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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
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27.12.2017 4.160
 
Kapitel 5.
Ludwigs Sicht


Nicht ganz sicher was er nun mit seinem freien Tag anfangen sollte, blickte sich Ludwig außerhalb des gerichtsmedizinischen Instituts um. Eingekauft hatte er bereits am Vortag, aber vielleicht könnte er sich heute die Zeit nehmen um etwas Ordnung in seine Wohnung zu bringen. Er zweifelte nicht daran, dass Gilbert wieder einmal alle seine Sachen unaufgeräumt liegen gelassen hatte. Dabei war er eigentlich der größere Perfektionist unter ihnen und der, der darauf bestanden hatte, dass sie jede Woche mindestens dreimal eine Art Hausputz machten.
Bevor er jedoch losfuhr, beschloss er seinen Kopf frei zu bekommen indem er eine rauchte. Zurzeit kam es immer häufiger vor, dass er zur Zigarette griff, wenn er gestresst war. Obwohl sein momentaner Zustand sowieso schon weit über dem normalen Stress lag. Das jetzt auch noch die Sache mit dem verschwundenen Beweismaterial dazukam, war auch nicht gerade vorteilhaft. Er verstand einfach nicht, wie etwas aus einem behüteten Institut wie diesem verschwinden konnte. Es hatten immerhin nicht viele Zutritt.
Apropos Zutritt: Feliciano war auch ziemlich leicht hinein gekommen, obwohl er dort nichts verloren hatte. Er hatte weder die Genehmigung des Direktors, noch arbeitete er an einem Fall, der einen Besuch bei der Gerichtsmedizinerin erforderte. Vielleicht sollte er Elizabeta fragen, was es damit auf sich hatte. Immerhin war er schon hier. Er würde allerdings erst einmal seinen Krebserreger zu Ende rauchen bevor er die Frau erneut störte.

Nur wenige Minuten später änderte sich sein Plan, denn die Ungarin kam von alleine heraus. Sie hatte aus dem Fenster gesehen, dass Ludwig noch immer hier war.
"Mach dir nicht so viele Gedanken um die Probleme", sprach sie ihn an. Sie stellte sich ein paar Schritte von ihm entfernt hin, dabei achtete sie darauf, dass sie gegen die Windrichtung stand. Der Deutsche wusste weshalb. Elizabeta konnte den Geruch von Zigaretten nicht leiden, deshalb tat er ihr einen Gefallen und ließ seine auf den Boden fallen ehe er sie austrat. Skeptisch folgte sie dem Tabakprodukt mit den Augen ehe sie missbilligend aufblickte. Ihre Augen sagten soviel wie "Du hebst das danach besser auf, dass ist Umweltverschmutzung". Ohne darauf einzugehen, seufzte er. Natürlich würde er es aufheben.
"Es ist nicht unbedingt die Probe um die ich mir Gedanken mache", entgegnete er schließlich. Sie zog eine Augenbraue hoch, kam ihm jetzt doch einen Schritt näher zu ihm. "Was ist es dann? Hast du dich verliebt?"
Auf ihren Lippen schlich sein ein breites Lächeln. So sehr sie es auch abstreitet, sie erinnerte ihn hin und wieder wirklich an Gilbert. Es war beinahe schon tragisch, dass sich die Beiden voneinander getrennt hatten. Sie passten gut zusammen. Doch zugegeben, sie und Roderich taten das genauso.
"Nein, das ist es auch nicht. Ich frage mich nur.. Wie gut kennst du Feliciano?" - "Feli? Wieso willst du das wissen?", fragte sie zögerlich.
"Es ist nur, er kommt mir ein wenig komisch vor."
Glücklicherweise konnte er mit der Braunhaarigen offen sprechen. Er konnte ihr vertrauen und normalerweise hatte sie auch einen guten Rat parat. "Inwiefern?", stellte sie erneut eine Frage.

Er überlegte einen Augenblick. "Ich habe das Gefühl er würde etwas verbergen. Er versucht mit allen Mitteln etwas zu verstecken und aus irgendeinem Grund denke ich, dass es etwas mit » Seraph « zutun hat."
"Wie genau kommst du darauf?", hackte Elizabeta weiter nach. Ludwig blickte auf den Boden während er versuchte seinen Worte weise zu wählen. "Die Art wie er sich speziell für diesen Fall interessiert und die ganzen Details darüber weiß. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, er weiß noch mehr, aber er sagt es uns nicht. Und es ist nicht die gesunde Neugierde einer Person. Er ist an jedem Tatort aufzufinden, wo auch nur der kleinste Verdacht besteht, es könne etwas mit » Seraph « zutun haben. Selbst hier spaziert er einfach herein als wäre es das Normalste auf der Welt. Das soll keine Beleidigung sein, Eliza, aber er hat keine Genehmigung dazu. Jedenfalls nicht das ich wüsste."
Nachdenklich verschränkte die Medizinerin die Arme vor der Brust. Sie konnte nicht bestreiten, dass Feliciano etwas mit aller Macht versuchte zu verheimlichen. Auch ihr war es aufgefallen, vor allem umso weiter sie sich mit ihm anfreundete. Doch sie hatte keine Ahnung wie weit dieses Verhalten ging und wenn sich Ludwig deshalb Gedanken machte, dann konnte es nichts Gutes bedeuten. Er hatte ein Talent für sowas und würde sein Gefühl nicht Alarm schlagen, würde er sich aus solchen Dingen komplett heraushalten.

Der Deutsche dachte an das Telefonat, das er versehentlich belauscht hatte. Er wusste nicht, ob er ihr davon erzählen sollte. Es reichte vermutlich schon, dass er es Antonio verraten hatte. Andererseits wusste Elizabeta vielleicht mehr darüber oder hatte eine Ahnung mit wem er telefoniert hatte. Ah, nein. Vielleicht sollte er es einfach vergessen. Feliciano würde auf sie zukommen, wenn er ihre Hilfe brauchte. Das hatte Antonio auch gesagt.
"Ich kenne ihn noch nicht sehr lange, aber ich werde mehr darauf achten und wenn ich etwas bemerken sollte, werde ich dir Bescheid sagen. In Ordnung, Großer?", unterbrach die Ältere seinen Gedanken. Sie lächelte ihn aufmunternd an. "Wir bekommen das hin und jetzt gib mir eine Umarmung. Es ist schon lange her seitdem ich eine bekommen habe von dir!"
Er seufzte leise auf und versuchte - vergeblich - sein kleines Lächeln zu verbergen. Sie hatte Recht, es war schon lange her. Das letzte Mal war wohl an ihrem Geburtstag vor einem Jahr, wenn er sich richtig erinnerte. Oder war es doch schon länger her? Sacht schloss er die Arme um die Kleinere und umarmte sie kurz. Er kannte sie seitdem er ein Kleinkind war und sie war für ihn beinahe eine Mutterfigur. Selbst wenn Gilbert und sie kein glückliches Paar geworden sind, war er froh, dass sie zumindest weiterhin Freunde geblieben waren.
Als sie sich wieder trennten, schien die Frau zufrieden zu sein. Die Beiden verabschiedeten sich und er machte sich auf den Weg zu einem Café, das nicht weit von hier entfernt war. Es war relativ neu, aber er hatte schon viel gutes darüber gehört und er könnte einen Kaffee gebrauchen. So oder so, es hatte gut getan mit Eliza über die Situation zu sprechen, diese Gedanken endlich loszuwerden und eine Bestätigung zu bekommen, dass er sich das Ganze nicht nur einbildete.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Das Café befand sich direkt neben der Straße. Vor dem Gebäude waren einige Tische aufgerichtet, für Kunden die gerne im Freien saßen mit ihrer Bestellung. Er selbst entschloss sich dazu, innen zu bleiben. Immerhin war es nicht besonders warm und das Wetter deutete darauf hin, dass es jederzeit regnen könnte. Das Kaffeehaus war in warmen, diskreten Farben gestrichen. Die Tische und Stühle waren perfekt auf die Wandfarbe eingestimmt und in einem guten Abstand aufgestellt worden. Hin und wieder erblickte man auch ein Gemälde. Meistens waren es Stillleben, hin und wieder kamen jedoch auch Landschaftsbilder vor. Mit anderen Worten war es ein guter und ruhiger Ort, was Ludwig sehr gefiel. Den Straßenlärm konnte man sehr leicht ausblenden, wobei die leise Melodien, die durch die Lautsprecher ertönten, sehr dabei halfen.
Er wählte einen Platz nicht weit von der Kassentheke, zog sich seine Jacke aus und setzte sich. Anschließend nahm er die Speisekarte, die auf jeden Tisch mindestens einmal verteilt lag. Sorgfältig las er sich die verschiedenen Getränkearten durch, entschloss sich letztendlich für einen simplen schwarzen Kaffee ohne Zusätze. Die Preise waren auch vollkommen in Ordnung.
Kurz darauf kam die Bedienung. Es war eine ältere Dame, die ihre Haare in einem Dutt zusammen gesteckt hatte. Ihre grünen Augen erinnerten ihn stark an Antonio, doch wusste er dank des Namenschildes, dass sie wohl eher nicht verwandt waren.
"Was darf es denn sein, mein Lieber?", fragte sie mit einem sanften Lächeln. Ihre Stimme war beruhigend.
"Ah, ein Kaffee bitte, ohne Milch und Zucker." - "Kommt sofort."

Ludwig blickte ihr einen kurzen Moment hinterher, dann nahm er sein Telefon aus der Hosentasche und las sich einige Nachrichten durch. Der Großteil bestand aus Neuigkeiten von seinem Bruder und eine Benachrichtigung einer Nachrichten-App. Er war noch nie gut mit Menschen gewesen und hatte deshalb auch recht wenige Freunde. Wenn man ehrlich war, zählte er nur wenige Leute zu seinem näheren Kreis: sein Bruder, Elizabeta, Francis und Antonio. Letztere waren eher bedingt durch den Kontakt zu Gilbert. Schließlich ging er auf eine der zahlreichen Social Media Seiten, in diesem Fall Facebook, und sah sich einige Posts an. Er hatte nicht viel zutun mit den ganzen Internetseiten und war auf den Meisten nur angemeldet, weil sein Bruder darauf bestanden hatte. Manchmal war es einfacher dessen Wünsche zu befolgen bevor man Kopfschmerzen bekam.
Die Posts waren nicht sonderlich interessant und abgelenkt wurde er schließlich von der Glocke an der Tür, die darauf aufmerksam machte, dass jemand das Café betreten hatte. Er blickte auf und wollte die Person begrüßen, aus reiner Höflichkeit und Reflex, doch erstarrte als ein paar bernsteinfarbene Augen seine blauen trafen.

Ohne zu zögern lief Feliciano auf ihn zu, seine Fröhlichkeit deutlich sichtbar. "Darf ich mich setzen?"
Als Antwort bekam er ein Nicken, da der Blonde seine Sprache noch immer nicht gefunden hatte. Er hätte nicht damit gerechnet jemanden zu treffen, den er kannte. Geschweige denn den Italiener. Aber er musste es positiv nehmen, denn vielleicht war das seine Chance um einige Unklarheiten aus dem Weg zu räumen.
"Machst du Mittagspause?", brachte dieser ihn aus seinen Gedanken. Dann blickte er sich um. "Ist Antonio nicht hier?"
"Nein, wir.. haben beschlossen uns den restlichen Nachmittag frei zunehmen um einen klaren Kopf zu schaffen", erwiderte der Blonde. Dabei achtete er genau auf seine Wortwahl. Er wollte nicht zu viel verraten. "Und du?"
"Oh, Mister Kirkland meinte, ich solle ein paar Überstunden abbauen, deshalb habe ich frei und da wir sowieso in der Nähe waren, hab ich mir gedacht, ich probiere das Café hier mal aus."
Na, ob du Koffein brauchst ist fraglich, dachte Ludwig skeptisch. Ah, halt, das ist unhöflich so zu denken.

Der Azubi legte den Kopf schief und startete einen erneuten Versuch um eine Konversation aufzubauen: "Ich hätte nicht gedacht, dich hier zu treffen, Ludwig." - "Das könnte ich auch von dir sagen", gab der Angesprochene zurück. Die Antwort entlockte Feliciano ein Lachen. "Wirklich? Warum denn nicht?"
"Na ja, du scheinst mir nicht der Typ zu sein der Kaffee trinkt", antwortete Ludwig vorsichtig. Erneut hörte man ein Lachen.
"Hm, das stimmt schon. Aber das Cappuccino hier soll gut sein, ve~"
Wie aufs Stichwort kam die ältere Dame zurück mit dem bestellten Kaffee. Sie schien kurzzeitig überrascht zu sein, dass noch jemanden dazugekommen war. Doch dieser Blick wurde hastig durch ein sanftes Lächeln ersetzt. "Oh, Sie haben Gesellschaft. Weiß denn der Herr schon, was er möchte?"
Erneut zögerte Feliciano nicht und sagte der Frau seine Bestellung. Ludwig hatte das Gefühl die Beiden lieferten sich einen Wettbewerb, wer am breitesten Lächeln konnte und die Dame war gerade dabei zu verlieren.
Sobald sie wieder gegangen war, drehte sich der Jüngere zu ihm.
"Wie läuft es auf der Arbeit?" - "Feliciano, wir sind Kollegen. Auch wenn du in einem anderen Bereich arbeitest, so bin ich mir ziemlich sicher, dass du weißt wie es läuft."
"Stimmt", lachte er, "Ich dachte nur, dass ihr vielleicht etwas neues herausgefunden habt."
"Nein", entgegnete Ludwig trocken.

Er mochte es nicht daran erinnert zu werden, dass sie noch immer am Anfang hingen und keine Ahnung hatten wen sie denn überhaupt suchen mussten während  » Seraph « oder » Roma « weiter mordete. Es machte ihn fertig, dass sie keinerlei Anhaltspunkte hatten. Es gab schon viel zu viele Tote deswegen. Seine Gedanken schweiften kurz zu Anya. Er wünschte, sie hätten sie beschützen können. Er wünschte, sie hätten sie retten können.
"Übrigens wollte ich mich noch bei dir bedanken."
Ludwig blickte irritiert auf. "Bedanken? Wofür?"
"Wegen dem Telefonat. Das du nicht gelauscht hast.. und ehrlich zu mir warst." - "Das ist selbstverständlich, immerhin geht es mich nichts an."
Um den Jüngeren nicht ansehen zu müssen, hob er seine Tasse und trank einen Schluck. Er war heiß. So heiß, dass er sich beinahe die Zunge daran verbrannte. Und voller Aroma, was ihm durchaus gefiel. Die Dame - von der er auch annahm, dass sie die Besitzerin war, hatte deutliche Erfahrung mit dem Kochen des Getränks.
Gerade als er den Gedanken beendet hatte, kam diese erneut zu ihnen. Dieses Mal mit Felicianos Cappuccino.
Anschließend herrschte eine unangenehme Stille zwischen ihnen. Wie bereits erwähnt, war Ludwig nicht besonders gut im Umgang mit Menschen. Doch das schien Feliciano nicht zu stören, denn es dauerte keine zwei Minuten und er fing wieder an zu reden. Hauptsächlich erzählte er ein paar Sachen über sich, beispielsweise seine Liebe zu Pasta. Und nach nur einer kleinen Weile konnte der Jüngere Ludwig zum Lachen bringen. Das war auf jeden Fall ein Erfolg.

Ludwig verstand, weshalb die Leute Feliciano so sehr mochten. Er war freundlich, witzig und.. irgendwie auch ganz süß.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Am nächsten Tag kam Ludwig pünktlich wie immer auf die Arbeit. Dabei war er jedoch sehr müde, da er und Feliciano durch ihre Gespräche gestern die Zeit komplett vergessen hatten. Erst als die Besitzerin kam und meinte, sie würde gerne das Café schließen, wurde ihnen bewusst, dass sie schon viel zu lange dort gewesen sind. So trennten sich ihre Wege vom Café ab, da Feliciano in die andere Richtung gehen musste. Natürlich hatte er dem Jüngeren angeboten ihn nachhause zu bringen, doch dieser hatte abgelehnt. Bevor sie jedoch gingen, tauschten sie noch die Nummern aus und Ludwig verlangte, dass er ihm schreiben würde sobald er Zuhause angekommen war. Mann oder Frau, es waren gefährliche Zeiten und er konnte es sich nicht erlauben einen Kollegen zu verlieren. Selbst wenn es "nur" der Auszubildende war.

Zu seiner großen Überraschung war sogar Antonio an diesem Tag pünktlich. Sowas kam in den Monaten, in denen sie miteinander gearbeiteten hatten, vielleicht zwei, höchstens drei Mal vor. Normalerweise kam der Spanier mindestens eine halbe Stunde zu spät und so sehr es ihn auch nervte, niemand sagte etwas dagegen. Selbst der Hauptkommissar hatte die Hoffnung schon lange aufgegeben, denn es würde sich niemals ändern. Dafür machte Antonio allerdings auch oft Überstunden, die er sich nicht aufschrieb und er leistete für gewöhnlich ziemlich gute Arbeit, sodass über seine Missetaten wohl häufiger hinwegsehen konnte.
Die Beiden wechselten ein paar kurze Worte während sie zu ihrem Büro gingen. Dabei erzählte der Ältere ihm aufgeregt, was er über die sogenannte Blumensprache herausfinden konnte. Ludwig war nicht wirklich der Typ für sowas, er hatte nicht einmal gewusst das so etwas existiert, und er verstand am Anfang auch nicht, was genau Antonio von ihm wollte bis er es ihm genauer erklärte. Außerdem meinte er, sie sollten nach einem Schwarzmarkt Ausschau halten, denn irgendwoher musste der Mörder seine Waffen bekommen. Zu allem Überfluss erzählte er ihm von der Theorie, dass der Mörder nicht immer alleine arbeitete, sondern hin und wieder eventuell einen Partner hatte.

Dieser Gedanke verdarb Ludwig den ganzen Tag.

Kaum hatten sie die geteilte Räumlichkeit betreten, eilte Feliciano ihnen nach. In der Hand hielt dieser die tägliche Post. Ludwig war immer wieder erstaunt wie viele Briefe sich an nur einem einzigen Tag ansammeln konnte. Der junge Mann begrüßte die beiden Detektive fröhlich, legte dann Antonios Stapel auf dessen Tisch. Schließlich drehte er sich zu Ludwig und drückte ihm seine Briefe sacht in die Hand. Dabei fiel dem Blonden auf, dass sich ihre Hände länger berührten als sie eigentlich müssten. Doch er hatte nichts dagegen, was durchaus ungewöhnlich war. Felicianos Hand war warm und seine Haut zart. Er konnte immer noch nicht verstehen, wie jemand der so tickte freiwillig bei der Polizei sein wollte. Aber jeder hatte seine eigenen Gründe. Die beiden Männer blickten sich in die Augen, erinnerten sich dabei an den Vortag und ihre Gespräche. Beide schienen für einen kurzen Augenblick zu vergessen, dass sie nicht alleine waren im Raum. Feliciano öffnete den Mund um scheinbar etwas zu sagen, doch wurden sie schnell daran erinnert, dass sie keineswegs alleine waren.
"Was ist das?"
Ludwig, dessen Wangen sich leicht gerötet hatten, blickte auf den Brief in Antonios Hand. Langsam zog er eine seiner Augenbrauen in die Höhe. "Ein Brief?", erwiderte er leicht irritiert. Er hoffte sehr, dass der Spanier nüchtern zur Arbeit gekommen war. Gleichzeitig nervte es ihn dezent, dass Feliciano nicht sagen konnte, was er wollte. Er war sich sicher, dass er sich nun den ganzen Tag den Kopf zerbrechen würde, was er wohl hatte sagen wollen.
"Ja.. Nein, das war eine rhetorische Frage..", der Ältere drehte den Umschlag hin und her als würde er etwas suchen. Noch bevor Ludwig ihn darauf hinweisen konnte, dass er wohl eher weniger wirklich eine "rhetorische Frage" gemeint hatte, sprach Antonio weiter: "Hier ist kein Absender drauf."
"Passiert manchmal. Vielleicht hat der Verfasser innen geschrieben, wer er ist", schlug der Blonde vor ehe er sich seinem eigenen kleinen Stapel zuwendete. Er hatte nicht einmal mitbekommen wie Feliciano gegangen war und das hinterließ ein übles Gefühl in seiner Brust. Er hatte nicht unhöflich sein wollen.

Bei seinen Briefen war nichts besonderes dabei. Ein paar Anfragen von Journalisten, auf die er höchstwahrscheinlich nicht antworten würde, aber ansonsten war nichts interessantes da. Sobald er alles durchgeschaut hatte und ordentlich sortierte, machte er sich an die Aufgabe mit der höchsten Priorität. Er informierte sich, ob seine Kollegen von irgendeinem Schwarzmarkt in der Nähe wussten und tatsächlich fanden sie einen. Das war schon mal ein Anfang, aber er wusste, er müsse sich erst die Einverständnis vom Chef einholen bevor er weitere Schritte einleiten konnte. Um es nicht zu lange heraus zu zögern, füllte er den Antrag im Namen der beiden Detektivs aus und legte diesen auf Kirklands Schreibtisch. Dabei hörte er, wie einige Kollegen über ihren Fall redeten. Großartig. Weitere Erinnerungen daran, dass sie nicht nur immer noch am Anfang waren, sondern auch eine arme Frau nicht vor ihrem Ende bewahren konnten.

Er konnte kaum erwarten bis Feierabend war.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Der Feierabend konnte gar nicht schnell genug kommen, empfand Ludwig. Das war an sich schon ungewöhnlich, denn eigentlich war er ein wahrlicher Workaholic. Es war eine Charakteristik die jeder in seiner Familie besaß, selbst Gilbert. Doch als der Feierabend endlich eintrat, war sowohl er als auch sein Partner deutlich erleichtert. Sie richteten sich auf und zogen sich die Jacken über. Dabei fiel ihm auf, dass sich der Braunhaarige merkwürdig benahm. Das hatte er schon den ganzen Tag über getan. Er hatte es eiliger als sonst und war generell viel stiller als gewöhnlich. Für einen Moment vermutete er, dass Antonio endlich eine Verabredung mit seinem Lovi bekommen hatte. Diesen Gedanken verscheuchte er jedoch schnell wieder. Wenn es tatsächlich das gewesen wäre, hätte der Spanier niemals die Klappe halten können. Er hätte es vermutlich in die Welt heraus geschrien. Also musste es etwas anderes sein. Vielleicht hatte er einfach Pläne mit irgendwelchen Freunden oder Familienmitgliedern? Im Endeffekt ging es Ludwig nichts an und würde es ihn betreffen, so hätte Antonio ihm etwas gesagt.

Entspannt machte er sich also auf den Weg zu seinem Auto. Doch kaum war er eingestiegen, entdeckte er eine Person, die wild mit den Armen fuchtelte um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Es gelang ihr. Erstaunt zog er eine Augenbraue hoch und versuchte den Menschen zu erkennen. Wenige Momente später stellte sich heraus, dass es sein Bruder war. Hinter ihm war ein junger Mann mit gelockten, dunkel blonden Haaren aus der eine merkwürdige Locke herauskam. Matthew Williams, der Partner des älteren Beilschmidts. Er hätte ihn beinahe übersehen durch die weite Ausstrahlung des Albinos.
Da erinnerte sich Ludwig daran, dass heute der tag der Woche war, an dem er und sein Bruder um die selbe Uhrzeit Feierabend hatten. Deshalb fuhren sie für gewöhnlich auch zusammen nachhause nachdem sie Matthew Zuhause abgesetzt hatten.
Er wartete bis die Beiden in das Auto angestiegen waren, sowie sich anschnallten, bevor er den ersten Gang einstellte und losfuhr. Mittlerweile wusste er genau wohin er fahren musste und ließ sich von der lauten Stimme Gilberts nicht mehr so leicht ablenken. Vor allem nicht von dem schlechten Flirtversuchen auf Seiten des Albinos. Gut, er war vermutlich nicht die beste Person, die so etwas kritisieren konnte, da er selber noch schlechter darin war. Aber zumindest wusste er das und versuchte es erst gar nicht. Zugegeben, für ihn hatte die Karriere sowieso oberste Priorität während Gilbert sich stets auch nach einem Partner sehnte.

Nach knappen 25 Minuten kamen sie endlich bei ihnen Zuhause an. Matthews Wohnung lag auf dem Weg und sie hatten nur kurz anhalten müssen. Erst nachdem Ludwig das Auto eingeparkt hatte, fiel ihm auf, wie ruhig sein Bruder geworden war.
"Ist alles in Ordnung?", fragte er diesen besorgt. Der sonst so laute Mann blickte kurz zu ihm, murmelte dann eine leise Antwort: "Ja."
Nach einer kurzen Pause fuhr er jedoch fort. "Ich hab gehört, du warst gestern bei Eliza.. und hast mit ihr geredet."
"Hab ich. Ist das ein Problem?" Für gewöhnlich hatte Gilbert kein Problem damit, da er und die Medizinerin trotzdem gute Freunde geblieben sind, trotz der Trennung. Wieso also jetzt?
"Nein, es ist nur.." Erneut machte Gilbert eine Pause, was den jüngeren Bruder noch mehr verwirrte. "Du sagst mir doch, wenn du Hilfe brauchst oder wenn etwas passiert, oder?"
"Was meinst du damit?" - "Na, zum Beispiel wenn du dich in jemanden verliebt hast oder.. oder einfach Hilfe bei etwas brauchst."

Jetzt verstand er was passiert war. Elizabeta musste erneut die Realität verdreht und Gilbert von irgendwelchen Fantasien erzählt haben. So freundlich sie auch war, hatte sie auch diese Angewohnheit alles und jeden mit jemanden zu - wie nannte sie es gleich wieder? - "shippen". Und wenn sie damit angefangen hatte, würde sie erst aufhören, wenn dieses Paar tatsächlich zusammenkam oder sie jemand anderen für die Person gefunden hatte.
"Ja, Gilbert." - "Gibt es jemanden.. den du liebst? Du weißt, ich bin super offen und alles. Hauptsache du bist glücklich."
Das Gespräch war vorher bereits unangenehm und doch wurde es von Sekunde zu Sekunde noch schlimmer. Die Brüder sprachen normalerweise nicht über so etwas. Besonders nicht nach der äußerst ausführlichen Aufklärung über die Bienchen und die Blümchen, die Gilbert ihm damals gegeben hatte nachdem ihr Vater es ihm aufgetragen hatte. Natürlich war er definitiv dankbar, dass sein Bruder offen in vielerlei Hinsichten war. Egal ob es die Sexualität, das Geschlecht, die Religion oder sonstiges betraf. Aber er wollte definitiv nicht darüber sprechen.
"Nein. Jedenfalls nicht in romantischer Hinsicht." - "Oh, okay."
Damit schien er sich zufrieden zu geben, sehr zur Erleichterung des Größeren.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stiegen sie aus dem Wagen aus und betraten die Wohnung, die sich gegenwärtig teilten. Es war nicht viel geschehen an diesem Tag und dennoch fühlte sich Ludwig sehr erschöpft. Deshalb beschloss er letztlich auch ohne Abendessen zu Bett zugehen und wenn es den Vorteil brachte seinen Bruder einen Abend lang nicht zu sehen, umso besser. Glücklicherweise schien der Albino allerdings den selben Entschluss zu haben, also würde Ludwig sich nicht erklären müssen. Die Beiden wünschten sich eine gute Nacht und zogen sich in ihre jeweiligen Zimmern zurück. Der Blonde machte sich bereit fürs Bett, doch bemerkte schnell das an seinem Telefon ein Licht leuchtete. Ein Zeichen, das er eine Nachricht bekommen hatte. Er runzelte die Stirn und fürchtete beinahe, dass Gilbert entschlossen hatte die vorherige Unterhaltung via Textnachrichten fortzuführen. Schnell stellte er jedoch fest, dass dies nicht der Fall war.

[Heute]
Feliciano Vargas [21:23]:
Gute Nacht Ludwig!

Etwas perplex starrte er auf die geschriebenen Worte. In ihm breitete sich eine angenehme Wärme aus, die sich gleichzeitig aber auch komisch und fremdartig anfühlte. Nein, er fühlte sich kalt und warm zugleich. Solch ein Phänomen kannte er sonst nur von jeglichen Erkältungen, die er jemals gehabt hatte. Wurde er krank? Er bezweifelte es, denn er wurde nur äußerst selten krank. Sein Immunsystem war sehr gut. Aber konnte es sich diese Reaktion nicht anders erklären. Er hoffte wirklich sehr, dass er sich nicht erkälten würde. Das konnte er im Moment wirklich nicht gebrauchen. Andererseits konnte er das wohl nie gebrauchen.
Er zögerte einen weiteren Moment bevor er dem Italiener zurück schrieb.

Ich [21:30]: Gute Nacht, Feliciano

✩ ✩ ✩ Ende - Kapitel 5 ✩ ✩ ✩

ÜBERARBEITET: 24.05.2021

Bitte sagt mir Bescheid, wenn irgendetwas falsch formuliert wurde oder ihr Rechtschreibfehler findet. Ich gebe mein Bestes um diese zu Beheben, weil mir sowohl eine gute Grammatik, als auch Rechtschreibung sehr wichtig ist, vor allem in Geschichten. Auch für Verbesserungsvorschläge bin ich immer dankbar. Also nur raus damit!
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