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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
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25.05.2021 3.477
 
Kapitel 7.

Ludwigs Sicht


Nachdem Antonio davon gestürmt war, wurde es erneut sehr ruhig in Felicianos Wohnung. Der Spanier hatte so viel von Sicherheit geredet, aber wie konnte der Jüngere in seiner eigenen Wohnung sein, wenn die Mafia hinter ihm her zu sein schien? Das wäre der erste Ort, an dem sie nach ihm suchen würden. Außerdem hatte Feliciano genug Dinge eingepackt, um mindestens eine Woche woanders verbringen zu können, so wie es der ältere Detektiv von ihm verlangt hatte. Er hatte den großen Koffer im Flur bemerkt als sie hereingekommen waren, doch sich nicht weiter mit diesem Gedanken aufgehalten. Jetzt allerdings überlegte der Deutsche, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn sie stattdessen zu sich nachhause fahren sollten. Er war noch nicht sehr lange in diesem Beruf und war noch nie mit der Mafia zusammengestoßen, zumindest in keinem vorherigen Fall. Demnach konnte er auch sicher sein, dass sie seine Adresse entweder noch nicht kannten oder sich nicht dafür interessierten. Er war ihnen bisher noch nicht im Weg gestanden, anders als viele andere Kollegen am Revier. Dies könnte einen großen Vorteil, unter Umständen auch einen Vorsprung bieten. Aber sein Auto stand am Revier, da er unüberlegt in Antonios Auto gestiegen war. Für öffentliche Verkehrsmittel war es auch schon viel zu spät. Er könnte wohlmöglich Gilbert anrufen, aber er wusste, dass neben seinem Bruder eine Bombe explodieren könnte und er würde friedvoll durchschlafen. Manchmal beneidete er den Albino um diese Fähigkeit.
Welche andere Möglichkeit hatte er? Matthew hatte kein Auto, daher kam er nicht in Frage. Antonio war auf dem Weg zu Lovino. Francis Nummer hatte er nicht. Sein Boss würde sicherlich auch nicht helfen können. Elizabeta und Roderich konnte er so spät nicht stören. Und soweit er wusste, fuhr Feliciano mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Sie könnten vielleicht ein Taxi bestellen, aber er wusste nicht ob, um diese Uhrzeit noch eines zu finden wäre. Es wäre allerdings ein Versuch wert. Und wenn sie ein paar Straßen früher ausstiegen, würde man sie schwerer verfolgen können.

Er blickte zu dem Italiener, der noch immer ein wenig geschockt zu sein schien von der ganzen neuen Information. Gleichzeitig war er ungewöhnlich ruhig. Feliciano hatte immer wie jemand gewirkt, der bei Angst oder Nervosität noch mehr redete als komplett verstummte.
"Bist du in Ordnung?", fragte Ludwig. Innerlich verfluchte er sich bereits für diese Wortwahl. Er konnte allerdings auch nicht einfach nichts sagen oder ihn in solchen - vermutlich - schwierigen Zeiten ignorieren. Jetzt war er definitiv für Feliciano verantwortlich und er wollte nicht, dass ihm etwas passierte.
"Hm? Oh, ja", der junge Mann lachte ein wenig nervös. "Ich mache mir nur Sorgen um Lovi."
Ludwig runzelte die Stirn. Feliciano schwebte definitiv in einer gravierenden Gefahr und doch fand er es in sich, sich um jemand anderen zu sorgen? Das war ungewöhnlich. Oder vielleicht war es normal unter Geschwistern. Vielleicht würde er genauso reagieren, wenn er an seiner Stelle gewesen wäre. Mit Sicherheit konnte er es jedoch nicht sagen. "Ich bin sicher, Antonio regelt das."
"Ja, vermutlich", stimmte der Auszubildende zu. Er nahm sich selbst in die Arme und blieb ruhig.
Ludwig stand ein wenig unbeholfen im Raum. Wie sollte er mit einer solchen Situation umgehen? Antonio war für gewöhnlich zuständig für emotionale Begebenheiten, während er die mehr rationalen übernahm. Das war der Grund, weshalb ihre Kombination in solch einer guten Art funktionierte. Sie waren komplette Gegenteile, die genau wussten, welche Situation von wem übernommen werden sollte.

Bevor er allerdings in seinem Gedächtnis graben konnte, um sich zu erinnern, welche Schritte Antonio für gewöhnlich einleitete, wenn sie es mit einem emotionalen Klienten zutun hatten, bewegte sich Feliciano wieder. Er lehnte sich zurück, seufzte und verschränkte seine Hände miteinander als würde er beten. Gleichzeitig bildete sich ein fröhliches Lächeln auf seinen Lippen. "Woher kennt Antonio Lovi?"
Trotz der deutlichen Fassade, die er aufgesetzt hatte, konnte Ludwig dennoch die Angst herausfiltern. Er fragte sich, ob diese auftrat, weil er anfing die Ernsthaftigkeit der Lage zu verstehen oder ob es etwas mit seinem Bruder zutun hatte. Vermutlich war es jedoch Ersteres.
"Ich denke, sie haben sich in der Bar kennengelernt, in der dein Bruder arbeitet", erwiderte Ludwig schließlich. Er kannte keine Details, da er sich mittlerweile angewöhnt hatte Antonios Worte zu filtern. Sobald der Name des Barmannes erwähnt wurde, wusste er, dass er weghören konnte. Die Schwärmerei des älteren Mannes war nicht zum Aushalten.
"Oh, wie schön. Lovi hat mir das nie erzählt", sagte er fröhlich. "Antonio scheint sich sehr zu Sorgen um ihn. Das freut mich. Weißt du, die Beiden wären sicherlich ein gutes Paar." - "Lass das bloß nicht Antonio hören."
Feliciano lachte und für einen Moment schien die Welt in Ordnung zu sein.

Ludwig versuchte sein schnell schlagendes Herz zu beruhigen, doch es gelang ihm nur bedingt. Schließlich entschloss er sich Feliciano in Sicherheit zu bringen oder zumindest nicht in dieser Wohnung zu lassen. Sie wussten nicht, wann etwas passieren würde, aber sie sollten dennoch keine Risiken eingehen. Sie hatten bereits Anya verloren und er war nicht bereit eine weitere Person innerhalb einer Woche zu verlieren. Noch dazu einen Kollegen. "Wir sollten ein Taxi zu meiner Wohnung nehmen. Du wärst dort vermutlich sicherer als hier."
Der Italiener sah überrascht zu dem Blonden auf. Dieser Blick wurde schnell mit einem kleinen Lächeln ersetzt. "Aber wird sich deine Freundin nicht furchtbar aufregen, wenn du plötzlich jemanden mitbringst? So spät nachts noch dazu."
Ludwig, der zwischenzeitlich sein Telefon aus der Hosentasche geholt hatte, um nach Fahrgelegenheiten zu suchen, war dieses Mal derjenige, der überrascht aufblickte und seine Augenbrauen zusammenzog. Wie kam Feliciano auf die Idee, dass er jemanden hatte, der Zuhause auf ihn wartete? Generell schienen in letzter Zeit mehr und mehr Leute zu denken, er hege für irgendjemanden romantische Gefühle. Elizabeta, Gilbert und jetzt Feliciano. Wenn sich das weiter rumspräche, dann wüsste Ludwig wirklich nicht was er tun sollte.
"Mein Bruder wird nichts dagegen haben", sagte er schließlich. Mal davon abgesehen, dass er der eigentliche Mieter der Wohnung war und Gilbert ihm nichts vorschreiben konnte. Er zahlte die Miete und konnte demnach bringen, wenn auch immer er wollte.
Ihm entging nicht, wie der Auszubildende anfing breiter zu Lächeln, doch sprach er es nicht an und entschloss sich endlich ein Taxi zu rufen.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Nachdem Ludwig das Taxiunternehmen angerufen hatte, dauerte es nicht lange bis eines zu der angegebenen Adresse kam. Ebenso dauerte es nicht lange bis sie eingestiegen waren und an die vorgegebene Adresse fuhren. Wie geplant, hatte der Blonde beschlossen einige Straßen vorher anzuhalten und zu warten bis das Taxi außer Sicht war, bevor sie sich zu seiner Wohnung begaben. Merkwürdigerweise empfand er eine Art Nervosität bei dem Gedanken, dass Feliciano seine Behausung sehen würde. Es war nichts besonderes und er fürchtete auch nicht, dass es in irgendeiner Art und Weise unordentlich war. Sie war noch ordentlich genug als er die Wohnung verlassen hatte und Gilbert war im Tiefschlaf, demnach konnte er keine Unordnung anrichten. Woher die Nervosität kam, konnte er daher nicht nachvollziehen.

Sobald sie angekommen waren, half er dabei den Koffer von Feliciano in den dritten Stock zu tragen. Feliciano war während der gesamten Zeit ruhig. Er lächelte lediglich. Ludwig hatte bereits die Hoffnung aufgegeben, dass der junge Mann die gravierende Bedrohung wahrnimmt, in der er sich befand. Er schien sich viel mehr Sorgen um andere Personen machen, unter anderem seinen Bruder. Es ging sogar so weit, dass er sich um das Wohlbefinden Antonios und Ludwigs sorgte. Er konnte verstehen, dass Feliciano nicht wollte, dass andere Menschen wegen ihm verletzt wurden, aber er sollte dennoch auch an sich selbst denken. Zumindest in solch einer Situation.

Die Wohnung war ruhig als sie diese betraten. Das war nicht überraschend. Gilbert hatte einen sehr tiefen Schlaf und hatte vermutlich nicht einmal mitbekommen, dass er für einige Zeit fort gewesen ist. Es war besser so. Er hatte nicht den Nerv, um jetzt irgendetwas zu erklären. Vor allem, da er diese Informationen vermutlich nicht einmal mit seinem Bruder teilen durfte. Zumindest nicht, bis sie die nächsten Schritte geplant hatten. Wie er dann das Bleiben von Feliciano erklären würde, hatte er bisher noch nicht überlegt.
"Fühl dich wie Zuhause", sagte Ludwig. "Ich werde Gilbert morgen früh aus dem Gästezimmer werfen damit du deine Privatsphäre haben kannst." - "Oh, das ist doch nicht notwendig", wand Feliciano ein. Er hatte rosige Wangen, während er mit seinen Armen defensiv vor sich wedelte. "Ich möchte wirklich keine Umstände bereiten."
"Das ist schon in Ordnung. Glaub mir. Außerdem ist es sowieso an der Zeit, dass er auszieht." Er hatte nichts dagegen, dass sein Bruder bei ihm blieb. Zumindest störte es ihn nicht, solange es nur vorübergehend war. Wenn Gilbert allerdings ständig bei ihm blieb, fühlte er sich nicht wirklich unabhängig, obwohl das das eigentliche Ziel gewesen ist. Außerdem war er sich sicher, dass der Ältere auch lieber einen Gast im Gästezimmer hätte als diesen im Wohnzimmer schlafen zu lassen. Die Familie Beilschmidt hatte Gastfreundschaft schon immer sehr ernst genommen.
"Das Badezimmer ist den Flur runter, links. Mein Zimmer ist das Gegenüber. Falls etwas sein sollte, kannst du dich jederzeit melden", fuhr Ludwig schließlich fort. Anschließend machte er sich dran, die Couch so bequem wie möglich zu gestalten. Glücklicherweise war es eine ausziehbare Couch, die er sich damals gekauft hatte und obgleich sie nicht die modernste war, so war sie doch sehr bequem. Sobald er diese dann auch mit einem Bettlaken überzogen hatte und auch den Rest mit Bettbezug ausgestattet hatte, wandte er sich wieder an Feliciano, der ein wenig nervös zu sein schien. "Möchtest du noch etwas zu trinken?" - "Nein, ist schon gut. Danke."
Ludwig nickte. Erneut standen sie etwas unbeholfen da. Keiner wusste so richtig was er sagen sollte. Schließlich räusperte sich der Größere. "Also gut, dann gute Nacht. Versuch ein wenig zu schlafen. Du wirst die Energie morgen brauchen."

Feliciano nickte etwas zögerlich und schenkte dem Blonden ein Lächeln. "Danke Ludwig."
Der Angesprochene brummte nur und machte sich hastig auf den Weg in sein Schlafzimmer.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Der nächste Morgen verlief eindeutig besser als Ludwig es zuerst angenommen hatte. Er wachte pünktlich um 5 Uhr morgens auf und machte sich für die Arbeit fertig. Sobald er damit fertig war, ging er in die Küche, um Frühstück vorzubereiten. Glücklicherweise schien Feliciano tatsächlich eingeschlafen zu sein. Er wollte ihn noch nicht wecken, da es eine lange und aufregende Nacht gewesen ist und machte deshalb die Tür zur Küche zu.
Ludwig war nicht gerade ein begnadeter Koch, doch er war in der Lage ein zufriedenstellendes Frühstück vorzubereiten. Deshalb machte er sich dran Rührei mit Speck zuzubereiten. Er hoffte sehr, dass Feliciano kein Vegetarier war, sonst wäre dies sehr unangebracht. Er wünschte, er hätte vorher fragen können. Bald schon erinnerte er sich jedoch daran, dass Feliciano ihm von seinem Leibgericht erzählt hatte und die zahlreichen Möglichkeiten, mit denen er seine Pasta gerne kombinierte, darunter auch Speck. Das beruhigte ihn durchaus.

Noch bevor er fertig war mit dem Kochen, kam Gilbert in die Küche getorkelt. Seine weißen Haare sahen aus als hätte sich darin ein Vogelnest eingenistet, aber zumindest hatte er es geschafft sich ein Tanktop überzuziehen. Demnach war er zumindest halbwegs präsentabel angezogen. "West? Ich dachte, du fängst heute später an. Warum bist du schon so früh wach?"
Selbst wenn Ludwig ein Frühaufsteher war, so genehmigte er sich dennoch an einigen Tagen länger zu schlafen. Vor allem, wenn er erst später zur Arbeit musste. "Leise, Gil. Wir haben einen Gast."
Gilbert runzelte die Stirn. Er konnte sich nicht an einen Gast erinnern. Matthew hatten sie am Tag vorher schließlich nachhause gefahren und niemand sonst war im Auto gewesen. Außerdem war niemand am Abend gekommen, nachdem die Brüder sich in die jeweiligen Zimmer begeben hatten. Er war noch einige Zeit wach gewesen, deshalb war er sich hierbei ziemlich sicher. Das würde aber zumindest erklären, weshalb West so früh aufgestanden war und weshalb die Tür zur Küche geschlossen war. Oh, und wenn er jetzt so darüber nachdachte, das Bettzeug im Wohnzimmer.

"Wer?", brummte der ältere Beilschmidt-Bruder, doch hielt er sich an die Vorgaben und stellte sicher, dass seine Stimme nicht ganz so laut war.
"Feliciano Vargas, einer der Auszubildenden", erwiderte Ludwig. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Gilbert einen verblüfften Gesichtsausdruck hatte. Es wunderte ihn nicht. Feliciano war zwar ein sehr geselliger Mensch, doch hatte er mit keinem der beiden Beilschmidt Brüdern viel zutun gehabt. Demnach war es überraschend und alarmierend, dass er plötzlich bei ihnen übernachtete.
"Okay, willst du es mir gleich erklären oder sobald er wach ist?" - "Ich kann es dir erstmal gar nicht erklären", erwiderte der Blonde. "Es hat etwas mit der Arbeit zutun und vielleicht kann ich es dir heute Abend besser erläutern. Aber es ist möglich, dass Feliciano erstmal für eine Weile bei uns bleiben wird. Deshalb muss ich dich auch bitten, dass du das Gästezimmer möglichst für ihn frei machst."
Gilbert brummte erneut, doch es klang nicht so als würde er wirklich etwas dagegen haben. Er wusste, dass sie manchmal einige Daten verheimlichen mussten. Datenschutz, Schweigepflicht und all das. Auch wusste er, dass es durchaus höflicher wäre, wenn der Gast auch wirklich im Gästezimmer schlafen würde und die Couch war nicht unbequem. Notfalls könnte er Tonio oder Francis fragen, ob er bei ihnen bleiben könnte. Er war sich sicher, dass seine besten Freunde nichts dagegen hätten.

Noch bevor sie weitere Details austauschen konnten, hörten sie durch den Spalt, den Gilbert offengelassen hatte, Bewegungen im Wohnzimmer. Sie warfen sich einen Blick zu und verstummten. Der ältere Bruder machte sich nützlich und deckte den Tisch während der Jüngere das Rührei dreiteilte.
Bald schon kam Feliciano in die Küche. Er lächelte seine Kollegen freundlich an. "Guten Morgen", begrüßte er sie und bekam ebendies zurück.
Der Rest des Frühstücks verlief weiterhin ruhig und schließlich machten sich Ludwig und Feliciano auf den Weg zum Revier. Antonio wartete vermutlich bereits auf sie und er wollte den älteren Mann nur ungerne beunruhigen.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Auch wenn es nicht die beste Idee war, nutzten die beiden Beamten die öffentlichen Verkehrsmittel, um ihr Ziel zu erreichen. Sie hätten ein Taxi nehmen können, aber das Unternehmen war zu dieser Zeit ausgelastet und sie hätten über eine Stunde warten müssen. Gilbert hatte keinen eigenen Wagen, also konnten sie auch diese Option nicht nutzen.
Glücklicherweise kamen sie ohne weitere Vorfälle beim Revier an. Natürlich hatte Ludwig Ausschau nach irgendwelchen verdächtigen Aktivitäten oder Personen gehalten, aber er hatte niemanden bemerkt. Andererseits vermutete er, dass wenn jemand geschickt wird, um sich Feliciano vorzunehmen, es ein Profi sein würde.

Bald schon liefen sie auf zum Büro, das sich die beiden Detektive teilten. Ludwig entging nicht, dass Feliciano sich mehr und mehr anspannte, umso näher sie kamen. Er fragte sich kurzzeitig, ob dies daran lag, dass sein Bruder und Lovino hinter den Türen sein würden oder ob es etwas anderes gab, das Feliciano ihnen nicht gesagt hatte. Ein kurzer Funken Hoffnung, dass dieser die Situation endlich für das erkannte, was es war, war auch involviert. Allerdings starb dieser schon bald wieder. Das war wohl eher weniger der Grund. Ehrlich, zumindest befolgte der junge Mann ihre Befehle. Das war definitiv etwas wert.

Sobald sie die Tür öffneten und hineintraten, fiel der Blick des Blonden auf einen unbekannten Mann, der seine Arme vor der Brust verschränkt hatte und direkt vor Antonio stand. Er hatte einen grimmigen Blick und sah seinen Gegenüber beinahe herausfordernd an. Ludwig hätte beinahe gemeint, die Beiden befanden sich in einer heftigen Auseinandersetzung und er müsse diese Situation deeskalieren. Im rechten Moment bemerkte er jedoch Antonios breites Grinsen, sowie die lockere Körperhaltung. Das war ein deutlicher Hinweis, dass es sich nicht um einen Streit handeln konnte. Antonios Muskeln wären sonst angespannt und er wäre garantiert weniger fröhlich.
Des Weiteren fiel ihm die unfassbare Ähnlichkeit zwischen Feliciano und dem Mann auf, von dem er vermutete, dass es sich um Lovino handelte. Tatsächlich hätte Ludwig beinahe denken können, dass sie Zwillinge waren. Es gab einige wenige Unterschiede, die sich hauptsächlich auf eine dunklere Haarfarbe und Teint auf Seiten des älteren Bruders bezog. Außerdem hatte Feliciano rehbraune Augen, sein Bruder dagegen eher bernsteinfarbene.

"Fratello", kam es dann leise von dem kleineren Italiener neben ihm, noch bevor er die Turteltauben mit einem Räuspern aus ihrer eigenen Welt ziehen konnte. Ebendiese richteten augenblicklich ihre Blicke auf die Neuankömmlinge. Ohne zu zögern, trat Feliciano näher zu seinem Bruder und nahm Lovinos Gesicht in seine Hände. Er drehte dieses umher, beinahe als würde er sicher gehen wollen, dass es sich nicht um ein Trugbild handelte. "Du bist es wirklich."
Die Detektive warfen sich einen Blick zu. Ludwig war offensichtlich verwirrt. Antonio dagegen schien mehr zu wissen. Er würde es ihm später erklären, dass sagte ihm sein Blick ziemlich deutlich. Also nahm sich der Blonde zurück und beobachtete stattdessen das Treffen der Geschwister.
"Idiota, natürlich bin ich es wirklich. Oder denkst du wirklich, dass jemand wie Antonio in der Lage ist einen exakten Doppelgänger zu organisieren? Noch dazu über Nacht. Ich bin tagtäglich überrascht, dass er es offensichtlich schafft sein eigenes Spiegelbild zu finden."
Zur großen Überraschung Ludwigs, lachte sowohl Feliciano als auch Antonio. Dieses Verhalten überraschte ihn generell sehr. Er hatte sich durch Antonios Beschreibungen den Barmann eindeutig anders vorgestellt. Netter, niedlicher. Solche passiv-aggressiven Beleidigungen konnte er kaum als "süß" bezeichnen und er verstand nicht ganz, wie sein Partner diese als solche empfinden konnte. Zählten die Beleidigungen vielleicht doch schon als direkt aggressiv? Er war sich unsicher.

"Oi, stronzo. Du bist Tonis Partner, nicht? Ich schwöre dir, wenn du meinen Bruder auch nur mit einem einzigen deiner lächerlich-muskulösen Fingern berührt hast, dann wirst du das Bereuen. Wehe dir, ich finde heraus, dass du ihn in einer solchen Situation auch noch ausgenutzt hast. Dann kannst du aber was erleben", fuhr der ältere Italiener fort. Ludwig fühlte sich alles andere als bedroht, dennoch blieb er ruhig. Wie genau sollte er mit einer solchen Situation umgehen? Sein Blick schweifte kurzzeitig zu Antonio, der sich ein Lachen zu verkneifen schien. Wie konnte er gerade auch nur ans Lachen denken? Das galt als (Beamten-)Beleidigung und eindeutige Drohung. Er könnte Lovino dafür verklagen.
"Lovi. Ludwig ist nicht so. Mach dir keine Sorgen!", wandte sich Feliciano schließlich ein. Er hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen. Der junge Mann sah glücklich aus, seinen älteren Bruder zu sehen und nur deswegen entschloss sich Ludwig, dass er keine rechtlichen Schritte einleiten würde. Er wollte nicht der Grund sein, weshalb der andere sein Lächeln verlor. Hauptsächlich, weil ihn das gesamte Revier wohl fertig machen würde, wenn er es auch nur versuchte. Es hatte nichts damit zutun, dass ihm etwas an Felicianos Freude lag. Lächerlich.

"Wer macht sich hier Sorgen? Halt die Klappe, du weißt gar nichts", erwiderte Lovino. Sein düsterer Gesichtsausdruck verdunkelte sich weiter, selbst als seine Aufmerksamkeit völlig bei Feliciano lag. Dennoch merkte man, dass er etwas zögerlicher wurde. "Bist du in Ordnung?"
Der Auszubildende nickte. "Alles gut. Du musst gestern einen ganz schönen Schock bekommen haben, als Antonio plötzlich aufgetaucht ist."
"Kannst du aber laut sagen", beschwerte sich Lovino. "Ich dachte erst, der hat angefangen mich zu stalken. Er war schon immer verdächtig, sooft wie der in die Bar kommt."
Antonio lachte. "Lovino, mach' mich nicht zum schlechten Vorbild vor unserem Auszubildenden."
"Ich sage nur die Wahrheit, du Idiot. Der Rest warst ganz allein du", antwortete Lovino, ohne sich von Feliciano wegzudrehen. Schließlich musste er seinen Blick jedoch lösen. Er blickte die beiden Detektive abwechselnd an. "Also, was ist der Plan? Wie wollt ihr sicherstellen, dass meinem Bruder nichts passiert?"

"Fernández. Beilschmidt", ertönte die Stimme von Kirkland. "In mein Büro. Jetzt. Ohne Eure Gäste."

✩ ✩ ✩ Ende - Kapitel 7 ✩ ✩ ✩


Diese Geschichte wird fortan weitergeführt. Da allerdings mehrere Jahre vergangen sind, seitdem sie angefangen wurde, sind viele Ideen verloren gegangen. Deshalb seid bitte nachsichtig. Auch wenn einige Details nicht übereinstimmen. Gerne könnt ihr mich darauf jedoch hinweisen, da ich solche Fehler augenblicklich berichtigen werde.

Außerdem suche ich einen  Beta-Leser.
Ihr müsst keine Erfahrung darin haben und ich erwarte auch nicht, dass ihr absolut perfekte grammatische Kenntnisse habt. Hauptsache größere Fehler, wie versehentliche Lücken, sinnloser Satzbau, usw. können erkannt und vermieden werden. Sowie Hinweise, dass ich meinen Hintern hochbekommen soll um ein weiteres Kapitel zu schreiben.
Gerne jederzeit per Privatnachricht bei mir melden! :)

Damit verabschiede ich mich erstmal. Bleibt gesund, trinkt genug Wasser und habt einen wundervollen Tag!
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