Tsubasa Chronicle - Kyuketsu Hen

GeschichteÜbernatürlich / P12
25.03.2017
01.04.2017
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Er hatte nie mehr damit gerechnet, sein Herz schlagen zu hören. Eigentlich sollte es in seinem kalten Körper ruhen und einsam vor sich hin schlafen. Aber nicht heute. Heute schien alles anders zu sein. Kamui bewegte sich schnell vorwärts, eine Geschwindigkeit, die ein normaler Mensch nie erreichen konnte. Dennoch spürte er… dass es nicht ausreichen würde. Der lange Gang im Turm, der von zahlreichen Glasfenstern verziert wurde wollte nicht enden. Dennoch war aufzugeben keine Eigenschaft, die Kamui auszeichnete.
Nur noch wenige Meter trennten ihn vom Ende des Ganges und der gewölbten Wendeltreppe, welche in die Halle des Turms führte. Kamui jedoch trat auf keine einzige jener Stufen, sondern sprang auf das Treppengeländer und starrte in den Abgrund. Es war Nacht und nur die Kerzen an den Wänden spendeten ausreichend Licht. So gelang es ihm, die drei Personen auf dem Boden nur ansatzweise zu erblicken. Sie hockten dicht beieinander, beinahe so, als würden sie schlafen. Aber nein, nur eine von den Gestalten lag auf dem Rücken und zeigte keinerlei Reaktion. Fast so… als könne sie dies nicht mehr.
Die Person zu seiner linken war über ihn gebeugt, Kamui konnte sein Gesicht nicht erkennen. Jene Person zu ihrer rechten hockte aufrecht, die Hände zusammengepresst. Dann riss Kamui seine Augen weit auf.
„Nein, tu es nicht!“, rief er, als er glaubte die Situationen erkannt zu haben.
Er sprang vom Geländer und viele Meter in die Tiefe. Als bestünde er fast nur aus Luft, landete er sanft auf dem Boden, lediglich das Flattern seines Umhangs bezeugte seine Tat. Die Person zu rechten des Schlafenden, wandte ihren Kopf sofort zu dem Neuankömmling. Eine mit Tränen versehrte Miene starrte ihn an. Doch noch etwas war im Gesicht der jungen Frau zu erkennen, die scheinbar nur mäßig über Kamuis Auftritt überrascht war.
„Es… war nicht seine Schuld. Es… ist alles nur wegen mir, Kamui-niisan.“, war ein deutlich Flehen in ihrer Stimme zu vernehmen.
Kamui reagierte nicht darauf, sondern trat ein paar Schritte zu der Gruppe. Nur langsam erhob sich nun die Person, die über dem Schlafenden gebeugt gewesen war. Während die Unterseite seines Gesichts noch durch seinen Oberarm verborgen war, sprachen seine Augen eine eindeutige Sprache. Sie waren deutlich verengten und zu einem gelblichen Schlitz geworden. Ein Ausdruck, der lediglich eines aussagte. Sie hatten Beute gewittert. Oder sie bereits verzehrt.
Kamui senkte den Kopf und ein ähnlich trauriger Ausdruck wie bereits bei dem jungen Mädchen zeigte sich. Ja… er war zu spät gekommen. Zu spät, um seinen Bruder noch aufzuhalten.
„Ach Subaru… was hast du bloß getan?“
Dieser senkte nun langsam seine Arme und starrte Kamui an. Ob mit Schuldbewusstsein oder etwas anderem konnte dieser nicht erkennen. Was er erkennen konnte war lediglich das viele Blut, das überall um Subarus Mund verschmiert war und ihn wie ein wildes Tier aussehen ließ. Ein wildes Tier, das gerade seine Beute erlegt hatte.

Wenn es eines in seinem Leben gab, bei dem er nicht bereit war es abzulegen, dann war es seine Gelassenheit. Es war nicht, weil er sich verletzlich oder gar ängstlich zeigen wollte. Seine innere Stärke sollte einfach genauso wie seine äußere für jeden zu erkennen sein. Bei der Frau, der er nun gegenüberstand und über die er zwar gelesen hatte, jedoch kaum etwas wusste, war es nicht anders. Genau genommen existierte im großen Ganzen nur eine einzige Person, für die er sein Pokerface fallen lassen würde. Doch diese war im Moment nicht bei ihm. Er hatte sie zurückgelassen, da sie nicht Teil seines Wunsches war. Sie war in seiner Welt und er nun in jener, nach der er sich gesehnt hatte. Auch wenn sie keineswegs seine Erwartungen widerspiegelte. Das Gras war genauso grün wie in seiner Welt, die Mauern genauso steinig. Selbst das Gebäude vor ihm, das wie ein gewöhnlicher Laden wirkte beeindruckte ihn nicht. Anders war es aber bei der Frau mit den langen schwarzen Haaren und dem traditionell wirkenden Kleid.
„Dass du hier bist, bedeutet, du besitzt einen starken Wunsch. Menschen ohne einen solchen Wunsch können dieses Geschäft nämlich nicht betreten.“, richtete sie nun ihre ersten Worte an ihn.
Der Besucher verbeugte sich leicht und deutete ein Nicken an.
„Ja, damit habt ihr recht, werte Besitzerin dieses Geschäfts. Oder zieht Ihr es vor… Hexe der Dimensionen genannt zu werden? Dies ist zumindest die Bezeichnung, die ich in den Aufzeichnungen einer alten Ruine meiner Welt fand. Und jene Magie nutzte ich auch um an diesen Ort zu gelangen. Ich habe einen Wunsch und ich denke, Ihr seid die einzige Person, die ihn mir erfüllen kann.“, gestand er.
Die Frau musterte ihn einen Moment.
„Also gut, nenne ihn mir. Was begärst du…“
Der Besucher zeigte sich einen Moment peinlich berührt.
„Verzeihung, ich habe mich selbst ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name lautet Seishirou Sakurazuka. Und man kann mich… als Schatzjäger bezeichnen. Ich bin schon so lange auf der Suche nach einem gewissen Gegenstand. Jedoch kam ich zu dem Schluss, dass er sich nicht meiner Welt befinden kann, weshalb es mein Anliegen ist, andere Welten zu bereisen, um diesen Gegenstand zu finden.“, offenbarte er.
Die Frau verschränkte ihre Arme und schien darauf anzuspringen.
„Verstehe, dein Wunsch ist es also andere Welten zu bereisen. Dieser Gegenstand den du suchst… wie genau sieht er aus?“
Seishirou wich ihrem Blick aus.
„Ehrlich gesagt weiß ich das noch nicht. Ich kann mir erst sicher sein, wenn ich ihn in Händen halte. Diesen… mir am allerwichtigsten Schatz.“, erklärte er.
Die Hexe der Dimensionen schritt ihm nun entgegen.
„Ich kann dir diesen Wunsch erfüllen, aber ich verlange einen Gegenwert.“, verriet sie.
Seishirou hob die Augenbrauen.
„Einen Gegenwert? Natürlich, es besteht für Euch kein Grund mir einfach so zu helfen. Ich habe in meinem bisherigen Leben eine Menge Schätze gesammelt, die ich Euch anbieten kann.“, schlug er vor.
Die Hexe schüttelte den Kopf.
„Nein, das kann ich leider nicht als akzeptablen Gegenwert akzeptieren. Als Schatzjäger sind Schätze für dich zwar stets etwas Neues und Aufregendes, doch der Gegenwert muss ein Teil von dir sein, den du nicht so einfach loslassen möchtest.“
Seishirou versuchte ihr zu folgen.
„Und… befindet sich Eure Meinung nach so etwas in meinem Besitz?“, fragte er interessiert nach.
Die Hexe nickte.
„Als Gegenwert verlange ich die Schönheit, die du in jenen Schätzen die du sammelst siehst. Ich verlange dein Augenlicht. Aber keine Sorge, ein Auge reicht, immerhin könntest du blind nicht mehr nach dem Gegenstand suchen, nach dem du sich so sehr sehnst.“
Seishirou verstand und schien zu überlegen, ob er diesen Preis wirklich zahlen wollte. Dann zog sich ein Lächeln über seine Lippen.
„Wenn das der Preis für meinen Wunsch sein soll… werde ich ihn zahlen. Bitte verleiht mir die Fähigkeit jene Welt zu bereisen, in der sich mein Schicksal aufhält, Hexe der Dimensionen!“
Der Bittsteller schloss die Augen und wartete auf die Erfüllung seines Wunsches.
„So sei es. Im Austausch gegen dein rechtes Auge verleihe ich dir die Fähigkeit, durch die Dimensionen zu reisen. Doch die Anzahl an Welten, die du besuchen kannst ist begrenzt. Sollte es dir nicht gelingen in einer von ihnen jenen Gegenstand zu finden, ist dein Wunsch verwirkt.“, warnte sie.
Während Seishirous Körper begann sich auszulösen, fasste er einen Entschluss. Er würde… jenen Gegenstand definitiv finden.
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