!», schloss sie sich ringelnd. Verhaltender Applaus. «Angeberin!», rief jemand.
Ein kräftiger Körper mit erheblicher Bizeps und rotem Fünfsternkopf erschien am Pult. «Ik bin de Seestern! Ik bin kompakt, nik so ein Schwabelding, wie die, die vorda war. Ik bin supä stark! Knack fünf Muscheln am Tag. Soll das Likt nu aufscheinen am Tag und bestaunen meine Tat.» «Noch so einer!», rief einer aus dem Publikum.  «Arsch!» kams aus der Muschelecke. «Banausen!», schnarrte der Stern und trat ab.
Ein zartes, durchscheinendes Wesen schwebte buchstäblich an die Redner-Konsole, sein Haupt wies zarte Füßchen, Fühlerchen, Greiferchen und hauchdünne Tentakel auf, es wechselte andauernd die Farben und die Musterung, war mal gestreift, dann gepunktet, wieder uni, leuchtete gar auf und kam gar nie zur Ruhe. «Ich bin das Plankton, mein Wesen ist Legion!», tönte es auf wie ein Chor. Alles Dichte und derbe schreckt mich ab, dem Wasser und dem Licht geb ich mich hin. Ich bin der Überfluss, für alle unter der Sonne da!», säuselte der Chor und verebbte, während sich das zerbrechlich wirkende Wesen zurückzog.  «KLEIN ABER FEIN!», donnerte es aus der Walfischecke «Autsch! Meine Ohren! Geht’s nicht leiser!? Du... du buckliger Wal!», protestierte distinguiert ein Stimmchen. «Jedes Jahr dasselbe», trällerte es schmollend. «Reg dich mal nicht so auf... ihr Seepferdchen seid nun mal überempfindlich!», beschwichtigte ein Hering nebenan. «Was ist ein Seepferdchen?», fragte Nimuka das Elfenmädchen. «Das weiß niemand so genau, die sind mit niemandem verwandt, die sagen auch gar nie was zum Sonnenfest, aber das Spiel mit dem Wal, läuft echt jedes Jahr genau so ab...!», piepste Mandrine halblaut.
Was kommt jetzt? Eine Weile geschah gar nix. Aus dem Publikum tönte es kampflustig: «Ich hab's ja gesagt, du kommst zu spät! Wart nur, wenn wir wieder zuhause sind, mach ich dich zur Schnecke!» Etwas erschien gaanz laagsaam am Rednerplatz. «Seeeiii duuu nuuur stiiill, duuu argreeessiveees Tiiier! Niiiemaaand käääme auuuf die Ideee, daaas duuu Tiiinteeenfiiisch miiit miiir verwaaandt biiist!» Ein schleimiger Körper mit einem runden Haus am Rücken und zwei Fühlerchen mit Augen und einem Lippenlosen Mund kam zum Vorschein. Sie schien sich etwas zu fassen. «Jaa ich bin laaangsaaam, aabeer maal eehrlich, waas nüützt es schneeler tood zuu sein? Und hat uns schoon mal jemaand beim Seex beobaachtet? Daaas genieesen wir eeben! Da neehmen sich dooch alle geerne Zeeit!» Langsam kam sie in Fahrt. «Wir waaren übrigens die E...ersten, die es zu zweit getrieben haaben! Gewusst? Hä? Und Boodenhaftung, das ist unser Ding! Das mit dem Licht der Sonne, naa jaa, das braaucht's sicher schon, aaber unsereins hat's am Liebsten wenn's regnet... Na Servus daann, wenn wir das nächste Jaahr überleben, koommt dann die Muschel, die gehört nämlich auch zur Familie, da könnt ihr dann schon nur ne halbe Stunde waarten bis die o...offen ist und 'Haaaalllloooo' sagt... naa also, Servus dann... öööm... das hab ich glaub schon gesagt, ihr könnt...» «Hört das denn eigentlich nie auf!», kams erbost aus dem Publikum. «Buuh!!!»  «Es reicht!» «Jaaa, jaaa, i geeeh jaaa schooon, nid sooo haaastig!» «Zieh Schleim!» «Ohhhh wiiiie uuundankbaaar...» seufzte sie. «Die tut mir leid, die kann doch nichts dafür, dass sie ne Schnecke ist», flüsterte Nimuka traurig. Mandrine zuckte die Schultern «Das würd ich so nicht sagen...» piepste sie kritisch.
Eine neue Gestalt erschien, die hatte einen sich windenden Wurmkopf. «Nuuun liebe Freuundeee», sagte er langgezogen. «In einem muss ich meiner Vorrednerin recht geben, mich kümmert das echt n'en feuchten Dreck, ob die Sonne scheint oder nicht. Nennt man mich umsonst Regenwurm? Ich fress mich durch die Erde und kaum schau ich mal raus, diene ich den besseren Herrschaften auch schon als Kraftfutter. Das geht sogar soweit, dass ich gelernt habe, mich selbst nachwachsen zu lassen! Mit anderen Worten, man kann gar nie genug kriegen von mir! Es ist nämlich so, dass...» «Genug! Genug!», wurden jetzt Rufe laut. «Schon wieder so ein Schleimer.», seufzten einige. «Sonnenverschäher! Würmer wie dich fressen wir noch vor dem Frühstück!», kam's aus der Vogelecke. «Da seht ihr's! Sagt' ich's doch! Alle mögen mich!», er zog sich Stück für Stück geschäftig zurück.
«Action!», rief jemand. Sofort ging ein Krabbeln los und in unglaublichem Tempo, erschien ne Ameise am Pult. «Disziplin, Ordnung, Pünktlichkeit!», skandierte sie und zwirbelte mit ihren Fühlern. «V-E-R-A-N-T-W-O-R-T-U-N-G! Die Sonne KANN gar nicht anders, weil sie MUSS! Punkt. Ich habe geschlossen! Heil der Königin!», salutierte und war weg. «Das ist ein Wort!», tönte es aus den vorderen Reihen.
Plötzlich – wie aus dem Nichts – stand sie da. «Halloo, da bin i-c-h... Mein Netz hängt glänzend im Licht, aber das macht gar nix. In der Nacht findet sich sicher ein Dummer! Ich warte nur, bis du hängst, stech dann zu, wickle ein und saug dich aus, das wird ein Schmaus!. Ich bin die Spinne, hörst du, die Spinne, meine Opfer sterben immer. Was unter der Sonne fleucht, das fresse ich – bestimmt!» Und blitzartig war sie wieder weg. In die gebannte Stille, platzte unverhohlen Applaus aus der dunklen Ecke. «Effiziente Technik! Stets zu Diensten!», erklang eine grabestiefe Stimme. Mandrine zitterte: «Da... das war der Herr des Todes!»
Noch bevor Nimuka etwas erwidern konnte, ertönte ein umständliches Räuspern am Podest. «Hähäm... also... öm... Hochverehrte Wintersonnwendgäste, von nah und fern. Liebe Tiere und Pflanzen, erlauchte Leutchen, gesalbte Menschen und Götter und Nun, was wir eben von besagter Dame gehört haben, war gar nicht die feine Art. Da lob ich mir unsereins, die Käfer! Wir warten auch, aber wir nehmen, was von euch so anfällt, abfällt, durchfällt, ja, äm... ich hoffe ich habe mich klar ausgedrückt... Es geht eben nichts über eine saubere Rhetorik, nicht? Nun also, hochverehrte Wintersonnwendgäste, von nah und fern, liebe Tiere und Pflanzen, erlauchte Leutchen, gesalbte Menschen und Götter, wir die Käfer machen uns hauptsächlich am Boden und in der Erde zu schaffen, zum Himmel schauen wir eigentlich selten auf und von daher...» «Klappe Käfer! Um was geht’s eigentlich?», rief jemand aus dem Publikum und eine anderer: «Schon vergessen: Ehre die Sonne, du Krabbler! Glaubst du wirklich, die kommt wegen deinem Extragelaber raus?» Und ein Dritter: «Wenn du wenigstens dort weiterfahren würdest, wo du letztes Jahr aufgehört hast...!» «Meine Herrschaften von nah und fern... ich... ich muss schon sehr bitten, das ist nicht die Art des feinen Mannes...» «Es hat übrigens auch Damen im Publikum, du Knacker!» kam's aus der Ziegenecke. Der Käfer wirkte aus dem Konzept... «La... lasst mich doch auf... auf den Punkt kommen...» «Stoppt ihn!» Er senkte genervt seine Fühler. «Tja dann also... schade... ich empfehle mich, aber... aber nur unter dem Druck der Mehrheit... ich... ich werde Beschwerde einreichen... es... es herrscht Redefreiheit!...» Unmutiges Raunen war die Reaktion. «Wer stoppt den endlich!», erklang es ungeduldig Ein anderer Käfer erschien geschäftig und zerrte den Redner vom Podest: «Komm, Kuni, nächstes Jahr dann wieder... Hast du dein Manuskrip? Na gut... komm schon...» Die Menge atmete erleichtert auf: «Endlich!»
«Summ, brumm», erschien unverzüglich die Biene. «Ich bin traurig: Keine Blumen - keine Blüten - kein Honig, summ, brumm. Im Namen unserer Königin: Es muss etwas geschehen! Die Sonne muss weiterleben! Organisieren wir uns, gemeinsam sind wir stark! Gebt euer Bestes! Summ, brumm!» und weg war sie. 
Es machte «Swush», da war sie, die Libelle! In mechanisch, metallisch klingender Stimme, gab sie von sich: Die Sonne, die Lüfte, der Sommer: Gefällt! Bitte sehr um neue Sonne, kapiert!? Ihre großen Augen blinkten, ihre Flügelpaare schwirrten hoch und  «Swush!», weg war sie wieder.
Dann kam die Hummel. Natürlich, sie bummelte!... «Ja... öm... schön... was wollte ich eigentlich hier?», brummte sie. «Schönen Tag jedenfalls... ja, öm... na ja... ich glaub ich geh dann wieder... tralilala...» Nimuka kicherte: «Wie drollig die war!» «Ja», piepste das Elfenmädchen, «mit den Heideelfen machen wir jeweils Luftkutschen mit ihnen!» Nimuka staunte sie belustigt an.
Dann erklang ein bezauberndes Gesäusel, wie Harfengeklimper, ein Formenspiel von 1000 Farben, ein nervöses hin und her und plötzlich stand er still: Der Schmetterling! «Allerherzliebste Gemeinschaft, ich bin so verzweifelt», säuselte er in einer süßsäuerlichen Stimme. «Mein Geliebter, Gebieter Vater Sonne kränkelt... ohne ihn...», er brach in Tränen aus und zitterte am ganzen Leib. «Ach du, Schmetterding, das kommt schon wieder...», tröstete sie ausgerechnet ein Igel in der vordersten Reihe. Der Schmetterling hob und senkte die Flügel und bebte, während ihre Farben und Muster in einem fort wechselten und eine Pracht entfalteten, dass allen der Mund offen stand. «Mei...meinst du?», piepste er kokett. «Aber ich teile die Sorge von Mutter Erde von ganzem Herzen, ich sehe sie ja meist von oben, sie ist ja soo prächtig und lieblich... aber eben: Nur im Sommer... ich hoffe innig mit ihr...», schloss die Flügel und zwirbelte auf, wie ein funkelnder Edelstein. Nimuka staunte: «Der war hübsch!»

4. Die Auffassung der Tiere
Plötzlich entstand ein tosender Frabwirbel: «Kinotoki und Tobunaki! Wir sind wieder da!», platzten die Zwillinge heraus, während sie sich aus dem Wirbel manifestierten. «Das war der erste Teil unserer unvergänglichen oder letzten Show! Das waren die Wirbellosen, das sind wie Menschen ohne Wams und Hosen, hohi-hoha, jetzt wird’s aber ernst! Normalerweise gelten sie als äußerst wortkarg, aber trotzdem konnten wir einige Vertreter der Fische – ja richtig gehört – der Fiiischeee, zu einem Beitrag verpflichten! Damit stehen wir einzigartig da!» Die zwei wechselten sich nicht nur mit jedem Wort ab, sondern tauschten ebenso schnell ihre Plätze; es war ein kolossal verwirrliches Schauen. «Apropos einzigartig», fuhren sie fort. «Wisst ihr, dass die Erde eine der vielfältigsten Welten in diesem Universum ist?! Merkt euch das, wenn ihr anderen etwas wegfresst! Mit etwas Maß reicht es für alle und  für immer! Nun aber, Vorhang auf für die höheren Tiere!» So schnell sie angesaust waren, saßen sie erneut in einer lässigen, völlig gelangweilten Pose auf ihrem Wolkenthron.
Am Rednersockel erschien ein Thunfisch, «Bbb», machte er und öffnete den Mund. Dann nochmals: «Bbb», dann kam's: «Die Sonne lässt uns erglänzen. Bbb», das war's dann auch schon.
Ein Karpfen zeigte sich mit einem aufstrebenden Flossenkamm, der ihm vom Rücken bis an die Stirn ging.  Er äugte trübe umher, seine Kiemen bewegten sich träge, schließlich schloss er die Augen und machte einen äußerst konzentrierten Eindruck. Dann öffnete er den Mund und machte dreimal «Blub!» Aus seinem Mund erschienen drei Blasen, stiegen auf und verwandelten sich in kleine sprühende Sonnen. Alle sahen ihnen nach, wie sie ins Dunkel des Gewölbes aufstiegen. «Ohh! Ahh! Schön! Originell!», erschallten die Rufe. Am Sockel doch, war der Fisch längst verschwunden.
Nun erschien eine Gestalt mit einem riesigen Rochenkopf mit einem schlundartigen Maul und gewaltigen Flügelohren. «Ich bin der Manta, das Meer hat mich zwar platt gemacht, aber deshalb bin ich noch lange keine Plattfisch!», gab er zu verstehen. «Und zur Sonne kann ich nur soviel sagen: Lass dich nicht platt machen!» Er schwebte majestätisch ab. «Der war ja gesprächig!», hörte man eine Stimme sagen. 
Ein lustiges Gezwitscher ging los und mit vielen Kapriolen und Überschlägen landete ein Delfin am Rednerplatz. «Hihi, haha, natürli bin i kai Fisch, aber i cum trotzdäm, cönt äs bizeli Sunnä bruuchä. Hihi, haha! Mer wänd doch alli wiiter spilä, gummpä, vöglä! Gäll di gäll! Mac än schnällä Abgang», und mit Geschnatter  ging er ab. Alles lachte fröhlich.
Plötzlich schien es etwas dunkler zu werden. Ein Aal wand sich in suchenden Bewegungen seines verlängerten Kopfes, an der Konsole. «Gründel, gründel», machte er, «Ich brauch die Sonne nur, wenn ich in die Karibik fahr. Gründel, gründel, sonst seh ich sie nie...» Dann war er weg.
Nun wurde es richtiggehend finster. Ein unglaubliches grässlich gefräßiges Maul mit Reihen von Nadelzähnen, erschien am Rednerplatz. «Licht an», grunzte eine missmutige Stimme und genau über seinem Kopf ging, an einem Fühler, ein Lämpchen an. «Also», holte das Monstrum aus. «Das mit dieser Sonne ist kontrovers. Ich bin ein echter Kontra, Leute», ich bin ein Tiefseefisch und ich hab mein eigenes Licht! Schon gesehen? Er ließ sein Lichtchen wackeln. «Hab ich selbst gemach, nämlich!» Er tönte mächtig stolz. «Das Ding am Himmel, kann abdanken, brauch ich nich!», schnarrte er gehässig. Nun erhob sich im Saal ein vielstimmiges Geschrei. «Raus mit dem! So eine Frechheit! Beleidigt unsere Sonne!», brüllte der Mob. Von links außen donnerte die Stimme des Herrn der Finsternis: «Wir sind da schlicht anderer Meinung, das ist pure Intoleranz und Diskriminierung was ihr da bietet! Wir haben ein Recht im Dunkeln zu sitzen und unser eigenes Ding zu drehen, ein Recht auf Unabhängigkeit! Ist das klar!» Ein bedrohliches Murren ging durch den Saal, der hässliche Tiefseefisch wandte sich angewidert ab, «Sag ich's doch! Saubande...», knurrte er abschätzig «...und neidisch dazu!», löschte sein Licht und war weg.
Quak! kams nun frech (und erstaunlich laut!) daher, ein Frosch war zum Platz gehüpft. «Was ereifert ihr euch so? Ich hab meinen Teich! Das reicht mir vollkommen aus! Aber wenn im Winter alles tiefgefroren ist, macht das Schwimmen überhaupt keinen Spaß. Darum plädiere ich ganz klar für die Sonne. – Aber diese Lämpchen sind schon läss... wo kann man die bekommen? Quak! Gehupft wie gesprungen.», weg war er. Verhaltenes Gelächter.
Angekrochen kam die Kröte. «Ha...Hallo Freunde», keuchte sie, «nur weil ich überall Pickel habe, heißt das noch lange nicht, dass ich in der Pubertät stecke... Die Sonne macht den Schlamm so wonnenwarmm, sagt man bei uns. Ich kann zwar meine Körpertemperatur anpassen, aber alles hat seine Grenzen. Ich bin von Schicksal her sowieso eher benachteiligt, ein Platz an der Sonne, tät daher schon wohl. Ja gut, also sorry... Ich muss zurück. Bis hoffentlich in einem Jahr.» «Warum benachteiligt?» fragte Nimuka Mandrine. «Sie muss immer das Element wechseln, an Land kann sie nicht bleiben, aber im Wasser auch nicht.»
Es zischte; die Schlange kam angekrochen, richtete sich auf und mauschelte: «Ich mags scheen warm, zugegeben. Ich mag auch die Erd, das versteht sich von selbst. Die Schwankungen von Vater Sonne, betrachte ich als notwendiges Übel. Es bestehen aber Pläne...», deutete sie an, «nun ich darf eigentlich nicht darüber sprechen... ich... ich steh in ständiger Verbindung mit der Schöpferschlange, und...» «Nun spiel dich mal nicht so auf, du Natternbrut!», kam's barsch aus der Löwenecke. Die Schlange zischte stolz, «Natürlich du wieder! Ist euch schon aufgefallen, liebe Teilnehmer, dass er sich immer den Löwenanteil sichert?!», feixte sie hämisch. Ungeduldiges Stöhnen wurde laut. «Nicht wieder! Jedes Jahr geratet ihr euch in die Haare!», rief jemand. «Könnt ihr eure Differenzen nicht woanders austragen?» «Lass doch mal die Schildkröte ran, die macht eh immer so lang...», kam's von woanders. «Ja, ja, redet ihr nur...», griente die Schlange zwielichtig, «kommt Zeit, kommt Rat...» und machte sich leise kichernd davon.
Es ging nicht nur eine ganze Weile, bis sie am Podest war, sondern auch bis sie ihren Kopf unter dem Panzer hervorstreckte. «Aha, ja...», schnaubte sie, «wo... wo bin ich stehen geblieben vorher?» «Von der Zeit habt ihr letztes Jahr gesprochen, Verehrte», soufflierte ihr die Eidechse, «...schon vorletztes Jahr eigentlich.» «Ah ja, genau... die Zeit... ja jetzt erinnere ich mich, als sei's gestern gewesen. Ich habe mich ernsthaft mit der Frage befasst, ob die Sonnenwenden nicht... nun, sagen wir, alle fünf Jahre stattfinden  könnten, das würde der Angelegenheit entschieden an Hast und Dringlichkeit nehmen. Die Sonne könnet sich auch viel besser regenerieren, wenn sie ein Quäntchen mehr Zeit hätte...» «Einwand, verehrte Kollegin!», kam's voll klingend aus der Vogelecke. «Die Eule!», wisperte Mandrine, «die Beiden diskutieren jedes Jahr!», fiepte sie, «das gehört zum Ritual.» «Haben sie wirklich das Gefühl, dass wenn wir unsere Eier viermal länger ausbrüten, etwas anderes dabei rauskommt?»  «Nun ja, verehret Eule, zum Beispiel das Weltenei, war sich auch nicht bewusst, was genau aus ihm werden würde. Ich denke, da ist immer ein Spielraum, man muss ihm nur etwas Zeit zur Entwicklung zugestehen.» Die Eule – ein Uhu im schönsten Federordonat – war ebenso an die Konsole getreten und liess nun hochtrabend verlautbaren: «In der Tat, scheint mir der Gang der Sonne selbst unausgegoren, wie könnte es da jener der Erde sein... was meint ihr, wollen wir es heute bei dieser Wende, bewenden lassen?» Die Schildkröte, die wohl wusste, dass ihre Redezeit um war, meinte: «Nun ja, gerade einen Durchbruch haben wir dieses Jahr nicht erzielt, aber ich gebe den Stab des Wissens nun gerne an die Vogelzunft weiter, wir sehen uns ja schon bald wieder... sehr bald...» und zog den Kopf ein. «Die zwei haben ja einen drauf!», flüsterte Nimuka. «Versteht ihr denn, was sie da geredet haben, Missy Mora?», fragte das Elfenmädchen verblüfft und staunte sie mit großen Augen an. «In etwa... aber psst jetzt!»
«Ich bin der beste Beweis dafür», hob der Uhu an, «dass Tiere die in der Nacht, also im Dunkeln leben, sich nicht unbedingt von der Sonne abgewandt haben. Im Gegenteil, manchmal braucht es etwas Distanz, etwas Dunkelheit, um das Licht besser schätzen zu lernen. Vielleicht ist es ja auch das, was die Herren von Links Außen praktizieren, unbewusst eben – oder, sie wollen es sich einfach noch nicht recht eingestehen. Jedenfalls... » Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: «Was nimmst du dir heraus, eingebildetes Federvieh!», rief zornig der Herr der Finsternis. «Huhu, schon gut», die Eule wölbe ihre Flügel, «die Zwillinge sind sich vermutlich wohl bewusst, warum sie euch jedes Jahr wieder einladen.» «Klar, um uns die gebührende Ehre zu erweisen, du Schlaumeier!», knirschte einer der dunklen Herren. «Nun, das glaubt zumindest ihr...», erwiderte der Uhu kühl. Einen Moment war es totenstill, dann platzte ein schallendes, helles Lachen in den Saal, es war Nimukas Lachen, die sich nicht mehr halten konnte und sich auf dem Stuhl krümmte. Aus der dunklen Ecke, tönte ein verhaltenes Fluchen, während die Eule scharf zu ihr hochblickte. «Da sieh mal einer an», gurrte sie, «eine junge Menschin, selten genug, das sie etwas von Strategie verstehen und in diesem Alter...» «Missy Mora, nicht so laut!», protestierte Mandrine in heller Aufregung und zappelte auf ihrem Schoss. Nimuka hielt sich krampfhaft die Hand vor den Mund. Der Herr Schamane von schräg unten äugte ebenso vorwurfsvoll zu ihr hinauf, während Torogai nur vor sich hin grinste. «Verzeiht mir, wenn ich... wenn ich mich ungebührlich verhalten haben sollte, euer Scharfsinn wirkte sehr erfrischend auf mich!», entschuldigte sich Nimuka ihre Heiterkeit knapp verbergend. «Dann haben wir ja gemeinsam etwas zum Lachen...», gluckste der Uhu und hob sich lautlos  aus dem Lichtkreis.
Das Schwingen großer Flügel ertönte und an Stelle der Eule landete der Adler und nahm die Zuschauer mit scharfem blick in Augenschein. «Wer weiß besser als ich, wie es ist der Sonne entgegen zu fliegen!? Wenn sie höher steigt, steige auch ich höher! Ein Hoch auf die Sonne, möge sie für immer leuchten.», rief er und liess einen scharfen Pfiff ertönen. «Hoch die Sonne! Hoch die Sonne!», fielen nun viele der Zuschauer ein und für einen Moment, wirkte der Zusammenklang der vielen Wesen, eine schöne Kraft, während der Adler sich in das Gewölbe schwang.
Die schöne Rauch-Schwalbe erschien: «Gegrüßt alle hier!», zwitscherte sie unbeschwert. «Meine Brüder und Schwestern weilen alle im Süden und das einzig und alleine wegen der Schwäche der Sonne, wenn das so weitergeht, wissen wir nicht mehr, wohin wir noch fliegen sollen – in den holden Norden könnten wir schon gar nicht mehr kommen, wo es so saftiges Futter gibt. Auch wenn wir uns mit den Schwankungen arrangiert haben – wir finden das ständige Hin und her eine leidige Sache! Wir wünschen uns daher eine starke Sonne die immer und überall für alle scheint!» und in einem Nu war sie davon geflogen.
Ein Rabe flog an. «Kra» , machte er. «Selbst wir... glänzen in der Sonne, von Innen und von Außen wirkt sie Wonne. Sitzen blinzelnd auf der Fichte, fliegen gern ins Lichte. Kra!» Er pochte zweimal mit dem Schnabel nachdrücklich aufs Rednerpult und flog auf.
Ein Huhn erschien dann, zuckte nervös und starrte blöd. «Schon gecheckt, gak?», kam's knapp. «Ohne Körner, Licht und Freier, leg ich keine Eier! Schon gecheckt, gak? und flatterte auf.» Ein Kopfschütteln ging durch die Reihen. Eine Pause entstand und kurz war es still.
Vorsichtig kam alsbald ein Mäuserich zum Rednerpodest, hob den Kopf und schnupperte in den Zuschauerraum. «Der König der Tiere hat mich vorgeschickt... typisch!», sagte sie mit einem sarkastischen Unterton. «Da jagen mich seine Verwandten immerzu, aber nach dem Federvieh den Anfang der Säuger zu machen... ne, ne, dafür ist er sich zu gut!» Sie setzte eine wohlbedachte Pause ein. «Aber kann er fliegen, wie meine Anverwandte die Fledermaus, oder kann er schwimmen, wie mein Vetter die Ratte? Nein! Kann er sich in der Erde oder in einem Mauerspalt verbergen? Nein, kann er nicht.» «Es reicht», knurrte die mächtige Stimme des Löwen, «ich brauch mich gewiss nicht zu verstecken, du Wicht!» Der Mäuserich zuckte zusammen, hob abwehrend seine feinen Händchen. «Nun genau! Hier zum Thema meine ehrliche Meinung: Wären wir nicht alle gleich viel wert – würd die Sonn nicht für alle scheinen!» und husch, fort war sie.
Ein Gepolter ging los, etwas tapsig und verwirrt erschien schwerfällig der Braunbär. «Immer wollen sie mich dabei haben...», klagte er brummend, er gähnte herzhaft, «dabei ist es allen klar, dass ich um diese Zeit Winterschlaf halte. Na ja, nun also, wenn der Frühling mal nicht käme... nu, ich weiß nicht wie ihrs habt, aber ich würde einfach eine Runde weiter schlafen, gähn... hät da überhaupt kein Problem...» Er gähnte wieder und trat schwankend und  müden Hauptes ab, während sich rundum Gelächter erhob.
Flink und doch irgendwie gemessen war ein Wiesel erschienen. Gemäß der Jahreszeit, kam es ganz in Weiß und machte einen äußerst vornehmen Eindruck. «Nun Meister Petz, mit Verlaub, aber ihre Einstellung scheint mir – wenn auch vielleicht verständlich – etwas kurzsichtig geraten. Hingegen kam mir eben der Gedanke, dass wir, wenn wir aus dem Schlaf erwachen, alle immer automatisch annehmen, es sei der nächste Tag, (oder die nächste Nacht) obwohl wir das mit Sicherheit gar nicht sagen können, weil wir ja geschlafen haben.» Nimuka war sofort fasziniert von dem schönen, ebenmäßigen Gesicht des Wiesels, seine schwarzen Knopfaugen blickten intelligent und was er eben da gesagt hatte, machte ihr besonders Eindruck – es gemahnte sie an ihre verlorenen Tage in den Bergen. «Nun», fuhr das schlanke Tier fort: «Ich bin selten hier, ich vertrete dieses Jahr sowohl den ehrwürdigen Okami als auch unseren Neffen den  Kitsune, der ja in dieser Nacht immer gern Schabernack mit den Menschen treibt. Was viele nun nicht wissen, dass ich, wie sie, ein jagender Räuber bin. Sein Lächeln offenbarte eine Reihe spitzer Zähne. Wir alle jagen in der Nacht und begnügen uns mit dem Widerschein der Sonne, aber wir wollten – Hand aufs Herz – weder den Mond noch seinen großen Wohltäter missen», und er legte seine wohlgeformte Hand an die Brust, verbeugte sich und trat gewandt ab. «Faszinierend!», entfuhr es Nimuka, die kaum den Blick hatte von ihm abwenden können. Mandrine nickte und blickte zu ihr auf. «Die Bergelfen im fernen Kanbal reiten sie! Sie sind schnell und listig, können aber auch ziemlich blutrünstig sein!», flüsterte die Kleine. «Wirklich?» Nimuka konnte sich das kaum vorstellen. «Ja», wisperte Mandrine, «wie der Wolf pflegen auch sie Verbindung zu den Yokai-Reichen.
Nun trat lässig der Berglöwe vor – mittelmäßiger Applaus ertönte – er hielt den Kopf hoch und genoss, was es zu genießen gab, sein Fell glänzte silberbraun, seine Muskeln spielten und zuckten, seine grünen Augen blitzten stolz – mit einem Wort – eine imposantem Erscheinung – durch und durch. Er ging in Pose: «Der König bittet nicht – er befielt.», gab er grosspurig an. «Bislang wurde – durch mich – größerer Schaden vermieden und ich bin überzeugt, dass Vater Sonne, auch dieses Mal wieder Einsicht zeigen wird.» Er streckte sich gedehnt, schaute dann selbstverliebt seine Pranke an und schickte gelangweilt nach: «Und damit wird die Angelegenheit wohl wieder mal erledigt sein...» Erneut mittelmäßiger Applaus. Er konnte eigentlich sagen was er wollte, man zollte ihm Tribut, das war ungeschriebenes Gesetzt.
Als letztes Tier stellte sich umständlich der Menschenaffe vor. Er kratzte sich ausgiebig am Hintern und feixte linkisch: «Ihr alle wisst, dass wir mal Menschen waren, uns aber zurückgebildet haben, das ist bekannt und wir sind deshalb auch häufig etwas niedergeschlagen. Nun war ich aber kürzlich bei einer Hellseherin und die hat mir doch tatsächlich gesagt, dass eine Zeit kommen würde – in der Zukunft – wo das – ausgerechnet von der Krone der Schöpfung selber – gerade umgekehrt gesehen würde! Nämlich, dass der Mensch von UNS abstamme...» Schallendes Gelächter rund um. Der Schimpanse kreischte mit und hopste auf und ab. Er griff sich an den Kopf und rief: «Mich laust der Affe, wenn das so sein sollte!» und klopfte sich wiederholt auf die Schenkel. «Allerdings dürfte der Nebeneffekt dieser Voraussage sein, dass die Sonne heute Nacht tatsächlich wiedergeboren wird, da sonst eine solche Zukunft auch nicht stattfinden könnte. Kapiert?! Etwas Cleverness ist mir eben – trotz der Verblödung, die man mir allgemein hin nachsagt – doch noch geblieben...», blinzelte er und humpelte grotesk davon.

5. Sonnentanz und Sonnengesang
«Swush!» Die Zwillinge standen wieder da. «Applaus, Applaus für die Tiere!», skandierten sie. «Die Tiere, welche vom Sternenkreis, von den Planeten und von Sonne und Mond inspirierte sind –  inspiriert vom Himmel, gebildet jedoch von der Erde!» Nun brandete ein großer Applaus, wie das Prasseln eines Wasserfalls durch die Halle. «Danke! Danke!» riefen die Zwillinge, «wir doch wirken zwischen allen Reichen, vertreten das großartige Menschengeschlecht, mit seiner Universalität und seiner einzigartigen Entscheidungskraft! Wir ermöglichen auch dem Kitsune und dem Tanuki, sowie vielen Anderen die Verwandlungskunst und sind die obersten Aufseher der Wächter und Boten, jenen, die die Tore hüten und Grenzen passieren. In ihrer aller Namen bitten wir für die Sonne!» Wieder brandete Applaus durch die Höhle. Nimuka sah sogar Torogai mit gerötetem Gesicht in die Hände klatschen. «Nun kommen die unseren!», flüsterte Mandrine und schaute gebannt nach vorne. Die Spieler breiteten die Arme aus. «Wir begrüßen nun die Ehrwürdigen! Sie stehen für ganze Lebensgemeinschaften und hüten ganze Bereiche mit all ihren geweihten Wesen. Selbst von den Menschen werden sie mancherorts noch verehrt!» schickten sie voraus. «Der Ehrwürdige des Waldes mit seinen Leuten!», rief Tobunaki fröhlich und an den äußersten Thron, trat eine grün strahlende Gestalt, moos- und flechten bedeckt, mit einem mächtigen strahlenförmigen Geweih und einem gütigen halb tierisch, halb menschlichen Antlitz, breitete seine Arme aus und ein vielstimmiges Rufen, von schrill hoch, bis dröhnend tief, begrüßten ihn aus den Reihen. Mandrine auf Nimukas Knien war ganz hin und fort und rief ohne Unterlass mit verklärtem Gesicht Lobpreis.
Die Zwillinge fuhren fort: «Die Ehrwürdige der Heide mit ihren Moorleuten!» Eine hochgewachsene weibliche Gestalt, ganz überwachsen mit Pflanzen und Blumen und mit einem großen blonden Schopf, ganz aus Gräsern gewirkt, trat mit träumendem Blick an den zweiten Thron und hob zum Gruß beide Hände. Wieder erscholl vielstimmiges Geschrei, etwas höher als das vorige, auch Mandrine piepste mit.
Tobunaki übernahm wieder: «Der Ehrwürdige der Berge mit seinen Erz und Mineralwichten!» präsentierte er und wies auf den dritten Thron. Schon während die aus Stein und Fels gewirkte Gestalt – ein Riese fast – polternd daher schritt, schwoll ein tiefes Dröhnen und Brausen, gleich Chören im Wind an und begleiteten den Ehrwürdigen der steinerne Mine machte und einen Hut der eine schneebedeckte Bergspitze bildete an seinen Platz, wo er seine Steinfäuste vor seiner Felsenbrust knallend gegeneinander schlug und einen rauen Gruß entrichtete.
Kinotoki trat wieder vor. «Die Vierte im Bund! Die Ehrwürdige des Meeres mit ihren Meerleuten!», rief er galant. Eine große, beinahe durchsichtig gewirkte Frauengestalt betrat rauschend die Bühne, sie hatte ein mit Seetang behangenes Haupt, einen nackten Oberkörper mit schimmernder Fischhaut, wohlgeformten Brüsten und ein wunderschönes glattes Gesicht, das silbern irisierte. Als sie sich anmutig verneigte, erklang ein Rauschen und Tosen und darin sich aufschwingender Sirenengesang und Nixengeflüster so lieblich und sehnsüchtig, dass es einem das Herz brach. Langsam und wabbernd verlor sich das wundersame Echo in den Tiefen des Gewölbes. 
«Sie singen nun den großen Sonnenhymnus der Urzeit, der noch nie hat verfehlt seine Wirkung», sprach Tobunaki ernst. Nun standen die vier Ehrwürdigen zusammen und erhoben ihren kraftvollen Gesang; Wald, Heide, Berg und Meer im Zusammenklang, erhaben hochstrebend, elegisch beschwörend, ein Gesang in den alle ihre Wesen summend einfielen. Nimuka schloss unwillkürlich die Augen. Zeiten Äonen, Landschaften von großer Schönheit zogen an ihr vorüber. Gewaltige Stürme, Beben, Dürren, Fluten erstanden im großen mythischen Gesang vor ihren Augen und plötzlich wurden in ihr die Bilder der Sieben Chroniken lebendig und sie erfuhr die ganze Wechselgeschichte der Erde ganz unmittelbar durch das Heilige Lied, als sei sie dabei gewesen, als sei ihr Leib gewirkter Teil von alle dem! Die Ehrwürdigen verfielen alsbald in einen Wechselgesang, dann in einen Kanon, rhythmisierten und skandierten, schneller und schneller, von ganz tief zu den höchsten Höhen und vereinten sich erneut auf einer neuen harmonischen Ebene, immerzu begleitet vom auf- und abschwellenden Chor ihrer Leute und Wesen und Nimuka selber wurde ergriffen und fiel in das Lied mit ein, ja, trat durch dieses in die Einheit aller Wesen ein und plötzlich spürte sie die große Sehnsucht und Hoffnung alles Lebendigen – nicht nur nach der Sonne – sondern nach dem großen Bewusstseins-Licht, wie es durch das 'Feuer des Herzens' verheißen war. Und plötzlich begriff sie, was es hieß, weit entfernt vom Zentrum, am Rande des Universums geboren zu sein. – Die Ehrwürdigen schlossen in einem mächtigen, vereinten Zusammenklang, während das Summen ihrer Leute langsam verebbte. Dann war es einen Moment ganz still, bis tosender Applaus losging. Alle, wirklich alle waren anrührt, weil in diesem Gesang ihrer aller Schicksal begründet lag.
Tobunaki und Kinotoki traten wieder hervor, auch sie schienen eine Spur ernster als noch gerade zuvor. «Wenn die 'Vier Ehrwürdigen' für die Einheit alles Gewirkten eintreten, so tun das die 'Vier Geister' für das vielgestaltige Wirken im Besonderen. Die vier Naturen unserer Welt sind vielfältig vernetzte und wirken mit ihren Dienern die Verbindung zwischen den Ehrwürdigen und den Gestirnen. So dürfen wir begrüßen: Den Geist der Erdkrumme und seine Wurzelgeister, welche für das Hervorbringen aller Pflanzen besorgt sind. – Den Geist des Wassers mit seinen Keimgeistern, die das Keimen der Pflanzen vorantreiben und eng zusammenwirken mit dem Wolkenbringer, aber auch mit den Wasserleuten und den Schneemachern. – Wir begrüßen auch den Geist des Windes mit seinen Luftgeistern und Sylphen, die das Licht in die Pflanzen weben. – Und schließlich den vielgestaltigen Geist des Feuers und seine Feuerwesen, die mit ihrer Wärme die Reifung der Pflanzen herbeiführen und, im Bunde mit ihm, die Blitzmacher und Vulkanleute. Sie führen nun für die Sonne den altehrwürdigen 'Tanz der Schöpfung' auf», schlossen die Zwillinge.
Während die zwei gesprochen hatten, senkten sich der Reihe nach vier farbige Wirbel auf die Throne, hinter jenen der Ehrwürdigen. Grün-Braun für die Erde, Blau-Violett für das Wasser, Weiß-Gelb für die Luft und Rot-Orange für das Feuer. Ein leises Wassergeflüster, ein kaum hörbares Stöhnen des Windes, ein verhaltenes Brausen des Feuers und ein tiefes Erdbrummen, mehr wie eine Vibration hatten eingesetzt, während die vier Farbwirbel sich in den Raum über den Thronen schwangen, einen Augenblick als Farbenkreis stillstanden und dann zu einem wilden Farbentanz ansetzte. Die Farben wuchsen ins Gewölbe, durchwirkten sich leuchtend, überlagerten sich in vielfarbige Fächer, teilten sich erneut, bildeten dann rhythmisierende Muster, spiralisierten Sterngeometrien und wobei die mannigfaltigsten Formen und Gestalten hervortraten. All das ging blitzschnell, Licht durchpulst, hin und her schwingend von statten und Nimuka merkte wie ihr Drittes Auge angeregt wurde und sich in ihm die Muster spiegelten, niederschlugen und sich zu ganzen Verkettungen von Schöpfungs- und Lebensprozessen, gar Zyklen entfalteten. Sie offenbarten und erleuchteten ihr in einem Nu das innere Wirken und Gestalten der Schöpfung. Dann plötzlich, nach einem rasenden Crescendo von Farben und Formen, stand wieder langsam drehend das vollkommene Farbenrad vor ihnen, der Zusammenklang der Naturgeräusche verebbte und mit ihnen verblasste die Intensität der Farben, bis sie wieder getrennt als Wirbel über ihren Thronen schwebten. – Vielen stand der Mund nun offen, ob dieser wunderbaren Schau, die ihnen die Elementenkräfte gewährt hatten und es erhob sich ergriffen ein unbeschreiblicher Begeisterungssturm aus allen Reihen. «Auch wir staunen immer wieder über diese Mannigfaltigkeit, die von den Elementen der Natur hervorgebracht werden!», bekundeten auch die Zwillinge ihre uneingeschränkte Anerkennung.

6. Pflanzen und Götter
«Zu den Ischimi», fuhren die Spieler fort, «gehören auch die Pflanzenelfen und Gnomen, welche – anders als die Leutchen der Ehrwürdigen und die Wurzelgnomen, Undinen, Sylphen und Wärmegeister – direkt aus dem Geist der Pflanzen selbst erstehen. Sie sind ein ganz eigenes Völkchen und da, wie wir wissen, das Wesen der Pflanzen von den Sternen gewirkt und von den Planetengöttern gestaltet wird, sind sie – mehr noch als die träumenden Pflanzen – erwachte Kinder des Himmels, nur dass ihr Dasein, ebenso wie das aller hier Lebenden, vollumfänglich von Sonne und Erde abhängig ist. Es ist deshalb nur natürlich, dass auch sie zu dieser Sonnenwende einen Beitrag leisten wollen. So denn: Bühne frei für die Pflanzenelfen!»
Zwischen dem Thron der müden Erde und dem leeren Thron der Sonne erschien eine ganze Schar zarter Blumen- und Pflanzenelfen. Im Gegensatz zu den Elfen der Ehrwürdigen, die Kleider an ihrem kleinwüchsigen Körpern trugen, waren diese ganz aus Pflanzen gewirkt, mit hübschen, hellen Gesichtchen, Händchen und Füßchen und gingen anmutig und federnden Schrittes in Position. Ein kleines Gnomenorchester mit Tamburinen, Schellen, Zimbeln, Schlaghölzern, sowie Harfen, Lauten und Flöten und einer kleinen Pauke gruppierten sich in der hinteren Mitte. Rechts und links nahmen Chöre mit Vorsängern und Sängerinnen Aufstellung. Vor ihnen in der Mitte bildeten geflügelte Elfenmädchen einen Kreis  woraus in der Mitte – auf einem Podest – gesetzt, eine einzelne Elfe aufragte. Als alle positioniert waren und in der Halle Ruhe eingekehrt war, setzte das Orchester mit einem flotten Rhythmus ein, Flöten und  Lauten setzten alsbald eine fröhliche Melodie auf, die Harfe zupfte den Bass, wenngleich die ganze Musik eher in den hohen lagen gehalten waren. Der Grund wurde auch rasch offenbar, als die Stimmen einsetzten, sie nämlich, waren zu Meist in den höheren und höchsten Tonlagen besetzt. Vor den Musizierenden, setzte nun vom ersten Ton der Elfenreigen ein um den beständig glitzernde Sterne mittanzten, während die erhabene Elfe in der Mitte immer noch mit flehend erhobenen Armen still wie eine Statue auf dem Podest stand.

Die Chöre hoben an:

«Wir sind die Elfen der Pflanzen
die Gnomen der Bäume! 
Wir sind erwirkt
aus den Sternen
genährt von der Erde
erweckt von der Sonne
wir sind gewoben
aus Wärme und Licht!
Wir dienen den Menschen
wir dienen den Tieren!»

und nach einigen kräftigen Durchgängen, wechselten sie ins Pianissimo, während die Vorsänger und Solisten alternierten:

Dem Leben wir dienen,
als Nahrung wir dienen:
Algen, Seegräser,
Seerosen und Schilf;
Flechten und Moose,
Pilze, Schwämme und Farn.

Dabei sprangen die tanzenden Elfen in die Luft und die Mittelelfe verwandelte sich an der Spitze der Tänzerinnen geschwind in die genannten Pflanzen. So ging das in einem fort:

Dem Schutz wir dienen,
der Kleidung wir dienen:
Lein, Hanf, Jute, Rindenbast;
Baumwolle, Wollgras, Kokoshaar;
Torf und Stroh und
Lehm und Rohr.

Der Freude wir dienen,
als Schutz wir dienen:
Ginster, Schneeball, Weißdorn;
Bambus, Kork und Palmenblatt;
Lärche, Eiche, Zedernholz;
Birke, Buche, Kiefernspan.

Dann sangen alle wieder zusammen:

Wir neigen unsere Häupter
Wir danken den Sternen,
wir danken der Erde,
und auch den Gestirnen.
Wir ehren Dich Sonne,
innig erbitten wir Deine Wiederkunft!
Wir sind die Elfen der Pflanzen,
die Gnomen der Bäume!
Wir dienen den Menschen,
wir dienen den Tieren!
Wer würde gedeihen,
ohne uns, freudige Opfer?!
Mit Leib und Seele
sind wir dem Leben hingetan!

und wieder ertönten die Strophen der Solisten:

Der Freude wir dienen,
der Schönheit wir dienen:
Narzissen und Nelken;
Lilien, Rosen, Orchideen;
Iris, Flieder und Aloe;
Jasmin, Lavendel und Ilang

Als Heiler wir dienen,
als Linder wir dienen:
Johannis, Kamille und Arnika;
Primel, Mistel und Enzian;
Mohn, Hanf und Schachtelhalm;
Thymian, Estragon, Majoran.
 
Dem Leben wir dienen,
als Nahrung wir dienen:
Knollen und Wurzeln;
Hafer und Hirse;
Korn, Taro, Yams
und der heilige Reis.

Chor:

Wir danken den Sternen,
wir danken der Erde
und auch den Gestirnen;
wir preisen Dich Sonne
und bitten um Deine Wiederkunft!
So klingen die Pflanzen
und tönen die Bäume;
wir dienen den Menschen,
wir dienen den Wesen,
in Liebe sind wir euch beigestellt!
Wer würde gedeihen,
bar solcher Leidenschaft?!
Mit Leib und Seele
sind wir euch zudacht!

Solisten:

Dem Leben wir dienen,
als Nahrung wir dienen:
Minze, Zimt, Muskat und Tee;
Koriander, Pfeffer, Kardamon;
Kohl, Kürbis und Karotten;
Linsen, Lauch und Lattichkraft.

Der Süsse wir dienen
als Nahrung wir dienen:
Träubchen und Beeren;
Marillen und Äpfel;
Datteln und Nüsse;
Orangen, Kirschen, Olivenbaum.

Der Freude wir dienen,
als Lehrer wir dienen:
Hopfen, Hanf und Traubensaft;
Amanita, Yagé, und Sig Salua;
Steppenraute und Alraune;
Datura und das Bilsenkraut

Alle zusammen:

Wir danken den Sternen,
wir danken der Erde
und auch den Gestirnen.
Wir loben Dich Sonne,
innig erbitten wir Deine Wiederkunft!
Es klingen die Pflanzen
und tönen die Bäume!
Wir sind erwirkt
vom Geiste der Sterne,
genährt vom Wasser der Erde,
erweckt von der Sonne,
wir tanzen im Licht
und grüssen im Wind!
Wir dienen den Menschen,
wir dienen den Tieren,
ganz sind wir euch zugetan!
Die Erde wir ehren,
die Planeten wir preisen
und den träumenden Mond;
doch vor Dir, alte Sonne,
neigen wir unser Haupt
denn ohne Dich,
muss alles vergehen zu Staub!
Oh, allgeliebtes Sonnenrad,
bezwinge das Dunkel
und tritt neu hervor!
Um  a l l e r  Leben,
einmütig, wir bitten
um Deine Wiedergeburt!

Ein großer Zauber lag auf diesem Gesang und während er ertönte, bildeten sich über den Thronen der Planeten-Gestirne, der Sternenältesten und der Schöpferschlange riesige, verschiedenfarbige Lichtsäulen, in der sich langsam die Figuren der Gottheiten abzeichneten, deren Gestalten weit ins Gewölbe ragten. Silbern, jene des Mondes, regenbogenfarben, jene des Wandelsternes und seiner vier Brüder, funkelnd und irisierend jene des Sternkreises und der Sternenältesten und rotgolden, jene der Schöpferschlange.
Ein großes «Ahh...» und «Ohh...», ging durch die Reihen und während die Elfen sich verneigend zurückzogen, flüsterte Mandrine Nimuka zu: «Die Götter der Sterne und der Gestirne sagen nie etwas! Aber die Schöpferschlange wird jetzt gleich sprechen.» Ihr Stimmchen hatte einen ehrfürchtigen Unterton angenommen. Im ganzen Saal schien sich eine Spannung aufzubauen. Die späteste Stunde war längst angebrochen, viel Zeit bis zum entscheidenden Moment um Mitternacht fehlte nicht mehr.
Nun erfüllte plötzlich ein mehrstimmiges Zischen den Raum und eine Stimme, die gleichzeitig von überall her zu kommen schien und die ganze Grotte erfüllte, sprach brausend: «Es grüsst euch euer Urahne, ich, die weise, alte Schöpferschlange habe vor Urzeiten mit der Kraft meiner Vorstellung alles ins Leben gerufen – ich bin die Erschafferin des Universums!» Nimuka war wie gebannt, die Stimme rührte etwas ganz tief in ihr an, sie löste eine fundamentale Furcht in ihr aus und den Drang sich nieder zu werfen. Tatsächlich taten das auch rundum alle! Mandrine war rasch von ihrem Schoss gehüpft und berührte mit ihrem kleinen Köpfchen auch schon den Boden. Nimuka blickte zu Torogai, auch sie hatte ihren Stab zur Seite gelegt und kniete mit gebeugtem Haupt da. Während Nimuka ihr es gleich tat, spürte sie sorgsam diesem Gefühl der Hingabe nach, ganz langsam dämmerte ihr mit Unbehagen ins Bewusstsein: Es war ein Zwang! Sie schielte zur gleißenden Lichtsäule der Schlange, in ihr wand und ringelte sich ein schuppiger Körper von überwältigender Schönheit. Nimuka spürte weitreichende Machtfülle von ihr ausgehen und ihr kindliches Gemüt fragte sich, warum da Stolz und nicht Freude war. «Verharrt nicht in Angst und Zweifel, mein Volk!», ertönte wieder diese Stimme, «so wahr ich dies alles geschaffen habe,  so wahr wird die Sonne wiederkehren. Aus dem einen Grund nämlich, weil ich es will!» Alle versammelten Wesen richteten sich langsam auf und nun schwoll langsam ein Gesang aus allen Reihen an: «Ehre und Dank gebührt der großen Schöpferschlange, sie ist die Größte, sie ist die Mächtigste, die Gebieterin des Universums, sie lässt für uns die Sonne wiedererstehen!» Lauter und lauter wurden diese Worte schier endlos wiederholt. Nimuka bewegte die Lippen automatisch mit. Etwas in ihr war in Widerstreit geraten: Warum fühlte sie keine Freude? fragte sie sich verwirrt, warum war alles so todernst plötzlich? Aber nach und nach dämmerte ihr eine fundamentale Erkenntnis, die sie gleichzeitig bekümmerte und bestürzte: «Es fehlte die Liebe!» Die Schöpferschlange herrschte Kraft ihres Willens und ihrer Macht. Diese war ihr wohl tatsächlich gegeben, aber auf Grund des offensichtlichen Makels, war es wohl kaum die Letztendliche, so wie sie behauptete. Nimuka verkapselte diese Erkenntnis sorgsam in sich. Sie gehörte nicht an diesen Ort, zu diesem Moment, aber sie nahm sich vor, ihre Konsequenzen später zu bedenken.
Noch während der Gesang anhielt, schien ein Strahl gelbes Licht auf den Sonnenthron zu fallen und als er an Intensität zunahm, glitt das Loblieb mehr und mehr in Jubel über. Das Licht nahm weiter zu, es wurde gleißend hell und da erschien am oberen Rand der Grotte der Strahlenbahn der Tross der Sonne! Vater Sonne auf seinem Wagen lachte leuchtend in seiner ganzen Pracht und glitt, begleitet von tanzenden Sonnenelfen majestätisch grüssend hernieder. In der Halle wurde es taghell, erst jetzt sah Nimuka, dass sie ganz aus Gold gewirkt war. Die Erde, die Menschen, die Tiere, die Leutchen der Ehrwürdigen und die Pflanzengnomen, vereinten sich in einen mächtigen Jubelschrei: «Vater Sonne! Vater Sonne! Vater Sonne!», schrien sie in unsäglicher Erleichterung, die Erde erstrahlte und schöpfte neuen Mut, die Ehrwürdigen lobpreisten, die Geister tanzten, die Leutchen lagen sich in den Armen, und die Zwillinge strahlten übers ganze Gesicht: Das große Sonnwendfest war eröffnet. Der Sonnenkönig nahm seinen Platz ein und winkte allen zu, eine Wunder wirkende Wärme und Wonne ging von ihm aus und erfüllte alle Anwesenden mit Freude im Herzen. Nimuka schenkte Torogai einen dankbaren, verklärten Blick, welche diesen wohl begreifend erwiderte.